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Archiv - Juni 29, 2008

Musicalakademie Fohnsdorf: “A Star is born”

27. Juni 2008
19:30bis21:30

Arbeiterheim Fohnsdorf: A star is born
27. und 28. Juni 2008, 19 Uhr 30

Unter dem Titel „A Star is born“ stellt der Leiter der Musicalakademie Fohnsdorf, Volksopernsänger und Regisseur Gernot Kranner, bereits zum zweiten Mal unter Beweis, dass in der Obersteiermark unglaublich viele künstlerische Talente beheimatet sind.

35 Burschen und Mädchen im Alter zwischen 9 und 22 Jahren folgten Kranner Ruf und studierten gemeinsam mit Musicaldarstellern wie Suzanne Carey (”Tanz der Vampire”, Wien) und Kieran Brown („Les Miserables“, London) die Show “A Star is born” ein. Zu sehen sind unter anderem Ausschnitte aus “Oliver!” und “3 Musketiere”.

Vorverkaufskarten sind in der Bürgerservicestelle der Gemeinde Fohnsdorf erhältlich (Tel 03573/2431-114).
Eine Initiative von Bürgermeister Johann Straner und der Gemeinde Fohnsdorf

Bachmannpreis 2008

So kam ich zu einem Musicalzirkus, der mich auf Tournee durch halb Europa schickte. Ich spielte im Halbdunkel des Bühnenhintergrundes naive Melodien. Es fühlte sich an, als würde man mich allabendlich die korrekte Reihenfolge der Buchstaben im Alphabet abhören und mir dafür auch noch begeistert applaudieren.
Ich hatte einen Job, der mir Monat für Monat vierstellige Zahlen auf das von Ines sachkundig geprüfte Girokonto spülte. Was ich noch immer nicht hatte, war die Befriedigung über das Gefühl, ›es‹ versucht zu haben, ›es‹ gefunden zu haben.
Doch liebte ich es, wenn ich in den frühen Morgenstunden zurückkam, hoffnungslos übernächtigt, nach wochenlangem Aufenthalt in einem Nightliner riechend, mich ungeduscht neben Ines auf das Bett streckte … [”Der Tod ist ein Postmann mit Hut”, Romanauszug, Martin von Arndt, Stuttgart]

Der Bachmannpreis wurde im Jahre 2008 einer radikalen Neuausrichtung unterzogen. Nicht nur wurde das Literaturfestival auf zwei Tage gekürzt, es wurde auch der Austragungsmodus neu inszeniert. Der vorlesende Autor sitzt nun auf einem Sesselchen vor einem Tischchen abseits der Jury. Nach dem Vortrag darf er dann, begleitet vom Moderator, auf einem Sesselchen im Kreis der Kritiker Platz nehmen. Was das bringen soll? Nichts, ganz genau gar nichts. Auch gar nichts bringt es, dass Moderator Dieter Moor seine Rolle als die eines Conférenciers gestaltet, der aktiv ins Geschehen eingreift. Es bringt keinen informativen Mehrwert, es bringt nicht mehr Spannung, es lenkt eher ab und trägt Trivialität in ein Format, das Kritikern und Autoren vorbehalten war. Moor fordert von den weiblichen Kritikern bei einem der Texte die “weibliche” Sichtweise. Was hat der Mann Glück, dass er es in diesem Jahr nur mit sehr moderaten Kritikerinnen zu tun hat, die diese machohafte Geste, auch wenn sie vermutlich so nicht mal gemeint war, aber extrem ungeschickt formuliert wurde, wohlwollend ertragen und mit ganz leisen Pointen Dieter Moor klar machen, was sie von seiner Idee halten.

EM 2008: Unschickliche Zungenküsse/Teil 2

Foto: Martin BrunyEigentlich ist es ja zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Wie schon vor einigen Tagen erwähnt, forderte der österreichische Werberat den sofortigen Stopp der Plakatkampagne “Life is a Game!”, die von gantnerundenzi für den Wettenanbieter bet-at-home.com entwickelt wurde. Stein des Anstoßes war das Zungenspiel zwischen einem Fan der deutschen Nationalmannschaft und einer Österreicherin.

In der Begründung der Jury hieß es, dass das Sujet den “ethischen Grundsätzen der Werbung” widerspreche. Werbung im öffentlichen Raum habe “auf die Zielgruppe der Kinder Rücksicht zu nehmen”. “Ungewollte Nachahmeffekte” könnten hervorgerufen werden, so der Werberat.

Mittlerweile sind wir einen Schritt weiter (siehe auch STANDARD). Der Auftraggeber legte Einspruch ein, es kam zu einer nochmaligen Beurteilung des Werbeplakats, und die sieht folgendermaßen aus:

Der Österreichische Werberat fordert das Unternehmen und die Agentur auf, für zukünftige Werbemassnahmen im öffentlichen Raum mehr Sensibilität walten zu lassen und auf die Gefühle von Teilen der Bevölkerung mehr Rücksicht zu nehmen. Auf Grund des ‘Ablaufdatums’ des Plakats wird der Stopp zurückgezogen, gleichzeitig wird aber an den Auftraggeber appeliert, Printanzeigen mit dem gleichen Sujet abzuändern oder durch neue zu ersetzen.

Weiters heißt es, …

… das Plakat verstoße eindeutig gegen die allgemeinen Werbegrundsätze und des Selbstbeschränkungskodex sowohl gegen die allgemein anerkannten guten Sitten und bedient sich einer sexuell anstößigen Darstellung. Der Argumentation der beabsichtigen Polarisierung muss Effekthascherei auf Kosten von Gefühlen von großen Teilen der Gesamtbevölkerung entgegen gehalten werden. Dies entspricht nicht dem Selbstverständnis der im Werberat vertretenen Organisationen in bezug auf positiv wirtschaftliches Agieren und muss aufgrund der Notwendigkeit der Selbstregulierung hart verurteilt werden.

Werfen wir einen Blick in die Seelenwelt der “großen Teile der Bevölkerung”, das ist ganz einfach, wir werden auf der Website des Österreichischen Werberats fündig, wo die Volksseele brodelt:

Mein 11jähriger Sohn und seine Schulkollegen stehen jeden Tag in der Straßenbahnstation vor diesem Plakat und ich muß sagen, ich empfinde es als außerordentlich störend und auch bedenklich, dass unsere Kinder und Jugendlichen tagtäglich mit derlei obszönen und unschönen Darstellungen eines Kusses geprägt und reizüberflutet werden.

Da ich eine Leih-Oma bin, finde ich es nicht sinnvoll, dieses Plakat öffentlich zu zeigen, da die Kinder dazu neigen, alles nachzumachen was sie von den Eltern, Medien, Plakaten usw. sehen.

Schließe mich der Beschwerde über die Aufdringlichkeit der Nahaufnahme eines Zungenkusses an.
Die zwei genießen es, doch kein Grund diese Intimität der Gesellschaft aufzudrücken!!!!
Voyeuristisch und max. aufdringlich! Unterbinden Sie bitte derartige Werbung! D A N K E !!!!!

Meine Mutter hat mir erzählt wie ihr Enkerl zu Besuch kam ihr ein Busserl gibt
und plötzlich spürte sie voller Entsetzen die Zunge des Kindes in Ihrem Mund. Es ist schon sehr bedenklich wohin die weitere Entwicklung unserer Kinder mit solchen Werbeeinflüssen hinführen soll. Der Verfall der Moral und Ethik in unserer Gesellschaft, hat schon solche Dimensionen angenommen und ich empfände es sehr wünschenswert, diese Einflüsse auf unsere Kinder zu verhindern.

Man muss sich angesichts solcher Postings fragen, ob diese besorgten Eltern auch Firmen wie DM und anderen Drogeriemärkten Briefe zukommen lassen, in denen sie den Verkaufsstopp von Kondomen in den normalen Geschäftsräumlichkeiten fordern. Andererseits ist jetzt schon eher verständlich, dass es auch heutzutage eine Vielzahl von Kindern gibt, die nicht von ihren Eltern, sondern von Dr. Sommer aufgeklärt werden.