Archiv - August, 2006
Martin Bruny am Donnerstag, den
31. August 2006 um 21:56 · gespeichert in Theater

Am 29. August 2006 ging im Wiener Künstlerhaus die Premiere von Peter Kerns neuestem Theaterstück “Liebesgesänge 1-2″ über die Bühne. In den Hauptrollen: Oliver Rosskopf (Java, ein Mörder), Andreas Bieber (Lucien, ein Sexualverbrecher), Miriam Goldschmidt (Altstar), Heinrich Herki (Aufseher/Ehemann) und Günter Bubbik (Coco/Beppo).

“Liebesgesänge 1″ ist ein zirka 15 Minuten kurzes Stück, frei nach Motiven des einzigen Kurzfilms von Jean Genet “Un chant d’amour”, geschrieben von Peter Kern, das gänzlich ohne Worte auskommt, nur aus Geräuschen, Percussion, Gesten, Körperflüssigkeiten, grellem Licht, Sirenen, Sex und Gewalt besteht. Den “Sound” erzeugen zwei Musiker (Toomas Täht: Schlagzeug; Miroslav Mirosavljev: Gitarre), die hoch oben in der Szenerie sitzen. Gespielt wird auf engstem Raum. In einer Gefängniszelle eingesperrt sehen wir drei Männer. Alle drei werden vom Gefängniswärter auf verschiedenste Weise missbraucht, gedemütigt, geschändet; einer der Gefangenen, er kann dem Gefängniswärter nicht mehr sexuell dienlich sein, da er völlig weggetreten die meiste Zeit nur mehr zuckend am Boden vor sich hin röchelt, wird von seinem Peiniger erschossen. Wir steigen mitten in einen typischen Tag der Gefangenen ein, die sich zwar nicht abgefunden haben mit ihrem Schicksal, aber teilweise schon so abgestumpft sind, dass sie die vom Gefängniswärter gewünschten Opferhaltungen, sexuellen Gesten bis hin zu gutturalen Lauten automatisch ausführen beziehungsweise sich an den Qualen, die ihre Mitgefangenen erleiden, aufgeilen. Die Szenerie ist brutal, die Geräusche unangenehm, die Handlung hart und sehr realistisch gespielt, wobei dennoch gewisse Grenzen nicht überschritten werden, freilich wird bei weitem ein realistischeres und sexuell expliziteres Szenario gespielt, als dies etwa an den staatlichen Bühnen normalerweise der Fall ist. Andererseits bewegt sich die Inszenierung im Rahmen des bereits auf Bühnen Stattgefundenen.

“Liebesgesänge 1″ endet unwirklich. Der von Andreas Bieber verkörperte Gefangene stößt die Gefängnismauern um, aus der engen Gefängniszelle wird eine Art Strandlandschaft, man hört ein viel angenehmeres Geräusch: Meereswellen. Die Entspannung nach 15 Minuten purer Qual ist körperlich spürbar und perfekt in Szene gesetzt. Andreas Bieber singt das Lied “Die großen weiten Vögel” (Text: Ingrid Caven, Musik: Peer Raben, bearbeitet von M.Mirosavljev). Nahtlos geht es über in “Liebesgesänge 2″. Was sich dann abspielt, wird auf der “dieTheater”-Seite wie folgt beschrieben:
In einem Wiener Beisl sitzt ein berühmter alter Filmstar, umgeben von einem Haufen Zeitungsausschnitten und gesammeltem Abfall des Alltags. Hier liegt ihre Seele, gesammelt und aufbewahrt, verstaubt und getreten. Sie sitzt oft mit ihrem Mann hier und wartet, dass Leute vorbeikommen, die sie erkennen und bewundern, aus vergangenen Tagen. Sie hat in den 60-iger und 70-iger Jahren Hauptrollen in über 60 Filmen gespielt. Heute wurde der Wirt zu Grabe getragen und die Stimmung der beiden ist getrübt. Selbst der Kellner ist heute zu Hause geblieben; niemand da, der bedient. Ihr Ehemann zapft sich das Bier selber. Wieder sind es die alten Geschichten, die sie bewegen. Wie geizig der Moser war, dass er lieber auf Reisen gewesen ist, als dass er Texte gelernt hätte.
Zwei junge Männer, Java, ein Mörder, und Lucien, ein Sexualverbrecher, verirren sich in das Lokal, und damit tritt die Gegenwart in das Leben unseres Altstars. Die Lebensgeschichten der Jungen werden geprägt von Lust und Hass, von Flucht und Durst. Niemand ist da, der sie bedient. Der Junge schreit nach dem Ober und der Star bittet doch um mehr Respekt. Ein Generationskonflikt bahnt sich an. Doch der Konflikt hat keine Chance. Denn unser junges Paar stellt keine Fragen mehr. Die Jungen sehen die Gunst der Stunde: ein Beisl ohne Wirt, zwei alte Reiche ohne Glück?
So fangen sie ein Spiel von Schuld und Sühne an. Die Jungen sind die Schuld und die Alten können endlich rächen, was sie solange am Leben gehalten hat. Dabei entdecken die Jungen, dass die Welt aus Dreck und Zeitungsausschnitten besteht und die Alten nur das Werkzeug und die Handlanger der Lügen waren. Die beiden Alten wartend auf Zuneigung und Bewunderung erkennen nicht die Gefahr. Die Jungen lassen die Alten spielen. Jetzt darf der Altstar wieder singen. Irgendwann ersticken die Jungen an dem Dreck, der sie umgibt. Die Alten decken sie mit ihrem Müll, den Geschichten von Ordnung, Recht, Zusammenleben und Lügen zu.
Liebe in allen ihren Facetten, Masochismus, Sadomasochismus, Homosexualität, Voyeurismus, Verzweiflung - Java und Lucien singen gemeinsam (”Scheiss mich zu”; Text: Peter Kern, Musik: M.Mirosavljev, gesungen von Andreas Bieber und Oliver Rosskopf), sie verletzen sich, schlagen sich, geilen sich auf, lieben sich. “Each man kills the thing he loves” singt der Altstar (Text: Oscar Wilde, Musik: Peer Raben, bearbeitet von M.Mirosavljev, gesungen von Miriam Goldschmidt) und stellt damit das Motto des Abends. Lucien, der Masochist, braucht den Schmerz, um sexuelle Erfüllung zu finden (”Ich bin die Hure an der Bar”; Text: M. Enzensberger, Musik: Peer Raben, bearbeitet von M.Mirosavljev, gesungen von Andreas Bieber). Andreas Bieber spielt Lucien mit bemerkenswertem Körpereinsatz und Intensität, Oliver Rosskopf lernt im Laufe des Stückes als dominanter Java seinem Lucien nicht nur die begehrten körperlichen Qualen zu bereiten. Er fordert von Lucien einen Mord als Liebesbeweis, er deckt Luciens Lebenslüge auf, würgt, stranguliert ihn - schneidet ihm bei lebendigem Leib sein Herz aus dem Körper, inszeniert als orgiastischer, verzweifelter Höhepunkt - Java selbst stirbt, vergiftet vom Altstar und ihrem Diener. Übrig bleibt der Altstar, vergeblich nach der längst verlorenen Liebe der Fans gierend.
Peter Kern hat mit “Liebesgesänge 2″ ein packendes Drama geschrieben und inszeniert, mit Zitaten von Edmund White, Jean Genet und Werner Schwab. Er lässt seinen Text um Rassismus und Medienhohn kreiseln, speist diese Themen aber nur als Absurditätsbrocken in die Handlung ein.
Es wäre schön, wenn Andreas Bieber bald wieder die Herausforderung (Sprech-)Theater annehmen würde. Er beweist auch in dieser faszinierenden Rolle, dass er nicht auf die Rolle des Musicalhäschens reduzierbar, sondern ein charismatischer Vollblutschauspieler ist. Oliver Rosskopf wird seinen Weg hoffentlich auch weiter am Wiener Theater finden. Miriam Goldschmidt glänzt verstörend in diesem Schauspiel, das zwar in einem Wiener Kaffeehaus spielt, aber so gar nichts Wienerisches an sich hat - andererseits, so absurd und morbid wie dieses Stück, das ist dann vielleicht doch das Wienerische an Kerns “Liebesgesängen”.

Songs:
“Die großen weiten Vögel”
Text: Ingrid Caven, Musik: Peer Raben, bearbeitet von M. Mirosavljev
gesungen von Andreas Bieber
“Scheiss mich zu”
Text: Peter Kern, Musik: M.Mirosavljev, gesungen von Andreas Bieber
“Each man kills the thing he loves”
Text: Oscar Wilde, Musik: Peer Raben, bearbeitet von M. Mirosavljev, gesungen von Miriam Goldschmidt
“Ich bin die Hure an der Bar”
Text: M. Enzensberger, Musik: Peer Raben, bearbeitet von M. Mirosavljev, gesungen von Andreas Bieber
“Gehen sie nicht, sie fallen nur”
Text: Peter Kern, Musik: M. Mirosavljev, gesungen von Günter Bubnik, Miriam Goldschmidt und Toomas Thät
Eine Verein Kulturpolizei i. Gr. - Produktion
Geschäftsführung: Peter Kern
Produktionsdurchführung: Theater Kulturpolizei, im gemeinnützigen Auftrag
Regie: Peter Kern
Regieassistenz: Wilma Calisir
2. Regieassistent: Josef Prenner
Bühnenbild & Kostüm: Peter Baur, Jakob Neulinger
Bühnenbildassistent: Waltraud Brauner
Schlagzeug: Toomas Täht
Toningenieur: Baltasar Fischer
Gitarre: Miroslav Mirosavljev
Fotografin: Caroline Heider
Grafik, Flyer, Plakat: Elisabeth Laimer
Presse CD/Programm CD: Wolfgang Makula
Pressearbeit: Mag. Bina Köppl
“Liebesgesänge”, zu sehen von 29.08. bis 08.09. und 19.09. bis 23.09.06. Ticketreservierungen direkt auf der Homepage von dieTheater.
Martin Bruny am Montag, den
28. August 2006 um 21:59 · gespeichert in Pop, Awards
In der Nacht zum Montag wurden in den USA die Emmys, die Fernseh-Oscars, verliehen. Die 58. “Annual Emmy Awards” konnten mit zumindest einer Riesenüberraschung aufwarten. Die Kategorie “Outstanding Individual Performance In A Variety Or Music Program” entschied Barry Manilow für sich. Folgende Sendungen waren nominiert:
Barry Manilow: Music And Passion (PBS/Stiletto)
Television in association with Serpent Productions and PJM Productions; Barry Manilow, Performer
The Colbert Report (Comedy Central/Central)
Productions with Busboy Productions and Spartina Productions; Stephen Colbert, Host
The Late Late Show With Craig Ferguson (CBS)
Worldwide Pants Incorporated; Craig Ferguson, Host
Late Show With David Letterman (CBS)
Worldwide Pants Incorporated; David Letterman, Host
The 59th Annual Tony Awards (2005) (CBS)
White Cherry Entertainment; Hugh Jackman, Host
Eine Überraschung ist der Emmy für Manilow deshalb, weil Konkurrenten wie David Letterman fast täglich auf der Mattscheibe zu sehen sind, während es sich bei “Music and Passion” um den Mitschnitt eines Las-Vegas-Konzerts des Performers handelt. Musikshows gegen Comedyformate und täglich gesendete Talkshows wie jene David Lettermans, da hatte sich Manilow nicht viele Chancen ausgerechnet.
Die diesjährige Auszeichnung ist Manilows zweiter Emmy-Gewinn. 1977 wurde das erste einer ganzen Reihe von Manilow-TV-Specials mit einem Fernseh-Oscar in der Kategorie “Best Special of the Year” ausgezeichnet. Die von ABC produzierte Show sahen damals über 37 Millionen Zuschauer in den USA.
Manilow war bei den Emmys 2006 auch als Performer zu erleben. Im Rahmen einer Ehrung für den legendären Fernsehmoderator Dick Clark interpretierte er “American Bandstand”, die Titelnummer eines Fernsehformats, das Dick Clark Jahrzehnte im amerikanischen Fernsehen präsentiert hat.
Barry Manilows nächste CD “The Greatest Songs of the Sixties” erscheint Mitte Oktober.
Die Preisträger in allen restlichen Kategorien sind hier abrufbar: Emmy-Awards 2006/Die Gewinner
Martin Bruny am Sonntag, den
27. August 2006 um 22:41 · gespeichert in Event-Tipps

Das sireneOperntheater entstand aus der Zusammenarbeit der Autorin Kristine Tornquist und dem Komponisten Jury Everhartz im Jahr 1998.
Oper zu machen ist im großen Betrieb der Opernhäuser zu einer schwer beweglichen Immobilie geworden. Die beiden Künstler sehen dagegen die Notwendigkeit, Opern so flexibel und risikofreudig zu erfinden und zu produzieren, wie es in den großen Zeiten der Oper gang und gäbe war und in anderen Kunstfeldern heute selbstverständlich scheint.
2004 produzierte das sireneOperntheater “das Krokodil” (nach Dostojewskis skurriler Kurzgeschichte) und den Kurzopernabend “7 Operellen” (in Zusammenarbeit mit je sieben österreichischen Autoren und Komponisten). 2006 stand die Monooper “Das Tagebuch der Anne Frank” von Grigori Frid im Wiener Jugendstiltheater auf dem Programm.
Das jüngste Projekt “Circus” feiert am 6. September 2006 um 20.00 Uhr im Wiener Jugendstiltheater seine Premiere. Besetzt ist das Stück mit einer fast echten Zirkuskapelle, etwas Streicher, Holz, kräftiges Blech, kleines Schlagwerk und Orgelpositiv. Der Zirkusdirektor Baßariton, die Tiere/die Artisten Solistenquartett (SATB). Die immer wieder verblüffende, schnell ihren Duktus wechselnde Zirkusmusik trudelt einem immer heilloseren Ende entgegen, überstürzt sich immer mehr, bis sie sich gewissermaßen selbst überholt - im Moment der Katastrophe. Die das Stück abschließende große Verwandlung im magischen lieto fine wird die große Struktur erst entbergen, die als Modell der ganzen Partitur zugrunde liegen soll. Trotz formal strenger Anlage und Materialwahl soll die Musik ihr Formideal in den Gegebenheiten der Bühne finden.
Aufführungstermine: 6., 8., 9., 12., 19. und 21. September 2006 jeweils um 20.00 Uhr im Jugendstiltheater am Steinhof, Wien 14, Baumgartner Höhe 1, im Gelände des Otto Wagner Spitals. Tickets sind unter der Telefonnummer 0681 102 120 36, unter sirene@sirene.at, bei ÖTICKET oder an der Abendkassa erhältlich (Einheitspreis: 18 Euro; ermäßigt für Patienten und Angestellte des Otto Wagner-Spitals, Schüler, Studenten, Pensionisten, Alleinerzieher, Sozialhilfeempfänger, Kollegen, Ö1-Club, Kurier-Club: 12 Euro).
Martin Bruny am Sonntag, den
27. August 2006 um 22:39 · gespeichert in Event-Tipps

Seit drei Jahren erfreuen sich die Veranstaltungen der “Vox Pannonica” im burgenländischen Oberwart wachsender Beliebtheit. Mit dem Musical “Csaterberg” ist dem künstlerischen Leiter Christian Kolonovits heuer ein besonderer Coup gelungen. Österreichs “Pop-Urgesteine” Willi Resetarits, Schiffkowitz und Wolfgang Ambros lassen die alten Songs aus der Zeit von “Csaterberg” wieder auferstehen. Gemeinsam mit “Dancing Star” Marika Lichter und Burgtheatermimin Barbara Horvath lassen sie ihre südburgenländische Vergangenheit wieder aufleben. Mit von der Partie weiters Musical- und Volksopernstar Gernot Kranner und “Kaisermühlen Blues”-Liebling Christoph Fälbl sowie das Savaria Symphonieorchester.
Csaterberg, ein kleines Landgasthaus, war in den späten 60er und 70er Jahren das “Mini-Woodstock Österreichs”. Hier verdienten sich Künstler, die später den Austropop entscheidend mitprägten, wie Boris Bukowski, Schiffkowitz und STS ihre ersten musikalischen Lorbeeren. “Csaterberg” ist als Zeitreise, die ein Stück Jugendkultur mit ihren Hits wie “When a man loves a woman”, “Speedy Gonzales” oder “Let’s twist again” wieder auferstehen lässt, konzipiert.
Der Inhalt der Show ist schnell erzählt: Zwei Männer treffen einander nach vielen Jahren in einem Wirtshaus im Südburgenland wieder. In ihrer Erinnerung werden die Bilder von damals, ihre Hoffnungen, Wünsche und Träume wieder lebendig: Ihre gemeinsame Band, mit der sie durch das Burgenland tingelten, die Liebe zu demselben Mädchen und das für sie alles entscheidende große Abschlusskonzert auf dem Csaterberg. Und der Unfall, der das Schicksal aller Beteiligten so tragisch veränderte …
Premiere: 16. September 2006, 20.00 Uhr. Weitere Termine: 22., 23., 29., 30. September 2006, 6., 7. Oktober 2006, jeweils 20.00 Uhr im Messezentrum Oberwart. Karten unter office@foxtours.at.
Martin Bruny am Samstag, den
26. August 2006 um 22:45 · gespeichert in Musical
“Der Meister und Margarita” aus der Feder von Michail Afanasjewitsch Bulgakow, das ist der Stoff, aus dem Musicals gemacht werden können, denkt sich Andrew Lloyd Webber.
Den Inhalt des 510 Seiten starken Romans könnte man in wenigen Worten so zusammenfassen: “Der Teufel persönlich stürzt Moskau in ein Chaos aus Hypnose, Spuk und Zerstörung. Die Heimsuchung für Heuchelei und Korruption trifft alle - ausgenommen zwei Gerechte … Bulgakows Hauptwerk ist, in der Tradition von Goethes “Faust”, Dostojewskis “Die Brüder Karamasow” und Thomas Manns “Doktor Faustus” längst ein Klassiker der literarischen Moderne.”
Lloyd Webber: “After six months of agonising about what I should write next I am going to attempt the impossible. I am going to see if I can turn Mikhail Bulgakov’s extraordinary novel The Master and Margarita into a stage musical or, more probably, an opera … I know it has been done many times before but never, that I am aware of completely in music … I am very aware that this will be almost certainly the most ambitious undertaking I have ever embarked upon. It will therefore almost certainly falter and will depend on who my collaborators are. At the moment I have not approached anyone.”
Martin Bruny am Samstag, den
26. August 2006 um 22:42 · gespeichert in Musical, Tonträger
Nach 6.137 Vorstellungen war für “A Chorus Line” am 28. April 1990 am Broadway Schluss. Seit der Premiere am 21. Mai 1975 war die Show zum Lebens-Soundtrack schlechthin für angehende Musicaldarsteller geworden, lange Zeit war das Musical von Michael Bennett (Choreographie/Regie), James Kirkwood/Nicholas Dante (Buch), Marvin Hamlisch (Musik) und Edward Kleban (Texte) die am längsten am Broadway laufende Produktion - bis “Cats”, “The Phantom of the Opera” und “Les Misérables” kamen und “A Chorus Line” auf den vierten Rang verwiesen. Freilich ist “A Chorus Line” nach wie vor das am längsten am Broadway laufende “American Musical”.
2006 kommt Marvin Hamlischs Kultmusical zurück. Derzeit laufen die Try-outs in San Francisco, Broadway-Premiere ist am 18. September 2006.
Bereits im August fanden im Skywalker Sound Studio in Marin County, Kalifornien, die Aufnahmen zur Cast-CD statt. Ein Bonus-Track, “The Overture That Never Was”, interpretiert von Marvin Hamlisch an zwei Pianos, sowie die bisher nicht aufgenommene Nummer “And” werden exklusiv bei iTunes als Download erhältlich sein. “A Chorus Line - The New Broadway Cast Recording” wird von Davis Caddick, Marvin Hamlisch und Jonathan Tunick für Masterworks Broadway produziert und ist ab 3. Oktober erhältlich.
Einen kleinen Filmbericht über die Aufnahmesessions bietet Broadway.com.
Martin Bruny am Mittwoch, den
23. August 2006 um 22:46 · gespeichert in Musical, Wien, Tonträger
Am Mittwoch (23. August 2006) strahlt der TV-Sender ATV einen Bericht über die Studioaufnahme der englischsprachigen Vorab-Single für das neue Levay/Kunze-Musical “Rebecca” aus. Interpretiert wird das Lied von Disco-Queen Gloria Gaynor. Zu sehen ab 19:45 Uhr in Hi Society.
Martin Bruny am Sonntag, den
20. August 2006 um 22:49 · gespeichert in Event-Tipps

Sie war eine der größten Blues-Sängerinnen aller Zeiten: Billie Holiday, 1915 in Philadelphia, USA, als Eleanora Fagan Gough geboren. Ihr Leben: eine Tragödie. Im Alter von zehn Jahren wird sie vergewaltigt, mit zwölf jobbt sie als Putzhilfe in einem Bordell - und als Prostituierte. Alkohol, Drogen, Zuhälter, unglückliche Lieben, gewalttätige Männer - ihr persönliches Schicksal wird durch eine rassistische Gesellschaft gefördert, aus der Farbige weitgehend ausgeschlossen waren.
Ganz anders ihre Karriere. Mit 15 beginnt sie in Clubs aufzutreten, wird von John Hammond entdeckt, singt mit Jazzgiganten wie Benny Goodman, Lester Young, Count Basie und Artie Shaw, bevor sie ihre Solokarriere startet. Als eine der ersten Jazzsängerinnen tritt sie mit weißen Musikern auf und überwindet damit Rassenschranken. Trotz dieser Vorreiterrolle muss sie weiterhin Hintereingänge benutzen. Auf der Bühne verwandelt sie sich in “Lady Day” mit der weißen Gardenie im Haar. 1939 singt sie erstmals den Song “Strange Fruit”, der eindringlich die Lynchjustiz an Schwarzen thematisiert. “God bless the child”, von Billie Holiday komponiert, wird zum Klassiker. Die Künstlerin leidet unter ihrer Diskriminierung als Schwarze. Vor allem auf Tour mit gemischten Bands machen sie und die schwarzen Musiker täglich entwürdigende Erfahrungen. Ihren größten Triumph erlebt sie 1944 in der Metropolitan Opera in New York, wo sie als erste Jazz-Sängerin gefeiert wird. Billie nimmt im Laufe ihrer Karriere ca. 350 Songs auf, 1954 absolviert sie mit Leonard Feathers eine erfolgreiche Europatournee.
Sie war dreimal unglücklich verheiratet, Anfang der vierziger Jahre wird sie heroinabhängig. Die Sucht bringt sie immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Mehrfach verhört und verhaftet scheitern Entziehungsversuche immer wieder. Holiday wird um ihre beträchtlichen Einkünfte betrogen und verarmt. Mit nur 44 Jahren stirbt sie unter entwürdigenden Umständen in einem New Yorker Krankenhaus an Hepatitis.

Die amerikanische Jazzsängerin und Schauspielerin Carole Alston erzählt in ihrer Show “Billie Holiday - Tribute To A Blue Lady” die Lebensgeschichte der großen Blues- und Jazzlegende der 30er und 40er Jahre. Begleitet von einer 6-köpfigen Live-Band interpretiert sie vom 8. September bis 11. Oktober 2006 in Vienna’s English Theatre Billie Holidays berühmteste Songs und zaubert die Atmosphäre der Jazzclubs der 30er Jahre auf die Bühne.
Carole Alston, geboren in Washington, D. C., studierte Schauspiel, Gesang und Tanz. Nach Abschluss des Studiums übersiedelt sie nach Europa. Auf ihren ersten Auftritt im Stadttheater Bern folgen Engagements in Paris, Berlin, Karlsruhe, Graz und Wien. In Wien ist sie unter anderem an der Volksoper, im Konzerthaus und im Musikverein zu sehen. Sie spielt die Kate in Cole Porters “Kiss me, Kate”, die Anita in Leonard Bernsteins “West Side Story” und Maria Magdalena in A. L. Webbers “Jesus Christ Superstar”.
Seit 1988 unterrichtet sie Jazz Dance an der Ballettschule der Wiener Staatsoper. In Wien inszeniert, choreographiert und spielt sie 2000 die Rolle der Nell in Fats Wallers “Ain’t Misbehavin’”, 2006 ist sie in der Wiener Kammeroper ein weiteres Mal in “Ain’t misbehavin’” zu erleben. Neben klassischer und zeitgenössischer Musik (Mezzosopran) singt Carole Alston immer wieder Jazz, Gospels and Blues.
Ein musikalischer Streifzug durch das Leben von “Billie Holiday - Tribute To A Blue Lady” von und mit CAROLE ALSTON: 8. September bis 11. Oktober 2006; täglich außer Sonntag, um 19:30 Uhr. Karten: Vienna’s English Theatre/Josefsgasse 12/1080 Wien. Tageskassa: Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr; Tel.: 01/402 12 60-0/tickets@englishtheatre.at; www.englishtheatre.at
Martin Bruny am Montag, den
14. August 2006 um 22:50 · gespeichert in Musical
Digitale Downloads sind unter Musicalliebhabern eher umstritten. Zu schlecht sei die Qualität der angebotenen Files, zu viel Information gehe verloren, wenn man keine Booklets zur Verfügung hat.
Wie auch immer, dieser Tage schlossen Universal Music und Andrew Lloyd Webbers Really Useful Group einen Deal über 10 Millionen Pfund ab. Man einigte sich darauf, dass Universal den gesamten Songkatalog des Komponisten digital verwerten darf. Ein Argument, das ins Treffen geführt wird: Nun können auch die unzähligen “heimlichen” Fans von Sir Andrew zuschlagen. Die Armen hätten bisher bittere Entbehrung leiden müssen, weil ein Nachfragen in einem Plattengeschäft nach “Cats” oder “Joseph” - nein, also das wäre für sie unheimlich peinlich gewesen. Dank Universal können sie sich nun im geschützten Bereich ihrer Wohnung klammheimlich Webbertunes auf ihren iPod runterladen.
Im Programm von Universals digitaler Musicalinitiative werden auch Ringtones & Realtones sein, der größte Nepp seit der Erfindung von Mobiltelefonen. Ein Realtone wird 1,50 Pfund kosten. In Zukunft werden also die Anonymen Webbersüchtigen ein Massenouting initiieren können, mit dem Phantom der Oper, einer mieselsüchtigen Katze oder wem auch immer - und wo auch immer, in der U-Bahn, der Schnellbahn, beim McDoof oder an anderen öffentlichen Orten. Lloyd Webber immer und überall, danke Universal!
Martin Bruny am Sonntag, den
13. August 2006 um 22:56 · gespeichert in Musical, Wien, Tonträger

So wie bereits bei “Romeo & Julia” wird es auch für das Musical Rebecca vorab eine englischsprachige radiotaugliche Single geben, mit der die Vereinigten Bühnen Wien die neue Sylvester Levay/Michael Kunze-Show in die Charts pushen wollen. Interpretiert wird die Vorab-Single von der “Queen of Disco” Gloria Gaynor, die mit Hymnen wie “I will survive” oder “I am what I am” in die Musikgeschichte eingegangen ist.
Gloria Gaynor wird Ende August in einem New Yorker Studio “The Power of a Woman in Love”, die englische Version von “Die Stärke einer liebenden Frau”, aufnehmen.
Martin Bruny am Freitag, den
11. August 2006 um 23:14 · gespeichert in The Soundtrack of My Life, Frank Wildhorn

Im Vorjahr ging eine kleine Serie des Kultur-Channels an den Start: “The Soundtrack of My Life” - Lieder vorzustellen, zu benennen, die das Leben von ausgewählten Künstlern verändert hat, Songs, die sie mit einem ganz besonderen Ereignis oder einer bestimmten Gefühlslage untrennbar verbinden, das ist das Ziel dieser Serie.
Als Erster nach seinem Soundtrack befragt: Lukas Perman. Auch Pia Douwes und David Rott präsentierten ihren persönlichen Soundtrack.
Heute spricht Frank Wildhorn über den Soundtrack seines Lebens. Am Tag nach der Welturaufführung von “Rudolf” am Budapester Operettenhaus konnte ich mit dem Komponisten ein Interview führen. Der Großteil unseres Gesprächs ist in der aktuellen Ausgabe (August/September) des Magazins “musicals” zu finden. Die beiden Statements zu Frank Wildhorns “Soundtrack” sind auch als Audio-Downloads abrufbar.
Kultur-Channel: “Frank, wie klingt der Soundtrack Ihres Lebens?”
Frank Wildhorn: “Well if someone said ‘What is the soundtrack to my life’ I would say it’s Rachmaninoff. That’s who I love the most. Rachmaninoff, Debussy, Tchaikowski - in that world, from that world. But - like Duke Ellington always said - there’s only two kinds of music: Done very well and not as well. And you can take any clasical composer or any pop-composer, and there is is your favorite work from theirs and maybe work that you don’t like as much. So I try to be open to every kind of music. You know I grew up in black music, that is my background. I was always the white guy in the black band growing up and certainly I have had 500 recordings of my songs, 350 of them are probably black. Stevie Wonder is the genius of all geniuses to me, I love Stevie Wonder, I love Marvin Gaye, I love Billy Joel, I love Elton John. You can find music in anything that I would love. I love Lerner & Loewe, Rodgers & Hammerstein, Andrew Lloyd Webber; Kander & Ebb, I love the Doobie Brothers, I love Traffic, I love The Beatles, I think you know, unbelievable. I try to really be open to all kinds of things, I love country music, I love Linkin Park.” [Audio-Download]

Kultur-Channel: “Haben Sie ein ganz spezielles Lieblingslied?”
Frank Wildhorn: “‘The long and winding road’. If you ask me today, ‘The long and winding road’. Well if you ask me what’s the first song of my wedding - I’m getting married to Brandi Burkhardt, who plays Emma on the new ‘Jekyll & Hyde’ record, that’s been touring. We’re getting married and if you ask me what’s our first song, it’s Elton John’s ‘Your song’. So you know, different songs for different days. But ‘The long the winding road’. You know on the Beatles Record “The Number Ones” the last three in a row are ‘Hey Jude’, ‘Let it be’ and ‘The long and winding road’. From a pop standpoint you hear those three songs back to back to back and you go ‘What am I doing?’ That’s like listening to Rachmanioff’s greatest hits. I listen to that and go ‘What am I doing?” Or Bernstein’s ‘West Side Story’. Unbelievable. I mean - to me - if that came out today it would be the freshest most amazing thing you’ve ever heard. Combination of pop music, classical, latin, big band - all that stuff. I’m a fan, I try to be a fan.” [Audio-Download]
Martin Bruny am Freitag, den
11. August 2006 um 22:58 · gespeichert in Event-Tipps

Am 29. August geht um 20 Uhr im Wiener Künstlerhaus die Premiere von Peter Kerns Produktion Liebesgesänge I-II über die Bühne.
Das erste Stück (”Liebesgesänge I”) hat der österreichische Schauspieler, Regisseur, Produzent und Autor Peter Kern frei nach Motiven von Jean Genets einzigem Film “Un chant d’amour” geschrieben, in dem die Liebesgeschichte von Java und Luzien erzählt wird. Die beiden Häftlinge versuchen unter der strengen Aufsicht eines sadistischen Wärters, miteinander zu kommunizieren und Liebesbotschaften auszutauschen. Eine Wand wird geküsst, geschlagen und durchbohrt. Sie trennt die Objekte der Begierde voneinander. In ihren Zellen sind die Häftlinge ihrem Verlangen und ihren Körpern allein überlassen. Nur dem sadistischen Aufseher ist mit seinen verborgenen Blicken durch das Guckloch der Gefängnistür sexuelle Erregung mit fremden Männerphantasien gestattet. Arme, Hände, Gesichter, Oberkörper werden in weichem Licht inszeniert. Zellentüre knallen, Klospülungen irritieren, Schreie, Lachen, lauter Atem, Weinen, zartes Kichern. Das steht in hartem Kontrast zur brutalen und freudlosen Welt des Gefängnisses, so dass sich der narzisstische Selbstbezug der Insassen in einem stummen “Lied der Liebe” mit Bildern von Einsamkeit, Frustration und Verlangen verbindet. Das alles steht in einem Zusammenhang, der Symbol und Traum als das darstellt, was es ist: Flucht aus der Erniedrigung. Erotische Verhältnisse sind Machtverhältnisse.
In der Rolle des Luzien zu sehen: Andreas Bieber. Kern sah Andreas Bieber als Hedwig im Wiener Metropol Theater in “Hedwig and The Angry Inch” und war begeistert von seiner schauspielerischen Leistung. So war es nur konsequent, dass er den Performer für die Rolle des Luzien in “Liebesgesänge I-II” verpflichtete. Andreas Bieber wird in Peter Kerns Stück auch singen.
Für “Liebesgesänge II” hat Kern keine Vorlage. Der Autor erzählt darin die Geschichte eines farbigen Altstars (Miriam Goldschmid) und Ihres unterdrückten Ehemanns (Heinrich Herki).
Jean Genet gilt als der wohl bedeutendste Dichter Frankreichs im 20. Jahrhundert. Die Helden seiner Stücke - oft Homosexuelle oder Schwerverbrecher - leben im ständigen Kampf mit den Normen einer Gesellschaft, die ihnen fremd ist. Genet skizziert seine Protagonisten mit provozierender, oft obszöner Sprache, versucht niemals, ihr Wesen oder ihre Taten zu rechtfertigen. Besonders bekannt wurde der 1947 veröffentlichte, zeitweise verbotene Roman “Querelle”.
Das Leading Team:
Java, ein Mörder: Oliver Rosskopf
Lucien, ein Sexualverbrecher: Andreas Bieber
Altstar: Miriam Goldschmidt
Aufseher / Ehemann: Heinrich Herki
Coco: Günter Bubbnik
Produzent: Peter Kern
Regie: Peter Kern
Regieassistent: Wilma Calisir
Regiehospitanz: Josef Prenner
Schlagzeug: Toomas Täht
Bühnenbild und Kostüme: Peter Baur, Jakob Neulinger
Produktionsassistent: Marcus Hinterthür
Martin Bruny am Dienstag, den
8. August 2006 um 23:18 · gespeichert in TV, Castingshows
Deutschland sucht den Superstar, aber erst wieder nächstes Jahr. Schließlich muss der aktuelle mal wieder richtig vergessen werden. Schon heuer sucht Österreich ein neues Sternlein. Die dritte Staffel der Castingshow Starmania ist seit heute on air, oder besser: im Netz. Was die Vermarktung betrifft, geht der ORF nämlich neue Wege. Die gesamte erste Castingrunde wird seit dem 7. August 2006 im Netz “gesendet” oder besser: gestreamt. Aufgeteilt auf Portiönchen von jeweils 2 Stunden kann man die 2486 Kandidaten bei ihrem ersten Vorsingen erleben, und natürlich die Juroren Monika Ballwein, Eberhard Forcher und Markus Spiegel. Ihren Kommentaren zuzuhören ist in den meisten Fällen dieser ersten Runde fast unterhaltsamer als so manche Darbietung des einen oder anderen potentiellen Sternleins. Im Gegensatz zu DSDS hat die österreichische Jury keinen Platzhirsch wie Dieter Bohlen zu bieten, es geht allgemein ein bisserl pssst zu. Die Kandidaten werden nicht erschossen und stranguliert, sie werden von Markus Spiegels ungeduldigem Schnaufen sanft wieder nach draußen befördert. Wenn Radiomoderator Eberhard Forcher ganz böse ist, dann betont er das doch vorhandene Potential der Kandidaten. Monika Ballwein grantelt vor sich hin, wenn die Herren der Schöpfung mit Hinblick auf die Vermarktung der Sendung dann doch den einen oder anderen männlichen Kandidaten in die zweite Runde lotsen, obwohl sie wohl jetzt schon weiß, dass da nichts draus wird. “Tits & Ass”, ja, aber, na egal …
Noch bis 8. August, 18 Uhr, sind die ersten 59 Kandidaten “on stream”, und viel düfte aus diesem Pool nicht ins Finale kommen. Vielleicht W27, aber wer kann das schon sagen?
Nach der ersten Runde ist nicht Schluss, nein, es werden alle Castingrunden ungeschnitten im Netz gesendet - ein Never-Ending-Leider-Nein, das für gute Unterhaltung sorgen wird, soviel verspricht schon der erste Tag. Und hier geht es zum Stream.
Martin Bruny am Dienstag, den
8. August 2006 um 23:17 · gespeichert in Netz
How to add a Google Map to any web page in 30 seconds
Martin Bruny am Dienstag, den
8. August 2006 um 23:15 · gespeichert in Musical, Wien

Wenn Musicalstars Solokonzerte geben, kann man nie wissen. Einige meinen außerhalb ihres gewohnten künstlerischen Wirkungsfelds beweisen zu müssen, wie mies doch eigentlich Musicals sind, wie schlecht die letzte Show war, in der sie gespielt haben und wie viel lieber sie doch weiß der Geier was singen, sei es Jazz, Rock, Soul, Blues, Samba oder selbstgestrickte Liederware von der Stange, egal, nur bitte keine Musicals. Dann ruft ihr Agent an, und husch husch sieht man sie wieder in der jüngst erst verschmähten Rolle. Man mag sich fragen, wie sehr muss der/die Ärmste doch leiden, aber so ist das eben. Nun, über Musicals zieht Maya Hakvoort in ihrer Soloshow “Maya goes solo”, mit der sie derzeit durch Österreich und Deutschland tourt, keineswegs her, doch dann gibt es da diesen einen Moment - aber dazu später.
Die Musicals, in denen Maya Hakvoort in den letzten Jahren zu sehen war, sind die schlechtesten nicht: “Elisabeth”, “Jekyll & Hyde”, “Les Misérables”, “Die drei Musketiere”, “Chicago”, “Blutsbrüder”, “Aspects of love”, “There’s no Business like Showbusiness”, “Gaudi”, “Catherine” und “Evita”.
Am Silvestertag des Jahres 2004 startete die Künstlerin im Theater an der Wien ihre Solo-Karriere - eine Schiene, die sie seit der Derniere von “Elisabeth” Ende 2005 forciert. Mitte 2005 ist ein Livemitschnitt des Silvesterkonzerts im Theater an der Wien unter dem Titel “Maya goes solo” als CD erschienen.
Zoomen wir uns ins Wiener Theater Metropol, wir schreiben den 29. April 2006. Der Saal ist praktisch ausverkauft. Das Konzert beginnt mit einer Lautsprecherdurchsage: “Meine Damen und Herren, Ladies and Gentlemen, Mesdames et Messieurs, bitte begrüßen Sie mit mir Aaron Wonesch am Klavier und die wunnnderbaaare Maya Hakvoort.” Es ist die Stimme von Dennis Kozeluh, als “Konserve” - bei aller Liebe, wer lässt sich per Konserve als “wunderbar” ankündigen? Das ist ein stimmungsmäßiges No-no. Ich kann mir viele Intros vorstellen, aber per lobhudelnder Konserve?
“Maya goes solo” ist eine Art von Biographical. Die Künstlerin plaudert über einige Stationen in ihrem Leben, über ihre Familie, ihre Leidenschaften, dazwischen eingestreut interpretiert sie thematisch passende Lieder, beispielsweise widmet sie “Papa can you hear me” (”Yentl”; Michel Legrand/Alan & Marilyn Bergman) ihrem Vater. Maya Hakvoorts Stärke sind die Wohlfühlballaden, nicht die “Bigger than Life-Ballads” mit Mörderfinish, sondern Lieder, die zum Träumen einladen, Songs, die keiner extremen Vokalakrobatik bedürfen, die durch eine perfekte Symbiose von metaphernreichem Text, verträumter Musik, wohltuender Stimme und Piano (musikalischer Showbegleiter: der famose Aaron Wonesch am Klavier) strahlen, Songs wie beispielsweise Claire Hamills “You take me breath away”, eines der Highlights des Abends, oder “Sweet life/It’s a long way up” - Kompositionen von Barry Manilow, die er anlässlich seiner legendären Showserie “Barry Manilow Live On Broadway” als Medley aufgenommen hat - Lieder, die auf Mayas CD nicht zu hören sind, die man sich live dann doch nicht entgehen lassen sollte. Maya Hakvoorts Songauswahl an sich ist zum Teil tatsächlich wunderbar. Lieder von Jason Robert Brown (”Stars and the moon”) verzaubern immer, mit Burt Bacharach (”Wives and Lovers”) kann nicht viel schiefgehen, auch Jonathan Larsons “Seasons of love” oder Stephen Sondheims “Our time” sind perfekt für das Hakvoortsche Verzauberungspotential. Sehr schön ihr “Gold von den Sternen” (Levay/Kunze), weniger geglückt dann Versuche, mit brasilianischem Flair (Bossa-Nova-Medley) Schwung in die Bude zu bringen sowie Mördershowstopper wie “Don’t rain on my parade” oder “Defying Gravity” in das Haakvoortsche Interpretationspotential einzutunen. Aber die Künstlerin hat für diese Songs und auch beispielsweise für jazzige Titel eine Leidenschaft, und so ist es letztendlich durchaus interessant, ihre Versionen dieser Songs mal zu hören.
Es gibt einen Moment, ganz spät in der Show, schon im Zugabenteil, da singt der Musicalstar doch noch jenes Lied, das, ob sie es will oder nicht, ihr Lebenslied ist: “Ich gehör nur mir”. Es ist ein Zauber, der von der Kombination Lied/Interpretin ausgeht. Wenn “die Hakvoort” “Ich gehör nur mir” singt, dann klickt es. Ihre Fans geraten außer Rand und Band, sind kaum mehr zu bändigen. Fast hat man jedoch den Eindruck, Hakvoort ist nur mehr eine Kaiserin wider Willen. Im Mittelteil des Songs persifliert sie die schauspielerische Leistung, mit der sie dem Instrumentalteil vor dem Finish so viel an Intensität verliehen hat. Denn seien wir uns ehrlich, Maya Hakvoort punktete nie mit einem grandiosen Schlusston, wie etwa Pia Douwes, bei ihr war es die Gesamtperformance von “Ich gehör nur mir”, die immer stimmig, intensiv und berührend war. In ihrer Soloshow nun macht sie sich darüber lustig: “Da lieg ich dann am Boden, und weine. Und alle denken: wie dramatisch, wie dramatisch. Das brauch ich alles nicht mehr machen, weil ich gar keine Flügel mehr hab” - zwei, drei Lacher, kippt die Stimmung? Nein, auf die Fans ist Verlass, ein gutes Finish und der Saal tobt wieder. Ein Lied wie “Ich gehör nur mir”, das Publikum und Künstler aufs Engste aneinander bindet, per Persiflage abzumurksen, das hat auch Tradition unter Musicalstars, ich erinnere an Bruno Grassini und Thomas Borchert. Es ist aber ein Zeichen großer Entertainer, dem Publikum das zu geben, was es mit den “Hits” verbindet, vielleicht wird auch Maya Hakvoort das einmal noch stärker berücksichtigen. Mit “Ich gehör nur mir” hat sie einen Song an der Hand, den man so leicht als Trademark verwenden könnte. Instrumental beispielsweise als Auftritts- und Abgangslied, ohne auf peinliche Konserven zurückgreifen zu müssen, während der Show als unvergessliches Highlight. Es hilft nichts, dieses Lied nicht zu singen oder stimmungsmäßig zu meucheln, genausowenig wie ein Barry Manilow “I write the songs” seinem Publikum vorenthalten würde, egal, ob er es nun zum 100.000. Mal oder 200.000. Mal singt.
“Maya goes solo” ist, bei aller Kritik, eine unterhaltsame Show des sympathischen “Elisabeth”-Stars, mit vielen Highlights. Und wer weiß, vielleicht wird sie ihre Schatten los und schafft es demnächst wieder “Ich gehör nur mir” so zu singen, dass man den Song auch tatsächlich genießen kann.
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