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Archiv - 2009

Hari Baumgartner & Akustix: “Die stillste Zeit” - die schönste Weihnachts-CD 2009

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Deutschsprachige Weihnachts-CDs sind rar. Kaum jemand traut sich, abgesehen von Chören und Volksmusik- und Schlager-Heroes wie Roland Kaiser (”Besinnliche Weihnachten”, 2009) oder Tony Marshall (”Weihnachten mit Tony Marshall”, 2009). Versuche, Musicalsänger mit einer Weihnachts-CD am Markt zu platzieren, sind schon bei der Titelfindung baden gegangen. Wer eine willkürliche Schar an Musicalsängern “Giganten des Musicals” nennt, dem ist eben nicht zu helfen.

Und doch, es gibt sie, die deutschsprachige Weihnachts-CD-Neuerscheinung 2009, die nicht im Schlager, nicht in der Volksmusik angesiedelt ist, sondern tatsächlich einerseits im authentisch interpretierten Weihnachtslied-Genre und andererseits im leicht jazzigen Xmas-Genre, aber auch da deutschsprachig. Hari Baumgartner & Akustix haben mit “Die stillste Zeit” (Hörproben –> hier) dieser Tage die wohl schönste weihnachtliche Scheibe auf den Markt gebracht.

Baumgartner, 1984 geboren, studierte Jazzgesang an der Konservatorium Wien Privatuniversität sowie an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz. Er ist sowohl mit der 2005 gegründeten Formation Akustix unterwegs als auch solo. Als Solo-Jazzsänger wurde und wird er von Marianne Mendt gefördert. Was Baumgartner auszeichnet, ist die außergewöhnliche nennen wir es jubilierende Kraft seiner reinen, hellen Stimme. Das zeichnet auch alle Songs auf “Die stillste Zeit” aus. Da ist ein Sänger, der Lieder gestalten kann, der die Songs gekonnt steuert und bis zu einem Punkt steigert, wo er das Publikum oder den Zuhörer in der Hand hat, der den uns allen bekannten Standards wie “Ihr Kinderlein kommet” oder “Es wird scho glei Dumpa”, “Still Still” und “Oh du fröhliche” einerseits eine kleine Dosis Jazz verpasst, andererseits unglaublich “offenherzlich” und lieblich an diese Lieder herangeht, dass es eine reine Freude ist, zuzuhören.

Live sind Hari Baumhartner und Akustix in nächster Zeit mit ihrem Weihnachtsprogramm in folgenden Städten zu sehen:

16.12 - 20.00 - Tiempo, Johannesgasse Wien
18.12 - 20.00 - „Silent Night, Heilige Nacht“ – Altes Kino, Attnang
19.12 - 20.00 - „Budenzauber“ – YouZ, Südtirolerstraße Linz
20.12 - 16.00 - „Silent Night, Heilige Nacht“ – Kulturzentrum Timelkam
23.12 - 20.00 - „Weihnachts Special“ Kino Bad Ischl

Einfach mal über die Homepage der Gruppe die CD bestellen (–> hier) und auch live dabei sein. Und weitersagen. Es lohnt sich.

Frank Wildhorns “Rudolf” - die DVD von MG-Sound

rudi.jpg Mit “Rudolf” in Wien hat es schon weit vor der Premiere nur Probleme gegeben. Wie zum Beispiel konnte es passieren, dass man als Produktionsunternehmen zwar mit einer bekannten Historikerin zusammenarbeitete, sie dann aber ein mehr als peinliches Vorwort im Programm schreiben ließ und schließlich auch noch vor der ersten Runde angezählt in der Ecke stand, während die Historikerin zynisch-genüsslich nicht nur den Autor der Buchvorlage für das Stück hemmungslos diffamierte, sondern auch mit dem Musical selbst in einer Weise abrechnete, dass man meinen konnte, sie hätte Millionen investiert und all diese Millionen verloren.

Wieso produzierte man gemeinsam mit einem ungarischen Unternehmen eine von den Wienern schulterklopfend-scherzhaft als “Try-out” bezeichnete Version der Show, um dann nicht aus den eventuellen Fehlern zu lernen, sondern eine gänzlich neue Version auf die Beine zu stellen, eine sogenannte “Wiener” Version, die so gar nichts Wienerisches an sich hat. Ganz im Gegenteil, die einzig wirklich wienerische Figur, den Puppenspieler, tilgte man, da unter dem Generalverdacht stehend, zu sehr an “Elisabeths” Lucheni zu erinnern. Der Vorwurf könnte ja kommen, man hätte das “abgekupfert.” Als würde es ausgerechnet darauf ankommen - bei einem Musical, das nach “Elisabeth” einen weiteren Habsburger zum Thema hat.

Freilich war noch ein Grund ausschlaggebend, und zwar ein völlig außerhalb jeder künstlerischen Diskussion stehender: Man wollte neben dem “Rudolf”-Darsteller einen bekannten “Publikumsmagneten” an Bord haben: Uwe Kröger. Nun häufen sich ja die Meldungen auf dieser Site bezüglich Uwe Kröger sichtlich. Ja, das ist eben so, wenn man derart medien”wirksam” auftritt: an einem Tag ein Feature in der Österreich-Beilage “Madonna” über Yoga, dann in der Kronen Zeitung ein Bildchen von einer Tennisturnier-Eröffnung, und, als trauriger Höhepunkt, ein Miniplaybackauftritt in Peter Rapps “Millionenshow”, dem TV-Pool, in dem Karrieren enden, und nicht beginnen. Es war definitiv die falsche Entscheidung, die Figur des “Rudolf” zu schwächen und “Taaffe” aus seinem Nebenfigurstatus zu sehr herauszuholen, es war die falsche Entscheidung, “Taaffes” Songs auf die Stimme des Interpreten hinunterzujustieren, bis zum nahezu Sprechgesang. Es war, leider, in der Beziehung alles falsch. Von wegen, die Show würde ein neues Lied bekommen - fast möchte man meinen, der Komponist habe sein Musical nach der Entscheidung der Wiener für ihre Version mehr oder weniger abgeschrieben.

So haben wir nach wie vor einen ungarischen Erfolg mit “Rudolf” inklusive “Puppenspieler” und eine nicht wirklich wienerische Wiener Fassung ohne Puppenspieler, die man mittlerweile als Flop bezeichnen darf. Eine Show, für die man die Werbung auf einen “Nebendarsteller” fokussierte, ihn bei der Maniküre bis hin zum Frühstückmachen und bis zum absoluten Erbrechen featurete, aber den Hauptdarsteller im Regen stehen ließ. Das ist wohl im Theaterbusiness eine einzigartige Vorgehensweise, die völlig unverständlich ist, denn selbstverständlich hätte es genügend Möglichkeiten gegeben, Drew Sarich und Lisa Antoni zu Stars aufzubauen. So haben wir als Star der Show einen Widerling wie Taaffe, und wie soll eine solche Bühnenfigur, die, so von Kröger dargestellt, nur brüllt, bös schaut und grantig herumhüpft, schon die Massen ins Theater locken. Da hatten die Ungarn und das Leading Team rund um Frank Wildhorn, der sich der ungarischen Produktion sehr annahm, das weit bessere Gespür, indem sie auf die Figur des Puppenspielers setzten, der das Publikum am Beginn in die Show zieht und am Ende mit einem melancholischen Resümee wieder entlässt.

Wie auch immer, das Beste an der dieser Tage erschienenen “Rudolf”-DVD ist, dass sich jetzt jeder selbst überzeugen kann, was für eine Produktion in Grund und Boden kritisiert wurde, mit Argumenten, die kaum jemand verstehen wird, der sich nun die DVD ansieht. Keine Melodien? Keine Melodien? Wo muss man seine Ohren haben, wenn man ausgerechnet in dieser Show keine Melodien auszumachen vermag. Drew Sarich erreicht gesangsmäßig eine Qualität, die ihn für sämtliche Theater dieser Welt mehr als nur attraktiv erscheinen lassen wird. Es wäre fast schade, wenn er sein Talent in Wien vergeuden würde, wo in absehbarer Zeit (nach derzeitigem Stand) nichts, absolut nichts musicalmäßig halbwegs Anspruchsvolles von den VBW zu erwarten ist.

Wie auf allen Produkten von MG-Sound steigt Uwe Kröger auf der DVD wie ein Adler aus seinem Schatten empor. Die live manchmal so richtig falschen Töne sind auf der DVD natürlich nur zu erahnen, die ans absolut Schrille grenzenden Stellen in seinen Interpretationen hat man wohlfeil abgesäbelt und unter andere, etwas akustisch ästhetischere Tonspuren gelegt. Die MG-Sound-Politik scheint zu sein: Entweder man schneidet Kröger ganz raus oder man legt ihn flach, pardon, man verflacht seine Tonkurve derart, dass er kaum hörbar ist, während er im Theater so manch falschen Schlusston mit voller Wucht gegen die Säulen donnert. Man möchte ja das Produkt auch verkaufen, was bleibt also anderes übrig. Interessant wäre es mal bei der Arbeit an diesem Akustik-Photoshop zuzugucken.

“Live und ungeschnitten” kommt die DVD laut Werbung daher. Aber seien wir ehrlich, was sollte ein “Schnitt” auch bringen. Völlig unnötig, da wir das Ganze doch ohnedies aus einem subjektiven Winkel betrachten: dem Kameraauge. Da kann gezoomt werden, da wird manchmal die Totale der Bühne geboten, dann wieder ein Megazoom auf einen ausgelaugten, stöhnenden Uwe Kröger. Man könnte also all jene Dinge, die jemanden stören könnten, mit einem anderen Schnitt tilgen, und dennoch mit der Bezeichnung “ungeschnitten” Werbung machen. Alles kein Problem. Die Frage bleibt: Was bringt es für den Verkauf, wenn auf dem DVD-Cover ein 3,3 cm mal 3,3 cm großer, knallgelber Button aufgedruckt wird, auf dem zu lesen steht: “FSK ab 6 Jahren freigegeben”. Steht “Rudolf” in Konkurrenz zu “Puschel, dem Eichhorn”? Das macht also doch eigentlich nicht viel Sinn. Welchem Sechsjährigen sollte man die Story rund um einen (vermeintlichen) Doppelselbstmord zumuten? Da bieten sich doch spätere Lebensjahre genug, um diese Aspekte menschlicher Tragik kennenzulernen.

Wer sich für Musicals interessiert, sollte an dieser DVD eigentlich nicht vorbeikommen. Der Sound ist glasklar, die Regie einfallsreich, das Bild perfekt. Die Show lieben die einen und hassen die anderen, daran wird auch der Mitschnitt nichts ändern. Die Kürzung der Show durch die VBW kurz vor der Sommerpause hat genau gar nichts gebracht, um “Rudolf” so etwas wie zu “verbessern”. Die Kürzungen sind gänzlich und ohne Ausnahme ärgerlich und unverständlich. Sinnvoller wäre es gewesen, an der stellenweise erbärmlichen Ãœbersetzung zu feilen, aber das war wohl nicht drin. MG-Sound hat mit dieser DVD einen Topseller im Programm, mit dem sie es nicht mal nötig haben, zu versuchen, die notorischen Wildhorn-Hasser als Käufer zu gewinnen. Der Weltmarkt steht damit offen, und allein in den USA sollten sich genügend Käufer für weitere Auflagen der DVD finden.

Kleiner Nachtrag:
Ich empfehle einen Klick in –> dieses Forum. Allein der variantenreiche Einsatz der Emoticons is köstlich.

Die wahren Giganten des Musicals: Linda Eder - “Soundtrack”

Linda Eder - Soundtrack

Lasset uns eine neue Serie starten mit CD-Vorstellungen der wahren Giganten des Musicals, einfach so. Linda Eder beispielsweise, eine wahre Gigantin des Musicals (obwohl sie viel eher auf den Konzertbühnen zu Hause ist), ist dieser Tage mit ihrer neuen CD “Soundtrack” auf den Markt gekommen, und wie es bei den wahren Gigantinnen so üblich ist, reicht es völlig aus, den Tonträger “Linda Eder - Soundtrack” zu benennen. Man muss ja nicht wie ein Marktschreier sein Produkt anpreisen.

Filmhits lautet also Linda Eders neues Motto, und mit der Auswahl ihrer Songs deckt die Sängerin eine große Zeitspanne ab, angefangen bei dem von Henry Mancini komponierten “Charade” (1963), aus dem gleichnamigen Film, in dem Audrey Hepburn und Cary Grant die Hauptrollen verkörperten, bis hin zu “Falling slowly” aus dem irischen Streifen “Once” (2007).

Wie man es von einer Entertainerin erwartet, hat Eder sich jedes der Lieder völlig zu eigen gemacht, die Songs wurden großteils mit einem leichtfüßig-jazzigen Pop-Arrangement versehen und passen so perfekt ins Repertoire der Künstlerin. Das Leichtfüßige passt besonders gut bei Songs wie “Against all odds” oder “(Everything I do) I do it for you”, die in den Originalarrangements mit dicker “Achtung: Klassiker im Kommen”-Kruste verklebt waren. So kann man endlich wieder einfach an den Melodien Freude haben. Andere Songs wie “Accidentally” aus “Shrek 2″ werden vielleicht viele zum ersten Mal überhaupt hören, die bisher einen großen Bogen um Trick-/Animations(was auch immer)filme dieser Art gemacht haben. Highlights: “If I can’t have you” mit einem von allem Disco befreiten, intimen Arrangement, und “Can’t help falling in love”, in einer noch intimeren, genialen Interpretation mit wunderschönen Phrasierungen.

Tracklist
01 - I Will Wait For You 03:35 [”Umbrellas of Cherbourg”]
02 - Accidentally 02:58 [”Shrek 2″]
03 - Falling Slowly 03:53 [”Once”]
04 - Against All Odds 03:13 [”Against all odds”]
05 - Charade 02:20 [”Charade”]
06 - If I Can’t Have You 03:51 [”Saturday Night fever”]
07 - Help 03:25 [”Help”]
08 - Can’t Help Falling In Love 03:48 [”Blue Hawaii”]
09 - Everybody’s Talkin 03:13 [”Midnight Cowboy”]
10 - Valley Of The Dolls 05:02 [”Valley of the Dolls”]
11 - (Everything I Do) I Do It For You 04:20 [”Robin Hood: Prince of Thieves”]
[Verve Records; Produzent: Peter Collins]

Links
- Linda Eder @Verve Records
- Linda Eder @Wikipedia
- Linda Eder @.com

Missy May: “To the one I love” (2009)

Es ist ja nicht so, dass man am Mars leben müsste, um bis jetzt an Missy May mehr oder weniger vorbeigekommen zu sein. Auch wenn sich ihr Lebenslauf interessant liest:

In der Kinder-Musical-Company spielt sie schon mit 6 Jahren Rollen in Shows wie “Les Misérables”, “Fame”, “Joseph”, “Cats”, “The Wizard of Oz” und “Starlight Express”. Mit 8 Jahren wird sie vom ORF entdeckt und für die Kindersendung „Kids 4 Kids“ engagiert. Von ihrem 9. bis zum 14. Lebensjahr steht sie auch noch für „Tom Turbo“, „Artefix“ und „Am Dam Des“ vor der Kamera.
Mit 15 erhält sie eine Rolle im TV-Sechsteiler: „Liebe, Lügen, Leidenschaft“ und spielt an der Seite von Maximilian Schell und Franko Nero. Aufgrund der schulischen Leistungen legen ihre Eltern danach die Schauspielerei auf Eis.
Um sich Ihre Gesangsausbildung finanzieren zu können, jobbt sie neben der Schule u. a. als Promotion-Osterhase, Flyer-Girl, Do & Co Servierkraft, in der Redaktion von Magazin 25 oder als Babysitter …
Es folgt ein Plattenvertrag bei HitSquad Records: Unter der Leitung des Producer-/Composerteams Ludwig Coss & Martin Böhm entsteht im Sommer 2004 die Debüt-Single „Star That You Are“, die sich in den Austrian Top 40 (höchste Platzierung: Platz 7) behaupten kann. Parallel tourt Missy in den Sommerferien live in Österreich, Norditalien & Süddeutschland.
Nach einer kurzen kreativen Schaffenspause - Matura - startet Missy May 2006 neu durch. Die Single “Loud Music“ schafft es bis auf Platz 10 der Austrian Top 40. Bei der Eröffnungszeremonie der Wiener Festwochen 2007 steht sie vor 50.000 Besuchern live mit Orchester auf der Bühne und begeistert mit der gefühlvollen Ballade „Everything Breaks“ und „Born Tonight“. Anschließend Live-Tour durch Österreich mit Auftritten beim Wiener Donauinselfest, der Euromania-Roadshow oder dem Krone-Stadtfest. Weihnachten 2007 Charity-Auftritt mit „My Grown Up Christmas List“ live im ORF bei “Licht Ins Dunkel” [”Vienna Online”].

Missy May (23) hat also auf Ö3 ordentlichen Airplay, sie hat einen Namen, den man natürlich kennt, aber, mal ganz ehrlich, es war bis jetzt kein “must”, zumindest für mich, sich eine CD von ihr zu kaufen.

Am 14. Juli 2009 wurde Missy May Mutter. Ihre Schwangerschaft hat die Sängerin unter anderem dazu genutzt, die CD “To the one I love” für das Plattenstudio/Plattenlabel MG-Sound/HitSquad Records einzusingen. Eine Wiegenlieder-CD, eine Kinderlieder-CD, genauer eigentlich eine CD für “alle Babys, Mamas und Papas und Liebenden der Welt” ist daraus geworden.

Dass man wunderbare Kinderlieder-CDs machen kann, hat vor Jahren schon beispielsweise Sandra Pires (“Songs for Lea”, 2002, ebenfalls bei MG-Sound/HitSquad Records erschienen) bewiesen. Missy May bietet auf ihrer Scheibe downgestrippte Versionen von Evergreens und Chartbreakern, downgestrippt auf pure Emotion. Ganz ohne fette Beats, fast ohne Drums, ganz wunderbar arrangiert und produziert von Martin Böhm und Ludwig Coss (MG-Sound) - rein auf Gefühl, quasi a capella, eine Erholung für die Seele. So ist “To the one I love” dann auch ganz einfach eine jener Kuschel-CDs geworden, von denen es nie genug geben kann.

Die Auswahl der Songs ist großteils gelungen. “Baby love” (im Original von den Supremes 1964 eingesungen), Stevie Wonders “Isn’t she lovely”, Ashford & Simpsons “Ain’t no mountain high enough”, zwei Songs von Burt Bacharach (”I say a little prayer” und “(They long to be) Close to you”), perfekt. Bei “Das Beste” würde man sich fast wünschen, dass das Original an die ehrliche Interpretation von Missy May heranreichen würde, ganz ohne die aufgesetzte, gekünstelte Showbusiness-Gefühlsduselei. Wenns bei dem einen oder anderen Song nicht ganz so klappt, dann mag man als Grund vielleicht anführen, dass sich all das, was man mit der einen oder anderen Originalversion verbindet, als zu übermächtig erweist, um in dieser reinen Gefühlsversion voll wirken zu können, wie beispielsweis bei “I dont wanna miss a thing” (Aerosmith). Aber das ist letztlich von Mensch zu Mensch verschieden. Was allerdings bei jedem Track spannend ist: das Arrangement, die ganz individuelle Note, die Martin Böhm und Ludwig Coss jedem Song verliehen haben, eine Art Zärtlichkeit, die die CD zu einem harmonischen Ganzen werden lässt.

Fazit: “To the one I love” ist eine jener raren CDs, die man immer dann auflegen kann, wenn man Ruhe, Erholung, Harmonie sucht. Damit könnte man auch auf Tour gehen und jene seltenen Wohlfühlkonzerte geben, die man hierzulande kaum geboten bekommt. Den Babys dieser Welt und natürlich auch Marie, der Tochter von Missy May, wird die Scheibe sicher auch nicht schaden, ganz im Gegenteil.

Tracklist
01. Baby Love
02. Ain´t No Mountain High Enough
03. Everything I Do
04. Say A Little Prayer
05. (They Long To Be) Close To You
06. Isn´t She Lovely
07. Whatever You Want
08. Das Beste
09. I don’t wanna miss a thing
10. The Voice Within
11. I Swear
(HitSquad Records/MG-Sound, 2009)

Rockville - die Cast-CD (2009)

Pop, Rock, Soul, Gospel, eine Prise Jazz, eine angenehme und leicht zu konsumierende Kost mit einfallsreichen Arrangements und angenehmen bis begeisternden Stimmen, komponiert von Martin Gellner und Werner Stranka, das könnte man zusammenfassend zu “Rockville”, der Cast-CD, sagen.

Dass es sich dabei um ein Musical handelt, das im Sommer 2009 in Amstetten seine Uraufführung erlebt hat und derzeit im Deutschen Theater in München zu sehen ist, ergibt sich aus dem Hörerlebnis des Tonträgers nicht zwanghaft. Könnte auch eine Rockshow sein. Natürlich wissen die Käufer aber ja, dass sie eine Cast-CD erstanden haben, und da gilt: Was ein solches Merchandisingprodukt unbedingt leisten sollte, ist Lust auf einen Besuch der Show zu machen. Und das gelingt den Produzenten von “Rockville” definitiv. Wenn es schon ganz allein vor den Lautsprecherboxen eine Freude ist, vor Kraft nur so strotzende Songs wie “Small miracles” zu hören, so muss das live auch recht fetzig rüberkommen.

Auf der Bühne bzw. auf Tonträger sind ein paar fantastische Stimmen zu hören, beispielsweise jene von Amanda Whitford oder auch die von Dennis Le Gree, Alex Melcher und Caroline Frank. Der Sound kommt recht knackig aus den Lautsprechern, merkwürdig abgemischt ist der Applaus. Wir haben es bei “Rockville” mit einer Liveaufnahme zu tun, die bei den Shows am 21. und 22. Juli 2009 entstanden ist. Es ist irgendwie traurig, dass Musicalaufnahmen immer derart steril klingen müssen, was die Liveatmosphäre betrifft. Mal mischt man am Anfang ganz leise ein wenig Applaus rein, mal am Ende, ganz in den Hintergrund, völlig platt vom Sounderlebnis her. Wo sind die Zeiten, als Liveaufnahmen noch wirklich Spannung hatten. Heutzutage kommt es mir vor, als wolle man sich dafür, dass man sich Geld für teure Studiozeit erspart hat, quasi entschuldigen, indem man die Liveatmosphäre dann wenigstens nur ganz minimal dosiert auf den Tonträgern erkennen lässt. Applaus am Ende eines Showstoppers wie “Book of love” kommt nicht so vertranquilisert rüber, das muss krachen, das muss man hören, sonst ist die Wirkung schon nach einer Sekunde vorbei und man könnte sich die paar Sekunden Jubel gleich sparen.

Was fehlt bei dieser Produktion, sind die Lyrics im Booklet der CD. Das ist eine allgemein verbreitete Krankheit bei Cast-CD-Produzenten: Sparen beim Booklet, entweder wegen der höheren Stückkosten oder der Rechte an den Lyrics. Es gibt viele positive Beispiele aus den Staaten, wo umfangreiche Booklets nicht nur alle Lyrics, sondern auch ausführliche Biographien und viele Szenenfotos enthalten. Sondheim-Musicals werden gerne mit umfangreichen Booklets ausgestattet. Aber man muss nicht nach den Sternen greifen, auch bei jedem anderen Musical ist es ganz angenehm, Texte auch mitlesen zu können. Es reicht einfach nicht, eine Doppel-CD zu produzieren und sie mit einem achtseitigen Booklet auszuliefern, in dem sich nichts findet, was man nicht auch online in zwei Sekunden am Bildschirm hat. Ein bisschen mehr Liebe bei der Gestaltung des Booklets, das würde ich mir generell wünschen.

Was Rockville nicht hat, ist eine eigene musikalische Sprache. Kennt man die Show nicht und orientiert sich allein an der Cast-CD, so ist die Vielfalt der Songs schier überraschend. Von einer Art Big-Band-Sound, einem Sound im Revuestil der 1940er-Jahre bis zu Gospel, von Rock bis Pop und Broadwaysound, alles ist da, manches, wie das Intro zum zweiten Akt (”The Revolt”), fast verstörend in seiner Genrevielfalt innerhalb der eigenen Komposition und der offensichtlichen baulichen Kopie bereits vorhandener Intros anderer Shows. Die Songs sind ab und zu ein wenig, fast könnte man sagen, epigonenhaft. Ein Song klingt wie die nie erschienene B-Side einer Single von Jon Bon Jovi, dann wieder hört man so etwas wie ein AC/DC-Soundalike. Andererseits wird das Publikum wohl sicher nicht überfordert mit allzu neuem Sound, auch kein Fehler.

Anspieltipps: “Picture”, gesungen von Dennis Le Gree, Amanda Whitford und Stephan Zenker, “A mother’s eyes”, interpretiert von Caroline Frank, eine sanfte Ballade, oder “Speak out, Stand Up”, eine clever konzipierte Ensemblenummer, die die starken Stimmen gut zur Geltung und die Zuschauer mit Sicherheit auf die Beine bringt. “Wasted”, eine Bon-Jovi-ähnliche Nummer, gesungen von Alex Melcher - und “Book of love”, die von der Melodie her beste Nummer, in dieser Version vom ganzen Ensemble gesungen, im Original der Trademark-Song vom viel zu unterschätzten Starmania-Sieger Michael Tschuggnall. Allein dieses Lied würde den Besuch der Show schon rechtfertigen. Clever auch hier das Arrangement, das durch einen Touch Gospel jeglichen Kitschfaktor neutralisiert. Wer Musical hasst, wird keine Probleme mit dieser Cast-CD haben, und wer Musicals mag, schon gar nicht.

“Rockville” ist noch bis 4. Oktober in München im Deutschen Theater zu sehen, und hoffentlich auch mal in Wien - warum nicht?

SONYS Geschäftemacherei mit der Cast-CD von “West Side Story”

Ein Broadway-Revival der “West Side Story” muss natürlich auch auf CD verewigt werden. Obwohl die Cast-Recording-Branche ächzt und über sinkende Verkaufszahlen klagt: Bestimmte Shows sind sichere Verkaufshits. Die “West Side Story” gehört ganz bestimmt dazu.

Wer allerdings ein Fan der Show ist und alle aufgenommenen Tracks haben möchte, muss sich nicht weniger als drei CDs kaufen, die zu 95 Prozent jeweils dieselben Tracks enthalten - plus insgesamt fünf Bonus-Tracks. Auf einer “Barnes & Noble”-Edition befinden sich drei Bonus-Tracks, auf dem “exklusiven” iTunes-Release zwei weitere, die man nicht separat downloaden kann.

Die einzelnen CD-Ausgaben

1) SONY-Masterworks 752391
Tracks:
01. Prologue — Orchestra
02. Jet Song — Cody Green, Jets
03. Something’s Coming — Matt Cavenaugh
04. The Dance At The Gym — Company
05. Maria — Matt Cavenaugh
06. Tonight — Matt Cavenaugh, Josefina Scaglione
07. America — Karen Olivo, Jennifer Sanchez, Shark Girls
08. Cool — Cody Green, Jets
09. One Hand, One Heart — Matt Cavenaugh, Josefina Scaglione
10. Tonight (Quintet and Chorus) — Company
11. The Rumble — Orchestra
12. Me Siento Hermosa — Josefina Scaglione, Jennifer Sanchez, Danielle Polanco, Kat Nejat
13. Somewhere — Nicholas Barasch, Matt Cavenaugh, Josefina Scaglione, Company
14. Gee, Officer Krupke — Curtis Holbrook, Jets
15. Un Hombre Así/I Have Love — Karen Olivo, Josefina Scaglione
16. Finale

2) SONY-Masterworks: iTunes-Ausgabe
Zwei Bonus-Tracks:
- A Boy Like That/I Have A Love (English Version) [Bonus Track]
- Jump (Bonus Track)

3) SONY-Maeterworks: Barnes & Noble-Ausgabe
Drei Bonus-Tracks:
- I Feel Pretty (English Version)
- Somewhere (Instrumental)
- Tonight (Instrumental)

Man braucht nicht groß drumherum reden. Der Sinn hinter dieser Aktion der Firma SONY ist ausschließlich Geschäftemacherei der besonders dreisten Art, die Konsequenz werden die Käufer ziehen, und sie ziehen diese Konsequenzen schon seit Jahren. Vielleicht ist die Krise bei den Cast Recordings noch nicht so angekommen, dass sie wirklich wehtut. Musicalliebhaber kaufen nach wie vor überwiegend CDs, weil sie den vollen Sound wollen. Wenn sie aber nun merken, dass sie, um eine ganze Show zu erhalten, miese iTunes-Rips in Kauf nehmen müssen, dann werden auch sie vielleicht ihre Konsequenzen noch deutlicher ziehen.

Egal, wie gut oder schlecht diese CD sein mag, ich empfehle, sie nicht zu kaufen. Vielleicht noch ein Tipp für SONY. In den 1950-er Jahren gab es von manchen Aufnahmen Mono- und Stereo-Releases und auch auf diesen Ausgaben waren unterschiedliche Tracks zu finden. DAS wäre doch eine neue Geschäftsidee.

HitSquad: Frühlings Erwachen (Cast Album Live), 2009

Auch in Zeiten der Weltwirtschaftskrise und der CD-Absatzkrise werden in Wien Cast-CDs auf den Markt gebracht. Das ist mal die gute Nachricht. Die noch bessere Nachricht ist, dass man beim Wiener Label MG-Sound/HitSquad, das seit geraumer Zeit alle Cast-CDs der Vereinigten Bühnen Wien produziert, Wert auf Qualität legt. Im Gegensatz zu anderen Produzenten deutschsprachiger Cast-CDs nimmt man nicht einfach die Orchesterspur aus England oder New York und lässt deutschsprachige Interpreten dazu singen - das wäre auch ziemlich unangemessen, hat man doch mit dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien einen hervorragenden Klangapparat an der Hand.

Die neueste Cast-CD von HitSquad, die am 15. Mai 2009 erschienen ist: “Frühlings Erwachen”, bezeichnet als “Cast Album Live”. Es handelt sich dabei um einen Livemitschnitt einer Vorstellung des Rockmusicals von Steven Sater und Duncan Sheik, genauer gesagt wurden zwei Vorstellungen (17. und 18. April 2009) mitgeschnitten.

Was wir auf der CD hören, ist einerseits alles, was an brauchbarem Output herausgekommen ist, andererseits wurden, im Gegensatz zur Original Broadway Cast CD, auch Dialoge mit auf die CD genommen. Das macht Sinn, so wie es auch Sinn gemacht hätte, einen vollständigen Livemitschnitt zu produzieren. Aber bei der begrenzten Spielzeit und den damit verbundenen Kosten, war das wohl nicht drin.

Eine Highlights-Live-CD ist natürlich gerade bei “Frühlings Erwachen” eine schwierige Sache, sind doch Songs und Dialoge oft eng miteinander verwoben. Dadurch, dass man manche Lieder aus den Dialogszenen herausisolieren musste, mag für all jene, die die Show gesehen haben, der eine oder andere Song “abgeschnitten” klingen. Natürlich ist das so am Anfang von “Meine Sucht” (”My Junk”), allerdings sind das eben Kompromisse, die man machen muss, wenn man nur die Spiellänge einer CD zur Verfügung hat.

Ja, man hört den klanglichen Unterschied zwischen beispielsweise Sprechstellen von Julia Stemberger und Wolfgang Türks. Doch muss man da berücksichtigen, dass Stemberger ausschließlich über ein Kopfmikro aufgenommen wurde, während Türks zum Teil in ein Handmikro gesungen hat. Sicher kann man das im Studio neu aufnehmen, aber das ist nicht primär eine Zeit- und Kostenfrage, sondern vor allem eine Frage der Authentizität der Aufnahme und daher goldrichtig so. Es gibt nichts Schlimmeres als eine Liveaufnahme, bei der man kein “Live-Gefühl” vermittelt bekommt.

Klanglich gesehen wird man diese Show vielleicht in den ersten paar Reihen des Ronacher derart dynamisch erleben können, aber ab der sechsten oder siebenten Reihe wird der Klang im Ronacher bereits zunehmend schwächer. Eine traurige Angelegenheit, lebt doch diese Show sehr von der klanglichen Dynamik der Songs. Hört man sich also die CD an, werden viele auf einmal Nuancen hören, die sie live nie hören konnten. Eigentlich eine absurde Angelegenheit. Aber vielleicht gibt es ja gerade deswegen die Generation iPod, die mit mies gerippten MP3 dann das gleiche Klangerlebnis wie im Ronacher schafft. Oder vielleicht hat man das Ronacher extra für die Generation iPod akustisch downgegradet, das wäre dann wahrlich innovativ. Die Instrumente sind auf der CD so abgemischt, dass man Violine, Viola, Cello auch tatsächlich unterscheidbar wahrnehmen und nicht alles in einem dumpfen Soundbrei bestenfalls erahnen kann. Das könnte man auch im Ronacher erreichen, aber dazu müsste man den gesamten Saal mit einem ausgeklügelten Lautsprechersystem bestücken. Ja macht denn das Sinn? No na, es handelt sich um ein Haus, das MUSIKtheater spielt. Dass man da eine gläserne Kantine errichtet, aber am Soundsystem nichts verbessert, ist geradezu ein Hohn.

Natürlich könnte man die Besprechung der Cast CD dazu nutzen, die gesangliche Qualität der Sänger noch einmal durchzugehen, doch da reichen eigentlich ein paar Bemerkungen. Herausstechend aus der Cast ist von den Damen Jennifer Kothe. Ihr “Winterwind” “(”Blue Wind”) ist rein und makellos, eine Stimme, bei der man sich zurücklehnen und entspannen kann. Man ist sich ganz sicher, dass es da nie einen auch nur ahnbar falschen Ton geben kann, eine Ausnahmestimme. Wolfgang Türks bringt mit ganz eigener Stimmfarbe die Rocksongs wunderbar über die Bühne. Das gesamte Ensemble ist bis in die Nebenrollen perfekt besetzt mit tollen Stimmen. Hanna Kastner hat eine etwas eigene Stimmtechnik, die bewirkt, dass sie die richtigen Töne mal zuerst anvisiert und dann trifft, vermutlich ein Relikt aus ihren “Kiddy Contest”-Zeiten. Rasmus Borkowski ist zweifellos sehr interpretierend unterwegs, sehr gefühlvoll, aber seinen “knödelnden” Touch in den Höhen mag man, oder eben nicht.

Nicht zufrieden kann man mit der Gesamtauslastung der Show im Ronacher sein. Und dass die Show schlecht ausgelastet ist, ist eigentlich nicht verständlich, wenn man sich diese Cast-CD angehört hat. Ein bisschen mehr Promotion hätte “Frühlings Erwachen” in Wien zu einem Hit machen müssen. Man kann eine Cast auch mal zu Live-Auftritten schicken, man kann der Cast auch die Möglichkeit geben, auf Eigeninitiative Promotion zu betreiben und nicht im Vorfeld derartige Initiativen untersagen.

Ein Beispiel, wie man blendend für die Show werben kann, ist der “Notizblog” von Matthias Bollwerk. Er schafft es, mit seinen YouTube-Videos neben seiner Arbeit im Theater wesentlich sinnvollere Promotion für die Show zu machen als das ganze “Frühlings Erwachen”-Blog der VBW. Das ist nun keine Kritik am Blog der VBW, nur muss man, wenn man sich auf das Internet einlässt, auch ein paar der grundlegenden Regeln befolgen. Ein Blog, das im Vorfeld recht brav alle paar Tage mit Updates versorgt wird und danach einfach vergessen wird, ist völlig sinnlos. Eine Website, die keine Keywords hat, keine Meta-Tags und in der Blogosphäre nicht sichtbar ist, macht einfach keinen Sinn. Wenn man das Medium Blog wählt, dann muss man auch versuchen, sich mit den wichtigsten Seiten zu verlinken. Tägliche Postings sind eine so große Zeitfrage nicht. Man hat die Leute im Theater an der Hand, wo ist das Problem?

Zurück zur CD. Im Booklet finden sich auch die Songtexte. Ein guter Trend zeichnet sich da ab, fehlten die Lyrics doch bei vielen vorangegangenen Cast-CDs.

Fazit: Kaufempfehlung!

Tracks
01 MAMA (Wendla)
02 MAMA Reprise (Wendla & Girls)
03 DIESE WELT (Melchior & Boys)
04 SO´N VERFICKTES LEBEN (Moritz & Boys)
05 MEINE SUCHT (Girls & Boys)
06 SPÃœR MICH (Boys & Girls)
07 MEHR ALS NUR WORTE (Wendla & Melchior)
08 WAS SICH NICHT ERZÄHL´N LÄSST (Martha, Ilse)
09 UND DANN IST´S VORBEI (Moritz)
10 ICH VERTRAU (Boys & Girls)
11 MACH NICHT AUF TRAURIG (Moritz)
12 WINTERWIND (Ilse)
13 ES BLEIBT ZURÃœCK (Melchior, Boys & Girls)
14 VÖLLIG IM ARSCH (Melchior, Boys & Girls)
15 HÖR NUR HIN (Wendla)
16 DAS LIED VOM WIND DES SOMMERS (Ilse, alle)

Frank Wildhorn: “Der Graf von Monte Christo” (CD)

Copyright: MG SOUND

Am 14. März 2009 geht in St. Gallen die Uraufführung eines neuen Musicals von Frank Wildhorn und Jack Murphy über die Bühne. “Der Graf von Monte Christo” heißt es und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alexandre Dumas. Vorab veröffentlichte der Komponist gemeinsam mit der Wiener Plattenfirma Hitsquad/MGSound im Rahmen des neu in Wien gegründeten Labels MWB (Music Without Borders) eine Cast-CD. Genauer eine Pre-Cast-CD, denn wie “Der Graf von Monte Christo” tatsächlich einmal auf der Bühne klingen wird, kann man jetzt noch gar nicht sagen.

Eine Pre-Cast-CD hat Vor- und Nachteile. Zweifellos ist es ein Vorteil, sich die Interpreten unabhängig von der in ein paar Monaten startenden Bühnenfassung aussuchen zu können. Es spielt keine Rolle, ob man sie für die Show entweder nicht bekommen konnte oder gar nicht wollte. Wichtig ist, dass sie einen zugkräftigen Namen haben und dass man die Breitenwirkung eines Starensembles so plant, dass alle Publikumsschichten mit eingeschlossen werden - von der Oma, die in Alexander Goebel vernarrt ist, bis zum Fangirlie, das beim Anblick Jesper Tydens noch rot wird.

Das klingt nun alles, als wäre diese CD in erster Linie eine Geschäftsangelegenheit. Ist es natürlich nicht nur, aber selbst wenn, warum auch nicht, diese Punkte sind ein Faktor bei der Planung einer Cast- oder auch Pre-Cast-CD.

Mit einer Spielzeit von 42:22 Minuten ist es eine fast schon sparsame Auswahl aus einer Show, die sicher mehr als zwei Stunden dauern wird, aber das ist eben einer der Nachteile einer Pre-Cast-CD. Es sind nach den Working-Demos und den Demos die ersten Aufnahmen, die auch tatsächlich an eine breitere Öffentlichkeit gelangen. Vermutlich fehlen noch ein paar der wichtigsten Songs oder es werden noch einige weitere “Highlights” dazukomponiert. Das dürfte auch notwendig sein, denn der ganz große Knaller fehlt noch oder ist noch nicht so arrangiert, dass er als solcher erkennbar ist. Natürlich darf man nicht von jeder Wildhorn-Show eine bigger-than-life Ballade nach der anderen erwarten.

Ein weiterer Nachteil einer Pre-Cast-CD: Die Interpreten können sich nur schwer in ihre Rolle einarbeiten. Nicht nur, weil sie die Rolle noch nicht gespielt haben und vielleicht auch nie spielen werden, sondern weil es die Rollen genau genommen noch gar nicht gibt (von den zeitlichen Limitierungen mal ganz abgesehen. Studiozeit ist teuer). Keine Guideline vom Regisseur, kein Zusammenspiel mit den Kollegen, keine Auseinandersetzung mit einer noch gar nicht vorhandenen Schlussfassung der Partitur. Das scheint einigen Herren auf der vorliegenden CD Schwierigkeiten bereitet zu haben, wobei ich vor allem und insbesonders von Track 3 “A Story Told” spreche, auf dem Patrick Stanke, Mark Seibert und Mathias Edenborn zu hören sind und mit der englischen Sprache fighten. Das ist nett gesungen, aber neben Artikulationsproblemen ist es vor allem ein Umstand, der diesen Track kennzeichnet: Man erkennt die Stimmen der Herrschaften ja nicht einmal, wenn man nicht weiß, dass sie dieses Lied gesungen haben sollen. Mathias Edenborn kann seine Stimme in viele Richungen tunen, keine Frage, aber auf diesem Track hat er sie ins Nirwana der Unkenntlichkeit gedröselt. So haben wir zwar eine Nummer mit drei beliebten Darstellern, aber um welchen Preis?

Tracks wie “I Will Be There” wirken noch einigermaßen Demo-mäßig. Thomas Borchert haucht mehr als zu singen, setzt nicht hundertprozentig exakt ein, doch dann rettet Brandi Burkhardt den Song, da passt (logischerweise) die Artikulation, da merkt man einen gewissen Flow, da singt jemand, der sich an die Musik schmiegt, das ist dann wirklich sehr schön anzuhören. Es finden sich im Booklet der CD keine Angaben zum Orchester. Gerade bei diesem Track synthesizert es mächtig, würde man Musik mit Photoshop zeichnen, wäre mir das zu viel Weichzeichner. Man kann nicht einmal erkennen, ob da nun Streicher zu hören sind oder nur Synthetics. Borchert wabert anfangs recht weit vorne und sinkt dann in den Klangbrei ab.

Wildhorn hat auf “Monte Christo” scheinbar versucht, einen gewissen neuen Ton zu kreieren, die Frage ist, ob es einer ist, mit dem man sich anfreunden kann. Borchert bei “Every Day A Little Death” zuzuhören ist etwas anstrengend, er klingt mühsam vermollt, mit Burkhardt bekommt die Melodie einen Touch mehr Lebensfreude, aber da stimmt noch einiges nicht, um es als wirklich perfekte Nummer bezeichnen zu können.

Highlights der CD: “When The World Was Mine”, gesungen von Brandi Burkhardt, ein Wildhorn-Klassiker, zeitlos schön, wunderbar interpretiert. Und gleich darauf: “When We Were Kings”, gesungen von Alexander Goebel und Thomas Borchert. Gerade bei diesem Track zeigt sich die Qualität eines guten Musicaldarstellers: Alexander Goebel singt diese Nummer nicht nur einfach runter, er spielt sie, er interpretiert sie mit Nuancen, man sieht ihn geradezu in der Rolle des Abbé Faria. Das erinnert mich an die letzte “Musical Christmas in Vienna”-Produktion vor zwei Jahren im Wiener Raimund Theater. Am Ende des ersten Teils der Show stand eine Gospel-Version von Händels “Hallelujah” (ein geniales und legendäres Arrangement von Quincy Jones) auf dem Programm. Auf der Bühne wurde schön brav gesungen, im Publikum saßen alle mit verschränkten Armen da - und dann kam Alexander Goebel: personifizierte Energie, reine Spielfreude. Lust am Performen, und sofort ging auch das Publikum mit, und aus fadem Chorgesang wurde eine funkensprühende Soulnummer, so wie sie immer konzipiert war. Und genau das macht den Unterschied zwischen einem Darsteller und einem Star aus. Sollte es ausmachen. Man hört fast, wie Goebel zu Borchert sagt: Komm schon Tommy, gib Gas.” Lieder kann man nicht einfach runtersingen, man muss auch spüren, dass sie interpretiert werden. Auf keinem anderen Track geht Borchert mehr aus sich raus, und kein anderes Lied ist derart emotionell wie dieses. Goebel singt nicht nur, er macht das, was Marika Lichter oft als Ausrede für völlig verpatzte Interpretationen ihrer Schützlinge zitiert: “Opfere einen guten Ton für eine gute Performance” Goebel opfert aber weniger, als dass er bestimmte Passagen einfach nicht auf schön singt, sondern sie mit Emotionsfüllern anreichert, und damit enorme Wirkung und Spannung erzeugt. Der beste Song des Albums.

“Pretty Lies”, gesungen von Pia Douwes, ist ein Lied, das in einschlägigen deutschsprachigen Foren gern als eine sehr an Sondheim erinnernde Nummer bezeichnet wird. Wie auch immer, der Song ist etwas entrückt, etwas sentimental, er hätte sich ein besseres Arrangement verdient.

Für eine Show, die, so sagt man, für Thomas Borchert geschrieben wurde, kommen die für ihn komponierten Songs nicht als wirklich als Showstopper daher. Die - verhältnismäßig - Big Ballads hat Brandi Burkhardt, Borchert scheitert bei dem Versuch, Spannung in die auf Spannung konzipierten Lieder wie “The Man I Used To Be” zu zaubern. Man merkt, wie er sich bemüht - und versagt, wie ein Boxer, der einen K. O.-Schlag vorbereitet und vorbereitet und vorbereitet — und dann ins Leere boxt. Man merkt, wie vieles von der Energie verpufft. Teilweise ist es auch die Abmischung, die ihm die Wirkung raubt. Aber es ist noch Zeit bis zur Premiere, das wird schon noch.

Anspieltipps
- “When the World was mine” (Track 6)
- “When we were kings” (Track 7)
- “All this time” (Track 12)

facts
titel: the count of monte cristo/Der Graf von Monte Christo
artist: Thomas Borchert – Brandi Burkhardt - Patrick Stanke - Mark Seibert - Mathias Edenborn - Jesper Tyden - Pia Douwes – Alexander Goebel
label: hitsquad records
ean: 9120006682916
catalogue: 668291
PC: MG 270
packaging: Digipack
release: 12. Dezember 2008
Arrangements: Koen Schoots
Orchestrierung: Kim Scharnberg