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Archiv - News

tick, tick… BOOM! Volksoper 2023/2024

Intendant:innen setzen Zeichen. Mit ihrem Spielplan. Auch. Aber nicht nur. Erinnern wir uns an die Musicalgala 2021 »We are Musical« im Raimund Theater. Ja, die, bei der sich sämtliche Musicaldarsteller:innen bei der lächerlichen so called Operettenparodie zum Affen machten. Bei der der Intendant mit einem gefühlt halben Meter dicken Spickzettelpack die Bühne betapselte und vorzulesen begann. Fragen drängten sich auf. Warum hat er alle Zettel mit? Warum so viele? Kann er nicht pro Ansage ein paar mitnehmen? Oder doch: Was, wenn er eigentlich Brillenträger ist und die Zettel gar nicht ablesen kann? Wenn er sie nur als Stütze dabei hat? Mit seiner Spielplangestaltung gibt Struppeck keine Rätsel auf. Kein Risiko. Und wenn, dann minimieren. Lieber ein Falco-Jukebox-Musical als ein originäres Skript. Aber ist doch originär. Okay. Nach Struppeck-Maßstäben. || Noch dazu, wenn man nicht alle Lorbeeren dafür einheimsen kann, weil: Idee von jemand anderen. Buch von jemand anderen. || Das wäre dann vielleicht einmal nicht bieder? Oder in anderen Worten – »was originally developed by Vereinigte Bühnen Wien Gmbh (VBW) in Vienna – Franz Patay, CEO and Christian Struppeck, Artistic Director Musical – with music by George Fenton, book by Christopher Hampton and lyrics by Don Black«. 2015 schon war das Projekt auf Schiene. Der dritte Mann. Damals: Studiocanal: »Es freut uns sehr, mit den Vereinigten Bühnen Wien ein so herausragendes und renommiertes Wiener Kultur- und Theaterunternehmen als Partner gefunden zu haben, um diese großartige in Wien spielende Handlung auf die Bühne zu bringen. Nichts wäre passender, als ein solches Musical am Originalschauplatz zur Uraufführung zu bringen.« Jetzt passt London doch besser. Irgendwann muss man eben aufgeben und eingestehen, dass man es nicht schafft. || Wenn es so ist. || Der Fehler in der Intendanz Struppeck liegt beim Aushandler des Vertrags. Man hätte ihm dezidiert verbieten müssen, selbst Musicals als Intendant zu »schreiben«. So wird nach wie vor mediokrer Ware der Vorzug gegeben. Immer wieder. Bis endlich neue Zeiten anbrechen.
Womit wir bei der Volksoper sind. Lotte de Beer setzt mit dem Musical »tick, tick… Boom!« ein Zeichen für neue Zeiten. Okay, vielleicht hat sie einfach erkannt, dass sie neue Produktionen im Musicalbereich braucht, weil da auch Zuschauer ins Haus kommen (was bei den drei angesetzten Vorstellungen – im Foyer – natürlich das Kraut nicht mal symbolisch fett machen wird). Und vielleicht hat sie ja von »tick, tick… Boom!« nur Netflix-Wissen. Wie sonst kommt sie auf die Idee, zu schreiben: »… und die Netflix-Generation darf gespannt auf die Premiere von Jonathan Larsons Musical ›tick, tick… BOOM!‹ sein«? Die Show ist 22 Jahre alt, nicht der neueste Shit der Generation Z oder Alpha. Ein Musical, keine Netflix-Serie, wenn auch vernetflixt. Bei Uraufführungen fehlen Verantwortlichen oft die Worte, weil sie keine Ahnung davon haben, wie sie etwas beschreiben sollen, über das noch nichts geschrieben wurde. Manchmal könnte man meinen, der Abstand der Kreativen zu ihrer eigenen Kreativität sei unüberwindbar. Über eine Show von Larson, die man live aufführen möchte, ist ein Netflix-Claim zumindest »originell«. Egal. Lotte de Beer macht etwas. Etwas, was nicht selbstverständlich ist für das Haus und was vermutlich mit der letzten Intendanz unvereinbar gewesen wäre. Und das ist ja schon mal ein Zeichen.

Volksoper 2023/2024

tick, tick… BOOM!
ab 28. Oktober
Musical für drei Personen und Band
Musik, Buch und Gesangstexte von Jonathan Larson
Scriptberatung von David Auburn
Vokal-Arrangements und Orchestrierung von Stephen Oremus
Original Produktion im Juni 2011 off-Broadway von Victoria Leacock, Robyn Goodman,
Dede Harris, Lorie Cowen Levy und Beth Smith
Neue deutsche Fassung der Dialoge von Timothy Roller

Musikalische Leitung: Christian Frank
Regie: Frédéric Buhr
Ausstattung: Agnes Hasun
Dramaturgie: Sylvia Schlacher / Peter te Nuyl
Jon: Jakob Semotan
Susan: Juliette Khalil
Michael: Oliver Liebl

West Side Story
ab 27. Jänner 2024
Nach einer Idee von Jerome Robbins
Buch von Arthur Laurents
Musik von Leonard Bernstein
Gesangstexte von Stephen Sondheim
Deutsche Ãœbersetzung der Dialoge von Marcel Prawy
Musikalische Leitung: Ben Glassberg/
Tobias Wögerer
Regie: Lotte de Beer
Choreographie & Co-Regie: Bryan Arias
Bühnenbild: Christof Hetzer
Kostüme: Jorine van Beek
Dramaturgie: Magdalena Hoisbauer/
Peter te Nuyl

Tony: Anton Zetterholm / Oliver Liebl
Maria: Gemma Nha / Jaye Simmons
Anita: Ana Milva Gomes
Riff: Oliver Liebl / Peter Lesiak

Weiters:
Aristocats
ab 24. September (im Foyer)
Halbszenische Aufführung
Text und Musik von Richard Sherman, George Bruns, Terry Gilkyson & Al Rinker
Übersetzung der Songtexte von Heinrich Riethmüller und Nicolaus Hagg
Erzählfassung für die Volksoper von Nicolaus Hagg

PS: Eine ganz schlechte Idee der Intendanz ist die Ticketpreiserhöhung. Sie ist massiv und gerade in diesen Zeiten ein schlechtes Zeichen. Rollstuhlplätze von 79 Euro auf 90 Euro erhöhen? Ernsthaft? Für den Musicalbereich im Detail:
Kategorie I 92 (Neu: 99)
Kategorie II 79 (90)
Kategorie III 63 (72)
Kategorie IV 44 (52)
Kategorie V 26 (33)
Kategorie VI 11 (15)
Kategorie VII 7 (10)
Kategorie VIII 4 (5)
Kategorie IX 3 (4)
Kategorie X 4 (4)
Kategorie XI (4)
Kategorie XII 79 (90) Rollstuhlpätze (10. Reihe)!
Kategorie XIII 79 (90) Rollstuhlplätze Begleitplatz (10. Reihe)

Rund um die Burg. Literatur in Zeiten von Corona.

Das Problem der Buchbranche in Zeiten von Corona ist nicht etwa, dass man keine Bücher machen könnte. Schreiben, lektorieren, setzen, drucken, alles kein Problem. Nur wie soll man sie vermarkten? Ein oft unterschätztes Mittel der Promotion sind Lesungen. Je populärer der Autor, desto höher der Anteil der bei Lesungen verkauften Bücher. Das hilft den Verlagen, aber auch dem Autor, weil er auf diese Weise, wenn er sich das clever ausverhandelt, einen höheren Prozentsatz vom Verkaufspreis bekommt.
Nun, seit Anfang März finden Lesungen nicht mehr statt. Wann es in diesem Bereich wieder losgehen kann, ist nicht absehbar. Und so versucht eine der beliebtesten Leseveranstaltungen des Jahres, »Rund um die Burg«, ins Netz auszuweichen. 45 Autoren werden am 8. Mai aus (ihren) Werken lesen. Das sind mehr als doppelt so viel wie in vergangenen Jahren. Internationale Bestsellerautoren wie T. C. Boyle, John Stralecky, Rafik Schami, Stewart O’Nan und Hilary Mantel sind genauso vertreten wie heimische Größen, so zum Beispiel Michael Köhlmeier, Erika Pluhar, Hugo Portisch und Michael Schottenberg. Das komplette Programm ist online abrufbar unter rundumdieburg.at
Auch nach dem 8. Mai werden die Lesungen online zu hören und zu sehen sein.

TheaterArche / Wie geht es weiter / offener Brief

Sehr geehrtes Kuratorium der Stadt Wien,
sehr geehrte Kulturjournalist*innen!

Wir möchten uns in diesem offenen Brief an Sie und die kulturinteressierte Öffentlichkeit wenden und uns bei Ihnen bedanken!
Unser Eröffnungsjahr 2019 war ein intensives, geprägt von vielen für die Öffentlichkeit mehr oder weniger wahrnehmbaren Hürden und vor allem auch von schönen, mit einer Nestroypreisnominierung und zahlreichem Publikumszuspruch, auch erfolgreichen Momenten.

Heute ist der 15. Februar 2020. Es ist der Stichtag für die Projekteinreichungen bei der Stadt Wien.
Aufgrund der Tatsache, dass die TheaterArche noch kein einziges neues Projekt durch die Kurator*innen der Stadt Wien gefördert bekommen hat (die letzte Absage ist im Anhang und kam auf den Tag genau ein Jahr nach unserer Eröffnung), habe ich beschlossen Heute zum ersten Mal seit Jahren nicht für eine Förderung einzureichen.
Die Gründe der Nichtförderung des Kuratoriums sind sicher vielfältig, ein Grund ist auf jeden Fall augenscheinlich: Die mangelnde finanzielle Ausstattung dieses Gremiums ermöglicht es nicht, uns in einem Maße zu fördern, das unsere Projekte dann auch den Fair Pay Kriterien entsprechen würden.
Der Verein TheaterArche hat im Jahr 2019 ehrenamtliche - also unbezahlte – Arbeit in der Höhe von knapp 450.000 Euro (in Worten: vierhundertfünfzigtausend) geleistet. Dieser Aufwand kann mit der budgetären Ausstattung des Kuratoriums nicht abgegolten werden. Das Kuratorium fördert auch kein einziges anderes Theaterhaus, wir verstehen also vollumfänglich, dass auch die TheaterArche nicht vom Kuratorium gefördert wird. Dennoch haben wir es in den letzten Jahren immer wieder versucht Fördergelder bei diesem Gremium zu beantragen und ich möchte mich sehr herzlich bei Katalin Erdödi, Kolja Burgschuld und Wolfgang Kralicek für die guten Gespräche und für das Interesse an unserer Arbeit bedanken, das sich durch regelmäßige Besuche bei unseren Produktionen manifestiert hat.

Auch bei den zahlreichen Medien, Radiostationen, Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehsendern, Onlineblogs und vor allem bei den berichtenden Journalist*innen möchte ich mich ganz herzlich für das Interesse im Eröffnungsjahr 2019 bedanken!

Wir sehen auch, dass die aktuellen Kulturpolitikerinnen interessiert sind an unserer Arbeit.
Veronica Kaup-Hasler war ebenso bei uns, wie auch Ulrike Lunacek, die bei ANSTOSS an einem Abend sogar im Rahmen des Stücks mitgewirkt hat.
Die Kulturpolitik scheint in Österreich also in guten, kompetenten und vor allem auch interessierten Händen. Das ist gut und erfreulich und war leider nicht immer so.

Denn es scheint mir, dass einige frühere Entscheidungsträger*innen, Strukturen geschaffen haben, die einer dynamischen Entwicklung der Wiener Kulturlandschaft im Wege stehen.

Bisher wurde uns immer wieder eine direkte Förderung (also eine Förderung ohne Kuratorium und diverse Gremien – so wie die meisten anderen Wiener Theaterhäuser auch gefördert werden) durch die Stadt Wien verweigert, mit dem Argument, sonst müsste man ja anderen was wegnehmen.

Wenn Steuergelder allerdings fix vergeben werden und dadurch manche fix etwas bekommen, andere wiederum fix nichts bekommen, dann geht es nicht um Inhalte und Kreativität, sondern nur darum wer früh genug da war um in dem abgesperrten, begrenzten Gießkannenareal sein Wasser abzubekommen, die anderen können von draußen zuschauen und verdorren. Und das völlig unabhängig von Qualität, Relevanz und Publikumsinteresse.
Im Rahmen der aktuellen Kulturbudgeterhöhung, möchte ich allerdings an dieser Stelle anerkennen, dass sich die Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler bei der MA 7 für uns eingesetzt hat, dass wir zumindest eine kleine Basisförderung bekommen.
50.000 Euro wurden uns somit für das Jahr 2020 von Herrn Dr. Dressler, dem Theaterreferenten der Stadt Wien, zugesagt.
Es wird also im Jahr 2020 ausreichend Geld da sein um entweder die Hauskosten (Miete, Strom und Gas) zu decken, oder um eine Vollzeitanstellung zu zahlen.

Leider kam diese informelle Förderzusage zu spät um auch beim Bund einzureichen.
Das Subsidiaritätsprinzip hat es uns bisher nicht ermöglicht Anträge beim Bund zu stellen. Für das Jahr 2020 hätten wir unseren Antrag bis Ende Oktober 2019 abschicken müssen, ein Zeitpunkt zu dem keine Basisförderung der Stadt Wien in Sicht war.

Doch unabhängig von dieser Thematik, was passiert eigentlich bei uns laufend im Theater?

Gestern war Valentinstag, es wurde so wie auch Heute das Musical ASPECTS OF LOVE von Andrew Lloyd Webber (österreichische Erstaufführung!) bei uns im Theater gespielt. Gestern haben die Karten 99,- Euro pro Stück gekostet. An den anderen Tagen sind die Kartenpreise bei 75,- Euro.
Das Haus ist bereits an allen Spieltagen ausverkauft.

Das Musical ist eine Gastproduktion, wir selber wollen uns in der TheaterArche keiner Kunstform verschließen und möchten vor allem eins: professionelle Projekte ermöglichen und diesen einen adäquaten Aufführungsort bieten – quer über alle darstellerischen Kunstformen hinweg, ohne Einschränkungen. Die TheaterArche ist ein offener Ort für Künstler*innen aller Sparten.

Bei unseren Eigenproduktionen wiederum haben wir durchaus auch einen experimentellen und zeitkritischen Anspruch, zwei Dinge die sich schwer mit allzu hochpreisigen Eintrittskarten vereinbaren lassen.

Tatsache ist aber, dass wir, um mit unserer Konkurrenz mithalten zu können, perspektivisch gesehen entweder zumindest annähernd gleich hohe Fördergelder brauchen, oder aber die Eintrittspreise so erhöhen müssten, dass es nicht mehr vertretbar wäre und wohl auch das Publikum ausbliebe.

Doch wer ist unsere Konkurrenz und wie hoch sind da die Fördergelder?

Wir sehen uns als eigenständig produzierendes Privattheater mit zahlreichen Gastspielen in Konkurrenz zu Häusern wie der Drachengasse, dem Hamakom und dem Kosmostheater, natürlich ist auch das vom Theaterverein betriebene TAG, allein durch seine geographische Nähe, in unmittelbarer Konkurrenz zu uns. Das sind Theater, die mit 450.000 – 900.000 an öffentlichen Geldern arbeiten. Wir selber haben einen Mindestfinanzierungsbedarf von 450.000 – also in der Höhe unserer 2019 geleisteten ehrenamtlichen Arbeit.

Wir haben uns nun also eine klare Deadline gesetzt, wie lange wir das Theater unter gegebenen, unterfinanzierten Bedingungen, weiter machen werden. Für diesen Zeitraum haben wir auch schon unsere Projekte festgelegt.

Wir möchten Ihnen also hiermit unsere nächsten Eigenproduktionen ans Herz legen und würden uns sehr freuen wenn Sie uns besuchen kommen!

Hier sind unsere nächsten Premieren:

19. März 2020 um 20 Uhr HIKIKOMORI (Regie und Konzept; Jakub Kavin)

21. April 2020 um 19:30 ANSTOSS reloaded (Regie und Konzept: Jakub Kavin - gefördert mit 10.000 Euro Wiederaufnahmeförderung der Stadt Wien)

24. September 2020 um 19:30 DIE SCHAMLOSEN (Regie und Konzept: Nagy Vilmos)

Dann werden wir eine längere Pause mit unseren Eigenproduktionen einlegen.

Am 11. September 2021 wird dann – 20 Jahre nach nine-eleven – ODYSSEEE 2021 Premiere haben.

Die ODYSSEE 2021 wird ein Projekt sein, bei dem wir das ganze Theater (inklusive Backstagebereich) und auch die Münzwardeingasse bespielen werden.

21 Vorstellungen werden zwischen 11. September 2021 und dem 11. November 2021 (dem 200. Geburtstag Dostojewskis) stattfinden.

Die Anzahl der Zuschauerplätze wird mit 75 limitiert sein. Die Karten werden pro Abend 45,- Euro kosten, damit erreichen wir für unsere Eigenproduktionen ein Limit, das wir nicht überschreiten wollen, dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir das Theater voll kriegen. Doch selbst bei vollem Haus wird kein FAIR PAY möglich sein.

Wir haben im Jahr 2019 einen Umsatz von knapp 130.000 Euro gemacht. Das bei 114 gespielten Vorstellungen.

Dies war uns nur deshalb möglich, weil wir praktisch keine Freikarten verteilt haben. Sogar die engsten Familienmitglieder der Schauspieler*innen haben gezahlt, oft sogar zusätzlich einiges gespendet. Auch die oben genannten Politikerinnen haben für sich und die begleitenden Personen Eintritt gezahlt – sogar im Falle der persönlichen Beteiligung im Rahmen des Stücks.

Auch im Rahmen unserer Crowdfundings haben zum Beispiel Politker*innen quer durch alle parlamentarischen Parteien – mit Ausnahme der FPÖ - gespendet. Wir nehmen also für uns in Anspruch, zu behaupten, dass wir mit unserer Arbeit die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten erreichen und über den Tellerrand der Wiener Szene hinweg wirken. Doch wir können so nicht mehr. Es ist uns einfach nicht mehr möglich so hohe Eigenleistungen aufzubringen, gleichzeitig wird das Haus mit weniger Einsatz nicht funktionstüchtig sein.

Entweder wir werden also noch in diesem Jahr eine gesicherte Finanzierung bekommen, die uns ein FAIR PAY ermöglicht, oder aber wir werden mit Ende 2021 unseren Spielbetrieb einstellen. Denn wie heißt es so schön, man soll aufhören wenn es am Schönsten ist – und drei Jahre an einem Ort mit massiver Selbst- und Fremdausbeutung sind genug. Schöner wird’s dann nicht mehr.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie über unsere Projekte und unser Haus weiterhin berichten, wenn Sie uns besuchen kommen, uns kritisieren wo es angebracht ist, und auch loben, wo wir es uns verdienen.

Denn wir freuen uns auf jeden Fall auf die Jahre 2020 und 2021, werden das Theater jeden Tag mit unserer ganzen Kreativität füllen und mit unserer ganzen Hingabe führen. Bitte begleiten Sie uns auf diesem Weg und unterstützen Sie uns mit Ihrer Berichterstattung!

Herzliche Grüße,

Jakub Kavin

www.theaterarche.at

Aktionstheater Ensemble: »Heile mich« (2020) im Werk X

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Am Mittwoch, dem 29. Jänner (Beginn: 19:30 Uhr), feiert »Heile mich«, die aktuelle Produktion des Aktionstheater Ensemble, ihre Wien-Premiere im Wiener Werk X.
Der Arbeitsweise der Gruppe entsprechend, wird darin einmal mehr der politische Status quo auf das Persönliche, auf das Alltägliche heruntergerissen. Drei Schauspielerinnen exekutieren in dieser Theater- und Musikperformance ihren ganz persönlichen Seelenstriptease. Fünf Musiker machen dort weiter, wo die Kommunikation versagt.

Isabella (Isabella Jeschke) naht, nach mehreren missglückten Partnerschaften, Rettung durch einen abermaligen Heilsbringer, der ihr Sicherheit bieten soll. Allein den bekommen die Zuschauer nicht zu Gesicht, er bleibt Chimäre, bloße Projektionsfläche. Da sind, neben Isabella, nur noch Susanne (Susanne Brandt) – und Kirstin (Kirstin Schwab), die ihre Erlösung, zwecks Rettung des Planeten, in Weiterbildungskursen sucht. Die Sehnsucht nach den richtigen Lebenskonzepten treibt sie zueinander.
An politischen Heilsbringern, deren Wirkmacht dann am größten ist, wenn sie nichts sagen, arbeiten sich Martin Gruber und sein Aktionstheater Ensemble schon länger ab. An einer Ego-Gesellschaft, die diese befeuert und von diesen befeuert wird, auch. In »Heile mich« stellt sich die Gruppe nun die Frage, wie es sich auswirken mag, wenn verschiedene Meinungen und Weltbilder aufeinanderprallen. Eine Bestandsaufnahme einer narzisstischen Gesellschaft, die nach Heilung sucht. Um der Einsamkeit zu entkommen.

Warum ich das Aktionstheater Ensemble so sehr schätze, hat einen speziellen Grund. Leicht erklären kann ich es anhand eines kleinen Ausschnitts aus der Produktion »Immersion. Wir verschwinden« aus dem Jahr 2016. Die Show ist online auf Vimeo. Gleich die erste Szene wird durch den Wutmonolog einer Schauspielerin gekrönt, die sich über eine unbegabte Kollegin echauffiert, die trotz all ihrer Unfähigkeit mit einem sexistischen Werbespot zu 46.000 Shares in den Social Media kommt und nun doch sicher berühmt wird (ab 5:28):

»Das Beste hab ich ja noch gar nicht erzählt: Wisst ihr, was die gesagt hat? In einem ÖFFENTLICHEN Werbespot sagt die: ›Mensch, hier ist anscheinend alles schärfer wie ich, ich geh dann mal shoppen.‹
Wie ich? Wie ich? ALS ICH! Da muss man nicht zehn Jahre Germanistik studieren wie ich. WIE ICH! Damit man das weiß. Ein Vergleich. Als. Als ich. Als ich wie was. Wie? Wie was, würde ich sie mal fragen. Wie? Wie was? Wie – was meinst du überhaupt? Wie wie was wie? Was ich alleine da an Geld in meine Ausbildung … Und die? NIX. TUT. DIE. Und wir Schauspieler … 46.000 … Und wir … Und die … Nada … Null … Und wir … Wie? Wie was? Wie wo? Was meinst du? Wie was wo? Wie wa… Aaaaaaaaaals. Aaaaaaaaaaaaals. Aaaaaaaaaals.«

Es mag vielleicht nicht viele geben, für die gerade diese Szene das reinste Vergnügen ist. Der Berufsstand der Lektoren und Korrektoren aber wird damit wunderbar unterhalten. Wie oft denke ich mir beim Lesen von Texten: Im Endeffekt? Ist das dein Ernst? Weder gibt’s einen Anfangseffekt noch einen Mitteleffekt, und schon gar keinen Endeffekt. Nur weil das »sogar« im »scheiß Duden« steht (wie mir schon einige Male gesagt wurde), muss man es noch lange nicht verwenden. Im Duden steht viel. Zum Beispiel, dass dem österreichischen »weiters« das deutsche »weiterhin« entspricht. WAS FÜR EIN SCHWACHSINN. Aber wie auch immer, dann überlegt man: Soll ich es korrigieren, auf »letztlich«, »letzten Endes« … nicht dass es nicht genügend Möglichkeiten geben würde. Leicht fällt es, wenn ein ein strammer Politiker auf irgendeinen »Endeffekt« zu sprechen kommt. Na klar lässt man das. Authentischer kann er sich gar nicht sprachlich darstellen.
Oder DAS MACHT SINN. Nein, nichts »macht Sinn«. Etwas »ergibt« Sinn, etwas »ist sinnvoll«. Etwas macht nur Sinn, weil etwas falsch aus dem Englischen übersetzt wurde.
Oder man bearbeitet ein Manuskript und checkt mal, wie oft das Wort »auch« vorkommt. 243 »auchs« auf 120 Seiten hatte ich schon.
Oder Rufzeichen.
Oder Begriffe wie »fulminant«, die die Presseabteilung eines Wiener Musicaltheaters in praktisch jeder Aussendung strapaziert, kombiniert mit elendslangen Aufzählungen von unbedeutenden technischen Details. Als würde jemand seine Zwangsneurosen in Aufzählungen verpacken, wie viele Meter Kabel vom »Cats«-Kobel auf der Bühne bis zum Häusl im Backstage-Bereich verlegt wurden und wie viele Glühlämpchen den Kätzchen den Weg zum Pissoir erleuchten. Man könnte meinen, manche Pressemeldung stamme direkt aus »American Psycho«.
Und genau auf diese Facette in den Stücken des Aktionstheater Ensemble freue ich mich jedes Mal besonders. Das Sezieren des Sprachgebrauchs auf vielfältigste und subtilste Art und Weise. Das ist für mich spannend wie eine Krimi und wohltuend – es gibt auch andere, die vielleicht nicht ganz so extrem wie ich, aber doch, bestimmte sprachliche Phänomene erleben.

HEILE MICH
von Martin Gruber und Aktionstheater Ensemble
Kooperation mit Werk X

Mi. 29. Jänner 19:30 Uhr Premiere
Do. 30. & Fr. 31. Jänner sowie Sa. 1. & So. 2. Februar jeweils 19:30 Uhr
im Werk X, Oswaldgasse 35a, 1120 Wien
Karten: reservierung@werk-x.at, T +43 1 535 32 00-11, http://werk-x.at

Sag, welches ist das schönste Musical im Land?

In den vergangenen Wochen machten die Ergebnisse einer Umfrage die Runde. Auf der österreichischen Unterseite von broadwayworld.com, nämlich broadwayworld.com/austria, war eine Online-Befragung durchgeführt worden. Unter anderem konnte man über die beliebteste Musicalproduktion abstimmen. Das Ergebnis ist für die VBW höchst erfreulich, konnte deren Produktion »Cats« doch in einigen Kategorien den ersten Platz erringen. So weit, so gut.
Zu hinterfragen ist die Relevanz der Umfrage. Es gibt keinerlei Angaben, wie viele Stimmen insgesamt abgegeben wurden, und selbst wenn ich behaupten würde, diese Umfrage ist überhaupt nur einem sehr kleinen Personenkreis bekannt gewesen und vielleicht allen Beschäftigten der VBW und einigen Fangruppen, würde man meine Behauptung nicht mit konkreten und überprüfbaren Angaben kontern können.
Es ist eine Sache, dass die Marketingabteilung der VBW geradezu on fire war und das für sie scheinbar so erfreuliche »Ergebnis« mittels Presseaussendung abfeierte. Dass aber selbst Tageszeitungen diese Meldung übernahmen, ohne sie zu hinterfragen, finde ich bedauerlich.
Erst unlängst geriet broadwayworld.com in den USA in die Schlagzeilen. Auf der Website ist es nämlich Darstellern möglich, öffentliche Profile, die sich dann als eigenständige Websites darstellen lassen, anzulegen. Überprüft werden die Angaben nicht. Ein amerikanischer Bühnendarsteller nützte das aus und gab auf seiner persönlichen Site, die allerdings über broadwayworld.com lief, eine Fülle an Engagements und Filmen an, in denen er angeblich mitgespielt hatte. Interviews, die er in der Folge gab, brachten die Wahrheit ans Tageslicht. In diesem Fall hatten die Medien ihren Job ernst genommen und seine Angaben hinterfragt, das angeblich so gute Label »broadwayworld.com« hat ihm nichts genützt.
Musicalgeschichte schreiben übrigens nicht die Presseabteilungen der Theaterhäuser. Könnte also leicht sein, dass im Rückblick derartige Aktionen in einem realistischeren Licht beleuchtet werden. Wollen wir es hoffen.

Werk X: Homohalal (2018)

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Eigentlich sollte »Homohalal« im Frühjahr 2016 am Wiener Volkstheater uraufgeführt werden. Doch kurz vor der Premiere wurde Ibrahim Amirs Stück vom Spielplan genommen. »Grund«: die aufgeheizte Diskussion rund um das Flüchtlingsthema. Es war eine der sich häufenden nicht nachvollziehbaren Spielplanentscheidungen des Volkstheaters. Vor allem aber wurde sie schlecht und nur mit vielen Andeutungen kommuniziert. Gerade das Theater, dem sich Anna Badora verschrieben hat, sollte nicht kneifen, wenn es darum geht, aktuelle Themen mit den Mitteln des Theaters zu hinterfragen.

Weltweit sind rund 65 Millionen Menschen auf der Flucht, gut eine Million kam im Jahr 2015 nach Europa, wo seither eine hysterische Debatte tobt. Der in Syrien geborene Arzt und Autor Ibrahim Amir schaut den Leuten aufs Maul: den Flüchtlingen sowie den Hetzern und den Wohlmeinenden hierzulande. Sein Theatertext »Homohalal« nimmt die Vorurteile über Asylsuchende aufs Korn. Er verschont niemanden und seziert kriminalisierende wie idealisierende Klischees.

»Homohalal« basiert auf Amirs Zusammenarbeit mit Geflüchteten und Aktivisten, die 2012 die Wiener Votivkirche besetzten, um auf ihre prekäre Lebenssituation in Österreich aufmerksam zu machen. Nach der Absage in Wien erlebte das Stück 2017 in Dresden seine umjubelte Uraufführung. Unter der Regie von Ali M. Abdullah unternimmt das Meidlinger WERK X 2018 einen neuen Anlauf, die Österreichische Erstaufführung von »Homohalal« auf die Bühne zu bringen.

Ali M. Abdullah, Regisseur und Co-Leiter des WERK X: »Bitterböse Komödien sind das beste Werkzeug, um alltägliche zwischenmenschliche und interkulturelle Konflikte auseinanderzunehmen. Vor dem Hintergrund des dramatischen Rechtsrucks in Europa zeigt ›Homohalal‹, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft sich letztlich weniger unterscheiden, als manche Zeitgenossen glauben.«

HOMOHALAL
von Ibrahim Amir
Österreichische Erstaufführung

Inszenierung: Ali M. Abdullah
Bühne und Kostüm: Renato Uz
Dramaturgie: Hannah Lioba Egenolf

Mit: Constanze Passin, Stephanie K. Schreiter, Yodit Tarikwa, Christoph Griesser, Daniel Wagner, Arthur Werner u. a.

PREMIERE: Do 18.1.2018, 19:30 Uhr
WEITERE TERMINE (jeweils 19:30 Uhr): Sa 20.1.2018, Do 25.1.2018, Fr 26.1.2018 (Publikumsgespräch im Anschluss)
ORT: WERK X, Oswaldgasse 35 A, 1120 Wien
Weitere Infos –> hier

Ateliertheater Wien: »Quartett«

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Zwei Mal noch (am Donnerstag, dem 7. Dezember, und am Freitag, dem 8. Dezember) ist Heiner Müllers »Quartett« im Wiener Ateliertheater zu sehen. Müller reduziert in seiner Bearbeitung des dem Stück zugrundeliegenden Briefromans »Gefährliche Liebschaften« (Choderlos de Laclos, 1782) die Personen der Handlung auf die beiden Antagonisten Marquise de Merteuil und Valmont. Sie trägt ihm auf, er solle ihre Nichte verführen, den ehemaligen Geliebten der Marquise aber interessiert die Entehrung einer anderen mehr. Eine giftige Auseinandersetzung nimmt ihren Lauf. Im weiteren Verlauf des Stückes wechseln die Geschlechterrollen: So wird Merteuil zum geübten Verführer, Valmont zur jungfräulichen Nichte, die es zu »vernichten« gilt. Ritualhaft vollzieht sich zwischen diesen beiden gegen ihren Untergang ankämpfenden Hofintriganten ein zerstörerischer, zeitloser Kampf der Geschlechter, der keine Gewinner kennt.

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35 Jahre nach der Uraufführung ist es Zeit, »Quartett« im Hinblick auf gegenwärtige Gender-Debatten neu zu befragen. Aussagen wie »Grab her by the pussy« und Parteiprogramme, die auf alleinerziehende Mütter vergessen, lassen darauf schließen, dass der Geschlechterkampf, den Müller in seinem Werk recht drastisch skizziert, noch immer andauert. Dass er vielleicht durch einen konservativen Backlash wieder verstärkt wird.

VALMONT: Ich glaube, ich könnte mich daran gewöhnen, eine Frau zu sein, Marquise.
MERTEUIL: Ich wollte, ich könnte es.

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Regie und Raumkonzept: Thomas Thalhammer
Video: Sebastian Kraner
Mit Maria Astl und Maks Suwiczak
Fotos: Sebastian Kraner

Spieltermine:
7. und 8. Dezember, Beginn: 2o Uhr (Dauer: ca. 70 Minuten)

Tickets:
VVK: 18,–
AK: 21,–
Erm: 16,–

Nähere Infos –> hier

Wiener Stadthalle: »Royal Christmas Gala« mit Sarah Brightman

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Am 23. Dezember findet in der Wiener Stadthalle (Halle F) die »Royal Christmas Gala«, ein Weihnachtsevent mit Sarah Brightman, statt. Gemeinsam mit Gregorian, Mario Frangoulis, Narcis und Fernando Varela bringt Brightman ein Pop-Meets-Classic-Programm auf die Bühne – begleitet werden die Künstler vom Royal Symphony Orchestra und Band.

Zuletzt war Brightman vor 17 Jahren im deutschsprachigen Raum auf Tournee, eine gute Gelegenheit also, die Sopranistin wieder einmal live zu erleben. Sollte die Christmas-Gala-Tour ein Erfolg werden, bestehen Pläne, ein mehrjähriges Projekt daraus zu machen, mit Auftritten auch in den USA und anderen Ländern.

Tickets für die Show gibt es –> hier

Werk X: Ich glaube

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Das WERK X startet mit der Uraufführung von »Ich glaube«, einer Produktion des aktionstheater ensemble, in die neue Spielzeit. Die Truppe rund um den Theatermacher Martin Gruber thematisiert in ihrem neuesten Stück Religion als Faktor für Selbstlegitimierung, Abgrenzung, Ausgrenzung und Gewalt. Die Wien-Premiere findet am Mittwoch, 11. Oktober 2017, im WERK X in Meidling statt.

Vor der Kulisse einer durch Attentate verletzten Welt treffen sich die ProtagonistInnen des aktionstheater ensemble und werfen sich mehr oder weniger funktionierende Lebensphilosophien einer saturiert-säkularen Welt an den Kopf. Jeder weiß es besser. In einem schwindelerregenden Parforceritt werden religiöse wie quasi-religiöse Lebensentwürfe durchdekliniert. Die Erkenntnis, dass der Glaube an absolute Wahrheiten noch nie wirklich funktioniert hat, ist den AkteurInnen aber nur ein schwacher Trost. Was letztlich verbindet, ist die Suche nach einem verbindenden Element: die Liebe.

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ICH GLAUBE
von Martin Gruber und aktionstheater ensemble

Uraufführung in Koproduktion mit Bregenzer Frühling und Kooperation mit Werk X
Dauer: 75 Minuten

täglich bis Sa. 14. Oktober jeweils 19:30 Uhr im Werk X (Oswaldgasse 35a, 1120 Wien)

Konzeption, Regie: Martin Gruber
Text: Martin Gruber und aktionstheater ensemble
Dramaturgie: Martin Ojster
Regieassistenz: Robin Sarah Ströhle
Musik/Arrangements, Sound-Design: Kristian Musser
Musiker: Kirill Goncharov (Geige), Jean Philipp Viol (Bratsche)
DarstellerInnen: Susanne Brandt, Alev Irmak, Martin Hemmer, Claudia Kottal, Benjamin Vanyek

Dank an: Simone Huchler, Martin Platzgummer (PROXI), Aaron Sutterlütte (Aaronfilm),
Felix Dietlinger
Fotos: Stefan Hauer

ICH GLAUBE - TRAILER from aktionstheater ensemble on Vimeo.

Theater Drachengasse: Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!

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Am Montag, dem 9. Oktober 2017, geht im Theater Drachengasse die Premiere des Stücks »Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!« über die Bühne. Nach »Die großen Kinder unserer Zeit« ist es die zweite Arbeit von Korbinian Schmidt und Franz-Xaver Mayr im Theater Drachengasse. Franz-Xaver Mayr ist aktuell für den NESTROY-Preis 2017 nominiert, für seine Inszenierung von »diese mauer fasst sich selbst zusammen und der stern hat gesprochen, der stern hat auch was gesagt« im Wiener Schauspielhaus.

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»Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!« ist ein theatrales Panoptikum zur Erforschung der Generation Y in Bezug auf Haben, Wollen, Sein und Müssen. Zwischen Prekariat und Selbstoptimierung, Leistungsdruck und Ich-Inszenierung regiert die Angst, als Witzfiguren in die Geschichte einzugehen.

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Lieber Bonnie,
Es ist ja so. Wir haben lange gewartet und waren geduldig. Wir sind joggen gegangen. Wir haben uns gesund ernährt. Wir haben unsere Körper auf Vordermann gebracht. Wir haben eine Ausbildung gemacht, haben studiert und sind gereist. Wir haben lange Gespräche geführt, haben Interesse an vielen Dingen entwickelt, haben Sprachen gelernt und gelernt, wie wir uns anziehen müssen, damit wir nach etwas aussehen. Wir haben in uns und unsere Leben viel Zeit und Geld investiert, damit wir damit etwas anfangen können. Und jetzt ist all das in Gefahr, weil es etwa Probleme gibt? Woher wir das wissen? Aus dem Internet! Dort sagen das nahezu alle. Es stünde schlecht um uns und man müsse etwas unternehmen. Das sagen auch nahezu alle. Das ist nicht fair. Darauf hat man uns nicht vorbereitet. Und außerdem fehlen uns dazu die Informationen und die finanziellen Mittel. Was machen wir denn jetzt. Wie du weißt, bin ich Schriftstellerin und arbeite im Einzelhandel und da bleibt mir wenig Zeit mich noch um anderes zu kümmern. Und so geht es fast allen. Gut. Nicht jeder arbeitet im Einzelhandel, aber nahezu jeder ist Schriftsteller*in geworden und da braucht man viel Zeit für sich. Bonnie, ich weiß. Uns geht es ja gut. Wir haben Arbeit, die Landschaft ist toll, das Klima auch, wir tragen tolle Kleider, alles i.O. Noch! Weißt du, ich habe einfach Angst, dass wir es nicht hinbekommen. Dass alles vergebens war. Dass wir nicht den Ruhm ernten, den wir verdienen, sondern stattdessen einfach immer so weiter machen, weiter unsere Kleider kaufen und gesunde Dinge essen und dann einfach verschwinden und als die größten Witzfiguren in die Geschichte eingehen werden. Davor habe ich eine verdammte, begründete Angst!
In Liebe, den Tränen nahe, deine Bonnie!

PS: Ich habe jedes einzelne Gespräch mit Dir genossen. Auch wenn uns kein einziges weitergebracht hat.

Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!
Uraufführung
Eine Koproduktion mit Theater Drachengasse

Inszenierung: Franz-Xaver Mayr, Korbinian Schmidt
Dramaturgie: Moritz von Schurer
Video: Nela Pichl
Maske: Inge Schra
Regieassistenz: Sarah Maringer
Bühnenbildassistenz: Johanna Mitulla
Produktionsfotos: Marcella Ruiz Cruz

Es spielen: Nehle Breer, Karola Niederhuber, Nils Rovira-Muñoz, Amerlingchor

Uraufführung: Montag, 9. Oktober, 20 Uhr
Weitere Vorstellungen: 10.–14.10., 17.–21.10., 20 Uhr

Karten:
Theater Drachengasse, Bar&Co
Fleischmarkt 22, 1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 513 14 44
e-mail: karten@drachengasse.at
web: www.drachengasse.at/karten.asp
Abendkassa: 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn
Vollpreis: 19 Euro / Studierende: 10 Euro / weitere Ermäßigungen

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