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Archiv - Juli, 2010

Stadttheater Klagenfurt: Miss Saigon mit Carsten Lepper

Am 03. Februar 2011 geht die österreichische Erstaufführung des Boubil/Schönberg-Musicals “Miss Saigon” über die Bühne des Stadttheaters Klagenfurt. Die Rolle des als US-GI Chris wird Carsten Lepper übernehmen. Probenstart ist Mitte Dezember. Regie führt Matthias Davids.

Stadttheater Klagenfurt: Miss Saigon (Österreichische Erstaufführung)
Musical in zwei Akten

Zum Inhalt

Der amerikanische GI Chris verliebt sich während seiner Stationierung in Saigon in die Nachtclubtänzerin Kim. Ihre Liebesbeziehung wird jäh unterbrochen, als der Vietcong die Stadt erobert und alle amerikanischen Soldaten abgezogen werden. Zurück bleibt Kim, die einige Zeit später ihren Sohn Tam zur Welt bringt. In seiner Heimat versucht Chris, das Trauma des Krieges sowie den Verlust seiner „Miss Saigon“ zu verarbeiten, indem er eine andere Frau heiratet. Als er jedoch erfährt, dass Kim ihm einen Sohn geboren hat, macht er sich mit seiner Frau Ellen auf die Suche nach Mutter und Kind. Als Kim erkennt, dass es für sie keine gemeinsame Zukunft mit ihrem ehemaligen Geliebten in Amerika geben kann, gibt es nur noch einen Ausweg. Zumindest für Tam soll sich so ihr amerikanischer Traum verwirklichen.

Musik: CLAUDE-MICHEL SCHÖNBERG
Gesangstexte: RICHARD MALTBY JR. und ALAIN BOUBLIL
Basierend auf den originalfranzösischen Gesangstexten von ALAIN BOUBLIL
Zusätzliches Material von RICHARD MALTBY JR.

Deutsche Übersetzung: HEINZ RUDOLF KUNZE
Orchestrierung: WILLIAM DAVID BROHN
Premiere 3. Februar 2011

Musikalische Leitung: Michael Brandstätter
Regie: Matthias Davids
Choreographie: Melissa King
Bühne: Hans Kudlich
Kostüme: Magali Gerberon
Lichtgestaltung: Michael Grundner
Choreinstudierung: Günter Wallner
Dramaturgie: Heiko Cullmann
Chor des Stadttheaters Klagenfurt
Kärntner Sinfonieorchester

Londoner Originalproduktion von CAMERON MACKINTOSH
Die Übertragung des Aufführungsrechtes für Österreich erfolgt in Verabredung mit Josef Weinberger Ltd im Namen von Music Theatre International und Cameron Mackintosh Ltd.;
Bühnenvertrieb für Österreich: Josef Weinberger Wien, Ges.m.b.H.

Einführungsmatinee 23. Januar 2011; Moderation Heiko Cullmann; Bühne

Jason Robert Brown live in Hamburg

“Songs For A New World”, “13″, “The Last Five Years”, “Urban Cowboy”, “Parade” - das sind nun wahrlich nicht die letzten bombigen Smashhits des Broadways, und Jason Robert Brown, ihr Schöpfer, wird sich noch keinen Reichtum mit seinen Musicals verdient haben bis jetzt. Aber wenn Reichtum auch das ist, was man mit jedem Musical als “Ruf” dazugewinnt, dann hat der Musiker und Komponist schon viel geschafft.

Trotzdem, man tut JRB sicher nichts Gutes, und es ist ein wenig ärgerlich, wenn man ihn als “den” Erfolgskomponisten des Broadways verkauft, und schön langsam könnte man auch aufhören, von einem “Newcomer” zu reden.

Lassen wir einfach mal die Fakten sprechen:

- “Parade”, Musik und Texte von JRB, kann auf 39 Previews und 85 Vorstellungen (1998/1999) verweisen.
- “Urban Cowboy”, eine Show, für die JRB einige Songs geschrieben hat, leitete er am Broadway als Musikalischer Direktor, und er war als Arrangeur verantwortlich. Die Show brachte es auf 25 Previews und 60 Vorstellungen (2003).
- “13″, Musik und Texte von JRB, waren 22 Previews und 105 Vorstellungen gegönnt (2008/09).

Und das war sie, die bisherige Broadwaykarriere von Jason Robert Brown. Seine beiden Shows “Songs For A New World” und “The Last Five Years” waren ausschließlich am Off-Broadway zu sehen. Und auch da waren die Laufzeiten, sagen wir überschaubar:

- “Songs For A New World”: 11. Oktober bis 5. November 1995
- “The Last Five Years”: 3. März bis 5. Mai 2002

Was also Ralf Schaedler dazu veranlasst, auf der Website seiner Firma RE:PRESENT Jason Robert Brown wie folgt zu biographieren, wir werden es nie erfahren:

Jason Robert Brown zählt im internationalen Musiktheater-Business zu den erfolgreichsten Komponisten und Autoren. Seine Konzerte in der »Royal Albert Hall« in London sind innerhalb weniger Stunden ausverkauft - Songs wie »Stars and the Moon« gehören mittlerweile zum Standard-Repertoire eines jeden Musical-Darstellers. Der New Yorker Komponist feiert mit »Songs For A New World«, »13«, »The Last Five Years« oder »Parade« weltweit nicht nur auf dem Broadway riesengroße Erfolge. »Parade« - die Geschichte um den jüdischen Fabrikanten Leo Frank - erhielt 1999 einen Tony Award.
Kurzum: Jason Robert Brown ist der große Newcomer im modernen Musical. Fern der großen Musiktheater kennen ihn allerdings noch zu wenige.

Jason Robert Brown hat diese Schmeicheleien nicht nötig. Musicalliebhaber schätzen seine Werke, gleich, ob sie nun Hits am Broadway waren oder nicht, aber ja, es ist eine tolle Sache, dass Jason Robert Brown im September in Deutschland auftreten wird, eine Profi-Master-Class geben und sich auch für Musicalstudenten Zeit nehmen wird. Ein guter Start für “RE:PRESENT” wird es hoffentlich werden. In einem Konzert am 20. September im Hamburger Operettenhaus werden gemeinsam mit Jason Robert Brown Musicaldarsteller wie Pia Douwes und Willemijn Verkaik auf der Bühne stehen. Sicher ein Highlight des Jahres. Nähere Infos –> hier

Jason Robert Brown: Music of Heaven

Music of Heaven
Piano & Vocal: Jason Robert Brown
Conductor: Georgia Stitt
Violins: Peter Kent, Kathleen Robertson, Sharon Jackson
Viola: Matt Nabours
Celli: Peggy Baldwin, Martha Lippi
Choir: Francesca Baer, Christopher Carothers, Robyn Clark, Will Collyer, Cat Davis, Jay Donnell, Scott Douglas, Jesse Einstein, Graham Fenton, Julie Garnyé, Lori Jaroslow, Nicole Kaplan, Chil Kong, Tyler Mann, Ashley Marks, Baraka May, Megan McDermott, Eileen O’Donnell, Erin Quill, James Leo Ryan, Amy Ryder, Jennifer Shelton, Ali Stroker, Elissa Weinzimmer, Lizzie Weiss, Robert Yacko, Penelope Yates, David Zack

Pasadena Presbyterian Church, 6/12/10

Fechter steigt bei “Musical Christmas” ein: 2010 weihnachten Kröger & Co. auch in Bayern

Uwe Kröger und sein Manager Herbert Fechter gehens an. Die Konzertoffensive des Musicalsängers und seines Managers verlagert sich 2010 auch auf das Thema Weihnachten. Neben den bereits von den VBW für Wien angekündigten “Musical Christmas”-Konzerten veranstaltet, jetzt wirds scheinbar rechtlich etwas komplexer, das “Deutsche Theater in München in Kooperation mit Fechter Management” eine “Produktion der Vereinigten Bühnen Wien”, also “Musical Christmas”, am 13. Dezember 2010 auch im Freistaat Bayern.

Wundern dürfen wir uns vielleicht ein bisserl bei der Ankündigung auf der Website des Deutschen Theaters, dass der Begriff “Orchester der Vereinigten Bühnen Wien” nicht erwähnt wird, und so schön und begehrt bekannte Namen auch sein mögen bei der Tradition der musicalischen Weihnachtskonzerte der VBW, sie sind im Prinzip nichts anderes als Sternspitzer im Rahmen eines festlichen Konzerts, bei dem das Orchester die Glanzlichter setzt.

Das Konzert in München (mit oder ohne VBW-Orchester, man weiß es nicht), wird 1 Stunde und 40 Minuten dauern und eine 20-minütige Pause inkludieren. Tickets gibt es ab 29 Euro (bis 69 Euro). Neben Uwe Kröger, dessen Management als Mitveranstalter auftritt, auf der Bühne: Rasmus Borkowski, Dennis Kozeluh, Wietske van Tongeren, Carin Filipcic, Caroline Vasicek sowie ein Gesangs- und Tanzensemble.

Weitere Infos –> hier

Musical Forever 2 - Caspar Richters musicalische Abrechnung

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Am 27. Juni 2010 verabschiedete sich Caspar Richter, der Musikalische Direktor der Vereinigten Bühnen Wien, mit einem Musicalkonzert von seinem Publikum. Richter und das Orchester der VBW, das war über viele Jahre eine Erfolgsgeschichte. Über 20 Jahre hat der Künstler Uraufführungen für Wien erarbeitet, neue Konzepte entwickelt und dafür gesorgt, dass das Orchester auch außerhalb der Theater der VBW ein Standing erreichte, auf das das Haus stolz sein konnte.

Mit “Musical Forever 2″ demonstrierte Caspar Richter unter anderem noch ein Mal eindrucksvoll und mit Nachdruck, was er unter dem Begriff Musical versteht. All die Statements, die im Laufe jenes Abends von Moderator Peter Fröhlich, Dirigent Richter und Intendantin Zechner gebracht wurden, ließen im Wiener Ronacher eine Spannung entstehen, die geradezu mit Händen greifbar war. Auf der einen Seite standen das künstlerische Ich des Musikalischen Direktors, all seine Ideen, seine Pläne und Hoffnungen, sein Verständnis von den Aufgaben des Orchesters, aber auch des Unternehmens VBW, auf der anderen Seite standen die Krisenmanager Zechner und Drozda, die angesichts der Flops der letzen Jahre künstlerisch schon lange w. o. geben mussten und mit Schlager und Revivals die Cashcow wieder, zumindest kurfristig, zum Muhen brachten. Der 27. Juni 2010 war der Tag, wenn man so will, an dem nun Caspar Richter aufgab, aber noch einmal eindrucksvoll zeigen konnte, wofür dieses Orchester gegründet wurde und was alles mit ihm und dem Orchester möglich gewesen wäre. Denn diese Musiker sind nicht dazu da, um als Spiegelung von Udo Jürgens’ Pepe Lienhard Band im Orchestergraben des Raimund Theaters den eigenen Ruf nachhaltig zu beschädigen.

Um zu verstehen, was Caspar Richter in “Musical Forver 2″ für das Publikum vorbereitet hatte, denken wir uns am besten ins Jahr 2005 zurück, genauer gesagt klinken wir uns am 6. Dezember 2005 ein. Den Vereinigten Bühnen Wien geht es gut, “Romeo und Julia”, seit 24. Februar 2005 im Raimund Theater zu sehen, ist mit einer Auslastung von 95 Prozent ein Hit, “Elisabeth” ist seit 4. Dezember 2005 Geschichte, höchst erfolgreich konnte man dieses Revival beenden, und die Fanlandschaft ist mit “Sisi”-CDs, DVDs, Special Editions und Fan Packages zugespoilt - da kündigt am 6. Dezember 2005 Intendantin Kathi Zechner in einer gut besuchten Pressekonferenz die nächste Eigenproduktion des Hauses an, die Uraufführung von “Rebecca”, einem Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze. Die Krise, in die die VBW bald schlittern, ist weit entfernt, alles ist wunderbar. Im Rahmen dieser Pressekonferenz führte ich mit Caspar Richter ein kurzes Gespräch:

Martin Bruny: “Herr Richter, was halten Sie denn von Musicals wie “Mamma Mia!” oder “We Will Rock You”"?

Caspar Richter: “Also Musicals, die eigentlich keine Musicals sind. Ich finde, bei “Mamma Mia!” ist das ganz lustig gelöst. Ich bin aber kein großer Freund von “Collagen”. Da kann man ein Konzert machen, nicht? Und irgendeine Geschichte draufstülpen? Bei “Mamma Mia!” haben die Glück gehabt. Es ist lustig, ich habs gesehen, hab mich sehr gut amüsiert. Aber ich kenn auch sehr viele andere Collagen … das ist dasselbe wie beim Ballett. Ich komm ja auch von der Oper und war erst hier an der Staatsoper und hab sehr viel Ballett dirigiert. Da gabs immer diese berühmten Ballettabende über irgendein Thema, zum Beispiel “Manon Lescaut”. Da wurde irgendein Komponist vergewaltigt und es wurde aus … oder Schostakowitsch … da wurde aus allen Sinfonien zusammengebröselt. Das ist für mich nicht akzeptabel. Es gibt so tolle Ballette, es gibt so tolle Musicals. Wieso muss man jetzt irgendwas zusammenstoppeln? Und auch diese Lebensgeschichte von Falco … für mich ist das furchtbar. Man soll vielmehr Autoren die Gelegenheit geben, neue Stücke zu schreiben. Wir tun das ja hier Gott sei Dank, und darauf bin ich ganz stolz, dass ich meinen Beitrag dazu geleistet habe von Anfang an, und der Peter Weck noch damals. Wir fingen an mit “Freudiana”, was ich sehr mag, immer noch.

Martin Bruny: “Daraus hat ja bei “Musical Christmas” Luzia Nistler eine der schönsten Nummern des Abends gesungen.”

Caspar Richter: “Ja, und ich verspreche Ihnen, dass ich da dran bin, mindestens eine Konzertfassung herzustellen von “Freudiana”. Ich find die Musik genial, und das Stück find ich sowieso genial. Es gehört nach Wien. Wenn es nach mir gehen würde, ich fände eine Neubearbeitung sehr lohnenswert. Das ist ein so typisches wienerisches Stück, es kann von Wien auch wieder um die Welt gehen. Das ist meine Meinung.”

Martin Bruny: “Freudiana” ist ja damals aufgrund der Inszenierung gefloppt?”

Caspar Richter: “Ja, aber nicht vergessen, das war unser erster Versuch damals, unsere erste Uraufführung, und dafür gings eigentlich ganz gut. Die zweite Uraufführung, “Elisabeth”, war ja dann schon der Hit. Aber ich versprech Ihnen, dass ich mich um die Musik von “Freudiana” immer kümmern werde. Ich hab auch auf der Donauinsel drei Nummern wieder gespielt. Ich spiele es immer wieder, manchmal auch gegen gewisse andere Meinung, aber langsam setzt sich die positive Meinung diesem Stück gegenüber durch, und das freut mich sehr. Ich finde diese Musik und auch die Texte wirklich genial. Mein Lieblingswunsch ist, ich habs mit der Kathi Zechner schon besprochen, wir sind fast soweit, ich will aber nicht vorgreifen, eine Mischung zwischen “Freudiana” und “Lady in the Dark” von Kurt Weill. Eine Hälfte das und die andere Hälfte Weill. Ich bin ein großer Fan von Kurt Weill, und ich finde, Kurt Weill wird überhaupt nicht gespielt. Der amerikanische Weill so überhaupt nicht, höchstens “Die Dreigroschenoper”, aber die großen Musicals von Weill wie “The Firebrand of Florence” oder “Down in the Valley”, das sind Meisterwerke, oder auch “Street Scene”, aber das ist fast ne Oper … aber “Lady in the Dark” ist für mich das große Meisterwerk. Und da kann ich mir vorstellen, dass Sona MacDonald - oder die Pia würde das auch toll machen.”

Martin Bruny: “Welches Musical würden Sie als Ihr Lieblingsmusical bezeichnen?”

Caspar Richter:
“Ne Menge, und zwar ganz verschiedene. Eines meiner Lieblingsmusicals war “Les Misérables”. Das war ja auch eine tolle Produktion. Ich würde sagen, eine der besten überhaupt. Ich liebe “Carousel”, und das möchte ich auch hierher bringen. Es gab so eine tolle Inszenierung in London vom English National Theatre. Und “Carousel” ist eigentlich auch ein Wiener Stück irgendwo. Dann bin ich natürlich ein ganz ganz großer Bernstein-Fan. Ich hab von Bernstein eigentlich fast alles dirigiert und bin auch derjenige, der “Mass” nach Europa gebracht hat, damals mit Marcel Prawy. Ich hab die deutsche Erstaufführung gemacht. Das gabs zwar vorher schon an der Staatsoper im Original, aber ich habe die deutsche Erstaufführung in Berlin damals dirgiert. In der Deutschlandhalle 1982 mit Prawy. Ich bin auch ein großer Anhänger von “Candide”, ein geniales Stück, schwer zu inszenieren, aber es geht. Ich habs schon mal erlebt.

Martin Bruny: “Im Rahmen der VBW?”

Caspar Richter: “Ich habe in Innsbruck ein Bernstein-Festival gehabt, das ist schon ein bissl länger her. Wir haben mit unserem Orchester und den Solisten dort gespielt: “Mass”, “Candide” szenisch, und dann haben wir große Konzerte mit Bernstein Werken gespielt. Im März [2006] gibt es auch ein großes Konzert hier, in dieser Reihe. Wir machen jetzt sehr viel neue Konzerte. Im März “Tribute to Bernstein”.”

Martin Bruny: “Im Konzerthaus?”

Caspar Richter: “Nein, hier. Ich will nur im Theater spielen. Das gehört ins Theater.”

Martin Bruny: “Das wurde aber noch nicht angekündigt.”

Caspar Richter: “Ist aber schon fixiert. Anfang März, vier Konzerte. Vorstellen möchte ich das Musicalgesamtwerk von Bernstein. Stücke aus “Mass”, “West Side Story”, “On the Town”, “Wonderful Town”, “Peter Pan” usw. - und dazwischen immer ein paar ganz tolle Orchesterstücke. Unser Orchester spielt das ganz hervorragend. Und sogar Solostücke. Ein Stück aus nem Cello-Konzert, weil wir ja tolle Solisten haben. Das wird ein toller Abend. Wir haben schon tolle Solisten dafür. Ich wünschte mir sehr, dass die Dagmar Hellberg wieder herkommt, aber die hat auch schon zugesagt, mal sehen, ob wir uns mit ihr einigen. Solche Leute brauchen wir, die hat dann die Jazz-Nummern drauf.”

Martin Bruny: “In “Sweeney Todd” war sie ja auch großartig.”

Caspar Richter: “Ja. Ja, das war toll. Übrigens, Sondheim ist auch ein Thema. Wird auch überhaupt nicht gespielt.”

Martin Bruny: “Nur kleine Produktionen.”

Caspar Richter: “”Sweeney Tod” ist auch eines meiner Lieblingsstücke, da haben Sie ganz recht. Und dann wünschte ich mir sehr, dass wir zwischen den ganzen Uraufführungen, die ich für sehr sehr wichtig halte, weil man weitergehen sollte, immer ein schönes Revival macht. Und es gibt in den sogenannten “alten Musicals” so hervorragende Meisterwerke, die man nicht unter den Tisch fallen lassen sollte. Ich möchte gerne “The Secret Garden” machen, das ist auch eines meiner Lieblingsstücke, “Carousel”, Richard Rodgers sowieso und dann: Ich möchte “Funny Girl” machen, oder “Gypsy”.

Martin Bruny: “Wär das auch was für Pia Douwes?

Caspar Richter: “Das wär auch etwas für die Maya. Wir haben so tolle Leute, die können das alles. Ich bin auch sehr froh, dass wir hier in Wien so ein “Grundensemble” haben. Obwohl sie immer wieder zu Audition kommen, auch sollen, aber irgendwie haben wir einen großen Ensembletopf, der typisch wienerisch ist. Zum Beispiel das Ensemble von “Elisabeth”, die sind genial. Mit denen kann ich auch so ein Weihnachtskonzert machen. Das kann ich nur mit einem Team machen, das so zusammengewachsen ist, und das gibts woanders überhaupt nicht.”

Soweit Caspar Richter im Originalton, am 6. Dezember 2005. Das Schickal wollte es, dass gerade Bernstein dem Musikalischen Direktor zum Verhängnis wurde. Groß war die Vorfreude auf Richters Konzertserie “A Tribute to Bernstein”, die am 5. und 6 sowie am 12. und 13. März 2006 im Wiener Raimund Theater über die Bühne ging. Der erste Dämpfer: Eine geplante Einführungsveranstaltung, ein Publikumsgespräch, in dem der Dirigent Bernsteins Werk erklären wollte, wurde abgesagt, man sagt aus mangelndem Publikumsinteresse. Am 24. Februar 2006 wurde an alle für diese Veranstaltung Angemeldeten die Mail verschickt: “Mit Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass das Publikumsgespräch zu A TRIBUTE TO BERNSTEIN leider nicht stattfinden kann.”

Die erfolgsverwöhnten Vereinigten Bühnen Wien konnten damals mit “The Little Matchgirl” (7. bis 19. Februar 2006) eine Auslastung von 96,5 Prozent erzielen, die “Mozart!”-Konzertserie (4. bis 11. Februar 2006) kam gar auf 99,97 Prozent Auslastung. “A Tribute to Bernstein” schaffte lediglich eine Auslastung von 60 Prozent, und so war der 13. März 2006 der letzte Tag, an dem Caspar Richter in Wien einen der “alten Meister” im Rahmen eines themenorientierten Konzerts dirigieren sollte. Alle seine anderen Pläne konnte oder durfte er nicht mehr verwirklichen. Was blieb, war “Jesus Christ Superstar”, jährlich zu Ostern, doch auch damit war bald darauf Schluss, was man noch weiterverfolgte, war “Musical Christmas”, und selbst dieses Erfolgsformat schrumpfte man so ein, dass nichts mehr übrigblieb, als eine Pause einzulegen.

Der ansteckende Enthusiasmus Richters aus dem Jahre 2005 musste schwinden, angesichts eingekaufter Produktionen wie “We Will Rock You” (Premiere: Donnerstag, 24.01.2008) oder der Revue “Ich war noch niemals in New York” (2010). Beides Shows, von denen bei “Musical Forever 2″ natürlich nichts zu hören war.

Im Rückblick könnte man die Frage stellen, ob es den VBW mit der RonacheMobile-Schiene unter einem Programmverantwortlichen Richter nicht gelungen wäre, neues Stammpublikum zu gewinnen, statt mit grenzwertigen Produktionen vorhandenes Stammpublikum abzuschrecken. Die zum Motto erhobene “Vielfalt” des Programms entpuppte sich schon bald eher als Einfalt der Vielfalt, mit Shows, die mit dem Musicalgenre praktisch nichts zu tun hatten und bestenfalls mit dem Stempel “bemüht, setzen” versehen werden können.

“Carousel”, “Gypsy”, konzertante Aufführungen von “Freudiana”, Themenabende zu Kurt Weill, “The Secret Garden” - alle Ideen mussten weichen, und so wurde letztlich aus den VBW, den Produzenten von Uraufführungen, ein Zukäufer von abgespielten deutschen Produktionen. Nicht verwunderlich, wenn Caspar Richter in seiner Abschiedsrede meinte (streichen wir mal alle beschönigenden Nebensätze): “Besinnen Sie sich auch auf die Werte, die wir selber in uns haben, nämlich unsere Kreativität. Wir brauchen einfach wieder richtige Kreationen von uns heraus. Das ist unsere Einmaligkeit gegenüber allen anderen Häusern auf der ganzen Welt, das hat Wien immer ausgezeichnet.”

musicalforever2.JPGMit dem Programm, das Richter für “Musical Forever 2″ zusammengestellt hat, skizziert er noch ein Mal in Ansätzen den Weg, den er gehen wollte. Wenn die Show mit der Ouvertüre aus “Gypsy” beginnt, dann ist das vor allem programmatisch gemeint. Nie klingt das Orchester so beeindruckend wie bei den “alten Meistern”. In dem Moment, in dem die ersten Klänge von Richard Rodgers’ “State Fair” erklingen, fühlt man sich geradezu wie ein Kinobesucher, der nach der Werbung und all den ätzenden Trailern früher, in der guten alten Zeit, im Kino den Vorhang aufgehen sah - für den Hauptfilm. Immer breiter wurde die Leinwand … Cinemascope, die Vielschichtigkeit der Kompositionen, die vielen Feinheiten der Instrumentierung, der Arrangements, der Einfallsreichtum der Komponisten, das ist Musical.

Die VBW waren natürlich nie Lieferanten für diese “klassische” Musicalschiene, aber worauf man sich lange Jahre verlassen konnte, war, dass man zumindest Musicals zu sehen bekam. Das ist heute so nicht mehr unbedingt der Fall. Richter zeigt mit seiner Auswahl, was er unter Musical versteht und er zeigt, bis wohin er bereit ist zu gehen. Mit dabei: Ausschnitte aus “Wonderful Town”, “On the Town” und “Freudiana” oder “Sweet Charity”, neben den Hits der VBW “Elisabeth”, “Mozart!”, “Tanz der Vampire”, “Romeo und Julia”, “Rebecca”, “Rudolf” und einigen anderen.

Auf der Bühne einige der Stars der VBW wie Lukas Perman, Marjan Shaki, Carin Filipcic, Lisa Antoni, Thomas Borchert … und Rob Fowler, der schon lange nicht mehr eingeladen war, seine Kunst in den Tempeln der VBW zu zeigen.

Würde man nun die Zusammenstellung des Programms kritisieren wollen, so ließe sich etwa anmerken, dass “Musical Forever 2″ in großen Teilen eine Art “Greatest Hits Medley” (im Programm zur Show als “Collagen” bezeichnet) war, wie es seinerzeit, um es mal krass zu formulieren, Peter Alexander auf seinen Tourneen eine Zeitlang gemacht hat. Alexander hatte ein Unmenge an Hits, und statt einige auszuwählen und zu singen, entschloss er sich, sie fast alle zu bringen und nur Ausschnitte davon, manchmal nur die Refrains oder etwaige andere besten Stellen zum Besten zu geben. Das ist ein gefährliches Spiel, denn man könnte Richter vorwerfen, dass er damit das macht, was man mit Musik nicht machen sollte, sie schlagzeilenmäßig einzusetzen, wie das die Kleinformate mit News im Printbereich machen.

Wenn man “A Chorus Line” bringen möchte, ist es schon erstaunlich, dass man sich dazu entschließt, das Opening in 1:16 Minuten runterzuspielen, um dem Tanzensemble die Möglichkeit zu geben, ein wengerl eine Variante der Originalchoreographie zu zeigen. Das wird weder der Show gerecht, noch macht es irgendeinen positiven Eindruck. Wenn man einem Musical nur 1:16 Minuten gönnen möchte, dann wäre es besser, es ganz zu lassen. Aber 1:16 kann man noch unterbieten. “The Producers” bekommt in “Musical Forever 2″ genau 55 Sekunden, aus “Les Misérables” werden drei Nummern gespielt, und dennoch, mehr als 4:40 Minuten sind nicht drin, ebenso bei “Elisabeth”: vier Nummern in knapp 5:00 Minuten. Ebenso “Mozart!”: vier Nummern in 7:00 Minuten, aber auch nur deswegen etwas länger, weil Peter Fröhlich für seine Version von “Ein bissel fürs Hirn und ein bissel fürs Herz” zwei Anläufe benötigt hat und dennoch die meisten Textpassagen improvisieren musste. Auch “Romeo und Julia” gehts nicht besser: zwei Nummern in 3:30 Minuten. Ganz schlimm triffts “Rebecca”. Da scheint der Wahnsinn vom Programmmacher Besitz ergriffen zu haben, stand doch tatsächlich das unnötigste Lied, seit es Musicals gibt, auf dem Programm von “Musical Forever 2″: “Golf”, ansonsten: drei Nummern in 4:00 Minuten. “Rudolf”: zwei Songs in 3:10 Minuten.

Natürlich könnte man auch vermuten, dass Caspar Richter sich einfach jenen Nummern besonders ausführlich widmen wollte, die ihm besonders am Herzen liegen. Das wären dann folgende gewesen:

Ouverture – instrumental („Gypsy“) [5:00]
Das Phantom der Oper – Lisa Antoni, Thomas Borchert, Ensemble („Das Phantom der Oper“) [4:00]
Das Ödipus-Dreieck – Carin Flipcic, Thomas Borchert, Lukas Perman („Freudiana“) [3:40]
Die Schöne und das Biest – Carin Filipcic, Lisa Antoni, Ensemble (”Die Schöne und das Biest”) [3:10]
Suite – instrumental („State Fair“) [6:00]
Conga – instrumental („Wonderful Town“) [5:40]
A world of wonder – Marjan Shaki (“Sophie’s World”) [5:00]
Gethsemane – Rob Fowler (”Jesus Christ Superstar”) [8:30]
I love a piano – Thomas Borchert, (K.: Irving Berlin) [4:30]
Totale Finsternis – Marjan Shaki, Thomas Borchert („Tanz der Vampire“) [3:50]
Gabriella’s Song – Ensemble („Wie im Himmel“) [3:50]

Keine so schlechte Auswahl, eine teilweise jenseits des Mainstream liegende. Generell aber muss man sich fragen, warum die Moderationen und Ansprachen bei “Musical Forever 2″ derart dominant waren. Bei einer Gesamtdauer der Veranstaltung ohne Pause von 2 Stunden und 43 Minuten wurden rund 1 Stunde und 33 Minuten Musik geboten und 1 Stunde war den Moderationen und Ansprachen gewidmet. So charmant-schusselig Peter Fröhlich als Moderator auch gewesen sein mag, generell gesehen war sein Part überdimensioniert. Die Entstehungsgeschichte des “Phantoms der Oper”, die Beziehungsgeschichte von Lukas Perman & Marjan Shaki, Anekdotchen, ganz unterhaltend, ja … aber waren die meisten nicht doch wegen der Musik gekommen?

Star des Abends, alle seine Performances zusammen als Basis nehmend, war Thomas Borchert, die beeindruckendste Leistung zeigte allerdings Rob Fowler mit einem gigantischen “Gethsemane”, eine Nummer, die der Künstler und das Orchester geradezu zelebrierten, vom Publikum mit Beifallsorkanen umjubelt. Die meiste Stimmung wiederum brachte “Romeo und Julia” in den Saal: “Herrscher der Welt” - wie auf Knopfdruck klatschten da alle bei der Boygroup Lukas Perman, Rob Fowler und Kai Hüsgen mit. Auch das Musicaltraumpaar Perman-Shaki wirkte bei “Dich kennen heißt dich lieben” oder “Ohne sie”. Unnötigste Nimmer neben “Golf”? Sicherlich “Das Phantom der Oper” aus dem Musical “Das Phantom der Oper”. Der Song war auch in “Musical Forever 1″ zu hören. Ja, damals wurde er so grauenvoll von einem Darsteller abserviert, dass man ihn am Ende nicht mal in der im Konzert gesungenen Form am Tonträger zur Show vorfand. Schon damals musste Thomas Borchert übernehmen und das Lied im Studio gemeinsam mit Pia Douwes neu einsingen. Nun, diesmal konnte Borchert also live das “Phantom” geben, und wenn wir alle eines wissen, dann das, dass er es kann. Dennoch hätte es wesentlich Spannenderes aus dem “Phantom” gegeben, und Lisa Antoni ist zwar eine entzückende Sängerin, aber an diesem Abend war bei ihr das Zielen auf die hohen Töne mitunter eher im Vordergrund als das exakte Treffen derselben. “Wie nemmas denn” haben sie und Carin Filipcic sich wohl bei “Die Schöne und das Biest” gedacht. Den Song setzten beide zu hoch an und beendeten ihn dann einstimmig. Sicher einer der merkwürdigsten Momente des Abends.

Thomas Borchert war durchgehend, bis auf eine Ausnahme, eine allerdings sehr unterhaltende, höchst konzentriert am Werk. Nicht mal der schnoddrig, fast bis zum Anfangston von “Schließ dein Herz in Eisen ein” moderierende Peter Fröhlich konnte ihn aus dem Konzept bringen. Borchert war exakt im Moment in seiner Rolle, spielte sie hervorragend und lieferte selbst in dieser Kürzestversion eine beeindruckende Leistung. Was genau bei “Jekyll & Hyde” auf der Bühne des Ronacher an jenem Abend passierte, und zwar genauer gesagt beim Titel “Mörder”, man weiß es nicht. Es hörte sich so an, als würde der Chor am Anfang “eingeblendet”, ganz bestimmt waren aber mehr als jene acht Stimmen, aus denen das Ensemble bestand, zu hören. War alles live? Mit Sicherheit wars die darauf folgende Nummer “Die Welt ist völlig irr”, jenes Lied, zu dem der Darsteller des Jekyll/Hyde in der tatsächlichen Bühnenshow, an Seilen hängend, seinen Gesang immer nur zu mimen hatte. Sicher kein Zufall, dass Richter ausgerechnet dieses Lied für Thomas Borchert ausgesucht hat. Fast eine “Premiere”.

Schwungvoll und mitreißend Borchert mit “I love a Piano”, damit näherte er sich jenem Genre, für das er seine Stimme nicht fast killen muss, um annähernd so zu klingen, wie berühmte Vorbilder. Am Klavier, als Pianoman, ist Borchert authentisch, da ist er Musiker und Entertainer, nicht nur “Musicaldarsteller”.

Nicht immer leicht hatte es Carin Filipcic an diesem Abend. Nicht, weil sie etwa schlecht bei Stimme war, ganz im Gegenteil, sie hatte Glanznummern wie “Gabriella’s Song”, wie ein hinreißendes “I can cook too” oder ein sehr schön gesungenes “Gold von den Sternen” … aber sie hatte auch Lieder zu interpretieren, die nicht ganz die ihren waren. Peter Fröhlich beispielsweise schickte sie mit folgender Anmoderation auf die Bühne:

“Wir erleben da eine Elisabeth, so ganz anders als das übliche Sisi-Bild. Sie züchtet ihre Originalität, sie hegt genauso ihre kranke Seele wie ihren wunderschönen Körper, den sie mit einem Taillenumfang von 48 Zentimetern und einem Gewicht von 40 Kilo immer gleichzuhalten bestrebt war, was ihr natürlich nicht immer leicht gefallen ist, vor allem in Wien. Wahrscheinlich war sie deshalb so selten da. Sie hat sich sehr oft in Irrenhäusern aufgehalten, hat die Öffentlichkeit immer mehr gemieden und hatte einen steten, liebgewonnenen Freund, den Tod.”

Berühmt ist das Wiener Publikum für sein Gekreische und den frenetischen Applaus. Nun, man musste den “Elisabeth”-Fans an diesem Abend verzeihen, dass sie Carin Filipcic mit ihrem Gejohle fast aus den Tönen gekippt hätten. Sowohl bei den Anfangstönen von “Ich gehör nur mir” als auch vor dem Schlusston kreischten sie ein wenig überambitioniert. Aber man darf es ihnen nicht übelnehmen, mit “Elisabeth” ists ja schon lang vorbei in der Bundeshauptstadt, und bis 2012, wenn die Kaiserin so sicher, wie die Kaisersemmeln auch dann noch blond sein werden, wieder in einem der VBW-Häuser zu sehen sein wird, ist es noch eine Zeit hin. Zum Teil wars natürlich auch das Arrangement, das die Fans austrickste. Es gab bei dieser Kürzestversion des “Elisabeth”-Hits keine Zeit vor dem langen, hohen Schlusston, und danach war wohl dann einigen auch gar nicht mehr so nach Klatschen und Johlen, denn Filipcic wurde vermutlich vom Jubel so getroffen, dass die reine Intonation flötenging. Generell wirkte die Ballade in ihrer Interpretation beschaulich, dann wieder angestrengt kreischig, gefühlsmäßig nicht mittig, wobei das Arrangement nicht wirklich gelungen war. Ohne Pause gings mit “Die Schatten werden länger” weiter. Wozu die Hektik, wieso die Songs nicht mit Ruhe auf die Bühne setzen … man wird es nie erfahren. Fowler verpatzte die “Schatten” mit Phrasierungen, die von der Idee großartig waren, die er aber nicht ausgestalten konnte; Lukas Perman lieferte das, was er auch im Theater an der Wien zu liefern imstande war. Auch die “Schatten” - bis ins Verstümmeln verkürzt auf knapp eine Minute.

Würde man noch einen Punkt kritisieren wollen, so könnte man die zahlreichen Mikro-Pannen anführen. Ganz schlimm erwischte es Lukas Perman ausgerechnet beim Song aus “Freudiana”: “Das Ödipus Dreieck”. Exakt bei seinem Einsatz eine extrem laute Störung. Perman meisterte die Panne souverän und so konnten Carin Filipcic, Thomas Borchert und er den Song aus “Freudiana” dennoch zu einem der Highlights des Abends gestalten. Marjan Shaki sorgte mit einem Lied für besonders großen Applaus: “A World of Wonder” aus dem Musical “Sophie’s World”. Und als Thomas Borchert ein einziges Mal an diesem Abend unkonzentriert war und den Einsatz bei “Totale Finsternis” verpatzte, war das nicht nur einer der sympathischsten Momente der Show, sondern auch einer der witzigsten, weil Shaki das ganze Lied hindurch von einem Lachkrampf zum nächsten taumelte, und dennoch die Nummer, sogar mit einem überraschenden Ende, nach Hause brachte. Natürlichkeit ist manchmal die halbe Miete.

Der Tanz stand bei “Musical Forever 2″ nicht wirklich im Mittelpunkt. Zum Teil waren es den Originalshows nachempfundene Andeutungen, die Jerome Knols mit seinem Ensemble einstudiert hatte, das klappte bei “Herrscher der Welt” sehr gut, auch bei “A Chorus Line” - in mattem Posing endete es aber bei “Rhythm of Life” aus “Sweet Charity”. Bemüht, aber sehr hölzern. Ganz im Gegenteil zum Gesamteindruck den “Rhythm of Life” beim jubelnden Publikum hinterlassen hat. In Anlehnung an André Heller könnte man meinen: Die wahren Musicals sind im Kopf, und sind sie nicht in deinem Kopf, dann sind sie nirgendwo. Einer jener Musical-”Köpfe”, Caspar Richter, hat sich mit “Musical Forever 2 ” aus Wien verabschiedet - man wird ihn vermissen.

Musical Forever 2
Musikalische Einstudierung: Caspar Richter
Regiekonzept/Choreographie: Jerome Knols
Künstlerische Leitung: Brigitta Thelen
Choreinstudierung und Korrepetition: Carsten Paap
Solisten: Marjan Shaki, Lisa Antoni, Carin Filipcic, Thomas Borchert, Lukas Perman und Rob Fowler
Ensemble: Daniela Harbauer, Martin Planz, Nina Weiss, Esther Mink, Barbara Obermeier, Fernand Delosch, Kai Hüsgen und Max Niemeyer

Akt 1
Ouverture – instrumental („Gypsy“) [5:00]
Moderation - Peter Fröhlich [6:00]
Opening – Ensemble („A Chorus Line“) [1:20]
Moderation - Peter Fröhlich [2:45]
Der erste Angriff – instrumental („Les Misérables“) [0:38]
Der doppelte Schwur – Rob Fowler, Thomas Borchert („Les Misérables“) [1:44]
Mein Herz ruft nach Dir – Lukas Perman, Lisa Antoni, Marjan Shaki („Les Misérables“) [2:20]
Das Phantom der Oper – Lisa Antoni, Thomas Borchert, Ensemble („Das Phantom der Oper“) [4:00]
Moderation - Peter Fröhlich [3:20]
Das Ödipus-Dreieck – Carin Flipcic, Thomas Borchert, Lukas Perman („Freudiana“) [3:40]
Todzeitwalzer – instrumental („Elisabeth“) [0:50]
Der letzte Tanz – Rob Fowler („Elisabeth“) [1:20]
Ich gehör nur mir – Carin Filipcic („Elisabeth“) [1:40]
Die Schatten werden länger – Rob Fowler, Lukas Perman, Ensemble („Elisabeth“) [1:15]
Moderation - Peter Fröhlich [1:10]
Die Schöne und das Biest – Carin Filipcic, Lisa Antoni, Ensemble (”Die Schöne und das Biest”) [3:10]
“Chicago”-Signation [00:05]
Moderation - Peter Fröhlich [0:30]
Ein bissel für’s Hirn und ein bissel für’s Herz (2 Anläufe) – Peter Fröhlich („Mozart!“) [1:30]
Moderation - Peter Fröhlich [0:30]
Schließ dein Herz in Eisen ein – Thomas Borchert („Mozart!“) [1:45]
Dich kennen heißt dich lieben – Lukas Perman, Marjan Shaki („Mozart!“) [1:40]
Gold von den Sternen – Carin Filipcic („Mozart!“) [2:20]
Moderation - Peter Fröhlich [2_00]
Suite – instrumental („State Fair“) [6:00]
Mörder – Ensemble („Jekyll und Hyde“) [1:00]
Die Welt ist völlig irr – Thomas Borchert, Ensemble („Jekyll und Hyde“) [1:30]
Moderation - Peter Fröhlich [3:20]
Rhythm of life – Rob Fowler, Lukas Perman, Ensemble („Sweet Charity“) [2:25]

Akt 2
Moderation - Peter Fröhlich [3:41]
Conga – instrumental („Wonderful Town“) [5:40]
Lonely town – Thomas Borchert („On the Town“) [2:25]
Lucky to be me – Lukas Perman („On the Town“) [2:45]
I can cook too – Carin Filipcic (“On the Town”) [2:30]
A world of wonder – Marjan Shaki (“Sophie’s World”) [5:00]
Moderation - Peter Fröhlich [2:00]
Herrscher der Welt – Lukas Perman, Rob Fowler, Kai Hüsgen, Ensemble (“Romeo und Julia”) [1:20]
Ohne Sie – Marjan Shaki, Lukas Perman (“Romeo und Julia”) [2:10]
Gethsemane – Rob Fowler (”Jesus Christ Superstar”) [8:30]
Moderation - Peter Fröhlich [3:00]
Ich hab geträumt von Manderley – Lisa Antoni („Rebecca“) [1:40]
Golf – Ensemble („Rebecca“) [0:50]
Rebecca – Carin Filipcic, Lisa Antoni („Rebecca“) [1:30]
Moderation - Peter Fröhlich [2:10]
Ouverture – instrumental („The Producers“) [0:55]
I love a piano – Thomas Borchert, (K.: Irving Berlin) [4:30]
Moderation - Peter Fröhlich [2:00]
Walzer – Ensemble („Rudolf”) [1:00]
Vertrau in uns – Lisa Antoni („Rudolf“) [2:10]
Totale Finsternis – Marjan Shaki, Thomas Borchert („Tanz der Vampire“) [3:50]
Ansprache Caspar Richter [9:00]
Gabriella’s Song – Ensemble („Wie im Himmel“) [3:50]
Moderation - Peter Fröhlich [1:00]
Tanz der Vampire (Finale II. Akt) – Ensemble („Tanz der Vampire“) [2:10]
Ehrungen [11:00]
Zugabe: Rhythm of life – Alle („Sweet Charity“) [2:25]

Statistiken
Moderation 1. Akt: 19:35
Musik 1. Akt: 42:47

Moderation, Ansprachen2. Akt: 34:51
Musik 2. Akt: 56 Minuten

Insgesamt
Musik: rund 99 Minuten
Ansprachen, Moderationen: 55 Minuten
Gesamtdauer: 2 Stunden und 42 Minuten inkl. Applaus

Fröhliche Weihnacht im Wiener Ronacher mit Rasmus Borkowski, Caroline Vasicek u. v. a.

3. Dezember 2010
19:30bis21:30

mc_1.jpgWie Caspar Richter es in seiner Abschiedsrede am Ende von “Musical Forever 2″ bereits angedeutet hat, gibt es auch 2010 wieder “Musical Christmas”, die beliebte Weihnachtskonzertserie der Vereinigten Bühnen Wien.

Es ist eine Tradition, und Traditionen soll man pflegen. 2010 auf der Bühne: Caroline Vasicek, Rasmus Borkowski, Dennis Kozeluh, Uwe Kröger, Carin Filipcic und Wietske van Tongeren. Unterstützt werden die Darsteller von einem Gesangs- und Tanzensemble

Begleitet werden die Sänger vom Orchester der Vereinigten Bühnen unter Leitung von Koen Schoots.

Copyright VBW/Moritz Schell: Rasmus Borkowski

Termine
3. Dezember 2010, 19:30 Uhr
4. Dezember 2010, 15:00 Uhr und 19:30 Uhr
5. Dezember 2010, 18:00 Uhr
18. Dezember 2010, 15:00 Uhr und 19:30 Uhr

Tourneefassung
Graz: 8. Dezember 2010 LISTHALLE um 20:00
Klagenfurt: 9. Dezember 2010 MESSEARENA um 20:00
Kempten: 10. Dezember 2010 BIG BOX um 20:00
Innsbruck: 12. Dezember 2010 CONGRESS, Saal Tyrol um 20:00
München: 13. Dezember 2010 DEUTSCHES THEATER um 20:00
Amstetten: 15. Dezember 2010 SPORTHALLE um 20:00

Copyright VBW/Moritz Schell: Caroline Vasicek

Tickets bei Wien-Ticket –> hier

Link
- VBW: Musical Christmas 10

Copyright VBW/Moritz Schell: Carin Filipcic

— updated: 7.10.2010 —

Emmy Awards 2010 - Die Nominierungen

Ein Word-File, das 67 Seiten umfasst, kann man sich von der offiziellen Website der “Emmy Awards” (–> hier) downloaden, 67 Seiten voller Nominierungen für die 62. Emmy Awards, die am 29. August 2010 verliehen werden, in einem Kategoriendschungel, wo sich für jede nur denkbare kreative Leistung eine geeeignete Kategorie findet.

Interessant sind die Emmy-Awards unter anderem auch deshalb, weil man oft Namen von alten Bekannten in Bereichen des Nominierungsdschungels wiederfindet, wo man normalerweise nicht gesucht hätte. So ist beispielsweise Anna Hathaway bei den diesjährigen Emmys in der Rubrik “Outstanding Voice Over Performance” für “The Simpsons • Once Upon A Time In Springfield” im Rennen. Sie lieferte in dieser Folge die Sprechstimme von Prinzessin Penelope.

Oder nehmen wir “Glee”, jene Musical-Miniserie, die im Moment in den USA ihren großen Moment hat und deren Erfolg wohl darauf beruht, dass die Zuschauer eigentlich noch immer nicht glauben können, was sie da zu sehen bekommen. “Glee” macht all das, was man als Bestandteile von schlechten Musicals identifizieren würde, im wirklichen Leben. Posing, unglaubwürdige, lächerliche Dialoge, das “Vermusicaln” von allem, was heilig und lächerlich ist, Klischees, Pathos, getarnt als nicht wirklich brauchbare Ironie … Ein Erfolg, der einzig auf einer “Ich kanns nicht glauben, was ich seh, aber ich muss es nochmal sehen”-Einstellung beruht. Für 19 Emmys ist “Glee” nominiert. Wow, das ist natürlich ein Fressen für die Schlagzeiler des Genres. Zwei dieser 19 Awards könnten an die Hairstylisten der Serie gehen, denn in der Kategorie “Outstanding Hairstyling For A Single-Camera Series” ist “Glee” gleich zwei Mal vertreten. Weitere zwei Awards könnte es für “Outstanding Makeup For A Single-Camera Series (Non-Prosthetic)” geben, aber ja, auch in den wichtigen Kategorien ist “Glee” vertreten.

Getoppt werden diese 19 Nominierungen nur von den 24 Nominierungen, die Steven Spielbergs Miniserie “The Pacific” erhalten hat. Das AMC-Drama „Mad Men“ (17 Nominierungen), die NBC-Comedy „30 Rock“ (15 Nominierungen) und die ABC-Sitcom „Modern Family“ (14 Nominierungen) sind die weiteren Spitzenreiter bei den Nominierten.

Wirklich interessante und relevante Nominierungen gibt es natürlich auch. So wurden Bruce Ricker und Clint Eastwood in der Kategorie “Outstanding Children’s Nonfiction Program” für die Dokumentation “Johnny Mercer: The Dream’s On Me” nominiert, eine hervorragend erabeitete Doku über das Leben und das Schaffen von Johnny Mercer.

Theater Drachengasse: Over the threshold

4. Oktober 2010
20:00bis22:00

Vienna theatre project zeigt: OVER THE THRESHOLD

von Christopher Hamilton
Awarded Best New Musical, European Premiere

Theater Drachengasse
4.–16. Oktober 2010, Di-Sa um 20 Uhr

Direct from a smash hit run in London’s West End, vienna theatre project is thrilled to bring you Over The Threshold, an award winning new musical about love, commitment, betrayal and boxer shorts! Following 2 very different couples over the course of one turbulent night, this smart, sassy, sexy show stopper will make you laugh, cry and laugh again, as we recognise something of ourselves in each character.

In English/easy to understand for non English Speakers.

Director: Kieran Brown

www.overthethreshold.co.uk
www.viennatheatreproject.at

Wiener Plattenstudio MG-Sound launcht “Prestige Classics Vienna” mit Star-Bassist Ferruccio Furlanetto

furl2.jpgDas Wiener Plattenstudio MG-Sound, das mittlerweile seit vielen Jahren den Popmarkt (HitSquad Records) und seit einigen Jahren praktisch den gesamten österreichischen Musicalmarkt (”Elisabeth”, “Romeo & Julia”, “Frühlings Erwachen”, “Tanz der Vampire” etc.) bedient, steigt nun auch in den Bereich Klassik ein.

Mit der Label-Gründung “Prestige Classics Vienna” war der erste Schritt gesetzt, mit dem ersten Tonträger, der vom neuen Label gelauncht wird, dürfte auch der Erfolg sicher sein. Star-Bassist Ferruccio Furlanetto veröffentlicht exklusiv auf “Prestige Classics Vienna” die CD „RACHMANINOV • MUSSORGSKY: SONGS”.

Das Produzententeam, Johnny Bertl, Martin Böhm, Ludwig Coss und der zweifache Grammy-Awards-Gewinner Michael Horwath, dokumentiert damit erstmalig Ferruccio Furlanettos Affinität zum russischen Liedrepertoire, welchem der italienische Bassist seit Jahren durch viele Konzerte in den namhaftesten internationalen Musikzentren verbunden ist. Begleitet wird Furlanetto am Klavier von Igor Tchetuev.

furl1.pngAuf der CD, die ab 23. Juli im Handel erhältlich ist, finden sich zusätzlich Videos von den Studioaufnahmen zu „I came to her / Ich war bei ihr“ und „Spring Waters / Frühlingsgewässer“ sowie Ferruccio Furlanettos persönliche Impressionen. Die CD-Verpackung erscheint als exklusiver Kunstband mit Glanzlackierung. Das umfangreiche Booklet beinhaltet u. a. alle Liedtexte in deutscher, englischer und russischer Sprache sowie in russischer Lautschrift, darüber hinaus Wissenswertes über Rachmaninov und Mussorgsky sowie die Biografien von Ferruccio Furlanetto und Igor Tchetuev.

Erste akustische Eindrücke und ein Videoausschnitt finden sich auf der Website von MG-Sound –> hier

SONGLISTE
SERGEI RACHMANINOV
- Fate / Schicksal 7’47
- A Dream / Ein Traum 1‘23
- The Lilacs / Spanischer Flieder 1‘45
- In the silent night / Im Schweigen der Nacht 3‘07
- I came to her / Ich war bei ihr 1‘28
- Tis time / Es ist Zeit 1‘35
- Oh stay, my love, forsake me not! / Bleib‘ doch, verlass mich nicht! 2‘06
- Spring Waters / Frühlingsgewässer 2’08
[Spielzeit Rachmaninov-Lieder insgesamt: 21’19]

MODEST MUSSORGSKY
- The leaves were sadly rustling / Es rauschten die Blätter so traurig 3’46
- What are words of love to you? / Was gilt Euch ein Liebesschwur? 2’36
- Old Man’s Song / Das Lied des alten Mannes 3’03
- Night / Die Nacht 3’18
- The wild winds blow / Es pfeifen die Winde 4’57
- Songs and Dances of Death / Lieder und Tänze des Todes
- Lullaby / Wiegenlied 5’50
- Serenade / Serenade 6’19
- Trepak / Trepak 5’28
- The Field-Marshal / Der Feldherr 6’23
[Spielzeit Mussorgsky-Lieder insgesamt: 41’40]
[Spielzeit insgesamt: 62’59]

VIDEOS
- I came to her / Ich war bei ihr
- Spring Waters / Frühlingsgewässer
- Thoughts / Gedanken

Caspar Richter nimmt Abschied im Ronacher: “… and my life belongs to me … I shall feel that I have lived my life!”

Als am 27. Juni 2010 nach einem rund zweistündigen Musicalkonzert des Orchesters der Vereinigten Bühnen Wien unter seinem Dirigenten Caspar Richter und mit den Stars des Unternehmens alles gesungen und gespielt und auch schon vieles gesagt war, betrat Kathrin Zechner die Bühne, die Intendantin der VBW, und richtete das Wort an ihren Angestellten und das Publikum:

Kathrin Zechner: “Es ist dein Abschied Caspar, es ist dein Abend. Ich bedanke mich trotzdem vorher einmal beim wunderbaren Orchester, es kann nicht oft genug gesagt werden. Ich bedanke mich bei Jerome und ich bedanke mich bei den wunderbaren Künstlern, die diesen Abend mit uns gestaltet haben. Danke euch.
Über den Caspar ist heute schon so viel gesagt worden, das Konzert spricht eigentlich seine Sprache, also ich werde mich kurz halten. Caspar, als ein Lübecker auf eine Steirerin traf, das war nicht einfach. Ich gebs ehrlich zu, aber für mich ist das Schlussresümee: Du bist wie Lübecker Marzipan - eigen im Geschmack, aber großartig. Caspar Richter ist wirklich eine herausragende Persönlichkeit, mit der es sich trefflich streiten lässt. Wir haben uns unseren Respekt voreinander hart erarbeitet, aber auch fröhlich erlacht, wir hatten auch viel Spaß. Sie haben ja heute bei “Conga” und anderen Momenten erlebt: Der Mann hat auch Humor, was mir bei Norddeutchen eher fremd war. Er hat Humor, er hat definitiv Humor, und das hat die Reise mit diesem strengen, kämpferischen, leidenschaftlichen Mann sehr viel leichter gemacht, und ich neige mein Haupt vor dir, Caspar.
Caspar ist, wie wir schon gehört haben, aus Lübeck über Berlin nach Wien gekommen, und er hat sieben großartige Aufgaben, Eigenschaften, die ich ihnen nochmal darbringen möchte: Er hat dieses Orchester geformt, er ist also unser Orchester-Vater.”

Caspar Richter: “Erzieher!”

Kathrin Zechner: “Erzieher. Erzieher, sigst, so hots immer angfangn: I sog es is da Vota, des is mit Herz und Ding. Er sagt: “Erzieher!” Das wäre erst Punkt zwei bei mir. Er hat das Orchester ständig trainiert und herausgefordert, das heißt, die, die schon lange dabei waren, hat er trainiert, erzogen, und die, die neu dazukamen, ebenso. Er ist ein großer Förderer des Orchesters und der Mitglieder des Orchesters gewesen. Und wirds auch noch bleiben. Er hat als Musikalischer Leiter unendlich viele Premieren gemacht, bei mir fast alle, fast alle, möcht ich sagen. Er war einfach von Anfang an, so sehr wir uns zusammenraufen mussten, und es auch getan haben, die Nummer 1, und wir haben alle unseren großen Premieren gemacht. Nicht nur die “Rebecca” zum Beispiel, auch “Romeo und Julia”. Er hat eine Bandbreite gezeigt, die, glaube ich, auch eine Befruchtung war von ihm aus der Klassik, aber auch von diesen großartigen Musikern, die nicht nur Klassik mit sich bringen, sondern auch Pop, Rock und Jazz, also ich glaub, das war auch ein gegenseitiges Befruchten und Zusammenraufen, und so haben wir wunderschöne Premieren miteinander erlebt. Er ist aber auch, man glaubt es kaum, Diplomat. Diplomat zwischen nicht immer einfachen Sängern, nicht immer einfachen Musikanten, nicht immer einfachen Intendanten, nicht immer einfachen Regisseuren, nicht immer einfachen Sounddesignern. Er musste das ja alles zusammenführen. Und dafür schaust du eigentlich heute ganz fit aus. Er hat, wie du selber schon gesagt hat, mit mir gemeinsam viele wunderschöne Konzerte von Bernstein, über Christmas, über Jubiläumskonzerte, Donauinselfest gestaltet. Das war uns beiden gemeinsam wichtig, dass wir eben nicht nur die klassischen Musicals herausbringen, sondern auch viel mit dem Orchester auf die Beine stellen, eben unsere Konzertreihe, die wir nicht mehr missen können. Und, er ist reiselustig. Er hat viele Gastspiele gemacht, auch mit mir, ob es Japan war oder Italien, wir haben wunderbare Gastspiele gemacht.”

Caspar Richter: “In Peking waren wir 2000 und waren die Ersten, die in Peking Musicalkonzerte gemacht haben. Das war schon toll.”

Kathrin Zechner: “Ich hab die Chinesen kennengelernt, die sind nicht einfach. Also auch die hast du verzaubert. Wunderbar, Und, was für uns alle besonders wichtig ist, er hat immer auch die jungen Künstler gefördert, ob das im Orchester war oder [zu Thomas Borchert] … Thomas, du warst auch mal jung?… Also er hat junge Künstler, viele davon, wenn ich die Marjan anschau oder den Lukas, die Carin etc., er ganz viele tolle, großartige Leute, die jetzt unter den V.I.P.s unseres Sängerensembles hier stehen, gefördert, und was mich *nicht* überrascht hat, er geht in Pension, und hat nicht nur uns gesagt, dass er uns zur Verfügung steht weiterhin, sondern macht gleich wieder einen Sprung, nach Brünn als Generalmusikdirekter der Oper in Brünn, das heißt, du machst zwei Wochen Urlaub und gibst gleich wieder Gas, und wir werden mit diesem Konzert, das hat das Orchester auch mitgetragen, Caspar nach Brünn begleiten und dieses Konzert, das sie hier gesehen haben, in Brünn aufführen, damit wir die Ära Caspar Richter in Brünn würdig einläuten.”

Thomas Drozda betrat daraufhin die Bühne, sprach drei komma fünf oder ein wenig mehr Sätze und überreichte Caspar Richter den Ehrenring des Theaters an der Wien, von einem Vertreter des Orchesters wurde Caspar Richter zum Ehrendirigenten des Orchesters der VBW ernannt, Kathrin Zechner schließlich überreichte Richter einen Dirigentenstab der VBW. Damit war die Ära Caspar Richter (nicht ganz, aber doch) zu Ende.

Diesen Schlussworten und den Überreichungszeremonien vorangegangen war eine Rede Caspar Richters an sein Publikum, aber auch an das Unternehmen VBW, die Musiker des Orchesters der VBW und an alle Kollegen. Sie enthält ein paar sehr bemerkenswerte Schlussworte an das “jetzige Team der Vereinigten Bühnen Wien”, ein abschließendes Statement, das durchaus interpretierbar wäre, aber das soll jeder für sich entscheiden:

Caspar Richter: “So, jetzt ist es aber an mir, ein paar Worte zu sagen, mit fällt es ein bissl schwer langsam, in mir rumort es ganz schön, ich konnte schon seit drei, vier Nächten fast überhaupt nicht schlafen, weil es mir immer bewusster wird, dass es zwar heute noch nicht zu Ende ist, aber am nächsten Wochenende, da dirigiere ich noch zwei Mal “Tanz der Vamopire” und dann verabschiede ich mich von den Vereinigten Bühnen Wien. Und das ist nicht nur ein Abschied von den Vereingten Bühnen, sondern von Wien überhaupt.
Ich bin 1982 nach Wien gekommen, damals von Berlin aus, auf Wunsch meines Lehrers und Mentors Lorin Maazel, der damals
Staatsoperndirektor wurde. Er hat mich nach Wien mitgenommen. Ich habe an der Staatsoper gearbeitet und danach hat mich sofort die Volkoper gekrallt, da war ich dann auch noch engagiert. Ich war Orchesterchef der Volksoper und Dirigent der Staatsoper. Irgendwann hab ich dann mal meinen Vertrag richtig gelesen, und da war noch eine dritte Aufgabe, die ich überhaupt nie wahrgenommen habe. Ich hab sie auch gar nicht geglaubt. Ich war Musikalischer Berater des Burgtheaters. Ja, fragen Sie mich nicht, ich habe nie einen Schritt in dieses Theater gesetzt. Kurz bevor Herr Peymann kam, hab ich dann einfach mal in der Direktion angerufen und gefagt, was ich zu tun hätte. Da hat mir damals Herr Benning gesagt: “Wissen Sie, Herr Richter, vergessen sie das Ganze. Morgen kommt der Herr Peymann, der hat eh was ganz anderes vor.” Jedenfalls, ich hab einmal telefoniert, das muss ich sagen, aber, wie gesagt, das war eine sehr schöne Aufgabe … [Gelächter im Publikum] … also nicht das.
Der Herr Fröhlich hat ja schon vorhin erzählt, wie ich zufällig zum Musical kam, aber im Leben gibt es keine Zufälle. Dann war ich bei Professor Weck Musikalischer Leiter von diesem wunderbaren Orchester, vor dem ich mich jetzt mal wirklich verneigen möchte.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich auch bei anderen Menschen bedanken, die mir sehr wertvoll sind. Es wird nicht so lange dauern, obwohl ich eine ganze Liste hätte. Erstmal hab ich damals angefangen mit zwei wunderbaren Kollegen, die auch heute hier im Saal sind, das ist der Herr Manz und Walter Lochmann. Ich glaube, auf dem Musicalsektor sind wir das längstgediente oder Dienst habende oder hattende Terzett, das es jemals gab. Immerhin, wir haben also auch fast 20 Jahre zusammen gearbeitet, ich bin der letzte, der hier noch übriggeblieben ist. Dann möcht ich mich sehr bedanken bei unseren drei Intendanten, die ich erleben durfte. Professor Weck habe ich schon erwähnt. Rudi Klausnitzer, mit dem ich auch so manche Sachen durchgefochten habe, aber wir haben sehr viele schöne Sachen auf die Beine gestellt, und natürlich Kathi Zechner. Frau Zechner hat mit vor allem die Möglichkeit gegeben, auch die Konzerttätgkeit zu intensivieren, und wir haben sehr schöne Sachen gemacht, was dem Orchester auch zugute kam, sich als Orchester zu verstehen. Zu diesem Zweck bin ich ja auch damals angetreten und habe gesagt: “Wenn ich das mache, dann möchte ich aus diesem Musicalorchester die Philharmoniker des Musicals machen.” Und ich glaube, das ist uns auch gelungen.
Bedanken möchte ich mich auch vor allem bei unserem damaligen, also letzten Generaldirektor Häußler, der mir sehr viel beigestanden hat, der mir sehr viel ermöglicht hat und dem ich sehr verbunden bin, und ich wünsche dem jetzigen Team der Vereinigten Bühnen sehr viel Erfolg und sehr viel Glück, und besinnen Sie sich auch auf die Werte, die wir selber in uns haben, nämlich unsere Kreativität, aber das tun Sie sowieso. Wir brauchen einfach wieder richtige Kreationen von uns heraus, und ich weiß, dass das kommt. Und da wünsche ich Ihnen sehr viel Glück. Das ist unsere Einmaligkeit gegenüber allen anderen Häusern auf der ganzen Welt, das hat Wien immer ausgezeichnet, und das bleibt auch so und davon bin ich auch fest überzeugt. Und wenn ich irgendwie helfen kann, steh ich zur Seite.
Nicht vergessen möchte ich auch die vielen vielen wunderbaren Sänger, Solisten, Ensemblemitglieder und Tänzer, also wenn ich das jetzt alles aufzähle, bin ich bis morgen früh hier, aber das waren wirkich tolle Erlebnisse. Und diese Zeiten, und es waren wirklich 23 Jahre, mit einer kleinen Pause, aber ich war schnell wieder da, war für mich die größte Zeit, die längste Zeit, die ich je in einem Theater verbracht habe. 23 Jahre ist ja wirklich eine ganze Generation praktisch. Das wird auf ewig in mir bleiben. Das wird ein ganz ganz wichtiger, wenn nicht bis jetzt sogar der wichtigste Punkt, der wichtigste Eindruck und die wichtigste Zeit in meinem Leben bleiben und sein und ich werd es auch nie vergessen.
Weiterhin möchte ich mich noch bei meiner Familie bedanken, die immer sehr viel Geduld mit mir hatte mit meinen blöden Ideen, und ich muss mich auch bei diesem wunderbaren Orchester … Ich hatte auch ein paar Zeiten, wo ich nicht so nett war, wo wir uns ein bisschen gestritten haben, aber das kommt in einer guten Ehe immer vor und wir vertragen uns ja heute, wie man sieht, ja doch glänzend, und das Ergebnis is das wichtigte. Was bei mir immer das wichtigste war, war die Qualität, nie das Persönliche, davon war ich überzeugt. Ich weiß auch, dass mein Nachfolger, Koen Schoots, das wunderbar führen wird, er ist aus dem selben Holz geschnitzt wie ich und ich wünsche ihm sehr viel Glück damit. Er hat ein wunderbares Orchester. Er wird es weiterführen und wird es weiter erweitern, und ich glaube, das wird eine tolle Sache. Ich wünsche Ihnen alles Gute!
Ein letztes Werk gibt es noch, das hat jetzt mit dem Musical gar nix zu tun, es hat eher mit den Weihnachtskonzerten zu tun, an denen ich sehr gehangen habe, und die auch Gott sei Dank, wie ich gehört habe, weitergeführt werden. Da freu ich mich sehr drauf, wenn ichs dann mal hören kann … nämlich ein Song aus einem Film. Dieser Film ist einer meiner Lieblingsfilme, handelt von einem Dirigenten. “Wie im Himmel”, ein schwedischer Film. Da gibt es einen wunderbaren Song, der heißt “Gabriella’s Song”. Der Text am Ende des Liedes betrifft mich sehr: “With my Joy of living, I am who I am, see me strong and see me free […] and my life belongs to me. […] I shall feel that I have lived my life!”

Selbstverständlich gibt es auch über das musikalische Programm jenes Abends viel zu sagen - ein Programm, das zwischen Genie und Wahnsinn, Posing und Ekstase, Pannen und Berührendem pendelte. Mehr dazu demnächst.

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