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“Falsches” Phantom der Oper in der Stadthalle Wien

Wenn es nicht so ärgerlich wäre, könnte man einfach drüber lachen. Alle paar Jahre machen Tournee-Versionen von “Musicals” in Wien Station, die man als Musicalfreund (weniger als Musicalkenner) gut kennt. Shows wie “Die Schöne und das Biest” zum Beispiel. Ein gutes Beispiel übrigens. “Die Schöne und das Biest” taucht in regelmäßigen Abständen in Wien auf. In der Anfangszeit, als man noch glaubte, das Publikum hemmungslos betrügen zu können, wurden Begriffe wie “Neuinszenierung” und “Disney” auf Plakaten zur Show erwähnt - die Produktionen waren gut besucht, aber der Wirbel in den Pausen eben dieser Shows war vorprogrammiert, wenn nämlich auch der letzte Zuschauer mitbekommen hatte, dass es sich nicht um die gute alte Disney-Version handelte, sondern um irgendeine von einem Fleischhauer, Strumpfhosenhersteller oder sonstwem komponierte Version des Stoffes. Und ja, ich muss gestehen, ich bin selbst einmal in die Falle getappt, sah mich vom Veranstalter betrogen, forderte Schadenersatz und bekam das Eintrittsgeld zurückerstattet. Die Zeiten sind nun freilich vorbei, als man noch ungestraft “Disney” auf die Plakate schrieb, und “Die Schöne” und ihr Biest treffen immer seltener in Wien aufeinander.

Dafür hatten wir vor ein paar Tagen eine Produktion in der Wiener Stadthalle, die haargenau nach demselben Marketingmuster verkauft wurde. “Das Phantom der Oper” wäre wieder in Wien, so warb man für die Show, von einer “Neuinszenierung” wurde gesprochen, und wie bei der Schönen und ihrem Biest kam es in den Pausen der Show zu regelrechten Tumulten. Das Publikum fühlte sich nicht nur ein bisschen betrogen, sondern regelrecht um ihr teuer erabeitetes Geld geprellt (Ticketpreise bis 62 Euro).

Es hat sich ganz offensichtlich noch nicht herumgesprochen, dass Andrew Lloyd Webber seine Version des “Phantoms” nicht in miesen Hallen in Europa spielen lässt. In miesen Hallen, wie beispielsweise in der Halle F der Wiener Stadthalle. Das muss man einfach mal nicht nur andeuten, sondern klar aussprechen. Also nochmal: Die Halle F der Wiener Stadthalle ist für Musical ungeeignet. Man kann natürlich, mit viel Aufwand, auch diese Halle bespielen und einen halbwegs akzeptablen Sound erzielen, nur macht das kaum ein Veranstalter, denn er müsste all das dafür notwendige Soundequipment extra anmieten. Die Wiener Stadthalle ist nur Vermieter und stellt eine nackte Bühne mit minimalster Soundausstattung zur Verfügung, prahlt allerdings damit, dass jeder einzelne Sitz soundtechnisch vermessen wurde. Fragt sich nur womit.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. In der Wiener Stadthalle gastierte vom 4. bis 6. Februar 2010 “Das Phantom der Oper” in einer “neuen Inszenierung” von Deborah Sasson. Unzählige Besucher tappten in die perfekt ausgelegte Falle. Allein der Begriff “Neuinszenierung” scheint zu reichen, um zu der Überzeugung zu kommen, es handle sich um eine Neuinszenierung des Webberschen “Phantoms”. Genau genommen ist die “Phantom”-Version, die sich in der Stadthalle eingemietet hatte, keine “Neuinszenierung”, sondern schlicht ein anderes Musical, komponiert von Peter Moss. Über die Qualität dieser Version kann man streiten, Tatsache ist, dass sich Abend für Abend ein nicht unerheblicher Teil des Publikums betrogen fühlte. Die Kronen Zeitung ist nun nicht gerade eine Quelle, die man gerne zitiert, aber in diesem Fall, warum nicht?

Die Beschwerdeflut über die Gastproduktion “Phantom der Oper” in der Stadthalle reißt nicht ab: Von laienhaften Darstellern und Tonausfällen reichen die Vorwürfe von Besuchern über eingeschränkter Sicht, irreführende Bewerbung bishin zu “Liederklau” und “Abzocke”. Sie fordern nun eine Entschuldigung und teilweise Ticket-Ersatz. Die Stadthalle weist allerdings jede Schuld von sich: “Wir waren nicht Veranstalter, sondern haben nur den Raum vermietet”, so Unternehmenssprecherin Elisabeth Strobl.
Beschwerden müssten an die LS-Konzertagentur, die in der Vergangenheit gute Aufführungen geliefert habe, gerichtet werden. LSK-Chefin Sabine Trinkl: “Wir haben die Show niemals mit Andrew Lloyd Webber beworben.” Auch von technischen Problemen sei nichts bekannt. “Dennoch werden wir jede Beschwerde eingehend prüfen.”
Die aufgeführte Version war eine Neuinszenierung, die mit dem bekannten Webber-Musical wenig gemein hat. Das dürfte vielen Besuchern, die bis zu 62 Euro pro Karte hingeblättert hatten, nicht bewusst gewesen sein.
Die Stadthalle hat derzeit offenbar überhaupt kein gutes Händchen mit Fremd-Veranstaltern. “Ben Hur Live” von Art Concerts ist nun nämlich endgültig abgesagt worden. Auskünfte zur Ticket-Rückgabe gibt’s unter der Telefonnummer 98100-200. [Kronen Zeitung]

Das Unheil besucht übrigens bald wieder Wien. Ende Februar gastiert das “Phantom” im Wiener Konzerthaus. Und nein, auch diesmal ist es nicht die Version von Andrew Lloyd Webber, sondern jene von Arndt Gerber (Musik) und Paul Wilhelm (Text). Schön, dass die Veranstalter den Mut haben, von einer Originalproduktion zu sprechen und nicht mit einem missverständlichen Begriff wie “Neuinszenierung” das Publikum in die Falle locken wollen.

16 Kommentare »

  Sabine wrote @ März 1st, 2010 at 00:19

kommt wirklich enttäuscht (und ich war nicht die einzige) aus dem wiener konzerthaus - eine “andere” inszenierung gut und schön, aber mein pech, dass ich für so bescheidene 2 1/2 stunden in der 21.reihe € 70,- hingeblättert habe. wirklich traurig, dass man nur auf die wirklich gut beworbenen musicals vertrauen kann:(

  Siegrun wrote @ Februar 14th, 2010 at 13:17

also ich muss mich hier jetzt auch einmal zu Wort melden!

Ich finde es echt eine Schande wie man dieses eigentlich recht gute Stück so in der Luft zerreisst!
Jeder der etwas mehr im Kopf hat würde sich vor Kartenkauf sowie so über das Stück informieren, bevor er sich die Karten kauft!

Ich habe diese Version schon vor 2 Jahren in Wels gesehen, damals noch mit Thomas Mülner als Raoul und ich war im großen und ganzen recht angetan von der Version, da sie mehr noch dem Original von Gaston Leroux gehalten hat.

Trotzdem recht kleinen Ensembles und der vielen Doppelrollen z.B. Anne Welte als Carlotta + Madame Valerius.

Das Stück ist eine gelungen Abwechslung zu der bekannten Webber Version!

  caliban wrote @ Februar 13th, 2010 at 15:42

Naja… das es mehrere Phantom-Musicals gibt, sollte mittlerweile eigentlich bekannt sein.
Ich selber bin als Teenager auch einmal im “falschen” Phantom gesessen. Ich meine, es wäre damals die Ken Hill-Fassung gewesen.
Irgendwie finde ich nur dieses Gebrüll hinterher so albern. Eine gewisse Grundintelligenz darf man vorraussetzen. Und dazu gehört auch, mal nachzuschauen, was für Karten man da kauft. Das Internet soll ja zB manchmal hilfreich sein.
Hier mal ein Vergleich, den ich beim schnellen googeln fand:
http://www.gudrun-kauck.de/Phantom-Versionen.htm

  Kiwi wrote @ Februar 12th, 2010 at 14:13

@Hajek Leopold - wenn man das “Paradelied” hören möchte sollte man in die Webber-Version gehen.

  marxus wrote @ Februar 12th, 2010 at 13:02

@leo

das parade lied ist nur in dem webber fassungen dabei. sahen keine webber version.

danke

  operngast wrote @ Februar 12th, 2010 at 13:02

@leo

das parade lied ist nur in dem webber fassungen dabei. sahen keine webber version.

danke

  Hajek leopold wrote @ Februar 12th, 2010 at 08:16

Die Aufführung an sich war gut-Gesang und Ton-,jedoch waren Lieder aus
La Traviata und der Fledermaus dabei die meuner Meinung nach nichts in
den Stück zu tun haben.
Auch das Parade Lied Phantom der Oper hat gefehlt ,auf das alle gewartet haben.der Preis für diese Veranstakltunf war meiner Meinung nach zu hoch,
aber aus Fehlern lernt man:

mfg Hajek Leopold

  Dave wrote @ Februar 10th, 2010 at 23:32

cooler kommentar mr b.

  Andreas wrote @ Februar 10th, 2010 at 17:28

Die Leute sind selber schuld, wenn sie sich nicht informieren. Außerdem sah das Plakat schon sooooo billig aus, dass man nur “Hände-weg” sagen kann.

  der G. wrote @ Februar 10th, 2010 at 15:16

auch ich bin mal in diese lage gekommen und war sehr erböst über die frechheit mit original usw zu werben und dann so einen billig schmus auf die bühne zu werfen!
und zu webber und tour, es gibt sehr wohl shows on tour von ihm und das ist immer großes kino!!!

  Kiwi wrote @ Februar 9th, 2010 at 14:10

Mir tuen die Darsteller auf der Bühne leid, die mit einem wütenden (auch Buh-Schreienden - alles schon erlebt) Publikum umgehen müssen, nur weil sich ein paar Leute einfach nicht richtig informieren bzw. nicht lesen können.

  Heinz wrote @ Februar 9th, 2010 at 13:54

Schlaumeier, das sind auch Theater an denen es länger gespielt wird. In Europa ist es nicht erlaubt. Ich fand die Aufführung in Wien trotzdem Frisch und schön. Sie war alles andere als Billig gemacht, und sie hatten ein 23 köpfiges Orchester….auch nicht schlecht

  klaus wrote @ Februar 9th, 2010 at 12:49

Phantom der Oper (Webber) tourt schon seit Jahren in den USA.
Aktueller Tourplan: http://www.thephantomoftheopera.com/us_tour/

  operngast wrote @ Februar 9th, 2010 at 12:18

webber erlaubt schon aufführungen auf tour - aber es gibt keine in österreich davon- ätsch du schlauer kopf und ausserdem hat dich der satz von dem guten herrn bruny irregeführt. der war sarkastisch gemeint. also klar ist der irreführend total…

  Heinz wrote @ Februar 9th, 2010 at 11:53

Ich finde es viel Irreführender von einer Orginalproduktion zu sprechen als von einer Neuinzenierung. Webber erlaubt überhaupt keine Aufführung auf Tour. Uns hat es sehr gut in der Stadthalle gefallen. Es war neu und Frisch

  Ich wrote @ Februar 9th, 2010 at 08:07

Die Schöne und das Biest folgt im Übrigen im Oktober im Museumsquartier. Und zwar die Doepke Version.

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