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Archiv - 9Q - Neun Fragen - Neun Antworten

9Q – Koen Schoots: “Jesus Christ Superstar 2011 - moderner, unerbittlicher, härter, dreckiger”

Foto: Copyright VBW/Wulz

In wenigen Wochen erscheint bei dem Wiener Plattenlabel HitSquad Records eine neue Gesamtaufnahme von Andrew Lloyd Webbers Rockoper “Jesus Christ Superstar”. Gespielt wurde die Show vom 21. bis 24. April 2011 im Wiener Ronacher. Koen Schoots, der Musikdirektor der VBW, brachte eine Version mit einem WOW-Effekt auf die Bühne. Was es mit diesem WOW-Effekt auf sich hat, wie es hinter den Kulissen der Produktion zuging und welche Visionen und Pläne Koen Schoots hat, zu diesem Thema: 9 Fragen und 9 Antworten.

1
Martin Bruny:Herr Schoots, Sie haben 2011 Andrew Lloyd Webbers Rockoper “Jesus Christ Superstar” für die Vereinigten Bühnen Wien neu arrangiert. Was war Ihr Beweggrund? Wie sind Sie vorgegangen? Was sind die wichtigsten Änderungen? Wie sind Sie mit dem Ergebnis, der Umsetzung im Ronacher, zufrieden? Wird es eine Wiederholung der Aufführungsserie 2012 geben?

Koen Schoots: Es gab für mich keine befriedigende Orchestrierung von “JCS”. Die sogenannte “große” Besetzung ist plakativ, teilweise Beschäftigungs- therapie für Musiker. Viele Instrumente doppeln sich unnötig, manche hört man im Getöse gar nicht. Man darf aber nicht vergessen, dass diese Fassung von einem noch unerfahrenen Webber hergestellt wurde. Später hat er die Orchestrierungen seiner Werke abgegeben.jcs_2011.jpgDann gibt es eine Band-Tourfassung, also fast ohne Orchesterinstrumente. Auch die ist für mich unbefriedigend, denn alleine schon für den Schluss (”John 19:41″) sind die Streicher absolut notwendig.
Somit habe ich mich für eine Fassung für 25 Musiker entschieden, basierend auf einer Rockband. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um das Stück etwas „heutiger“ zu machen im Sinne von Spielart und Grooves, ohne das Grundmaterial zu verändern. Also, wir spielen moderner, unerbittlicher, härter, dreckiger – wo angebracht. Ebenso habe ich Bläser-Funk-Licks eingebaut bei einigen Songs (”What’s The Buzz”, “Simon Zealotes”), weil ich sie einfach immer innerlich gehört habe. Aber aus Respekt vor dem Original habe ich keinen Ton, keinen Akkord geändert.
Ich glaube (hoffe), dass unsere Aufführungen dieses Jahr im Ronacher etwas zum Stück hinzugefügt haben. Zumindest waren die Reaktionen vom Publikum mehr als positiv. Und ja, es kommt eine Wiederholung 2012, worüber ich mich sehr freue.

2
Martin Bruny: Wie sieht es bei einem Projekt wie einer halbkonzertanten Aufführung von “Jesus Christ Superstar” mit dem Zeitplan aus? Gab es Auditions, inwieweit waren Sie daran beteiligt, wie viel Zeit hatten Sie, um mit dem Orchester zu proben, wie viel Zeit mit den Sängern, dem Licht, Sound- & Set-Design etc.

Koen Schoots: Da dieses Projekt neben dem alltäglichen Showbetrieb lief, waren die Probenbedingungen wesentlich schwieriger. Denn an jedem Abend lief die normale Show, die auch Putzproben und Betreuung brauchte, die Darsteller brauchen einen freien Tag in der Woche und können an Vorstellungstagen auch nur eingeschränkt probieren. Also war die Probenzeit sehr kurz, intensiv und brauchte die volle Konzentration von allen Beteiligten.
Auditions haben wir nicht gemacht, wir wussten welche Sänger wir für welche Rollen haben wollten und haben das Ensemble mit den Darstellern von “Tanz der Vampire” besetzt.
Mit dem Orchester habe ich sieben Proben gemacht, mit allen Beteiligten eine Bühnen-Orchesterprobe, eine Generalprobe. Also, mit allen Gewerken nur zwei Proben. In der Hinsicht erstaunlich, was das Haus und die Mitarbeiter in allen Abteilungen geleistet haben.

3
Martin Bruny: Wieso wirkt ein Musical wie “Jesus Christ Superstar” musikalisch heute noch genauso modern wie vor 30 Jahren? Was ist das Besondere an “Jesus Christ Superstar”, und welches ist Ihre Lieblingsstelle in dieser Rockoper? Letzte Teilfrage: Sie haben den Mittelteil von „Gethsemane“ neu gestaltet, könnten Sie darauf etwas näher eingehen?

Koen Schoots: “JCS” wurde meiner Meinung nach einfach „aus dem Bauch“ als Schallplattenprojekt konzipiert. Es gab keine kommerziellen Ãœberlegungen, keine Produzenten oder Regisseure, die dazwischengefunkt haben, sondern einfach zwei junge Autoren, die in einer kritischen Zeit ein kritisches Thema vertont haben. Und sie haben damit, wahrscheinlich ohne es damals zu ahnen, einen Klassiker geschaffen.
Klassiker zeichnen sich meines Erachtens dadurch aus, dass sie ihre musikalische Kraft mit den Jahren nicht verlieren, dass man immer wieder neue Aspekte entdecken kann. “West Side Story” gehört ebenso dazu, vielleicht im Musicalbereich noch “Les Misérables” und “Das Phantom der Oper”.
jcs70.jpg“Superstar” ist aus einem „Guss“ geschrieben, es gibt keine Note zu viel oder zu wenig, die Dramaturgie ist logisch und zwingend, es gibt keine unnötigen Nebenstränge oder –schauplätze. Daher könnte ich nicht unbedingt eine Lieblingsstelle benennen.
„Gethsemane“ ist eine der besten Rock-Musical-Balladen, die je komponiert wurden. Wie ich vorhin erwähnte, haben wir alles etwas härter, unerbittlicher gespielt. Ich wollte daher mit dem Mittelteil von diesem Song einen großen Kontrast erreichen. Der erste, aufgewühlte, von Verzweiflung gezeichnete Teil des Songs endet sehr abrupt. Ich habe ein Gitarren-Delay (Echo) eingebaut, das den Schlussakkord des ersten Teiles im Tempo des neuen Teiles wiederholt. Also ein programmiertes Delay. Der zweite Teil ist am Anfang gekennzeichnet durch hohe Klavier- und Keyboard-Akkorde (im Gegensatz zum Original, wo nur Klavier und Bass in der tiefen Lage spielen), wodurch für kurze Zeit eine etwas ätherische Stimmung entsteht, bevor es dann wieder in den letzten rockigen Teil geht.

Foto: Copyright Martin Bruny

4
Martin Bruny: Die Konzertschiene der VBW, die vor einigen Jahren mit halbkonzertanten Produktionen von “Mozart!” und “Tanz der Vampire” sowie der Konzertserie “A Tribute to Bernstein” einigermaßen in Fahrt war, ist ins Stocken geraten, nicht erst jetzt, sondern seit die “Bernstein”-Serie nicht ganz ausverkauft war. Welche Pläne würden Sie gerne auf diesem Sektor verwirklichen, wenn Sie könnten, wie Sie wollten, beziehungsweise, ohne jetzt die VBW zu berücksichtigen: Welche Musicals würden Sie gerne als Musikalischer Direktor betreuen?

Koen Schoots: Es gibt definitive Pläne, die Konzertserie wieder zu beleben. Im Moment sind wir in einer Konzeptionierungsphase. Da kommen mehrere Faktoren ins Spiel:
• Wie positionieren wir unser Orchester?
• Was ist unser Mehrwert?
• Wo stehen wir in der kulturellen Landschaft in Wien?
Ich glaube, wir müssen uns darüber Gedanken machen, was wir in Wien zu den zahlreich stattfindenden Konzerten hinzufügen können. Für mich ist das kein Bernstein-Konzert, so sehr ich Bernstein auch liebe, aber dieses Repertoire wird von den anderen großen Orchestern in Wien gespielt. Meines Erachtens sind Projekte wie „Musical in Concert“ oder Sonderprojekte wie “Wildhorn & Friends” interessanter, denn wir leben vom Musicalpublikum, nicht vom Konzertpublikum.
Mir schwebt vor, ein oder zwei Musicals pro Jahr konzertant aufzuführen, Stücke, die wir im En-suite-Spielbetrieb nicht spielen können: “Sweeney Todd” steht zum Beispiel ganz oben auf der Liste, aber auch “American Idiot” als Bandprojekt mit jungen Sängern, “Tommy” und “City of Angels” würde ich gerne machen, moderne Klassiker wie “Miss Saigon” oder mal wieder “Les Miz” etc.
Letztendlich kommt es bei uns darauf an, wie wir es solistisch besetzen. Wenn ich mit unseren Bühnenstars einen Sondheim machen kann, kommt das Publikum und lernt dabei neue Stücke kennen.
Und jetzt unabhängig von den VBW: Ich würde gerne das neue Wildhorn-Musical “Bonnie & Clyde” betreuen. Eine fantastische neue Show. Und für mein persönliches Vergnügen: „The Book of Mormon“!

bonclyde370.jpg

5
Martin Bruny: Was ist dran am Wiener Publikum? Ist es tatsächlich anders als etwa das deutsche oder das Schweizer Publikum. Wenn ja, was ist daran positiv und was negativ – aus Sicht des Dirigenten, des Musikdirektors, des Orchesters.

Koen Schoots: Das Wiener Publikum ist leidenschaftlicher und involvierter als das deutsche oder schweizerische Publikum. Das gilt nicht nur für das Musical, sondern vor allem auch für die Oper. Wien und Österreich haben eine so große und reiche Theatertradition, hier ist Kunst und Musik Teil des täglichen Lebens, viel mehr als in Deutschland oder der Schweiz. Ich kann daran nur positive Seiten entdecken.

6
Martin Bruny: Das Orchester wurde in den letzten Jahren bei diversen Musicalproduktionen verkleinert beziehungsweise kleiner gehalten als früher üblich. Bei “Tanz der Vampire” spielten beim Revival statt den 31 Musikern der Uraufführung (1997) “nur mehr” 24. Man verliert ein Cello da, die eine Harfe dort, ein Horn und so weiter. Auch bei “Rudolf” im Raimund Theater waren es “nur mehr” 24 Musiker statt der früher üblichen 26, 28 oder 30. Bei der Premierenbesetzung von “Elisabeth” waren es 30 Musiker.
Ist das etwas, was sie mit eher geringem Bedauern hinnehmen, weil man dann eben anders arrangiert und man es immer noch besser hat als in anderen Städten? Ab wann geht’s an die Substanz? Sehen Sie das VBW-Orchester als gesichert oder gibt es da massive Tendenzen, eine Art Outsourcing-Option zu konstruieren? Oder landen wir baldmal in “Cats”-Tour-Dimensionen, wo sechs Musiker und ein Computer das “Orchester” bilden?

Koen Schoots: Ein schwieriges Thema. Zunächst: Ich bin Musikdirektor der VBW und nicht MD eines Long-run-Musicals der Konkurrenz. Das hat einige Gründe, aber der Hauptgrund ist die Größe und die Qualität unseres Orchesters. Ob wir mit 31 oder 24 Musikern spielen, ist in der heutigen Zeit (ich betone das ausdrücklich!) Jammern auf hohem Niveau. Natürlich spiele ich “Tanz der Vampire” lieber mit 31 Musikern, aber die Zeiten haben sich geändert, und es gehört für Theaterschaffende heute dazu, nicht (nur) aus dem Elfenbeinturm heraus zu agieren, vor allem bei einem Theaterbetrieb wie den VBW. Unsere Subventionen wurden gekürzt, die Lohnkosten steigen etc. etc., die Liste ist endlos. Und, wie ich vorhin erwähnt habe: Größer ist nicht immer unbedingt besser. Ich habe die 25-er Fassung von “JCS” auf eigenen Wunsch hergestellt, nicht nach einer Budgetvorgabe seitens der VBW. Ãœbrigens werden wir “Elisabeth” nächstes Jahr in der Uraufführungsbesetzung spielen! Glücklicherweise gibt es bei den VBW keine Tendenzen, das Orchester weiter zu verkleinern. Eine weitere Stellenreduktion würde tatsächlich an die Substanz des Orchesters gehen und wir wären nicht mehr als Klangkörper, sondern nur noch als Gruppe von Musikern für das jeweilige Musical zu verstehen.
Ein Orchester bildet eine musikalische Einheit und ist weit mehr als eine Gruppe von Leuten mit Instrumenten. Jahrelange gemeinsame Musizierpraxis macht den Klang eines Orchesters aus. Generaldirektor Thomas Drozda und Intendantin Kathi Zechner haben sich ausdrücklich zu diesem Orchester bekannt. Und sollten wir irgendwann aus irgendwelchen Gründen doch in “Cats-Tour”-Dimensionen landen, dann ohne Koen Schoots als Musikdirektor.

Foto: Copyright Martin Bruny

7
Martin Bruny: Sie sind Frank Wildhorns europäischer musikalischer Supervisor und Arrangeur. Was zeichnet diesen Komponisten aus, welches seiner Musicals mögen sie am liebsten – und warum? Und letzte Teilfrage: Was sind die Gründe, dass die sogenannte “Broadway Community” Wildhorn nicht schätzt.

Koen Schoots: Linda Eder sagt immer: “Niemand schreibt Melodien wie Frank.” Und so ist das. Er hat die Gabe, große, kommerzielle Songs zu schreiben. Er liebt die Stimme und fordert von jedem Sänger und jeder Sängerin sehr viel. Ich kenne ihn seit den Vorbereitungen für “Jekyll & Hyde” in Bremen 1995 und denke, dass dieses Werk nach wie vor eines seiner besten ist. Ich habe es damals “entdeckt” und für Bremen vorgeschlagen. Das hat aber auch mit meiner Vorliebe für dunkle und dramatische Stoffe zu tun. Daher mag ich “Dracula” sehr, vor allem auch, weil ich die Gelegenheit hatte, das Stück für Graz neu zu orchestrieren. Wie bei “JCS” habe ich es auch rockiger, dunkler gestaltet – und es hat dem Stück gut getan.
Und ich habe natürlich auch eine Schwäche für “Rudolf”. An diesem Stück habe ich sehr viel gearbeitet, umgearbeitet und neu geschrieben.
Ich weiß, dass Frank “Monte Christo” für seine beste Show hält. Sicherlich ist es das Stück mit dem größtem Orchester und es wirkt sehr bombastisch.
Wie ich vorhin schon erwähnte, ich halte “Bonnie & Clyde” für eine sehr gute Show. Buch, Lyrics und Musik bilden eine geschlossene Einheit und sind aus einem Guss.
Warum die “Broadway Community” Frank Wildhorn nicht mag, darüber lässt sich nur spekulieren. Wahrscheinlich ist er den Kritikern zu kommerziell, zu “mainstream”. Frank ist ein „audience pleaser“ – vielen gefällt das nicht. „Bonnie & Clyde“ könnte eine Trendwende sein. Jedenfalls hätte er es verdient.

8
Martin Bruny: Frank Wildhorns Musical “Rudolf” war in Budapest ein Hit, Sie haben in Budapest die Uraufführung dirigiert. In Wien war “Rudolf” ein Flop. Welche Gründe können Sie für sich dafür ausmachen?

Koen Schoots: Zunächst sehe ich “Rudolf” nicht als Flop, zumindest nicht künstlerisch. Klar, wir hätten uns natürlich eine längere Laufzeit gewünscht. Ãœber die Gründe möchte ich hier ungerne spekulieren. Es gibt dazu sehr viele unterschiedliche Meinungen. Letztendlich weiß man nie vorher, wie erfolgreich ein Stück sein wird. So ist das Showbusiness …

9
Martin Bruny: Welche 5 LPs/CDs würden sich im “Soundtrack of Your Life” ganz oben finden, also Lieder oder CDs, egal welches Genre, die eine Bedeutung in Ihrem Leben hatten, und warum.

Koen Schoots:
• J. S. Bach – “Matthäuspassion”: Für mich das am besten komponierte Werk aller Zeiten. Und Bach ist der größte aller Komponisten. Ich bin als Kind mit seiner Musik aufgewachsen und der Konzertbesuch der Matthäuspassion war eine feste Tradition.
• G. Verdi – “Requiem”: Ich bin ein großer Liebhaber der italienischen Oper und dirigiere sie auch regelmäßig, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Das Verdi-Requiem, man sagt auch „Verdis schönste Oper“, ist von einer solchen Schönheit, dass es mich jedes Mal wieder tief berührt.
• Pink Floyd – “The Dark Side Of The Moon”: Ein Klassiker der Rockgeschichte, eines der besten Alben, die je aufgenommen wurden. Ich höre es heute noch sehr regelmäßig.
• R. Strauss – “Elektra”: Als Student habe ich völlig unvorbereitet eine Vorstellung von “Elektra” in Amsterdam besucht. Ich war tief beeindruckt von der Wucht dieser Musik. Dieses Erlebnis war für mich der Auslöser, mich für eine Karriere im Musiktheater zu entscheiden.
• A. Lloyd Webber – “Jesus Christ Superstar”: Aber das dürfte klar gewesen sein!

9Q – Drew Sarich: “Lerne. Ãœberlege. Und dann: Lerne!!”

Drew Sarich, 2008, Foto: Martin Bruny

Den “Jesus” spielt er seit seinem 17. Lebensjahr, den “Judas” ab und an, mit seiner Interpretation des “Krolock” verhalf er dem Wiener Revival von “Tanz der Vampire” zum Kultstatus, und im Herbst 2011 wird er die Fans von “Sister Act” mit seiner Nummer in der Show sicher wieder begeistern.

Bis dahin escheint Ende August, von MG-Sound produziert, die brandneue Gesamtaufnahme von “Jesus Christ Superstar”, aufgenommen live im Ronacher 2011, und auch an neuen Soloprojekten arbeitet Drew Sarich.

Drew Sarich wollte immer schon Schauspieler werden, und so nennt er sich auch: Schauspieler. “Musicals sind Theater. Dafür habe ich aber genauso viel Shakespeare, Ibsen, Mamet, O’Neill und Tennessee Williams wie Sondheim, Webber, Rodgers, Hammerstein, Kander und Ebb studiert.” Sein Motto: “Lerne. Ãœberlege. Und dann: Lerne!!”

9 Fragen - beantwortet von Drew Sarich.

1
Martin Bruny: Sie wurden 1975 in St. Louis, Missouri, geboren, “wussten schon mit 6, als Sie Neil Diamonds ,Hot August Night’ hörten, dass Sie kein Anwalt werden wollten, und haben mit 7 angefangen, im Chor zu singen. Mit 11 entdeckten Sie die Gitarre UND das Theater”, wie Sie in einem Interview mit Michael Niavarani erzählt haben.
Gabs Musicalprojekte schon während Ihrer Schulzeit, wenn ja, wann, welche – und welche Rollen haben Sie gesungen, wie waren da Ihre ersten Erfahrungen? Wie sehen Sie das Musicalgenre innerhalb des amerikanischen Schulsystems im Gegensatz zu Europa verankert? Sollte es bei uns mehr Projekte dieser Art geben?

Drew Sarich: Ja! Ich fing schon früh an! Ich glaube, meine erste Musicalrolle war ein Frosch in einem Kirchenmusical über die Plagen Ägyptens! Dann kam Jesus in „Godspell“. Auch in der Kirche. An der Highschool spielte ich den Tony in der „West Side Story“, Charlie Dalrymple in „Brigadoon“, Emile de Becque in „South Pacific“, und sogar einen 50-jährigen Mafia-Hitman in Harold Pinters „The Birthday Party“. Mit 14!
Unser Highschool-System war künstlerisch und kulturell wahnsinnig aktiv! Es gab im Herbst ein Musical und im Frühling ein Schauspiel. Die Theaterkids kamen von jeder Ecke. Sportler, Mauerblümchen, Cheerleader, Goths, Freaks, Smartkids. Es wurde für wichtig gehalten, dass man lernt, sich vor Publikum präsentieren zu können.
Auch die kreative Zusammenarbeit war SEHR wichtig. Kritik zu akzeptieren, Kollegen zu unterstützen, Verantwortung zu übernehmen, das sind unbezahlbare Fähigkeiten. Die wurden durch das Highschool-Theaterprogramm stark gefördert.
Ich weiß nicht, wie das europäische/österreichische System läuft, aber ich hoffe, dass Theater spätestens ab der 2. Klasse Standard ist. Und unter Theater meine ich Schauspiel UND Musical zusammen.

Drew Sarich, 2008, Foto: Martin Bruny

2
Martin Bruny: In Andrew Lloyd Webbers „Jesus Christ Superstar“ haben Sie das erste Mal 1998 in New York den „Judas“ gesungen. Seit dieser Zeit steht die Show alle paar Jahre auf Ihrem “Spielplan” – mal singen Sie den „Judas“, mal „Jesus“.
- Wo waren für Sie als Darsteller/Sänger bei der aktuellen Jesus-Produktion von Koen Schoots die Unterschiede zu den vorangegangenen Versionen der Vereinigten Bühnen Wien und wie haben Sie die in Ihrer Interpretation beeinflusst?
- Welche “Jesus”-Produktion, in der Sie mitgewirkt haben, hat sich am besten angefühlt, und warum?

Drew Sarich: Ehrlich gesagt, war meine erste “JC Superstar”-Produktion 1993! Da spielte ich Jesus mit 17. Es war für mich der Himmel auf Erden!
Die Arbeit mit Koen war wirklich toll! Wir verstehen uns, weil wir beide Möchtegern-Rocker sind! Ha! Wir sind beide große Fans von dreckiger Musik. Mehr Gitarre!!! Mehr Schlagzeug!! Das war der größte Unterschied zwischen den Versionen von 2011 und 2005. Einfach, dass der Koen frech genug war, zu sagen: „Ich mache es aber so!“ Das gefällt mir.
Ich bin glücklich, dass ich so viele unterschiedliche Versionen von “Superstar” gespielt habe! Meinen Lieblingsmoment aller Zeiten hatte ich aber mit Serkan Kaya. Die Verratsszene mit Serkan zu spielen, wird immer ein Highlight in meiner Karriere sein. Es ist selten, dass man so einen Bühnenpartner bekommt. Wir mussten nichts groß planen! Wir wussten, was wir erzählen wollten: Jesus und Judas waren zwei Männer, die eine unerklärliche Beziehung hatten. Wir hatten miteinander eine unausgesprochene männliche Zärtlichkeit, die (finde ich) selten bei dieser Geschichte gesehen wird. Es wäre viel zu einfach, Jesus und Judas als Feinde zu präsentieren.

Drew Sarich, 2005, Foto: Martin Bruny

3
Martin Bruny: „Es gibt zu viele Musicaldarsteller“, meinte unlängst der Regisseur und Schauspieler Holger Hauer. Wie ist Ihre Meinung dazu? Was würden Sie jemandem raten, der gerne Musicaldarsteller werden möchte beziehungsweise am Anfang der Ausbildung steht? Wie schätzen Sie die Ausbildungsmöglichkeiten im deutschsprachigen Raum ein, sollte man ins Ausland gehen?

Drew Sarich: Ich würde ihm raten, sehr genau zu überlegen, was er erreichen möchte. Ich wollte immer Schauspieler werden. So nenne ich mich auch. Musicals sind Theater. Dafür habe ich aber genauso viel Shakespeare, Ibsen, Mamet, O’Neill und Tennessee Williams wie Sondheim, Webber, Rodgers, Hammerstein, Kander und Ebb studiert.
Die Idee ist, eine so runde Ausbildung wie nur möglich zu bekommen. Nicht zu früh an den Job zu denken.
Ich werde von jungen Schülern und Schülerinnen oft gefragt: „Wie erfährt man von Auditions?“ „Was muss einer tun, um den Job zu bekommen?“
Ich sag: Lerne. Ãœberlege. Und dann: Lerne!!

Drew Sarich, 2005, Foto: Martin Bruny

4
Martin Bruny: In der Interview-Sendereihe „Inside the Actors Studio“ stellt Moderator James Lipton seit 1994 seinen Gästen in einer Art Word-Rap 10 Fragen. Er wiederum hat die Fragen vom französischen Journalisten Bernard Pivot, der sie nach dem „Proust Questionnaire“ entwickelte.
Diese Fragen würde ich Ihnen gerne stellen, weil ich sie für sehr interessant halte. Das Ganze auch am liebsten auf Englisch: [Wie beispielsweise Meryl Streep sie beantwortet hat, sieht man –> hier]

a. What is your favorite word?
Yes.

b. What is your least favorite word?
No.

c. What turns you on, excites you inspires you?
Creativity.

d. What turns you off?
Rules in Art.

e. What sound do you love?
Laughter.

f. What sound do you hate?
Breaking glass.

g. What is your favorite curse word?
Bitch.

h. What profession other than yours would you like to attempt, if you could?
Gourmet Cook.

i. What profession would you not like to do?
I already did it. I assembled drug test kits on an assembly line.

j. If heaven exists, what would you like to hear God say when you arrive at the pearly gates?
I’ve been keeping your seat warm, Sir! Can I get you a cold drink?

Drew Sarich, 2005, Foto: Martin Bruny

5
Martin Bruny: Welche 5 LPs/CDs würden sich im “Soundtrack of Your Life” ganz oben finden, also Lieder oder CDs, egal aus welchem Genre, die eine Bedeutung in Ihrem Leben hatten, und welche Bedeutung haben sie?

Drew Sarich:
• The Beatles – “Abbey Road“: Ich habe unbewusst singen gelernt, als ich „Oh! Darling“ das erste Mal hörte.
• Neil Diamond – „Hot August Night“: Ich lernte, was es heißt, ein Mann zu sein.
• „American Graffiti“ (Original Film Soundtrack): Da entdeckte ich meine Liebe für The Beach Boys, Buddy Holly, Del Shannon und The Platters.
• Guns N’ Roses – „Appetite for Destruction“: Being bad is so good. Ich hatte bei „Rocket Queen“ meine sexuelle Erwachung.
• Red Hot Chili Peppers – „Freaky Styley“: „Blackeyed Blonde“ hat meine sexuelle Erwachung noch erweitert. Ich entdeckte durch diese Platte James Brown, George Clinton, The Germs, Jimi Hendrix, Jaco Pastorius, Fishbone und andere Wahrscheinlich die zweitwichtigste musikalische Entdeckung meines Lebens.

UND WEIL 5 NIE GENUG SIND!!!!!!

• Jeff Buckley – „Grace“: I learned what it means to be an artist: To share your pain with the world.

Drew Sarich, 2005, Foto: Martin Bruny

6
Martin Bruny: “Tanz der Vampire”, “Unstillbare Gier” - haben Sie die Interpretation/Darstellung (nicht die stimmliche) dieses Songs einfach so angelegt, wie Sie sie gefühlt haben, oder gab es, was die Körperlichkeit betrifft, auch Vorbilder, etwa Steve Barton? Wie entscheiden Sie, wann sie zur Rampe runterlaufen,ist es immer derselbe Moment, oder gibt es Tage, an denen Sie abweichen, was geht in den Momenten, während Sie dieses Lied singen, in Ihnen vor?

Drew Sarich: Ich versuche immer, so einfach wie möglich zu bleiben. Bei so einer Nummer wie “Gier” braucht man wirklich wenig. Das Lied ist gut genug. Ich versuche mich eher auf den Text zu konzentrieren.
Mit dem Runterrennen: Man hatte mir gesagt, ich soll so lange da oben bleiben, wie es geht. Ich erschrecke den Dirigenten liebend gern! Ha!

Drew Sarich, 2011, Foto: Martin Bruny

7
Martin Bruny: Sie haben eine kleine Geschichte von Flops erlebt, mit “Lestat” am Broadway, mit “Barbarella” und “Rudolf” in Wien. Wie motiviert man sich bei solchen Shows, vor eher wenig oder sehr wenigen Leuten zu spielen? Können Sie bei “Rudolf” nachvollziehen, dass in der Kritik mehrfach zu lesen stand, dass das Stück keine Melodie habe? Woran ist „Rudolf“ Ihrer Meinung nach gescheitert?

Drew Sarich: Naja, ich habe die Stücke nicht geschrieben. Ich habe nur versucht, das meiste rauszuholen.
„Lestat“ und „Rudolf“ sind meiner Meinung daran gescheitert, dass die Produzenten viel zu viele Überlegungen dazu angestellt haben, was ein Publikum sehen möchte. Irgendwann hat man vergessen, dass es da eine Geschichte gab, mit der sich ein Publikum identifiziert hat. Sonst gäbe es keine „Vampire Chronicles“ oder massenweise Habsburg-Biografien.
Beim „Rudolf“ habe ich oft gehört: „Das Publikum will keine Tragödie sehen.“ In der Richtung wurden dann sämtliche Entscheidungen getroffen, was die Geschichte angeht. Melodien gab es. Das ist Geschmackssache. „Lestat“ und „Rudolf“ wurden ausgeleert und verwässert, um ein „Publikum“ zu bedienen.
Das Debakel „Barbarella“ zu erklären, das würde locker eine Woche dauern! Ha!
Hauptsache ist, dass man durch solche Misserfolge erfährt, dass Theatermacherei und VOR ALLEM Musical kein einfacher Job ist. Man muss wenigstens genau so klug sein wie das Publikum.

Drew Sarich, 2011, Foto: Martin Bruny

8
Martin Bruny: Ist das Autogrammritual am Bühnentürl Teil des Jobs oder eine Selbstverständlichkeit? Haben Sie Erfahrungen machen müssen mit Stalkern?

Drew Sarich: Die Leute am Bühneneingang sind (zum Teil) schon sehr wichtig! Sie geben immer wieder ihr Geld aus, um uns zu sehen. Ich bin gern dabei, um „Hallo“ zu sagen und Fotos zu machen. Leute, die anderes behaupten, sollen wirklich überlegen, ob sie nicht für einen Bürojob besser geeignet sind.
Stalker sind eine Gefahr. Es gibt Leute, die zwischen Schauspiel und Realität nicht unterscheiden können. So gern ich mich mit Menschen am Bühneneingang unterhalte, bin ich genauso bereit, mich zu äußern, wenn mir etwas nicht passt. Ich habe zu viele schlechte Erfahrungen gemacht. Solange man nicht direkt in meine Privatsphäre eindringt, rede ich liebend gern mit JEDEM.

Drew Sarich, 2003, Foto: Martin Bruny
9
Martin Bruny: Im Herbst 2011 sind Sie im Ronacher in “Sister Act“ zu sehen – an welchen Soloprojekten arbeiten Sie derzeit?

Drew Sarich: Momentan nehme ich meine neue Solo-CD auf. Ich arbeite mit Titus Vadon (Russkaja, Jesus Messerschnitt, International Victim) an einer sehr nackten, intimen Platte. Ich freue mich riesig! Ich konzentriere mich momentan auf das Storytelling.
Zusätzlich habe ich ein neues Programm für mich und das “Dead Poet Quartet” geschrieben. Es heißt „Ugly Nina“ und ist eine Mischung von „Das hässliche Entlein“ und Tarantinos „Kill Bill“ – ein Multimedia-Projekt mit Comicbook-Bildern, theatralischen Aspekten, Rocksongs und klassischen Streicherarrangements. Die Lieder werden bereits vom brillanten Klemens Bittmann für das “Dead Poet Quartet” arrangiert. Ich hoffe, dass wir bis Frühjahr 2012 Investoren finden, damit wir das groß rausbringen können!

9Q – Alexander Moitzi: Die Herausforderung, nach der ich so lange gesucht habe

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Die heutige Folge der 9 Q, der neun Fragen, beschäftigt sich mit Alexander Moitzi. Der gebürtige Oberösterreicher absolvierte eine Ausbildung zum Musicaldarsteller am Performing Center Austria. Schon während seines Studiums wird der grandiose Tänzer von den Vereinigten Bühnen Wien für “Musical Christmas” (2006) engagiert, er ist unter anderem beim Musikfestival Steyr in “Evita” zu sehen, tourt mit “Finix” durch Europa und wirkt bei den Ostseefestspielen Stralsund in der “West Side Story” mit. Mit dem Diplom in der Tasche wird er für zwei Saisonen an das Stadttheater Klagenfurt engagiert, wo er in Produktionen wie “Jesus Christ Superstar“, „Gräfin Mariza“, “Cinderella“ und „Poppea“ mitwirkt.
Neben Erfolgen erlebt auch er die Realität, mit der sich Musicaldarsteller im deutschsprachigen Raum abmühen müssen. Denn das typische Klischee - Musicaldarsteller können nicht schauspielen -, es ist keines, es ist die Realität, es ist exakt das, was man als in diesem Genre Tätiger tatsächlich nach wie vor immer wieder zu hören bekommt, womit man sich freilich aber nicht abfinden muss. 2009 bricht Moitzi aus dem Musicaldarsteller-Käfig aus und auf nach Amerika - um da seinen Traum zu verwirklichen.

1
Martin Bruny: Alexander, du hast das Wiener Performing Center Austria 2007 als Sänger, Tänzer und Schauspieler, also als das, was man “triple threat” nennt, mit Diplom abgeschlossen.
a. Wann wusstest du, dass du den Beruf eines Musicaldarstellers ergreifen möchtest?
b. Was war der ausschlaggebende Moment?
c. Wann war dein erstes Mal auf einer Bühne?
d. Warum hast du das Performing Center Austria gewählt und was waren die Highlights in dieser Phase deines Lebens?

Alexander Moitzi: Meinen beruflichen Werdegang habe ich wohl meiner Mutter zu verdanken, die mich aufgrund meiner zu vielen Energie (haha) im Alter von vier Jahren anstatt zum Fußball ins Ballett gesteckt hat. Und da blieb ich dann auch hängen. Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen, war sozusagen immer von Musik umgeben und wusste schon relativ früh, dass ich Musiker, Sänger, Tänzer, Schauspieler oder so etwas Ähnliches werden möchte – und habe es, vor allem als Kind, nie in Frage gestellt.
Das erste Mal stand ich glaube ich mit vier oder fünf Jahren auf der Bühne, aber den wirklich ersten großen Moment hatte ich mit zwölf Jahren, als ich bei der „Wider die Gewalt“-Gala im Theater an der Wien singen durfte. Das war damals schon sehr spannend.
Ich wollte eigentlich schon immer im englischsprachigen Raum studieren und arbeiten, habe mich dann aber aus diversen und vor allem finanziellen Gründen für Wien entschieden und bin im wahrsten Sinne des Wortes „blind“ zur Audition der damals noch Performing Arts Studios gegangen. Haha, diese Audition ist auch eine kleine Geschichte für sich. Ich bin aber im Endeffekt aufgenommen worden und habe dann auch keine andere Schule mehr probiert.
Was ich am Performing Center wirklich gelernt habe, ist Disziplin und wie man in den unmöglichsten Situationen „funktioniert“. Auch wenn es nicht immer einfach war, hat es mich auf alle Fälle bestens aufs Berufsleben vorbereitet. Das andere, was ich an der Schule sehr schätze, ist der praxisorientierte Unterricht, denn ich hatte das Glück, schon während der Ausbildung inner- und außerhalb der Schule engagiert zu werden.

2
Martin Bruny: Mit der fertigen Ausbildung in der Tasche: Wie war das Berufsleben als “Musicaldarsteller” in Österreich?
a. Ist man frisch von der Schule kommend tatsächlich das, was gesucht wird? Was wird gesucht, in Wien, Österreich?
b. Welche Jobs hast du bekommen, wie befriedigend waren sie?
c. Was hat dich schließlich veranlasst, im Herbst 2009 nach New York zu ziehen, um dort am William Esper Studio ein zweijähriges Schauspielstudium zu absolvieren?

Alexander Moitzi: Ich habe mich grundsätzlich für den Beruf als Musicaldarsteller entschieden, weil ich es liebe zu spielen, zu singen und zu tanzen. Nicht um jetzt unbedingt Musicaldarsteller zu sein. Ich wurde dann aber schon während und hauptsächlich nach der Ausbildung in Wien eines Besseren belehrt. Denn die Realität ist: Als Musicaldarsteller ist man Musicaldarsteller und kein Schauspieler. Der Versuch ins Schauspielfach oder zum Film zu wechseln, war so ziemlich ein Ding der Unmöglichkeit. Was ich jetzt im Nachhinein allerdings auch verstehe (haha). Denn es ist eine andere Art von Arbeit. Aber ich kann mich mit dem Schubladendenken, vor allem im deutschsprachigen Raum, nicht wirklich anfreunden.
Ich bin auch nicht wirklich ein Fan von den ganzen Musical-Großproduktionen, die momentan den deutschsprachigen Raum belagern und habe mich ehrlich gesagt auch nie wirklich dafür interessiert.
Ich wurde direkt nach der Ausbildung für zwei Spielsaisonen unter Josef Ernst Köpplinger am Stadttheater Klagenfurt engagiert. Für diese Zeit bin ich sehr dankbar, da konnte ich in schönen Produktionen mitwirken – aber irgendwie fehlte mir die Herausforderung. Und so habe ich mich kurzerhand entschlossen, meinen Koffer zu packen, nach NYC zu ziehen und am William Esper Studio eine Zusatzausbildung in Schauspiel zu absolvieren. Um schlussendlich meinen Plan, den ich schon als Kind hatte, zu vollbringen.

3
Martin Bruny: Beschreib ein bisschen die Ausbildung am William Esper Studio.
a. Was ist das Besondere an dieser Institution?
b. Welche grundlegenden Unterschiede zwischen einer Ausbildung in Wien und einer in New York gibt es?
c. Wie ist das Studium aufgebaut, wie praxisorientiert ist es, wie zeitintensiv?
d. Was ist die Philosophie der Schule, wer waren ihre Gründer?
e. Wer hat dich auf die Idee gebracht, da zu studieren?
f. Was waren für dich die größte Herausforderung, der schönste Erfolg und die größte Niederlage am Esper Studio?
g. Was waren die Momente in deiner Ausbildung in New York, die dir besonders wichtig erscheinen.

Alexander Moitzi: Ich kannte das William Esper Studio vorher nicht und wurde durch eine Freundin von mir darauf aufmerksam gemacht. Es arbeitet nach der Sanford Meisner Methode. William Esper beschreibt das Grundprinzip so:

Real contact between actors comes when they listen to what they are saying to each other, and then respond truthfully from themselves, from their own point of view. Sanford Meisner’s principle is what an actor does doesn’t depend on him, but on what the other actor does to him. He believes that this is the foundation from which all acting training should begin.

So eine Ausbildung wie am William Esper Studio bekommt man bei uns zuhause nicht. Und vor allem nicht im Musicalbereich. Und da bin ich auch schon bei der großen Herausforderung. Denn das erste, was mir am Studio gesagt wurde, war:

Be more simple, you don’t have to act.

Das stimmt, und es dauert eine Weile, um den Unterschied zwischen amerikanischem und deutschsprachigem Schauspiel zu erkennen und zu erlernen – denn wenn dir das Gewohnte weggenommen wird, fühlst du dich kurz mal ziemlich nackt.
Das Besondere ist, dass trotz der Popularität der Schule auf jeden einzeln eingegangen wird und du deine ganz spezielle Persönlichkeit entwickeln kannst.
Um das Visum zu bekommen, musste ich das Full-time-Konservatorium abschließen. Es gab Phasen, wo ich kurz vorm Durchdrehen war, weil es dich zeitlich und vor allem emotional doch sehr in Anspruch nimmt und du seeeehr viel Zeit mit dir und deinem inneren Schweinehund verbringst.
Ich sehe meine Ausbildung oder generell mein Leben hier in der Stadt als Achterbahnfahrt. Du hast dein Hoch, auf das kurz darauf ein Tief folgt. Und gleich darauf sieht es wieder anders aus. Ich habe so einige Momente, die mir in Erinnerung bleiben, sowohl gute als auch nicht so gute, hatte aber zum Glück Kollegen und Menschen in meinem Umfeld, die durch das gleiche Szenario wie ich gingen. Und das war auch das Schöne: Gemeinsam zu scheitern, zu wachsen und im Endeffekt zu gewinnen.

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Martin Bruny: Du bist nun zwei Jahre in New York. Was ist für dich das Besondere an der Theaterszene dieser Stadt aus der Sicht eines Schauspielers, Tänzers, Sängers – auch im Vergleich zu Europa, Österreich.

alex_moitzi2.jpgAlexander Moitzi: New York ist „the artistic center of the world“. Auch wenn es nicht immer einfach ist in dieser Stadt zu (über)leben, New York hat einfach so viel Energie und Kraft, dass es dich einfach in seinen Bann zieht. Du wirst einfach so kreativ gefüttert, sei es am Broadway, der immensen Off-Szene, in der U-Bahn oder auf der Straße. Es wird so viel Neues ausprobiert und gewagt.
Gestern habe ich zum Beispiel eine „Drag“-Version von Shakespeares „King Lear“ gesehen. Ob es funktioniert, bleibt wohl Geschmackssache, aber zumindest hat man hier eine Möglichkeit, solche Dinge auszuprobieren. Das gibt es bei uns zuhause zum Beispiel nicht. Und das ist auch etwas, das ich mir für Wien wünsche: eine viel größere und mehr etablierte Off-Szene. In Wien geht man ins Theater und sieht ein Stück, das zum 75. Mal wiederaufgeführt wird, weil man nicht den Mut aufbringt, neue Stücke zu zeigen – und auch nicht wirklich das Publikum dafür hat. Das ist hier schon sehr anders, weil man auch aufgrund der Größe der Stadt viel mehr Möglichkeiten hat, um unterschiedliches Publikum anzusprechen und auch aus der Sicht eines Künstlers viel mehr Möglichkeiten hat, sich auszuprobieren.
Der Entschluss nach New York zu gehen, war für mich wie ein Neuanfang, hat mein bis dahin gewohntes Leben völlig auf den Kopf gestellt und mich zu einem „neuen“ Menschen gemacht. Sowohl auf privater als auch auf künstlerischer Ebene. Nach zwei doch sehr emotionalen Jahren getraue ich mich schon langsam zu sagen, dass ich in NYC ein neues künstlerisches Zuhause gefunden habe. NYC ist eine Stadt für „junge“ Leute und ich weiß jetzt schon, dass ich nicht den Rest meines Lebens hier verbringen und auch meine österreichischen Wurzeln nicht aufgeben möchte, aber für die nächsten Jahre kann ich mir schon vorstellen, mir mein Leben hier aufzubauen. Und vor allem habe ich aus der Sicht eines „triple threat“ endlich das Gefühl, alle drei Sparten ausleben zu können.

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Martin Bruny: Als Europäer in New York – mit welchen Schwierigkeiten hat man zu kämpfen? Was begeistert dich an New York, was stört dich?

Alexander Moitzi: Ich würde nicht sagen als Europäer, sondern generell als Ausländer wird dir das Leben in Amerika, also nicht nur in New York, nicht einfach gemacht. Aber jetzt auch nicht unbedingt aus künstlerischer Sicht, sondern aus bürokratischen Gründen. Um zum Beispiel eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, geht man sprichwörtlich durch die Hölle. Und wenn du diese erst einmal bekommen hast, bist du erst einer von 100.000 Schauspielern, die den gleichen Job wollen wie du.
Aber ich versuche, und bin ja eigentlich erst am Anfang, mich als ausländischer Künstler hier in der Stadt zu etablieren. Als Ausländer ist man immer ein Exot, man muss nur einen Weg finden, sich „das Anderssein“ zu seinen eigenen Gunsten zu nützen. Und das ist vielleicht die Herausforderung, nach der ich so lange gesucht habe.

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Martin Bruny: Du bist Mitglied der New Yorker Arcade Theatre Company. Erzähl ein wenig über diese Theatergruppe, die Projekte, die du mit dem Arcade Theatre umsetzen möchtest und über deine weiteren Zukunftspläne. Wo, in welchen Bereichen, siehst du deine Zukunft? Was ist für dich die größte berufliche Herausforderung am Theatersektor, welche Traumrollen hast du?

Alexander Moitzi: Ich freue mich, neues Mitglied der Arcade Theatre Company zu sein. Es ist ein sehr junges Ensemble, das sich aufgrund seiner „Extravaganz“ schon einen Namen in der New Yorker Szene gemacht hat. Ich freue mich, direkt nach der Ausbildung eine künstlerische Plattform zu haben, bei der ich mich ausprobieren und weiterentwickeln kann.
Ein längerfristiges Ziel von mir ist der Film, und ich möchte auch versuchen, in der nächsten Zeit darin Fuß zu fassen.
Im Grunde sehe ich mein nächstes Jahr als neuen Schritt ins Berufsleben. Neue Leute, neue Ziele – und ich freue mich auf jede Art von Arbeit, sei es im Musical, Theater oder Film. Die größte berufliche Herausforderung hier in NYC ist sicherlich einen Job am Theater zu finden, der bezahlt ist (haha).

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Martin Bruny: In der Interview-Sendereihe “Inside the Actors Studio” stellt Moderator James Lipton seit 1994 seinen Gästen in einer Art Word-Rap zehn Fragen. Er wiederum hat die Fragen vom französischen Journalisten Bernard Pivot, der sie nach dem “Proust Questionnaire” entwickelte. Diese Fragen würde ich dir hier gern als eine Frage mit einigen Unterfragen stellen, weil ich sie für sehr interessant halte. Die Antworten gerne deutsch oder englisch bzw. gemischt. [Wie beispielsweise Meryl Streep sie beantwortet hat, sieht man –> hier. ]

a. What is your favorite word?
Im Moment „Schnitzel“ (haha) – hat eine sehr persönliche Bedeutung und würde für jeden Außenstehenden absolut keinen Sinn machen. :-)

b. What is your least favorite word?
Das wäre in diesem Rahmen etwas zu vulgär ;-)

c. What turns you on, excites you inspires you?
Chocolate.

d. What turns you off?
Someone who talks way too much, especially about him- or herself.

e. What sound do you love?
The crashing of the waves.

f. What sound do you hate?
Squeaky chalk on the chalkboard.

g. What is your favorite curse word?
F*** :-)

h. What profession other than yours would you like to attempt, if you could?
Psychologist.

i. What profession would you not like to do?
Physicist

j. If heaven exists, what would you like to hear God say when you arrive at the pearly gates?
Na dann: Prost!

8
Martin Bruny: Welche 5 LPs/CDs würden sich im “Soundtrack of Your Life” ganz oben finden, also Lieder oder CDs, egal aus welchem Genre, die eine Bedeutung in deinem Leben hatten/haben, und welche Bedeutung haben sie?

Alexander Moitzi:
• “Seasons of Love” (”Rent”): Abschlusssong unseres Jahrgangs in den Performing Arts Studios.
• “Empire State of mind” (Alicia Keys): Mein New York Song :-)
• “Don’t stop Believing” (Journey): Mein William-Esper-Studio-Song.
• “I am from Austria” (Rainhard Fendrich): Als Österreicher einfach ein Muss.
• „I love the nightlife” (Alicia Bridges): Mein Motivationssong zum Wohnungsputzen. (haha)

9
Martin Bruny: Ein paar abschließende Fragen zu deinen Erfahrungen und Vorlieben im Theater-/Musicalgenre:
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a. Wann warst du zum ersten Mal im Theater?
Alexander Moitzi: Kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern, also muss ich sehr jung gewesen sein :-)

b. Wann hast du zum ersten Mal ein Musical besucht?
Alexander Moitzi: Im Alter von zehn Jahren habe ich “Grease” im Raimund Theater gesehen.

c. Wann hast du zum letzten Mal ein Musical besucht?
Alexander Moitzi: Vor einer Woche die Wiederaufnahme von „Rent“ am Off-Broadway.

d. Welche Musicalaufführung hat dich in den letzten Jahren am nachhaltigsten beeinflusst?
Alexander Moitzi: „Next to Normal“ am Broadway. Da weiß ich wieder, warum ich den Beruf gewählt habe. Es war schockierend und ergreifend zugleich. Und aufgrund des relativ kleinen Theaters war es eine sehr schöne, intensive und emotionale Show. Und für mich wieder einmal der Beweis, dass Musiktheater mehr sein kann als nur Jazzhands, gewaltiges Bühnenbild und Lichtdesign.

e. Wer ist dein Lieblings-Musicalkomponist?
Alexander Moitzi: Gibt es nicht wirklich.

f. Welches ist dein Liebings-Musical?
Alexander Moitzi: Ich habe nicht wirklich einen Favoriten, aber “Cabaret” steht sicher ganz weit oben auf meiner Liste.

g. Wer beeindruckt dich derzeit in der Musicalszene durch seine Erfolge, wer durch seine Kreativität?
Alexander Moitzi: Ich habe nicht wirklich ein Idol, dem ich nachlaufe. Ich bewundere nur die Menschen, die trotz ihres Könnens, ihrer Karriere oder Popularität am Boden bleiben.

9Q - Caspar Richter: “Musical ist ALLES” [2011]

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Am 27. Juni 2010 verabschiedete sich Caspar Richter, der Musikalische Direktor der Vereinigten Bühnen Wien, mit dem Konzert “Musical Forever 2″ im Etablissement Ronacher von seinem Publikum.
Richter und das Orchester der VBW, das war über viele Jahre eine Erfolgsgeschichte. Über 20 Jahre hat der Künstler Uraufführungen für Wien erarbeitet, neue Konzepte entwickelt und dafür gesorgt, dass das Orchester auch außerhalb der Theater der VBW ein Standing erreichte, auf das das Haus stolz sein konnte.

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Mit “Musical Forever 2″ demonstrierte Caspar Richter unter anderem noch ein Mal eindrucksvoll und mit Nachdruck, was er unter dem Begriff Musical versteht.
Seit dem 26. April 2011 ist ein Mitschnitt von Teilen des Konzerts als CD im Handel erhältlich. Anlässlich dieser CD-Neuerscheinung von MG-Sound im Folgenden 9 Fragen an Caspar Richter zum Zustand des Musicals in diesem Lande, zu Details, aber wichtigen Details, des Musicalgenres … und zur Zukunft des neuen Musik- und Opernchefs von Brno.

Martin Bruny: Lieber Herr Richter, wir haben anlässlich der Pressekonferenz von “Rebecca” im Dezember 2005 über Ihre Pläne gesprochen, die Sie mit dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien verwirklichen wollten. Vorgeschwebt sind Ihnen konzertante Produktionen etwa von “The Secret Garden”, “Carousel”, “Funny Girl” oder “Gypsy”.
Nach der “Bernstein”-Konzertserie 2006 im Raimund Theater, die nicht ganz ausverkauft war, konnte von diesen Planungen nichts verwirklicht werden.
Hat Sie das getroffen? Hat diese Entwicklung Ihren Abschied 2010 von den VBW erleichtert? Wären Sie, um mit den Gerüchten aufzuräumen, jetzt noch bei den VBW, wenn Sie Ihre Wunschprojekte verwirklichen hätten dürfen? Woran ist das alles letztlich gescheitert?

Caspar Richter: Daß die Bernstein Konzerte nicht alle ausverkauft waren, spricht nicht gegen diese Idee, Bernstein dem Vergessen zu entreißen, es spricht nur gegen viele Teile des Publikums, sich nicht sehr für gute Musicalmusik zu interessieren. Außerdem, zwei Konzerte hätten genügt, und bei entsprechender Werbung wäre man auch auf großes Interesse gestoßen.
Mein Abgang hat aber damit nichts zu tun. Für mich stand fest, daß 2010 der Schluß meiner Beschäftigung mit dem Musical sein wird. Ich wollte meine Tätigkeit wieder auf die klassische Musik, sprich Oper und Konzert, konzentrieren. Ich hätte mir natürlich gewünscht, auch ab und zu Revivals klassischer Musicals zu machen, wie das ja auch sehr erfolgreich am Broadway geschieht. Aber dafür hat man hier leider keinen Sinn. Die Stückeentwicklung hierin vor allem in Mitteleuropa ist sowieso mehr als fragwürdig.

Martin Bruny: Im Booklet zur CD “Musical Forever 2″ schreiben Sie vom “Mangel an guten, gehaltvollen Musicals”. Beschreiben Sie doch bitte, wie Sie den Musicalmarkt in Österreich sehen und was Sie gerne ändern würden. Gab es eine Musicalproduktion der VBW, bei der Sie am liebsten mit Arbeitsverweigerung gedroht hätten oder auch gedroht haben.

Caspar Richter: Man hat es versäumt, rechtzeitig neue Autoren und Komponisten zu fördern, in Workshops etc. Das ist einfach abgelehnt worden, und nun ist fast nichts Gutes nachgewachsen. Ideen dafür hätte ich genügend gehabt. Eine Produktion, der ich mich am liebsten verweigert hätte, gab es eigentlich nicht wirklich, bei “Freudiana” war nur die Umsetzung eines tollen Stücks noch nicht entwickelt und nicht gut genug. Auch “Wake Up” hätte ein gutes, krasses Musical werden können, wenn man einen richtigen Regisseur gehabt hätte. Da gab es einige Fehlentscheidungen.

Martin Bruny: Peter Weck meint in seiner Autobiographie “War’s das?”, dass man ihm den Erfolg von “Cats” künstlich und mit Absicht durch zwei Opernpremieren verkürzt habe. Eine davon: Gottfried von Einems Oper “Tulifant”, die Sie im Booklet der CD “Musical Forever 2″ erwähnen. Wie sehen Sie das Ende von “Cats” - war es ein “erzwungenes”, wie Weck es formuliert: “Damit wurde unsere Erfolgsproduktion “Cats” regelrecht abgewürgt.”?

Caspar Richter: Ich fand das Ende von “Cats” sehr notwendig. Es ist doch nervig und geistiger Stillstand, wenn man 7 Jahre immer dasselbe macht!!!

Martin Bruny: Der Einsatz von klassisch ausgebildeten Stimmen, oder sagen wir gleich, Opernsängern und Opernsängerinnen, in einem Musical wie “Les Misérables”. Ist das für Sie legitim, logisch? Ist die Mischung von Opernsängern und “Musicalsängern” in “Les Mis” optimal? Was wäre zu beachten?

Caspar Richter: Es gibt viele Musicals, wo man klassische Stimmen braucht - bei “Les Misérables”: Cosette, einen lyrischen Sopran, bei Javert einen finsteren Bariton, bei Enjolras einen jungen Heldentenor etc. Bei “Phantom” kann man eigentlich alles mit Opernstimmen besetzen. Man braucht nur eine große Persönlichkeit als Phantom. Ich habe das schon mit Ramon Vargas gemacht und Jerry Hadley etc. Die Männerstimmen sind eh eher klassischer Natur. Manchmal ist eine tolle Mischung von Klassik und Pop wichtig wie bei “Jekyll & Hyde”.

Martin Bruny: 2005 meinten Sie in einem Interview mit der “Bühne”: “Ich komme ja ursprünglich von der Klassik. Und mein Ehrgeiz war es, die Professionalität und Qualität des Klassik-Bereichs ins Musical zu transportieren. Das haben wir alle zusammen realisiert, denn ein Musical kann man nicht mit fünf Musikern spielen.”
Nun läuft “Cats” derzeit als deutsche Tourneeproduktion und wird 2012 auch in Wien Station machen. Im “Orchester”: laut neuestem Stand angeblich schon bald nur mehr 6 Musiker. Macht das noch Sinn?

Caspar Richter: Wie gesagt, so wie auch die Stücke immer schlechter und unkünstlerischer werden, so schlecht wird auch das Orchester als unwichtig und verzichtbar behandelt. Die Klangfarbe eines Orchesters und der ausgewogene Orchestersound sind wichtig, immer weniger Streicher, eine Katastrophe. 6 Musiker bei Cats ist absolut unakzeptabel und äußert dumm und zerstörerisch, gemacht von Managern, die keine Ahnung von Musik haben. So wird die Kunstform Musical langsam zerstört.

Martin Bruny: Neue Musicals scheinen Mangelware zu sein in Wien derzeit, wir sind zum Käufer bundesdeutscher Ware geworden. Welche Komponisten, Texter der jüngeren Generation würden Sie für so spannend und kreativ einschätzen, dass man Sie mit der Erarbeitung eines Musicals beauftragen sollte. Welche Stoffe, Themen würden Sie diesbezüglich interessieren?

Caspar Richter: Spannende Texte gibt es genug, man muß nur die große Literatur von Aristophanes bis Thomas Mann “entdecken”, anstatt nur noch Movies nachzuspielen oder uninteressante Komponistencollagen zu verarbeiten. Es gibt wunderbare junge Komponisten sogar in den eigenen Reihen der VBW, habe ich öfters in kleinen Dingen ausprobiert.

Martin Bruny: Roman Polanski sagte anlässlich der “Tanz der Vampire”-Uraufführung: “Der wesentliche Unterschied zwischen Oper und Musical besteht im Publikum. In die Oper gehen prätentiöse Leute, die sich für die höchsten musikalischen Richter halten. Ich teile nicht die Meinung irgendwelcher Puristen, die das Musical verachten. Im Gegenteil: Es ist für ein breites Publikum gemacht, und das Publikum liebt dieses Theater.“
Ist Musical Kunst? Ist das, was derzeit im Raimund Theater läuft, ein Musical? Ist es Kunst?

Caspar Richter: Natürlich ist Musical große Kunst, Rodgers, Gershwin, Bernstein, Sondheim, Styne etc. Schon die “Zauberflöte” war ein interessanter Vorläufer musikalischen Unterhaltungstheaters, die Ãœbergänge sind fließend, auch von der Operette und Oper her kommend. Musical ist ALLES. Das beste Beispiel: “Candide” von Bernstein.

Martin Bruny: Aus dem Leben eines Dirigenten der VBW. Gabs einmal ein lustiges Hoppala, das Sie uns erzählen könnten?

Caspar Richter: Es gab sicherlich viele Hoppalas, wie immer am Theater, aber an ein bestimmtes kann ich mich nun nicht erinnern.

Martin Bruny: Sie sind nun Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Nationaloper Brno. Haben Sie den Bezug zum Musical rein beruflich nun “verloren” oder wollen Sie Projekte in Zukunft auch im Musicalbereich verwirklichen. Wenn ja, welche?

Caspar Richter: Meine neue Aufgabe als Musikchef und Opernchef in Brno füllt mich total aus, mehr als alles vorher. Aber ich habe jetzt schon eine Anfrage, hier die tschechische Erstaufführung von “Jekyll & Hyde” zu machen. Das werde ich auch. Und einzelne Lieblingsideen werde ich auch realisieren.
Aber meine Musicalzeit war wunderbar, ich habe sie geliebt und viel gelernt, auch wieder für die Klassik.

Links
- Caspar Richter: Offizielle Website
- MG-Sound
- Die CD zum Interview: “Musical Forever 2″

9 Q - Jeremy Schonfeld: Das E-Mail-Interview zu “Iron & Coal” [2011]

Jeremy Schonfeld"
Am 28. Februar 2011 fand in Wien die erste “Listening Party” für “Iron & Coal”, das neue Konzeptalbum des Komponisten Jeremy Schonfeld (”37 Notebooks”, “Drift”, “Blue Skies and All”), statt. “Iron & Coal”, das in Berliner und Wiener Tonstudios eingespielt wurde, ist ein Konzeptalbum in Erinnerung an die Millionen Opfer des Holocaust - und für die, die überlebt haben, für Schonfelds Familie, für Jeremy Schonfeld selbst und vor allem für seinen Vater. In einem E-Mail-Interview erzählt der Komponist mehr über die Arbeit an “Iron & Coal”, er schreibt über seine Lieblings-CDs und beantwortet unter anderem die Frage, ob es seiner Meinung nach ein “perfektes Musical” gibt. Neun Fragen - Neun Antworten / 9 Q:

Martin Bruny: “Iron & Coal” has been recorded as a concept album in sound studios in Vienna and Berlin with Beat4Feet producing. You recorded “Drift” in 2000 as a concept album, later on it got a full musical production. What are your plans with “Iron & Coal”? Could that be a show for a Broadway production?

Jeremy Schonfeld: When I recorded “Drift” (actually, the original concept album was recorded in 2001 and released in 2002), I didn’t have ‘the big plan’ together for marketing and promotion. I knew it was a collection of songs relating to my own experiences living through divorce and child-custody. There was a raw immediacy to the original 11 songs that drew many people to the original source material - and still does today. The show(s) that resulted based on the original concept album increased the material itself (more songs), and continues to breathe life into the subject matter. “Drift” continues to grow each time we work on it, and is now set for a large production in the States (Kansas City, MO) this September.
Where “Iron & Coal” is different is the initial planning and execution of the material. 10 Years later, the music business is a completely different animal, plus you look at your career goals and expectations a bit differently at 41. My goal for IandC is to mount a large-scale Concert Event that serves as both a storytelling evening and a rock concert combined. Kind of a hybrid event, if you will, like the original “Tommy” or “The Wall” (maybe not quite as big, but you get the idea….!). This event could then tour, sit in a theater, maybe even find a home on Broadway. But Broadway isn’t the only goal or option for this piece at the moment … It’s a big world!

Martin Bruny: Mel Brooks’ “The Producers” flopped in Vienna a few years ago. Dealing with that topic in a satirical way in a country which is still in a process of “problem solving” could have been one reason. Can you imagine “Iron & Coal” as a musical production in Vienna? Are there any plans?

Jeremy Schonfeld: Well, one thing I am very cautious about is the labeling of “Iron & Coal”. This is not a musical for a reason. When I began creating the album, I made it a point to steer clear of mapping out the songs in a linear fashion. I wanted to concentrate on real, emotional material - songs that were immediately recognizable in their relation to the subject matter, mixed with songs that were more subtly related - setting myself free from a blue print of what “Iron & Coal” had to be. The results, hopefully, are a bit more far-reaching than shows like “The Producers” (which I loved on Broadway, btw), because I am working from real human emotion and experience rather than attempting to hit points on a map. In the end, a song that I am moved to write only works for an audience on their terms, not due to my personal experiences. If I touch a more universal nerve, the listener will relate to the landscape and they will be moved to open their hearts to this album. And if I have have accomplished this goal with IandC, it can and will be successfully performed and produced anywhere that will have us - especially Vienna.

Martin Bruny: How did you come to collaborate with Beat4Feet? Can you tell us more about the work on your album in the recording studios. Are you working with a band or an orchestra?

Jeremy Schonfeld: As I was creating the music for this album and looking at various options for producing the recordings (including an NYC record deal I turned down to work in Vienna), I was persuaded by a mutual friend, Larry Adelman, to meet Martin Gellner (one half of Beat4Feet) at a diner for lunch in Manhattan. We had that connection thing immediately. Originally, I thought I might visit and do some orchestra recording in Vienna, but soon came to realize that I was really far more interested in trying to create the whole project with these guys. Personally, professionally, it all made sense.
We began in August with me laying down ’scratch’ piano/vocals for the majority of the songs for the album. Using those reference tracks, we began to map out the album itself from a production standpoint; What instrumentation/arrangements did we want? Who did the boys want to bring in to play? Once recording began in January, Martin and Werner had assembled the players they wanted and we had a strong sense of all the arrangements we wanted to create, giving room for flexibility to discover as we went.
Basically, the working environment was collaborative from the get-go. I wrote the songs, (I sing and play piano throughout the album). From there, I had ideas for arrangements and production values that I brought to the table. Werner and Martin took notes and began to work from my thoughts as well as their own inspirations. The orchestrations were mainly Martin’s area, the electronic layout was Werner, and I kinda went back and forth with both. It was a very creative and detailed working atmosphere, and everyone worked extremely hard. We didn’t cut any corners in this production.

Martin Bruny: Can you recall the moment you decided to compose songs for a concept album about this topic? What led to your decision to write the songs.

Jeremy Schonfeld: I had been considering the subject matter for a long time, but was never sure when the timing would be right. My father wrote and published his memoirs (”Absence of Closure”, Dr. Gustav Schonfeld) in 2009. At the time, I was in discussion with the very talented director, Daisy Prince, to create an original piece together. It was Daisy who pointed out that maybe the time was right to take a stab at the subject matter.

Martin Bruny: Are you planning to play concerts in Vienna, give master classes at performing arts schools here in Vienna?

Jeremy Schonfeld: Would love to do both, yes.

Martin Bruny: A lot of composers are not able or simply don’t want to talk about the creating process of writing songs. Others, like Stephen Sondheim, are able to write books about that topic. Can you describe how you are composing a song? Do you need a special environment, are you composing just for one album a time? How do you know that a song is finished? How long did you work on “Iron & Coal” …

Jeremy Schonfeld: Well, this is a very loaded question with several answers. Honestly, writing songs is a craft that each writer develops internally over time. Personally, I love the challenge of creating emotionally compelling music that covers broad areas of musical terrain. At heart, I am a storyteller, so moving into musical theater was a natural progression (even as I, admittedly, don’t love all things of musical theater, my passion is telling stories through music). For me, writing a song is kind of like solving an elaborate puzzle. The craft you develop over time enables you to know what tools you have in your tool belt for use in solving each puzzle. Songs can take weeks, months to create, and sometimes they come out within minutes or hours. The trick is knowing when to push forward and when to walk away.

Martin Bruny: How important it is the web for artists nowadays. Can you describe a little bit which web devices, technologies and software (i. e. for composing, writing lyrics) you are using? Are you on Facebook, Twitter, Myspace - and if you are, does it help making your work more popular? How important is it for an artist to have a website?

Jeremy Schonfeld: I am, admittadly, not the most technology-minded musician in the world. I still write with a pencil, a pad of paper, and a big rubber eraser sitting at a real piano. That’s how my process begins. Computer stuff comes later. Same with other technologies. I have embraced Facebook, have been urged by my manager to blog (yeah, I failed there), and have never understood Twitter. Email, text, and Facebook are as much as I can handle!

Martin Bruny: Are you a perfectionist, are you trying to write a “perfect” musical or a perfect song? Is there a perfect song? What is your goal in life as an artist?

Jeremy Schonfeld: Am I a perfectionist? I would say yes. This doesn’t necessarily mean that I am one of those sour, always unhappy and unsatisfied ’suffering artist’ types. Do I have my moments? Sure, but in general, I like to think I am a very lucky man. I have a wonderful family, great friends, wonderful work opportunities, and I am damn good at what I do. A few more dollars in the banks would be nice, but really my goals in life are simple: Be happy, do great work, and appreciate my life as I am living it.
To answer the question about the ‘perfect song or musical’, I would say, sure there are some wonderful songs out there - even some I have written. Same with musicals. Personally though, I don’t believe in judging perfection. If the artist feels it is perfect, that’s all that matters. If an audience feels the same, then that is a wonderful bonus. An artist cannot create his or her work for the audience though. You keep them in mind, of course, but at the end of the day, it must come from the heart first, mind second.

Martin Bruny: If you would have to create a “Soundtrack of Your Life”: Which 5 CDs are important in your life and why?

Jeremy Schonfeld: These are a bit random, maybe even surprising (in no order of importance):

1) Billy Joel - Glass Houses/52nd Street/Cold Spring Harbor etc.
All that 70’s and early 80’s Billy Joel was rich with storytelling and passion. Billy was a master at matching music and lyric together as well, which is something I pride myself in.

2) Supertramp - Breakfast in America
“Take the Long Way Home” is still one of my favorite songs. Emotional, epic.

3) Boston - Boston
My very first cassette tape. Can’t you see 7 year old Jer running around with a little tape player blasting “More than a Feeling”? Priceless. That music just sang to me.

4) Chess - Original London cast album
Don’t really listen to this one that much anymore, but man - this totally changed my view of musical theater at the time. Intrigued me enough to try writing it …

5) Beatles - anything
How can you pick the best Beatles album or song? Hugely influential to me as a kid. And still …

Links
- Jeremy Schonfeld
- Jeremy Schonfeld @Facebook

Thomas Borchert: Das E-Mail-Interview zu “If I sing” [2010]

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Am 24. September 2010 erscheint Thomas Borcherts Solo-CD “If I sing” beim Wiener Label MG-Sound - 14 Musicalsongs, eingespielt mit großem Orchester, die für Thomas Borchert Bedeutung haben und ihm im Laufe seiner 20-jährigen Karriere ans Herz gewachsen sind, neu arrangiert von Martin Böhm und Ludwig Coss [MG-Sound].

Was liegt näher, als dem Musicaldarsteller, Schauspieler und Songwriter ein paar Fragen zu seinem neuen Tonträger zu stellen, in Form eines E-Mail-Interviews:

Martin Bruny: Wer hatte die Idee zur CD “If I sing”? Also die Idee, eine CD mit einem Orchester zu produzieren beziehungsweise überhaupt eine CD mit Musicalsongs.

Thomas Borchert: Hitsquad hatte schon seit längerer Zeit Interesse daran, eine Solo-CD mit mir zu produzieren. Die Idee zu “If I sing” lag dann durch mein diesjähriges Bühnenjubiläum auf der Hand. Es war unser Bestreben, nicht einfach nur 20 Jahre Musicalbühne Revue passieren zu lassen, sondern jeden von mir persönlich ausgewählten Song noch einmal völlig neu zu arrangieren und in bestmöglicher, internationaler Qualität zu produzieren.

MB: Inwieweit waren Sie an der Erstellung der neuen Arrangements der Songs beteiligt?

TB: Von Anfang an war ich in den Entwicklungsprozess eingebunden. Dadurch bot sich mir die Möglichkeit, meine Ideen für neue Arrangements mit einfließen zu lassen. Das einzigartige an dieser Produktion ist, dass mir jedes einzelne Arrangement auf den Leib geschneidert wurde und mit mir gemeinsam heranreifte. Für diese enorm kreative Entstehungsphase und die liebevoll detallierte Arbeit im Team bin ich dem Team von MG-Sound und Hitsquad sehr dankbar.

MB: Wann fanden die Aufnahmen zur CD statt (bzw. von wann bis wann)? Wie lange haben Sie sich Zeit genommen, die Interpretationen vorzubereiten, wie lange hat die Arbeit dann im Studio gedauert?

TB: Die Vorbereitungen für “If I sing” begannen schon einige Monate vor den eigentlichen Studioaufnahmen. Es gab mehrere Demo-Phasen, in denen die Arrangements und auch meine Interpretation langsam heranreiften. Dann folgten die Orchester- und Band-Aufnahmen. Die finalen Gesangsaufnahmen dauerten fünf Tage.
Einer der schönsten Momente, neben den opulenten Orchester-Aufnahmen (es waren allein schon 23 Streicher im Studio!), für mich war, als wir den Titelsong “If I sing” nur mit Klavierbegleitung live im Studio aufgenommen haben.

MB: Wird es mit diesem Programm und mit Orchester Live-Events geben (können)?

TB: Ich hoffe es!

MB: Gibt es zu den einzelnen Songs kleine Geschichten, warum Sie sie ausgewäht haben? Wenn ja, welche beispielsweise zu “Kiss of the Spider Woman”?

TB: Grundsätzlich sind auf dem Album Songs vertreten, die ich schon auf der Musicalbühne gesungen habe. Dennoch habe ich mir ein paar “Ausreißer” erlaubt. “Kiss of the Spider Woman” habe ich damals in der Originalbesetzung in London gesehen und war sprachlos vor Begeisterung. Auf einer Kander-&-Ebb-CD hörte ich dann einen Mann den Titelsong singen. Schon seit Jahren wartete ich auf die passende Gelegenheit, dieses Lied auf meine Art zu interpretieren. Bei den Demoaufnahmen im Studio kam mir dann plötzlich eine besondere Arrangement-Idee, die ich jetzt aber nicht verraten möchte …

MB: Drei Lieder Ihrer CD stammen von Frank Wildhorn, der Sie sehr schätzt. Was mögen Sie an den Musicals von Frank Wildhorn beziehungsweise an Frank Wildhorn selbst.

TB: Frank Wildhorn versteht es wie kaum ein anderer, wunderschöne, große Melodiebögen zu schreiben, die vor hoher Emotionalität nur so strotzen. Das macht es dem Sänger sehr leicht. Man fühlt sich von der Musik getragen.

Wie in den Opern von Puccini oder Verdi geht es bei Wildhorn immer um große Gefühle, um Leben und Tod. Die Partien, die ich bisher singen durfte, sind sehr “saftig” und verlangen sowohl dem Schauspieler als auch dem Sänger alles ab. Hinzu kommt, dass sich die meisten Wildhorn-Partien für mich schon immer so anfühlten, als ob sie für meine Stimme geschrieben worden wären. Es passt einfach.

MB: Wann ist ein Musicalsong für Sie ein guter Song? Welche Kriterien muss er erfüllen? Für welches Lied würden Sie sich beispielsweise entscheiden, wenn Sie zwischen “You’ll be in my heart” (”Tarzan”) und “Mut zur Tat” (”Rudolf”) wählen müssten und warum?

TB: Ein guter Musicalsong treibt die Handlung voran beziehungsweise beschreibt einen momentanen inneren Zustand des jeweiligen Charakters, weist dabei einen Entwicklungs- beziehungsweise Spannungsbogen auf, und berührt durch die Verschmelzung von Text und Musik den Zuschauer beziehungsweise Zuhörer. Wenn der Song dann obendrein noch ein Ohrwurm ist, kann man wohl von einem Volltreffer sprechen!

Beide oben genannten Lieder erfüllen diese Kriterien auf ihre Weise. Ich hätte daher die Qual der Wahl und würde mich letztendlich für ein Medley entscheiden …

MB: Wie sehen die Pläne für Ihre Zukunft aus, im Speziellen für die nächsten 6 bis 12 Monate?

TB: Bis zum 4. November spiele ich noch den Krolock in TdV in Wien. Am 9. Oktober wird “Der Graf von Monte Christo” am Theater St. Gallen wieder aufgenommen und noch insgesamt fünf mal bis Jahresende gespielt.

Besonders freue ich mich auf das “Wildhorn & Friends”- Konzert, am 4. Oktober in Wien, gemeinsam mit Frank Wildhorn (am Flügel!), Linda Eder und Pia Douwes.

Am 30. November 2010 und am 6. Februar 2011 spiele ich den Schauspielmonolog “Novecento” im Schlossparktheater Berlin, sowie auch am 28.12.2010 in der neuen Spielstätte des Theaters St. Gallen (”Lokremise”).

Desweiteren gibt es dieses Jahr noch zwei “Borchert Besinnlich”- Konzerte in Oberhausen und Wien. Auch 2011 werde ich viele Solo-Konzerte geben sowie in einer Musicalproduktion und zwei Schauspielproduktionen mitwirken. Außerdem entwickle ich gerade ein deutschsprachiges Pop-Projekt in einer spannenden Teamarbeit.

MB: Was sagen Sie zur aktuellen Musicallandschaft im deutschsprachigen Raum. Wird es komplizierter, interessante Shows zu finden, in denen man spielen möchte?

TB: Ich sag’s mal so: Es wäre durchaus wünschenswert, wenn die deutsche Musicallandschaft durch mehr Mut und Vielfalt bereichert werden würde.