Home RSS Go RED Go BLACK

Archiv - November 19, 2007

Gloria Theater Wien: Little Shop of Horrors

Little Shop of Horrors; Foto: Martin Bruny

Es gibt sie noch, die Musical-Überraschungen. Das Wiener Gloria Theater ist (noch) nicht dafür bekannt, eine Heimstätte für Musicalevergreens zu sein, eher schon für Boulevard und Komödien - mit den alten Publikumslieblingen wie beispielsweise Götz Kauffmann, Peter Lodynski oder Brigitte Neumeister als Zugpferde. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Am 16. November 2007 feierte jedenfalls im Gloria Theater Howard Ashmans & Alan Menkens Show “Little Shop of Horrors” Premiere, eine liebenswerte Version in einem gelungenen wunderbar verspielten altmodischen Bühnenbild (Robert Sinn, Gerold Kubitschek) mit knallig grünblau designten fleischfressenden Audreys II in verschiedensten Entwicklungsstufen bis hin zur riesengroßen fleischfressenden Furie, in einer Inszenierung von Gerhard Ernst, der, und das muss man bei den Versionen, die bisher in Wien zu sehen waren, fast betonen, auch den Schauspielszenen in diesem Musical die angemessene Beachtung zukommen lässt. Gerade bei “Little Shop of Horrors” erkennt man oft die Tendenz, die Schauspielszenen entweder aufs Notwendigste zu kürzen oder in furiosem Tempo runterzunudeln. Das ist bei der Version des Gloria Theaters nicht der Fall. Da ist es vielleicht ganz gut, an diesem Theater eine Art Crossover-Produktion von Boulevard und Musical zu haben, in der Wert auf gut getimte Pointen gelegt wird, vor allem vom Prinzipal des Hauses, Gerald Pichowetz.

Little Shop of Horrors; Foto: Martin Bruny

Mit Pichowetz in der Rolle des Blumenladenbesitzers Mr. Mushnik steht der Direktor des Gloria Theaters selbst in einer Hauptpartie auf der Bühne und gibt die Rolle mit fein einstudierter Mimik und Gestik, mit wunderbarem jiddischen Akzent, was dem Ganzen zusätzliches Flair verleiht - auch das eine Facette, die man nicht in jeder Produktion hört. Und auch eine flotte Tanzszene legt er gemeinsam mit Gernot Kranner (in der Rolle des Seymour) auf die Bühne, choreographiert von Cedric Lee Bradley, der damit einmal mehr beweist, dass man mit dem nötigen Know-how auch vermeintlichen Nichttänzern einen unpeinlichen und durchaus schwungvollen Tanzauftritt auf den Leib schneidern kann.

Little Shop of Horrors; Foto: Martin Bruny

Little Shop of Horrors; Foto: Martin Bruny

Gernot Kranner als “schüchterner Lehrling” Seymour ist ein schwieriger Fall. Im Prinzip könnte man es sich einfach machen und sagen, dass die Rolle mit ihm nicht altersadäquat besetzt ist, doch man nimmt Kranner den Seymour zum Teil durchaus ab, vor allem, was sein Schauspiel betrifft. Dass er einen Pepi trägt, damit man ihm die von der Rolle geforderte jugendliche Kraft oder auch Tollpatschigkeit bis in die (falschen) Haarspitzen ansieht, ist nicht das Problem. Es liegt schon eher daran, dass Seymours Songs nicht wirklich zu Kranners Stimme passen, denn den Körper kann man mit allerlei Mittelchen auf jung trimmen, aber die Stimme? Auch schien Kranner zumindest bei der Premiere nicht ganz wohl in seiner Haut zu sein, nicht ganz in der Rolle, aber das mag ein tatsächlich viel zu subjektiver Eindruck sein. Freilich kann es auch daran liegen, dass bei dieser Vorstellung in der ersten Reihe Mitte drei ältere Damen saßen, die sozusagen ohne Rücksicht auf Verluste ihre eigene, ganz private Show abzogen und ein Benehmen an den Tag legten, wie ich es in all den Jahren, die ich ins Theater gehe, noch nie erlebt habe. Die drei Damen könnten buchstäblich aus dem “Kaisermühlenblues” stammen. Im tiefsten Wiener Slang waren sie sich nicht zu dumm, fast jede Szene zu kommentieren oder sogar Vorschläge auf die Bühne zu brabbeln, wie ihrer Meinung nach die Handlung weitergehen könnte. Vielleicht mag es ja zu seiner Rolle gehören, aber als Mat Schuh als sadistischer Zahnarzt Dr. Orin Scrivello endlich das Zeitliche segnete und röchelnd zu Boden ging, zeigte er mit der rechten Hand, quasi als schene Leich, in Richtung der drei lärmenden Hausmeisterinnen den Stinkefinger. Wäre fast zu schön, wenn das eine spontane Geste gewesen wäre, aber letztlich blieb sie ohnedies ohne Wirkung, denn die drei waren schon dabei, eifrig Ratschläge zu geben, was Gernot Kranner denn als nächstes tun sollte. Gaben sie Kranner vor ein paar Sekunden noch lauthals den Rat “DASCHIESS EAM”, fragten sie ihn nun: “NA WOS MOCHST JETZA?”

Little Shop of Horrors; Foto: Martin Bruny

Mat Schuh als Dr. Orin Scrivello ist eine helle Freude. Der Vollblutentertainer entert die Bühne auf eine Weise und mit einem Gesichtsausdruck, den man wohl nur dann schafft, wenn man einen Blutdruckwert von 280 zu 140 hat und in ein Paar sensiblen Körperteilen Elektroden stecken, die sämtliche Gesichtsmuskeln gleichzeitig in alle vier Himmelsrichtungen reißen. Was immer Schuh vor seinem Auftritt getan hat, er sollte es sich patentieren lassen. Nicht mal ein Jim Carrey bekommt eine solche Mimik ohne Special Effects hin. Schuh war eindeutig eines der Glanzlichter dieses Premierenabends.

Little Shop of Horrors; Foto: Martin Bruny

Die Rounder Girls (Tini Kainrath, Kim Cooper und Lynne Kieran) geben als Crystal, Chiffon und Ronnette quasi ein Dacapo jener Rollen, die sie seinerzeit schon im Wiener Metropol spielten. Dieses Mal stimmlich noch überzeugender, sympathisch und mit witzigen wienerischen Einwürfen.

Little Shop of Horrors; Foto: Martin Bruny

Der Star des Premierenabends war Caroline Vasicek. Wenn man von ihr das typische lispelnde hysterische Blondinchen erwartet hätte, wäre man vermutlich enttäuscht. Weder lispelt sie übertrieben noch gestaltet sie ihre Rolle als Zerrbild eines billigen Blondinenwitzes. Was sie jedoch abliefert, sind wunderbare Interpretationen ihrer Songs. Da hört man im Theater keinen Mucks, bis zur letzten Reihe lauscht man dem sanften weichen Ausklingen von Liedern wie “Im Grünen irgendwo”. Sie verleiht ihrer Rolle weniger den Charakter einer Comicfigur, wie das bei vielen Inszenierungen des “Kleinen Horrorladen” der Fall ist, sondern gestaltet sie glaubhaft und berührend, auf jeden Fall auf ihre ganz eigene Weise.

Little Shop of Horrors; Foto: Martin Bruny

Der kleine und am Ende ganz große Pflanzenschreck Audrey II wird von Eddie Cole gesungen, einem Original-Mitglied der legendären US-TV-Show “Soul Train”. Als Sänger hat Cole mit Größen wie Diana Ross, Aretha Franklin, Tom Jones, The Pointer Sisters, Chaka Khan und Prince zusammengearbeitet. Cole ist ein begnadeter Soulsänger, und was den Gesang betrifft, liefert er eine perfekte Leistung beim “Kleinen Horrorladen” im Gloria Theater ab. Ein kleines Handicap hat er leider: Man versteht ihn relativ schlecht, wenn er Texte in deutscher Sprache singt. Noch dazu scheint ausgerechnet bei ihm die Tonregie (Walter Berger), die bei allen übrigen Darstellern ausgezeichnete Arbeit geleistet hat, keinen Weg gefunden zu haben, seine Gesangspassagen klarer auf die Bühne zu bekommen.

Die Band, bestehend aus Mario Pecoraro (Keyboard), Bernhard Eder (Keyboard), Juan Garcia (Bass), Christoph Helm (Gitarre), Michael Höglinger (Gitare) und Silvio Berger (Drums) liefert einen soliden Klangteppich, manchmal leiern die Synthis ein bisschen zu sehr, aber an und für sich macht man das Beste aus den Gegebenheiten.

Der “Kleine Horrorladen” im Floridsdorfer Gloria Theater ist ein Hit, den man nicht versäumen sollte.

Gloria Theater: “Little Shop of Horrors” - “Der Kleine Horrorladen”
Buch und Liedtexte: Howard Ashman
Deutsch von Michael Kunze
Musik: Alan Menken
Nach dem Film von Roger Corman
Drehbuch von Charles Griffith
Bühnenrechte: Gallissas Theaterverlag

Premiere: 16. November 2007 (Vorstellungen bis zum 27. Dezember)
Regie: Gerhard Ernst
Musikalische Leitung: Mario Pecoraro
Choreographie: Cedric Lee Bradley
Bühnenbild: Robert Sinn, Gerold Kubitschek
Kostümbild: Barbara Langbein
Maske: Harry Pfeifer, Wolfgang Haller
Inspizienz: Franz Mifkovic
Regie-Assistenz: Kirsten Rochhart
Licht: Thomas Feratova
Ton: Walter Berger

Seymour: Gernot Kranner (Leopold Paul Dallinger)
Audrey: Caroline Vasicek (Sandra Högl)
Mr. Mushnik: Gerald Pichowetz (Peter Faerber)
Dr. Orin Scrivello: Mat Schuh (Chris Kaye)
Crystal: Tini Kainrath
Chiffon: Kim Cooper
Ronnette: Lynne Kieran
Audrey II: Eddie Cole
Mrs. Luce: Kathrin Unterrainer
Sandler/Reporter: Rochus Millauer

Keyboard: Bernhard Eder, Mario Percoraro
Bass: Juan Garcia
Gitarre: Christoph Helm, Michael Höglinger
Drums: Silvio Berger

Karten & Information:
Online: tickets.jet.at
Hotline: +43 1 278 54 04
Fax: +43 1 278 54 04 4
Adresse: Gloria Theater, Prager Straße 9, 1210 Wien

Cenario: A N A T E V K A - the fiddler on the roof

19. November 2007
20:00bis22:00

Cenario ab 20 Uhr

… mit Constanze Scheib und Manfred Loydolt. Am Klavier Werner Mixan

Deutsches Theater München: Al Jarreau

19. November 2007
20:00bis22:30

Konzert/Jazz: Al Jarreau & Ndr Bigband Tour in Deutschland. “George Gershwin” Live-Tournee November-Dezember 2007

19.11.2007 20:00 München / Deutsches Theater
20.11.2007 20:00 Weimar / CCN Weimarhalle
30.11.2007 20:00 Dortmund / Konzerthaus Dortmund
03.12.2007 20:00 Berlin / Philharmonie Berlin
04.12.2007 20:00 Hamburg / Laeiszhalle Hamburg

“Ich frage mich, warum wir das nicht schon längst zusammen gemacht haben. Hier geschieht etwas wirklich Neues!” Zur Feier des 100. Geburtstags von George Gershwin 1998 präsentierte die NDR Bigband ein besonderes Programm: die Höhepunkte aus Porgy and Bess, in neuen Arrangements und ausdrucksstark verkörpert vom Gaststar Al Jarreau. Sein Kommentar damals: “Bisher habe ich diese Songs nur unter der Dusche gesungen. All diese Arrangements haben wunderbar viele Facetten. Und die Bigband ist einfach umwerfend.” Nach dem überwältigenden Erfolg des Jubiläumskonzertes in der Hamburger Speicherstadt ist dies einzigartige Projekt der NDR Bigband & Al Jarreau jetzt zum ersten Mal in Europa auf Tournee zu erleben.

Manche Bücher können das Gesicht der Welt verändern. Als George Gershwin 1926 der Roman Porgy von DuBose Heyward in die Hände fiel, war er fasziniert. Noch am gleichen Abend schrieb er dem Autor einen Brief - mit Plänen zu einer Oper. Die Premiere von Porgy and Bess in New York neun Jahre später geriet zum Skandal: alle Rollen waren mit schwarzen Sängerinnen und Sängern besetzt.

“Summertime”, “I Got Plenty o’ Nuttin’” und “It Ain’t Necessarily So” gingen als Erkennungsmelodien gegen die Diskriminierung in das ungeschriebene “Great American Songbook” ein. Ella Fitzgerald und Louis Armstrong waren 1957 die Stars der ersten vollständigen Jazzadaption der 700 Seiten starken Opern-Partitur, es folgten bemerkenswerte Porgy and Bess-Interpretationen u.a. von Miles Davis und Gil Evans, dem Modern Jazz Quartet, Oscar Peterson und Joe Pass, Joe Henderson und nicht zuletzt der NDR Bigband.

Zur Feier des 100. Geburtstags von George Gershwin 1998 präsentierte die NDR Bigband ein besonderes Programm: die Höhepunkte aus Porgy and Bess, in neuen Arrangements und ausdrucksstark verkörpert vom Gaststar Al Jarreau. Für den stilbildenden Sänger, der den Scatgesang in der Tradition von Jon Hendricks auch in die Hitparaden trug, war dies die erste Auseinandersetzung mit Gershwins Meisterwerk. “Bisher habe ich diese Songs nur unter der Dusche gesungen. All diese Arrangements haben wunderbar viele Facetten. Und die Bigband ist einfach umwerfend. Ich frage mich, warum wir das nicht schon längst zusammen gemacht haben. Hier geschieht etwas wirklich Neues.”

Die Arrangements stammen aus der Feder des britischen Pianisten Steve Gray, der Porgy and Bess von Grund auf re-komponierte. “Gershwin’s Musik ist zeitlos” stellt Al Jarreau fest. “Er war ein Jazz-Fan - aber seine grosse Stärke war es, europäische Klassik mit der Seele schwarzer Musik zu mischen und er hat es geschafft, dass beide harmonieren.”

Die NDR Bigband - dieses Ensemble von 18 der profiliertesten Jazzsolisten Europas - und Al Jarreau - der als einziger Sänger jeweils Grammys in den drei Kategorien Jazz, Pop und Rhythm & Blues vorweisen kann - folgen Gershwin nach und transponieren Porgy and Bess überzeugend in unsere Gegenwart. Ihre Al Jarreau & Ndr Bigband Tickets erhalten Sie natürlich gleich hier.