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Archiv - August, 2005

Pia Douwes: The Soundtrack of My Life

Pia Douwes; Pic: Pia Douwes
Es gibt in jeder Branche eine Liga, in die nur die Besten reinkommen, nennen wir sie mal die “Stars” ihrer Branche. Da sammelt sich so im Laufe der Zeit einiges an. Zum Star zu werden, kann manchmal ganz schnell gehen. Man nimmt an ner Castingshow teil, schwupps ist man ein “Star”. Man dreht als Nobody einen Film, der wird zum Blockbuster - a Star is born. Manche habens einfach, sind dafür geboren, “Stars” zu sein. Aber auch diese Branche, die Branche der “Stars”, hat ihre “Stars”, nennen wir sie Elite. Das merkt man spätestens dann, wenn die Reporter beim Massenanlauf auf eine Riege von “Stars” eine ganz bestimmte Richtung einschlagen, das fühlt man, wenn bei einer Show dem Publikum kollektiv der Atem stockt, wenn ein Mitglied der Elite auf der Bühne - erscheint. “Stars” kann man “machen”, zur “Elite” wird man aus eigener Kraft. Pia Douwes gehört zur Elite. Sie hat hart an sich gearbeitet, sie ist an ihren Rollen gewachsen, hat auf der Bühne gelernt, zu zaubern. Ein Blick, eine Geste, ein Tonfall … ein Gesamtkunstwerk, da passt alles. Und als Zuschauer kann man sich ganz fallen lassen, jede Show in der Sicherheit genießen, dass nichts passieren wird, dass man Spitzenentertainment geboten bekommt- in jeder Vorstellung lebt die Hoffnung, vielleicht an etwas ganz Außergewöhnlichem teilzuhaben.
Pia Douwes ist derzeit in Berlin als Milady de Winter im Musical 3 Musketiere zu sehen. Ihre Fans hoffen, dass sie recht bald wieder in Wien auf der Bühne stehen wird - vielleicht schon 2006 im neuen Levay/Kunze-Musical “Rebecca”.
Ihr persönlicher Soundtrack für den Moment, Songs, die sie neben vielen anderen derzeit vor allem liebt:

Ready for Love - India Arie (”Acoustic Soul”, 2001)
… ihre Positivität berührt meine Seele …

Je t’aime - Lara Fabian (”Pure”, 1996)
… tolle Stimme, wunderschöner Text + Song …

I can’t make you love me - Bonnie Raitt (”Luck of the draw”, 1991)
… meine favorite Country-Sängerin …

Takes my breath away - Tuck & Patty (”Tears of joy”, 1988)
… tolle Atmosphäre, schöne Erinnerungen …

Still a friend of mine - Incognito (”Positivity”, 1993)
… toller Rhythmus, toller swing …

Over the rainbow - Eva Cassidy (”Songbird”, 1988)
… Ihre Stimme ist ihre Seele
Ihre Seele ist ihre Stimme …

Perfect - Ann Hampton Callaway (”Ann Hampton Callaway”, 1992)
… so kann das Leben sein … Dankbar für das, was das Leben mir bietet, ohne Erwartungen …

Moonbeam Woman - Freak Power (”Drive Thru Booty”, 1995)
… super funk, sexy …

Sleepy man - Patti Lupone (Patti Lupone Live”, 1993)
… ich liebe schöne Harmonien. Zusammen singen macht die Seele frei …

Arie der Königin der Nacht - Florence Foster Jenkins (”Murder on the High Cs”, 2003)
… ihren Mut, so in der Carnegie Hall zu singen, finde ich fantastisch, und ich gebe zu, dass dies mich fröhlich macht …

[Songs 1-5 - Songs 6-10]

Webber schlägt Webber: Das Phantom der Oper verjagt die Katzen

Der 9. Januar 2006 wird in die Musicalgeschichte eingehen, man mag darob froh gestimmt sein oder es mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen - es wird die Nacht sein, in der das Phantom der Oper zum “Longest Running Musical” der Broadwaygeschichte mutiert. 7.486 Mal wird die Musik der Nacht erklungen sein, während die Katzen bei Vorstellung 7.485 dereinst für immer verstummt sind.
Das Phantom trat seine Siegesserie in einer Inszenierung von Cameron Mackintosh am 26. Januar 1988 an, die Previews starteten bereits am 9. Januar. 2004 versuchte Webber mit einer Musicalverfilmung sein Glück, allein, die Kritik konnte sich auf keinen gemeinsamen Nenner einigen und Musicalfans zerfleischten sich in wüsten Forendebatten rund um den Globus rund um die Frage, wie man denn die auf Zelluloid gebannte Musicalphantasie einzuschätzen habe.
Für den 9. Januar wird eine große Feier erwartet, Pläne dafür sind freilich noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Derzeit sind in der Broadway-Inszenierung die folgenden Damen und Herren live zu erleben: Hugh Panaro (The Phantom), Sandra Joseph (Christine), Rebecca Pitcher (Christine alternate), Tim Martin Gleason (Raoul), Anne Runolfsson (Carlotta), George Lee Andrews (Monsieur Andre), Jeff Keller (Monsieur Firmin), Marilyn Caskey (Madame Giry), Larry Wayne Morbitt (Ubaldo Piangi) and Kara Klein (Meg Giry).

The Power of VERTIGO

James Stewart, Vertigo

Scottie: How’s your love life, Midge?
Midge: That’s following a train of thought … Normal.

Vertigo (1958)
Directed by Alfred Hitchcock
James Stewart …. Det. John ‘Scottie’ Ferguson
Kim Novak …. Madeleine Elster/Judy Barton
Barbara Bel Geddes …. Marjorie ‘Midge’ Wood
Tom Helmore …. Gavin Elster
Henry Jones …. Coroner
Raymond Bailey …. Scottie’s doctor
Ellen Corby …. Manager of McKittrick Hotel

Joshua Kadison - Was wurde aus dem Soundhealer?

Joshua Kadison
1993 taucht er aus dem Nichts auf, landet ein paar Hits und verschwindet wieder von der Bildfläche. Das wäre kurzgefaßt die 08/15-Bio eines gescheiterten Popstars, wie sie nicht gerade selten vorkommt. Allein, im Falle von Joshua Kadison sollte man es sich nicht so einfach machen. Immerhin sind seine Hits von einer seltenen Qualität - aus der Feder eines der heutzutage so selten gewordenen Piano Man oder noch seltener gewordenen Singer/Songwriter.

Geboren 1965 im kalifornischen Santa Barbara, sitzt Joshua Kadison bereits mit 12 Jahren am Klavier und übt sich an Eigenkompositionen. Wesentlich beeinflussen ihn dabei große Namen wie Cole Porter und George Gershwin. Nachdem Kadisons Mutter stirbt, verlässt Joshua die Hollywood Hills und sammelt ungewöhnliche Lebenserfahrungen bei Otelia, einer Indianerin, die einen guten Ruf als “Soundhealer” genießt. Joshua wird Otelias letzter Schüler. Ihre Lehren gehen in seine Kunst ein: Je bewusster wir die Klänge unserer Umwelt wahrnehmen, je bewusster wir uns die heilende Wirkung von Harmonien vergegenwärtigen, desto klarer wird uns die magische Kraft von Musik. Die nun entstehenden, sehr persönlichen Geschichten des Storytellers und seine zunehmend aufwendigen Arrangements lenken die Aufmerksamkeit des Firmenriesen EMI auf den Kalifornier.

Er wird mit seinen Songs zum “Soundhealer” vieler Menschen, die mit Hilfe seiner Balladen wieder ein bisschen mehr Ruhe in ihr Leben bringen. Die Single “Jessie” (Live-Version als Download) macht ihn über Nacht berühmt, sein Debütalbum “Painted Desert Serenade” wird ein Hit. Auch die zweite Single “Picture Postcards from L.A.” landet ganz oben in den Charts. Der Erfolg macht ihn jedoch alles andere als glücklich. Kadison: “Ich fühlte zwar, dass mir die Welt zu Füßen lag, aber es war nicht das, was meine Seele wollte.”

Mit “Delilah Blue”, seiner zweiten CD, entwickelt sich Kadison 1995 in eine andere Richtung. Der vertraute Klang von Live-Instrumenten in seinen Songs weicht Synthesizer-Melodien, während Kadison textlich versucht, andere Menschen die Welt durch seine Augen sehen zu lassen. Die CD floppt, EMI lässt Kadison fallen.

1998 veröffentlicht Kadison den Roman 17 Ways to eat a mango. Für das in mehrere Sprachen übersetzte Buch, das auch auf Deutsch erscheint, fertigt Kadison selbst die Illustrationen an. Auch wenn die Geschichte zwischen einem weisen Lehrer und seinem Schüler frei erfunden ist, birgt diese Konstellation autobiographische Züge, verarbeitet er darin doch die Zeit mit seiner Lehrerin Otelia. Im selben Jahr erscheint die 5-Track EP “Saturday Night In Storyville” bei einem kleinen Label.

2000 bekommt der Sänger von EMI eine neue Chance: “Vanishing America” ist der Titel seiner dritten CD, ein Ausdruck, mit dem Kadison auch den Verlust der Unschuld Amerikas beschrieben wissen möchte. “Vanishing America” ist ein Album, dessen Songs eine enorme Ruhe und Souveränität ausstrahlen. Es sind geradezu archetypische Balladen im Stile von Billy Joel und Elton John zu besten Zeiten. Romantische Songs wie “Carolina’s Eyes”, in die man sich sprichwörtlich verlieren kann. Die Figuren in seinen Songs sind meistens fiktiv und stammen aus seinen Träumen. Diese bilden eine eigene Realität, von der sich Kadison gerne inspirieren lässt. Dabei bieten seine Geschichten die beste Projektionsfläche, um sich als Hörer selbst in Traumwelten zu flüchten. Ganz wie “Molly In The Mirror”, ein feinnerviges Porträt einer Frau, die ihre Kinder groß gezogen hat, als alte Frau noch einmal in ihr Hochzeitskleid schlüpft und noch immer von der nie angetretenen Reise nach Venedig träumt. Eine traurige Geschichte und zugleich dringlicher Appell, sein Glück selbst in die Hand nehmen. Allein, mit den Charts will es für Joshua Kadison nicht mehr so recht klappen. Es wird still um den Sänger.

Was macht Joshua Kadison dieser Tage? Er hält mittels eigener Website Kontakt zu seinen Fans. Seine Offenheit dabei ist erstaunlich. So schreibt er:

“I had a long relationship come to an end about two years ago (quick update— this letter’s been up less than a week and I’ve already gotten four emails wondering if it was with a guy or girl… never thought it mattered and I still don’t… but for those who think it does matter, he is a guy and a really great guy, too… I thought ya’ll knew…anyway…). And I was so brokenhearted. I had never experienced so much pain. I was full of sorrow, anger, resentment. For a year and a half it seemed I was always in tears and memories. Sometimes I faked it and pretended I was okay if only to fool myself. Truth is, I was crying everywhere. Supermarkets, freeways, on cell phones in the middle of town. I kept trying to figure out stuff. And what made it worse was that I judged myself for holding on so long. I couldn’t seem to let go. Then I began to realize that what was really hurting were wounds far older than what was really hurting were wounds far older than my relationship. Many I didn’t even know I had. So it took time and work and a willingness to look at myself in ways I had never done, either because I wasn’t ready or I didn’t have the courage to. And so many beautiful friends were all around to help me through. What am I talking about?… hmmm….the songs.

Und er veröffentlicht wieder Songs - per Download. Seinem Ruf als Soundhealer ist er treu geblieben. Wer sich die neuesten Songs “The Venice Beach Sessions - Vol. 1″ des Piano Man anhört, wird mit Sicherheit zumindest für eine gewisse Zeit wieder zur Ruhe kommen.

Musicals online [Teil 3]

Jede Woche eine neue Folge gibt es von der webberühmten Internet-Radiosendung “The Broadway Radio Show” mit Donald Feltham. Feltham ist seit mehr als 30 Jahren im Musicalbusiness. Vor der “Broadway Radio Show” produzierte und präsentierte er die “Broadway Radio Hour” und “Showtune Spotlight”, beides für Radiostationen in Los Angeles. Feltham ist Schauspieler, Produzent und Schriftsteller. In der “Broadway Radio Show” konzentriert er sich im wesentlichen, wie der Titel schon sagt, auf das Broadway-Musical mit gelegentlichen Ausflügen zum West End und durchaus auch noch exotischeren Schauplätzen (aus der Sicht eines Amerikaners). Wer jede Woche seine Sendung verfolgt, bekommt schon innerhalb kurzer Zeit eine Unzahl von Ausschnitten aus bemerkenswerten Scores zu hören, die bei “uns” großteils völlig unbekannt sind.

Amstetten 2005: JUDAS SARICH SUPERSTAR

Drew Sarich; Amstetten, 30. Juli 2005; Foto: Martin Bruny
Andrew Lloyd Webbers “Jesus Christ Superstar” ist ein Musical, das sich in den letzten Jahren wohl zu einer der Shows mit den meisten Produktionen entwickelt hat. Manche werden das auf Lizenzfreiheit zurückführen, andere werden meinen, dass es einfach eine der perfektesten Shows ist, die das Musicalgenre zu bieten hat. Eine einprägsame Melodie nach der anderen, eine starke Szene jagt die andere. Schlechte Sänger können die Show nicht kaputt singen, miese Regisseure schaffen es nicht, sie selbst mit den doofsten Einfällen zu kippen. Man kann JCS konzertant aufführen, auf größer Bühne, Open Air, mit großem Orchester, mit Rockband, mit Bongos, … egal wie, vermutlich werden die Zuschauer sich großartig unterhalten fühlen. Die Show dauert keine 4 Stunden, keine 3, sie dauert ungefähr zwei Mal 45 Minuten. Steht mal ein schwacher Jesus auf der Bühne, keine Sorge, ein starker Judas macht die Pleite wett, oder ein krasser Herodes, eine beeindruckende Maria Magdalena …
In Amstetten stimmt fast alles, und wären wir hier nicht völlig objektiv (kleiner Scherz), man könnte die Amstettner Produktion durchaus in JUDAS SARICH SUPERSTAR umbenennen. Man soll in einem starken Ensemble nicht mit Gewalt einen Darsteller über andere stellen, aber Drew Sarich macht es einem schwer. Zu stark ist seine Bühnenpräsenz, zu perfekt seine Interpretation. Pehton Quirante gibt einen entzückenden Herodes, so verrückt das klingt, Rob Fowler brilliert als Pontius Piatus, Eric Minsk als Annas und auch der Rest des Ensembles sind durchwegs stark besetzt. Beat For Feet zaubern mit allerlei Effekten einen elektrisierenden Sound. Etwas laut zwar, aber noch in Grenzen. Die in den Medien durchaus auch kritisierten Videoeinspielungen passen perfekt in die Soundkulisse, und so vereinigen sich Ton und Bild zu einem Gesamterlebnis, das zu faszinieren versteht. Die Shows sind längst alle ausverkauft. Werbung hat diese JUDAS SARICH SUPERSTAR-Produktion sowieso keine nötig. [weitere Pics]