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Archiv - März, 2005

Lukas Perman - in “24 Stunden” zur Nr. 1 …

Lukas Perman; Pic: Susanne Stemmer
… das mag übertrieben sein, andererseits, wenn man sich die Karriere des Lukas Perman ansieht: Verteufelt schnell hat er es zum Leading Man des Wiener Musicals geschafft. Noch als Student des Konservatorium Wien landete er mit der Rolle des Rudolf im Kultmusical Elisabeth punktgenau in der Musical-Oberliga. Mit seiner Darstellung des “Romeo” in “Romeo & Julia” schaffte Lukas Perman es endgültig zum Liebling der Musicalfans.
Doch Musicalstar allein, das wollte er wohl nie “nur” sein. Sein “Starmania”-Ausflug mag Lukas Perman nicht sofort zum Popstar “gemacht” haben, andererseits, vielleicht wäre der blitzartige Erfolg auch gar nicht so gut gewesen. “When The Evening Falls”, seine erste Solo-Single, brachte immerhin 2003 erste Chartserfolge (Platz 9 der “Austria Top 40″).
Ab 29.3.2005 wird das Kapitel Popstar in der Karriere von Lukas Perman jedenfalls ganz neu geschrieben. Mit der Single “24 Stunden” erscheint die erste Auskopplung aus “Hier Im Jetzt”, dem Debüt-Longplayer des österreichischen Sängers, Musikers und Schauspielers als Solokünstler.
Für seinen ersten eigenen Tonträger ließ sich Lukas Perman so richtig Zeit, frei nach dem Motto “Gut Ding braucht Weile”. Wiewohl er bereits als “Starmaniac” erste Cheers als Popsänger einfangen und auch mit dem englischsprachigen Popsong “These Are My Rivers” aus “Romeo & Julia” bis auf Platz drei der heimischen Verkaufscharts vorstoßen konnte, wird die mit dem Wiener Produzenten und Komponisten Bob Gutdeutsch aufgenommene CD “Hier im Jetzt” (VÖ: 25.4.2005) das erste persönliche musikalische Statement von Lukas Perman darstellen. Es glänzt durch vielseitiges und einfallsreiches Songwriting in ebenso facettenreicher und emotionsgeladener Interpretation. Der Titel “Jeder träumt” (Bonustrack auf der Single “24 Stunden”) beispielsweise wurde vom heimischen Chartsbreaker Marque geschrieben, die erste Single “24 Stunden” stammt aus der Feder von Maya Singh sowie Bob Gutdeutsch und ist eine stimmungsvolle, verträumte Ballade mit einem wunderbaren Refrain, der sofort ins Ohr geht.
Bei den Aufnahmen wurde Lukas Perman von erstklassigen Musikern unterstützt, unter anderem werkten am Bass der Count Basic-Bassist Willi Langer und am Schlagzeug der Depeche Mode-Tourdrummer Christian Eigner.
Wer Lukas Perman unterstützen möchte und sein neues Lied möglichst bald im Radio gespielt wissen will, klickt am besten gleich mal hier und wünscht sich die Single. Im Plattenhandel ist die Single ab 29.3.2005 überall zu haben.

Die Vereinigten Bühnen Wien zaubern fulminanten “Jesus Christ Superstar” ins Wiener Ronacher

Jesus Christ Superstar - Das Ensemble; Foto: Martin Bruny
Am 24.3.2005 feierte “Jesus Christ Superstar” als konzertante Aufführung in einer Produktion der Vereinigten Bühnen Wien im Wiener Etablissement Ronacher Premiere.

Drew Sarich, Serkan Kaya, im Hintergrund: Caspar Richter; Foto: Martin Bruny
Mit Weihnachtskonzerten, so der Musikalische Leiter und Dirigent Caspar Richter in einer kurzen Einführung, sei den Vereinigten Bühnen Wien schon ein alljährlicher Dauererfolg geglückt, nun sei es an der Zeit, eine neue Tradition zu initiieren: Osterkonzerte.

Roman Straka; Foto: Martin Bruny
Die Chancen stehen gut, dass mit dieser Showproduktion tatsächlich ein Reigen an sensationellen Osterkonzerten gestartet werden konnte. Orchester und Darsteller zeigten sich in glänzender Spiellaune und zauberten mit all ihrer Kraft und Energie eine fulminante Version des Rockmusicals von Andrew Lloyd Webber auf die Bühne des Ronacher.

;Serkan Kaya; Foto: Martin Bruny
Die Darsteller:
Jesus: Drew Sarich
Judas: Serkan Kaya
Kaiphas: Dennis Kozeluh
Simon/Annas: Rob Fowler
Pilatus: André Bauer
Petrus: Roman Straka
Maria Magdalena: Claudia Stangl
Soulgirl/Herodes: Jaqueline Braun
Soulgirls: Tina Schöltzke, Wietske van Tongeren

Claudia Stangl; Foto: Martin Bruny
Nicht vergessen sollte man bei dieser Produktion den Hinweis auf den Ton und die Tonausrüstung. Es ist spätestens jetzt bewiesen, dass man auch das Ronacher sehr gut beschallen kann. Künftige Einmieter dürfen sich vertrauensvoll an die Firma Memphis Multisound wenden, da scheint man zu wissen, wie man diesen Job effektiv erledigt.

Rob Fowler; Foto: Martin Bruny

Zwei Mal noch, am Samstag, dem 26.03.05 (15 Uhr), und Sonntag, dem 27.03.05 (11 Uhr), kann man “Jesus Christ Superstar” im Ronacher erleben. Restkarten sind bei Wien-Ticket erhältlich.

Showfrühling 2005 in Wien

Abseits der großen Bühnen fegt in den nächsten Wochen ein wahrer Frühjahrs-Show-Sturm durch Wiens Theater. Eine kleine (und unvollständige) Auflistung einiger Events sei hier mal kurz präsentiert:

Die (vorläufige) Derniere von SUBWAY STORIES, einer Produktion von SchülerInnen des Vienna Konservatoriums, am 31.03.2005 ist bereits restlos ausverkauft. Wenige Karten für den 30.03.2005 können noch geordert werden (www.interkulttheater.at). Im April wird es vielleicht noch weitere Vorstellungen geben, Infos demnächst hier.

Im April präsentiert das Ensemble des Vienna Konservatoriums LYSISTRATE, ein Musical von Heinz R. Unger und den Schmetterlingen. Die Show, die letztes Jahr bereits begeisterte, wird nun ab 13.04.2005 im Theater Center Forum wieder aufgeführt.

Von H. C. Artmann über Tschechow und Gustav Ernst bis zu den Toten Hosen - und mehr. Eine literarische Revue präsentiert der 4. Jahrgang der Abteilung Musikalisches Unterhaltungstheater des Konservatoriums Wien. Die LUXUS-REVUE ist von 05.04.2005 bis 09.04.2005. zu sehen.

SAISON IN SALZBURG, eine Operette von Fred Raymond, haben 15 Studierende des 2. und 3. Jahrgangs des Wiener Konservatoriums, Abteilung Musikalisches Unterhaltungstheater, erarbeitet. Am 26.04.2005 steigt im Stadttheater in der Walfischgasse die Premiere.

NIGHT & DAY heißt die Jahresabschlußveranstaltung der Performing Arts Studios Vienna. Die Show führt in die Welt der 30er Jahre und handelt von Gegensätzen der oberen Gesellschaft, Unterweltmilieu und Rassendiskriminierung. Die Musik stammt von Cole Porter und Harold Arlen. [25.04.2005, 19:30, Theater AKZENT]

Albert Kessler schlüpft wieder einmal in seine Kunstfigur ALEL und präsentiert “Five Stories - Eine interaktive Show” im Wiener Akzent.

LIGHT AND SOUND, der 2. Wettbewerb der Veranstaltungstechniker, steigt am 9. 5. 2005 im Wiener Akzent. Seit 4 Jahren haben junge Menschen die Möglichkeit, den attraktiven Beruf eines Veranstaltungstechnikers zu erlernen. Dieses Angebot haben bisher weit über 100 Personen angenommen, Tendenz steigend! Die Schüler des 3. Jahrgangs können Dank der Unterstützung der Arbeiterkammer Wien einen Lehrlingswettbewerb durchführen. Hier sollen die Schüler in der Praxis zeigen, welch umfangreiche bühnentechnische Kenntnisse sie erworben haben. Studenten der Performing Arts Studios Vienna werden verschiedene Szenen aus Musicals, Shows und Entertainment zeigen. Die Schüler betreuen die Aufführung licht- und tontechnisch, wobei je ein Team eine Szene technisch gestaltet. Eine Fachjury vergibt die Preise für die besten Leistungen.

18.3.2005: Eva Maria Marold live im Wiener Metropol

Eva Maria Marold; Foto: Martin Bruny
In ihrem zweiten Soloprogramm Mutter lass mich in Ruh! Ich steh heute nicht auf! Ich bleib im Bett! beschäftigt sich Eva Maria Marold mit den dunklen und furchteinflößenden Seiten des Musical-Darsteller-Daseins. Gekonnt und mit viel Routine schlüpft sie in die Rolle einer faulen Musicalsängerin. Begleitet wird der Musicalstar von Willi Langer (Bass), Gerald Gratzer (Schlagzeug), Harry Peller (Gitarre) und Christian Frank (Musikalische Leitung & Keyboards).

Eva Maria Marold & Barbara Karlich; Foto: Martin Bruny
Eva Maria Marold arbeitet in ihrem Soloprogramm oft im derben Register, allerdings doch immer sehr gewollt und genau auf dem Punkt. Sie schafft es, Stimmungen der Ausgelassenheit innerhalb weniger Sekunden in tiefe Betroffenheit umkippen zu lassen, berührende Szenen lösen sich in heiteren Momenten auf, mit visuellen Elementen schickt sie die Zuschauer des öfteren in bestimmte Stimmungen, nur um sie dann mit Songs je wieder herauszureißen.

Viseuelles Wechselbad der Gefühle; Foto: Martin Bruny
All das ist fein konzipiert und weist vielleicht auf den Weg hin, den Marold einmal gehen wird. Weg vom Musical, hin zur sogenannten “Kleinkunst”. Aber wer weiß schon, wohin sich die Allrounderin tatsächlich entwickeln wird.

Eva Maria Marold; Foto: Martin Bruny

Eva Maria Marold ist mit ihrer Show wieder am 30. und 31. März live im Wiener Metropol zu sehen, vom 23. bis 25. Mai gastiert sie im Orpheum.

Queenonline.com präsentiert exklusiv brandneue Version des “We Will Rock You”-Showstoppers “No-One But You”

Ab sofort steht auf Queenonline.com eine brandneue Version des “We Will Rock You”-Showstoppers “No-One But You” zum Gratis-Download. Der Song wurde von Brian May mit Kerry Ellis anläßlich des Starts der Londoner Produktion in die vierte Saison aufgenommen. Ellis hat die Rolle der “Meat” kreiert und arbeitet derzeit an einer Solo-CD.
Brian May: “This is a project I have been working on in my mind ever since we opened We Will Rock You three years ago. We now have many productions of WWRY operating around the world, all featuring ‘No-One But You’, everywhere performed by great singers. But the standard was set by Kerry Ellis who created this role in the very beginning. I have always wanted to make the “Ultimate Version” of this song on record, and at last I feel this is it!”
Zum Download!

“Tribute to Black Music” - A Celebration of Musicals im Wiener Akzent

Kim Cooper, Eddie Cole, Lynne Kieran & Previn Moore; Foto: Martin Bruny
Auf eine Reise durch die Geschichte der “Black Music” nahmen Kim Cooper, Lynne Kieran, Eddie Cole & Previn Moore die Zuschauer im Wiener Akzent am 16.3.2005 mit. Der Zauber ihrer Stimmen und Performance verwandelte das biedere Akzent in den brodelnden Cotton Club, ins legendäre Apollo Theatre.

Begleitet von Jeff Frohner (Flügel, Keyboard), Andy Winkler (Schlagzeug), Christoph Petschina (Bass), Josef Burchartz (Trompete) und Georg Barnert (Klarinette) interpretierten die vier Ausnahmekünstler Songs aus den Musicals One Mo’ Time (”Down in Honky Tonk Town”, “C.C. Rider”, “Everybody loves my baby”, “Key hole”), Ain’t misbehavin’ (”Honeysuckle Rose”, “Your feet’s too big”, “Black and Blue”, Mean to me”), Five Guys Named Moe (”Early in the morning”, “I know what I’ve got”, “Is You Is Or Is You Ain’t”, “Choo Choo Boogie”, “What’s the use of getting sober”, “Don’t let the sun catch you crying”), The Wiz (”No Bad News”, “Home”, “Ease on down the road”) und Dreamgirls (”Move”, “One night only”).

Previn Moore; Foto: Martin Bruny

11.11.2005: US-Kinostart für Jonathan Larsons “Rent”

Unter der Regie von Chris Columbus haben die Dreharbeiten zur Verfilmung des Jonathan Larson-Kultmusicals “Rent” in San Francisco begonnen. In den Hauptrollen u. a. zu sehen und hören: Taye Diggs (als Benjamin “Benny” Coffin III), Wilson Jermaine Heredia (als Angel Schunard), Jesse L. Martin (als Thomas B. “Thom” Collins), Idina Menzel (als Maureen Johnson), Adam Pascal (als Roger Davis) und Anthony Rapp (als Mark Cohen). Weiters dabei: Rosario Dawson als Mimi und Tracie Thoms als Joanne Jefferson. Angepeilter US-Kinostart: 11. November 2005.

The TheaterMania Guide to Musical Theater Recordings

The Theatermania Guide to Musical Theater Recordings
Was zur Bibel für Musicalfans hätte werden können, es entpuppt sich letztlich als Zankapfel: der TheaterMania Guide to Musical Theater Recordings, herausgegegeben von Michael Portantiere, Editor-in-Chief der bekannten Website TheaterMania.com, versehen mit einem Vorwort von Jerry Herman.
Das broschierte Buch bietet auf rund 400 Seiten Kritiken zu mehr als 1000 Cast-CDs der wichtigsten Shows des Broadway und Londoner West End, beginnend am Anfang des 20. Jahrhunderts - eine umfangreiche Aufgabe. Jede Aufnahme wird nach einem Punkteschema von “not recommended” (kein Punkt) bis “Superlative; outstanding” (5 Punkte) bewertet.
Das erste große Minus: es gibt keine exakten Angaben zur Cast, Details zu Komponist, Texter etc. sind lediglich in den Kritiken selbst enthalten, nicht in einem Übersichtsteil zu jeder CD. Letztlich ist dieses Buch tatsächlich eine leserunfreundliche Ansammlung von Kritiken geworden - eine höchst subjektive, und die Empörung unter beispielsweise englischen Musicalfans war groß, als sie für sich aus den Kritiken herausfilterten, dass englische Cast-CDs praktisch immer schlechter “bewertet” werden als die amerikanischen Pendants.
Ganz übel meint man es mit Boublil & Schönberg. Von “Miss Saigon” etwa werden 2 Cast-CDs rezensiert: die Original London Cast von 1989 und die Studio Cast von 1995. Das Urteil des Kritikers: “not recommended”. Zitat: “Like its equally Eurotrashy predecessors “The Phantom of the Opera” and “Les Misérables”, “Miss Saigon” followed a crooked path to enourmous popular and financial (but not artistic) success.”
“Les Misérables” konnte die Kritiker ein klein bisschen mehr überzeugen. Die Original London Cast (1985) erhielt 2 Punkte, Broadway Cast (1987) ebenfalls 2 Punkte, Complete Symphonic Recording (1988) nur einen Punkt, die London Concert Cast (1995) 2 Punkte.
Favorit der Kritiker, was Boublil/schönberg betrifft, ist eindeutig “Martin Guerre”: 4 Punkte für die London Cast (1996) und 3 Punkte für die Touring Cast.
Andrew Lloyd Webbers “Das Phantom der Oper” kommt auf den 2 bewerteten Aufnahmen nicht über je einen Punkt hinaus. Zur London Cast CD wird vermerkt: “The recording gets one grudging star for its few nice moments, but don’t take that as a recommendation to buy it.”
Man mag sich über die Subjektivität der Rezensenten empören, Fakt ist, dass wir hier Kritiken zu mehr als 1000 Cast-CDs vorliegen haben, und wenn man dieses Büchlein schon zu nichts anderem verwenden mag, so doch vielleicht als höchst inspirierende Ansammlung von Kauftipps. Garniert wird das Ganze durch Listen der 10 persönlichen Lieblingsmusicals von Größen wie Barbara Cook, Kristin Chenoweth, Fred Ebb, Jason Robert Brown und Michael John LaChiusa.
[The Theatermania Guide to Musical Theater Recordings; Paperback: 416 pages; Publisher: Backstage (December 10, 2004); ISBN: 0823084353]

Jackson R. Bryer; Richard A. Davison (Herausgeber): The Art of the American Musical – Conversations with the Creators

artofamericanmusical.jpgEs gibt Bücher, an denen kommt man als am amerikanischen Musical Interessierter nicht wirklich vorbei. “The Art of the American Musical” gehört dazu. Auf 308 Seiten bringen die Herausgeber Jackson R. Bryer und Richard A. Davison Transkriptionen von insgesamt achtzehn Interviews mit einigen der wichtigsten kreativen Köpfe dieser Kunstform: Lynn Ahrens und Stephen Flaherty (”Once on This Island”, “Ragtime”), Jason Robert Brown (”Parade”, “The Last Five Years”), Betty Comden und Adolph Green (”On the Town”, “Bells Are Ringing”), Sheldon Harnick (”She Loves Me”, “Fiddler on the Roof”), John Kander und Fred Ebb (”Cabaret”, “Chicago”, “Kiss of the Spider Woman”), Burton Lane (”Finian’s Rainbow”, “On a Clear Day You Can See Forever”), Arthur Laurents (”West Side Story”, “Gypsy”, “Hallelujah, Baby!”) ,Hal Prince (”The Pajama Game”, “Damn Yankees”), Kathleen Marshall (”Kiss Me Kate”, “Wonderful Town”), Stephen Sondheim (”Company”, “Sweeney Todd”), Susan Stroman (”Crazy for You”, “The Producers”), Charles Strouse (”Bye Bye Birdie”, “Annie”), Tommy Tune (”Nine”, “Me and My Girl”), John Weidman (”Pacific Overtures”, “Assassins”) und George C. Wolfe (”Jelly’s Last Jam”, “Harlem Song”).

Das beherrschende Thema des Buches ist die Frage, wie die verschiedensten kreativen Abteilungen einer Musicalproduktion bei der gemeinsamen Arbeit kooperieren, um das, was man dann als Gesamtwerk “Musical” auf der Bühne sieht, entstehen zu lassen. So lässt sich dieses Buch auch gliedern in Interviews mit Komponisten, Textern, Librettisten, Regisseuren, Choreographen und Produzenten. Viele der Interviewten nehmen im kreativen Entstehungsprozess auch Mehrfachfunktionen ein, Jason Robert Brown beispielsweise ist unter anderem Komponist, Texter und Musikalischer Direktor, die meisten der Befragten haben bereits miteinander gearbeitet oder mit den Großen der Branche, die zwar nicht selbst interviewt werden konnten, aber vielfach Erwähnung finden, wie Leonard Bernstein, Jerome Robbins, Jule Styne, Bob Fosse, Liza Minnelli, Alan Jay Lerner und viele andere.

“The Art of American Musical” ist kein Buch über Musicaldarsteller, sehr wohl ist aber ein “Sequel” zu diesem Werk in Planung, in dem dann die Performer zu Wort kommen sollen.

Bemerkenswert an diesem Interviewband ist die große Bereitschaft aller Beteiligten, wirklich ausführlich zu den clever gestellten Fragen Stellung zu nehmen. Und so kann es schon vorkommen, dass Jason Robert Brown mehr als drei Druckseiten für die Beantwortung einer einzigen Frage Platz bekommt. Als Leser empfinde ich das als Wohltat, in Zeiten, da sogar in Onlinemedien “Platz” Mangelware ist. Man sollte meinen, dass im Internet, wo es nicht drauf ankommt, ob man nun ein bisschen mehr oder weniger scrollt, Content, also Inhalt, beliebig lange sein darf, wenn es das Thema erfordert, allein, genau das Gegenteil wird von allen Fachleuten gepredigt: „”Man” liest nicht lange Texte im Internet.“ In Zeitschriften ist meistens auch kein Platz, um wirklich lange, ausführliche Texte abzudrucken, es wird gekürzt, umgestellt und noch mal gekürzt – bleibt also das gute alte Buch.

Die achtzehn Interviews entstanden zwischen 1992 und 2004, alle Beteiligten erhielten vor der Drucklegung noch einmal die Chance, ihre Statements upzudaten. “The Art of American Musical” ist nicht nur ein Lobgesang auf Triumphe, auch die großen Flops werden ausführlich behandelt, so beispielsweise Stephen Sondheims Musical “Bounce”, an dem auch John Weidman und Harold Prince beteiligt waren. So ergibt sich die Analyse eines Flops aus den verschiedenen Ecken des Kreativteams.

Ein Stichwortverzeichnis ist vorhanden, man kann das Buch natürlich auch als Quelle für biographische Zwecke verwenden, jedem Interview sind ein kurzer Lebenslauf und eine Werkübersicht vorangestellt, auch Bildporträts der Befragten fehlen nicht.

Fazit: Ein rundum faszinierendes Buch, mit Sorgfalt und Liebe zum Genre editiert.

Jackson R. Bryer; Richard A. Davison: The Art of the American Musical – Conversations with the Creators. Rutgers University Press, New Brunswick 2005, 308 S.; ISBN: 0-8135-3613-8. $ 23,95 (Paperback). http://rutgerspress.rutgers.edu/

Ulrich Khuon (Hrsg.): Beruf: Schauspieler – Vom Leben auf und hinter der Bühne

berufschauspieler.jpg“Sag: ‚Viele Versprecher, du Schlampe.’ Jetzt mach schon Junge, ich muss auf die Bühne!” forderte eine große alte Dame des Theaters vor vielen Jahren vom jungen Dramaturgen John von Düffel. „Man sagt nicht ‚viel Glück’, wenn man jemandem viel Glück wünscht!“ schimpft sie ihn so laut, dass es jeder im Gardereobentrakt hören kann. Düffel weiß noch nichts von den Do’s und Dont’s am Theater, er hat noch keine Ahnung, warum man auf der Bühne nicht pfeifen darf, warum „Teufel, Teufel, Teufel“ als Premierenwunsch dann doch noch um einen Deut besser als „Toi, toi, toi“ ist, warum man auf der Bühne nicht isst und keine Hüte und Mäntel tragen darf, sofern sie nicht zum Kostüm gehören. Die ungeschriebenen Theatergesetze – sie sind ihm noch alle fremd. „Bitte nicht pfeifen! – Eine Verteidigung des Aberglaubens auf der Bühne“, verfasst von Dramaturg, Film- und Theaterkritiker John von Düffel, ist ein Artikel in einer Buchneuerscheinung mit dem Titel „Beruf: Schauspieler“, einem faszinierenden Sammelband, herausgegeben vom Intendanten des Thalia Theaters Hamburg, Ulrich Khuon.
Auf Stichwort brechen sie in Tränen aus, schreien und lachen, singen und tanzen, sind wütend oder fröhlich. Darsteller stehen im Rampenlicht und müssen in ihrer Rolle überzeugen: mit ihrer Stimme, ihrer Mimik und Gestik, ihrem ganzen Körper. Mit Haut und Haar schlüpfen sie in ein anderes Ich, auf der Bühne oder vor der Kamera. Der Schauspieler, das zerbrechliche Wesen. Auch das einer von vielen Ansätzen, wie man sich dem Leben vor und hinter der Bühne in diesem Buch nähert: mit einfühlsamen Porträts und Interviews. Zu Wort kommen Newcomer und arrivierte Stars wie Paula Dombrowski, Caroline Ebner, Maren Eggert, Judith Engel, Fritzi Haberlandt, Alexandra Henkel, Dietmar König, Hans Kremer, Stefan Kurt, Susanne Lothar, Michael Maertens, Annette Mayer, Annette Paulmann, Wiebke Puls, Sylvie Rohrer, Stefanie Stappenbeck, Ulrich Tukur, Susanne Wolff und Martin Wuttke. Interessant dabei ist nicht nur, wie der/die Interviewte antwortet, sondern wie das Frage-Antwort-Spiel von den Autoren des Buches aufbereitet wird. Ganz verschiedene Ansätze haben da die Autoren dieses Buches: Sonja Anders, Eva Behrendt, Klaudia Brunst, Werner Burckhardt, Petra Castell, Robin Detje, John von Düffel, Jürgen Flimm, Gerhard Jörder, Hellmuth Karasek, Andreas Kriegenburg, Brigitte Landes, Frauke Meyer-Gosau, Monika Nellissen, Thomas Oberender, Peter Reszczynski, Hermann Schreiber, C. Bernd Sucher und Egbert Tholl.
Man liest viel von “Angst” in diesem Buch, aber auch viel von Leidenschaft, Begeisterung, Illusionen und Desillusionierung. Sehr kritisch setzt sich beispielsweise die Kulturjournalistin Monika Nellissen in ihrem Beitrag “Alle Kellner sind Schauspieler” mit der Arbeitsmarktsituation auseinander: „Kellnern, sagt Michael Schäfermeyer, Leiter der Schauspielabteilung der Zentralen Bühnen-, Fernseh- und Filmvermittlung (ZBF) der Bundesagentur für Arbeit, und meint das nicht zynisch, sei ja noch ein honoriger Beruf. Im Extremfall werden Pornogeschichten gemacht, und sei es nur als Overvoice, um ein paar Euro zu verdienen.” Die Prognosen sind düster. Nach den Hartz-IV-Gesetzen dürfen Schauspieler nur noch dann Arbeitslosengald beziehen, wenn sie innerhalb von zwei Jahren an mindestens 360 Tagen sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Davor galt ein Zeitraum von drei Jahren. Etatkürzungen, Theaterfusionierungen und -schließungen … natürlich müssen nicht alle Darsteller als Kellner arbeiten. Aber Statistiken, wieviele es tun, gibt es nicht. Da Realität, dort die Formulierung des Ziels: „Wenn ihr die Menschen erreicht, wenn sie über euch weinen, lachen, wenn ihr sie nachdenklich macht oder ihnen vielleicht sogar eine Lebenshilfestellung gebt, dann erfüllt ihr unseren Beruf. Ihr erfüllt unsere Berufung“, so Boy Gobert, der legendäre Theatermann. Als Intendant, Schauspieler und Regisseur war das Theater sein Leben. Was das Theaterleben so einzigartig macht, den Zauber des Theaters, ihn versucht dieses Buch ein wenig zu entschlüsseln. Wie gehen Schauspieler mit Verrissen um, Lampenfieber, Neid, Ängsten, wie mit Erfolg? Wie hat sich der Beruf in den letzten Jahrzehnten verändert. Fragen, die auf spannende Weise beantwortet werden, und neue, unbeantwortet bleibende Fragen aufwerfen. Ein Fragebogen rundet die Interviews, Portraits ab: „Stören Sie hustende Zuschauer?“, „Wie gehen Sie mit Buhs um?“, „Haben Sie Hemmungen, auf der Bühne nackt zu sein?“, „Spielen Sie gerne in einer Uraufführung“, „Was tun Sie gegen Lampenfieber?“, „Gibt es Kritiker, deren Meinung Ihnen wirklich wichtig ist?“, „’Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze’. Hier irrt Schiller?“, „Sind Sie abergläubisch?“ – nur einige der interessanten Fragen.
Insgesamt eine anregende Lektüre, die man allen Darstellern, aber auch Rezensenten und einfach begeisterten Theatergehern ans Herz legen kann.

Ulrich Khuon (Hrsg.): Beruf: Schauspieler – Vom Leben auf und hinter der Bühne. edition Körber-Stiftung, Hamburg 2005, 368 S.; ISBN: 3-89684-045-2. € 18,00 (Hardcover). www.edition-koerber-stiftung.de

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