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Archiv - Musical

Kritiker im Krähennest

Ehre, wem Ehre gebührt. Die wenigen Male, die ich bei den VBW um Pressekarten angefragt habe, wurden mir immer Plätze zugewiesen, die völlig in Ordnung waren. Völlig in Ordnung bedeutet nicht etwa, dass es sich um die beste Kategorie handeln muss, nein, man muss das, was auf der Bühne abläuft, gut sehen und gut hören können. Das sind die minimalen Voraussetzungen. Das schließt schon mal aus, dass es Plätze weit hinten sind. Nicht etwa, weil man sich zu schlecht ist, um weiter hinten zu sitzen, sondern weil es keinen Sinn hat, über eine Show zu schreiben, bei der man die Mimik der Schauspieler auf der Bühne nicht ausmacht. Okay, ich bekomme mit, wenn ein Hauptdarsteller gut singt, aber in manchen Szenen in derartiges Overacting verfällt, nur weil der Regisseur nicht lange genug mit ihm gearbeitet hat. (Manchmal ist natürlich auch der Schauspieler daran schuld.) Ich erkenne auch, dass eine Hauptdarstellerin eine grandiose Tanz-/Gesangsnummer hinlegt, die dann im zweiten Teil aber zu einer der schrecklichsten ever wird, weil … Egal, also das erkenne ich, ja, aber die Feinheiten erkenne ich nicht. Und je weiter hinten ich sitze, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich bei kleinen Rollen nicht einmal weiß, wer gerade auf der Bühne steht. Und wir kennen doch alle die Tragödien, die sich in Darstellerleben abspielen, wenn jemand mal nicht in einer Kritik genannt wird. Es soll vorkommen, dass Darsteller vor lauter Gram gar nicht mehr auftreten können, oder das zumindest behaupten. Wir kennen den Spruch, dass Schauspieler Kritiken, in denen sie gelobt werden, ein Mal lesen, in denen sie verrissen werden, zwei Mal, aber in denen sie gar nicht genannt werden, zehn Mal. Ja Kinder, beschwert euch bei euren Presseleuten. You’ll get what they let us see. Noch ärger ist es natürlich, wenn ich als Kritiker keine Chance habe, Feinheiten von optischen Tricks zu erkennen. Was schwebt da grad durch die Luft. Ein nasser Fetzen? Eine Zeitung? Keine Chance.
Und was das Hören betrifft. Klar, man kann ein großes Theater nur mit viel Aufwand in allen Rängen optimal beschallen. Aber wenn man schon weiß, dass man im sagen wir 1. Rang nur mehr Soundbrei bekommt und Texte nur mit größter Anstrengung und oft gar nicht versteht, setze ich dann dorthin Kritiker, die zumindest vermitteln könnten, was man hören könnte, würde man sich Plätze weit vorn gönnen? Neben mir dreht eine Besucherin den Monitor mit der deutschen Untertitelung auf. Sie versteht nada. Würd ich rufen: A bisserl lauter bitte, man würde es 3000 Meter weiter auf der Bühne gar nicht hören. »Es ist leicht ein Werk zu kritisieren; aber es ist schwer es zu würdigen.« Ja eh, und manchmal hat man keine Chance dazu.

Was sind wir doch froh, dass wir die VBW-Insider haben

In einem deutschen Musicalforum treiben sich seit Jahren immer wieder User herum, die sich mit VBW-Insiderinformationen, VBW-Gerüchten wichtig machen. Meist handelt es sich um wilde Spekulationen, was den Spielplan der nächsten 2000 Jahre betrifft. So geht in diesem Forum gerade das Gerücht um, dass »Cats« von den VBW gebracht werden wird oder der »Glöckner von Notre-Dame« oder »Beethoven«, das neue Projekt von Levay/Kunze, oder »Casanova« von Frank Wildhorn.
Mitunter wird das Ganze so skurril, dass man für allgemeine Verbreitung sorgen muss. So wird es laut diesem »Insider« in absehbarer Zeit zu keinem »Rebecca«-Revival in Wien kommen, weil die Transportkosten der Fetzen, die noch immer in New York lagern, zu teuer kommen würden.
Also, wer immer dieser VBW-Insider ist, nur weiter so, ich freue mich auf den neuesten VBW-Klatsch.

Nathan Trent. War das nötig?

Als am Montag, dem 27. Februar, ein Video von Österreichs Beitrag zum Song Contest auf YouTube auftauchte, dachte ich mir: Gutes Lied. Vielleicht ist es ja mal wieder möglich, einfach mit einem guten Lied zu punkten.
Aber, es wäre nicht der ORF, wenn er nicht am Tag danach eine passende »Story« zu diesem Lied geliefert hätte: In einer »Krise nach seinem Musicalstudium« sei der Song entstanden, meinte Nathan Trent, der Sänger. Er habe nach Abschluss seines Studiums nicht gewusst, was er machen soll. Um diese Aussage einzuschätzen, muss man ein paar Dinge wissen:
– Der Begriff »Musical« ist für die den Song Contest bestimmenden Leute ein Feindbegriff. Es gibt unvergessliche Szenen, wie Musicalsänger bei diversen Castingformaten des ORF regelrecht vorgeführt wurden, wie ihre Ausbildung, ihre Attitude allein deswegen kritisiert wurden, nur weil sie ein einschlägiges Musicalstudium absolviert hatten. Kam von dieser Richtung also der Tipp, dem Song mit dieser Story Sinn zu geben?
– Nathan Trent hatte vor seinem Musicalstudium reichlich Gelegenheit, ins Popstar-Business reinzuschnuppern. 2011 nahm er als 19-Jähriger am Castingformat »X Factor« teil und belegte den 11. Platz. Damals schien ein Musicalstudium danach durchaus Sinn zu haben.
– Trent hatte nach dem Abschluss seines Musicalstudiums eine Hauptrolle in einem Musical in Amstetten (»Footloose«). Er hatte schon während seines Studiums Rollen in Baden, im Theater in der Josefstadt und im Metropol. Er wird diese Chancen wohl auch seinem Studium zu verdanken haben. Ist es nun notwendig, seine Musicalausbildung in ein derartiges Licht zu stellen, selbst wenn das Ganze vielleicht falsch rübergekommen sein sollte. Hätte man die Musicalausbildung nicht ganz im Gegenteil in einem positiven Kontext erwähnen können? Andere mit vielleicht ebenso großem Talent und einer abgeschlossenen Musicalausbildung verdingen sich bei Musicaltankern wie den VBW als Ticketabreißer. Es ist schon richtig, was mir der Leiter eines anderen Ausbildungszentrums für Musicaldarsteller unlängst gesagt hat: »Wir bilden Leute aus, die auch in den Job wollen.« Vielleicht geht das nur, wenn man dafür auch zahlt und zwar richtig viel im Gegensatz zum Kons, an dem Trent seine Ausbildung absolviert hat. Ja, man kann ein Musicalstudium auch als Persönlichkeitsbildung ganz allgemein ansehen, aber solche Leute nehmen anderen Talenten dann einfach einen Platz weg. Talenten, die nicht gleich in eine Sinnkrise stürzen, wenn sie nicht als Johnny Awesome zum Instant-Musicalstar mutieren.

»Ghost«: Linzer Landestheater kooperiert mit Stage Entertainment

Am 18. März 2017 findet im Großen Saal des Musiktheaters Linz die Premiere der Deutschsprachigen Erstaufführung des Musicals »Ghost – Nachricht von Sam« statt. Die Show wird nach der Linzer Spielserie von 27 Vorstellungen ab Dezember 2017 im Berliner Stage Theater des Westens als Ensuite-Produktion von Stage Entertainment zu sehen sein. Es ist dies die erste Zusammenarbeit von Stage Entertainment mit einem subventionierten deutschsprachigen Theater. Bühne und Kostüme werden in den Linzer Werkstätten hergestellt, Stage Entertainment stellt die Videoprojektionstechnik, Illusionen und entsprechendes Know-how.

Handlung

Sam und Molly sind frisch verliebt und haben gerade ein neues Apartment bezogen. Doch eines Abends geschieht das Unfassbare: Sam wird bei einem Überfall erschossen. Während Molly um ihn trauert, wandert Sam als guter Geist umher und findet heraus, dass auch Molly in Lebensgefahr schwebt. Doch er kann weder von den Lebenden gesehen werden, noch in das Geschehen eingreifen. Seine letzte Hoffnung ist Geistheilerin Oda Mae Brown, die aber zunächst gar nichts davon wissen will.

GHOST – NACHRICHT VON SAM
DAS LANDESTHEATER LINZ UND STAGE ENTERTAINMENT
PRÄSENTIEREN DIE DEUTSCHSPRACHIGE ERSTAUFFÜHRUNG VON
GHOST – NACHRICHT VON SAM

MUSICAL VON BRUCE JOEL RUBIN, DAVE STEWART, GLEN BALLARD
Buch und Gesangstexte von Bruce Joel Rubin, Musik und Gesangstexte von Dave Stewart und Glen Ballard
nach dem gleichnamigen Film von Paramount Pictures
Deutsch von Ruth Deny (Dialoge) und Roman Hinze (Gesangstexte)
In deutscher Sprache mit Übertiteln

Deutschsprachige Erstaufführung Samstag, 18. März 2017, 19.30 Uhr
Großer Saal, Musiktheater, Linz

Musikalische Leitung: Stefan Diederich
Nachdirigat: Borys Sitarski
Inszenierung: Matthias Davids
Choreografie: Lee Proud
Bühne und Videodesign: Hans Kudlich
Kostüme: Leo Kulaš
Lichtdesign: Michael Grundner
Videoanimation: Atzgerei
Illusionen: Nils Bennett
Dramaturgie: Arne Beeker

Riccardo Greco (Sam Wheat), Anaïs Lueken, Ruth Fuchs (Molly Jensen), Ana Milva Gomes, Zodwa Selele (Oda Mae Brown), Peter Lewys Preston, Gernot Romic (Carl Brunner), Mischa Kiek (Willie Lopez / Ensemble), Rob Pelzer (Krankenhaus-Geist / Ensemble), Gernot Romic (U-Bahn-Geist / Ensemble), Ariana Schirasi-Fard (Clara / Ensemble), Gina Marie Hudson (Louise / Ensemble), David Eisinger, Nicolas-Boris Christahl, Jan-W. Schäfer, André Naujoks, Thomas Karl Poms, Ruth Fuchs, Rita Sereinig, Raphaela Pekovsek, Anna-Julia Rogers, Nina Weiß, Rachel Colley (Ensemble), Wei-Ken Liao, Lynsey Thurgar (Swings)

»Dernière«: Performing Center Austria thematisiert Theaterschließungen

Einem wichtigen Thema widmet sich der aktuelle Jahrgang des Performing Center Austria in seiner Abschlussshow mit dem Titel »Dernière«: Theaterschließungen. Selbstverständlich nimmt die Produktion, die am 28. Februar und 3. März 2017 im Wiener Theater Akzent zu sehen ist, nicht auf einen bestimmten Vorfall Bezug, der Inhalt von »Dernière« liest sich vielmehr so:

Ein kleines, aber feines Theater steht nach einem Gemeinderatsbeschluss vor dem Aus. Überrumpelt von dieser politischen Entscheidung, plant das hauseigene Ensemble in einer letzten Vorstellung gebührend Abschied zu nehmen. Doch ihnen werden ungewöhnliche Steine auf ihren persönlichen »Broadway« gelegt, die bei einem plötzlich auftauchenden, vermeintlichen, Erfolgsregisseur beginnen …

Man muss nicht lange suchen, um in Wien Beispiele für aktuelle Theaterschließungen zu finden. Nehmen wir etwa den Fall Mo.ë in der Thelemangasse 4 (17. Bezirk). Der Kulturverein Pica Pica muss mit 31. Mai 2017 aus seinen Räumlichkeiten ausziehen und ist damit Geschichte – ein Knotenpunkt der freien Kulturszene mit einem Programm aus Kunst, Musik, Tanz und Performance. Der zuständige Kulturstadtrat gibt sich immer unheimlich bemüht nach außen hin, wenn es um Theaterprobleme geht, das kennen wir. Letztendlich müssen dann doch kleine, aber feine Häuser schließen. (Infos siehe –> hier und –> hier)

Zurück zum erfreulicheren Thema Musicalnachwuchs: Rico SALATHE, Lisa RADL, Martin ENENKEL, Hannah REDLICH, Sandra SCHWANN, Florian KLEIN, Ilvy SCHULTSCHIK, Paul CSITKOVICS, Kilian BERGER, Sarah ZIPPUSCH, Sascha HÖDL und Thomas PRUCKNER sind die Darsteller von »Dernière«, und nach ihrer letzten Vorstellung als Studenten geht es für viele von ihnen in die ersten Engagements »danach«. Infos dazu –> hier.

Tickets für »Dernière« sind im Theater Akzent erhältlich. Infos –> hier.

Und morgen lösche ich wieder ein paar meiner »Friends«. Facebook-Trouble

Als ich mich nach längerer Zeit wieder mal um die Linklisten auf meiner Website gekümmert habe, fiel mir auf, dass eine ganze Reihe von Darstellern ihre klassischen Websites aufgegeben hatten, stattdessen zu Facebook gewechselt waren und dort »offizielle Accounts« eingerichtet hatten. Vom jungen Musicalstudenten bis zur schon gereifteren Darstellerin. Das hat sicher Vorteile. Zum Beispiel ist es völlig unproblematisch, Updates zu posten. Man muss sich in kein Wordpress- oder anderes System einklinken oder jemanden bezahlen, der das erledigt. Formatieren braucht man ebenfalls nichts, schon allein deswegen, weil Facebook da recht wenig an Möglichkeiten bietet. Man bekommt sofort angezeigt, wie viele User ein Posting erreicht, und das ist auch wunderbar, solange man weiß, dass diese Zahlen nicht viel bedeuten. Die Angaben sind ein grober Richtwert, wie viel Menschen erreicht werden könnten, die das betreffende Posting dann eventuell lesen. Nicht zu vergleichen ist das mit guten Analysetools, die auf Websites eingesetzt werden. Problematisch erscheint mir bei einem kompletten Wechsel zu Facebook, dass man alle seine Inhalte, insbesondere Bilder, einem System zu Verfügung stellt, bei dem man nicht weiß, was es damit machen wird. Vor allem, wenn es sich um Bilder hat, deren Rechte vielleicht nur für eine bestimmte Zeit für einen bestimmten Zweck freigegeben wurden. Es ist auch nicht möglich, hierarchisch zu posten, alles erscheint in chronologischer Abfolge. Ältere Beiträge zu suchen, das kann schon mal dauern.
Facebook als zusätzliches Tool erscheint mir sinnvoll, wenn es um Promotion geht, um Hinweise auf aktuelle Konzerte oder spielfreie Termine. Doch selbst das wäre auf einer aktuell gehaltenen Künstler-Website besser aufgehoben, weil klarer strukturierbar.
Die Zeit (und/oder das Geld) ist es wohl vor allem, die vielen fehlt, eine wirklich gute Künstler-Website in Schuss zu halten.
Obwohl es auch auf Websites von Künstlern um Selbstdarstellung geht, ist doch eine Hauptaufgabe die Information, während es auf Facebook bei vielen verstärkt um Selbstdarstellung zu gehen scheint. Solange es sich um eine »offizielle« Website handelt, ist vielleicht die Gefahr, zu viele für die Öffentlichkeit ungeeignete Inhalte zu posten, gering. Nicht wenige junge Musicaldarsteller, Choreografen etc. starten jedoch mit einem ganz simplen Facebook-Account und adden dann mal los. Nicht ein oder zwei User, oder zehn oder 20, sondern gleich Dutzende pro Tag. Das kann gar nicht schnell genug gehen. Hauptsache »viele Freunde«, das ist die Devise. Und kaum kommt das erste größere Engagement und vielleicht der erste Kaffeeplausch mit einem Marketingverantwortlichen eines Theaterunternehmens, geht’s los mit dem Minimieren der »Friends«. Dabei gibt es recht kreative Strategien. Die besonders Lustigen posten: »In den nächsten Tagen werde ich mal bei meinen Freunden aufräumen. Mit wem ich noch nie Kontakt hatte, der wird gelöscht.« Nicht ein Mal habe ich Sätze wie diesen gelesen, sondern Dutzende Male. Und Tage später dann die Folgemeldung: »Schon 100 Freunde gelöscht.« Ich kann das Gefühl nicht einschätzen, das diese User verspüren, aber es bewirkt nur eines: Der Typ wird unsympathisch. Gleich lieb sind mir Facebook-User, die, wenn sie auf einen Wochenendtrip gehen, zu Protokoll geben: »Bin jetzt auf Urlaub. Keine Updates in den nächsten Tagen.« Was zur Hölle ist Facebook denn für sie? Ein bezahlter Job, für den man eine Abwesenheitsbestätigung benötigt?
Eine andere Strategie, um lästige Friends loszuwerden, auch Dutzende Male erlebt: »Liebe Freunde, ich ziehe mich aus den sozialen Medien zurück und lösche mein Facebook-Account.« Welch ein Verlust, ja. Nur. Zu 99 Prozent ist die Absicht dahinter, am Tag drauf ein neues Account zu eröffnen. Die Altlasten hat man so wunderbar entsorgt, und man kann neu starten (und wieder ein paar unnötige Gfrasta adden, die man dann mit einer erneuten Löschung … Na, man kennt das Vorgehen). Facebook ist nicht Twitter oder Instagram, bei denen man bestimmten Usern folgt oder mit einem Klick eben nicht mehr. Hinter Facebook steckt ein bisschen mehr Verbindlichkeit. Das sollte man nicht allzu ernst nehmen, klar. Aber man kann es einfach auch möglichst professionell als Instrument nutzen, wenn man es als Künstler zu Promotionzwecken im weitesten Sinn einsetzt.

Kons Wien: »Paris, Mon Amour?!« / Ein musikalischer »Roadtrip« der Gefühle

Der 1. Jahrgang des Studiengangs Musikalisches Unterhaltungstheater der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien stellt sich mit Songs aus dem Musical-, Operetten-, Chanson- und Kabarettbereich zu Paris und den Gefühlen, die diese Stadt in Besuchern wie Bewohnern auslöst, vor.

Mit Vivienne Dejon, Deike Gr. Darrelmann, Anna Overbeck, Julia Sturzelbaum, Clemens Bauer, Lucca Kleimann, Chris W. Young und Thomas Wegscheider.

Musikalische Leitung: Christoph Rolfes
Szenische Betreuung: Isabella Fritdum
Choreografie: Marcus Tesch

Termin: 13.3. und 14.3.2017, 19:30 Uhr
Veranstaltungsort: Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, MUK.theater
Johannesgasse 4a, 1010 Wien
Eintritt frei – Zählkarten ab einer Woche vor der Veranstaltung bei den PortierInnen der MUK in der Johannesgasse 4a erhältlich.

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Der 3. Jahrgang des Studiengangs Musikalisches Unterhaltungstheater der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien gestaltet im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins einen Konzertabend als Hommage an die Tradition der Singer-Songwriter und deren Vertreter, die von den frühen Anfängen in den 1960er-Jahren an über das Revival in den 1990ern bis heute die gesellschaftliche Musiklandschaft nachhaltig reflektiert und geprägt haben. Ein »Roadtrip« der Gefühle mit Songs von Joni Mitchell, Leonard Cohen, Alanis Morissette, Amy Winehouse, James Bay u. v. a.

Mit Alexandra-Yoana Alexandrova, Katherina Gorgi, Enny Grijalva-Villalabos, Kaj Luis Lucke, Diana Schniererova, Florine Schnitzel, Thomas Wagenhammer und Lukas Weinberger
Gitarre: Doug Andrews, Karlo Krpan und Grgur Begovac
Künstlerische Leitung: Hannes Muik

Termin: 4.4.2017, 20:00 Uhr
Veranstaltungsort: Wiener Musikverein, Gläserner Saal/Magna Auditorium, Musikvereinsplatz 1, 1010 Wien
Tickets: www.musikverein.at
Kartenpreise€ 20,–/17,–; Stehplatz € 5,–
Restkarten für Studierende an der Abendkassa € 11,–

»Everybody’s Talking About Jamie«: Gender is the costume that we put on to show the world

Erst kürzlich hat sich Sir Andrew Lloyd Webber zu Wort gemeldet mit dem Statement, im Vergleich zum Broadway würde das West End zunehmend ins Hintertreffen geraten:

The thing we have to think about right now in Britain is that America has basically taken the lead again. There are 13 new musicals coming on to Broadway this year and there are only two new musicals in London. What’s happened is that in America there are masses and masses of theatres where you can try things out and perfect material before they ever get near to Broadway. (itv.com)

Doch es gibt Hoffnung. Vielleicht entwickelt sich ja das neue Musical »Everybody’s Talking About Jamie« zu einem Hit. Bevor es aber möglicherweise ab ans West End geht, ist die Show noch bis 25. Februar in Sheffields »Crucible Theatre« zu sehen, wo sie am 13. Februar ihre Uraufführung feierte. Dan Gillespie Sells (geboren 1979), Leadsänger der englischen Band The Feeling, komponierte für »Everybody’s Talking About Jamie« schmissige Popsongs, Tom MacRae (geboren 1980) ist für das Buch verantwortlich. MacRae hat sich als Autor für das englische TV einen Namen gemacht, so lieferte er unter anderem das Buch für eine Episode des Erfolgsserie »Dr. Who«.

Wie die beiden einander kennengelernt haben, erzählt Gillespie Sells gerne als amüsante Anekdote: »I was at a demonstration against Pope Ratzinger (Pope Benedict XVI) and his stance on using condoms to prevent the spread of HIV and my friend Russell Tovey introduced me to a mutual friend of his who turned out to be Tom. We just hit it off straight away and realised we had a lot of common interests and realised very quickly that we would like to work with each other.«

»Everybody’s Talking About Jamie« basiert auf wahren Erlebnissen des Engländers Jamie Campbell, der bereits als Fünfjähriger seine Liebe für Frauenkleidung entdeckt und mit 16 Dragqueen werden will. Zum Abschlussball an seiner Highschool geht er in einem Kleid. Das Leben des heute 21-jährigen Campbell wurde einer breiten Öffentlichkeit durch die 2011 entstandene BBC3-Doku »Jamie: Drag Queen at 16« bekannt – eine Doku, die Jamie selbst angeregt hat. Seine Überlegung, wie er in einem Interview erzählte: »Wenn ich von fünf Kameramännern begleitet werde, werden sich die Kids an meiner Schule nicht trauen, mich zu verprügeln.«
Das Musical selbst ist nicht streng autobiografisch gehalten, um der Story mehr dramatische Sidesteps zu ermöglichen. Die Hauptstory erzählt vom 16-jährigen Jamie, der vor seinen CGSEs steht. Der Vater hat die Familie verlassen, in der Schule ist Jamie ein Außenseiter. Sein Ziel ist es, Dragqueen zu werden, aber er traut sich nicht, das auch durchzuziehen. Schließlich fordert ihn seine beste Freundin Pritti, ein muslimisches Mädchen, heraus, zum Schulball in einem Kleid zu gehen. Eine klassische Coming-of-age-Geschichte soll es sein, keine Coming-out-Story, wie die Macher der Show betonen, denn geoutet hat sich der Protagonist schon lange, das ist von Anfang an klar.
Erste Kritiken fielen recht euphorisch aus (siehe –> hier und –> hier)

Leading Team
Buch: Tom MacRae
Musik: Dan Gillespie Sells
Regie: Jonathan Butterell
Musical director: Tom Brady
Choreografie: Kate Prince
Design: Anna Fleischle
Licht: Joshua Carr
Sound: Paul Groothuis

Cast
John McCrea, Mina Anwar, Luke Baker, Tamsin Carroll, Charles Dale, Spencer Stafford, Josie Walker, Daniel Anthony, Courtney Bowman, Gabrielle Brooks, Raj Ghatak, James Gillan, Barney Hudson, Kush Khanna, Harriet Payne, Shiv Rabheru, Lucie Shorthouse, Kirstie Skivington

Bei Wilson Way Records ist das Concept Album zur Show erschienen. Zu hören sind John McCrea (Jamie), Josie Walker (Margaret) und Gillespie Sells sowie Sophie Ellis Bextor und Betty Boo.

Track List
Don’t Even Know It
The Wall in My Head
Spotlight
The Legend of Loco Chanel (and the Blood Red Dress)
If I Let Myself
Work of Art
Over the Top
Everybody’s Talking About Jamie
At 16
It Means Beautiful
He’s My Boy
My Man, Your Boy

Links
Sheffield Theatres
2 Songs aus der Show @Soundcloud
The Yorkshire Post: The Feeling’s Dan Gillespie Sells on creating a new musical for Sheffield
Proben & Interviews
Instagram-Account von Jamie Campbell
Twitter-Account von Jamie Campbell

Crowdfunding: Mitunter ein Mekka für hintertriebene Schurken

Crowdfunding nennt sich eine Finanzierungsmethode, die immer populärer wird. Die Crowd, das sind, wenn sich das Ganze via WWW abspielt, alle Internetuser, die mit einem finanziellen Beitrag helfen, Projekte zu unterstützen. Die WKO hat recherchiert, dass bereits im Jahr 2012 mehr als 1,1 Millionen Kampagnen weltweit via Crowdfunding abgewickelt wurden.

Auch im Musicalbereich wird diese Finanzierungsmethode immer öfter eingesetzt. Zum Teil geht es darum, CD-Einspielungen zu unterstützen oder etwa das Set Design mitzufinanzieren. Was die Art der Abwicklung betrifft, gibt es je Crowdfunding-Plattform unterschiedliche Umsetzungsmethoden. Nehmen wir die Plattform startnext.com. Hier setzt derjenige, der ein Projekt von der Crowd finanzieren lassen möchte, einen Betrag fest, den er erreichen will. Schafft er sein Ziel, bekommt er ihn ausbezahlt (abzüglich Gebühren etc.). Wird der Betrag nicht erreicht, bekommen alle Unterstützer ihr Geld zurück. Eine faire Angelegenheit. Die natürlich von hintertriebenen Schurken auch ausgenützt werden kann.

Ein fiktives Beispiel. Ich möchte mir gerne eine CD-Einspielung von der Crowd finanzieren lassen. Dafür hätte ich gerne 15.000 Euro. Ich habe das Prinzip dieser Finanzierungsform verstanden und beginne die bei startnext »Dankeschöns« genannten Gegenleistungen für die Summen, die die Crowd zur Verfügung stellt, schon bei einem Euro. Ich staffle und staffle, kümmere mich intensiv um das Projekt, poste Updates etc. und schaffe am Ende die Finanzierungsphase mit Hunderten Kleinspenden. Wie man erfolgreich über Crowdfunding Projekte diese Art abwickelt, kann man zum Beispiel von Amanda Palmer lernen.

Anders machen es die hintertriebenen Schurken. Sie rechnen folgendermaßen: Ein paar Leute werden sich für das Projekt interessieren, Sie werden vielleicht »Dankeschöns« wie eine signierte CD wollen oder eine Erwähnung im Booklet. Was man dafür als Unterstützer zahlen muss, hält sich im Rahmen und ist völlig üblich. Aber der typische hintertriebene Schurke rechnet nicht damit, dass sein Crowdfunding-Projekt wirklich Erfolg haben wird, das entspricht nicht seinem Charakter. Er hat Angst, dass all das Geld, dass ihm die Leute, die sich für das Projekt begeistert haben, zur Verfügung stellen, durch die Lappen gehen könnte, wenn nicht die gesamte Summe aufgebracht wird. Daher baut er in seine »Dankeschöns« Sicherheitsstufen ein. Jede einzelne dieser Sicherheitsstufen kostet unverhältnismäßig viel, einige wenige »Dankeschöns« reichen, um 50 Prozent des Ziels zu finanzieren. Zum Beispiel verkauft er eine Werbeseite im Booklet, Producer-Credits oder vielleicht eine Privatshow. Es ist natürlich relativ leicht, am Ende des Projekts zu prüfen, ob »verkaufte« Werbeseiten auch tatsächlich im Booklet aufscheinen und ob »verkaufte« Producer-Credits auch tatsächlich vermerkt sind. Ist keine Werbeseite im Booklet zum Beispiel, darf munter spekuliert werden, wer und und warum dieser jemand Geld dafür ausgegeben hat. Hat man den Verdacht, dass jemand Missbrauch betreibt, kann man das melden. Aber vielleicht ist es noch interessanter, zu warten, bis die Machenschaften solcher Leute bei einem anderen, noch viel peinlicheren Fall auffliegen.

»Schikaneder«: Scheiß auf die Nibelungentreue oder ein Flop ist ein Flop

Auf futurezone.at war in den letzten Tagen ein Beitrag zu lesen mit dem Titel »Wenn der Innenminister vor eure Türe scheißt«. Angeblich intervenierte die ÖVP ob der eindeutigen Wortwahl, der Chefredakteur des »Kurier«, Helmut Brandstätter, jedenfalls, gleich ob Intervention oder nicht, ließ den Titel und Teile des Inhalts ändern. Wer das nachverfolgen möchte, kann das –> hier gut nachlesen. Die Diskussion, ob das Zensur oder nicht ist, erspar ich mir.

Die Brücke zum eigentlichen Thema des Beitrags ist leicht geschlagen. Brandstätters Vorgehen brachte das Gegenteil des Gewünschten, der sogenannte »Streisand-Effekt« kam voll zur Wirkung. Als »Streisand-Effekt« bezeichnet man den Versuch, eine unliebsame Information zu unterdrücken oder entfernen zu lassen. Dieser Versuch zieht in der Folge öffentliche Aufmerksamkeit nach sich und man erreicht das Gegenteil dessen, was man erzielen wollte. Benannt nach Barbra Streisand – und schon sind wir beim Musical gelandet. Was für ein Zufall, genau in der Branche, in der gelogen wird wie sonst kaum wo. Wobei: Lügen … Wir leben ja in Zeiten der »alternativen Fakten«. Fast könnte man meinen, Donald Trump habe mal einen Fernkurs bei Thomas Drozda gebucht, denn was Drozda in seiner Zeit bei den VBW an alternativen Fakten geliefert hat, war sensationell.

Kann sich noch jemand daran erinnern, als er uns das Musical »Der Besuch der alten Dame« eine Zeit lang als »Uraufführung« oder »Wiener Uraufführung« andrehen wollte? Was haben wir gelacht. Es war am 27. Mai 2013, als Drozda im obersten Geschoß des Wiener Ronacher sich hinsetzte und diese alternativen Fakten zu einer Produktion, die in der Schweiz ihre Uraufführung erlebte, präsentierte. Nachlesen und nachhören kann man das –> hier. Übrigens eine der letzten Pressekonferenzen, für die ich eine Einladung erhalten habe, aber auch diese Vorgehensweise kennt man (siehe –> hier). Wunderbare »alternative Fakten« gab’s auch in Zusammenhang mit dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien. Hier musste man ernsthaft zwischen »Nichverlängerung« und »Kündigung« von Orchestermitgliedern unterscheiden.

Mit »alternativen Fakten« haben wir es auch immer zu tun, wenn es um den Erfolg der Produktionen der VBW geht. Und da wird die Sache ärgerlich und in jüngster Zeit unerträglich. Die Rahmenbedingungen sind klar. Wir, die interessierte Öffentlichkeit, werden nie genau erfahren, wie erfolglos eine Show gerade ist. Punkt!, wie man bei Trumps Administration sagen würde. Wir werden deswegen nie erfahren, wie schlecht es um eine Produktion steht, weil eine wichtige Angabe zu den Ticketverkäufen verschwiegen wird: die genaue Anzahl der zum Vollpreis verkauften Karten, die genaue Anzahl an ermäßigten und verschenkten Karten pro Abend. Erfahren wir nicht. Insofern sind alle Angaben, die wir von den VBW zur Auslastung erhalten, uninteressant. Denn wir wissen nicht, worauf sich diese Angaben genau beziehen.
Ob Mark Seibert da mehr Informationen hat, wissen wir ebenfalls nicht, aber als nibelungentreuer VBW-Angestellter hat er sich vor einigen Tagen in die Schlacht geworfen und gepostet: »bei Schikaneder von Flop zu reden, finde ich schon etwas übertrieben…und ich versuche das so neutral wie möglich zu sehen…« Da würde ich doch nun gern mehr über die Faktenlage wissen. Mir ist klar, dass man den Flop eines Musicals nicht nach Besucherzahlen definieren muss. Ich habe abstruse Artikel in Musicalmagazinen über »Schikaneder« gelesen. Man konnte mitverfolgen, dass ein Hollywoodstar die Show besucht hat. Auch so kann man marketingmäßig »alternative Fakten« schaffen. Fakt ist, dass die Laufzeit verkürzt wurde. Fakt ist, dass es für diesen Sonntag bei Wien-Ticket 311 freie Karten gibt, wobei im 2. Rang nur Stehplatzkarten angezeigt werden, also vermutlich der 2. Rang gesperrt ist (Stand:4.2., 23.00 Uhr). Man sollte als Darsteller seinem Arbeitgeber loyal gegenüber sein, aber alles hat Grenzen. Das Schaffen von »alternativen Fakten« wäre eine Grenzüberschreitung.

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