Archiv - April, 2026
Martin Bruny am Dienstag, den
7. April 2026 um 11:55 · gespeichert in Musical
Das Orchester der VBW war schön des Öfteren aus diversen Gründen ein Streitpunkt. Doch zumindest Fakten sollten doch von einem hoch subventionierten Unternehmen ohne Schönfärberei bereitgestellt werden. Etwa die Anzahl der Beschäftigten.
Was die Fakten betrifft: Das Orchester der VBW hatte in der Saison 2023/24 59 Beschäftigte. Das kann man in der jüngst veröffentlichten Theaterstatistik nachlesen:
Link zum PDF
Wie kommt der Deutsche Bühnenverein zu den Daten. Ich habe nachgefragt und als Auskunft erhalten: »Die Daten für die Wiener Bühnen erhalten wir vom Wiener Bühnenverein. Dieses Jahr hat Frau Mag. Ruth Pfetschinger, Generalsekretärin des Wiener Bühnenvereins, uns die aktuellen Zahlen übermittelt.«
Was die Selbstdarstellung der VBW betrifft: Das Unternehmen gibt aktuell die Zahl 80 an. Das sind immer lustige Diskussionen, die man da führen kann, wann man einen niedrigen Blutdruck hat. Denn so im lockeren Gespräch kann man mitunter Aussagen hören wie: »Na eigentlich sans 120.« Nur, das wäre dann keine Diskussion mehr um die tatsächlich Beschäftigten. Dass man sich Leihmusiker aus Ungarn oder woher auch immer holen kann, ändert an den Fakten nichts.
Link zum Orchester der VBW
PS: Der Präsident des Wiener Bühnenvereins ist Franz Patay.
Martin Bruny am Montag, den
6. April 2026 um 11:56 · gespeichert in Musical
Ein Einbruch des 20. Jahrhunderts in gegenwärtige Zeiten wird derzeit im MuseumsQuartier mit dem Musical »Pretty Woman« gefeiert. Wobei dieser Retro-Trend prinzipiell ja an vielen Theatern zelebriert wird, demnächst auch wieder mal bei den VBW. In der gemeinten Superhero-Show wird das »Captain-Save-a-Ho«-Narrativ noch mal richtig schön aufgewärmt, die romantisierte Story einer Straßenprostituierten erzählt, Sexarbeit abgewertet. Vielleicht eine Art Support Act für das drohende »Moulin Rouge« irgendwann irgendwo in Wien. Wie auch immer, Kuschelrock ist in, und marketingmäßig ist der Hauptdarsteller wirklich klasse vorbereitet worden. Auf die eh schon harmlose Frage »Wer rettet wen?« antwortet er (siehe »Lehrbuch für angewandtes Whitewashing«, Seite 66): »Das Besondere an der Geschichte ist: Sie rettet ihn. Er ist Cinderella.«
Martin Bruny am Mittwoch, den
1. April 2026 um 09:14 · gespeichert in Musical
Postings zum 1. April über die VBW sind heikel, daher wird’s auch diesmal keines geben. Egal, was für einen Stuss man postet, die Wirklichkeit übertrifft die Fiktion. »›Schönbrunn-Version‹ von ›Elisabeth‹« als Inbegriff der Shrinkflation im Musicalbereich, die Marketingkampagne von »Maria Theresia«, bei der man als Schutzschild den Sanctus von Sachbuchautorinnen vor sich her getragen hat, um Plots knapp am Rand des Belegbaren zu konstruieren. Darsteller von »Maria Theresia« singen am Balkon eines Casinos, als wäre ausgerechnet Glücksspiel das, was man promoten sollte.
Jetzt hat der Geschäftsführer der VBW, Franz Patay, dem »Kurier« ein Interview gegeben, das wieder fast nicht zu toppen ist. Auf die Frage, wie er die Einsparung von fünf Millionen an Subventionen verarbeiten will, fällt ihm – und da ist es völlig egal, was er sonst noch gesagt hat – die Berufsgruppe der Nachtportiere ein. Klassisches »cherry picking« der übelsten Art. Eine prekäre Berufsgruppe, niedriges Gehalt. Hier hätte man sofort nachhaken müssen. Es fehlt nur noch die Aussage: Na bitte, stellen Sie sich das vor. Jetzt müss ma uns das Taxi nach der Weihnachtsfeier um 3 in der Früh selbst rufen.
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»Kurier«-Interview