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Archiv - Mai 19, 2012

Schau’n Sie sich das an: „Der Urknall“ – das beste Comedy-Musical derzeit in Wien

Foto: Reinfried SchieszlerAm 23. und 30. Mai sowie am 6. Juni 2012 hat man noch die Chance, ein Musical auf der Probebühne des Wiener Ronacher zu sehen, das man sich als am Musicalgenre ernsthaft Interessierter eigentlich nicht entgehen lassen sollte. „Der Urknall“ lautet der Titel der Show – ein Comedy-Musical der feinsten Sorte, das Reinfried Schieszler (u. a. Regisseur bei den Uraufführungen von „BONIFATIUS – das Musical“ und „ELISABETH – die Legende einer Heiligen“) im Rahmen einer Koproduktion mit den VBW auf die Bühne gebracht hat.

Inhalt

Ein Komponist und ein Autor nutzen das Apartment ihrer Wiener Freunde, um zusammen mit ihrem Pianisten Sponsoren für ihr ultimatives VBW–Musical zu gewinnen. Ihre Show mit den höchsten Produktionskosten aller Zeiten soll in zwölf Stunden die ganze Weltgeschichte präsentieren. Vom Urknall bis bis Woodstock. Sie haben potentielle Geldgeber in das Apartment geladen und geben Ihnen in 90 Minuten eine Probevorstellung ihrer Gesangs,- und Tanzrevue über die Geschichte der Zivilisation…
„DER URKNALL“ („THE BIG BANG“) feierte 2002 am Fairbanks Theater in New York Premiere, nachdem das Stück schon 1997 unter dem Titel „FREE FOOD & FRONTAL NUDITY“ in Durham/North Carolina getestet wurde. Der Komponist Jed Feuer und der Autor Boyd Graham spielten selbst. Für die Aufführungsserie auf der RONACHER/ Probebühne erstellte der Regisseur Reinfried Schieszler eine „Wiener Fassung“.

Schon wenn man von der Himmelpfortgasse mit dem Aufzug fast ganz oben, einen Halbstock unter der Kantine, angelangt ist und durch die Pforte in den Aufführungsraum kommt, in dem sich alles abspielt, ist es, als ob man in eine andere Dimension gelangen würde. Wir alle kennen die Entertainment-Variante der Begrüßung, wie sie heutzutage im Big-Sister-Act-Ronacher und im Matrosen-Raimund-Theater üblich ist. Man sieht fesche kostümierte Billeteure und Billeteusen, wird von einer Oberbilleteuse eventuell zusammengestaucht, weil man nicht gleich folgsam an der Garderobe alles abgegeben hat, was immer man, je nach Billeteur (das ist schon bis zur Aufforderung, das Sakko abzugeben, gegangen), abgeben muss, man kommt an Gummientchen und anderem Getier vorbei – und wundert sich eventuell über all diese an ein Musicaldisneyland erinnernden Lächerlichkeiten. Sicher, ohne Geld kein Musical, aber die gelackte Entertainment-Variante im Faschingsmodus 365 Tage im Jahr ist doch eher … sagen wir auf krude Weise amüsant.

Wenn man im „Urknall“-Saal anlangt, wird man von swingenden Klavierklängen begrüßt. Wolfgang Gattringer an den Keyboards ist schon am Werk, die beiden Hauptdarsteller stehen bereit, um uns, jeden einzelnen von uns, zu begrüßen. Wir sind die Investoren, wir wollen ihrer Showpräsentation beiwohnen – und die Show hat schon längst begonnen, bevor sie noch begonnen hat. Das alles hat etwas von echtem Musicalfeeling, wie man es oft in London erleben kann. Man fühlt sich wohl, es hat diese gewisse Atmosphäre, man ist gespannt auf das, was folgt.

Worum es im „Urknall“ geht, kann man –> hier nachlesen. Eine Kritik zur Show wird in der nächsten Ausgabe von „musicals“ erscheinen. Und da ich hier nicht vorab dasselbe schreiben kann wie in meiner Kritik, die erst in rund zwei Wochen publiziert wird, ein paar ergänzende Bemerkungen.

Wenn man als Zuschauer beim Musical mal nicht über Millionen teure Treppen oder zerplatzende Flugzeuge staunt, sondern über die sprühende Phantasie einer Künstlertruppe und ihr Können, mit größtmöglicher Präzision im Vorfeld und in der Show größtmöglichen Spaß zu erzeugen, dann sind das schöne Momente im Leben eines Musicalbegeisterten.

Der „Urknall“ ist ein auf so vielen Ebenen intelligent gemachtes Comedy-Musical. Es kommen etwa keine Stellen vor, in denen ein Ensemblemitglied von rechts nach links über die Bühne geht, nur damit etwas auf der Bühne passiert, während vorne gerade der Hauptdarsteller sein wichtigstes Solo singt und sich Abend für Abend ärgert, dass auf einmal alle auf den hinten vorbeiflanierenden Statisten glotzen, statt sich auf seine Darbietung zu konzentrieren. Darsteller laufen nicht sinnlos in Balladen ein paar Schritte nach links, um dann plötzlich stehen zu bleiben und wieder zurückzutrippeln und ihren Song fertig zu singen, nur weil dem Choreographen nix Sinnvolleres eingefallen ist. [Mehr dazu in „musicals“]

Neben all den parodistischen Elementen, auf die ich in „musicals“ eingehe, ist unter anderem auch eine herrliche Nummer in der Show, die die Stupidität mancher Musicaltexte aufs Korn nimmt, die auch den Trend parodiert, Nummern aus Shows in einer radiotauglichen Variante auszukoppeln. Eine sogenannte Selbstläufernummer, also ein garantierter Hit, wird uns, dem Publikum, vorgestellt, mit dem kolossal dämlichen Refrain: „Das Heut war gestern noch ein Morgen, und heut ist morgen schon vorbei, das heut ist morgen schon ein Gestern, und morgen ist gestern und nicht heut.“ Zwei Varianten hören wir, eine, wie sie in der Show vorkommt, und eine Pop-Variante, die, ja, etwa Alfons Haider und Uwe Kröger singen könnten. Die Parodie auf textlicher und musikalischer Ebene, und auch auf gesanglicher Ebene, wenn Martin Berger und Artur Ortens die beiden Varianten interpretieren – ein Riesenspaß.

In der Show verpackt finden sich diverse Anspielungen auch auf die Musicalproduktionen des Wiener Platzhirschen. Das ist umso witziger, wenn man sich etwa die Ankündigung der neuen „Elisabeth“-Produktion durch Christian Struppeck ins Gedächtnis ruft oder die elendslangen Diskussionen über die „Rebecca“-Treppe und was sie nicht alles erfordert und kostet. Struppecks Ankündigungsconférence war nur so von Superlativen gespickt, etwa, als er die „fulminante Ausstattung“ teasermäßig so beschrieben hat: „450 historische Kostüme, es werden über 140 Paar Schuhe benötigt und über 10 Kilo Haarnadeln. Ebenfalls in Vorbereitung ist das kolossale und fulminante Bühnenbild …“ Na, das kann der „Urknall“ toppen, oder, wie es Artur Ortens in der Show formuliert: „14. Akt. 7. Szene. Wir befinden uns am Hof in Frankreich zur Zeit Napoleons. AUS DEM BÜHNENBODEN STÖSST EINE ORIGINALGETREUE KOPE VON VERSAILLES nach oben – ja Sie wollen doch sicher sein, dass jeder Cent Ihrer 83,5 Millionen sinnvoll investiert ist.“ Futter für die Phantasie, denn all diese Abenteuerlichkeiten sieht man natürlich nicht auf der Bühne, man muss sie sich vorstellen.

Ich kann die Show nur empfehlen, von einem Comedy-Musical wurde ich seit Jahren nicht besser unterhalten.

Der Urknall

Martin BERGER
Artur ORTENS

Keyboard: Wolfgang GATTRINGER

Regie/ Konzept/ Raum: Reinfried SCHIESZLER
Choreographie: Georg PROHAZKA

Kostüme: Nicole PANAGL
Licht: Dirk KORNBERGER
Requisite: Stefanie JUST
Ton: Hubert DOLZNIG

Bühnenrechte: Verlag JUSSENHOVEN&FISCHER

Musik von Jed FEUER
Text von Boyd GRAHAM
zusätzliche Arrangements und Orchestrierung von Albert AHRONHEIM
Deutsche Fassung von Bernd SAMLAND und Alfons NOWACKI

Premiere: 14. Mai 2012

RONACHER/ Probebühne
Seilerstätte 9, 1010 Wien
www.musicalvienna.at
01/ 514 11 111

weitere Vorstellungen: 23., 30. Mai und 6. Juni

Tickets
- Wien-Ticket

Links
- Jed Feuer
- Archiv der Wiener Kammerspiele: „Der Urknall“
- The Big Bang – The Musical
- The Big Bang (Video einer Produktion mit Patrick Herlihey, Pier Debes und Eric Lander) bei –> YouTube

Konservatorium Wien: Tee um drei

19. Mai 2012
19:30bis22:00

Am 19. Mai 2012 zeigt die Konservatorium Wien Privatuniversität die Uraufführung der Musicaloperette „Tee um drei“ von Florian Stanek (Buch/Liedtexte) und Sebastian Brandmeir (Musik).

„Tee um drei“ erzählt von einer abenteuerlichen Suche nach der großen Liebe und beleuchtet satirisch brandaktuelle politische Geschehnisse. Musikalisch angesiedelt zwischen den Genres Operette und Musical lässt das Stück auch inhaltlich zwei Gesellschaftsrealitäten aufeinander treffen – beim Tee um drei.

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Florian Stanek und Sebastian Brandmeir sind seit einigen Jahren als Verfasser eigener Texte und Musik tätig. Für ihr erstes gemeinsames Projekt „Tee um drei“ haben sie die Mischform „Musicaloperette“ gewählt. Florian Stanek (*1988, Wien) hat seine Wurzeln als Autor und Darsteller im kabarettistischen Bereich. Sebastian Brandmeir (*1984, Bayern) ist ausgebildeter Musikerzieher und als Chorleiter tätig. Beide befinden sich im Abschlussjahr ihrer Ausbildung im Bachelorstudiengang Musikalisches Unterhaltungstheater an der Konservatorium Wien Privatuniversität.

Inhalt
2008, das Jahr, in dem die Immobilienkrise Großbritannien erreicht. Doch es ist nicht nur ein bewegtes Jahr für die Wirtschaft des Landes, sondern auch für den kleinen LKW-Fahrer Joe Kaschemski im Londoner Vorort Tooting. Als die Krise sich auch auf sein privates Leben ausweitet und seine amourösen Pläne durchkreuzt, beschließt er, alleine den Kampf gegen die übermächtige Immobilienmafia aufzunehmen – mit seinen ganz speziellen Mitteln: Durch eine Verwechslung gelingt es Joe, sich als Besitzer des Londoner Ritz-Hotels auszugeben – eine Gelegenheit, die er nützt, um Rache zu nehmen an den Konzernen, die sein Glück gefährden. Schließlich kommt es zum großen Showdown im legendären Nobelhotel. Aber wie wird sich Joe in dieser letzten großen Prüfung schlagen?

Leading Team
Buch & Liedtexte: Florian Stanek
Musik: Sebastian Brandmeir
Regie: Isabella Fritdum
Musikalische Leitung: László Kövi
Choreographie: Marcus Tesch
Bühne: Timo Verse

Cast
Franziska Kemna, Alixa Kalaß, Tanja Petrasek, Salka Weber, Manuel Heuser, Dieter Hörmann, Johannes Sorgner, Manuel Walchberger (3. Jahrgang)
Jil Clesse, Marja Hennicke, Karolin Konert, Judith von Orelli, Laurence Karla, Steven Klopp, Marcel Kraml, Michael Souschek Matthias Weißschuh (2. Jahrgang)

Vorstellungstermine
Sa, 19. Mai 2012 (Uraufführung)
Folgetermine: 21. bis 23. Mai 2012
Beginn jeweils 19:30 Uhr

Veranstaltungsort
Konservatorium Wien Privatuniversität,
Leonie-Rysanek-Saal
Johannesgasse 4a
1010 Wien

Kartenpreise
€ 15/9,- (erm.)

Links
- Konservatorium Wien Privatuniversität
- Florian Stanek
- Die Facebook-Site zur Show