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Archiv - April 18, 2008

Musical-Castingshows, wofür eigentlich?

Vielleicht wäre es am besten, man würde mit deutschsprachigen Castingshows mal für ein paar Jahre aussetzen, das trifft insbesondere auf Musical-Castingshows mit ihrer oft unausgegorenen Konzeption zu und der zum Teil dadurch bedingten Unscheinbarkeit der Kandidaten. Kann sich jemand heute noch an irgendeinen der Ausgeschiedenen von “Ich Tarzan, Du Jane!” oder “Musical Showstar 2008″ erinnern?

Das Konzept der Gottschalk-Show beispielsweise scheint vor allem darauf zu beruhen, den einzigen Star der Show, nämlich Gottschalk selbst, so wenig wie möglich zu beanspruchen. So geht denn auch heute schon das Finale über die Bühne. Bei kolportierten 40.000 Euro Auftrittshonorar für Gottschalk vielleicht eine kluge Entscheidung.

Was die Musical-Showstars des ZDF machen werden mit ihrem Titel, ist eine Frage, die Gottschalk nicht beantworten kann, nicht mehr, denn wenn das Publikum Kandidaten zu Siegern kürt, die für die ursprünglich als Siegesprämie ausgeschriebenen Rollen in “Starlight Express” nicht geeignet sind, haben sie eben Pech gehabt. Da macht uns Sat.1 viel weniger vor (beziehungsweise mehr), denn am Ende wählt zwar das Publikum die Bottom 2, also die beiden Letztplatzierten, die Jury hat es jedoch in der Hand, ihre Favoriten bis zum bitteren Ende immer wieder durchzuboxen, denn sie entscheidet letztlich, wer wirklich gehen muss. Jeder Cent, den man also dafür an Telefongebühren ausgibt, ist vergeudet.

Was bei Gottschalks Format gefallen kann, sind die Stargäste, die auf eine gewisse Weise zeigen, was Musical auch sein kann. Was Musical weniger ist, zeigte ebenfalls Gottschalk am Anfang seiner letzten Show: Da rollten die Kandidaten (zum Teil) über die Bühne, während sie von ausgebildeten Tänzern in Grund und Boden getanzt und performt wurden. Das sind dann wohl die Szenen in Familienalben, wo man Jahre später sagt: “Mei, warst du da putzig.”

Sinnigerweise laufen heute die Castingshows auf ZDF und Sat.1 zum Teil parallel. Man wird sehen, wer davon profitieren kann. Gottschalk ist jedenfalls zuschauermäßig mit seinem Format weiter im Sinkflug. 3,34 Millionen sahen die zweite Liveshow, nur 0,87 Millionen der 14- bis 49-Jährigen (6,6 Prozent Marktanteil).

Eigentlich bräuchten wir ja Musical-Castingshows gar nicht. Die äußerst erfolgreiche Castingshow “American Idol”, die derzeit als erfolgreichstes TV-Abendprogramm mit Staffel 7 in den USA am Start ist und eigentlich Pop- oder Soulstars sucht, beweist, dass Musicalsuperstars ihren Weg finden, auch gerne über Pop-Castingshows (während umgekehrt so manches “Musical Idol” dann doch eher “Pop Idol” werden möchte). Eine kleine Übersicht, welche Teilnehmer der 7 Staffeln von “American Idol” letztlich (für eine bestimmte Zeit) im Musicalgenre gelandet sind, würde in etwa so aussehen:

Season 1 (2002)
Tamyra Gray (4. Platz):
November 2004: Broadway - “Bombay Dreams”
Mai 2007: Broadway - “Rent”

Justin Guarini (2. Platz)
2003: “From Justin to Kelly” (TV-Musical)

Kelly Clarkson
(1. Platz)
2003: “From Justin to Kelly” (TV-Musical)

Season 2 (2003)
Josh Strickland (Vorrunde)
2005: Regional Theatre - “Rent”
2006: Broadway - “Tarzan”

Vanessa Olivarez (12. Platz)
2004: Toronto - “Hairspray”

Clay Aiken (2. Platz)
2008: Broadway - “Spamalot”

Season 3 (2004)
Amy Adams (10. Platz)
2005: US-Tour - “Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat”

Jennifer Hudson (7. Platz)
2006: “Dreamgirls” (Filmmusical)

LaToya London (4. Platz)
2006: Chicago - “The Color Purple”
2006-2008: US-Tour - “The Color Purple”

Diana DeGarmo (2. Platz)
2005: San Jose - “West Side Story”
2006: Broadway - “Hairspray”
2006: US-Tour - “Brooklyn: The Musical”
2006-2007: Broadway - “Hairspray”

Fantasia Monique Barrino (1. Platz)
2007: Broadway - “The Color Purple”
2010: “The Color Purple” (Filmmusical, in Planung)

Season 4 (2005)
Constantine Maroulis (6. Platz)
2006: Broadway - “The Wedding Singer”
2007: Off-Broadway - “”Jacques Brel is Alive and Well and Living in Paris”

Anthony Fedorov (4. Platz)
2007: Off-Broadway - “The Fantasticks”
2008: US-Tour - “Simply Ballroom”

Vonzell Solomon (3. Platz)
2008: US-Tour - “Simply Ballroom”

Season 6 (2007)
LaKisha Jones (4. Platz)
2008: Broadway - “The Color Purple”

Kein Wunder also, dass Andrew Lloyd Webber nächsten Dienstag und Mittwoch die Hauptattraktion bei “American Idol” sein wird. In der aktuellen Staffel sind noch die Top 6 an Bord. Am 22. April 2008 werden David Archuleta, Jason Castro, David Cook, Syesha Mercado, Carly Smithson und Brooke White Songs des Komponisten interpretieren. Am Set der Las Vegas-Produktion von “The Phantom of the Opera” im Venetian Hotel stand Webber den Kandidaten mit Tipps zur Verfügung. Für wen diese Musical-Ausgabe der letzte Auftritt war, erfahren die Zuschauer am 23. April, live auf Fox. Ob dann das “American Idol 2008″, das in 6 Wochen mit Hilfe von geschätzten 75 Millionen telefonisch und per SMS abgegebenen Stimmen gewählt wird, auch im Musicalgenre landet, bleibt abzuwarten.

Stadttheater Baden: Evita (Wiederaufnahme)

18. April 2008
19:30bis22:30

Stadttheater Baden: Evita
Rockoper nach der Lebensgeschichte von Eva Perón
Liedtexte von Tim Rice
Musik von Andrew Lloyd Webber
Deutsch von Michael Kunze

Wiederaufnahme: 18. April 2008, 19.30 Uhr
April: 19/20 (15.00)/25/26
Vorstellungsbeginn, wenn nicht anders angegeben, jeweils 19.30 Uhr

Musik. Leitung: Franz Josef Breznik
Inszenierung: Robert Herzl
Ausstattung: Waltraut Engelberg
Choreographie: Rosita Steinhauser

Besetzung
Maya Hakvoort, Bettina Reifschneider, Franziska Stanner, Dessislava Valeva-Philipova, Franz Csencsits, Michael Fischer, Ruben Gabira, Thomas Huber, Christian Joanidis, Stefan Konrad, Boris Pfeifer, Alexander Riff, Christoph Sommersguter, Walter Schwab, Gianpiero Tiranzoni, Max Volt, Christian Zmek u. a.