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Archiv - November 30, 2010

Vindobona: “Mitten ins Herz” [2010]

Derzeit im VINDOBONA, im “Kabarett für Hiesige und Zuagraste”, zu sehen: “Mitten ins Herz”, eine Art Revue, eine Art Konzert, eine Art Erinnerungs-Singspiel an länger vergangene und nicht mal gar so lange vergangene “Schlagermusik”-Zeiten und auch an das, was Gerhard Bronner in seiner legendären Radiosendung “Schlager für Fortgeschrittene” nannte, wenn man denn beispielsweise manches von STS, Rod Stewart, Herbert Grönemeyer, Liza Minnelli et al Interpretierte dazureihen möchte, was ich befürworten würde. Schlager in neuen Arrangements, in witzigen Kombinationen.

Die Show ist ein Hit, aber sie ist scheinbar kein Hit, was das Publikum betrifft. Das, so hört man, kommt einfach nicht. In der besuchten Vorstellung waren gerade mal 20 bis 30 Personen, die meisten davon weiblich und schon in etwas fortgeschrittenem Alter. Aber Halt, das ist kein Werturteil, denn was das Showbusiness betrifft, so fischt sich diese Branche ihr Publikum aus dem langen, langen Fluss des Lebens. An der Quelle holen die Teenies wie Justin Bieber sich ihr Publikum, und den ganzen Fluss entlang finden sich immer neue Richtungen, Ströme - für jeden Streckenabschnitt gibt es immer genau das Richtige, und ein Teil des Publikums für “Mitten ins Herz” würde man im Mündungsgebiet des Flusses finden. Das ist durchaus positiv zu werten, denn wenn man einmal so weit gekommen ist, hat man Zeit, man hat Geld und will sich was Schönes leisten, beispielsweise die Hirschsteaks oder die Jakobsmuscheln, die es heute in den Pausen der Show zum Bestellen gab.

Ohne Werbung allerdings wird man an die Menschen, die man in der Show als Zuschauer haben möchte, nicht rankommen. Und Werbung gibt es für “Mitten ins Herz” einfach zu wenig. Natürlich könnte man es über einen Umweg versuchen, denn ein Abend im Vindobona mit diesem Programm ist durchaus ein nettes Geschenk, das das Enkerl seiner Oma machen kann, der Sohn seiner Mutter, etwas, wo man sicher sein kann, dass es der Oma, der Mutter gefallen wird, weil sie mit dieser Musik gelebt hat und sie geliebt hat. Meiner Mutter, die vor einigen Wochen gestorben ist, hätte es großartig gefallen, und es wäre für sie ein schöner, sentimentaler Abend geworden, an dem sie in Erinnerungen geschwelgt hätte. Das ist durchaus ein Aspekt dieser Show - Impulse zu geben, die es erlauben, sich in diese vergangenen Zeiten hineinzuversetzen. Freilich ist das ganze Konzert mit reichlich Augenzwinkern und Ironie gewürzt, das passt dann für Alt und Jung, aber es hat schon auch seine tatsächlich sentimentalen Momente, die man dann doch gar nicht so schrecklich findet, wenn man mit der Mutter oder Oma oder gleichaltrigen FreundInnen im Vindobona sitzt.

Natürlich könnte man auch bei den Musicalfans fischen. Kerstin Ibald, Dennis Kozeluh sind neben dem Newcomer Christof Messner und der Sopranistin Agnes Palmisano auf der Bühne zu erleben - da kann man als Wiener Musicalfan doch nun nicht behaupten, dass das Namen wären, die man nicht kennt.

Natürlich sind das Konzept der Show und die Inszenierung ein Tanz auf einem schmalen Grat. Es kann schon vorkommen, dass man sich für einige wenige Momente wie in einem Lokal für Singles vorkommt, wo nur noch die roten Telefone am Tisch fehlen, dann wieder fühlt man sich viel eher in einen Nachtclub, in eine Bar versetzt. Ganz wird man wohl nicht schlau aus der Show, aber gerade das ist auch der Reiz, diese einerseits manchmal großartigen Arrangements von Liedern wie “Ich hab dich lieb” (Herbert Grönemeyer) und dem Gefühl, dass Großteile der Setlist in einer TV-Show von Peter Frankenfeld, Catarine Valente oder Peter Alexander auch nicht unpassend gewesen wären. Es ist ein Spiel, und es ist ein bewusst inszeniertes Spiel. Und manchmal macht es auch Spaß, die anderen Zuschauer zu beobachten, wie sie die Vorstellung erleben - man sieht in diesen zweieinhalb Stunden wohl keine Fadesse in den Gesichtern der Zuschauer. Die einen sind gerade begeistert, andere lachen sich einen ab und ein paar haben sich gerade in Christof Messner verliebt, während gleichzeitig einige Omis gerade in Erinnerungen abgetaucht sind. Ein wahrlich generationenübergreifendes Konzept, charmant von allen Darstellern präsentiert, die von Herbert Otahal mit seinem Herzkammerorchester begleitet werden.

Also, nichts wie hin ins Vindobona. Für eine Show von dieser Qualität sind die Eintrittspreise geradezu eine Okkasion. Schon ab 16,80 Euro ist man dabei, und die teuerste Karte kostet gerade mal 38,10 Euro. Dafür kommen Sie bei der “Tommy”-Produktion, die nächstes Jahr im MuseumsQuartier gastieren wird, gerade mal bis zur Kassa, um sich da eventuell die billigste Kategorie zu gönnen, die allerdings 50 Euro kostet.

Mitten ins Herz
Mit: Kerstin Ibald, Agnes Palmisano, Dennis Kozeluh und Christof Messner
Musik: Herbert Otahal live mit seinem Herzkammerorchester
Zu sehen am 30.11. sowie am 1.12. und vom 8.12. bis 13.12.2010

Tickets
Tel.: 01/ 512 39 03 (bis 12h) bzw. 01/ 512 47 42 (ab 14h)
bzw. direkt an der Kassa des Kabarett Simpl in der Wollzeile oder an der Abendkasse im Vindobona

[Besuchte Vorstellung: 29. November 2010]

Theater Nestroyhof Hamakom: Nordost

30. November 2010
20:00bis22:00

Nordost
von Torsten Buchsteiner
Eine Produktion von Theater Nestroyhof Hamakom
Premiere: 30. November 2010

Premiere: Dienstag, 30. November, 20.00 Uhr
Öffentliche Generalprobe: 29. November 2010, 20.00 Uhr, mit anschließendem Salongespräch

Aufführungstermine
1., 4., 5., 7.-11. Dezember, jeweils 20.00 Uhr
14.-18. Dezember, jeweils 20:00 Uhr

Spielort
Theater Nestroyhof Hamakom
Nestroyplatz 1, 1020 Wien

Ensemble
Monika Bujinski, Barbara Gassner, Karin Yoko Jochum

Leading Team
Inszenierung: Barbara Schulte
Dramaturgie: Susanne Höhne
Raumkonzept/Videoprojektionen: Andreas Braito
Kostüme: Julia Eisenburger
Sounddesign: Roumen Dimitrov
Licht: Stefan Pfeistlinger
Produktions-/Regieassistenz: Iris Harter
Realisierung/Bühnentechnik: Reinhard Taurer
Tontechnik: Jürgen Lentsch
Videoassistenz: Keskin Hüseyin
Hospitanz: Lukas Czech
Bühnenrechte: Henschel Schauspiel Theaterverlag Berlin GmbH

Das Stück
Am 23. Oktober 2002 besetzten über 40 tschetschenische Terroristen im zweiten Akt des Musicals “Nord-Ost” das Theater an der Dubrowka in Moskau und nahmen die Angestellten des Theaters, die Schauspieler und 850 Zuschauer als Geiseln. Die islamistischen Rebellen forderten die Beendigung des Tschetschenien-Krieges und den Abzug der russischen Truppen. Unter den Geiselnehmern waren auch 20 “Schwarze Witwen”, tschetschenische Frauen, die Angehörige im Krieg verloren hatten und daraufhin zu Kämpferinnen und Terroristinnen wurden. Die Geiselnahme wurde am 26. Oktober blutig beendet. Bei der Befreiung wurde ein Betäubungsgas eingesetzt, welches für viele Geiseln tödliche Folgen hatte. Es kamen im Zuge des Gaseinsatzes und der Stürmung des Theaters 130 Geiseln und 40 Terroristen ums Leben. Letztere wurden, durch die Wirkung des Gases bewusstlos, von der Spezialeinheit des russischen Inlandsgeheimdiensts an Ort und Stelle erschossen.

Das auf diesen Tatsachen beruhende Stück “Nordost” von Torsten Buchsteiner, welches am Royal Dramatic Theatre in Stockholm 2006 zur Uraufführung kam, enthält drei schonungslose Gedankenprotokolle. Zu Wort kommen drei Frauen: Zura, eine der schwarzen Witwen, Tamara, eine Ärztin die in jener Nacht mit dem Notarztwagen in Moskau unterwegs ist, und Olga, eine sich unter den Geiseln befindende Zuschauerin. Sie alle suchen unter der Wucht der existentiellen Bedrohung auch nach Spuren, die über das drei Tage währende Geiseldrama hinausreichen.

Der Text fußt auf einer sehr präzisen Recherche des real Vorgefallenen, aber darüber hinaus gibt der Autor den drei Frauen eine genaue Biographie, lässt sie sehr intim über Lebensumstände sprechen und öffnet damit einen Blick in drei sehr unterschiedliche und doch exemplarische Leben. Olga, Zura, und Tamara sind durch ein Erlebnis geprägt, das sie als Frauen verbindet: die Zerstörung ihrer familiären Umfelder durch den Krieg. Auch wenn sie sich als Opfer und Täter am Schauplatz des realen Dramas begegnen, teilen sie am Ende des Stückes ein gemeinsames Schicksal, nämlich jenes Witwen zu sein.

Torsten Buchsteiner verzichtet auf eine szenische Handlung im üblichen Sinne. Die drei Frauen erzählen jeweils aus ihrer Perspektive über die realen Vorgänge und über ihre Lebensumstände. Der Autor verschränkt dabei Monologe, Dialoge und Trialoge, aber das Sprechen geschieht immer aus einer verdichteten Erinnerung der Erlebnisse ohne hierbei die Schuldfrage zu stellen. Für sein Stück erhielt Buchsteiner 2005 den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis der Kulturstiftung Rheinland-Pfalz sowie den Jurypreis der 1. St. Galler Autorentage.

Wo jedoch liegt die Grenze zwischen Darstellbarkeit und grausamer Wirklichkeit? Die junge Regisseurin Barbara Schulte nähert sich in ihrer Inszenierung (in konzeptioneller Zusammenarbeit mit Frederic Lion) dem Text unter anderem mit Hilfe performativer Spiegelungen. Die Figuren, die Zuschauer und der Ort selbst spiegeln sich. Die Zuschauer werden selbst zur “Öffentlichkeit” erklärt, an die sich der Text richtet. Der Nestroyhof als Schauplatz spiegelt sich mit seiner Atmosphäre zwischen Vergänglichkeit und Intervention und wird zum kollektiven Erinnerungsraum, zur Projektionsfläche der erzählten realen Ereignisse.

Tickets
Tel.: +43 1 8900314
Mail: ticket@hamakom.at
WWW: www.hamakom.at
Abendkassa: 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn

Vollpreis: 18,00 Euro
Ermäßigt: 12,00 Euro

Ö1- Clubmitglieder erhalten 10% Ermäßigung auf den regulären Kartenpreis.
Der Standard - Abonennten erhalten 30% Ermäßigung auf den regulären Kartenpreis.
Aktion Hunger auf Kunst und Kultur - Freier Eintritt für Kulturpass-Inhabern (mit Reservierung)

Nähere Infos –> hier

Kulisse: Heilbutt & Rosen - “Weihnachten aus der Dusche”

30. November 2010
20:00bis22:00

Sie können Weihnachtslieder aus der Dose schon längst nicht mehr hören? Ihnen hängt die x-te Kaufhausberieselung durch „Leise rieselt der Schnee“ schon beim Hals heraus? Sie suchen krampfhaft nach einem tauglichen Mittel, um endlich in Weihnachtsstimmung zu kommen? Ihnen kann geholfen werden mit „Weihnachten aus der Dusche“ von und mit Heilbutt & Rosen.

Helmuth Vavra und seine Bühnenpartnerin Theresia Haiger setzen nach „Lieder aus der Dusche 1 + 2“ ihren musikalischen Ego-Trip ganz im Zeichen von Weihnachten fort. Neue Texte zu altbekanntem Liedgut, musikalische Blödelei und Plauderei vom Feinsten.

Premiere: 30. November 2010, 20 Uhr in der Kulisse, Rosensteingasse 39, 1170 Wien
Kartenpreis 20 Euro, Kartenreservierung 01-485 38 70

5. und 19. Dezember, Matinee jeweils um 11 Uhr, in der Kulisse, Rosensteingasse 39, 1170 Wien
Kartenpreis 20 Euro, Kartenreservierung 01-485 38 70

12. und 13. Dezember, jeweils um 20 Uhr, in der Kulisse, Rosensteingasse 39, 1170 Wien
Kartenpreis 20 Euro, Kartenreservierung 01-485 38 70

8. und 14. Dezember, jeweils um 20 Uhr, im Orpheum, Steigenteschgasse 94b, 1220 Wien
Kartenpreis 20 Euro, Kartenreservierung: 01-481 17 17

19. Dezember um 20 Uhr, im Stadttheater Walfischgasse, Walfischgasse 4, 1010 Wien
Kartenpreise 19-34 Euro, Kartenreservierung: 01-512 42 00