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Archiv - Dezember 15, 2011

Es kann doch so einfach sein: Pralle Brüste hieven „Dreigroschenoper“ in die BILD

Natürlich im Namen der Kunst veröffentlichte das Wiener Volkstheater Promo-Bilderchen der neuesten Produktion: „Die Dreigroschenoper“ von Bertold Brecht und Kurt Weill. Pralle Brüste und in der Mitte Marcello de Nardo, mit optischem „Jedward“-Update. Der Erfolg stellte sich unmittelbar ein: Die BILD berichtet über eine Wiener Inszenierung eines Stücks von Bertold Brecht und Kurt Weill –> hier. Hauptsache Busen.

Links
- T-Online: Nackte Ansichten bei der “Dreigroschenoper”
- Oe24.at: Bühnenklassiker mit viel nackter Haut
- Wiener Zeitung: Ganoven agieren heute in der Mitte der Gesellschaft
- orf.at: Nackte Haut bei „Dreigroschenoper“
- format.at: Sex sells: Michael Schottenbergs provokante ‘Dreigroschenoper’-Inszenierung
- heute.at: Brecht, alles echt! WIR sind nicht so prüde wie die Deutschen
- oe24.at: Volkstheater: Bare Busen bei Brecht. Publikums-Ansturm auf die nackte „Dreigroschenoper“ am Wiener Volkstheater

„Still, Still, Still“ / „The First Noel“ Sierra Boggess, Lindsay Mendez

Sierra Boggess and Lindsay Mendez sing a mashup of „Still, Still, Still“ and „The First Noel“ at ASTEP’s New York City Christmas concert at Joe’s Pub. 12/12/2011

Apropos „alternativlos”

Weil in den Weiten des WWW jüngst in Zusammenhang mit der Spielplangestaltung der VBW der unsinnige Begriff „alternativlos“ aufgetaucht ist. Alternativen gibt es immer, nur der Mut und die Gestaltungskraft fehlen oft. Zum Wörtchen „alternativlos” –> hier mehr.

Link
- musicalzentrale: Ein Zwischentief

Andreas Bieber: „Alle Jahre Bieber“ [2011]

Der Musicaldarsteller Andreas Bieber lud am 12. Dezember 2011 ins Wiener Theater Akzent zur Weihnachtsshow „Alle Jahre Bieber“. Er startete in den Abend mit dem flotten Medley „Alle Jahre wieder“ (bzw. Bieber)/„Rockin’ around the Christmas tree“, um dann seinem Publikum zu erklären:

„Als der Andreas Luketa, mein Produzent und Veranstalter, mit der Idee vom Weihnachtsprogramm auf mich zukam, hab ich zuerst mal gesagt: Hm, äääh, ich mag es nicht so, wenn Anfang, Mitte Dezember so’n ganzer Abend nur Weihnachtslieder genudelt wird, weil da hat man gar keinen Spaß mehr, wenn dann der Baum wirklich aufgebaut ist zuhause, weil überall blitzt’s und funkelt’s und man hört diese „Jingle-Bell-Glocken“ und alles mögliche dauernd den ganzen Tag rauf und runter, und eigentlich hat man dann zuhause, da wo’s Spaß machen soll, überhaupt keinen Bock mehr. Und wenn, hab ich gesagt, dann würd ich das Ganze gern ein bisschen vorweihnachtlich machen, das heißt so ne Mischung aus ein paar Glitzerpaketen, aber auch ein paar ganz banale Geschichten, auch so vergangene Geschichten, die ich verzapft hab.“

Ich muss gestehen, ich verstehe die Logik hinter dieser Argumentation nicht. Andreas Bieber mag keine Weihnachtskonzerte Mitte Dezember, soweit so gut, das ist ja seine Privatsache, und jeder kennt sicher genügend Weihnachtsstimmungsverweigerer, für die Weihnachten am Heiligen Abend erledigt wird, und das war’s dann. Kein Problem. Er macht nun aber doch ein Weihnachtskonzert, das auch als solches etwa noch vor Beginn des Konzerts per Ansage so angekündigt wurde:

„Wir wünschen Ihnen besinnliche, weihnachtliche Stunden mit Andreas Bieber.“

Stellt sich die Frage: Für wen hat Andreas Bieber „Alle Jahre Bieber“ wohl gemacht? Wer wird wohl in seine Show gekommen sein? Leute, die Weihnachtskonzerte nicht mögen, lauter Masochisten also, die Weihnachtsshows hassen und deswegen in Biebers Weihnachtsshow gehen? Oder nicht doch Zuschauer, die gerne Weihnachtslieder hören und sich genau das von der Show erwartet hatten? Es ist ja nicht so, dass das Genre der Weihnachtslieder auf das beschränkt ist, was Andreas Bieber an diesem Abend dann doch geboten hat. Würde er sich mit dem Genre etwas näher beschäftigt haben, vielleicht hätte er dann eine andere Meinung davon. Es ist letztlich nichts anderes als Etikettenschwindel, eine in gewissem Sinne „Best of …“-Show im Weihnachtsmantel zu servieren. Nett verpackt, aber der Inhalt passt nicht wirklich. Derzeit scheint das in Mode zu sein. Warum nicht einfach bei der Wahrheit bleiben und das „Best of …“-Programm spielen und vor allem auch so ankündigen, die Bieber-Fans wären dennoch gekommen, und Leute, die sehr wohl in der Weihnachtszeit, die nun wahrhaftig nicht auf den 24. Dezember beschränkt ist, sondern mit diesem Tag für den einen oder anderen ihr abruptes Ende findet, sehr gern Weihnachtsshows besuchen, hätten sich das Ganze eventuell erspart.

In seiner Show erwies sich Andreas Bieber als stets humorvoller Moderator, in seinen Interpretationen war er das eine oder andere Mal extrem schluchzig und bisweilen zu hundert Prozent eher unangenehm im Schlagersumpf, sogar einen Klassiker wie „White Christmas“ eierte er eher runter, als dass er ihn interpretiert hätte. Der Sound war jenseits von Gut und Böse, Biebers Gesang wurde in eine fluffige Hall-Wolke gehüllt, man hätte glauben können, einer Messe in einer Kirche beizuwohnen. Wenn es ihm geholfen haben sollte, seine angeschlagene Stimme zu schonen1, okay, insgesamt jedoch ist eine derartige Camouflage grenzwertig.
Die Band war lasch, kaum je hat man einen Schlagzeuger so verzweifelt auf der Suche nach dem gesehen, was von ihm verlangt war. Wenig Power, zu wenig Einsatz, extrem störend etwa beim an diesem Abend von Bieber und seiner Band verschleppten „Als die Liebe entstand“ („Hedwig & the Angry Inch“), am Klavier mehr relaxtes Bargeklimper als Emotion und Gefühl. Besonders zu spüren bei Carin Filipcics Version von Amy Grants „Breath of heaven“, einem der großen Songs amerikanischer christlicher Musik, ein Weihnachtslied, das normalerweise geradezu hypnotische Wirkung hat – im Arrangement bei „Alle Jahre Bieber“ verklimpert und pseudoverjazzt, geradezu zerstört.
Sicher, „Alle Jahre Bieber“ ist keine Show, für die man sich drei Wochen Zeit nehmen kann, um alles perfekt einzustudieren, aber ab und an hatte man den Eindruck, die Musiker hätten die Noten während der Show zum ersten Mal zu Gesicht bekommen, und selbst dann … einen Song wie „Wenn ich dein Spiegel wär“ dermaßen zu dekonstruieren auf der Suche nach dem richtigen Takt – bemerkenswert.
Gleich zwei Songs lieferte Bieber aus der Revue „Ich war noch niemals in New York“ ab, einer davon „Griechischer Wein“. In der hanebüchenen Einleitung meinte Bieber, das sei ja ein Duett, aber sein Veranstalter Andreas Luketa hätte gemeint:

„Sing’s einfach, die gröhlen eh schon mit.“

Bezeichnend, diese Aussage, und so treffend, denn genau das ist es, was man mit einer Tradition von Shows wie „Ich war noch niemals in New York“ letztlich erreicht: Dummes Mitgröhlen wie in einer Dorfdisco oder im Bierzelt bei den Oberdeppendorfer Alpenjodlern. Als Überraschungsgast bei „Griechischer Wein“ kam Drew Sarich auf die Bühne und, wie schön, der Song, der nur in der jenseitigen Revue „Ich war noch niemals in New York“ als Duett konzipiert ist, wurde auch bei „Alle Jahre Bieber“ zum Duett – und tatsächlich, das Publikum gröhlte, klatschte mit und kreischte außer Rand und Band wie bei einem Strip der Chippendales, als Sarich auf der Bühne erschien und sich dem Schlager ergab. Manchmal kann „Musical“ so abstoßend sein.

Mit seinen Gästen hätte Andreas Bieber natürlich auch über Weihnachten reden können. Weihnachtsshow – Weihnachten, wäre ja nur logisch gewesen. Hat er aber nicht. Lustig war es auch so. Als Caroline Vasicek beispielsweise Bieber gestand, in Zeiten, als die beiden „Grease“ gespielt hatten, in ihn „ein bisschen verliebt gewesen zu sein“ meinte Bieber: „Oh mein Gott, dann hätte ich heute zwei Kinder mit dir.“ Vasicek ganz leise darauf: „Das glaub ich aber nicht.“

Ich mag ja den Biebs. – Biebs. Das soll jetzt nicht abwertend klingen, die Anspielung auf Justin Bieber kam von Andreas Bieber selbst, und mehr als den Nachnamen haben die beiden nicht gemein, bis vielleicht auf eine bestimmte Sorte von Fans, die auch bei „Alle Jahre Bieber“ reichlich vertreten war. Sie kreischen, wenn sie applaudieren könnten, und gröhlen, wenn Herr Bieber in einem neuen Outfit die Bühne betritt. Obwohl, einen Punkt gibt es da noch, der Justin und Andreas verbindet: Weihnachten. Beide machen mit Weihnachten ihr Geschäft, Justin Bieber hat mit „Under the Mistletoe“ eine höchst erfolgreiche Weihnachts-CDs veröffentlicht, er tritt mit seinen Weihnachtsliedern, die er zum Teil selbst geschrieben hat, in den bekanntesten amerikanischen Talkshows auf und ist am 16. Dezember im TV-Special „Christmas at the White House“ zu sehen – und Andreas Bieber macht auch mit Weihnachten sein Geschäft. Vielleicht ja nächstes Jahr mit mehr Gefühl für Weihnachten – und für alle, die die Weihnachtszeit lieben.

Setlist
- Alle Jahre wieder (Friedrich Silcher)/Rockin’ around the Christmas tree (Johnny Marks)
- „Alles, was gut tut“ („Ich war noch niemals in New York“/Michael Kunze/ Udo Jürgens)
- „Ich wollte nie erwachsen sein“ („Tabaluga & Lili“/Rolf Zuckowski/ Peter Maffay)
- Medley aus „Das Feuerwerk“ (Paul Burkhard/ Erik Charell, Jürg Amstein und Robert Gilbert): „Ich sag’s durch die Blume“/„O mein Papa“
- „Perhaps love“ (John Denver) Caroline Vasicek & Andreas Bieber
- „Ode an den Mond“ („Rusalka“/Antonin Dvorak/Jaroslav Kvapil) Caroline Vasicek
- Medley:
„Silver Bells“ (Jay Livingston/Ray Evans)
„Kling Glöckchen Kling“ (Karl Enslin)
„Sleigh Ride“ (Leroy Anderson/Mitchell Parish)
- „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“ (Gene Autry/engl./dt.)
- „Wenn ich dein Spiegel wär“ („Elisabeth“/Michael Kunze/Sylvester Levay)
- „Griechischer Wein“ („Ich war noch niemals in New York“/Udo Jürgens/Michael Kunze) Drew Sarich & Andreas Bieber
- „Isolation street“ (Drew Sarich) Drew Sarich
- „Winterszeit in Wien“ (Hape Kerkeling) Drew Sarich & Andres Bieber
- „Heidschi, bumbeidschi“ (Trad.) Drew Sarich, Caroline Vasicek & Andreas Bieber

- Medley:
„It’s Beginning to Look a Lot Like Christmas“ (Meredith Wilson)
„Jingle Bells“ (James Lord Pierpont)
„Santa Claus Is Coming to Town“ (John Frederick Coots/Haven Gillespie)
- „Das Liebeslied“ (Annett Louisan)
- „Beide Dase däuft“ (Queen Bee)
- „Als die Liebe entstand“ („Hedwig and the Angry Inch“/John Cameron Mitchell/Stephen Trask)
- Sie (Charles Aznavour/Herbert Kretschmer)
- „Breath of Heaven (Mary’ Song)“ (Amy Grant/Chris Eaton) Carin Filipcic
- „The Christmas Song“ („Chestnuts Roasting on an Open Fire“) (Mel Tormé/Bob Wells) Carin Filipcic & Andreas Bieber
- „Jingle Bell Rock“ (Joseph Carleton Beal/James Ross Boothe)
- „Winter Wonderland“ / „Winter Wunderland“ (Felix Berard/Richard B. Smith)
- „Love Shine a Light“ (Kimberley Rew) Caroline Vasicek, Drew Sarich & Carin Filipcic
- „White Christmas“ (Irving Berlin)
- Stille Nacht“ (Franz Xaver Gruber/Joseph Mohr) Caroline Vasicek, Drew Sarich, Carin Filipcic & Andreas Bieber

Andere Meinungen
- Musical Musing: [Konzert] “Alle Jahre … Bieber” am 12.12.2011 im Theater Akzent
- redakteur.cc: Alle Jahre Bieber – Eine Kritik
- k2: Alle Jahre Bieber - gerne wieder

  1. Bieber zu Beginn der Show zu seinem angeschlagenen gesundheitlichen Zustand: „Es soll ein gemütlicher Abend werden, auch besinnlich, aber gar nicht mal zu besinnlich, wobei ich mich ein bisschen besinnen muss, denn bei aller Gemütlichkeit, bei aller Entspanntheit muss ich sagen, es geht doch in mir ein bisschen rund. Ich mag solche Ansagen am Anfang nicht ganz, aber gestern Abend war ich noch im Spital, weil meine Stimme weg war, nachdem ich zehn Tage krank bin, und hab mir dann mal etwas geben lassen, was nicht unbedingt so von Vorteil ist, aber die Stimme zumindest auf Vordermann bringt, damit ich hier sein kann. Es hätte mir leid getan, den Abend nicht zu machen, zumal ja ganz viele Leute auch nicht unbedingt nur aus Wien gekommen sind. Sondern vor zwei Tagen war ein Mädl am Bühneneingang, die kam so aus Korea, und spätestens da hab ich mir gedacht: Also wenn das nicht hält, musst du zum Arzt und dir unbedingt etwas geben lasen, dass du jetzt mal zuerst über die Runden kommst. Ich warne euch nur: Jeder Ton könnte der letzte sein. Aber dann könnt ihr wenigstens erzählen, ihr wart live dabei, als er Bieber abgekackt ist (…) []

Maya Hakvoort/Eva Maria Marold: „Longing For L.O.V.E.“

15. Dezember 2011
19:00bis21:00

longing-for-love.jpg„Longing For L.O.V.E.“ ist der Titel zweier Shows, die am 15. und 16. Dezember 2011 in der Werft Korneuburg zu sehen sind. Gesungen werden die „berührendsten und sinnlichsten Hits“ aus Musical, Film und Pop. Maya Hakvoort tritt am 15. Dezember auf, Eva Maria Marold am 16. Dezember.

Künstlerische Leitung: Cornelia Meixner
Klavier: Michael Schnell
Choreographien: Verena Mayer

Ensemble an beiden Vorstellungstagen: Cornelia Meixner, Rafael Albert, Aloysia Astari, Bernd Kainz, Philipp Kreinbucher, Judith Lettner, Verena Mayer, Konstantin Zander

Einlass: 19:00 Uhr - Freie Platzwahl!

Tickets
– Bürgerservice der Stadtgemeinde Korneuburg, 2100 Korneuburg, Hauptplatz 39,
Tel.: +43 (0) 2262 770-0
– online unter: www.korneuburg.gv.at

Werft Korneuburg, Halle 55 - Am Hafen 6