Martin Bruny am Donnerstag, den
11. März 2010 um 21:47 · gespeichert in Skurriles
Power-Promotion der VBW in den Ösi-Illu-Wäldern. Nicht, dass das nicht zum Geschäft gehören würde, und all die schöne bunte und laute Werbung ist auch wunderbar. Aber der Stil wird schön langsam unerträglich.
NEWS schlagzeilt Herrn Prof. Jürgens zum “Genie” und die Autoren des Artikels, Sichrovsky, Zodl, Strausz, sumpern mit Sätzen wie
21 Lieder des ingeniösen Musikers Udo Jürgens, von Gabriel Barylli zur Handlung geordnet und schon in Hamburg ein Publikumskracher, sollen den Wiener Musical-Konzern aus der Bredouille führen. Nach sang- und klangarmer Absetzung des Rohrkrepieres “Rudolf” im Februar lässt sich der Vorverkuf für das Udo-Jürgens-Musical glänzend an
in die totale Unglaubwürdigkeit. Aber es kommt noch besser, denn Barylli, so NEWS, habe ein “brillantes Libretto” geschrieben. Warten wir doch mal die Kritiken ab, und was Herr Sichrovsky nach der Premiere schreiben wird.
Noch schöner Manfred Krammer in TV-MEDIA. Da lautet zwar die Headline “Udo Jürgens: Sein Wien-Musical kommt den Steuerzahler teuer”, Frau Intendantin Zechner darf aber mitteilen:
Die VBW bespielen in einem Markt von 8 Mio. Einwohnern zwei historische Theater mit etwas über 1000 Sitzplätzen. Stage Entertainment betreibt in Deutschland zehn Theater bei 80 Mio. Einwohnern und 28 Theater weltweit. Im Vergleich ist der kreative Output der VBW höher.
Mitnichten. Korrekt müsste es heißen: Er war höher, denn tatsächlich nähert er sich dem Nullpunkt. Der kreative Output bei den derzeitigen Produktionen “Tanz der Vampire” und “Ich war noch niemals in New York” beschränkt sich bei der Jürgens-Show auf die fabulöse Einwienerisierung, die man ohnedies kaum merkt und die Herr Barylli wohl zwischen Morgenkaffee und Vormittagsjause bewerkstelligt haben dürfte, wenn man es überhaupt gewagt hat, ihn damit zu belästigen.
Martin Bruny am Dienstag, den
9. März 2010 um 23:18 · gespeichert in Skurriles
… wird sich wohl Gernot Kranner gedacht haben, als er an die in der KLEINEN ZEITUNG beschriebene Verwirklichung einer Verwurstungsidee des Steinmanschen Musicalerfolgs “Tanz der Vampire” ging. Gemeinsam mit dem Fleischer seines Vertrauens designte der Vampirjäger von Krolocks Gnaden Vampir-Würste. Und wer weiß, ob man die dann nicht auch noch 2017 essen wird können, wenn im Ronacher … was auch immer läuft.
Mit Knoblauch und Chili gegen Vampire
Der gebürtige Fohnsdorfer und “Tanz der Vampire”-Darsteller Gernot Kranner hat in seiner spärlichen Freizeit gemeinsam mit Fleischermeister Helmut Sattler kürzlich zwei neue würzige Produkte erfunden. “Wir haben wurstige Sargnägel und die original Vampirjäger-Wurst erfunden. Mit viel Knoblauch und Chili”, schmunzelt Kranner. Fleischer Sattler freut sich. “Dieses Produkt ist einzigartig und schmeckt toll.” Wann die Wurst auf den Markt kommt, ist noch nicht fix. [KLEINE ZEITUNG]
Martin Bruny am Freitag, den
5. März 2010 um 20:52 · gespeichert in Skurriles
Liebes K2-Team,
bei aller Liebe zu eurem Engagement in Sachen Kultur - Baden ist nicht erst im 21. Jahrhundert von der Musicalmuse wachgeküsst worden. Selbst wenn ihr euch weiter beharrlich weigert, anzuerkennen, dass die liebe gute alte Musicaltante “West Side Story” eben nicht das erste im Stadttheater Baden (heißt jetzt übrigens “Bühne Baden”, aber Schwamm drüber) gespielte Musical ist, es wird nicht richtiger, wenn ihr das nun alle paar Monate wiederholt.
Frau Rathmanner, sicher eine sehr rührige Frau eures Redaktionsstabs, übersieht beharrlich unter anderem folgende Musicalproduktionen, die in der Vergangenheit im Stadttheater Baden über die Bühne gegangen sind: “Evita”, “Jesus Christ Superstar”, “Hair”, “Les Misérables”, “The Scarlet Pimpernel”, “The George Gershwin Story”, “Irma la Douce”, “Pinocchio”, “High Society”, “Cabaret”, “Hello, Dolly!”, “Funny Girl”, “Der Mann von La Mancha” …
Martin Bruny am Mittwoch, den
24. Februar 2010 um 16:55 · gespeichert in Skurriles
Zusammenfassend, aus Beobachtungen und Schilderungen, könnte man als Argumente, warum die Sex-Aktion in der Secession mit Kunst nichts zu tun hat, und sei es auch nur durch die sie begleitenden, aber geduldeten Umstände, anführen: Kunst ist nicht per se diskriminierend. Bei keiner Form der Kunst muss man darauf achten, dass ja sechs Mal mehr Frauen als Männer “eingelassen” werden, um das Happening zu einem solchen werden zu lassen. Wenn sich Frauen in diesem Sinne instrumentalisieren lassen wollen, ist das eine Sache, das im Rahmen eines Kunstprojekts zu fördern, ist wieder eine andere. Diskriminierend soll das Projekt auch auf eine andere Art und Weise sein: Ältere Menschen scheinen ausgeschlossen zu sein, zumindest berichtet das Ulrich Weinzierl in der WELT (nachzulesen –> hier).
Auf eine ganz schiefe Ebene begeben sich übrigens die Befürworter der Aktion, wenn sie den Gegnern eine gewisse “Rechtslastigkeit” unterstellen. Das sind Totschlagargumente, die mit Kultur nichts mehr zu tun haben. Fassen wir also zusammen: In der Secession wurde ein Puff “installiert”, das untertags besichtigt werden kann, mit viel Glück findet man vielleicht gebrauchte Kondome, wenn sie nicht in den, Zitat, “silbernen Mülleimern” gelandet sind, nächtens treiben es Männer bis zu einem gewissen Alterslimit im geforderten erotischen Outfit mit willigen Frauen im Namen der Kunst. Wunderbar. Nichts für ungut, aber die 90.000 Euro Förderung wären in Haiti besser angelegt, um auch mal untergriffig zu werden.
Martin Bruny am Mittwoch, den
24. Februar 2010 um 00:31 · gespeichert in Skurriles
Also wirklich, der oarme Bua. Da begleitet man Marika Lichter zur Premiere des Filmmusicals “NINE”, ist Musicaldarsteller und blond und muss sich von einer Zeitungs-Klatschtante nicht nur als Hengst, pardon “Pferd im Stall von Marika Lichter” bezeichnen lassen, sondern auch noch als Kröger-Nachfolgemodell. Um ausgerechnet Stefan Reil als “nächsten Uwe Kröger” zu apostrophieren, da muss man schon ein bisserl wenig vom Musical Ahnung haben, und vor allem von Stefan Reil. Immerhin ist er nicht gerade einer Ausbildungsstätte für hoffnungsvolle Jungtalente entsprungen, sondern kann auf eine ganze Reihe von Produktionen zurücksehen, unter anderem “Hallo Steward! Boeing Boeing, andersrum”, eine herrliche Klamotte, die im Palais Nowak vor wenigen Wochen zu sehen war. Aber “demnächst”, so der KURIER, tritt er ja an der Wiener Volksoper in “Hello Dolly” auf, also eigentlich heißt das ja “Hello, Dolly!” und mit “demnächst” prägt der KURIER halt eine eigene Zeitvorstellung, denn demnächst gibts keine Dolly an der Volksoper, das dauert schon noch ein Wengerl. Schlimm, was heute an Boulevardberichterstattung in Zeitungen wie dem KURIER geboten wird. Einfach mal durchklicken. “Heute.at” und “Österreich” wirken dagegen wie Edelmagazine: “Hier kommt der nächste Uwe Kröger” — na –> hier
Martin Bruny am Montag, den
22. Februar 2010 um 16:02 · gespeichert in Skurriles
Nicht unlustig ist die Debatte, die es in der österreichischen Medienlandschaft derzeit zur Aktion “Secession goes Puff” gibt. Da aber ja nun ein Schweizer Künstler auf die Idee kam, die Secession zum zügellosen Sex anzumieten, kommen nun auch die Schweizer Medien ins Spiel. So schreibt “suedostschweiz.ch”:
Swingerclub-Installation von Schweizer Künstler entrüstet Wiener
Hohe Wellen schlägt seit dem Wochenende die neue Ausstellung von Christoph Büchel in Wien: Der 44-jährige Schweizer Künstler bespielt das Untergeschoss der Secession mit einem echten Swingerclub.
Wien. – Tagsüber werden jene Besucher, die sich für das Beethovenfries interessieren, durch die leeren Räumlichkeiten geschickt (Jugendliche ausgenommen), in der Nacht läuft im «Element6» Normalbetrieb, wie Secessions-Pressesprecherin Urte Schmitt-Ulms der APA bei einem Lokalaugenschein erklärte.
Der Künstler ist bekannt dafür, dass er in seinen Rauminstallationen und Projekten reale Gesellschaftszustände inszeniert und soziale Situationen in den Kunstraum transportiert. So installierte er etwa vor einigen Jahren in Kassel ein Solarium, einen Billig-Supermarkt und ein Wettbüro im Fridericianum.
Die Einnahmen aus den Eintrittspreisen kommen dem «Verein der kontaktfreudigen Nachtschwärmer» zu, der für die Dauer der Ausstellung von der Kaiserstrasse in die Secession gezogen ist.
Die ausgelöste öffentliche Diskussion ist intendiert: So spielt Büchel auf jenen Aufruhr an, den Gustav Klimt einst mit seinem Beethovenfries ausgelöst hat. Dieses sei heute kein Skandal mehr, so die Pressesprecherin der Secession, die Installierung eines Swingerclubs in den Räumlichkeiten der Secession hingegen sei der damaligen Situation ähnlich. (sda)
Skandal? Ach bitte, die ganze Aktion ist so auf Skandal angelegt, dass es natürlich keinen gibt. Es ist eher eine Peinlichkeit für die Stadt Wien, dass sie offensichtlich nicht in der Lage ist, dort steuernd einzugreifen, wo man schon überlegen sollte, ob es nicht Sinn machte. Aber wie schon berühmte Vorbilder hat Ursula Stenzel ihre Händchen in Unschuld gewaschen, da sind wir uns ganz sicher, bevor sie das Ansuchen um Genehmigung (einer Förderung) unterschrieben hat.
Ein bisschen dreist ist es freilich schon, den Namen Gustav Klimts quasi als Rechtfertigung ins Spiel zu zerren. Das Beethovenfries mit Gruppensex in Beziehung zu setzen ist allerdings schon wieder so lustig, dass man vielleicht drüber lachen sollte. Und wie wärs mit einem Fleshmob äh Flashmob in der Secession, um einfach mal über all diese “Realitäten” zu lachen, in bunten Narrenkostümen mit ganz langen Nasen, von wegen Phallus und so, man muss den Leuten dann ja was bieten.
Martin Bruny am Samstag, den
20. Februar 2010 um 21:10 · gespeichert in Skurriles
Den internationalen “Girl’s Day” gibt es nun ja schon seit geraumer Zeit. Am 22. April 2010 wird endlich auch auf diesem Terrain ein Sieg der Gleichberechtigung zu vermelden sein, dann nämlich findet im Wiener WUK erstmals ein Burschentag statt.
Dieses Angebot richtet sich an Burschen und junge Männer von 14 bis 24 Jahren mit mehr oder weniger Unterstützungsbedarf. Es wird die Möglichkeit geben im pflegerischen, sozialen und pädagogischen Bereich Erfahrungen zu sammeln und eigene Fähigkeiten zu entdecken. Genaue Informationen und Anmeldemöglichkeit gibt es ab Anfang März 2010. Das detaillierte Programm ist ab 4. März 2010 auf www.wuk.at zu finden.
Martin Bruny am Donnerstag, den
18. Februar 2010 um 16:18 · gespeichert in Musical, Skurriles
Für orf.on mag es eine Tatsache sein, dass “das kalte Wetter (…) subjektiv (…) immer mehr Österreichern schon viel zu lange” dauert. Wir hier oben im Elfenbeinturm der musicalischen Abstrusitäten sehen indes so etwas wie die Reflexion eines stimmungsmäßigen Sommerlochs in dieser Meldung des ORF “durchfäulen”. Kann DAS wirklich eine Headline eines Nachrichtenportals sein? “Die Sehnsucht nach dem Frühling”? Liebe Leute vom ORF, ich sehne mich schon jetzt nach dem nächsten Winter, und ich finde es verstörend, dass Leute sich so etwas Grausliches wie den Sommer auch nur im Ansatz herbeiwünschen. Stinkender Hundekot, flirrende Hitze. All das tauschen für die absolute Reinheit des Winters? Da muss man schon Masochist sein, oder?
Martin Bruny am Montag, den
15. Februar 2010 um 00:02 · gespeichert in Musical, Skurriles
Lustige Musicals gehen nicht, das ist der Tenor einer Aussage eines nicht näher bezeichneten Musical-Experten, die das deutsche Online-Magazin “DerWesten.de” in einem Artikel unter dem Titel “Großes Bedauern nach dem Musical-Aus für Essen” zitiert:
„Das war doch abzusehen. Schon vor sechs Monaten kursierten Gerüchte, hieß es: Nach Buddy ist Schluss. “ Der Musical-Experte, der dies sagt, kennt die Szene, möchte seinen Namen aber nicht gedruckt sehen; doch los werden will er Einiges.
Falsche Entscheidungen wirft er dem Unterhaltungskonzern vor. Gefragt seien dramatische Stücke, Musicals wie „Elisabeth“ und „Das Phantom der Oper“: „Und hier lief eine Unterhaltungs-Pop-Geschichte nach der anderen. In einem solchen Unternehmen muss doch irgendjemand merken, dass Musicals ohne große Handlung nicht funktionieren.“ Auch höre heute niemand mehr Neue Deutsche Welle, die Zeiten seien vorbei: „Wer kommt denn auf die Idee, aus dieser Musik ein Musical wie `Ich will Spaß´ zu machen? Warum nicht Schlager? Das hätte vielleicht funktioniert.“ In der Tat: „Ich will Spaß!“ wurde nach Essen nirgendwo in Deutschland mehr gespielt.
Ist Schlagerschmafu die Alternative, quasi die Kulmination von Musikantenstadl und Carmen Nebel, eine Musikinstallation aus Schlagern mit Versatzstücken aus dem Musicalgenre? Was braucht man außer “Musik”, irgendeiner Musik, noch bei einem Musical? Ein bisserl Tanz, egal was. Ein bisschen halt die typischen Moves von Kim Duddy, das wirkt immer. Eine Handlung eventuell, nicht zu viel, könnte verwirren. Ins Musical gehen doch eh nur Volldillos. Bedienen wir das Klischee, machen wir eine Show für Vollkoffer, sind doch selbst schuld, die deppaten Wiener. “Rudolf” wollen sie nicht, zu fad, “The Producers” fällt durch, zu lustig, “Spring Awakening” kennt niemand, war das überhaupt in Wien? Stopfen wir ein bisschen Sahne zu Balladen, aus denen Pseudobetroffenheit wie warmes Schmalz läuft, umrühren, fertig. Und bitte nicht mehr als sagen wir 90 bis 100 Minuten, das kann ja nur ein Hit werden. Nehmen wir noch ein paar Kinder in die Show und schon haben wir wirklich einen Hit. Mag sein, dass das funktioniert. Hat Frau Intendantin Zechner “Ich war noch niemals in New York” eigentlich schon jemals öffentlich als “Musical” bezeichnet? Nur so eine Frage.
In Essen sitzt der Schock tief. Im Wiener Ronacher noch nicht, da verlangt man an einem Samstag für ein Ticket in der letzten Reihe, am 2. Rang in Reihe 6, also in der allerletzten Reihe des Theaters, ja, wirklich, ganz hinten, wo man alles nur mehr erahnen kann, 63 Euro, kein Scherz! Man spielt “Tanz der Vampire”, ein Selbstläufer. Aber was kommt danach? 63 Euro für die letzte Reihe. Vor ein paar Jahren konnte man über die Aussage “deutsche Verhältnisse in Wien” noch lachen, das ist nun vorbei. Niemandem kann man mehr empfehlen, diese Preise zu bezahlen. Alternativen gibt es genug. Es muss nicht Musical sein. Nicht um jeden Preis, nicht um diesen Preis.
Martin Bruny am Montag, den
8. Februar 2010 um 23:17 · gespeichert in Musical, Wien, Skurriles
Wenn es nicht so ärgerlich wäre, könnte man einfach drüber lachen. Alle paar Jahre machen Tournee-Versionen von “Musicals” in Wien Station, die man als Musicalfreund (weniger als Musicalkenner) gut kennt. Shows wie “Die Schöne und das Biest” zum Beispiel. Ein gutes Beispiel übrigens. “Die Schöne und das Biest” taucht in regelmäßigen Abständen in Wien auf. In der Anfangszeit, als man noch glaubte, das Publikum hemmungslos betrügen zu können, wurden Begriffe wie “Neuinszenierung” und “Disney” auf Plakaten zur Show erwähnt - die Produktionen waren gut besucht, aber der Wirbel in den Pausen eben dieser Shows war vorprogrammiert, wenn nämlich auch der letzte Zuschauer mitbekommen hatte, dass es sich nicht um die gute alte Disney-Version handelte, sondern um irgendeine von einem Fleischhauer, Strumpfhosenhersteller oder sonstwem komponierte Version des Stoffes. Und ja, ich muss gestehen, ich bin selbst einmal in die Falle getappt, sah mich vom Veranstalter betrogen, forderte Schadenersatz und bekam das Eintrittsgeld zurückerstattet. Die Zeiten sind nun freilich vorbei, als man noch ungestraft “Disney” auf die Plakate schrieb, und “Die Schöne” und ihr Biest treffen immer seltener in Wien aufeinander.
Dafür hatten wir vor ein paar Tagen eine Produktion in der Wiener Stadthalle, die haargenau nach demselben Marketingmuster verkauft wurde. “Das Phantom der Oper” wäre wieder in Wien, so warb man für die Show, von einer “Neuinszenierung” wurde gesprochen, und wie bei der Schönen und ihrem Biest kam es in den Pausen der Show zu regelrechten Tumulten. Das Publikum fühlte sich nicht nur ein bisschen betrogen, sondern regelrecht um ihr teuer erabeitetes Geld geprellt (Ticketpreise bis 62 Euro).
Es hat sich ganz offensichtlich noch nicht herumgesprochen, dass Andrew Lloyd Webber seine Version des “Phantoms” nicht in miesen Hallen in Europa spielen lässt. In miesen Hallen, wie beispielsweise in der Halle F der Wiener Stadthalle. Das muss man einfach mal nicht nur andeuten, sondern klar aussprechen. Also nochmal: Die Halle F der Wiener Stadthalle ist für Musical ungeeignet. Man kann natürlich, mit viel Aufwand, auch diese Halle bespielen und einen halbwegs akzeptablen Sound erzielen, nur macht das kaum ein Veranstalter, denn er müsste all das dafür notwendige Soundequipment extra anmieten. Die Wiener Stadthalle ist nur Vermieter und stellt eine nackte Bühne mit minimalster Soundausstattung zur Verfügung, prahlt allerdings damit, dass jeder einzelne Sitz soundtechnisch vermessen wurde. Fragt sich nur womit.
Aber zurück zum eigentlichen Thema. In der Wiener Stadthalle gastierte vom 4. bis 6. Februar 2010 “Das Phantom der Oper” in einer “neuen Inszenierung” von Deborah Sasson. Unzählige Besucher tappten in die perfekt ausgelegte Falle. Allein der Begriff “Neuinszenierung” scheint zu reichen, um zu der Überzeugung zu kommen, es handle sich um eine Neuinszenierung des Webberschen “Phantoms”. Genau genommen ist die “Phantom”-Version, die sich in der Stadthalle eingemietet hatte, keine “Neuinszenierung”, sondern schlicht ein anderes Musical, komponiert von Peter Moss. Über die Qualität dieser Version kann man streiten, Tatsache ist, dass sich Abend für Abend ein nicht unerheblicher Teil des Publikums betrogen fühlte. Die Kronen Zeitung ist nun nicht gerade eine Quelle, die man gerne zitiert, aber in diesem Fall, warum nicht?
Die Beschwerdeflut über die Gastproduktion “Phantom der Oper” in der Stadthalle reißt nicht ab: Von laienhaften Darstellern und Tonausfällen reichen die Vorwürfe von Besuchern über eingeschränkter Sicht, irreführende Bewerbung bishin zu “Liederklau” und “Abzocke”. Sie fordern nun eine Entschuldigung und teilweise Ticket-Ersatz. Die Stadthalle weist allerdings jede Schuld von sich: “Wir waren nicht Veranstalter, sondern haben nur den Raum vermietet”, so Unternehmenssprecherin Elisabeth Strobl.
Beschwerden müssten an die LS-Konzertagentur, die in der Vergangenheit gute Aufführungen geliefert habe, gerichtet werden. LSK-Chefin Sabine Trinkl: “Wir haben die Show niemals mit Andrew Lloyd Webber beworben.” Auch von technischen Problemen sei nichts bekannt. “Dennoch werden wir jede Beschwerde eingehend prüfen.”
Die aufgeführte Version war eine Neuinszenierung, die mit dem bekannten Webber-Musical wenig gemein hat. Das dürfte vielen Besuchern, die bis zu 62 Euro pro Karte hingeblättert hatten, nicht bewusst gewesen sein.
Die Stadthalle hat derzeit offenbar überhaupt kein gutes Händchen mit Fremd-Veranstaltern. “Ben Hur Live” von Art Concerts ist nun nämlich endgültig abgesagt worden. Auskünfte zur Ticket-Rückgabe gibt’s unter der Telefonnummer 98100-200. [Kronen Zeitung]
Das Unheil besucht übrigens bald wieder Wien. Ende Februar gastiert das “Phantom” im Wiener Konzerthaus. Und nein, auch diesmal ist es nicht die Version von Andrew Lloyd Webber, sondern jene von Arndt Gerber (Musik) und Paul Wilhelm (Text). Schön, dass die Veranstalter den Mut haben, von einer Originalproduktion zu sprechen und nicht mit einem missverständlichen Begriff wie “Neuinszenierung” das Publikum in die Falle locken wollen.
Martin Bruny am Donnerstag, den
4. Februar 2010 um 02:23 · gespeichert in Musical, Sprache, Skurriles
Ich bin mir immer noch nicht unsicher, dass “Musical Tenors” ein richtig schlechter Name ist für eine Formation von Musicaldarstellern, die Musicalsongs als quasi Quartett interpretieren wollen. Zu sehr ist der Begriff von den “klassischen” Formationen diverser Tenöre besetzt, und warum will man sich stilistisch da unbedingt anhängen? Warum ist schon der Name so unoriginell angelegt? Jan Ammann, Christian Alexander Müller, Mark Seibert und Patrick Stanke - als “Musical Tenors” wollen sie 2010 durchstarten. Wer von ihnen wird den Pavarotti machen? Klischee, o. k. Aber in den Köpfen verwurzelt. Im Herbst wollen die vier Tenöre in Essen, Oberhausen und Stuttgart gastieren, 2011 sind weitere Auftritte geplant. Was erwartet das Publikum? Zuallererst würden mir die schwülstigsten Songs aller Megamusicals einfallen, die x-ten Versionen aus dem Phantom, aus Les Mis, all die konzertanten Belanglosigkeiten, die Tourneen wie “Best of Musical” so “wunderbar” unters Volk bringen. Da folgt dann, wie beispielsweise im aktuellen “Best of Musical”, auf “Er lebt in dir” aus dem “König der Löwen” der Song “Alles im Griff”. Das hat zumindest Sprachwitz auf einer unbeabsichtigten Ebene, aber sonst ist vor allem der Gähnfaktor ein großer. Das “Holiday on Ice”-Publikum ist wohl dankbar dafür, die Fans der Darsteller ebenso, aber all das sind musicalische Unbedeutsamkeiten, in die von den Zuschauern Geld investiert wird, das die Stadttheater derzeit so dringend benötigen würden. Während sie ums Überleben kämpfen, strömen die Musicalfans ins “Best of Musical”.
“Best of Musical”, allein der Titel ist einigermaßen lächerlich, wenn man sich die Setlist der aktuellen Tournee ansieht: “Dirty Dancing”, “We Will Rock You”, “Ich war noch niemals in New York”, jaja, Musicals kommen dann auch noch: “Hair” beispielsweise oder “Buddy”, und dann Kaumerträglichkeiten wie “Der Schuh des Manitu” oder “Tarzan”, und schließlich sogar ein paar Songs aus großartigen Musicals wie “Brooklyn” oder “Hairspray”. Der eine oder andere Sänger dieser Tour kann Popularitätsgewinne verzeichnen. Patrick Stanke zum Beispiel. Unter dem merkwürdigen Titel “Zwölf Städte – eine Show: Patrick Stanke rockt das Land”, der eher auf eine Solotour des Sängers schließen ließe, wird die “Best of Musical”-Tour mit Metaphern aus den Koch-Shows von Sat 1 etc. abgefeiert, von einem “leicht bekömmlichen Menü” ist die Rede, von Musical-Häppchen. Genau das hat das Musical-Genre in Zeiten von “Ich war noch niemals in New York” gebraucht.
Lustig auch ein Artikel der Wiener Tageszeitung “Die Presse”, in dem unter dem Titel “Gratis-Eintritt bringt Wiener Museen Besucher-Plus” eine gewisse Verwunderung zum Ausdruck gebracht wird, dass sich der Gratis-Eintritt in die Museen der Stadt Wien für Jugendliche und Kinder deutlich gezeigt hat. Was hat der Redakteur erwartet? Dass bei einem Gratisangebot weniger Besucher kommen werden? Würden die VBW ihre Theater auch allen Jugendlichen und Kindern zum Nulltarif öffnen, kaum vorstellbar wären da die Rekorde, die da purzeln würden. “Rudolf” hätte eine Auslastung wie die erfolgreichsten Broadway-Shows gehabt: + 103 Prozent, mindestens.
Gratis gibt es in Wien demnächst Bücher. Jeder darf sich bedienen. Jeder darf Bücher nehmen und auch Bücher in den Schrank legen. In der Tat wäre es ganz nett, wenn man sich nicht nur bediente, sondern aktiv beteiligen würde am Geben und Nehmen. “Offener Bücherschrank” nennt sich ein Konzept, das Frank Gassner verwirklicht hat. Angewidert von dem nahezu ausschließlichen Überlassen des öffentlichen Raumes an kommerzielle Nutzungen, hat er sich um die Behördenwege, Entwurf und Bau des Schrankes, Gestaltung der Flyer usw. gekümmert, sowie die gesamte Finanzierung der Material- und Behördenkosten in der Höhe von etwa € 1700 übernommen. Für den Schrank wurden also keinerlei öffentliche Gelder verwendet. Die unmittelbare Umsetzung erfolgte mit Hilfe des Vereins WERKIMPULS, einer selbstverwalteten Werkstatt. Diese geht ebenfalls auf Initiative von Frank Gassner zurück. Der Schrank, der ab 5. Februar 2010, 14.00 Uhr, zugänglich sein wird, ist von zwei Seiten zu öffnen und bietet auf 3 Ebenen Platz für ca. 250 Bücher. Der Kasten steht etwas schief. Das ist Absicht. Dadurch wird ein besserer Witterungsschutz erreicht. Die Bücher fallen nicht um. Die Türen schließen leichter und sicher. Der Korpus besteht aus 24 mm zementgebundenen Holzfaserplatten. Die Türen sind aus kalt brünierten und lackierten Stahlprofilen mit einem bruchsicheren Kunststoffglas als Füllung. Wer diese Aktion, die vorläufig bis 11. Juni 2011 befristet ist, unterstützen will, kann sich –> hier Infos holen.
Martin Bruny am Sonntag, den
24. Januar 2010 um 01:05 · gespeichert in Skurriles
Am 22. Januar 2010 als digitaler Download erschienen: “Meine Herzwunschliste” von Uwe Kröger. Nun kann also die diesjährige Weihnachtssaison starten, handelt es sich dabei doch um des Sängers deutsche Fassung von “My Grown-Up Christmas List”. Da das Ganze auf “Anything Goes Records” erschienen ist, macht das Veröffentlichungsdatum gleich wieder viel mehr Sinn. In diesem “Sinn”: Happy Xmas. Zum Download gehts –> hier
In München, beim CSU-Filmgespräch, beklagte sich Regisseur Bully Herbig diesen Samstag gar bitterlich über die Piratarie im Web 2.0. Herbig:
Ich kann mir auf Youtube in Zehn-Minuten-Häppchen meine Filme ansehen, ganz offiziell. Da kann ich alles finden, was ich gemacht habe, das ist mein Archiv heute. Es geht schneller, wenn ich auf Youtube gehe, als wenn ich meiner Assistentin sage, such mir mal den oder den Sketch aus der Sendung raus.
Für die Produktion neuer Filme sei dies ein Problem, da der Verkauf von DVDs von Anfang an bei der Kalkulation mit einbezogen werde. Infolge der Piraterie gingen nicht nur den Filmemachern, sondern auch der Steuer große Summen verloren, klagte Herbig bei der Podiumsdiskussion, die sich mit der Filmförderung befasste. [via Kleine Zeitung, via APA]
Schade für Herbig, dass er über etwas klagt, was nicht zu ändern ist. Die etwas cleverer denkenden Monty Python indes haben YouTube als gewinnbringendes Portal für sich entdeckt. In ihrem eigenen Channel bieten sie in bester Qualität Ausschnitte ihrer Werke an. Ihr Motto:
For 3 years you YouTubers have been ripping us off, taking tens of thousands of our videos and putting them on YouTube. Now the tables are turned. It’s time for us to take matters into our own hands.
We know who you are, we know where you live and we could come after you in ways too horrible to tell. But being the extraordinarily nice chaps we are, we’ve figured a better way to get our own back: We’ve launched our own Monty Python channel on YouTube.
No more of those crap quality videos you’ve been posting. We’re giving you the real thing - HQ videos delivered straight from our vault.
What’s more, we’re taking our most viewed clips and uploading brand new HQ versions. And what’s even more, we’re letting you see absolutely everything for free. So there!
But we want something in return.
None of your driveling, mindless comments. Instead, we want you to click on the links, buy our movies & TV shows and soften our pain and disgust at being ripped off all these years.
Klar gibt es jede Menge Werbung im Channel der Pythons, aber wer würde sich seinen ganz speziellen Lieblingsfilm nicht auch im Original kaufen. Vielleicht sollte sich da auch Herr Herbig dran ein Beispiel nehmen?
Martin Bruny am Donnerstag, den
24. Dezember 2009 um 22:02 · gespeichert in Skurriles
Dem in den letzten Tagen veröffentlichten Einkommensbericht des Rechnungshofs für das Jahr 2008 sind unter anderem die Gehälter der Leiter diverser Kulturinstitutionen zu entnehmen. Was verdient man also beispielsweise als Museums- oder Theaterdirektor im Laufe von zwölf Monaten in Österreich:
Wilfried Seipel: Leitung des Kulturhistorischen Museums Wien (KHM) - 252.100 Euro
Georg Springer: Bundestheater-Holdingchef - 239.000 Euro
Agnes Husslein: Belvedere-Chefin - 231.600 Euro
Gabriele Zuna-Kratky: Direktorin des Technischen Museums 228.600 Euro
Klaus Albrecht Schröder: Albertina-Direktor 217.700 Euro
Johanna Rachinger: Leiterin der Nationalbibliothek - 209.400 Euro
Klaus Bachler: Direktor des Wiener Burgtheaters - 203.000 Euro
Ion Holender: Direktor der Wiener Staatsoper - 199.200 Euro
Edelbert Köb: MUMOK-Chef - 195.900 Euro
Peter Noever: MAK-Direktor - 185.100 Euro
Josef Kirchberger: Theaterservice-Chef - 183.300 Euro
Robert Meyer - Direktor der Wiener Volksoper - 167.200 Euro
Leitungsteam der Bregenzer Festspiele - 156.900 Euro
Wolfgang Waldner: MQ-Chef - 125.700 Euro
Roland Teichmann: Österreichisches Filminstitut - 105.000 Euro
Bernd Lötsch: Direktor des Naturhistorischen Museums - 103.000 Euro
Die Jahresgagen von Theater an der Wien-Chef Roland Geyer, Musical-Intendantin Kathrin Zechner oder Festwochen-Intendant Luc Bondy werden nicht veröffentlicht, weil sie nicht im Einflussbereich des Bundes stehen.