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Thomas S. Hischak: Enter the Playmakers – Directors and Choreographers on the New York Stage

2000 Jahre lang hatte er bei weitem nicht die Bedeutung, die ihm heute zugemessen wird. Erst im 19. Jahrhundert formte sich eine konkrete Idee von dem, was man heute „Regisseur“ nennt. Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826–1924) gilt als der Vater des modernen Regietheaters, Konstantin Sergejewitsch Stanislawski (1863–1938) entwickelte ein faszinierendes neues „System“ des Schauspielens – sie sind die beiden wichtigsten Erneuerer des Theatersystems ihrer Zeit und prägten es anhaltend. Ihnen ist es zu verdanken, dass „er“ in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts langsam immer stärker ins Rampenlicht wanderte: der „Regisseur“.
Eine ähnliche Entwicklung ist bei der „Emanzipation“ der Choreograph festzustellen. Hier gilt Agnes de Mille (1905–1993) als entscheidende Persönlichkeit, die dem Choreograph zur Position eines Regisseurs des Tanzes verhalf.
Heute steht der Regisseur im Zentrum aller Theaterproduktionen, egal ob es sich um eine Schulproduktion von „Annie“ handelt oder um „Rebecca“ am Raimund Theater. Er wurde zur treibenden Kraft am Theater, ist bei den Auditions ebenso dabei wie bei den Proben, bei ihm laufen alle Fäden zusammen, im Extremfall steht er für die gesamte Produktion, beispielsweise, wenn es sich beim Regisseur/Choreograph um ein Genie wie Bob Fosse handelte. So wurde in den 1970er Jahren plakatiert: „The New Bob Fosse Musical“ –Komponist, Texter, Schauspieler kamen erst danach.
Thomas S. Hischak, „Professor of Theatre” an der “State University of New York College at Cortland”, ist einer der profiliertesten Autoren, wenn es um die Performing Arts geht. 15 Bücher hat er für den Verlag Scarecrow Press bereits verfasst, mit „Enter the Playmakers“ versucht er, die wichtigsten Regisseure und Choreographen am New Yorker Theater zu erfassen. Auf 142 Seiten listet Hischak mehr als 300 von ihnen auf, alphabetisch geordnet. Über jeden Regisseur/Choreograph finden wir kurze biographische Angaben sowie eine Liste seiner Arbeiten am New Yorker Theater, also am Broadway, Off-Broadway und Off-Off-Broadway. Natürlich sind nicht alle Regisseure, die am Broadway gewirkt haben, vertreten, ebenso wenig konnten all die Workshop-Produktionen berücksichtigt werden, und es war auch nicht möglich, alle Off-Off-Produktionen in das Buch aufzunehmen. Das ist einerseits zu verstehen, andererseits eine vergebene Chance. Hischak hätte versuchen können, eine wahre Enzyklopädie der in New York wirkenden Regisseure zu erstellen. So ist sein Buch immerhin – zumindest –eine höchst interessante Auflistung geworden.
Was sich etwa gut herauslesen lässt aus der bloßen Aufzählung der Regiearbeiten ist der Aufstieg eines Regisseurs vom Off-Off-Broadway bis hinauf zum Broadway, aber auch die Stagnation mancher Kreativer. Erklärende biographische Angaben erleichtern die Karriereinterpretationen, beispielsweise, wenn Regisseure am Broadway, aber auch am West End erfolgreich gewirkt haben.
Der erfasste Zeitraum beginnt knapp vor 1900. Chronologisch gesehen ist Augustin Daly (1838–1899) der von Hischak erste aufgelistete amerikanische Theaterproduzent und Manager, der im modernen Sinne als Regisseur gewirkt hat.
Gemeinsam mit Hischaks Werk „Enter the Players: New York Stage Actors in the Twentieth Century“ aus dem Jahre 2003 bildet das hier besprochene Buch eine gut recherchierte Datenbasis. In Zeiten des Internets und Wikipedia könnte man vielleicht glauben, dass man diese Daten doch leicht online recherchieren kann. Weit gefehlt! Es bedarf schon eines vom Theater Begeisterten, mit viel Mühe die hier präsentierten Fakten zu recherchieren, zu ordnen, zu prüfen und dann zu vereinheitlichen und zu präsentieren. Hischak ist ein Begeisterter, und seine Bücher kann ich nur empfehlen.

Thomas S. Hischak: Enter the Playmakers: Directors and Choreographers on the New York Stage. The Scarecrow Press, Inc., Lanham, Maryland, Toronto, Oxford, 2006, 142 S.; ISBN: 0-8108-5747-2. $ 45,00 (Paperback). http://www.scarecrowpress.com/

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