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Archiv - Tonträger

Uwe Kröger: »Ich bin was ich bin«

hitsquad_records_uwekroeger_ichbinwasichbin_cover-kopie.pngNach der Veröffentlichung seiner Autobiografie bringt Uwe Kröger nun auch eine neue CD auf den Markt. »Ich bin was ich bin – Meine großen Musicalerfolge« heißt die Scheibe, die am 21. November 2014 erscheint (Label: HitSquad).

Tracklist
01 Ich bin was ich bin (La Cage Aux Folles)
02 Starlight Express (Starlight Express)
03 Hilf mir durch die Nacht (Rebecca)
04 Etwas gut (The Sound Of Music)
05 Roseanne (Dracula)
06 Der letzte Tanz (Elisabeth)
07 Liebe endet nie (Der Besuch der alten Dame)
08 Gott, warum? (Rebecca)
09 Sweet Transvestite (Rocky Horror Show)
10 Edelweiß (The Sound Of Music)
11 Ich hab die Angst besiegt (Der Besuch der alten Dame)
12 Musik der Nacht (Das Phantom der Oper)
13 Das Phantom der Oper (Das Phantom der Oper)
14 Jenseits der Nacht (Rebecca)
15 Wenn das Schicksal dich ereilt (Rudolf)
16 Nosferatu (Dracula)
17 Meine Herzwunschliste (A Musical Christmas)
18 They can’t take that away from (Bonustrack)
19 Style up your life (Bonustrack)

„Elisabeth“-Cast-CD (2012)

elisabeth2012.jpgDie Frage, die man sich eigentlich stellen müsste, lautet: Wozu diese „Elisabeth“-Cast-CD? Nicht, warum „noch eine“, sondern, „warum diese“? Es kommt wohl kaum vor, dass von einem Musical innerhalb eines Jahres zwei Cast-CDs auf den Markt gebracht werden, die mit denselben beiden Hauptdarstellern aufwarten. Aber genauso gut könnte man an den Anfang aller Fragen die folgende stellen: Wollten uns die VBW verarschen, als sie die Cast mit etwa folgendem Argument vorgestellt haben, nämlich dass sie die BESTEN für die Rolle ausgewählt haben?

Wie maulfaul muss man eigentlich sein, um nicht erklären zu können, warum man wirklich einen Darsteller ausgewählt hat. Denn einen „Besten“ gibt es nicht, die Wahl eines Darstellers ist immer ein Kompromiss zwischen mehreren Anforderungsprofilen. Eines davon sollte die stimmliche Qualität sein, ein anderes kann natürlich auch der Girlieanziehungsquotient sein oder die Bühnentürltauglichlichkeit, wobei die letzten beiden wohl eher bei den Chippendales Priorität genießen sollten … aber wenn die beiden Hauptdarsteller der aktuellen „Elisabeth“-Produktion tatsächlich die Besten aller Interessenten wären, was ihre stimmlichen Qualitäten betrifft, dann sollte man das Musicalgenre besser abwinken und sich etwas ganz anderem zuwenden.

„Der Beste aller Bewerber“, das ist eines jener Ammenmärchen der Marketingabteilungen, die sie mit ALT + STRG + FTW in ihre Pressemappen kopieren. Wer sich die Tour-CD, also die erste der beiden 2012 veröffentlichten „Elisabeth“-CD angehört hat, konnte da schon nur lachen. Nun, jetzt haben wir also einen neuen Versuch der beiden Hauptdarsteller, Leben in ihre Figuren zu bringen, und erneut ist das hemmungslos gescheitert.

Wobei man sich, bevor man sich der Qualität dessen, was man hört, widmet, noch eine dieser Fragen, die man uns nie beantworten wird, stellen sollte, nämlich: Wie ist denn diese CD entstanden? Nun, es fanden sich zwei Partner, einer, der die CD produzieren wollte, und ein zweiter, wobei die Rollenverteilung vielleicht nicht ganz so klar ist, wie manche es vermuten wollen. Man einigte sich, die CD LIVE aufzunehmen. Anders wird das auch in unserer Zeit fast nicht mehr möglich sein …

… oder vielleicht doch bald wieder, aber momentan haben wir es noch im Falle von „Elisabeth“ mit einer Produktion zu tun, bei der 28 Musiker spielen. Da kommt es doch weit billiger, ihren Sound live aufzufangen, als ihn im Studio oder im Theater unter Studiobedingungen neu einzuspielen. Freilich handelt es sich beim Orchester der VBW um ein nach wie vor sehr gutes, auch wenn beinhart an dessen Ruf gesägt wird, und zwar nicht von außen …

… beinhart etwa, indem in den letzten zwölf Jahren die Zahl der Vollstellen geschrumpft wurde. Bei „Elisabeth“ spielt man noch mit 28 Musikern, aber es könnte das letzte Mal sein, dass man in dieser Stärke bei einem Musical antritt (abgesehen von Alibi-Aktionen wie dem „Phantom der Oper“, bei dem man auf Substitute setzen muss, weil man bei gleichzeitiger Bespielung des Raimund Theaters, etwa im Geigen-Bereich gar nicht mehr genügend Mitglieder des VBW-Orchesters zur Verfügung hat, was dann die ganze Veranstaltung eigentlich zur Farce macht, wenn doch 25 Jahre Orchester gefeiert werden sollten und man teilweise von Substituten unterhalten wird, aber das führt uns nun dann doch zu weit, und wir alle können uns vorstellen, wie gefinkelt man von seiten der VBW mit 16-tel Stellen etc. argumentieren wird und der Definition, was ein Orchester ist. Nun, nochmal zur Klarstellung, ein Klang eines Orchesters, der wiedererkennbar und als solcher verwertbar sein soll, kann nur dann gegeben sein, wenn er von Musikern erzeugt wird, die regelmäßig miteinander spielen, ich gehe also von Vollstellen aus, eine Ansicht, die man nicht teilen muss.

Ein weiteres Indiz für den Weg in eine VBW-Epoche, in der das Orchester eine unwichtigere Rolle spielen wird: die Verkleinerung des Orchestergrabens im Ronacher im Rahmen der Umbauarbeiten für „Legally Blonde“, damit man eine zusätzliche Reihe im Theater gewinnt. Diese Reihe wird die Spezialkategorie sein, die VBW nennen sie „Silver Chair“, die Fans Nuttensprudel-Reihe, weil man zum überteuerten Eintrittspreis ein Glas Sekt, ein Programm und eine „Überraschung“ bekommt, vielleicht ja ein Säckchen mit Glitter oder einen pinkfarbenen Lippenstift, vielleicht gibts für die Burschen noch ein paar Unterhosen oder Kondome aus dem traurigen Merchandising-Trödelladen vergangener Produktionen, man wird es sicher rechtzeitig erfahren …

… aber wir waren bei der Frage, wie diese CD entstanden ist, und ja, auch wieder ein Punkt, der nie offiziell geklärt werden wird, nämlich die Frage, was an dieser CD live ist, außer den Bühnengeräuschen, dem Applaus und dem Orchester. Fragen wird man sich ja wohl dürfen, zumal, wenn man bei jenen Vorstellungen, bei denen aufgenommen wurde, vor Ort war und etwas VÖLLIG anderes gehört hat, zumal, wenn es zumindest einen Darsteller gibt, der auf seinem öffentlichen Facebook-Profil gepostet hat, dass er zu „Elisabeth“-Nachaufnahmen ins MG-SOUND-Studio unterwegs ist. Was ist also live, wie viel ist an dieser CD live?

Ich stelle mir die entsetzten Gesichter der Toningenieure, eventuell des Texters, des Komponisten, des Dirigenten vor, als sie die Aufnahmen gehört haben. Was haben sie sich wohl gedacht? Schmeißen wir das Ganze einfach in den Gulli? Wir werden es nie erfahren, denn die Musicalwelt ist eine blankpolierte, es wird gelogen, schöngeredet, nur die Wahrheit, die erfährt man nicht. Rein fantasiemäßig weitergedacht, könnte man beschlossen haben, einfach alle Darsteller nachsitzen zu lassen und ihre Parts im Studio neu einsingen zu lassen. Immerhin, es wird nicht so arg gewesen sein wie die ganz besondere Arbeit mit einem der „großen“ Musicalstars vergangener Zeiten, bei der man sicher tagelang bit by bit Songstückchen aneinanderkleistern musste, um dann ein Lied herauszubekommen, das wie die gephotoshoppte Fratze von Bambi ohne Seele und ohne Charakter klingt, aber - keine falschen Töne - Gott sei Dank.

Nun, all das sind Spekulationen, nichts dran ist wahr, nicht klagbar, auch wenn ich da schon den einen oder anderen besonders Klagfreudigen sehe. Manchmal könnte man ja vermuten, dass ein paar Geschäftsleute im Business fehlende Umsätze durch miese Tricks mit Anwälten aufzubessern versuchen, aber … nein, kommen wir zum tollen Endergebnis, also zur Doppel-CD „Elisabeth“, die nun in all ihrer Schönheit vorliegt. Positiv zu erwähnen ist das Booklet, das alle Texte enthält und das, wenn man die Farbe Lila mag, als durchaus hübsch bezeichnet werden kann. Eine Prägung am Cover, sehr schöne Fotos, da passt alles.

Geht man jetzt davon aus, und das ist natürlich nur meine Meinung, dass vieles von dem, was man auf dieser CD hört, nicht aus dem live aufgenommenen Material stammt, sondern nachträglich neu aufgenommen wurde, ist das für mich ganz persönlich, nein, nicht Betrug, aber nicht ernstzunehmen. Man schneidet den Applaus, der teilweise nach Darbietungen gespendet wurde, die fast schön körperlichen Schmerz verursacht haben (ich spreche natürlich nur von mir), an Sequenzen, die nun natürlich nicht mehr falsch klingen (aber bisweilen immer noch körperlichen Schmerz verursachen), das Ganze ist ein so absurder Vorgang der Geschichtsumschreibung, unglaublich. Man müsste sich ja fast fragen, ob das noch legitim ist, schließlich haben Kritiker die Premiere, die hier angeblich LIVE vorliegt, gesehen, besprochen … Hier nun vorzugeben, dass alles ganz anders war …

… und es ist ja nicht so, dass man – sogar mit all dem schnieken High-Tech-Studiozeugs – heutzutage tricksen kann, ganz ohne dass man den Umstand merkt, dass getrickst wurde. Wenn ich da eventuell auf den Beginn von „Ich gehör nur mir“ (CD 1, Track 14) verweisen darf, wo man den Übergang von einer Live-Passage zu einem Teil, na ja, es ist dann zufällig der gesungene Teil des Liedes, hört, eindeutig hört, das Ausfaden des Halls, aber was schreibe ich, sicher alles nur Einbildung. Sicher, Annemieke van Dam hat vielleicht erst im Studio einen entscheidenden Hinweis bekommen, dass „Elisabeth“ am Ende der Show doch ein Eitzerl älter klingen sollte als am Beginn. Auf der Studioaufnahme hört sich die „Totenklage“ im ersten Moment dann auch an, als würde sie jemand ganz anderer singen. Live wurde das so nicht serviert. Den Übergang zur Neuaufnahme hört man, wenn man genau hinhört, sogar als ganz unauffälligen Knackser auf der CD (CD 2, Track 21).

Das alles ist kein Vorwurf an die Plattenfirma, es ist vielleicht ein Appell, ein wenig mehr Ehrlichkeit Raum zu geben und in das Booklet zu schreiben, welche Nummern nachträglich im Studio synchronisiert wurden. Insgesamt gesehen hat sich natürlich an der Einschätzung der Cast auch anhand dieser Cast-CD nichts geändert. Die beiden Hauptdarsteller sind in ihren gesanglichen Qualitäten auch im Studio in ihren Limits gefangen. Wie krass der Unterschied zwischen der Cast-CD und dem Live-Erlebnis ist, muss jeder für sich erfahren. Ich persönlich empfehle sogar den Kauf der Cast-CD und dann den Besuch einer Vorstellung – bei der Rory Six den Tod singt. Das ist, als würde man auf der Cast-CD einen Sänger erleben, dessen Stimmvolumen, aber vor allem Interpretationsfähigkeit extrem limitiert ist, während man bei Rory Six das Gefühl hat, dass erst bei ihm die Figur des Todes zu leben beginnt. Er muss sich nicht darauf konzentrieren, die hohen Töne aus sich rauszuquetschen, er gestaltet sie, macht sie zu einem Erlebnis. Wenn sich Seibert ins Stöhnen, Ächzen und Quetschen flüchtet, weil er meint, das würde … ja, was eigentlich, so kann man bei Six davon ausgehen, dass er es versteht, die Interpretationsmöglichkeiten der Songs auszuschöpfen. Das ist nicht der Unterschied zwischen Live-Erlebnis und CD, das ist der Unterschied zwischen Rory Six, dem herausragenden Künstler, und der derzeitigen Erstbesetzung des Todes bei einer VBW-Produktion, womit wir eigentlich noch ausführlich über die Castingmethoden an diesem Haus … aber das hat ja auch ein anderes Mal Zeit.

Fazit: Kaufen, warum nicht, die CD ist ein Dokument für ein sehr gut spielendes und geleitetes Orchester, die Plattenfirma hat getan, was sie konnte, um eine perfekte Arbeit, bei den gegebenen Sängern, abzuliefern, die Aufnahme bestätigt, dass Anton Zetterholm ein großartiger Rudolf ist, der es auf CD und live schafft, große Momente zu gestalten, und ich glaube, es gibt Karaoke-Maschinen, mit denen man ja einzelne Tonspuren ausblenden kann, wenn man das Bedürfnis haben sollte.

Peter Kraus: Für immer in Jeans (DVD)

peter_kraus_2012.jpgDie letzte Tournee von Peter Kraus, die der Altrocker 2012 rund 75 Mal in deutsche und österreichische und vermutlich auch Schweizer Hallen brachte, wurde bei einem seiner Wien-Auftritte von MG SOUND festgehalten und dieser Tage als DVD veröffentlicht. Ein völlig unpeinliches, unterhaltsames Spektakel mit einem Entertainer, der weiß, wie er seine Zielgruppe optimal bedient. Das Buch und die Dialoge steuerten Peter Kraus, Markus Gull, Peter Hofbauer und Wuchtel-King Dieter Chmelar bei. Regie führte Thomas Smolej und dass diese Tour ein solcher Erfolg war, ist, neben dem musikalischen Faktor, sicher auch darauf zurückzuführen, dass in dem rund zweieinhalbstündigen Konzert auch kurzweilig geblödelt und einfach gut unterhalten wurde. Die Musik wird von einer routinierten Band beigesteuert, und es darf bezweifelt werden, dass Peter Kraus allzu viel Arbeit im Studio noch hatte, um etwaige unsaubere Sellen auszubessern. Das, was man in der Halle beim Konzert zu hören bekam, war ein guter, voller Sound. Das musikalische Programm ist eine gelungene Mischung aus den alten Hadern von Kraus wie “Mit Siebzehn”, “Diana”, Tracks von aktuelleren CDs des Altmeisters bis hin zu Klassikern wie “Don’t worry, be happy” und “Rockin’ all over the world” sowie Gesangseinlagen seiner Gäste Mike Kraus und Andy Lee Lang. Eine sehr schön produzierte DVD für alle Fans. Die DVD ist im Fachhandel erhältlich.

Drew Sarich: „Silent Symphony“ [2011]

drew-sarich-cover.jpg

„I got scars on my right hand, after a drunken argument in London. The Beach Boys’ ‚In My Room‘ makes me feel like I’m eight again. Faces of people I’ve disappointed still make me shake my head ten years after I’ve already been forgiven. I’ve got ghosts, man!“

Das schreibt Drew Sarich als Einleitung im Booklet zu seiner neuen CD „Silent Symphony“, die seit einigen Wochen im Handel ist. Die Geister, die man nicht mehr los wird, formen eine „Silent Symphony“. Gefühle, mit denen man höchstens lernt zu leben, deren überfallsartiges Auftauchen aber man nicht gänzlich abblocken kann. Still ist da manchmal sehr laut, ruhig bisweilen Camouflage. Sich alles bis aufs Essenzielle abzuschminken, ist ein Prozess, auf den sich Drew Sarich in der Entstehungszeit des Albums einließ. Kein „BAMM“ – jetzt rocken wir die Bude, wie noch unlängst. Ein Experiment. Sarich:

„Reducing everything to its basic form, guitar and voice, blew doors open in terms of interpretation. My songs suddenly became more theatrical, the more ‚performance‘ I stripped away.“

Ausgehend vom Minimum, Gitarre und Gesang, baute Produzent Titus Vadon eine dem Projekt angemessene Wall of Sound. Der Titelsong mag hier als Beispiel dienen: „Silent Symphony“ startet mit Gitarrenbegleitung, dazu kommt ab dem ersten Refrain ein Chorelement, danach im Laufe des Songs noch weitere Chorelemente, Xylophon, Clavinet, Bassstimmen, Soundsamples von Gewitterdonner und Regenprasseln, Flötenelemente, Kontrabass. Ausgehend also von der geplanten Reduktion eine doch – gewaltige Soundcloud.

Der Prozess des Reduzierens war freilich mit Erscheinen der CD nicht abgeschlossen. Für die CD-Präsentation, die im Wiener Klub Ost am 19. Oktober 2011 als Livekonzert über die Bühne ging, wurde einerseits mit einem Chor bei einigen Liedern ein zusätzliches „theatralisches“ Element hinzugefügt, andererseits gerade der Titelsong des Albums, „Silent Symphony“, nun tatsächlich auf ein absolutes Minimum, Stimme und Gitarre, reduziert – und damit wohl die schönste und reinste Form, mein subjektiver Eindruck, für dieses Lied geschaffen. Erst wenn man die klare, einfache Form erlebt, kann man das erkennen, was den Song in eine ganz andere Richtung geführt hat und eine ganz andere Atmosphäre geschaffen hat. Daher mag die CD-Version dieses Lieds nur eine mögliche Zwischenstufe sein – und man müsste überlegen, ob die „Wall of Sound“ hier dienlich oder ablenkend ist. Sind Elemente wie eine zweite Stimme nicht in Wirklichkeit bei diesem Lied zu viel? Durch die Reduktion beim Livekonzert und die geniale Interpretation konnte Sarich jedenfalls genau das erreichen, was er oben beschrieben hat. Es war – ein kleiner Moment für die Ewigkeit, den man in Form eines YouTube-Videos vielleicht nachvollziehen kann:

Now we’re turning down the show ..
Turning off the sound …
And turning on the long, sweet, silent symphony …

„Silent Symphony“ ist, Track für Track, ein Erlebnis, was die Konstruktion von Sound betrifft, was den ungemein phantasiereichen Einsatz von Instrumenten angeht, angefangen von der Pontischen Lyra bis hin Klangeffekten, die entstanden, indem man diversen Restmüll als Schlagwerk verwendet hat. Es ist ein modernes Singer-/Songwriter-Album, vielleicht in etwa der Tradition eines Tom Waits, aber mit einer eigenen Qualität. Wer wissen möchte, aus welchen Stimmungen und konkreten Erlebnissen die poetischen Texte entstanden sind, sollte eines der Livekonzerte besuchen, die Drew Sarich im nächsten Jahr geben wird. Durch die kleinen Geschichten, die er zu seinen Songs bei seinen Livegigs erzählt, erschließt sich auch die Bedeutung, die die Texte für ihn haben – was nicht ausschließt, dass man bis dahin einen ganz eigenen Zugang findet. Poesie ist interpretierbar.

Silent Symphony
All Songs written and performed by Drew Sarich
Produced and all additional instrument arrangements, recorded and mixed by Titus Vadon
Mastered by Martin Scheer

Matthias Bartolomey - Cello
Georg Wimmer - Violine
Katharina Steyrleitner - Kontrabass
Isabella Fink - Cello, Pontische Lyra
Antonia-Alexa Georgiew - Violine
Andrea Fränzel - Kontrabass
Manfred Franzmeier - Saxofon
Karin Vadon - Flöte
Ralf Gugel - Bass, Pedal Steel, Slide Guitar
Margit Schoberleitner - Xylophon
Thomas Mora - Bass
Jakob Schell - Kontrabass
Erwin Bader - Reed Organ, Clavinet, Orgel

EAN-Code: 9006472019725
Katalohnr.: ER-001
2011 Endwerk Records
Vertrieb: Hoanzl
Web: www.drewsarich.com

“Everybody Wants To Be A Cat: Disney Jazz, Volume 1” (Walt Disney Records, 2011)

everybody-wants-to-be-a-cat.jpg

600 Songs aus Disney-Filmen, das war die Ausgangsbasis. Das Ziel: die bekannten Hits aus den Animationsblockbustern unser aller Jugend in neuem Gewand zu zeigen, diesmal im Jazzgewand. So neu ist dieses Ziel natürlich nicht. Disneys Filmhits wurden schon in den unterschiedlichsten Stilmäntelchen veröffentlicht, und Disneys Faible für Jazz lässt sich bis in die 1920er Jahre zurückverfolgen. Umgekehrt wählten einige der prominentesten Jazzer der Welt immer wieder Disney-Songs in ihr Repertoire, wie Bunny Berigan, Artie Shaw, Glenn Miller, Louis Armstrong, Dave Brubeck, Miles Davis oder John Coltrane, um nur einige zu nennen. Dieses Mal sollte das Projekt mit aktuellen Jazzgrößen umgesetzt werden. Herausgekommen ist die CD “Everybody Wants To Be A Cat: Disney Jazz, Volume 1” (Walt Disney Records), produziert von Jason Olaine.

Olaine startete vor zwei Jahren mit der Umsetzung und kontaktierte renommierte Jazzmusiker. Der Auftrag an alle Interessierten war, in einem Satz formuliert, einen Disney-Klassiker neu zu interpretieren, in welchem Arrangement und in welchem musikalischen Stil auch immer.

Olaine dazu:

I wanted to get a group of people together who would represent the many styles of jazz, such as getting The Bad Plus for an adventurous take, Regina Carter for a world music-oriented rendering and Joshua Redman for a well-rounded sound. We wanted to get the breadth and depth of what jazz is, as well as represent the generations of players, ranging from Dave Brubeck, who recorded a full album of Disney music, Dave Digs Disney, in 1957, to Nikki Yanofsky, who’s still a teenager.

Zusagen bekam der Produzent von Dave Brubeck, Joshua Redman, Roy Hargrove, Mark Rapp, Dianne Reeves, Roberta Gambarini, The Bad Plus, Nikki Yanofsky, Esperanza Spalding, Regina Carter, Gilad Hekselman, Kurt Rosenwinkel und Alfredo Rodriguez.

Tracklist
01. “Ev’rybody Wants To Be a Cat” [The Aristocats] – Roy Hargrove
02. “Chim Chim Cher-ee” [Mary Poppins] – Esperanza Spalding
03. “Some Day My Prince Will Come” [Snow White and the Seven Dwarfs]– Dave Brubeck
04. “Find Yourself” [Cars] – Regina Carter
05. “You’ve Got a Friend in Me” [Toy Story] – Joshua Redman
06. “He’s a Tramp” [Lady and the Tramp] – Dianne Reeves
07. “Feed the Birds (Tuppence a Bag)” [Mary Poppins] – Kurt Rosenwinkel
08. “Gaston” [Beauty and the Beast] – The Bad Plus
09. “Alice in Wonderland” [Alice in Wonderland] – Roberta Gambrini with The Dave Brubeck Trio
10. “The Bare Necessities” [The Jungle Book] – Alfredo Rodriguez
11. “It’s a Small World” [It’s A Small World] – Nikki Yanofsky
12. “Belle” [Beauty and the Beast] – Gilad Heckselman
13. “Circle of Life” [The Lion King] – Mark Rapp

Bemerkenswert an dieser CD ist beispielsweise, dass es sich um den ersten Tonträger mit einer Aufnahme von Esperanza Spalding nach ihrem Grammy-Gewinn 2011 handelt. Als “Best New Artist” wurde die Künstlerin ausgezeichnet, für Disney interpretiert sie “Chim Chim Cher-ee” aus “Mary Poppins”. Spalding über ihre Wahl:

I’ve always been haunted by this song since I first saw Mary Poppins as a child. It has been such a treat to re-visit this music as an adult and explore the magic of the melody. The melody of ‘Chim Chim Ceree’ is sweet and lilting, yet has a bitter tinge of melancholy. …Finding a way to add to this song without burying the magic of it’s simplicity was challenging.

Einer der prominenten Produzenten dieser CD: Quincy Jones. Unter seiner Obhut entstand Alfredo Rodriguez’ Neuinterpretation von “The Bare Necessities” [The Jungle Book]. Der kubanische Klaviervirtuose liefert ein sensationelles, atemberaubendes Meisterstück.

Die kanadische Jazzsängerin Nikki Yanofsky war gerade mal 15 Jahre alt, als sie ihre Version von “It’s A Small World” eingesungen hat, eine Big-Band-Version, in der sie ihren beeindruckenden Stimmumfang gekonnt demonstriert, mit einer großartigen Scat-Einlage.

Der 90-jährige Dave Brubeck spielte “Someday My Prince Will Come” schon 1957 ein für seine CD “Dave Digs Disney”. 54 Jahre danach sieht er sich in einem swingenden Walzer-Arrangement mit diesem Hit gut aufgehoben, eine klassische Brubeck-Version. Gemeinsam mit Roberta Gambrini ist er auch auf “Alice in Wonderland” zu hören.

Die innovativste Version eines Disney-Hits (”Gaston” aus “The Beauty and the Beast”) liefert sicher “The Bad Plus”: abstrakt, verrückt, wunderbar, eine Mischung aus Dekonstruktion und Verspieltheit. Schon diese Version allein ist es wert, sich die CD zuzulegen.

VBW/HitSquad Records: A Musical Christmas (2010)

hitsquad-musical-xmas-2.jpgJedes Jahr erscheinen zur schönsten Zeit des Jahres Dutzende CDs, die den Zweck verfolgen, die Menschheit weihnachtlich zu stimmen.

Im kleinen Österreich sind die Vereinigten Bühnen Wien fast schon Big Player auf dem Weihnachtssektor, haben sie doch in den letzten vierzehn Jahren gleich drei Weihnachts-CDs mit heimischen Musicalstars auf den Markt gebracht: “Musical Christmas in Vienna” (1996), “Musical Christmas in Vienna 2004″ (2004) und schließlich 2010: “A Musical Christmas”.

Nun ist es am großen kleinen Markt der Weihnachtslieder so, dass das Angebot an stimmungsvollen Songs nicht unüberschaubar groß ist, aber für zehn oder zwanzig CDs würde es allemal reichen.
Die VBW gehen da allerdings ihren eigenen Weg, und so ist es faszinierend, mitzuerleben, dass wir auf diesen drei verschiedenen CDs durchaus teilweise gleichen Content bekommen. “Winter Wonderland” beispielsweise hörten wir 1996 von Kevin Tarte, 2004 kams instrumental aus den Boxen, 2010 singen es Dennis Kozeluh und Uwe Kröger. “White Christmas” sangen Ethan Freeman und Caroline Vasicek 1996, 2004 gabs das Ganze mit Orchester und Chor, 2010 nehmen sich Uwe Kröger und das Ensemble des Songs an. Auch “Stille Nacht” ist auf allen drei CDs vertreten. “Rudolph The Red Nosed Reindeer” hörten wir 1996 von Viktor Gernot und 2010 singt es das Ensemble, “O du fröhliche” gabs 1996 und 2004 … und so weiter, wir wollens ja nun nicht übertreiben. Man könnte allerdings das Ganze so zusammenfassen, dass die Phantasie bei der Auswahl der Lieder eine begrenzte war, in all den vierzehn Jahren.

“A Musical Christmas” (2010) bringt mit Rasmus Borkowski einen Neuzugang im Solistenteam. Das Potential, weihnachtliche Stimmung zu verbreiten, das hat Borkowski sicherlich. Wie schade, dass man ihm in der Neuausgabe der Weihnachtsshow für zwei Soloauftritte Songs “über()lassen” hat, die schon seit Urzeiten im Programm von “Musical Christmas” sind, und noch dazu so gar nicht maßgeschneidert für den Performer klingen. “Driving Home For Christmas” kann Borkowski natürlich singen, das schafft praktisch jeder, aber passt das Lied perfekt zu einem Dreißigjährigen? War es Dennis Kozeluh dieses Jahr einfach leid, sich dieses ein wenig schwermütige Lied nochmal anzutun? Muss man es gebetsmühlenartig jedes Jahr bringen? Wenn man schon Rasmus Borkowski engagiert, warum gibt man ihm dann keine Songs, die zu ihm passen? Warum muss er dann auch noch das altvaterische “It’s Beginning To Look A Lot Like Christmas” singen, zugegeben, ein Klassiker, den schon Perry Como und Bing Crosby (vor 60 Jahren) gesungen haben, aber auch ein Lied, das wir ebenfalls schon bin zum Erbrechen im Rahmen der “Musical Christmas”-Konzerte mit der ewig gleichen und vor allem öden Pelzkappen-Choreographie erleben mussten, die schon den armen André Bauer zur Verzweiflung getrieben hat. Was für eine Verschwedung von Talent.

Andererseits ist “A Musical Christmas”, abgesehen von Teilen der Konzeption, rein von der Aufnahme und Interpretation her mehr als gelungen, und manche Songs, auch wenn man sie schon so oft gehört hat, kommen auf der CD zur Show brillant rüber. Sehr berührend Caroline Vasiceks “Who Would Imagine A King”, fast schon ergreifend Dennis Kozeluh mit “Do You Hear What I Hear”, das wunderbar sich sukzessive steigernd arrangiert ist - fast ein wenig unbedeutend setzt es an, und am Ende ist man regelrecht gefangen, großartig - das Highlight der CD.

Souverän Carin Filipčic und Wietske van Tongeren mit ihren Songs. Tongeren bringt mit dem in holländischer Sprache gesungenen “Koppången” ein ganz eigenes Flair, Filipčic macht das gleiche, indem sie “O Holy Night” auf Französisch singt: “Cantique de Noel”.

Uwe Kröger bringt laut Booklet “My Grown Up Christmas List”, in Wirklichkeit singt er aber seine “Herzwunschliste”, also das Ganze in deutscher Sprache. Wäre im Prinzip egal, wenn die Übersetzung nicht dermaßen übel wäre. So hören wir Passagen wie:

Das Foto ist betagt,
doch ich glaub unverzagt
wie damals ans
Wunschinerfüllunggehen

Ein “betagtes” Foto? Spätestens bei dieser Formulierung ist jeder, der ein Gefühl für die deutsche Sprache hat, aus der Stimmung draußen und müsste laut lachen (und alle, die etwas von Semantik verstehen, wissen, dass “betagt” in Kombination mit “Foto” einfach nicht zu verwenden ist). Das “Wunschinerfüllunggehen”? Unglaublich. Wie simpel und schöner ist da das Original:

Well, I’m all grown up now
And still need help somehow
I’m not a child
But my heart still can dream

Oder, eine andere wunderbare Stelle:

Oft strebst du jahrelang,
das Jackpotknacken an,
doch irgendwann
steht auf dem ersten Rang(?)

Nein, das Jackpotknacken strebt man nicht an, das versucht jeder laufend, wenn er sich ein Scheinchen für die Lottoziehung kauft. Aber vielleicht meint der Übersetzer des Songs ja auch die Mühen, die man auf sich nehmen muss, um zuerst mal das Geld zu verdienen, damit man sich ein Lottoscheinchen kaufen kann. Der zweite Teil des Reims ist akustisch nicht zu verstehen und nicht mal logisch erschließbar. Was steht wo?

Auch hier wieder das wunderbare Original:

So here’s my lifelong wish
My grown up christmas list
Not for myself
But for a world in need

Und noch eine wunderbare Stelle:

Eine Hand in deiner Hand,
ein festes Freundschaftsband,
das Brücken bauen kann.

Metaphern müssen auch Sinn machen, ein Freundschaftsband (und da muss man sich nun als Übersetzer schon entscheiden, ob man einen Metaphernteil bauen will, oder wieder abstrakt werden möchte) baut keine Brücken. All diese Formulierungen und falsch konstruierten Metaphern funktionieren so nicht. (Im Original: No more lives torn apart/That wars would never start/and wars would never start)

Was die Aufnahme dieses Songs betrifft, so klingt die “Herzwunschliste” nach verdammt viel Synthesizer und setzt sich qualitätsmäßig deutlich von allen anderen Songs auf dieser CD ab, in negativem Sinn. Viel besser: Krögers “White Christmas”, aber auch hier: Das gabs schon 2009, also nichts Neues.

Sicher eine gute Idee war es, zumindest ein neues deutschsprachiges Lied ins Programm aufzunehmen. “Christkind versus Weihnachtsmann”, komponiert von Alexander Wagendristel, getextet von Sigrid Brandstetter, interpretiert von Rasmus Borkowski und Caroline Vasicek. Die jazzige Nummer ist jedoch reimmäßig stellenweise recht platt. Trotzdem, ein bisschen Pepp am Ende des Programms tut der CD sehr gut.

A Musical Christmas
VÖ: 12.11.2010
Label: HitSquad Records

Es singen: Uwe Kröger, Carin Filipčic, Caroline Vasicek, Wietske van Tongeren, Rasmus Borkowski und Dennis Kozeluh.

Ensemble: Bettina Schurek, Tina Schöltzke, Katrin Mersch, Marion Furtner, Terry Chladt, Philipp Kreinbucher, Robert Weixler und Markus Pol.
Es spielt das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien
Musikalische Leitung & Dirigent: Koen Schoots
Musikalische Einstudierung: Carsten Paap

Tracklist
01. A Christmas Song - Carin Filipcic
02. Driving Home For Christmas - Rasmus Borkowski
03. When Christmas Comes To Town - Wietske van Tongeren & Carin Filipcic
04. My Grown Up Christmas List - Uwe Kröger
05. Winter Wonderland - Dennis Kozeluh & Uwe Kröger
06. Koppången - Wietske van Tongeren
07. Who Would Imagine A King - Caroline Vasicek
08. Christmas Medley…Uwe Kröger, Wietske van Tongeren, Dennis Kozeluh, Carin Filipcic, Rasmus Borkowski, Caroline Vasicek, Ensemble (”Let it Snow”, “Rocking Around The Christmas Tree”, “Rudolph The Red Nosed Reindeer”, “Grandma Got Run Over By A Reindeer”)
09. Polarexpress - Dennis Kozeluh, Ensemble
10. White Christmas - Uwe Kröger, Ensemble
11. Do You Hear What I Hear - Dennis Kozeluh mit Ensemble
12. cantique de noel - Carin Filipcic & Wietske van Tongeren
13. It’s Beginning To Look A Lot Like Christmas - Rasmus Borkowski, Ensemble
14. Gabriella’s Song - Carin Filipcic, Ensemble
15. Stille Nacht - Ensemble
16. Christkind versus Weihnachtsmann - Caroline Vasicek & Rasmus Borkowski, Ensemble

Armin Kahl & Chris Murray: Musical Meets Jazz [2010]

wartburg.jpgLiveaufnahmen sind ein heißes Thema, es gibt sie ja heute kaum wirklich, also die “ehrliche”, echte Liveaufnahme, die, bei der man das hört, was man im Theater oder im Konzertsaal, der Konzerthalle hört, gehört hat, hören kann. Wer heutzutage eine Liveaufnahme auf den Markt bringt, hat sich meist in einem Tonstudio akustisch rundumerneuern lassen. Da wird alles rausgefiltert, was irgendwen stören könnte, der Applaus abgedämpft, die Stimmung zerstört, nur um ein Kunstprodukt dann an der Hand zu haben, das alles andere als “live” klingt. Bei Liveaufnahmen von Musicals hat man, selbst wenn der Sänger auf der Bühne mal wieder Mist baut, mal wieder erkältet oder was auch immer ist, am Ende zumindest den Orchesterpart kostengünstig im Kasten, der Rest ist reparierbar mit einigen Sondersitzungen im Tonstudio des Vertrauens.

Da ist es doch geradezu eine erfrischende Abwechslung, wenn eine Live-DVD auf den Markt kommt, die tatsächlich “live” wirkt und ist. Die DVD “Musical Meets Jazz” bietet einen Mitschnitt jenes Benefizkonzerts, das am 16. Oktober 2009 im Festsaal der Wartburg für das stationäre Hospiz „Sankt Elisabeth“ Eisenach über die Bühne ging. Als Veranstalter fungierte der Caritasverband für das Bistum Erfurt e. V. im ökumenischen Geist in Eisenach, die Solisten waren Chris Murray und Armin Kahl, unterstützt von Constanze Eschrig, Sylvia Weisheit, Hannes Schauz am Flügel und der Wolf Friedrich Big Band Jena. Mit einem Teil des Erlöses aus dem Verkauf der Live-DVD soll das Hospiz in Eisenach weiter unterstützt werden.

“Musical Meets Jazz” lautete das Motto des Abends, und es war tatsächlich ein “Aufeinandertreffen” von Welten. Die Big Band spielte Jazz, und bei einer Nummer, “Fly Me To The Moon”, fand das Treffen von Jazz (Big Band) und Musical (Chris Murray) auch tatsächlich statt. Im Verlauf des weiteren Abends wurden die beiden Solisten Murray und Kahl am Flügel, großteils ohne Big Band, begleitet, und das war durchaus eine gute Entscheidung.

Chris Murray interpretierte einige der Big Shots der Musicalszene wie “Das Mädchen von früher” (”The Scarlet Pimpernel”), “Jung, schön und geliebt” (”Evita”), “Dies ist die Stunde” (”Jekyll & Hyde”), “Der unmögliche Traum” (”Der Mann von La Mancha”), “Musik der Nacht” (”Das Phantom der Oper”) oder “Gethsemane” (”Jesus Christ Superstar”). Murray erwies sich dabei als sehr passionierter Sänger, da war jeder Ton ein Treffer, wenngleich Mimik und Gestik sehr ähnlich waren - von Lied zu Lied. Dass dies etwas zu sehr auf der Aufnahme auffällt, liegt zum Teil daran, dass aus Kostengründen mit nur einer einzigen Kamera aufgezeichnet wurde. Vor Ort hatte man gewiss einen ganz anderen Eindruck.

Armin Kahl hat sich ein paar leichtfüßigere Titel für seinen Programmpart gewählt wie “Wer ich wirklich bin” (”Tarzan”) und ein paar echte Songperlen wie “Old Red Hills of Home” (”Parade”), “Lonely House” (”Street Scene”) oder “Barrets Lied” (”Titanic”). Mit “Surprise” hat er sich eher einen Bärendienst erwiesen, denn das kommt zwar blendend gesungen, aber “Surprise” (”A Chorus Line”) ohne Tanzeinlage ist … sagen wir ungewöhnlich.

Den Mantel des Schweigens breiten wir lieber mal über die Performances der Damen des Abends und darüber, wie die Band wirkt. Wer die DVD käuflich erwerben sollte, was ich hiemit empfehle, möge sich seine eigene Meinung dazu bilden.

Mark Seibert: Musicalballads - Unplugged [2010]

seibert_.jpgFür seine erste Solo-CD hatte sich Musicaldarsteller Mark Seibert ein feines Konzept ausgedacht: Er wollte seine Lieblings-Popnummern, speziell arrangiert, einspielen. Nun wäre das an sich für einen Musicalsänger nichts Neues. Pop-CDs, Rock-CDs etc. von Musicaldarstellern kennen wir, allerdings in die Charts kommen sie nur bedingt, und wenn der Stil der Interpretationen allzu sehr von dem abdriftet, worauf der betreffende Sänger seine Karriere aufgebaut hat, wird es allzu oft schon gar nichts mit dem angestrebten Erfolg. Selbstverwirklichung ist ein schönes Konzept, aber es gibt auch Darsteller, die mit ihren Tonaufnahmen ein breites Publikum erreichen wollen.

Also hat sich der Musicaldarsteller Mark Seibert schließlich doch dafür entschieden, Musicalsongs aufzunehmen. Musicaldarsteller - Musicalsongs, einfache Sache. Wichtig war es ihm, nicht von Synthesizern begleitet zu werden, sondern echte Musiker an seiner Seite zu haben. Die von ihm ausgewählten Musicalballaden sollten live & unplugged rüberkommen. Bei der Besetzung der Band spielte nicht zuletzt, wo nicht, das Budget eine große Rolle. Orchester wäre nett gewesen, aber die VBW kosten dann doch mehr, als Seibert als Produzent zur Verfügung stand, und wie sollte er sich dann bei Liveauftritten begleiten lassen?

Ein gutes Marketingkonzept - es müssen ja auch Käufer gefunden werden - sind Duettpartner. Am besten Publikumslieblinge. Seibert hat ein paar gute Freunde eingeladen, wie Ana Milva Gomes, Willemijn Verkaik, Lukas Perman und Emma Hunter. Und auch Thomas Borchert ist dabei, ein Kollege, kein Freund, der beim gleichen Management unter Vertrag ist. Der Etablierte hat sich bereiterklärt, dem jungen Padawan mit seinem Namen zur Seite zu stehen. Das ist sympathisch. Jeder Duettpartner bringt potentielle Käufer mit ins Boot, ein Mann wie Borchert ein paar mehr. Das ist, neben dem künstlerischen, eben auch ein simpler kaufmännischer Aspekt.

“She’s like the Wind” ist es dann geworden, das Duett von Mark Seibert mit Thomas Borchert. Und wenn man die CD an internationalen Standards messen wollte, was man eigentlich immer machen sollte, hätte es die Nummer so nie auf eine CD schaffen dürfen. Das liegt nun nicht daran, dass Thomas Borchert und Mark Seibert es nicht zusammenbringen könnten, eine gute Aufnahme des Songs einzusingen, nur unter den gegebenen Umständen wohl dann doch nicht. Wie lief das Ganze ab? Wir versuchen uns das Ganze mal vorzustellen: Zuerst wurde, ganz normal, der Instrumentalpart für die CD eingespielt und aufgenommen, danach kamen die Gesangsparts dran. Seibert sang in Berlin seinen Teil ein, ohne zu wissen, was Borchert zeitversetzt in Wien im MG Sound Studio einsingen würde. Niemand hat dem guten Thomas Borchert, der gern mal mit einer Energie an Lieder rangeht, dass man meinen könnte, er würde am liebsten gleich das Mikro zerbeißen, wohl gesagt, wie man die Nummer anlegen wollte. Vielleicht war das in Wien gar niemandem klar. Interessant wäre es, zu erfahren, was sich die Tontechniker gedacht haben, die für den Endmix verantwortlich waren. Aber das werden wir wohl nie erfahren. Das Interessante ist, dass sich die meisten Rezensenten dieser CD auf das Duett “She’s like the wind” eingeschossen haben, und dass sich alle einig sind, Borchert trage die Schuld. Ich bin da eher der Ansicht, dass man beim Briefing gepatzt hat oder es gar keines gegeben hat, nach dem Motto: “She’s like the wind”, was soll da schon schiefgehen?

Für Sänger ist eines entscheidend, das ist so simpel und doch so schwer: die Songauswahl. Bei Mark Seiberts CD kann man Ansätze einer guten Songauswahl erkennen. So setzt er beispielsweise auf den aktuellen Broadwayhit “Next To Normal”. Für mich wäre eine Songauswahl dann perfekt, wenn sie imstande ist, dem jungen, sehr heutigen Sänger auch ein solches Image zu verleihen. Das wird mit ganz alten Hadern aus der “West Side Story” und mit völlig belanglosem Krempel aus dem Disney-Katalog wie “Aida”, “Hercules” und “Tarzan” schwer klappen. Ein Disney-Faible zu haben, ist eine Sache, aber dann wäre doch ein ganz neuartiger Zugang etwas spannender gewesen.

“Sunset Boulevard” kommt an sich gut interpretiert daher, aber an ein, zwei Stellen etwas unsauber intoniert. Da gibt es zu viele perfekte Aufnahmen am Markt, um das so rauszuschicken. Andere Songs klingen wie maßgeschneidert für Seibert. So passt “Du bist meine Welt” aus Frank Wildhorns “Rudolf” perfekt. Manche Lieder, die man sich vielleicht nicht gerade wünschen würde, wenn man die Wahl gehabt hätte, werden durch den einen oder anderen Duettpartner interessant, so beispielsweise “Moon River”, das Seibert gemeinsam mit Lukas Perman singt. Kein Musicalsong, aber man sollte dieses Duett wohl eher als Bonustrack werten, denn als Bestandteil des CD-Konzepts. Was “Moon River” betrifft, so stelle ich mir den Dialog zwischen Seibert und seinem Produzenten (wobei das dann ein Innerer Monolog gewesen sein müsste) ungefähr so vor:
Seibert: “Und mit dem Lukas sing ich Moon River, eine unserer Lieblingsnummern.”
Produzent: “Kommts Burschn, das is nicht euer Ernst.”
Es mag sicher einen netten Insider geben, warum “Moon River” auf dieser CD gelandet ist, ganz verständlich ist eine solche Songauswahl nicht. Interpretiert ist das Lied sehr schön. Auch da dürften die beiden Sänger nicht im selben Studio eingesungen haben, aber im Gegensatz zu Thomas Borchert hat Lukas Perman wohl nicht den Drang, Duettpartner einfach umzublasen.

Das Schlimmste dieser Produktion: die Arrangements. Je länger man sich in die Songs dieser CD vertieft, desto stärker gelangt man zu der Überzeugung, dass es sich dabei eigentlich ebenso um eine Debüt-CD des Violinisten Martin Funda handeln könnte, der sich für dieses Projekt ein paar Sänger ins Studio geholt hat. Die Violine ist zu dominant, das Cello ebenso. Beispiel: “She’s like the wind”. Wenn diese Aufnahme überhaupt eine gewisse Spannung erreicht, dann ausschließlich durch die Kraft, die Thomas Borchert in das Lied bringt, während rund um die Stimmen ein esoterisch angehauchtes Geigerl herumplätschert. Vielleicht hat Thomas Borchert das ja dermaßen genervt, dass er mit Absicht ein wenig zu viel Drive in seine Darbietung gelegt hat. Auch bei “No One But You” kann niemand sagen, was das beständige, fast ein wenig flat klingende Geigerl andauernd soll. Schlimmstes Beispiel: “Gethsemane”. Während Seibert eine überzeugende Gesangsleistung bietet, ist man beim Geigerl ratlos. Was ist dem Arrangeur da eingefallen? Fast hat man vor Augen, wie Jesus am Kreuz noch “Komm, Zigan, komm, Zigan, spiel mir was” ruft, so sehr lenkt dieses sinnlose Gestreiche vom eigentlichen Lied ab. Lied für Lied dasselbe Trauerspiel. Kaum klingt ein Arrangement wirklich gut, wie bei “Du bist meine Welt”, fängt ein unverständlich dominant reingemischter Geigenpart die Stimmung ab. Die Sänger müssen teilweise fast um ihr Leben singen.

Eine kleine Bemerkung zum Cover: völlig einfallslos, das Foto völlig belanglos, nicht sympathisch, nicht gewinnend. Nehmt doch Leute vom Fach für solche Shootings. Eine CD verkauft sich auch durchs Cover. Mark Seibert schaut auf seiner ersten Solo-CD in Schwarz und Weiß getränkt in die Vergangenheit. Was für eine verquere Aussage, was für ein schlechtes Image, auch im wortwörtlichen Sinne.

Fazit: Trotz allem eine gelungene CD, seit 23. April 2010 auch über MG-Sound Music Supply in Österreich erhältlich.

Mark Seibert: Musicalballads - Unplugged [2010]
Label: som
Ean: 4260182940044
Catalogue: somcd 045
PC: MG 250
Packaging: CD
Release: 23.04.2010

Tracks
01. You‘ll Be In My Heart (Disney‘s Tarzan)
02. No One But You (We Will Rock You)
03. She’s Like The Wind (Dirty Dancing) mit Thomas Borchert
04. Maria (West Side Story)
05. Solang ich Dich hab (Wicked - Die Hexen von Oz) mit Willemijn Verkaik
06. Sunset Boulevard (Sunset Boulevard)
07. I Will Be There (The Count Of Monte Cristo) mit Willemijn Verkaik
08. Go The Distance (Disney‘s Hercules)
09. Durch das Dunkel der Welt (Aida) mit Ana Milva Gomes
10. Gethsemane (Jesus Christ Superstar)
11. Du bist meine Welt (Rudolf - Affaire Mayerling) mit Ana Milva Gomes
12. A Light In The Dark (Next To Normal) mit Emma Hunter
13. Moon River (Breakfast at Tiffany‘s) mit Lukas Perman

Credits
Arrangements & Musikalische Leitung: Markus Syperek
Violine: Martin Funda
Cello: Jonathan Weigle
Bass: Guido Großmann
Drums, Percussion: Benjamin Ulrich
Gitarre: Greg Dinunzi
Piano: Markus Syperek
Vocal Coach: Christian Schleicher
Recording: Marcus Gorstein, Playground Records, Berlin
Mix: Martin “Atomic” Bohm, MG Sound Studios Wien
Mastering: Werner Weitschacher, MG Sound Studios Wien
Aufgenommen am 2., 3., 7., 8., 9. und 10. November in Berlin
Fotos: Karim Khawatmi, www.ilight-photography.com
Artwork: Sascha Oliver Bauer
Produced by: Mark Seibert

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Das Leben ist schön! Absolut, Uwe

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Etwas mehr als eineinhalb Stunden Schönklang schenkt uns Uwe-Fans MG-Sound/HitSquad Records mit der DVD-Veröffentlichung “Absolut Uwe”. Das Label bietet beeindruckende Ton- und Bildqualität, dem Meister kommt kein Missklang aus, das Ganze ist wunderbar … sagen wir abgemischt. Und wenn wir schon beim Abmischen sind: Das Interessanteste an “Absolut Uwe” ist sicher das absolute Geheimnis der Tonspur. Obwohl, was soll da schon so Geheimnisvolles dran sein?

Wie bei den meisten Künstlern hat man für diese DVD einfach live mitgeschnitten und ein bisschen was bearbeitet, das wars. Natürlich, ein klein wenig Bearbeitung muss sein, man kann keinem Künstler zumuten, ein Produkt quasi als Visitenkarte auf den Markt zu bringen, das nicht zumindest den Anschein erweckt, so produziert worden zu sein, dass es perfekt ist, absolut perfekt sozusagen, im Rahmen der Mittel. Ich meine, Uwe ist nicht Elvis, und “wirklich absolute” “Live”-DVDs sind doch sowieso nicht mehr als ein Mythos, oder?

Was die Performance von Uwe Kröger betrifft, so gut hat man den Meister ja in den ganzen letzten neun Jahren nicht mehr gehört. Absolut glauben wir ihm, dass er das live genau so gebracht hat. Absolut sind wir überzeugt, dass hier nicht im Tonstudio fast an jedem Song da ein bisschen geschnipselt und dort ein bisschen akustisches Botox injiziert wurde. Und selbst wenn, wer kommt heute ohne Botox und Augenlidstraffung aus. Ich meine, man muss ja schon froh sein, wenn man das Ganze nachher noch wiedererkennt - oder in real life, wenn der/die Betroffene nachher die “behandelten” Augen noch ganz zubekommt. Hach, so ist das eben im Künstlerleben. Showbusiness! Tadaaa!

Nie könnte man auf die Idee kommen, ein Bild vor sich zu haben, in dem Uwe Kröger seine eigene Performance quasi lippensynchron, in wochenlanger Kleinarbeit Take um Take, wieder und wieder einsingt, bis dann genügend Schnipsel vorhanden sind, um ganze Szenen zusammenzusetzen. Das wäre ja kompletter Irrsinn. Wenn man da und dort Uwe Kröger den Mund bewegen sieht, obwohl man ihn nicht singen hört, so liegt das am trockenen Auge des Betrachters. Absolut klar ist das allen. Wer wird sich über ein paar “babababaabdudbidu” bei zum Beispiel “Bin nur für die Liebe da”, die da zu wenig auf der Tonspur sind, schon beschweren. Es gibt ja afrikanische Künstler, die können irre Dinge mit ihren Stimmbändern machen, und vielleicht kann Uwe das auch. Nö, Uwe ist wieder absolut da und wird uns das total beweisen, bei seinen Konzerten im Sommer. Denn da wird er genauso gut singen wie auf DVD, denn die ist ja live, absolut live, und krank wird er diesmal sicher nicht vor der Vorstellungsserie, schließlich gibt es jetzt niemanden mehr, der helfend mit “Tralala, gerne opfert man einen Ton für eine Emotion” einspringt. Bis dahin hat er dann auch sein Ensemble zu Übungen verdonnert, damit es ohne all die schiefen Töne den Wohlgesang des Meisters adäquat unterstützt. Dass auf der DVD das Ensemble beispielsweise beim “Fame”-Medley derartig jenseitig performt, dass man sich nach dieser Sequenz gern mal eine Pinkelpause genehmigt, mein Gott. Es ist das Ensemble - so wichtig war es nicht, wirklich ALLES perfekt zu machen. Das liegt absolut nicht daran, dass Studiozeit Geld kostet, und das Ensemble etwa nicht wichtig genug wäre, um einige Stellen neu einzusingen, das ist einfach sagen wir mal passiert.

Die Frage ist auch, wieviel von dem, was nach dem Konzert im Tonstudio nicht neu aufgenommen wurde, nicht vorher schon als Playback existierte und einfach eingespielt wurde. Des Öfteren ist Uwe Kröger allein auf der Bühne und ein gar wunderbarer Chor begleitet ihn, allein, der Künstler ist tatsächlich allein auf der Bühne mit seiner Band - ohne “Ensemble”. Dass man sich da denken muss: “Ahja, klassischer Playback-Titel”, liegt das nicht auf der Hand? Vielleicht vermeiden die meisten Künstler bei Live-Konzerten daher solche Szenen. Naja, egal. Ist eben passiert, war ja nicht viel Zeit zum Proben, Ramesh Nair gab die Choreografie ab, Simon Eichenberger musste übernehmen, Vincent Bueno sagte seine Teilnahme ab - und dann noch der Stress aus lauter Freude über den Vorverkaufsrekord. Da musste man noch schnell eine Eilmeldung an die Medien rausformulieren, die dann folgendermaßen lautete:

“Absolut Uwe“ erzielt absoluten Kartenverkaufsrekord! In nur zwei Wochen konnten beinahe 1000 Tickets für Uwe Krögers Sologeburtstagskonzert am 4.12. in der Wiener Stadthalle abgesetzt werden.

Na ist das nicht super? 1000 Tickets in zwei Wochen. Mal überlegen, wenn andere das Praterstadion in 10 Minuten ausverkaufen, wieviel Stadien würden die dann in zwei … Nein, das ist doch unfair. Und überhaupt, sicher hat ja das Ensemble absolut live von der Kantine aus gesungen … oder so.

Aber gehn wir weg vom Geheimnis der Tonspur. Die DVD hat zwei Highlights. Das eine: Pia Douwes generell und vor allem mit “All That Jazz“, das zweite: Uwe als Tänzer. Ja ehrlich, das hat was. “Dancing fool” aus Barry Manilows “Copacabana” ist schwungvoll, es ist mitreißend choreografiert und voller Elan auch von Uwe Kröger getanzt. Douwes’ “All that Jazz” ist der klassische Showstopper. Da merkt man jedes Mal, was für ein Genie Bob Fosse war, da hat auch MG Sound mit sehr guter Schnittarbeit zur tollen Wirkung beigetragen. Aber weil wir schon bei Barry Manilow sind. Ein paar Mitschnitte von Shows des legendären Entertainers sollte sich Uwe noch reinziehen. Kröger ist sicher auf gutem Weg zum Status eines Entertainers, wären da nicht manche noch ein wenig geschraubt klingende Moderationen. Würde da noch manches etwas natürlicher kommen und nicht im einstudierten Tonfall “Mr. de Winters”, wäre schon viel gewonnen. Szenenfolgen wie die völlig abstruse, wenig lustig erzählte und nicht auf den Punkt inszenierte “Kofferszene” und das darauf folgende mit Pathos zum Bersten gespickte “Stern” aus “Les Misérables”, das ungefähr das letzte Lied ist, das darauf passen würde - da kann man einfach nur sprachlos warten, bis das Entsetzen nachlässt. “Vater und Sohn” dagegen, ein Lied von Udo Jürgens, “Is it okay if I call you mine”, das sind Stilrichtungen, die Uwe Kröger vielleicht verstärkt in sein Repertoire aufnehmen sollte. Und Musical hat weit mehr zu bieten als “Das Phantom der Oper” oder “Les Misérables”, zwei Shows, mit denen Kröger live, und das mal ganz ohne Ironie: wirklich live, nicht mehr punkten wird können. Das ist ja das wahre Ärgernis, das hinter dieser DVD steckt. Sie täuscht etwas vor, was de facto nicht (mehr) existiert. Wenn die Fans damit leben können, ist das schön, aber nur mit seinen Fans wird Uwe Kröger auf Dauer keine Tourneen ausverkaufen. Er muss - als Sänger - LIVE mit stimmlicher Qualität überzeugen.

Die DVD hat auch bemerkenswerte Tiefpunkte. Ich beispielsweise habe noch nie erlebt, dass ein Darstellerensemble einen Showstopper wie “Let the sunshine in” dermaßen versenkt, wie es hier auf der DVD passiert. Die Choreografie wirkt peinlich, es ist auch absolutes Unvermögen zu spüren, das Publikum mitzureißen. Eines ist mal klar: Bei einer solchen Nummer hat am Ende der Sequenz keiner mehr zu sitzen. Bei “Absolut Uwe” saßen sie alle. Und man kann es ihnen nicht verübeln. Man wende sich an Rob Fowler. Er hat es im kleinen Finger, Performances so zu gestalten, dass die Zuschauer vor Begeisterung rasen.

Uwe Kröger konzentriert sich derzeit laut eigenen Angaben voll auf Auftritte mit dem Programm “Absolut Uwe”. Im Sommer stehen einige Konzerte in Österreich auf dem Programm, im Winter eine Deutschlandtournee. Die derzeit aktuellen Termine:

05.08.2010: Kufstein/Festung (mit Pia Douwes)
06.08.2010: Finkenstein/Burgarena (mit Pia Douwes)
07.08.2010: Tulln/Donaubühne
25.08.2010: Graz/Open Air Gelände/ Messehalle A

11.11. bis 28.11.2010: Deutschlandtournee (mit Annemieke van Dam)

Auch eine Autobiographie will Uwe Kröger veröffentlichen. Er schreibt, so die Formulierung, die der Sänger unlängst in der ORF-Show “Frühlingszeit” verwendet hat, er schreibt also selbst und lässt nicht schreiben, davon muss man jedenfalls nach dieser Aussage ausgehen. Man darf gespannt sein.

DVD: Absolut Uwe
VÖ: 19.3.2010
Label: HitSquad Records
Laufzeit: ca. 110 Min.

Tracklist

01. Chicago Ouvertüre (Chicago)
02. Bin nur für die Liebe da (Chicago)
03. Born free (Born free – Frei geboren)
04. California Dreamin’ – The Mamas and The Papas
05. Is it okay if I call you mine (Fame)
06. Hair Medley (Hair)
07. Starlight Express (Starlight Express)
08. Stern (Les Misérables)
09. Fame Medley (Fame)
10. Time of my life (Dirty Dancing)
11. Erinnerung (Cats)
12. Wenn ich tanzen will (Elisabeth)
13. Ich gehör nur mir (Elisabeth)
14. Der letzte Tanz (Elisabeth)
15. Goldfinger (James Bond)
16. Diamonds are forever (James Bond)
17. Unchained Melody (Ghost – Nachricht von Sam)
18. All I want
19. Vater und Sohn – Udo Jürgens
20. All that Jazz (Chicago)
21. Die Musik der Nacht (Das Phantom der Oper)
22. Das Phantom der Oper (Das Phantom der Oper)
23. Life is just a bowl of cherries (Fosse)
24. Dancing Fool (Copacabana)
25. The wind beneath my wings (Beaches – Freundinnnen)
26. Sweet Transvestite (The Rocky Horror Show)

27. Meine Herzwunschliste – My grown up Christmas List
28. Uwe Krögers privates Fotoalbum

PS: Kleine Anmerkung noch: Man kann mich ja gerne widerlegen und die Originaltonspur zum Download bereitstellen, dann hören wir uns das alle gemeinsam noch mal durch. Ansonsten, einfach mal darauf achten, wenn jemand schreibt “der Großteil klingt so wie im Konzert”.

PPS: Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit, Existenzberechtigung dieses Blogs und worüber wir nicht sonst noch alles anhand von Uwe Kröger reden könnten, scheint dieses Mal ausgelagert in der Musicalzentrale über die Bühne zu gehen. Greifen Sie sich ein Cola und ein paar Fritten, zur Vorstellung gehts –> hier

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Hari Baumgartner & Akustix: “Die stillste Zeit” - die schönste Weihnachts-CD 2009

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Deutschsprachige Weihnachts-CDs sind rar. Kaum jemand traut sich, abgesehen von Chören und Volksmusik- und Schlager-Heroes wie Roland Kaiser (”Besinnliche Weihnachten”, 2009) oder Tony Marshall (”Weihnachten mit Tony Marshall”, 2009). Versuche, Musicalsänger mit einer Weihnachts-CD am Markt zu platzieren, sind schon bei der Titelfindung baden gegangen. Wer eine willkürliche Schar an Musicalsängern “Giganten des Musicals” nennt, dem ist eben nicht zu helfen.

Und doch, es gibt sie, die deutschsprachige Weihnachts-CD-Neuerscheinung 2009, die nicht im Schlager, nicht in der Volksmusik angesiedelt ist, sondern tatsächlich einerseits im authentisch interpretierten Weihnachtslied-Genre und andererseits im leicht jazzigen Xmas-Genre, aber auch da deutschsprachig. Hari Baumgartner & Akustix haben mit “Die stillste Zeit” (Hörproben –> hier) dieser Tage die wohl schönste weihnachtliche Scheibe auf den Markt gebracht.

Baumgartner, 1984 geboren, studierte Jazzgesang an der Konservatorium Wien Privatuniversität sowie an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz. Er ist sowohl mit der 2005 gegründeten Formation Akustix unterwegs als auch solo. Als Solo-Jazzsänger wurde und wird er von Marianne Mendt gefördert. Was Baumgartner auszeichnet, ist die außergewöhnliche nennen wir es jubilierende Kraft seiner reinen, hellen Stimme. Das zeichnet auch alle Songs auf “Die stillste Zeit” aus. Da ist ein Sänger, der Lieder gestalten kann, der die Songs gekonnt steuert und bis zu einem Punkt steigert, wo er das Publikum oder den Zuhörer in der Hand hat, der den uns allen bekannten Standards wie “Ihr Kinderlein kommet” oder “Es wird scho glei Dumpa”, “Still Still” und “Oh du fröhliche” einerseits eine kleine Dosis Jazz verpasst, andererseits unglaublich “offenherzlich” und lieblich an diese Lieder herangeht, dass es eine reine Freude ist, zuzuhören.

Live sind Hari Baumhartner und Akustix in nächster Zeit mit ihrem Weihnachtsprogramm in folgenden Städten zu sehen:

16.12 - 20.00 - Tiempo, Johannesgasse Wien
18.12 - 20.00 - „Silent Night, Heilige Nacht“ – Altes Kino, Attnang
19.12 - 20.00 - „Budenzauber“ – YouZ, Südtirolerstraße Linz
20.12 - 16.00 - „Silent Night, Heilige Nacht“ – Kulturzentrum Timelkam
23.12 - 20.00 - „Weihnachts Special“ Kino Bad Ischl

Einfach mal über die Homepage der Gruppe die CD bestellen (–> hier) und auch live dabei sein. Und weitersagen. Es lohnt sich.

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