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Absurde Starwahlen: TV-Media sucht “heimische Talente mit dem größten Potential”

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Wir haben Sommer, klar, das Sommerloch ist mittlerweile ein Riesenmoloch, nichts zum Abschieben mehr hier, außer einem Elefanten in Schönbrunn, die Unterrichtsministerin im Ausland, die Wiener Grünen eigentlich nur mehr ein Fall für Elizabeth T. Spira, die Wiener Wahlen auch noch entfernt. Es tut sich nichts auf den Wiener Theaterbühnen, die Marketingabteilungen urlauben, die Darsteller schicken ganz liebe Facebookgrüße aus Kazikistan, Swasiland oder Lesotho, Ankündigungen neuer Produktionen, ach das kommt dann im September, wer will da jetzt schon was drüber wissen (ein großer Irrtum).

Wien ist im Sommer scheintot, wenn, ja wenn da nicht ein TV-Magazin zum Potentialhalali blasen würde. TV-Media sucht das heimische (was immer das ist) männliche (das lässt sich definieren) Talent (naja) mit dem größten Potential (oho, wer darf da wählen, Kartenleger, Theaterdirektoren, Schauspiellehrer, Seher).

Zur Auswahl hat man als potentieller Wähler der heimischen Jungstars mit dem “größten Potential” folgende Herren: Oliver Rosskopf, Michael Pascher, Matthias Mamedof, David Heissig, Michael Steinocher, Julian Loidl, “Julian Lohmann” und Laurence Rupp.

Gegen keinen der Darsteller ist etwas zu sagen, sicher lässt sich für jeden ein Grund finden, warum er im TV-Media-Startopf gelandet ist, aber die Auserwählten haben auch nichts gemein. Sie stammen innerhalb des Schauspielgenres aus völlig unterschiedlichen Galaxien, die von Billigsdorfer-Deppenserien wie Soko Kitzbühel und Soko Filzpantoffel bis hin zu qualitätsvollen Schauspielproduktionen reichen. Klar, keiner hats immer leiwand, und jeder muss Geld verdienen, auch mal mitten im Achten, aber dennoch: Wie wurde die Auswahl getroffen und bis wann ist man ein “Talent”?

Ein anderer Punkt: das Wahlprozedere. Wie haben zur Zeit ein interessantes Zwischenergebnis, das da lautet:

01) Oliver Rosskopf - 61,5 Prozent
02) Michael Pascher - 33,8 Prozent
03) Matthias Mamedof - 1,4 Prozent
04) David Heissig - 0,9 Pozent
05) Michael Steinocher - 0,7 Prozent
06) Julian Loidl - 0,7 Prozent
07) “Julian Lohmann” - 0,5 Prozent
08) Laurence Rupp - 0,4 Prozent

Wow! 61,5 Prozent für Oliver Rosskopf. Das wäre ja fast so, als würde man Klaus Maria Brandauer gegen, keine Ahnung, den Wurzelsepp antreten lassen, einen ähnlich triumphalen Vorsprung würde man da erwarten. Sieht man sich die Wahlmodalitäten etwas näher an, stellt man fest, dass jeder Wähler beliebig viele Stimmen abgeben kann. Natürlich will niemand behaupten, dass Oliver Rosskopf ne super große Familie und einen besonders geilen Fanclub haben muss. Er ist halt einfach “bekannt”, anders lässt sich dieser Vorsprung nicht erklären, wie auch.

Natürlich könnte man auch ein kleines Experiment starten und jeden Leser des Kultur-Channels auffordern, doch 30 Mal jeden Tag für “Julian Lohmann” zu stimmen. Der Witz dabei wäre, dass man für jemanden stimmen würde, den es gar nicht gibt. Denn “Julian Lohmann” schreibt sich eigentlich Julian Looman, und ganz ehrlich, wenn man schon ein Talent mit dem größten Potential sucht, könnte man auch den Namen richtig schreiben.

Link
- TV-Media: “Neue Männer braucht das Land”
- Oliver Rosskopf - er zählt auf euch
- Michael Pascher @Wikipedia

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