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Archiv - Oktober, 2009

Ioan Holender über die “Täuschung des Publikums”

In der neuen Ausgabe der Zeitschrift “Bühne”, einem Organ des Wiener Bühnenvereins, als dessen Präsident Thomas Drozda fungiert (Generaldirektor der VBW), kommentiert Staatsoperndirektor Ioan Holender Manfred Burgs Artikel “Globalisierte Opernwelt” (erschienen in der Ausgabe 10/2009 der “Bühne”). Das, was er zu sagen hat, gilt natürlich nicht nur für die Oper.

Das pure Einkaufen von anderenorts entstandenen Inszenierungen, das Vermeiden jeglichen Risikos, aber auch der kreativen Arbeit und der Auseinandersetzung mit dem Werk in Hinblick auf die szenarische Wiedergabe, gehört nicht nur in finanzieller Hinsicht zum Billigsten, was ein Operntheater machen kann. (…) Dass Opernhäuser und auch Festspiele eingekaufte und gemietete Inszenierungen schamlos als Premiere deklarieren, ist nicht nur Selbstverleugnung und Verachtung der eigenen künstlerischen Schaffenskapazitäten, sondern auch Täuschung des eigenen Publikums. [Bühne, 11/2009, S. 29]

Jamie Cullum: Not while I’m around (2009)

Raimund Theater: Premiere für “Wow, Mimmo!” - das Hunde-Musical

An sechs aufeinanderfolgenden Sonntagen im November und Dezember wird in diesem Jahr das Kinder(freunde)-Musical „Wow, Mimmo!“ im Raimund Theater zu sehen sein. Um jeweils 13.30 Uhr laden die Wiener Kinderfreunde 1000 Kinder ab sechs Jahren zu einer spannenden, berührenden und gleichzeitig sehr amüsanten musikalischen Reise in die Welt der Tiere ein.

“Wow, Mimmo“ setzt sich auf spielerische Art und Weise für den artgerechten Umgang mit Tieren ein und macht kurz vor Weihnachtenl darauf aufmerksam, dass die Anschaffung eines Hundes gut durchdacht und nicht leichtfertig getätigt werden sollte. Es zeigt, wie wichtig Tierschutz ist und wie viel alle miteinander dafür tun können, um den unschuldigen Wesen, die auf uns Menschen angewiesen sind, ein würdiges Leben zu ermöglichen. Es ist ein buntes Musical zum Mitmachen, Mitfühlen und Mitdenken für Kinder ab sechs Jahren.

Das Buch schrieb Anna Kofler nach einer Idee von Volker Grohskopf und Fachberatung von Maggie Entenfellner. Die Songtexte schrieb ebenfalls Anna Kofler, die rockige Musik dazu stammt wieder von Christian Brandauer, der – so wie seine Tochter Lena – selbst auch in einer Rolle zu sehen sein wird. Regie führt heuer bereits zum 20. Mal in Serie Renate Kastelik. Das Bühnenbild sowie die Kostüme stammen von Doris Ute Reichelt , für die Choreografien zeichnet einmal mehr Reinwald Kranner verantwortlich und die „Animal Movements“ erarbeitet Josef Borbely mit dem Ensemble.

Cast
Moderation: Maggie Entenfellner und Peter Rapp
Mimmo: Reinwald Kranner
Sarah, Mimmo’s Mutter: Bettina Reifschneider
Eduardo, der sizilianische Mischling und Josef (Jodeljoschi), der steirische Husky: Peter Widholz
Callas, die singende, alternde Hündin: Anna Kowalko
Elise, die falsche, arrogante Katze aus Paris: Rita Sereinig
Casanova, der halb blinde, elegante Rüde: Josef Borbely
Trude, die Weihnachtsgans und Whity, der Schneehase: Katharina Lochmann
Max: Daniel Feik
Lilly, Max’ Schulfreundin: Barbara Endl
Max’ Vater: Christian Brandauer
Max’ Mutter: Gitta Saxx
Balletthase: Anna Erb
Das Schneehasen-Entspannungs-Team: Sophie Schmiedbauer sowie Lena Brandauer, Julia Kiradjiev, Stella Kranner, Lena und Lilli Todter

Inhalt
Vorbei ist es mit dem idyllischen Hundeleben auf dem Bauernhof, als der Welpe Mimmo einen Tag vor Weihnachten von einem Hundefänger entführt wird. Während seine Mama Sarah sich völlig verzweifelt auf die Suche nach ihm macht, wird dieser zum Weihnachtsgeschenk für Max Gnadenlos. Und während Sarah von verschiedensten Wesen Hilfe erhält, wird Mimmo nur schlecht behandelt und immer trauriger. In Lilly findet er eine Verbündete. Sie ist die Schulfreundin von Max und hat eine ganz besondere Gabe: Sie kann mit Tieren reden! Als Lilly Mimmo ihre Hilfe zusichert, verschwindet jedoch auch sie …

Vorstellungstermine
Sonntag, 15. November 13.30 Uhr
Sonntag, 22. November 13.30 Uhr
Sonntag, 29. November 13.30 Uhr
Sonntag, 06. Dezember 13.30 Uhr
Sonntag, 13. Dezember 13.30 Uhr
Sonntag, 20. Dezember 13.30 Uhr

Kartenbestellungen ab 12. Oktober:
Tel. 01/401 25-11 oder per E-Mail an kind-und-co@wien.kinderfreunde.at

Kostenlose Karten für Kinder ab 6 Jahren gibt es ausschließlich bei den Wiener Kinderfreunden (solange der Vorrat reicht). Das Stück dauert ca. 1 h 15 min und wird durchgespielt.

Die Zählkarten sind für den Einlass unbedingt erforderlich! Sie sind nicht nummeriert und gelten ausschließlich für Kinder. Freie Sitzplatzwahl! Da die Wiener Kinderfreunde möglichst vielen Kindern den Besuch dieses Musicals ermöglichen wollen, können die erwachsenen Begleitpersonen erst dann Sitzplätze im Theater einnehmen (Randplätze bzw. 2. Rang), wenn alle Kinder Platz gefunden haben. Wobei darauf zu achten ist, dass keinem Kind die Sicht verdeckt wird.

Markus Keuschnigg über Peter Kern

Markus Keuschnigg vloggt derzeit von der Viennale für den Radiosender FM4. Unter anderem über den neuen Film “Blutsfreundschaft” von Peter Kern. Lesenswert –> hier

Michael Jackson: “This is it” (2009)

“This is it”, eigentlich, ja eigentlich ist der als “Dokumentation” bezeichnete Kinofilm “This is it” ein Musicalfilm, und weniger eine Dokumentation. Zwar dokumentiert er natürlich die Entstehung einer Show, die nie Premiere feiern sollte, aber eigentlich hat der Film, wenn man es so sehen will, auch eine Handlung und zeigt, wie ein Entertainer an seiner Performance arbeitet, wie er an jedem kleinsten Detail feilt, um die größtmögliche Wirkung zu erzielen, Tanzszenen choreografiert und mit den Effekten abstimmt, die, so eine Passage im Film, immer alles übertreffen müssen, was jemals dagewesen ist. Und wenn solche Ansagen normalerweise unsagbar übertrieben klingen, so wurden sie bei Michael Jackson fast immer bis ins Letzte durchgezogen. Das Schicksal wollte es, dass man das Endergebnis nie sehen wird, aber die Vermutung liegt nahe, dass auch das “Live-Spektakel” “This is it” Grenzen überschritten hätte.

In Zeiten, in denen wir Compilationmusicals auf der Tagesordnung vieler Musiktheater haben, sollte sich keiner davor schrecken, “This is it” als puren, gut gemachten und spannenden Musicalfilm, freilich mit einem tragischen Ende, zu sehen. Als Kinobesucher kann man nur staunen, mit welchem Aufwand Videoclips wie “Thriller” oder “Smooth criminal” teilweise für die Live-Show neu verfilmt wurden, versehen mit grandiosen 3D-Effekten, man erlebt mit, wie Michael Jackson seinen Musikern Raum zur Improvisation bietet, oder, wie es sinngemäß heißt, ihnen “time to shine” bietet, wie er an Stimmungen bastelt, Liedpassagen verlängert, Intros kürzt, Bridges neu gestaltet. Die Auditions der an dem Projekt mitwirkenden Tänzer werden in “This is it” etwas zu kurz behandelt, aber sie waren beinhart, und die Leute, die als “principal dancers” genommen wurden, tanzen atemberaubend gut, scheinen während der gesamten Zeit der Proben unter Strom zu stehen, nicht nur, wenn sie selbst tanzen, sondern auch, wenn sie vom Zuschauerraum dem Meister zusehen.

Wenn man den Hype um Michael Jackson vor einigen Jährchen miterlebt hat, kann man kaum glauben, wie vergessen er eigentlich viele Jahre lang war, und wie leicht er es durch seine Musik- oder Musicalclips geschafft hat und heute auch noch schafft, die Menschen zu begeistern. Da reicht ein TV-Gerät in der Elektronikabteilung eines Kaufhauses. Eine Szene, die ich selbst zufällig miterlebt habe. Auf dem Bildschirm zu sehen und zu hören: “Black or White” (die ungekürzte Version). Und schon bleiben Passanten stehen, vor allem junge, zufälligerweise Castmitglieder aus dem Wiener Ronacher. Und wenn dann mal 3 Leute stehen, sammeln sich mit der Zeit auch mehr - nach ein paar Minuten waren an die 20 Menschen im Bann von “Black or White”, einem Clip aus den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. This is it.

“Rudolf” kickt Madonna: Wildhorn auf Platz 3 der österreichischen DVD-Charts

In den “Ö3-Austria Top 40 - Musik-DVD-Charts” (was für ein Name) steigt die von MG-Sound produzierte DVD des Frank-Wildhorn-Musicals “Rudolf” von 0 auf Platz 3 ein und verweist damit Madonna, die Kastelr…, okay, das lassen wir, aber sie verweist auch Michael Jackson auf die Plätze. Obwohl, nur zum Teil, denn Platz 1 und 2 gehören nach wie vor dem King of Pop. Die Top 4 der Woche 43 (28. Oktober 2009):

1) Michael Jackson: Live in Bucharest
2) Michael Jackson: Number Ones
3) Frank Wildhorn: Rudolf
4) Madonna: Celebration

Den Link zur Top 10 gibts –> hier

“gehört” gelesen - gewundert

Die jüngste Ausgabe des ORF-Printmagazins “gehört” (Ausgabe 11/2009) enthält als Editorial einen Beitrag von Alfred Treiber, dem Kultur- und Programmchef des Radiosenders Ö1. Kultur- und Programmchef also. Als Titel hat er gewählt: “Schon gehört? Eine Koinzidenz und WELT AHOI”. Interessant, hat allerdings mit dem tatsächlichen Inhalt seines Artikels nur verschleiernd zu tun, in dem es dem guten Mann wohl eher um eine Abrechnung mit Michael Jackson und um einen Vergleich zwischen Michael Jackson und den Beatles geht, der in dem Fazit gipfelt:

Ich gebe es zu: Das omnipräsente hysterische Mediengetue vor (Stichwort: Kinderschänder) und nach (Stichwort: King of Pop) dem Tod Jacksons ging mir gewaltig auf die Nerven. Denn abgesehen von der medialen Verlogenheit, mit der der einst kranke und kaputte Selbstverstümmler plötzlich die menschliche Absolution und musikalische Seligsprechung erfahren hat, ist doch (fast) jeder Beatles-Song musikalisch mehr wert als das gesamte Jackson-Werk. Das ist jedenfalls meine Überzeugung, an der sich auch nichts ändern würde, sollten in einem wo auch immer doch noch zustande kommenden Gedächtnis-Zirkus der Papst und Neil Armstrong persönlich als “Moon-Walker” auftreten.

Man könnte dem natürlich entgegenhalten, dass jeder Furz Mozarts mehr wert ist als das gesamte Werk der Beatles, würde doch auch recht spaßig klingen, nur haben Mozart, die Beatles und Michael Jackson nicht viel gemein und jeweils eigene direkte Wurzeln, auch fand die musikalische Seligsprechung Jacksons bereits vor vielen vielen Jahren mit einer Unzahl an Grammys und American Music Awards statt. Gut, wenn man damals in miefigen Archiven nur Ö1 programmiert hat und der Trennung der Beatles nachtrauerte, wird man davon vielleicht nicht viel mitbekommen haben. Kann sein.

Gern würde ich mich auch mit der Analyse der Werke der Beatles im Vergleich zu Jacksons Mist auseinandersetzen, allein Treiber hat keine Argumente, er bietet jedenfalls keine an, wenn er schreibt:

Meiner Meinung nach trifft es sich nämlich geredazu unheimlich gut, dass mitten in der nur langsam abflauenden Hysterie um Michael Jackson das Gesamtwerk der Beatles neu digitalisiert in bester Soundqualität (bei EMI, Anm. der Red.) erschienen ist. Denn der musikalische Vergleich der Beatles mit dem völlig kranken Tanzbeinschwinger und Showtalent Jackson, der Hitler für ein Genie hielt und zum “King of Pop” hochstilisiert wurde, muss einen sicher machen. Man musste ja in letzter Zeit nahezu ein schlechtes Gewissen haben, wenn man den Kauf von Jackson-CDs verweigerte und selbst “Thriller” für keinen Höhepunkt der musikalischen Pop-Geschichte hielt. Keine 500-Euro-Karte für das Wiener “Tribute”-Konzert in Schönbrunn gekauft und am Ende geglaubt zu haben, der Affenzirkus hätte im Tiergarten Schönbrunn stattfinden müssen, gilt in fanatisierten Fan-Kreisen sowieso als Zeichen versnobter Ignoranz.

Schön schön, sicher kann man, um mal auf dem Niveau zu bleiben, auch für immer den kiffenden Beatles nachhängen, deren Sänger wie weiland der Nackerte im Hawelka in einem Wiener Hotel mit seiner Ehefrau nackt in einem Bett sich selbst inszenierte, man kann weiter live erleben, wie ein anderer Sänger der Beatles zwischen einbeinigen Frauen, LSD und Marihuana Schlagzeilen macht und mit kaputter Stimme seinen Ruhm absäbelt. Aber sind das Argumente für einen musikalischen Vergleich? Man könnte auch anführen, dass die Beatles seit Jahrzehnten ihren “Fans” immer wieder Geld für angeblich immer noch bessere Soundqualität 40 Jahre alter Songs abknöpfen, die kein Mensch nachvollziehen kann und vermutlich nur im Labor von M festgestellt werden kann. Sollte man aber von einem Ö1-Chef nicht ein bisschen mehr Anstrengung erwarten oder zumindest ein bisschen mehr Witz in den Formulierungen? Worum es zum Beispiel bei der Selbstinszenierung in jenem berühmten Bett im Sacher ging, würden wir auf diesem platten Niveau verschweigen, so wie Herr Treiber all die Bemühungen Jacksons verschweigt und ihm nur die Worte Kinderschänder und Hitler-Verehrer ins Grab nachschmeißt.

Fazit: Ö1 gehört vielleicht “gehört”, aber ob “gehört” gelesen gehört, das stelle ich mal in Frage. Einfach so.

Online: Die ersten Tracks der Concept-CD von Frank Wildhorns “Wonderland”

Anfang November erscheint die Concept-CD von Frank Wildhorns neuem Musical “Wonderland”. Auf der offiziellen Site zur Show (–> hier) findet man derzeit sechs kurze Kostproben aus dieser Concept-CD, jeder Ausschnitt ist ungefähr 30 Sekunden lang. Die Tracks:

01) Janet Decal: “Finding Wonderland” –> zum Stream/Download
02) Nikki Snelson: “The Mad Hatter Attacks” –> zum Stream/Download
03) Eugene Fleming: “The Caterpillar’s Song” –> zum Stream/Download
04) Darren Ritchie/Janet Decal: “Through the Looking Glass” –> zum Stream/Download
05) Karen Mason: “Off With Their Heads –> zum Stream/Download
06) Janet Decal: “Once More I Can See” –> zum Stream/Download

In einer Aussendung der Produzenten der Show steht zu lesen:

“Every Thursday from now through the opening of the new musical Wonderland, we’ll give you a sneak preview of a new song or a new version from the concept recording (featuring the world premiere cast), which will be available for sale online and at our retail shop for $20 on or around Nov. 1 (pre-orders accepted now - go here to order online or call 813.222.1029).”

Ein Link zur Onlinebestellung der Concept-CD fehlt allerdings noch auf der Website.

Nationalfeiertagsgig der VBW am Wiener Rathausplatz 2009 - “Ach wie schön”

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Am Wiener Rathausplatz ging auch dieses Jahr wieder das traditionelle Konzert der Vereinigten Bühnen Wien zum Nationalfeiertag über die Bühne. Die Zeiten, in denen man mit Orchester, Band, Chor und Tänzer eine fulminante Demonstration der Größe des Unternehmens ablegte, sind natürlich vorbei. In Zeiten der Krise muss man wenigstens so tun, als würde man sie wirklich auch spüren. Macht nichts, die Show ist gratis, und da gibts keinen Grund, herumzumosern. Es war ein Fest der Stimmen, der schönen und schön singenden und klingenden Stimmen, die Musik kam halt vom Band und nach 34 Minuten wars wieder aus.

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Auf der Bühne zu sehen: Carin Filipcic, Drew Sarich, Wietske van Tongeren und Lisa Antoni aus der Produktion “Rudolf”, sowie Marjan Shaki, Gernot Kranner, Alexander di Capri und Lukas Perman aus dem Musical “Tanz der Vampire”. Durchwegs alle verbreiteten sie gute Laune auf der Bühne, waren spontan und machten das wunderbar, was eine Show wie diese eigentlich leisten sollte: Lust auf Musical.

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Die Setlist:

“Rudolf”
1) “Wie jeder andre Mann”: Drew Sarich
2) “Ein hübscher Krieg”: Carin Filipcic & Lisa Antoni
3) “Du bleibst bei mir”: Wietske van Tongeren
4) “Vertrau in uns”: Lisa Antoni
5) “Du bist meine Welt”: Drew Sarich & Lisa Antoni

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“Tanz der Vampire”
6) “Draußen ist Freiheit”: Marjan Shaki & Lukas Perman
7) “Wahrheit” - Gernot Kranner
8) “Für Sarah” - Lukas Perman
9) “Totale Finsternis” - Alexander di Capri & Marjan Shaki

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Die 34-minütige Veranstaltung lebte von der Spontaneität der Darsteller. So vergaß Carin Filipcic bei ihrem Song “Ein hübscher Krieg” just jene Textstelle, die dermaßen schlecht übersetzt ist, dass sie ohnedies unsingbar ist. Mit Sicherheit hat nie auch nur einziger Besucher von “Rudolf” im Raimund Theater verstanden, was die Darstellerin da von sich gegeben hat. Zu viele Silben in zu wenig Zeit. Wie sich das Ganze anhörte und wie Filipcic reagierte? Na so:

Drew Sarich wiederum hatte die Aufgabe, eine Sprechstelle im Original von “Du bist meine Welt” so umzuändern, dass sie auch in den Rahmen eines Open Airs passt. Von wegen Sterben und Mayerling und jeden Tag ein bisschen. Die Nationalfeiertagsversion von Wildhorns “Du bist meine Welt” ging folgendermaßen:

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Marjan Shaki und Lukas Perman sind in “Tanz der Vampire” das programmierte Traumpaar. Da passt eben die Bühnenausstrahlung, die beide haben, perfekt. Auch das ist große Kunst und kann nicht als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt werden. Dem tristen Wetter entsprechend wurde bei “Draußen ist Freiheit” aus einem “Mondlicht” einfach mal “Regen”:

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Von 0 auf 100 in einer Zehntelsekunde schafft es Gernot Kranner sein Publikum in den Griff zu bekommen und auf gute Laune zu tunen. Immer wieder schön zu beobachten. Ein Schmäh, der nie alt wird, nie schal, weil doch alles wohl vom Herzen kommt.

Da ists fast schade, dass die Darsteller nicht alle mit einem kräftigen und begeisterten Applaus empfangen wurden, sondern zum Teil von Dauerquietschern. Vor jedem Lied, nach jedem Lied: Schweinchenquietschen, das dem Nachbarn der Quietscherin sicher als Nachspeis einen Hörsturz suprise beschert hat. Hörn wir uns das mal an. Drew Sarich erscheint auf der Bühne und:

Carin Filipcic erscheint auf der Bühne und:

Und so weiter und so weiter, mal mehr quietschig, mal leiser quietschig, aber ungeheuer nervend, auch aus ein paar hundert Metern Entfernung.

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Auch Alexander di Capri war mit dabei. Viel kann man dazu allerdings nicht sagen. Er durfte eine Rumpfversion von “Totale Finsternis” singen, das reicht einfach nicht, um das Lied überhaupt ins Programm aufzunehmen. Ganz oder gar nicht. Das Mikro viel zu leise eingestellt, keine Maske - aber einen sympathischen Eindruck hat er hinterlassen. Immerhin, und man kann erahnen, dass er vielleicht im Ronacher wirklich zu zaubern vermag.

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Frank Wildhorns “Rudolf” - die DVD von MG-Sound

rudi.jpg Mit “Rudolf” in Wien hat es schon weit vor der Premiere nur Probleme gegeben. Wie zum Beispiel konnte es passieren, dass man als Produktionsunternehmen zwar mit einer bekannten Historikerin zusammenarbeitete, sie dann aber ein mehr als peinliches Vorwort im Programm schreiben ließ und schließlich auch noch vor der ersten Runde angezählt in der Ecke stand, während die Historikerin zynisch-genüsslich nicht nur den Autor der Buchvorlage für das Stück hemmungslos diffamierte, sondern auch mit dem Musical selbst in einer Weise abrechnete, dass man meinen konnte, sie hätte Millionen investiert und all diese Millionen verloren.

Wieso produzierte man gemeinsam mit einem ungarischen Unternehmen eine von den Wienern schulterklopfend-scherzhaft als “Try-out” bezeichnete Version der Show, um dann nicht aus den eventuellen Fehlern zu lernen, sondern eine gänzlich neue Version auf die Beine zu stellen, eine sogenannte “Wiener” Version, die so gar nichts Wienerisches an sich hat. Ganz im Gegenteil, die einzig wirklich wienerische Figur, den Puppenspieler, tilgte man, da unter dem Generalverdacht stehend, zu sehr an “Elisabeths” Lucheni zu erinnern. Der Vorwurf könnte ja kommen, man hätte das “abgekupfert.” Als würde es ausgerechnet darauf ankommen - bei einem Musical, das nach “Elisabeth” einen weiteren Habsburger zum Thema hat.

Freilich war noch ein Grund ausschlaggebend, und zwar ein völlig außerhalb jeder künstlerischen Diskussion stehender: Man wollte neben dem “Rudolf”-Darsteller einen bekannten “Publikumsmagneten” an Bord haben: Uwe Kröger. Nun häufen sich ja die Meldungen auf dieser Site bezüglich Uwe Kröger sichtlich. Ja, das ist eben so, wenn man derart medien”wirksam” auftritt: an einem Tag ein Feature in der Österreich-Beilage “Madonna” über Yoga, dann in der Kronen Zeitung ein Bildchen von einer Tennisturnier-Eröffnung, und, als trauriger Höhepunkt, ein Miniplaybackauftritt in Peter Rapps “Millionenshow”, dem TV-Pool, in dem Karrieren enden, und nicht beginnen. Es war definitiv die falsche Entscheidung, die Figur des “Rudolf” zu schwächen und “Taaffe” aus seinem Nebenfigurstatus zu sehr herauszuholen, es war die falsche Entscheidung, “Taaffes” Songs auf die Stimme des Interpreten hinunterzujustieren, bis zum nahezu Sprechgesang. Es war, leider, in der Beziehung alles falsch. Von wegen, die Show würde ein neues Lied bekommen - fast möchte man meinen, der Komponist habe sein Musical nach der Entscheidung der Wiener für ihre Version mehr oder weniger abgeschrieben.

So haben wir nach wie vor einen ungarischen Erfolg mit “Rudolf” inklusive “Puppenspieler” und eine nicht wirklich wienerische Wiener Fassung ohne Puppenspieler, die man mittlerweile als Flop bezeichnen darf. Eine Show, für die man die Werbung auf einen “Nebendarsteller” fokussierte, ihn bei der Maniküre bis hin zum Frühstückmachen und bis zum absoluten Erbrechen featurete, aber den Hauptdarsteller im Regen stehen ließ. Das ist wohl im Theaterbusiness eine einzigartige Vorgehensweise, die völlig unverständlich ist, denn selbstverständlich hätte es genügend Möglichkeiten gegeben, Drew Sarich und Lisa Antoni zu Stars aufzubauen. So haben wir als Star der Show einen Widerling wie Taaffe, und wie soll eine solche Bühnenfigur, die, so von Kröger dargestellt, nur brüllt, bös schaut und grantig herumhüpft, schon die Massen ins Theater locken. Da hatten die Ungarn und das Leading Team rund um Frank Wildhorn, der sich der ungarischen Produktion sehr annahm, das weit bessere Gespür, indem sie auf die Figur des Puppenspielers setzten, der das Publikum am Beginn in die Show zieht und am Ende mit einem melancholischen Resümee wieder entlässt.

Wie auch immer, das Beste an der dieser Tage erschienenen “Rudolf”-DVD ist, dass sich jetzt jeder selbst überzeugen kann, was für eine Produktion in Grund und Boden kritisiert wurde, mit Argumenten, die kaum jemand verstehen wird, der sich nun die DVD ansieht. Keine Melodien? Keine Melodien? Wo muss man seine Ohren haben, wenn man ausgerechnet in dieser Show keine Melodien auszumachen vermag. Drew Sarich erreicht gesangsmäßig eine Qualität, die ihn für sämtliche Theater dieser Welt mehr als nur attraktiv erscheinen lassen wird. Es wäre fast schade, wenn er sein Talent in Wien vergeuden würde, wo in absehbarer Zeit (nach derzeitigem Stand) nichts, absolut nichts musicalmäßig halbwegs Anspruchsvolles von den VBW zu erwarten ist.

Wie auf allen Produkten von MG-Sound steigt Uwe Kröger auf der DVD wie ein Adler aus seinem Schatten empor. Die live manchmal so richtig falschen Töne sind auf der DVD natürlich nur zu erahnen, die ans absolut Schrille grenzenden Stellen in seinen Interpretationen hat man wohlfeil abgesäbelt und unter andere, etwas akustisch ästhetischere Tonspuren gelegt. Die MG-Sound-Politik scheint zu sein: Entweder man schneidet Kröger ganz raus oder man legt ihn flach, pardon, man verflacht seine Tonkurve derart, dass er kaum hörbar ist, während er im Theater so manch falschen Schlusston mit voller Wucht gegen die Säulen donnert. Man möchte ja das Produkt auch verkaufen, was bleibt also anderes übrig. Interessant wäre es mal bei der Arbeit an diesem Akustik-Photoshop zuzugucken.

“Live und ungeschnitten” kommt die DVD laut Werbung daher. Aber seien wir ehrlich, was sollte ein “Schnitt” auch bringen. Völlig unnötig, da wir das Ganze doch ohnedies aus einem subjektiven Winkel betrachten: dem Kameraauge. Da kann gezoomt werden, da wird manchmal die Totale der Bühne geboten, dann wieder ein Megazoom auf einen ausgelaugten, stöhnenden Uwe Kröger. Man könnte also all jene Dinge, die jemanden stören könnten, mit einem anderen Schnitt tilgen, und dennoch mit der Bezeichnung “ungeschnitten” Werbung machen. Alles kein Problem. Die Frage bleibt: Was bringt es für den Verkauf, wenn auf dem DVD-Cover ein 3,3 cm mal 3,3 cm großer, knallgelber Button aufgedruckt wird, auf dem zu lesen steht: “FSK ab 6 Jahren freigegeben”. Steht “Rudolf” in Konkurrenz zu “Puschel, dem Eichhorn”? Das macht also doch eigentlich nicht viel Sinn. Welchem Sechsjährigen sollte man die Story rund um einen (vermeintlichen) Doppelselbstmord zumuten? Da bieten sich doch spätere Lebensjahre genug, um diese Aspekte menschlicher Tragik kennenzulernen.

Wer sich für Musicals interessiert, sollte an dieser DVD eigentlich nicht vorbeikommen. Der Sound ist glasklar, die Regie einfallsreich, das Bild perfekt. Die Show lieben die einen und hassen die anderen, daran wird auch der Mitschnitt nichts ändern. Die Kürzung der Show durch die VBW kurz vor der Sommerpause hat genau gar nichts gebracht, um “Rudolf” so etwas wie zu “verbessern”. Die Kürzungen sind gänzlich und ohne Ausnahme ärgerlich und unverständlich. Sinnvoller wäre es gewesen, an der stellenweise erbärmlichen Übersetzung zu feilen, aber das war wohl nicht drin. MG-Sound hat mit dieser DVD einen Topseller im Programm, mit dem sie es nicht mal nötig haben, zu versuchen, die notorischen Wildhorn-Hasser als Käufer zu gewinnen. Der Weltmarkt steht damit offen, und allein in den USA sollten sich genügend Käufer für weitere Auflagen der DVD finden.

Kleiner Nachtrag:
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