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Archiv - Dezember, 2016

Dominique Mentha, Harald Müller (Hrsg.): Dominique Mentha – Eine Spurensuche

Auf Musical-Spurensuche in Wien. 1999 löst Dominique Mentha Nikolaus (damals noch Klaus) Bachler als Intendant der Volksoper Wien ab. 2003 gibt Mentha die Leitung wieder ab, vorzeitig. Im 2016 im Verlag Theater der Zeit erschienenen Rückblick des Theaterschaffenden aus Anlass des Endes seiner Intendanz in Luzern (2004–2016) nimmt seine Wiener Zeit ein kleines Plätzchen ein, 16 Seiten. Aber die haben es sich. In Interviewform rechnet er mit den Verantwortlichen für seine vorzeitige Ablöse ab. Wer verstehen will, wie in Wien die Säulen des Theatergeschehens errichtet und wieder gestürzt werden, wird hier einiges an Einzelheiten finden (unter anderem eine Aussage des ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten, Heinz Fischer). Hauptsächlich ist das Buch natürlich Luzern gewidmet, aber auch Menthas Arbeit am Tiroler Landestheater Innsbruck wird besprochen. Reich illustriert, kluge Texte. Empfehlenswert.
Dominique Mentha, Harald Müller (Hrsg.): Dominique Mentha – Eine Spurensuche. Theaterarbeit in Luzern, Wien, Innsbruck. Verlag Theater der Zeit. Berlin 2016. 224 Seiten (Klappenbroschur) ISBN 978-3-95749-064-3. EUR 20,–. theaterderzeit.de

Harold Faltermeyer, Janneck Herre: Grüß Gott, Hollywood
Der aus München stammende Harold Faltermeyer (geboren 1952) hat vor allem mit zwei Arbeiten Geschichte geschrieben: mit „Axel F“, der Titelmelodie aus „Beverly Hills Cop“, und „Top Gun Anthem“ aus „Top Gun“. Zwei Grammy Awards konnte der Münchner Musiker, Komponist und Produzent mit seiner Arbeit an diesen beiden Filmen gewinnen. 2016 legt Faltermeyer seine Biografie vor, und neben all den positiven Kapiteltiteln wie »Arbeiten mit Giorgio! Yeahh!“ oder „Sweet Home Bavaria“ gibt es auch einen, der ein bisschen nüchterner formuliert scheint: »Ich bin nicht unbesiegbar«. Das Kapitel behandelt die Zeit, als Faltermeyer in Wien an seinem Musical mit Rainhard Fendrich, „Wake Up“, arbeitete. Um nicht zu viel zu versprechen: Das Kapitel ist nur 13 Seiten lang, aber wen würde es nicht interessieren, über diese Show etwas aus der Sicht des Komponisten zu erfahren, nach so vielen Jahren. Bald schon stellt sich heraus, dass der leicht negativ klingende Titel nichts mit dem Musical an sich zu tun hat, sondern mit den privaten amourösen Verhältnissen Faltermeyers in dieser Zeit. Aber immerhin, wie es dazu kam, dass ein Gockelhahn die erste Coverversion eines Songs aus „Wake Up“ „produzierte“, ist recht amüsant. Ein paar Sätze verliert der Komponist übrigens auch zu seinem neuen Musical »Sweet Home Bavaria“, das bald zu „Oktoberfest – The Musical“ umgetauft wurde und mittlerweile schon seine Uraufführung gefeiert hat. Da hat die Realität das Buch bereits eingeholt, obwohl es recht frisch am Markt ist. Infos zum neuen Faltermeyer-Musical gibt es hier: oktoberfestthemusical.com
Harold Faltermeyer, Janneck Herre: Grüß Gott, Hollywood. Mein Leben zwischen Heimat und Rock ’n’ Roll. Bastei Lübbe AG. Köln 2016. 272 Seiten (Hardcover) ISBN 978-3-7857-2573-3. EUR 24,–. luebbe.de

Musicals. Geschichte – Shows – Komponisten

Das Buch blendet. In mehrfacher Weise. Schon allein in Größe und Ausstattung. Es ist im besten Sinne dem Genre des Coffee Table Book zuzuordnen. Ein Großformat mit 25 mal 30 Zentimeter Größe, funkelnde Glitzereffekte am Cover, mehr als 570 Fotos im Innenteil. Wow. Vorfreude. Das könnte doch mal ein ideales Weihnachtsgeschenk sein. Das englischsprachige Original ist im Oktober 2015 bei Random House erschienen, mit einem Vorwort von Elaine Paige. Das fehlt in der deutschen Ausgabe. Geschrieben hat die einleitenden Worte zur deutschen Ausgabe Kristin Freter. Wer das ist? Keine Ahnung. Nicht mal Google findet halbwegs brauchbare Details zu ihr. Und das Vorwort beginnt so: „‚Das Phantom der Oper‘, ‚Starlight Express‘ oder ‚Das Dschungelbuch‘: Schon allein die Namen dieser Musicals stehen für außergewöhnlich emotionale Momente.“ Was für ein Musical namens „Das Dschungelbuch“ mag hier wohl gemeint sein? Ein Blick ins Register führt zu einem Kurzeintrag: Es handelt sich um eine Show von Christian Berg, die 2002 ihre Uraufführung hatte, im Sommertheater Cuxhaven. Na klar, da hätte man doch gleich draufkommen können. Unter dem Vorwort, gleich neben dem Bild eines schönen Theaterinnenraums, steht, statt einer Information, um welches Theater es sich handelt, der Satz: „Musicals unterhalten und machen immer gute Laune, ganz gleich, ob man sie live im Theater oder auf dem heimischen Bildschirm verfolgt.“ Wie kann man ein Genre nur so leichtfertig auf eine derart billige Aussage reduzieren? Musical kann weit mehr als nur gute Laune machen, und Musical ist in erster Linie ein Live-Erlebnis.
Ein paar Highlights noch auf der Textebene: „Das dramatische Bühnenbild und die atmosphärische Musik erinnern an Wagner-Opern“ (gemeint ist Levay/Kunzes „Elisabeth“). Jason Robert Brown „erregte durch seine kultige Off-Broadway-Show ‚Songs for a New World‘ (1995) Aufsehen, die den Kabarett-Liebling ‚Stars and the Moon‘ hervorbrachte.“ „Kabarett“ also – womit wir beim klassischen schweren Übersetzungsfehler angelangt sind. Bill Russell sucht man in diesem Buch vergeblich, ebenso Michael John LaChiusa …
Was die Bildebene betrifft, hat man leider bei der arbeitsintensiven Bildbearbeitung gespart. Etliche Fotos scheinen qualitativ nicht geeignet, dermaßen vergrößert zu werden, sodass sie nun unscharf wirken, sehr viele sind freigestellt, aber auf eine so hässliche Art und Weise, wie es bei einem solchen Buch nicht sein sollte. Retusche ist kostenintensiv, mag sein, schlecht retuschierte Bilder wirken billig.
Das Werk ist sicher ganz gut geeignet dafür, einen groben ersten Blick auf die bekanntesten Musicals zu werfen, dafür hat man auch ein flippiges Magazin-Layout gebastelt. Wer mehr erwartet, wird enttäuscht. Schade drum. Fazit: Mit jedem Geschenk gibt man auch etwas von sich her. Ich würde dieses Buch nicht verschenken wollen.
Musicals. Geschichte – Shows – Komponisten. Dorling Kindersley Verlag. München 2016. 320 S.; (Hardcover) ISBN 978-3-8310-3157-3. EUR 34,95. dorlingkindersley.de

»Prost Weihnacht!« – Irmgard Knef kommt in den Stadtsaal

22. Dezember 2016
19:30bis21:30

irmgardknef_prost-cclaudia-medrow_2016.jpgWenn ich etwas in der Weihnachtszeit nicht brauchen kann, dann ist es Pathos. Xmas-Pathos ist diese mechanisch erzeugte gefakte leise Melancholie mit garantiertem Würgreiz, wenn jemand auf Knopfdruck gen (Bühnen-)Himmel schaut, ein paar grindige Schneeflockerl runterrieseln und alles ERGRIFFEN »Stille Nacht« jeiert. Oder wenn knieweich die Sänger zu einem Weihnachtsbaum trotten und ein paar leere Weihnachtspackerl, aber mit schönen bunten Schlaufen mit großer Geste davor drapieren. Musicalinszenierungen von Weihnachtsstimmung enden oft im Gefühlsschlamm. Wenn dann noch der Herr Direktor auf die Bühne stapft, der ja alles erst ermöglicht hat in seiner großen Güte – und ein bisschen Imagepflege schadet ja nie, man könnte ja, was weiß ich, in die Politik gehen wollen oder sonst was, natürlich nicht, weil man es sich verbessern möchte, nein, zum Wohle der Menschheit, weil man ja was bewegen möchte – und den Rest an Weihnachtsstimmung aus dem Haus vertreibt … Muss ich nicht alles haben.

Viel mehr freue ich mich auf eine Weihnachtsshow, die garantiert frei von grindigem Pathos ist: Irmgard Knefs Weihnachtsprogramm »Prost Weihnacht!« Mag sein, dass es auch da Pathos gibt, aber als Stilmittel, als Zunder für das satirische Feuerwerk, das Ulrich Michael Heissig in seinen Shows liefert. Im Pressetext heißt es:

Irmgard Knef, die plausible Schwester der berühmten Hildegard und wunderbare Kleinkunsterfindung, begeht ihre bis dato erste Vorweihnachtsfeier gewohnt cool, originell, geistreich und galgenhumorig. Neben jazzigen Liedern und komisch vorgetragenen Weihnachtsgeschichten wird bei Irmgard Knef auch immer scharf aus der schon etwas steifen Hüfte geschossen. Mit rauchig whiskyzarter Stimme präsentiert die alternative Weihnachtsfrau einen swingenden, frech-fröhlichen Kabarettabend mit groovigen Christmas-Songs, komischen und unerhörten Weihnachtsliedern. Kabarettklassiker zum Thema und unbekannte Lieder werden präsentiert und eigenwillig interpretiert. Selbst ihre größten Erfolge stellt sie unter einen weihnachtlichen Blickwinkel. Diese One-Woman-Show steckt – im Gegensatz zu den meisten Weihnachtsmärkten – voller Überraschungen und unbekannten Angeboten.
Alles in allem: 24 Geschichten und Songs, die einen unvergleichlichen klingend-satirischen Adventskalender ergeben. Mit Irmgard Knef vergeht die Wartezeit auf’s Christkind wie im Fluge. Noch nie gab es so coole Krippen-Betrachtungen mit jazzigen Engelgesang! Munter und voll witziger Mitteilungswut unterhält die Ausnahmekünstlerin alt und jung.

Fast pathetisch, aber ich würde drauf wetten: nicht zu viel versprochen!

Irmgard Knef: Prost Weihnacht!
Stadtsaal
22.12.2016
Tickets –> hier
Infos zu Irmgard Knef –> hier

Muth: Kostprobe #7

26. Februar 2017
20:00bis22:00

Wieder werden zwei neue Musiktheater-Stücke als musikalische Lesung vorgestellt:

»Bel Ami«, ein Musical nach Guy de Maupassant von Ulrich del Mestre & Kalle Freynik
Musik: Sergei Dreznin

»Rübezahl«, ein Singspiel von Birgit und Herbert Zagler.

Bei jeder Kost-Probe werden Ausschnitte von zwei noch nie gespielten Werken als szenische Lesung auf die Bühne gebracht. Das Ensemble trifft sich um 12.00 Uhr, studiert die Werke ein, und um 20.00 Uhr startet die Aufführung.

Ensemble:
Eva Billisich, Tania Golden, Tirza Glogger, Sigrid Hauser, Patricia Nessy, Sarah Zechner, Martin Berger, Gebhard Heegmann, Herbert Lippert, Aris Sas, u. v. a. m.

Musikalische Leitung:
Alexander Jost

Tickets, nähere Infos –> hier

Max Reinhardt Seminar: Premieren nun als Livestream

Am 14. Dezember 2016 bringt Simon Dworaczek, Regie-Student am Max Reinhardt Seminar, seine Diplominszenierung »Frei heraus!« zur Aufführung. Das Stück ist auf der Neuen Studienbühne des Max Reinhardt Seminars zu sehen – und es wird erstmals live auch per Stream live im Netz gezeigt. (–> MDW-Mediathek)

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Frei heraus!
Ein Stotterstück von Simon Dworaczek
Diplominszenierung

Cast
Eva Dorlass, Maria Lisa Huber, Philip Leonhard Kelz, Christoph Florian Kohlbacher, Tony Marossek

Leading Team
Regie: Simon Dworaczek
Bühnenbild und Kostüme: Lea Steinhilber
Licht: Gerhard Fischer
Choreografie: Grant McDaniel
Musik und Sounddesign: David Lipp
Regieassistenz: Simon Scharinger
Inspizienz: Hans-Christian Hasselmann

Termine
Mi 14. Dezember 2016 | Premiere
Die Premiere ist im Livestream der mdw-Mediathek zu sehen!

Do 15. | Fr 16. | Sa 17. Dezember 2016
Beginn jew. 19.30 Uhr

Aufführungsort
Neue Studiobühne im Max Reinhardt Seminar
1140 Wien, Penzinger Straße 7

Karten
Bestellung per E-Mail oder Tel. 01 711 55 2802
Preise: € 10,– / ermäßigt € 5,–

Das Phänomen des Stotterns begleitet uns, seitdem es Sprache gibt. Circa ein Prozent der Menschheit stottert. Seit Aristoteles versuchen Experten und Betroffene, dieses Phänomen zu ergründen. Doch die Wissenschaft tappt noch immer im Dunkeln. Sowohl in der Literatur als auch am Theater sind stotternde Figuren entweder »Deppen« oder hyperintelligente Autisten. Damit ist nun Schluss.
»Stottern ist der große Weiße Wal der Sprechstörungen«, sagt der international renommierte Sprachforscher Oliver Bloodstein. »Scharen von Suchenden spürten ihm mit Hingabe, ja Besessenheit in den entlegensten Winkeln nach. Doch all denen, die die Kühnheit besitzen, sich mit ihm anzulegen, macht es immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Das Stottern bewahrt seine Geheimnisse.«
Der 23-jährige Regisseur Simon Dworaczek stottert seit frühester Kindheit. Bereits im Kindergarten entdeckte er, dass er beim Spielen von Rollen nicht stottern musste. Er flüchtete ans Theater. 18 Jahre später stellt er sich zusammen mit seinem Ensemble jener Macht, die ihn dorthin trieb. Ist das Stottern wirklich ein Fehler? Wie fühlt es sich an? Wie geht unsere Gesellschaft damit um? Und kann nicht jede Schwäche auch eine Stärke sein?
Entstanden ist eine komödiantische Reise des Andersseins auf der Suche nach der eigenen Identität.

Weitere Infos: –> hier

Harald Baumgartner: Extrem besinnlich (CD-Release-Konzert)

5. Dezember 2016
20:00bis22:00

Lebkuchen für die Ohren. Harald Baumgartner präsentiert sein wahnsinnig ruhiges und ruhig wahnsinniges Winteralbum »Extrem besinnlich«. Traditionelle Weihnachtslieder die jeder kennt, klingen auf diesem Album so wie man sie noch nie gehört hat, und treffen auf Winterhits die noch keiner kennt.

Mit:
Harald Baumgartner: Gesang/Bass
Christian Steinkogler: Gitarre
Roman Baumgartner: Percussion
Florian Sighartner: Geige

Infos:
haraldbaumgartner.com

Datum
5. Dezember 2016

Ort:
Theater an der Gumpendorfer Straße – Wien

Tickets:
dasTAG.at

Maria Happel: Bloß nix Schweres

31. Dezember 2016
16:00bis18:00

Am Silvestertag gibts ein neues Soloprogramm von Burgschauspielerin Maria Happel.

Pressetext:

Wenn Sie die Schwerkraft des Lebens nach unten zieht, brauchen Sie Maria Happel und ihren brandneuen Soloabend: “Bloß nix Schweres” ist das Motto, das Sie federleicht über die Mühen des Alltags in die Lüfte erhebt. Unvergleichlich komisch, vielfältig und humorvoll, wie wir sie kennen, erzählt uns die aus TV und Filmen bekannte Burgschauspielerin nicht ganz alltägliche Geschichten aus ihrem Leben und dem Theater.
Mal sind es die paar überflüssigen Kilo, die zu Boden ziehen, mal sind es die Hormone. Mal die kleinen Stolperer des Alltags, mal die verflixten Zungenbrecher … Was gegen alle Hoppalas hilft, ist freilich nur eines: Humor, Humor, Humor!

Maria Happel hat ihn. Mit viel Musik, mit Augenzwinkern, mit Lächeln, Lachen und mit ihrem unvergleichlichen Charme, lässt sie ihr Publikum für einen amüsanten und lustigen Silvester-Nachmittag abheben. Wir wünschen viel Vergnügen!

Termin:
31. Dezember 2016, 16.00 Uhr

Ort:
Theater Akzent, Wien

Tickets:
Theater Akzent