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Archiv - 2025

VBW: Kammeroper wird geschlossen

Die VBW machen wieder einmal Negativschlagzeilen. Oder, sagen wir, sie würden Negativschlagzeilen machen, wenn es eine Öffentlichkeit gäbe, die sich dafür tatsächlich interessierte. So läuft im Moment eine Diskussion vor allem via Kolumnen und Petitionen ab.
Worum gehts? Vor ein paar Tagen hat die Stadt Wien beschlossen, die Subventionen für die VBW zu kürzen, mit der (vermeintlichen) Auflage, dass die Einsparungen nicht den klassischen Bereich treffen sollten. Ein paar Momente später haben die VBW auch schon ihren »Sparplan« verkündet: Sie schließen die Kammeroper. Im Marketingsprech hört sich das so an: Die Kammeroper ist sanierungsbedürftig, daher pausiert man den Spielbetrieb.
Ab da verläuft der Ärger auf mehreren Ebenen. Die Kammeroper gehörte ursprünglich einmal der Familie Gabor und musste mit der Saison 2010/11 ihren Spielbetrieb einstellen, weil sich kein finanzieller Rettungsplan erstellen ließ (man hätte aber sehr wohl einen vonseiten Wiens finden können). Davor liefen an diesem Haus jahrelang unter anderem großartige Musicalproduktionen. All das wurde für immer beendet, als die VBW 2012 die Kammeroper übernahmen. Sie wurde daraufhin eine Spielstätte für das Junge Ensemble (JET) und war nun zumindest in diesem Bereich hoch angesehen. Ausgerechnet dieses Haus also nun (vorübergehend) zu schließen, ist in mehrfacher Hinsicht unangemessen. Vor allem, wenn man hören musste, wie stattdessen die VBW ihre Einnahmen pushen wollen. So hat man vor, die Anzahl der Vorstellungen pro Woche zu erhöhen (auf acht). Jeder vernünftige Mensch würde hier kontern: Kinder, ihr habt den 2. Rang im Raimund Theater derzeit nicht einmal im Verkauf, weil die Leute das »Phantom«einfach satt haben. Ihr verscherbelt einen nicht unerheblichen Teil eurer Tickets last minute über einen eigens gegründeten Verein namens Musicalclub um wohlfeile 25 Euro. Und nur, weil für ein paar Monate »Maria Theresia« noch ganz gut laufen wird, wollt ihr uns diese Maßnahme als finanziellen Lösungsversuch präsentieren?
Ich hätte eine anderen Vorschlag. Man möge die VBW anweisen, die akustische Bruchbude Ronacher zu schließen (vielleicht würde Michael Niavarani sie übernehmen, der macht aus jedem Loch ein Erfolgsprojekt). Weiters wird die Bespielung des Theaters an der Wien wieder ausschließlich mit Musicals erfolgen, allerdings im Stagione-Betrieb und nur mit Stücken mit Wert. Im Raimund Theater hat man ausschließlich Eigenentwicklungen zu zeigen. Um das Ganze auf den Weg zu bringen, müsste natürlich zuerst die VBW-Spitze ausgetauscht werden.

Raver, Balletttänzer & Frank Wildhorn

Über Szenen, die zur Mitte des Films und am Ende des apokalyptischen Raver-Films »Sirdat« stattfinden, im aktuellen »profil« (Ausgabe vom 9. August 2025):
»[Sie] müssen hier ungenannt bleiben, um seine Wirkung nicht einzuschränken, nur so viel sei angedeutet: Der gewaltigen emotionalen Fallhöhe, mit der Laxe hantiert, ist kaum gerecht zu werden. Natürlich fürchte auch er, sagt der Regisseur, dass sein Publikum in diesen drastischen Momenten aussteigen könnte. ›Aber darum dreht sich Kunst doch: sich auf dünnem Eis zu bewegen, am Abgrund zu stehen, der Absturzgefahr ins Auge zu blicken.‹ Er kalkuliere die Härte seiner Erzählung nicht, habe aber seine Absichten sehr genau erforscht – ‹und ich weiß, dass ich kein Sadist bin. Ich will dem Publikum bestmöglich dienen. Ich bin 43 Jahre alt, ich bin kein Nihilist, ich bin gläubig und sicher, dass meine Intentionen gut und richtig sind.‹ Das habe ihm das Vertrauen gegeben, diese Szenen zu drehen.«
Zu nicht konkret Benennbarem zählt auch die eine oder andere Szene in österreichischen Musicalproduktionen. In England gibt es Blogger, die seit Jahren (verstärkt seit 2012) Momente in VBW-Shows feststellen, »when the camp creeps in«. »Alien«-Fans würden wohl Ripley zitieren: »Das ist nicht unser Sonnensystem.« Nicht, weil Camp ein wesensfremder Zug bestimmter Musicals wäre, sondern weil in diesen Momenten »etwas nicht stimmt«. Wie in »Alien«. Die Mannschaft ist aufgewacht, aber nicht planmäßig. Man hat sich »verrannt«. Im System Gergen (Struppeck & Anhang) sind das zum Beispiel schwüle Szenen mit lose bekleideten Darstellern, die nicht ins Konzept des Musicals passen. Bei Konzerten können das Momente sein, wo auf einmal Balletttänzer zu Wildhorn-Songs auf einer Minibühne tanzen. Keine Sorge, es sind immer Stargeiger und Ballettstars, die die Stimmung crashen, pardon, einem Event den besonderen Touch verleihen. Frank Wildhorn wird kein Problem damit haben. Kürzlich hat er in einem Interview gesagt: »Ich hab Football gespielt, dann war ich Rettungsschwimmer, und dann hab ich mir selbst das Klavierspielen beigebracht. Ich hab 100 Millionen Platten verkauft, 40 Musicals von mir werden weltweit gespielt. Ich wache jeden Morgen auf und weiß: Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Ich muss nett sein, alles andere kostet zu viel Energie.«

Benjamin Dreyer: Yass[ification], Queen

Benjamin Dreyer schreibt:

These last few days, in the face of the grisly coverage of the grisly Las Vegas »reimagining« of the 1939 film »The Wizard of Oz,« I’ve been exercising my fascination with the newishfangled word »yassification,« a neologism I’m extremely fond of because it lives up to my chief criterion for neologisms, which is that they should fill a void no extant word currently occupies. In this case, our brave new word takes in the act of cranking the dials up on a person’s or object’s beauty, specifically as that person or object is represented online, and with the use of various softwares and filters that so oversucceed in their task that the result is uncanny-valley-ly grotesque. Also in »yassification«’s favor, it sounds (at least to me) precisely like what it means, which is endearingly user-friendly of it. Plus I was tickled to learn that the »yass« part of »yassification« derives indeed, as I’d hoped and prayed it would when I first went to look the word up, from the »yass« of »yass, queen.«

In the event, I find »yassification« so alluring, so on point, so simply-too-much-fun, that I’m willing to risk a certain mutton-dressed-as-lamb-ness in using it.

Coinages, I’d say, occupy a spectrum from essential (»regift« and »selfie,« for instance, and more recently the superb »doomscrolling«) to close-to-pointless-and-destined-to-be-discarded-and-forgotten-almost-as-soon-as-they’re-spawned, like, for instance, »goblin mode,« which I suspect most God-fearing people had never encountered before it was inexplicably named a word of the year, to the egregious »rizz,« which ditto, a word that’s useful, I suppose, if you’re so bereft of life expectancy that you don’t have enough time to say »charisma.«

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2026 in der Komödie am Kai: »Harold und Maude« mit Daniela Ziegler

Ab 7. Februar 2026 ist wieder einmal Colin Higgins’ schwarze Komödie »Harold und Maude« in Wien zu sehen. Jonas Zeiler und Daniela Ziegler spielen unter der Regie von Boris von Poser bis 14. März 2026.
Zuletzt war das Stück 2017 mit Meo Wulf und Erni Mangold am Spielplan der Wiener Kammerspiele. Es war Erni Mangolds Bühnenabschied. Und auch Meo Wulf war danach nicht mehr lange auf Wiener Bühnen zu sehen. Das Stück an sich hat ihn aber nicht losgelassen. Anfang 2025 brachte er als Autor:in, Regisseur:in, Drag Artist, Choreograf:in und Hauptdarsteller:in eine queere Version an der Berliner Volksbühne zur Aufführung (mit Christine Groß). Und was er auf seinem Onlyfans-Account so treibt, wissen nur seine Abonnent:innen.

Links
Komödie am Kai: »Harold und Maude«
Berliner Volksbühne: »Conni & Clyde«

ESC 2026: Erste News. Loïc Nottet, Marty Brem

News zum ESC 2026. Wer für Österreich antreten wird, soll in einer Auswahlshow entschieden werden. In Belgien gibt es Gerüchte, dass man bereits einen Kandidaten hat: Loïc Nottet. Er war zuletzt beim Song Contest 2015 dabei. In Wien.
Als Österreich zuletzt den ESC ausrichtete (2015), gab es eine Premiere: Zum ersten Mal holte ein Gastgeberland null Punkte ab. Auch damals wurde Österreichs Beitrag durch eine Vorentscheidung bestimmt. The Makemakes setzten sich dabei durch. Die Band macht derzeit eine Pause auf unbestimmte Zeit.
Erfolgreich waren die per Vorentscheidung ausgewählten Vertreter für Österreich selten. 2016 schaffte Zoë Platz 13 (151 Punkte), und das war bis zurück ins Jahr 2003 auch schon die beste Platzierung für eine so getroffene Wahl. 2003 war Österreich aber natürlich ganz besonders gfeanzt und hat Alf Poier zum ESC geschickt (101 Punkte, Platz 6).
Die erste Vorausscheidung gabs 1981. Der ORF wählte den Interpreten, das Publikum den Song. Marty Brem erreichte beim ESC dann 20 Punkte (Platz 17). Seit April 2012 ist Brem Head of Music Portfolio bei Red Bull Media House in Salzburg und Los Angeles. In seinem LinkedIn-Profil findet seine ESC-Teilnahme keine Erwähnung.

Bühne Baden: »Songs For A New World«

In Baden ist die Premiere von Jason Robert Browns »Songs For A New World« noch immer nicht ausverkauft.
Meine Lieblingsversion von »Flying home« ist jene von Shaun Flemming, Melissa Womack, Ashley Strumwasser und A.J. Holmes. Eine Schülerproduktion (Agoura High School) von 2006. Shaun Fleming (später als Diane Coffee bekannt), damals 19, hat die Show nach einem Skateboard-Unfall im Rollstuhl gespielt.

Link:
»Flying home«: Shaun Flemming, Melissa Womack, Ashley Strumwasser, A.J. Holmes:
(»Songs for a New World«, Jason Robert Brown)

Theater Spielraum, Wien: »Die Geschichte meines Lebens« (Wiederaufnahme)

DIE GESCHICHTE MEINES LEBENS - Wiederaufnahme
Kammermusical von Neil Bartram & Brian Hill
29.–30.9.; 2., 4.10.2025, Theater Spielraum, Wien
mit Christof Messner, Aris Sas
Regie: Robert G. Neumayr
Musikalische Leitung & Klavier: Bernhard Jaretz
Ausstattung: Anna Pollack

Link
Theater Spielraum

»Maria Theresia« / Facts 2

Dass sich Maria Theresia gegen das Patriarchat durchgesetzt hätte, ist ein nettes Gschichtl, aber mehr nicht.
Historikerinnen wie Barbara Stollberg-Rilinger betonen, dass Frauen wie Maria Theresia nach ihrer Thronbesteigung im Geiste der Zeit als »Männer in Frauenkörpern« angesehen wurden. Ihr Erfolg bestätige das patriarchale System eher, da es besondere Rechtfertigungen und Umdeutungen bedurfte, um eine Frau an der Spitze zu akzeptieren.
Maria Theresias Position blieb eine Ausnahme, die patriarchale Gesellschaft und ihre Rollenmuster wurden dadurch kaum verändert.

Link
Frauen in der PolitikWarum Maria Theresia zum Mann erklärt werden musste

Theater in der Innenstadt 2026: »Evil Dead«

Im Februar 2026 bringt das Linzer Theater in der Innenstadt die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals »EVIL DEAD«.
Auf der Comic Con in Wels gibts schon diesen April erste Nummern:
Samstag, 26.4. | 11.30–12.15 Uhr
Sonntag, 27.4. | 11.00–11.45 Uhr

Quellen:
Instagram
Comic Con Wels
Theater in der Innenstadt

»Mara Theresia« / Facts

Schön langsam muss man sich auf die VBW-Produktion »Maria Theresia, das Musical« einstimmen. Und so könnte man zum Beispiel auf die »Constitutio Criminalis Theresiana« verweisen, ein von der österreichischen Herrscherin 1768 erlassenes Strafgesetzbuch. Manche loben ja Maria Theresia für die Abschaffung der Folter, allein, das stimmt halt nicht. Eingeführt hat sie 1768 als Folterinstrument beispielsweise den »Brustreißer«. Der kalte oder glühende Brustreißer soll dazu gedient haben, zur Strafverschärfung Frauen auf dem Weg zur Hinrichtung die Brüste auszureißen.
PS: Das Strafgesetz wurde von Staatsrat und Staatskanzlei wegen seiner Rückständigkeit abgelehnt, trat aber dennoch in Kraft.

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