Home RSS Go RED Go BLACK

Archiv - November 12, 2008

Stadttheater Baden: The Scarlet Pimpernel (Version 2008)

Foto: Martin Bruny

Fragt man Frank Wildhorn, welches seiner Musicals er am ehesten für “abgeschlossen” hält, in dem Sinn, dass eine Veränderung nicht mehr zwingend notwendig sei, so bekommt man von ihm stets nur eine Antwort, nämlich dass er ständig am Verändern und Adaptieren seiner Werke ist. Und doch ist der Komponist mit einer Show ziemlich zufrieden: “The Scarlet Pimpernel“. Wildhorn:

“The Scarlet Pimpernel”, ob Sie es glauben oder nicht, kommt meiner ersten Vorstellung vom Klang des Scores am nächsten. In dieser Hinsicht käme also „The Scarlet Pimpernel” einer “endgültigen Version” am nächsten.

Das freilich ist das Resultat einer Menge “Veränderungsarbeit”, die die Show im Laufe der Jahre zu dieser von Wildhorn angesprochenen Einheit werden ließ. Im Programmheft zur aktuellen Baden-Fassung von 2008 (Premiere am 18. Oktober 2008) geht Regisseur Robert Herzl näher auf diese “Veränderungsarbeit” ein. Zu dem Zeitpunkt, als er im Jahr 2003 die “Scarlet Pimpernel”-Fassung von Halle konzipierte, lagen bereits folgende Versionen vor:

- Eine “Original Broadway-Produktion”, die am 9. November 1997 am Minskoff Theatre Premiere hatte.
- “The New Version” (”The Scarlet Pimpernel 2.0″): eine totale Überarbeitung, die am 10. Oktober 1998 zur Aufführung kam, ebenfalls im Minskoff Theatre.
- Die dritte - reduzierte - Version (”The Sarlet Pimpernel 3.0″): Premiere am 10. September 1999 am Neil Simon Theatre in New York. Letzte Vorstellung: 2. Januar 2000.

Für die deutsche Erstaufführung in Halle (am 14. Februar 2003) stellte Herzl eine wiederum neue Version der Show zusammen, “mit allen Musiknummern” … aber das ist so eine Geschichte, denn es war einmal ein Song - “Only love” -, der ursprünglich für “Rudolf” gedacht war, dann in “The Scarlet Pimpernel 1.0″ zum Einsatz kam und schließlich, als “Rudolf” konkretere Formen annahm, doch wieder aus “The Scarlet Pimpernel” gestrichen wurde. Freilich gibt es auch andere Erklärungen, beispielsweise jene von Nan Knighton, die man auf ihrer Website findet.

Fakt ist, dass “The Scarlet Pimpernel” zwar vom Klang her “endgültig” erscheinen mag - das liegt aber nicht daran, dass die Songs immer alle vorhanden sein müssen oder die Szenen immer in derselben Reihenfolge gespielt werden müssen. Wildhorn hat für diese Show einen ganz eigenen Ton geschaffen und eine eigenständige Atmosphäre. So, wie ihm das auch bei “Jekyll & Hyde” geglückt ist.

Freilich ist diese Eigenständigkeit der Wildhorn’schen Musicals nicht unumstritten. Immer wieder wird eine gewisse willkürliche Austauschbarkeit der Songs des Komponisten postuliert (und dann durch Geschichten wie “Only love” unterfüttert). Generell aber erinnert mich das immer an den Witz über die zwei Analphabeten, die an einem Buchgeschäft vorbeigehen. Sagt der eine: “Fad!” Darauf der andere: “Du sagst es, lauter Bücher, immer das Gleiche.”

Wir hier im Kultur-Channel erkennen die Eigenständigkeit der Wildhorn’schen Musicals unumschränkt an, wie wir auch jene der Lloyd Webber’schen Shows hören, und auch jene von Stephen Sondheim. Das schließt nicht aus, dass man Werke der drei Komponisten intuitiv “erkennt”. Ganz im Gegenteil. Denn das Gütesiegel “Wildhorn” verspricht auf alle Fälle immer eines: wuchtige Balladen, oder, wie man das gerne formuliert: Bigger-than-life-Balladen. Und gerade in “The Scarlet Pimpernel” haben wir davon eine Menge.

Gesungen und interpretiert werden sie in Baden von einem Ensemble hervorragender Sänger. Man mag bei den schauspielerischen Leistungen bei dem einen oder anderen eventuell ein paar Ungereimtheiten erkennen, beispielsweise bei Chris Murray (Chauvelin), der manchmal ein wenig zu unbeteiligt an “Mauern” herumlehnt, dessen Motivation nicht klar genug gezeichnet scheint, der vielleicht hie und da ein wenig outriert und bei den Weggabelungen der verschiedensten Interpretationsmöglichkeiten vielleicht mal in die falsche Richtung geht - aber was hat er doch für eine Stimme und wie gut und wirkungsvoll “spielt” er die meisten seiner Gesangsnummern (beispielsweise “Falke auf der Jagd”).

Foto: Martin Bruny

Man mag entweder die Art und Weise, wie Darius Merstein-McLeod seinen Sir Percy Blakeney - einen Dreh zu albern vielleicht manchmal - anlegt, aber immerhin, die Szenen kommen gut rüber, und stimmlich ist Merstein eine Wucht. Völlig überzeugend in einer kleinen, aber feinen Rolle: Klaus Ofczarek als Prince of Wales, nie zu schmierig oder zu übertrieben blasiert.

Foto: Martin Bruny

Wenn sich also manchmal das Gefühl einschleicht, dass sich alle - Schauspieler und Publikum - bei den Songs viel wohler als bei den Sprechszenen fühlen, dann mag das ein rein subjektiver Eindruck sein, und immerhin gibt es eine ganze Menge an blendenden Musiknummern bei “The Scarlet Pimpernel”, warum sich also nicht darauf konzentrieren? Wie ein Traum wunderschön beispielsweise “Ich vertrau auf dich”, gesungen von Darius Merstein und Maricel Wölk, die schon in Halle das Publikum begeisterten. Das geht fast nicht eindrucksvoller.

Foto: Martin Bruny

Eine Inszenierung mit Pomp und Gloria hat Robert Herzl auf die Bühne des Stadttheaters Baden geknallt. Und recht hat er. Bei einer Show wie “The Scarlet Pimpernel” muss man klotzen, nicht kleckern. Mit Wucht und Gespür für Wirkung kommt “Mitten ins Feuer” daher. Fast erwartet man noch Böllerschüsse und “echtes” Feuer. Die Schauspieler gehen mal links, mal rechts in den Zuschauerraum ab, dann stürmen sie wieder durch die Mitte auf die Bühne, blendend bei Stimme auch das Grüpplein Aristokraten (Alois Haselbacher, Sam Madwar, Stephan Wapenhans, Dietmar Seidner, Jan Hutter sowie Christian Zmek), das mit Percy im Untergrund gegen die Schrecken der französischen Revolution kämpft. Genau so muss das stimmlich besetzt sein: voluminös, beeindruckend. Jan Hutter singt sich schön langsam ins Musicalschlaraffenland und besitzt die nötige Ausstrahlung, um bis in die letzten Reihen zu wirken - etwas, was er auch nächstes Jahr im Ensemble von “Rudolf” beweisen wird. Es ist immer wieder schön, jemanden zu sehen, auch im Ensemble, dem man es dermaßen deutlich ansieht, dass er das, was er macht, auch gerne macht.

Foto: Martin Bruny

Projektionen, eine effektvolle Lichtregie, ein stimmiges Bühnenbild, tolle Kostüme, bei dieser Produktion passt fast alles, und es sollte nicht nur bei einer Spielzeit von einer Saison bleiben. “The Scarlet Pimpernel” ist im November noch an folgenden Tagen zu sehen: November: 15/16 (15.00)/28/29/30 (15.00).

Foto: Martin Bruny

Leading Team
Musikalische Leitung: Franz Josef Breznik
Inszenierung: Robert Herzl
Bühnenbild: Manfred Waba
Kostüme: Götz Lanzelot Fischer
Kostüm-Koordination: Friederike Friedrich
Choreographie: Rosita Steinhauser

Foto: Martin Bruny

Cast
Sir Percy Blakeney: Darius Merstein-MacLeod
Marguerite St. Just, seine Frau: Maricel Wölk
Chauvelin: Chris Murray
Armand St. Just, Marguerites Bruder: Zoltan Tombor
Marie Grosholtz: Christa Hertl
Tussaud, ihr Verlobter: Robert Sadil
Mercier, Chauvelins Adjutant: Franz Joseg Koepp
Lord Anthony Dewhurst: Alois Haselbacher
Sir John (Ozzy) Osbert: Sam Madwar
Frederic Elton: Stephan Wapenhans
Lord Andrew (Andy) Farleigh: Dietmar Seidner
Hal Stanton: Jan Hutter
Benjamin Stubbs: Christian Zmek
Marquis de St. Cyr: Mario Fancovic
Jessup, Percys Butler: Franz Födinger
Robespierre: Robert Herzl
Der Prince of Wales: Klaus Ofczarek
Helene: Dessislava Philipova
Cloe: Sonja Fischerauer

Reblog this post [with Zemanta]

Theater Die Neue Tribüne: zeit zum essen [Derniere]

12. November 2008
20:00bis21:20

Foto: Isabell SchatzAm 6. November 2008 findet im Wiener Theater Die Neue Tribüne die Premiere des Schauspiels “zeit zum essen” statt. Auf der Bühne: Lukas Perman als Lasse und Lukas Johne als Toben. Buch und Regie: Norman Stehr.

In “zeit zum essen” geht es um Lasse und Toben, ein homosexuelles Männerpaar Ende 20, und deren Trennung nach einer vierjährigen Beziehung. Es zeigt, wie unspektakulär und dennoch bedrückend eine Liebe sich verändern kann, und demonstriert Umstände, die das Ende einer Beziehung durchaus fördern können. Das Stück zeigt auch die Normalität einer schwulen Beziehung in alltäglichen Dynamiken - es gibt keinen Anspruch auf das ewige Glück. Manchmal ist bereits der Wunsch “nach den Sternen” stark genug, innere Kräfte zu mobilisieren und Festgefahrenes loszueisen. Realitäten werden erkannt, der Leidensdruck wird zum Verbündeten.

“zeit zum essen” - Schauspiel für zwei
Premiere: 6. 11. 2008, 20 Uhr
Weitere Vorstellungen : 7. 11., 10. 11. und 12. 11.
Theater DIE NEUE TRIBÜNE
Dr.-Karl-Lueger-Ring 4, 1010 Wien
Tickets telefonisch unter: 0664 2344256