Die Hürden zum Web 2.0

Stage Beauty
Dem “Golden Age of Theatre in England”, also der Epoche von 1870 bis 1920, ist die Website Stage Beauty gewidmet. Mit viel Liebe wurde hier ein interessanter Fundus an Biographien online gestellt, den man nur weiterempfehlen kann.
Jason Robert Brown
Jason Robert Brown (”Songs for a New World”, “Parade”, “The Last 5 Years”, …) ist einer jener Musicalkomponisten der Post-Sondheim-Ära, die für das Genre die so wichtigen neuen Impulse bringen, Songs schreiben, die für die Ewigkeit komponiert scheinen, trendlos - Perlen, die man heute genauso schätzt, wie man sie in 20 oder 100 Jahren lieben wird. Lange Zeit war Brown im Internet nur mit einer Fansite vertreten, nun ist seine offizielle Page online gegangen. Sie ist noch im Aufbau begriffen, aber immerhin … und als Begrüßungsgeschenk gibt es im “Weblog”-Bereich der Site die Songs “That’s How Texas Was Born” (unveröffentlichtes Lied aus dem Musical “Urban Cowboy”) und “In this room” (ein Song, den Brown für seine Hochzeit geschrieben hat) zum Gratis-Download.
Brown ist bekannt dafür, dass er sich gerne mit Musicalinteressierten austauscht. In seinem Weblog beantwortet er Fragen sehr ausführlich. Kurz und gut: Browns Site ist schon jetzt ein Musterbeispiel dafür, wie man das Web als Künstler sinnvoll nützt.
Urban Dictionary
Sprache lebt - und verändert sich ständig. Jeder von uns gestaltet mit, der eine mehr, der andere weniger. Das Urban Dictionary bietet für den englischsprachigen/amerikanischen Sprachraum ein Slang-Wörterbuch, das aktuellste Trends auffängt und katalogisiert.
Aktuelles Beispiel: Der Film “Brokeback Mountain” hat gleich mit 5 Redewendungen in das Wörterbuch Eingang gefunden.
Der Wicked-Blog
“Wicked” ist drauf und dran, eines der populärsten Musicals aller Zeiten zu werden. Wie groß diese Show tatsächlich wird, kann man meiner Meinung derzeit noch gar nicht abschätzen, aber die Chancen stehen gut, dass sie sich viele viele Jahre großer Beliebtheit erfreuen wird. Für all die verrückten Fansites rund um Wicked sei mal eine herausgegriffen, die recht witzig ist.
Frank Wildhorn - Global Vision
Am 18. April 2006 werden gleich zwei neue Cast-CDs von Musicals aus der Feder Frank Wildhorns erscheinen: “Jekyll & Hyde: RESSURECTION” (mit Rob Evan als Jekyll/Hyde, Kate Shindle als Lucy und Brandi Burkhardt als Emma) und “Dracula: Concept Recording”. Die Aufnahmen werden vom Label Global Vision veröffentlicht.

Damen und Herren, Hedwig ist in der Stadt. Lassen Sie sich nicht beirren durch krause Untertitel wie “Neo-Glam-Post-Punk-Rock-Musical”, das ist wie bei Starbucks, da können Sie auch einen “Super-Vanille-Latte-Spice-UndwasderDeibelno-Macchiatiodingsbums” bestellen, oder eben nen Espresso. “Hedwig and the Angry Inch”, das ist im Wesentlichen eine One-(Wo)Man-Show, eine Rockshow. Inhaltsmäßig informieren Sie sich bitte hier oder hier.

Stoßen Sie sich nicht daran, dass Platon zitiert wird oder andere große Namen, es ist schön, wenn Sie die kennen und was damit anzufangen wissen, genausogut können Sie sich auch ins Metropol fallen lassen mit dem Vorsatz, sich mal die Lebensgeschichte von Hansel erzählen zu lassen, einem vor dem Mauerfall in Ost-Berlin geborenen Jungen, der von nem Ami in den Westen mitgenommen wird, wenn, ja wenn er sich zur Frau umoperieren lässt. Wie es im Leben so ist, geht die OP schief, und Hansel, ab jetzt Hedwig, muss fortan mit nem hässlichen kleinen Überbleibsel, einem “anry inch”, zwischen seinen Beinen weiterleben.

Aber lassen Sie sich die Geschichte von Hedwig selbst, pardon, Andreas Bieber, erzählen. Er macht das famos, und mit Verlaub, es ist mit Abstand die Rolle seines Lebens. An seiner Seite ein tolles Team: Anke Fiedler, Harry Peller (Gitarre), Markus Adamer (Schlagzeug), Matthias Petereit (Bass) und Geheimtipp Bernhard Wagner (Gitarre, Keyboard).

Hereinspaziert, kommen Sie ins Metropol, haben Sie eine schöne Zeit und empfehlen Sie die Show weiter, denn die hats verdient. Sie dürfen auch gerne öfter kommen. Aber beeilen Sie sich, denn allzu viele Vorstellungen gibt es nicht.


Bret Easton Ellis war in der Stadt. Im Theater Rabenhof gab der umstrittene Kultautor (”American Psycho”) am Donnerstag, den 16. März 2006, einen Leseabend, um seinen neuesten Roman “Lunar Park” in angenehmem Ambiente zu promoten.

Wieso hat Ellis diesen Abend eigentlich nicht alleine bestritten - aus seinem Roman zu lesen, ein paar Fragen zu beantworten, das hätte völlig gereicht. So aber steuerten die Veranstalter den Schauspieler Heinz Weixelbraun (”Kommissar Rex”) bei, der Passagen aus der deutschen Übersetzung von “Lunar Park” etwas sehr outrierend zum Besten gab. Sein Tonfall, der wohl eher bei einem, keine Ahnung, altmodischen Detektivroman angebracht gewesen wäre, war unangenehm, die Aussprache der wenigen verbliebenen Anglizismen war meistens daneben. Immer wieder sah sich Weixelbraun genötigt, Worte rauszubrüllen - passend war das nicht, vor allem, wenn man davor/danach Bret Easton Ellis beim Vortragen erleben durfte. Das war unaufgesetzte Coolness, ein Lachen über sich selbst, unterhaltend, ohne bemüht zu klingen.
Ach ja, einen Moderator gab es auch, Claus Philipp. Zu verkrampft, zu uninteressante Fragen, das meiste davon konnte man schon am Tag davor in diversen Interviews lesen, doch selbst auf langweilige Fragen reagierte Ellis sympathisch, witzig, clever wechselnd vom angenehmen Gesprächspartner zum unangreifbaren Kultautor, der seinem Interviewgegenüber dann doch manchmal sehr direkt zu spüren gab, wie langweilig er die eine oder andere Frage fand.

So verbindlich Ellis sich gab, so angreifbar er sich machte, man sollte nie vergessen, dass man es hier nicht mit irgendeinem Proll zu tun hat, der Heimatromane schreibt und jeden Schmarrn beantwortet. Naja, jeden Schmarrn beantworten - vielleicht doch. Bei der anschließenden Signierstunde konfrontierte ich den Autor mit der Frage, ob er in Erwägung ziehen würde, das Buch zu einem Musical zu schreiben. Ellis darauf: “Ja, würde ich in Erwägung ziehen.” Und wovon würde das Musical dann handeln? Die kurze Antwort ist als MP3 downloadbar - zu mehr kam es nicht, weil Brets Verlegerin herbeistürmte und das vermeintliche Interview beendete, weil, nein, nein, Herr Ellis gibt heute keine Interviews mehr. Ellis darauf zum vermeintlichen Interviewer: “Don’t worry.” Ein bisschen entspannter sollte man schon sein, wenn man Bücher von Bret Easton Ellis verlegt.

Am Beginn des Leseabends stand die Frage: “Wer ist Bret Easton Ellis?” Der Moderator meinte, einige Journalistenkollegen hätten ihm genau diese Frage vor der Show gestellt. Nun, während der Veranstaltung hat man viel über das Konstrukt Bret Easton Ellis erfahren, Biographisches, Banales (bezugnehmend auf das Namedropping-Faible des Autors wurde er nach den Herstellern jener Kleidungsstücke gefragt, die er grade am Leib trug, und mit Wonne gab er darauf Antwort) - viel hat man auch über die Art und Weise erfahren, wie Ellis sich selbst im Literaturbetrieb sieht, was er liest, was er gerne schreiben würde, war er fast geschrieben hätte - immer aber blieb da die Frage, ob man tatsächlich etwas über Bret Easton Ellis, den realen Autor erfahren hat, oder über ein Konstrukt, das von Ellis geschaffen wurde, die Hauptrolle in seinem neuen Buch spielt und wie sein Double durch die Welt läuft. Aber vielleicht ist auch diese Charade-artige realunwirkliche Existenz eines der Erfolgsrezepte des Autors.


“Jesus Christ Superstar” (als konzertante Aufführung in englischer Sprache), das wird in Wien, wo man Traditionen gerne begründet, bald zu einer ebensolchen … Ostertradition - wie Eiersuchen und sich an Schokohasen überessen. So steht also auch heuer zu Ostern wieder Andrew Lloyd Webbers Rockoper auf dem Spielplan der Vereinigten Bühnen Wien.
Gezeigt wird die Produktion im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Ronacher Mobile”. Um ihren Ruf als ernstzunehmende Player in der deutschsprachigen Musicallandschaft nach der Umwidmung des Theaters an der Wien in ein (selten bespieltes) Opernhaus und während der Renovierung des Ronacher (bis Ende 2007) nicht zu verlieren, möchten die VBW mit der “Ronacher Mobile”-Serie größere und kleinere Produktionen an unterschiedlichen Spielorten zeigen. “Jesus Christ Superstar” ist nach “The Little Match Girl” und “A tribute to BERNSTEIN” die dritte Veranstaltung im Rahmen von “Ronacher Mobile”.
Webbers moderne Version der Passionsgeschichte wird zu den Osterfeiertagen dreimal im RAIMUND THEATER zu sehen sein: am Freitag, den 14. April, um 19:30 Uhr; am Samstag, den 15. April, um 15:00 Uhr, und am Montag, den 17. April, um 19:30 Uhr.
Rob Fowler singt die Titelrolle, Petr Gazdik den Judas, und Caroline Vasicek die Maria Magdalena. In den weiteren Rollen stehen André Bauer, Reinwald Kranner, Roman Straka, Jacqueline Braun, Tina Schöltzke, Kathleen Bauer und Dennis Kozeluh auf der Bühne.
Auf Petr Gazdik darf man gespannt sein, ist er doch auf Wiener Musicalbrettern nicht gerade der bekannteste. Aber das wird sich rasch ändern, ist doch die hiesige Bühnentürlgesellschaft für ihre vorauseilende Götzenverehrung, um halbwegs im Duktus zu bleiben, bekannt, und nicht selten haben Darsteller schon eine Fan-Homepage, bevor sie noch einen Ton in Wien gesungen haben.
Wünschen wir also Petr Gazdik toi,toi, toi, “Jesus Christ” läuft in der Version der Vereinigten Bühnen Wien ohnedies auf Schienen und wird, da fährt die Eisenbahn drüber, ein Erfolg.