Home RSS Go RED Go BLACK

Archiv - Theater

Werk X: Ich glaube

ich-glaube_aktionstheater-ensemble-c-stefan-hauer-9.jpg

Das WERK X startet mit der Uraufführung von »Ich glaube«, einer Produktion des aktionstheater ensemble, in die neue Spielzeit. Die Truppe rund um den Theatermacher Martin Gruber thematisiert in ihrem neuesten Stück Religion als Faktor für Selbstlegitimierung, Abgrenzung, Ausgrenzung und Gewalt. Die Wien-Premiere findet am Mittwoch, 11. Oktober 2017, im WERK X in Meidling statt.

Vor der Kulisse einer durch Attentate verletzten Welt treffen sich die ProtagonistInnen des aktionstheater ensemble und werfen sich mehr oder weniger funktionierende Lebensphilosophien einer saturiert-säkularen Welt an den Kopf. Jeder weiß es besser. In einem schwindelerregenden Parforceritt werden religiöse wie quasi-religiöse Lebensentwürfe durchdekliniert. Die Erkenntnis, dass der Glaube an absolute Wahrheiten noch nie wirklich funktioniert hat, ist den AkteurInnen aber nur ein schwacher Trost. Was letztlich verbindet, ist die Suche nach einem verbindenden Element: die Liebe.

ich-glaube2.jpg

ICH GLAUBE
von Martin Gruber und aktionstheater ensemble

Uraufführung in Koproduktion mit Bregenzer Frühling und Kooperation mit Werk X
Dauer: 75 Minuten

täglich bis Sa. 14. Oktober jeweils 19:30 Uhr im Werk X (Oswaldgasse 35a, 1120 Wien)

Konzeption, Regie: Martin Gruber
Text: Martin Gruber und aktionstheater ensemble
Dramaturgie: Martin Ojster
Regieassistenz: Robin Sarah Ströhle
Musik/Arrangements, Sound-Design: Kristian Musser
Musiker: Kirill Goncharov (Geige), Jean Philipp Viol (Bratsche)
DarstellerInnen: Susanne Brandt, Alev Irmak, Martin Hemmer, Claudia Kottal, Benjamin Vanyek

Dank an: Simone Huchler, Martin Platzgummer (PROXI), Aaron Sutterlütte (Aaronfilm),
Felix Dietlinger
Fotos: Stefan Hauer

ICH GLAUBE - TRAILER from aktionstheater ensemble on Vimeo.

Theater Drachengasse: Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!

arme_gerechtigkeit1.jpg

Am Montag, dem 9. Oktober 2017, geht im Theater Drachengasse die Premiere des Stücks »Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!« über die Bühne. Nach »Die großen Kinder unserer Zeit« ist es die zweite Arbeit von Korbinian Schmidt und Franz-Xaver Mayr im Theater Drachengasse. Franz-Xaver Mayr ist aktuell für den NESTROY-Preis 2017 nominiert, für seine Inszenierung von »diese mauer fasst sich selbst zusammen und der stern hat gesprochen, der stern hat auch was gesagt« im Wiener Schauspielhaus.

gerecht2.jpg

»Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!« ist ein theatrales Panoptikum zur Erforschung der Generation Y in Bezug auf Haben, Wollen, Sein und Müssen. Zwischen Prekariat und Selbstoptimierung, Leistungsdruck und Ich-Inszenierung regiert die Angst, als Witzfiguren in die Geschichte einzugehen.

gerecht3.jpg

Lieber Bonnie,
Es ist ja so. Wir haben lange gewartet und waren geduldig. Wir sind joggen gegangen. Wir haben uns gesund ernährt. Wir haben unsere Körper auf Vordermann gebracht. Wir haben eine Ausbildung gemacht, haben studiert und sind gereist. Wir haben lange Gespräche geführt, haben Interesse an vielen Dingen entwickelt, haben Sprachen gelernt und gelernt, wie wir uns anziehen müssen, damit wir nach etwas aussehen. Wir haben in uns und unsere Leben viel Zeit und Geld investiert, damit wir damit etwas anfangen können. Und jetzt ist all das in Gefahr, weil es etwa Probleme gibt? Woher wir das wissen? Aus dem Internet! Dort sagen das nahezu alle. Es stünde schlecht um uns und man müsse etwas unternehmen. Das sagen auch nahezu alle. Das ist nicht fair. Darauf hat man uns nicht vorbereitet. Und außerdem fehlen uns dazu die Informationen und die finanziellen Mittel. Was machen wir denn jetzt. Wie du weißt, bin ich Schriftstellerin und arbeite im Einzelhandel und da bleibt mir wenig Zeit mich noch um anderes zu kümmern. Und so geht es fast allen. Gut. Nicht jeder arbeitet im Einzelhandel, aber nahezu jeder ist Schriftsteller*in geworden und da braucht man viel Zeit für sich. Bonnie, ich weiß. Uns geht es ja gut. Wir haben Arbeit, die Landschaft ist toll, das Klima auch, wir tragen tolle Kleider, alles i.O. Noch! Weißt du, ich habe einfach Angst, dass wir es nicht hinbekommen. Dass alles vergebens war. Dass wir nicht den Ruhm ernten, den wir verdienen, sondern stattdessen einfach immer so weiter machen, weiter unsere Kleider kaufen und gesunde Dinge essen und dann einfach verschwinden und als die größten Witzfiguren in die Geschichte eingehen werden. Davor habe ich eine verdammte, begründete Angst!
In Liebe, den Tränen nahe, deine Bonnie!

PS: Ich habe jedes einzelne Gespräch mit Dir genossen. Auch wenn uns kein einziges weitergebracht hat.

Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!
Uraufführung
Eine Koproduktion mit Theater Drachengasse

Inszenierung: Franz-Xaver Mayr, Korbinian Schmidt
Dramaturgie: Moritz von Schurer
Video: Nela Pichl
Maske: Inge Schra
Regieassistenz: Sarah Maringer
Bühnenbildassistenz: Johanna Mitulla
Produktionsfotos: Marcella Ruiz Cruz

Es spielen: Nehle Breer, Karola Niederhuber, Nils Rovira-Muñoz, Amerlingchor

Uraufführung: Montag, 9. Oktober, 20 Uhr
Weitere Vorstellungen: 10.–14.10., 17.–21.10., 20 Uhr

Karten:
Theater Drachengasse, Bar&Co
Fleischmarkt 22, 1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 513 14 44
e-mail: karten@drachengasse.at
web: www.drachengasse.at/karten.asp
Abendkassa: 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn
Vollpreis: 19 Euro / Studierende: 10 Euro / weitere Ermäßigungen

brut/Volkskundemuesum: Chesterfield

Während der Generalsanierung des Künstlerhauses zieht brut Wien für eine Saison um und umher und initiiert Projekte an unterschiedlichen Orten in Wien: In der ersten Saisonhälfte bespielt brut Theaterräume in Neubau und in der Leopoldstadt, Leerstände in Favoriten, ein Museum in der Josefstadt, einen Club am Donaukanal, eine Bushaltestelle in der Brigittenau und ein Schwimmbad in Hernals.

In den Räumen des Volkskundemuseums zeigt die Wiener Künstlerin Alix Eynaudi Anfang Dezember gemeinsam mit vier weiteren Performer*innen ihre neueste Arbeit: Chesterfield, ein choreografisches Projekt in Form einer performativen Ausstellung, deren Absicht es ist, poetische Beziehungen zwischen Tanzen, Lesen, dem Objekt Buch und dem Material Leder herzustellen.

Die Tänzer*innen lassen sich für Chesterfield von Pflanzenbüchern aus der viktorianischen Zeit und der Sammlung des Volkskundemuseums inspirieren, darunter u. a. von brandbemalten Lederobjekten, gestanzten Masken oder feinen Schnitzereien auf Tierhäuten. Aus diesen unterschiedlichen Inspirationsquellen collagieren sie das Stück Chesterfield, in dem ihre Körper wie tanzende Wörter und Zeichen erscheinen.

Die Choreografin und Tänzerin Alix Eynaudi lebt und arbeitet in Wien. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Balletttänzerin an der Opéra national de Paris und studierte zeitgenössischen Tanz bei PARTS Brüssel. Sieben Jahre tanzte sie in Anne Teresa De Keersmaekers Compagnie ROSAS. Seit 2005 tourt sie erfolgreich international mit ihren eigenen Stücken. www.alixeynaudi.com

Chesterfield
Ein Projekt von Alix Eynaudi In Zusammenarbeit mit Mark Lorimer, Quim Pujol, Cécile Tonizzo, An Breugelmans, Bruno Pocheron Dank an Alessio Scandale, Jean-Luc Plouvier, Olivier Renouf, Elton Petri, Jacopo Lanteri, Clémentine Caudron, Beatrix Potter, Emily Dickinson, Margaret Gatty, Margaret Hamilton Produktion Sarah Blumenfeld für boîte de production – Verein für zeitgenössischen Tanz und zeitgenössische Installationen Administration Smart – Das Büro für Künstler*innen und Kreative
Eine Koproduktion von Alix Eynaudi und brut Wien, danceWEB through Life Long Burning und BUDA Kunstencentrum. In Kooperation mit Tanzquartier Wien, La Place de la Danse – CDCN Toulouse/Occitanie (working studio), Volkskundemuseum Wien. Mit freundlicher Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien, des Bundeskanzleramts Kunst und Kultur und des Kulturprogramms der Europäischen Union.

Narziss, du Opfer!

Das Theater Drachengasse lädt junge Theatermacher ein, Konzepte für Kurzprojekte zum Thema »Narziss, du Opfer!« einzureichen.

Was du erstrebst, ist nirgends;
was du liebst, wirst du verlieren, sobald du dich abwendest.
Was du siehst ist nur Schatten, nur Spiegelbild.

Egoismus ist gut, Narzissten und Psychopathen sind erfolgreich, du bist deines Glückes Schmied – lautet das Mantra des Marktes. Wir konkurrieren, wir werten. Damit wir besser sein können, müssen andere schlechter sein. Wir sind Gewinner*innen oder Verlierer*innen, die Guten oder die Schlechten. So sollen wir funktionieren. So eindeutig soll es sein. Aber was, wenn wir nur in der Unsicherheit der Begegnung, im Prozess der Beziehung erfahren können, wer wir sind? Was, wenn eine Gruppe mehr weiß, als der Einzelne? Was, wenn eine solidarische Praxis möglich ist?

Die Gewinner des Wettbewerbs werden über Juryentscheid bzw. Publikumsabstimmung ermittelt. Der Jurypreis beträgt 5000 Euro und wird vom Kuratorium für Theater, Tanz und Performance für die weitere Ausarbeitung des Projektes bereitgestellt. Die Drachengasse stellt Bar&Co samt Infrastruktur für die Aufführung in der darauffolgenden Saison zur Verfügung: Proberaum für 3 Wochen, eine Spielserie von 16 Tagen. Bühne: 3,5 x 5 m, technische Grundausstattung vorhanden; PR, Werbung, Marketing; dramaturgische Betreuung
Der Publikumspreis beträgt 1000 €.

Projektbeschreibung:
Einreichfrist: 2. November 2017
Spielzeit: 28. Mai bis 16. Juni 2018, Di bis Sa, Beginn: 20 Uhr
Dauer: 20 Minuten. Keine Monologe.
Abgesehen vom allgemeinen Thema »Narziss, du Opfer!« keine inhaltlichen Vorgaben.
Teilnehmer: Theaterkünstler in Ausbildung oder am Beginn ihrer Berufslaufbahn. Fokus auf Text, Schauspiel und Regie (minimale bühnentechnische Anforderungen)

Unterlagen: Name und Kontakt der Gruppe, Projektbeschreibung (maximal 1 Seite), Info über Mitwirkende (Name, Alter, Kurzbiografien inkl. Ausbildung)
Projektvorschläge sind zu richten an: newcomer@drachengasse.at
oder per Post an: Theater Drachengasse, 1010 Wien, Fleischmarkt 22, Kennwort: Newcomer

Bronski & Grünberg 2017/2018

Kaja Dymnicki, Julia Edtmeier, Salka Weber und Alexander Pschill starten mit ihrem Theater Bronski & Grünberg in die zweite Saison. Die folgenden Premieren stehen am Programm:
»Richard III.« (Regie: Helena Scheuba)
»Rigoletto« (Regie: Alexander Pschill, Julia Edtmeier, Kaja Dymnicki)
»Kevin allein zu Haus« (Regie: Dominic Oley)
»Titanic« (Regie: Dominic Oley)
»Wiener Blut« (Regie: Ruth Brauer-Kvam)
»Kleist – Familie Schroffenstein« (Regie: Fabian Alder)
»Pretty Woman« (Regie: Calle Fuhr)
»Onkel Wanja« (Regie: Lorraine de Sagazanne)

Saisonstart: 22. September 2017 – Premiere »Richard III.«

Die nächsten Premieren:
8. Oktober 2017: »Der Spieler« (Wiederaufnahme)
24. November 2017: »Rigoletto«

brut, Schauspielhaus 2017/2018: »Dirty Dancing Faust« und die »Seestadt-Saga«

Die Programmpräsentation von Schauspielhaus und brut für die Saison 2017/2018 folgt im Herbst. Erste Ankündigungen gibt es schon:

brut: »A Dirty Dancing Faust«
Ende Oktober startet das Projekt »A Dirty Dancing Faust« von Nesterval (in Kooperation mit brut). Das Kollektiv, in Wien für seine immersiven Theater- und Stadtabenteuer gefeiert, wird das Publikum in einem leerstehenden Gebäude (Simmering-Donaustadt-Floridsdorf) für zwei Monate in eine Fusion aus Goethes »Faust« und »Dirty Dancing« involvieren und sich gemeinsam auf Ermittlungen rund um den Tod eines jungen Hotelangestellten begeben.

Schauspielhaus Wien: Seestadt-Saga
Eine Gruppe von jungen, in Wien lebenden Autoren diverser Herkunft konzipiert nach Vorgabe einer Storyline eine Film- und Theaterserie, die Seestadt-Saga, die in Echtzeit über Social-Media-Kanäle gepostet wird und das interaktive Rezipieren ermöglicht. Die virtuelle Auseinandersetzung wird begleitet von Performances, Partys, Versammlungen und Wohnungsbesuchen vor Ort.

Werk X-Eldorado: »Freaks«

(c) Matthias FueggerJoey Goebel (1980 geboren) startete seine künstlerische Laufbahn mit 16 Jahren als Frontman der Band The Mullets. Bis 2001 brachten er und seine Gruppe vier Alben auf den Markt. Danach versuchte er sich an Drehbüchern. Einen dieser Versuche, »The Anomalies«, arbeitete er in Romanform um. Er jobbte gerade auf einer Pferderennbahn, als ihn das Verlagshaus MacAdam/Cage 2003 verständigte, man wolle den Roman des 23-Jährigen veröffentlichen. – 2007 brachte Diogenes das Werk auf Deutsch unter dem Titel »Freaks« heraus. Am 27. März 2017 findet die Österreichische Erstaufführung der Bühnenversion der Popgroteske im Werk X-Eldorado in Wien statt.

Goebel erzählt in »Freaks« die Geschichte einer fünfköpfigen Band, in der ein Zyniker, eine greise Gitarristin, eine achtjährige wohlstandsverwahrloste Bassistin mit Gewaltfantasien, eine Stripperin für die Moral und ein emigrierter Iraker aufeinandertreffen. Auf der Bühne umgesetzt wird »Freaks« von der »offshore group« unter der Regie von Markus Kubesch.

Goebel, um das noch kurz auszuführen, hat sich im deutschen Sprachraum nicht mit »Freaks« etabliert. 2004 erwarb Diogenes auf der Frankfurter Buchmesse die deutschsprachigen Rechte für Goebels zweiten Roman: »Torture the Artist«, brachte ihn unter dem Titel »Vincent« heraus und landete mit mehr als 100.000 verkauften Büchern einen Hit. Erst danach kam »Freaks« auf den Markt, und Goebel avancierte mit seinen Lesungen in Punkrock-Clubs zum Kultautor. Musikalisch ging es bei Goebel auch nach dem Ende der Mullets weiter. Zuerst mit der Band Novembrists und danach solo als Dr. Lawyer.

FREAKS
Inszenierung: Markus Kubesch
Eine Produktion von offshore group in Kooperation mit WERK X
Dramaturgie, Produktion: Iris Raffetseder
Bühne: Christina Pointner
Kostüme: Valerie Liegl
Assistenz: Viktoria Klimpfinger
Mit: Cecilia Steiner, Caner Sunar, Malte Sundermann

Premiere: Mo 27.3.2017, 20.00 Uhr
Weitere Vorstellungen (jeweils 20.00 Uhr): 28.3., 29.3., 3.4., 4.4. und 5.4.2017
Ort: WERK X-Eldorado
Petersplatz 1, 1010 Wien
Tickets: 01 535 32 00 11, reservierung@werk-x.at, werk-x.a

Premiere und Destruktion am Beispiel Bronski & Grünberg: »Anti_Gone« oder Warum zerstören wir nicht die VBW

Im neuen Wiener Theater Bronski & Grünberg feiert heute die Produktion »Anti_Gone«, Text/Dramaturgie und Musikalische Leitung: Aristoteles Chaitidis, Premiere. Der interessante Plot des Stücks, das die antiken Klassiker »Iphigenie« und »Antigone« in die Jetztzeit transferiert, liest sich wie folgt:

Im Wartezimmer von Prof. Freud sitzt die gelangweilte Iphigenie. Mit dem Handy in der Hand und manchmal in Zeitschriften blätternd, wartet sie auf ihre Mutter Klytämnestra. Als sich wenige Minuten später die unbändige Antigone, wegen zwangsverordneter Therapie, ebenfalls in den Wartebereich gesellt, wird sie von der jugendlich-naiven Iphigenie in therapeutischen Rollenspielen mit ihrem Schicksal konfrontiert. Antigone, beunruhigt, versucht immer wieder Sicherheit im Konsum einer Zigarette zu finden, doch Rauchen ist nicht gestattet. Und wieder sieht sie sich zerrissen zwischen dem Wunsch nach Freiheit und der gesellschaftlich kollektiven Vereinbarung. Dieser Konflikt lässt sich ohne Gewalt nicht lösen.

Regie: Steve Schmidt
Text/Dramaturgie/Musikalische Leitung: Aristoteles Chaitidis
Choreographie: Rino Indiono

Mit: Aleksandra Corovic (Antigone), Julia Edtmeier (Iphigenie), Jan Walter (Wächter), Alfred Pschill (Klytämnestra)
Musik: Antonio Chorbadzhiyski 
Kostüm: Katharina Kappert 

Nähere Infos –> hier

Destruktion
Neues am Theatersektor entsteht in Wien oft durch die Vernichtung alter Strukturen. Ein wunderbares Beispiel ist ebenjenes Theater, Bronski & Grünberg, in dem heute »Anti_Gone« zum ersten Mal über die Bühne geht. Dieses Theater konnte in den Räumlichkeiten, die es bespielt, entstehen, weil ein Wiener »Beamte« sich vor einigen Jahren entschlossen hatte, dem ehemaligen International Theater, das an die 27 Jahre ebenda gespielt hatte, die Zuschüsse zu kürzen, und zwar um 50.000 Euro pro Jahr. Das International Theater verlor damit seine Existenz.
Nicht immer gelangen Meldungen über finanzielle Maßnahmen vonseiten der Stadt an die Öffentlichkeit. Oft hört man, dass Theaterfreaks reihenweise ihre Theater einfach so aufgeben wollen, natürlich nie unter Druck, versteht sich. Unter die Zuständigkeit desselben »Beamten« fiel ja auch die Schließung des stadtTheaters in der Walfischgasse. Da wollte die Leiterin einfach nicht mehr. Jaja, das kann schon passieren. Man investiert lange Jahre sein Herzblut in ein Theaterprojekt, und dann will man halt einfach nicht mehr. Aus dem Theater Walfischgasse wurde eine Nebenstelle der Wiener Staatsoper, und aus dem International Theatre wurde vorerst mal nichts. Zumindest aus den Räumlichkeiten. Denn als »Nachfolger« der dem International Theatre gewährten finanziellen Mittel etablierte sich rund um den gebürtigen Steirer Eric Lomas der Theaterverein »Open House Theatre«, der diverse Räumlichkeiten bis heute bespielt, aber nicht jene des »Vorgängers«. Lomas’ Pläne waren groß, aber nach ein paar Jahren verabschiedete er sich von dem Theaterverein, der freilich weiterhin existiert, laufen doch die Förderungen noch.
Destruktion ist ein wesentliches Arbeitsmittel im Kulturleben der Stadt. Stichwort Ateliertheater. Stichwort Interkulttheater. Stichwort Kammeroper. Aktuell ist das Stadtkino bedroht. 150.000 Euro weniger an Subventionen bekommt es 2017 vom zuständigen »Beamten«, der sich laut Presseberichten nicht einmal zu einem Treffen mit den Leitern des Stadtkinos bereiterklärt.

Zerstören wir die VBW?
Was haben doch die VBW für ein Glück, dass sie ihre Subventionen auf andere Wege erhalten. Noch. Denn das Prinzip Destruktion würde auch in diesem Fall Wunder wirken. Wie? Das einzige Asset, über das die VBW verfügen, ist das Orchester. Selbst da wurde an Strukturen in den letzten Jahren so viel unwiederbringlich zerstört, dass man auch das infrage stellen könnte. Aber gehen wir davon aus, dass das Orchester jenes Asset ist, das bleiben muss. Wir haben zwei Theater und ein Orchester (für den Musicalbereich). Was wir nun brauchen, ist ein Plan. Und eine Vorgehensweise. Der Plan lautet, aus den VBW ein Unternehmen zu machen, das Musical als Kunstform auffasst. Dessen Leiter das Schaffen von Musicals, den kreativen Prozess, nicht als »Denksportaufgabe« bezeichnet. Er mag dies beim Bingospielen oder sonstwo in privatem Rahmen machen, aber nicht in einem Interview mit einer Tageszeitung. Um das zu erreichen, ist es notwendig, die VBW zu zerstören – und natürlich wieder aufzubauen.
Denken wir zurück an die 1980er-Jahre. Peter Wecks großes Verdienst war es, das Long-Run-Musical in Wien zu etablieren. Und die Idee, Musicals in Auftrag zu geben, die ebenso lange liefen wie internationale Erfolgsshows. Seinem Nachfolger ist das weniger gut geglückt, und spätestens in der Ära Zechner hätte man merken müssen: Wenn wir es nicht schaffen, für die VBW eine Leitung zu engagieren, die ähnlich innovativ wie damals Peter Weck denkt, dann müssen wir neue Wege gehen. Sehen wir uns das Theater an der Wien an. Da protzt der Leiter damit, dass er genau ausrechnen kann, wie viele Zuschauer pro Produktion möglich sind, und genau so viele Vorstellungen werden dann angesetzt. Zwei, drei, vielleicht vier. 20 Schließtage pro Monat (oder etwas weniger)? Kein Problem. Warum? Es handelt sich um Opern und um höchste Qualität (und demgemäß um eine andere Organisationsstruktur). Und das ist das Grundübel in der Wiener Musicallandschaft. Musical wird nicht der Stellenwert beigemessen, den es haben könnte. Aufgabe der VBW muss es sein, die Kunstform Musical zu bedienen, nicht »Elisabeth« nach Shanghai und Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch zu exportieren, auch wenn die Gemeinde in Wales sicher recht hübsch ist. Dazu ist es nötig, neu zu denken. Es gab diesen Plan, es gab einen Mann, der das Unternehmen VBW neu denken wollte, aber er kam bei der letzten Intendantenwahl nicht zum Zug. Die Spaltung der VBW in Musical und Oper muss aufgebrochen werden, das Theater an der Wien, das Raimund Theater und das Ronacher müssen Oper und Musical zur Verfügung stehen. Es gilt neue Strukturen zu schaffen. Wenn Long-Run nicht mehr funktioniert, dann wird dieses Prinzip aufgegeben. Es kann nicht das Modell der Kulturstadt Wien sein, Musical als Quatschtheater zu finanzieren. Das mag vielleicht noch eine Zeit lang gutgehen, aber dann wird man die finanziellen Mittel anders verteilen, und aus dem Ronacher wird vielleicht wirklich ein Schwimmbad, wie das in einer Musicalparodie der VBW schon einmal herbeifantasiert wurde.

Vergangenheitsbewältigung: Daniel Kehlmann, Matthias Hartmann und Anna Badora

Am Sonntag, dem 29. Januar 2017, war Daniel Kehlmann Gast bei den Josefstadtgesprächen, einer monatlich stattfindenden Diskussionsveranstaltung von Eva-Maria Klinger in den Sträußelsälen des Theaters in der Josefstadt. Dabei kamen Kehlmann und Klinger auf Kehlmanns erste Arbeit fürs Theater, »Die Geister in Princeton«, zu sprechen.

Klinger: Ich glaube, dieses Stück hätte bei den Salzburger Festspielen 2010 uraufgeführt werden sollen. Nun haben Sie sich aber 2009, damals waren Sie bereits als Eröffnungsredner der Salzburger Festspiele geladen, ziemlich vehement gegen das Regietheater geäußert. Angeblich haben dann alle Regisseure abgesagt. Keiner wollte ein Stück von Ihnen inszenieren …
Kehlmann: Das war genau so.
Klinger: Das wär natürlich schön gewesen … das erste Stück als Uraufführung bei den Salzburger Festspielen, und insofern, für Sie gesehen, vielleicht ein Pech.
Kehlmann: Es war insofern kein Pech, als es dann Anna Badora [in Graz] so gut gemacht hat, dass ich einfach überglücklich war.
Klinger: Und die hat sich getraut?
Kehlmann: Sie hatte eigentlich überhaupt keine Angst. Weder vor mir noch vor der möglichen Feindseligkeit der Presse. Sie mochte einfach das Stück und wollte es machen. Und sie hat es wirklich großartig gemacht. Insofern kann ich es nicht bedauern, dass das Stück nicht in Salzburg uraufgeführt wurde. […] Damals habe ich mich natürlich auch geärgert. Es war fest abgesprochen, dass Matthias Hartmann es inszeniert. Er hatte nach der Rede auch nochmal Thomas Oberender bestätigt, dass er das machen wird, dass ihn die Rede nicht abhält … Nur hatte er längst schon ein anderes Stück [»Phädra« von Jean Racine, Anm.], das er bei den Festspielen machen wollte, und hat dann genau zu dem Zeitpunkt, als Oberender nicht mehr anders planen konnte, gesagt: »Ich mach nicht ›Geister von Princeton, ich möcht’ was anderes machen.‹ Und hat damit Oberender eigentlich erpresst. Als dann Matthias Hartmann in die Bredouille kam, von der wir alle gehört haben, fand ich es interessant, das ihn kein einziger Schriftsteller verteidigt hat. Gleichzeitig nach meinen eigenen Erfahrungen mit ihm wusste ich, wieso.

Fußnoten zur Spielplankonferenz des Burgtheaters 2016/17

burg2017a.jpg

Fußnote 1

Uns allen geht es so, manchmal begegnen wir Menschen, bei denen wir uns denken: Na, die sind auch nicht allein zu Haus. So ähnlich startete Karin Bergmann bei der heutigen Pressekonferenz des Burgtheaters für die Spielzeit 2016/2017 ihre Begründung, warum sie in der kommenden Saison unter anderem wieder auf Boulevard im großen Haus setzt.
Boulevard ist ein Reizthema für Kritiker der Burg. Hat nichts da verloren, hieß es über Hermann Bahrs »Das Konzert«, als es am Akademietheater am 7. Februar 2015 Premiere feierte. Dann wurde es zum Kassenmagneten, man übersiedelte an das große Haus, die Produktion wurde aufgezeichnet und im TV ausgestrahlt. Dass eine Produktion im TV ausgestrahlt wird, ist kein Qualitätsmerkmal. Sie wird dadurch nicht besser, aber solche Produktionen senken vielleicht für einige die Hemmschwelle, mal, wenigstens ein Mal, ins Theater zu gehen. Okay, solche Stücke könnte man eher der Komödie am Kai überlassen, und für manche ist es ja wirklich wurscht, in welches Theater sie gehen, es ist immer alles prinzipiell fulminant, weil sie gar keinen Vergleichshorizont haben, vor dem sich ihre jeweiligen Theaterbesuche abspielen, oder weil sie sich weigern, Inszenierungen zu vergleichen, ein ehrliches Urteil abzugeben. Das sind dann oft jene Leute, die Kritiken als »Berichte« bezeichnen. Das Phänomen des fehlenden Vergleichshorizonts kennt man auch bei Darstellern, die mitunter ganz schockiert sind, wenn man, manchmal durch einen blöden Zufall, zu erkennen gibt, dass man eine ihrer Rollengestaltungen im Gesamtkosmos all der Interpretationen, die man kennt, nicht top-notch fand. Da kommen dann ganz merkwürdige Repliken wie, es »stecke viel Herzblut in dieser Show«, man habe manchmal nur zwei Shows im Monat, und so seien die Möglichkeiten der Entwicklung »sehr gering«, andererseits sei das doch eine Rolle, die »mit der Zeit wächst«. Ja. Eh. Sorry auch, wird nicht wieder vorkommen.
Zurück zu Frau Bergmann. Sie begründete ihre Absicht, weiterhin auch sagen wir ein Boulevardstück in der Saison zu spielen, so: Die Schauspieler wünschen es sich, das Publikum liebt es, und sie wolle »Publikum nicht belehren, aber anregen, mit allem, was uns unser Metier zu Verfügung stellt«. Und ja, natürlich wolle sie auch Publikum ködern. Also wird es ab 22. Oktober 2016 am Burgtheater »Pension Schöller« (Regie: Andreas Kriegenburg) geben. Ein Werk, das »zu dieser Zeit zu Recht seinen Platz findet. Wir alle erleben ständig, wenn wir auf der Straße unterwegs sind, im Geschäft oder in öffentlichen Verkehrsmitteln, dass man sich bei der Begegnung mit dem Gegenüber fragt: Der ist aber nicht allein zu Haus? Es geht darum, wer ist verrückt? Sind wir verrückt? Ist der andere verrückt? Was ist normal? Und was ist angeblich nicht normal? Das wird in ›Pension Schöller‹ verhandelt. Das wird Andreas Kriegenburg intelligent und mit dem, was er besonders gut kann, mit Slapstick und mit Körpertheater mit ner tollen Truppe hier auf die Bühne bringen.«
Eine fantasievolle Begründung. Es geht natürlich auch darum, eine Cashcow zu installieren, und das ist durchaus okay. Das Burgtheater bietet auch in der kommenden Saison eine Vielzahl an ambitionierten Projekten. Mit ungefähr demselben Argument, nämlich »Publikum ins Theater zu holen«, begründete auch mal eine Dramaturgin der Vereinigten Bühnen Wien die Entscheidung des Unternehmens, »Mamma Mia!« zu spielen. Wäre das eine von vielen Produktionen gewesen, kein Mensch hätte sich darüber aufgeregt, aber es sollte der programmierte Hit des Unternehmens sein und wurde, aus meiner Sicht, eine qualitativ besonders minderwertige Produktion, was die musikalische Umsetzung und den Sound betraf, was bei einem Musical ein eher gröberes Problem ist. Keine Rede auch davon, dass damit kleine ambitionierte Produktionen querfinanziert werden sollten. Na, kein Wunder, wenn man dann ein paar Saisonen später ein Musical wie »Schikaneder« einplant und dafür beim Kreativteam international shoppen geht. Regie, Orchestrierung, Choreographie, Lichtdesign, Sounddesign … kein Österreicher dabei. Alle zu schlecht? Glaubt man bei den VBW wirklich, dass man mit solchen teuer erkauften Namen mehr Publikum anlockt?

——

burg2017b.jpg

Fußnote 2

Was ging für ein Raunen durch die Medien, als Martin Wuttke bei einer Preisverleihung im TV live wissen ließ, er sei mit der Burg fertig, er würde nicht mehr hier spielen.
Bergmann heute: »Martin Wuttke war nie weg. Martin Wuttke ist hier fest im Ensemble. Martin Wuttke wird in neuen Produktionen spielen. Und so wie ich immer Peter Zadek zitiere, obwohl es viele für sich beanspruchen: ›Was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern.‹ Das ist bei Künstlern so. Ich zoff mich mit vielen von denen. Das bleibt auch nicht aus in meiner Position. Und vor allem, weil ich jemand bin, die den Leuten ins Gesicht ganz klare Dinge sagt, die ich eigentlich erwarte in einer Partnerschaft. Das hat aber meist auch etwas Bereinigendes,«

——

Fußnote 3

In der Saisonübersicht findet man die Ankündigung: »Geächtet. Ayad Akhtar. Österreichische Erstaufführung.« Dabei handelt es sich um das Stück »Disgraced«, das seine Österreichische Erstaufführung (in englischer Sprache) allerdings schon 2015 hatte, am 9. Februar im Theater Drachengasse in einer Produktion des Vienna Theatre Project.

——

Fußnote 4

Eine Übersicht über alle kommenden Premieren gibt es –> hier

vor »