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Archiv - Mai 6, 2011

Zwa Voitrottln - Glück & Hörmann

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Es gibt nicht zu viele Musicaldarsteller …

… nicht, weil es nicht vielleicht doch zu viele gibt, sondern weil es schon aus Prinzip nicht zu viele geben kann und jeder, der möchte, die Chance haben sollte, es zu versuchen. So wie es nicht zu viele Ärzte gibt und auch nicht zu viele Lehrer, nicht zu viele Philosophen oder Geographen, kann es auch nicht zu viele Musicaldarsteller geben. Wer sollte denn festlegen, ab welchem Zeitpunkt man von “zu vielen” Musicaldarstellern sprechen kann? Und was ist die Alternative? Eine Quote einzuführen? Vom Jahrgang 1995 darf es nur mehr 0,000000001 Prozent Musicaldarsteller geben?

Sicher meint Herr Holger Hauer das gar nicht so, was er jüngst in einem Interview gesagt hat.

Es gibt wahnsinnig viele Musicaldarsteller, und meiner Meinung nach sind es mittlerweile zu viele. Es kommt mir vor, als würde alles durch die Musicalschulen geschleust, was halbwegs vernünftig trällern kann. Aber ich denke, das ist manchmal Verrat an den Träumen junger Menschen. Den Leuten wird an einigen Musicalschulen – so zumindest mein Eindruck – vorgegaukelt, sie hätten Talent, auch wenn dem gar nicht so ist. Aber der Rubel muss rollen. Natürlich gibt es auch tolle Leute. Aber was Musicalschulen teilweise hervorbringen, ist erschreckend. Und hinterher wundern sich die jungen Leute, wieso sie kein Engagement bekommen… [musicalzentrale]

Kann man denn nun aber vielleicht sagen, dass es zu viele Musicalschulen gibt, die Talente aufnehmen, die gar keine sind? Was wäre der größere Verrat an den Träumen junger Menschen, wie Hauer es formuliert, ihnen den gewünschten Weg gleich zu verwehren, oder sie testen zu lassen, ob sich nicht doch auch für sie eine Nische findet. Am Ende ist ein Musicalstudium ein Studium wie jedes andere, und man kann und hat das Recht, sich jederzeit neu zu entscheiden.

Was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass es zu viele schlechte Musicals gibt und zu wenig gute, aber letztlich ist das völlig wurscht, weil am Ende des Tages alle im Raimund Theater bei den Matrosen landen und tatsächlich glauben, dass die Musicaldarsteller, die da arbeiten, ihre Träume verwirklichen (dürfen).

Volkstheater: Punk Rock

6. Mai 2011
19:30bis22:30

Sie sind 17, besuchen ein teures Privatgymnasium in England, machen Party, flirten, schikanieren sich gegenseitig, teilen die gleichen Ängste und kreisen meistens um sich selbst. Alles ganz normal. Doch durch die Ankunft einer neuen Schülerin ändert sich ihr Leben schlagartig: Freundschaften erweisen sich als brüchig, aus Kameraden werden Rivalen.
Die Neue, Lilly, trifft gleich an ihrem ersten Tag auf diese Clique, in der nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint: auf den arroganten Zennett, der die anderen quält und den intelligenten Chadwick zum bevorzugten Opfer seiner „Späße” erkoren hat. Auf Cissy, Bennetts Freundin, die zu Hause Ärger bekommt, wenn sie nicht Klassenbeste ist, Tanya, die sich ein Kind von ihrem Lehrer wünscht, Nicholas, in den Lilly sich verliebt. Und auf den zurückhaltenden William, der eine tote Mutter erfindet und eifersüchtig auf Nicholas ist, weil er Lilly gern für sich hätte.
Die Mischung aus Coolness, wechselnden Allianzen und quer schießenden Hormonen ist explosiv und entwickelt eine Dynamik, die schließlich in ein Blutbad mündet.

Eigentlich haben diese Teenager aus gutem Haus keine existenziellen Probleme, trotzdem kommt es zu einem Amoklauf. Doch Stephens erklärt nicht etwa Colombine, Erfurt oder Winnenden, ihn interessieren die Ohnmacht, die Widersprüche, die damit verbunden sind. Stephens gräbt tiefer, blickt in die Seelen, legt Wünsche und Sehnsüchte der Jugendlichen offen. In einer ebenso präzisen wie brutalen Sprache erzählt er vom Leben übersättigter Jugendlicher, ihrer Verzweiflung an dem vorgezeichneten Lebensentwurf und der Sehnsucht, gegen die Regeln der Erwachsenen aufzubegehren. Punk Rock ist aber auch ein Stück über die Abwesenheit der Erwachsenen, die in ihrer Rolle als Eltern, Lehrer und Erzieher komplett versagen. Die erfolgreiche Uraufführung von Punk Rock war im September 2009 in London. Am Volkstheater war in der Spielzeit 2006/07 Stephens‘ Stück Am Strand der weiten Welt (Regie: Ramin Gray) zu sehen.

Volkstheater: Punk Rock
Spielstätte: Haupthaus

von Simon Stephens
Deutsch von Barbara Christ
Österreichische Erstaufführung

Regie: Schirin Khodadadian
Dramaturgie: Hans Mrak

Premiere: 6. Mai 2011

Spielstätte: Haupthaus