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Archiv - Juli 7, 2011

Bachmannpreis 2011 - keine Zeit mehr für Diskussionen?

Der Bachmannpreis lebt auch, und für manche zu einem Großteil, von den oft spannenden Diskussionen der Juroren über die vorgetragenen Texte. In den letzten Jahren wurde nicht nur der Termin des Bachmannpreises laufend hin und her geschoben, weil mal eine Fußball-WM im Weg war, dann wieder sonstige Veranstaltungen, es wurde auch die Lese- und Sendezeit verkürzt.
2011 nun ist man scheinbar an einem Tiefpunkt der Diskussionskultur angekommen. Nicht nur, dass sich die Moderatorin Clarissa Stadler auch inhaltlich in die Diskussionen einbringt, was völlig entbehrlich ist, sie drängt auch ständig darauf, die Beiträge zu kürzen, die Diskussionen knapp zu halten. Sie verleiht der gesamten Veranstaltung etwas Gehetztes, was ganz und gar nicht zum Bachmannpreis passt. Morgen: Tag 2 des Lesens –> hier.

Focus erstellt Liste “der wichtigsten Autoren im deutschen Sprachraum” - ohne Sinn für Kunst und Verstand

Listen zu erstellen, ist eine feine Sache. Man kann das nach gut überlegten Kriterien machen oder gänzlich sinnfrei, als Anregung oder im Sinne eines Rankings. Und man kann es auch so machen wie das deutsche Magazin “Focus”, nämlich völlig sinnfrei. Sinnfrei warum? Sinnfrei aufgrund der Kriterien, die dazu dienen sollten, die “wichtigsten Autoren des deutschen Sprachraums” zu erheben. Es sind dies:

- Buch-Verkaufszahlen (25 Prozent)
- Berichterstattung der Publikumspresse (25 Prozent)
- Präsenz im Fernsehen (20 Prozent)
- Berücksichtigung bei Literaturauszeichnungen (15 Prozent)
- Platzierung in Fachmedien (5 Prozent)
- Platzierung auf Empfehlungslisten (5 Prozent)
- Platzierung im Google-News-Index (5 Prozent)

Ausgewertet wurde der Zeitraum 2005 bis 2010.

Ist es wichtig für die literarische Bedeutung eines Autors, im Fernsehen präsent zu sein? In welche Sendungen wird man Lyriker einladen, wenn sie nicht etwa über Sex mit Ziegen schreiben? Ist es wichtiger, im Fernsehen präsent zu sein als bei literarischen “Wettbewerben” ausgezeichnet zu werden?

Der Focus wundert sich über die Ergebnisse, die man aufgrund dieser Kriterien erhalten hat, und schreibt: “Renommierte Großautoren wie Siegfried Lenz, Christa Wolf oder Botho Strauß kommen nur auf hintere Listenplätze – auch weil die Medien über sie inzwischen weniger berichten als zum Beispiel über die Gewinner des Deutschen Buchpreises, Arno Geiger, Uwe Tellkamp oder Julia Franck.” Ist das ausschlaggebend für die generelle Bedeutung eines Autors?

Sascha Lobo, auf Platz 37 gereiht, wundert sich über die völlige Bedeutungslosigkeit dieses Focus-Rankings in der öffentlichen Wahrnehmung. Er schreibt: “Der Print-Focus ermittelte im Juni die 50 wichtigsten deutschsprachigen Autoren, ich bin auf 37. Irre, aber auch -levant. Das mediale Echo war 0. Es wurde nirgends erwähnt, keiner meiner 2149 Alerts ging los. Vielleicht sollte der Focus an seiner Resonanz feilen.”

Nein, man sollte lieber an der Auswahl der Kriterien feilen!

01 GÜNTER GRASS
02 MARTIN WALSER
03 HERTA MÜLLER
04 CORNELIA FUNK
05 PETER HANDKE
06 ELFRIEDE JELINEK
07 DANIEL KEHLMANN
08 MARTIN MOSEBACH
09 HANS MAGNUS ENZENSBERGER
10 INGO SCHULZE
11 ILIJA TROJANOW
12 RAOUL SCHROTT
13 PETER SCHNEIDER
14 WILHELM GENAZINO
15 ARNO GEIGER
16 GEORG KLEIN
17 FRANK SCHÄTZING
18 HANNS-JOSEF ORTHEIL
19 JULI ZEH
20 UWE TELLKAMP
21 FERDINAND VON SCHIRACH
22 MICHAEL KRÜGER
23 JULIA FRANCK
24 UWE TIMM
25 MORITZ RINKE
26 KAREN DUVE
27 WOLF HAAS
28 PETER STAMM
29 KATJA LANGE-MÜLLER
30 DURS GRÜNBEIN
31 WLADIMIR KAMINER
32 BRIGITTE KRONAUER
33 FERIDUN ZAIMOGLU
34 ELKE HEIDENREICH
35 KATHRIN SCHMIDT
36 JULIA SCHOCH
37 SASCHA LOBO
38 BERNHARD SCHLINK
39 SIBYLLE LEWITSCHAROFF
40 WALTER KAPPACHER
41 MAXIM BILLER
42 ALEXANDER KLUGE
43 CHRISTOPH HEIN
44 SIEGFRIED LENZ
45 CHRISTA WOLF
46 FRIEDRICH CHRISTIAN DELIUS
47 HANS CHRISTOPH BUCH
48 JANA HENSEL
49 BOTHO STRAUß
50 THEA DORN

Link
- Focus: Unsere Besten

Festspiele Reichenau: Spion Oberst Redl

7. Juli 2011
19:30bis22:30

Die Festspiele Reichenau präsentieren ein neues Theaterstück von Nicolaus Hagg über die größte Spionage-Affäre der k & k Monarchie, über die spannende und faszinierende Lebensgeschichte eines genialen Offiziers, der seine militärischen Ideale verkaufte, weil er wegen seiner Homosexualität erpressbar war.

Aus einfachen Verhältnissen in Lemberg/Galizien stammend, machte Alfred Redl eine erstaunliche Karriere aus eigener Kraft. Bereits nach der Kadettenschule brach er die Beziehungen zu seiner Familie ab und fand im Militärdienst seine wahre Bestimmung.

Die zweite Seite seiner Persönlichkeit wusste Alfred Redl geschickt geheim zu halten. Seine intime Veranlagung galt zu dieser Zeit als sexuell abwegig, strafbar und bedeutete einen Ausschluss aus dem Militär. Er fand einen Weg, insbesondere bei seinem langjährigen jungen Gefährten, Stefan Horinka, eine Verwandtschaft vorzutäuschen, sodass das häufige Zusammentreffen mit ihm dem Generalstab nicht auffällig schien. Redls verborgene Leidenschaft überstieg aber bald seine finanziellen Möglichkeiten – und so kam es dazu, dass er in die Fänge des russischen Geheimdienstes geriet, der ihn zur Spionage erpresste.

Die Weitergabe strengster militärischer Geheimnisse in einer krisenhaften Zeit, in der die Nationen rund um Österreich bereits an Aufrüstung und sogar an Krieg dachten, war eine höchst riskante, moralisch verwerfliche, aber viel Geld einbringende Sache. Beruflich ein nüchterner, kalter Kalkulierer, wurde Redl privat durch den neuen Reichtum zum Genussmenschen. Er fuhr teure Autos, hatte eine elegante Wohnung, liebte feine Hotels und leistete sich luxuriöse Kurzreisen mit seinem Geliebten und Geschenke für Horinka, um diesen gefügig zu halten.

Diese Geschichte konnte nicht gut ausgehen!
Spion Oberst Redl

Auch der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand wurde auf Redl aufmerksam. Redls rasanter Aufstieg dürfte auf das Wohlwollen zurückzuführen sein, das ihm der Erzherzog entgegenbrachte.

Darsteller
Alfred Redl: Marcello de Nardo
Franz Ferdinand, Erzherzog: Miguel Herz-Kestranek
Anton Freiherr von Kiesling: Rainer Frieb
Lelio Graf Spannocchi: Christoph Zadra
Gyula Freiherr von Unguary: Raphael von Bargen
Stefan Horinka, junger Leutnant: Simon Mantei
Ludwig Weizmann, Pfarrer: Nicolaus Hagg
Elisabeth Weizmann, seine Schwester: Johanna Arrouas
Irena Worowka, Spionin für Rußland: Sona MacDonald
Valentin Schober, Zivilbeamter: David Oberkogler
Adelheid, Redls Schwester: Emese Fay
Ordonnanz u. a.: Michael Pöllmann
Redl als Kind: Julius Hagg

Leading Team
Regie: Michael Gampe
Bühne: Peter Loidolt
Kostüme: Erika Navas
Licht: Lukas Kaltenbäck
PREMIERE: Donnerstag, 7. Juli 2011, 19.30 Uhr
THEATER REICHENAU - NEUER SPIELRAUM

Nähere Infos –> hier

Sommer-Festival Kittsee: Kiss me, Kate

7. Juli 2011
19:30bis22:30

Das Sommer-Festival Kittsee bringt heuer das Musical “Kiss me, Kate” mit Musik von Cole Porter. Die Premiere der Show findet am 7. Juli 2011 um 19:30 Uhr statt.

Leading Team
Intendant: Christian Buchmann
Inszenierung: Gerhard Ernst
Regieassistenz: Stefanie Gross
Choreografie: Raffaela Pegani
Kostüme: Marianne Bogachov
Maske: Wilhelm Galli
Musikalische Leitung: Joji Hattori
Musikalische Assistenz: Bernd Leichtfried
Orchester: Cappella Istropolitana
Parkgestaltung: Manfred Waba

Cast
Fred Graham (Petrucchio): Andreas Lichtenberger
Lilli Vanessi (Kate): Ann Mandrella
Ann Lane (Bianca): Johanna Maria Kräuter
Bill Cahoun (Lucentio): Artur Ortens
Harry Trevor (Baptista): Georg Kusztrich
Erster Ganove: Gerhard Ernst
Zweiter Ganove: Franz Suhrada
Hattie (Garderobiere): Lynne Kieran
Paul (Gerderobier): Eddie Cole
Ralph (Inspizient): Gerald Reiter
Gremio (Erster Freier): Dieter Kschwendt-Michel
Hortensio (Zweiter Freier): Bernd Kainz
Harrison Howell: Friedrich Schwardtmann
Portier: Mortimer Müller
Taxifahrer: Karl Stöhr
Tanzensemble: Leitung: Raffaela Pegani

Mehr Infos –> hier