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Archiv - Februar 15, 2012

VBW: Christian Struppeck übernimmt

Foto: Martin Bruny

Durchaus sympathisch hat sich der neue Intendant der Vereinigten Bühnen Wien, der Berliner Christian Struppeck, heute auf der Bühne des Wiener Ronacher, genau da, wo er vor fast 22 Jahren seine Schauspiel-Abschlussprüfung abgelegt hat, vorgestellt. Von klein auf schrieb, komponierte, übersetzte und textete Struppeck (geboren 1968), mit zwölf Jahren hatte er sein erstes Musicalerlebnis, da sah er „My Fair Lady“ im TV, mit 14 analysierte er in der Schule „Evita“ dramaturgisch – und machte sich damit nicht gerade zum Klassenliebling.
Zu Wien hat er eine „ganz besondere Beziehung“, sein erstes Musical hat er hier gesehen – „Cats” –, studiert hat er am Tanz- und Gesangsstudio Theater an der Wien, damals noch unter Peter Weck, unterrichtet wurde er von Lotte Ledl, Paulus Manker, Ida Krottendorf, Kim Duddy, Dennis Callahan; Michael Pinkerton war als Direktor des Studios tätig.
Fünf Jahre (1988–1992) verbrachte Struppeck in Wien, spielte hier seine ersten Engagements, etwa an der Wiener Volksoper in „La Cage aux Folles“ mit Karlheinz Hackl und Frank Hoffmann, in Amstetten wurde er als Choreograph bei Heinz Ehrenfreunds „My Fair Lady“ tätig. Öfter kam er auch danach nach Wien und Österreich. Wenn er jetzt also nach Wien zurückkehrt, so Struppeck, ist es ein bisschen wie nach Hause zu kommen und fühlt sich „richtig und gut an“.
Nach 13 Jahren auf der Bühne gründete Struppeck eine Produktionsfirma, kam ab vom Thema Choreographie und wandte sich der Regie zu. 2002 engagierte ihn Stage Entertainment als künstlerischen Direktor unter anderem der Entwicklungs- und Kreativabteilung. Hier entstand die erste große deutschsprachige Eigenproduktion von Stage Entertainment: „Ich war noch niemals in New York“. 2008 musste Struppeck Stage Entertainment verlassen und gründete mit Andreas Gergen die Firma „Creative Agency Berlin“.

Was kann man aus Christian Struppecks Antrittsrede an relevanten Zukunftsplänen entnehmen:
– Kathrin Zechners Projekte, die derzeit noch in der Produktionspipeline sind, werden einem Evaluierungsprozess unterzogen, den Struppeck mit seinem Team durchführt. Shows, die in Zechners Zeit konzipiert wurden, könnten noch zur Aufführung kommen, müssen aber nicht zwangsläufig. Zechners Planungen sind für Struppeck nur „Vorschläge“.
– 2013 wird es „höchstwahrscheinlich“ die erste Neuproduktion der Ära Struppeck geben. Was das sein könnte, dazu verweigerte der Intendant jegliche Angaben, auch auf Nachfrage. Welche Projekte er in Arbeit hat, dazu verweigerte er jegliche Angaben, auch auf Nachfrage.
– Struppeck wird sich in seiner Arbeit auf die Bespielung des Raimund Theaters und des Ronacher konzentrieren. Eine Bespielung anderer Häuser, wie zum Beispiel des MuseumsQuartiers, ist nicht vorgesehen.
– Struppeck schließt nicht aus, die eine oder andere Produktion selbst in Szene zu setzen, dafür das Buch zu schreiben oder eine andere rein künstlerische Tätigkeit bei der Entwicklung von Stoffen zu übernehmen.
– Thema Stückeentwicklung: Struppeck möchte mit internationalen, aber auch mit heimischen Kräften zusammenarbeiten. Das freilich war ohnedies schon immer in Wien der Fall.
– Bezugnehmend auf die Art und Weise, wie Stücke produziert werden, nahm der Intendant Stellung zu seinen intensiven Kontakten zu Disney Theatricals, zur Blue Man Group und zu Franko Dragone, einem Mitbegründer des Cirque du Soleil, der von Belgien aus große Shows in Las Vegas entwickelt. Nicht, dass man hier zu sehr interpretieren sollte, aber mit dem Thema Musical haben diese Produzenten zwar auch zu tun, aber …
– Seltsam mutet die besondere Betonung der Produktion von international verwertbaren Produktionen an, war das doch prinzipiell schon seit Peter Weck das Ziel der Vereinigten Bühnen Wien, rühmte sich doch vor allem Kathrin Zechner immer damit, hier wesentliche Aufbauarbeit geleistet zu haben.
– Zu Struppecks Konzept fallen nur plakative Schlagworte: innovatives Musiktheater, kreatives Musiktheater, den Ruf der VBW auch im Ausland weiter festigen, ausbauen, auch international.
– Thema Produktionszeit: zwei bis vier Jahre dauert die Entwicklung einer Show, fünf Jahre hat es bei „Ich war noch niemals in New York“ gedauert, bei „Wicked“ sieben Jahre.
– Spielplan: Es wird auch weiterhin Lizenzproduktionen (deutschsprachige bzw. europäische Erstaufführungen) geben, im Wechsel mit Eigenproduktionen.

Lässt man die Pressekonferenz einmal auf sich wirken, dann fällt auf, dass über die Konzepte, mit denen Christian Struppeck das Auswahlverfahren gewonnen hat, nichts gesagt wurde. Kein Wort. Bedenkt man, dass der Intendant davon spricht, dass er Kathrin Zechner schon letztes Jahr ausführlich kennen lernen durfte, bekommen die Gerüchte, dass die Nachfolge schon im November 2011 fixiert gewesen sein könnte, eine neue Bedeutung. Man könnte auch die Frage stellen, nach welchen Kriterien die engagierte Recruitingfirma die Einreichungen der Kandidaten überprüft und bewertet hat, der „Neue Merker“ fragt zum Beispiel, warum es bei der Intendantenwahl nicht möglich war, eine heimische Lösung zu finden. Wie denn auch, wenn nicht einmal alle heimischen Kandidaten zu einem Gespräch über ihre Konzepte eingeladen wurden?

Man wird also abwarten müssen, wohin das Boot segelt. Die allzu euphorischen Einschätzungen in den einschlägigen Foren, allen voran jene des selbsternannten Musicalspezialisten Dominik Lapp auf einer von vielen unsäglichen Musicalplattformen, die sich als „kompetent“ titulieren, kann ich nicht teilen. Ja, Christian Struppeck ist ein Mann vom Fach, vom Theater, das ist wunderbar, aber dieses Nichts an inhaltlicher Konzeption, an Fakten über sein Konzept ist enttäuschend.

Audiostreams der Pressekonferenz
Vizebürgermeisterin Magistra Renate Brauner

Kulturstadtrat Dr. Andras Mailath-Pokorny

VBW-Generaldirektor Mag. Thomas Drozda

Christian Struppeck

Links
- ORF Wien Heute: Neuer Musical-Chef
- ORF ZIB2: Intendant Struppeck bestellt
- orf.at: Struppeck neuer Musical-Intendant
- oe1.orf.at: Christian Struppeck neuer Musical-Intendant
- KURIER: Mister Mistoffelees: Bei den Vereinigten Bühnen geht es um viel mehr als um den Intendanten.
- KURIER: Musical ist Struppecks “Traum und Leben”
- diepresse.at (APA-Artikel): VBW: Christian Struppeck wird neuer Musicalintendant
- diepresse.at: Gebürtiger Berliner wird Wiens Musical-Intendant
- diepresse.at: Mit 14 hat er „Evita“ analysiert
- Wiener Zeitung: Christian Struppeck neuer Wiener Musical-Intendant
- Wiener Zeitung: Christian Struppeck wird neuer Musicalintendant der VBW
- Wiener Zeitung: Kür des Entertainers
- derstandard.at: Christian Struppeck ist neuer Musicalintendant
- derstandard.at: Christian Struppeck ist Musicalintendant
- derstandard.at: Drahtiger Aficionado des Musicals
- Kleine Zeitung: VIDEO: Künstlerintendant Struppeck für Wiens Musical
- Kleine Zeitung: Künstler leitet das Wiener Musicalimperium
- Der Neue Merker: Bekommt er heute den Traumjob?
- Der Neue Merker: Zur Pressekonferenz sind wir gleich gar nicht gegangen
- austria.com: Eine kurze Geschichte des Wiener Musicals
- austria.com: Struppeck: Deutscher mit starkem Wien-Bezug
- Oberösterreichische Nachrichten: Christian Struppeck neuer Musical-Intendant in Wien
- Salzburger Nachrichten: Christian Struppeck neuer Wiener Musical-Intendant
- ots.at: Vereinigte Bühnen Wien: Christian Struppeck ist künftiger Musical-Intendant
- ots.at: VP-Leeb: Ein echter Neuanfang für das Musical in Wien
- ots.at: Werner-Lobo: Grüne Wien begrüßen Entscheidung für Musical- Intendanz
- live-pr.com: Vereinigte Bühnen Wien: Christian Struppeck ist künftiger Musical-Intendant
- live-pr.com: Werner-Lobo: Grüne Wien begrüßen Entscheidung für Musical- Intendanz
- musicalvienna.at: Christian Struppeck ist der künftige Musical-Intendant
- Rathauskorrespondenz: Vereinigte Bühnen Wien: Christian Struppeck ist künftiger Musical-Intendant
- wien.gv.at: Neuer Leiter für die Musicalbühnen Raimund Theater und Ronacher
- noodls.com: Vereinigte Bühnen Wien: Christian Struppeck ist künftiger Musical-Intendant
- Oe24.at: Struppeck wird neuer Musical-Intendant
- europeonine-magazine.eu: Berliner Struppeck wird Musical-Intendant in Wien
- bezirke.co.at: Vereinigte Bühnen Wien: Christian Struppeck ist künftiger Musical-Intendant
- vbw.at: The Viennese Musical as an Export Hit
- relevant.at: Christian Struppeck neuer Wiener Musical-Intendant
- kultur-online.net: Christian Struppeck neuer Musical-Intendant der Vereinigten Bühnen Wien
- dbn.at: Vereinigte Bühnen Wien: Christian Struppeck ist künftiger Musical-Intendant
- Wirtschaftsblatt: Struppeck wird neuer Musical-Chef
- oe-journal.at: Vereinigte Bühnen Wien: Christian Struppeck ist künftiger Musical-Intendant

Kammerspiele: „Sein oder Nichtsein“ – Darf über Nazis gelacht werden?

15. Februar 2012
20:00bis22:00
15. März 2012
20:00bis22:00

Foto: Rita Newman

„Darf über Nazis gelacht werden?“ – Das fragt in einer Aussendung anlässlich der bevorstehenden Premiere von Nick Whitbys „Sein oder Nichtsein” die Presseabteilung der Wiener Kammerspiele.

1942 drehte Ernst Lubitsch in Amerika mit der Nazi-Farce „Sein oder Nichtsein“ die Vorlage für dieses Bühnenstück und einen seiner bekanntesten Filme. Doch neben begeisterten Reaktionen kam es auch zu Protesten. So wurde ihm vorgeworfen, den Nationalsozialismus scheinbar zu leichtfertig behandelt zu haben, sich über das Leiden der Polen lustig gemacht zu haben, zeigte er doch eine polnische Theatergruppe im besetzten Warschau und ihre heiterkeitserregende Konfrontation mit Hitlers Gestapo.

Letztlich ist die Frage, ob man über Nazis lachen darf, eine rhetorische, denn ums Dürfen ist es ja eigentlich nie gegangen. Dürfen darf man, doch will oder sollte man auch? 1942, als Lubitsch mit seinem Film in die Kinos kam, war das Jahr, in dem auf der Wannseekonferenz die Vernichtung der Juden beschlossen wurde. Lubitsch führte im Film die Figur des „Konzentrationslager-Erhardt” ein und trieb damit krasse Scherze. Auf Kritik reagierte er folgendermaßen:

Ich habe drei Todsünden begangen, so scheint es – ich habe die üblichen Genres missachtet, als ich Melodrama mit komischer Satire und sogar mit Farce verband, ich habe unsere Kriegsziele gefährdet, weil ich die Nazibedrohung verharmloste, und ich habe außerordentlich schlechten Geschmack bewiesen, weil ich das Warschau von heute als Schauplatz für eine Komödie wählte. [New York Times, 29.3.1943]

und

Dieser Film mokiert sich nicht über die Polen; er war nur eine Satire über Schauspieler, Nazi-Geist und bösen Nazi-Humor. Obwohl dieses Bild des Nazismus als Farce gemeint war, zeigte es ihn doch ungeschminkter als viele Romane, Artikel und Filme, die sich mit demselben Gegenstand beschäftigten. [In einem Brief an Herman G. Weinberg, 1948]

1983 produzierte Mel Brooks, wer sonst, ein Remake des Films, das im Vergleich zu Lubitsch unter anderem so bewertet wurde:

Lubitsch treibt mit Entsetzen Scherz; dass darüber erhobenen Hauptes nach wie vor gelacht werden kann, während das Remake von Mel Brooks (1983, Regie Alan Johnson) nur albern wirkt, darin erweist sich die präzise Treffsicherheit von Lubitschs Komödienstil. [mediaculture]

Nick Whitbys Bühnenstück wurde am 14. Oktober 2008 am Broadway im Samuel J. Friedman Theatre uraufgeführt und war da bis 16. November desselben Jahres zu sehen. Mitte März 2012 findet die Wiener Premiere des Werks als österreichische Erstaufführung statt, in den Hauptrollen sind Gregor Bloéb und Nina Proll als berühmtes polnisches Schauspielerpaar Josef und Maria Tura zu sehen, weiters Martin Zauner als Gestapo-Chef und Stefano Bernardin als Fliegeroffizier in Nöten. Regie führt Peter Wittenberg. Die Geister werden sich mit Sicherheit auch hier wieder spalten.

Nick Whitby: Sein oder Nichtsein
Nach dem Film von Ernst Lubitsch

Regie: Peter Wittenberg
Bühnenbild und Kostüme: Florian Parbs
Musik: Wolfgang Siuda

Darsteller
Josef Tura, Schauspieler: Gregor Bloéb
Maria Tura, Schauspielerin, Frau von Josef: Nina Proll
Stanislaw Sobinsky, polnischer Fliegeroffizier: Stefano Bernardin
Dowasz, Schauspieldirektor: Peter Scholz
Anna, Garderobiere, Souffleuse, gute Seele: Susanna Wiegand
Rowicz, zweiter Schauspieler: Siegfried Walther
Bronski, Chargenspieler: Ljubisa Lupo Grujcic
Grünberg, Chargenspieler: Gideon Singer
Junger Grünberg, Sohn von Grünberg: Samuel Jung / Simon Jung
Walowski, Staatsdiener der Zensurbehörde: Friedrich Schwardtmann
Professor Silewski, Spion für die Gestapo: Oliver Huether
Gruppenführer Erhardt, Mitglied der Gestapo: Martin Zauner
Sturmführer Schulz, Mitglied der Gestapo: Fabian Stromberger
SS-Standartenträger: Robert Hager, Lukian Guttenbrunner, Benjamin Vanyek, Dominik Hell-Weltzl

Vorstellungstermine
13. und 14. (Voraufführungen), 15. (Premiere), 16., 21., 23., 24., 25. März 2012
Beginn: 20.00 Uhr
Kammerspiele Wien

Link
- Kammerspiele Wien
- mediaculture.oline: Sein oder Nichtsein