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Bud Coleman, Judith A. Sebesta (Herausgeber): Women in American Musical Theatre

Es stimmt schon, wenn Zeitungen über Frauen im Musiktheater schreiben, dann sind es meist Darstellerinnen, über die berichtet wird. Wenn dann auch über weibliche Mitglieder der Kreativteams publiziert wird, sind es immer dieselben Namen: Agnes de Mille, Dorothy Fields, Mary Rodgers und Betty Comden, vielleicht noch Lynn Ahrens und in jüngster Zeit Julie Taymor und Susan Stroman. Und nein, das betrifft nicht nur Zeitschriften und Magazine, auch Fachliteratur geht nicht anders vor. Al Kasha und Joel Hirschhorn publizierten 1985 ein viel beachtetes Buch mit dem Titel „Notes on Broadway: Conversations with the Great Songwriters“. Von den 25 Interviews waren nur fünf mit weiblichen Interviewpartnern. 2003 veröffentlichten David Walsh und Len Platt ihre Studie „Musical Theater and American Culture“ und schafften es, gar nur eine einzige Frau zu erwähnen: Agnes de Mille. Man könnte noch Dutzende Beispiele dieser Art anführen. Fakt ist: Ein Buch, das sich speziell und ausschließlich mit der Frau im Musiktheater beschäftigt, könnte eine spannende Sache sein, und um es gleich vorwegzunehmen: Bud Coleman und Judith A. Sebesta haben ein aus elf Kapitel bestehendes, sehr spannendes und informatives Sammelwerk zu diesem Thema zusammengestellt, angefangen von den Komponistinnen im Zeitraum von 1866 bis 1943, dem Zeitalter der „Operetta“ und „Musical Comedy“, bis hin in die Gegenwart mit ihren Performance Artists wie Meredith Monk, Laurie Anderson und Diamanda Galás. Dazwischen wird das nachgeholt, was in den vielen Lexika nicht zu finden ist: Biographien und Werkanalysen bedeutender Choreographinnen, Autorinnen und Komponistinnen, aber auch Dirigentinnen, Musikalischen Direktorinnen, Designerinnen, Regisseurinnen u. v. a.
Keine Angst, das ist kein „Emanzen-Buch“. Es sind ja oft genug die Männer, die plötzlich zu den wahren Superemanzen mutieren und dann eher belächelte klischeebehaftete Statements abgeben wie Martin Gottfried in seinem Buch: „More Broadway: Since 1980“. Er schreibt über „The Secret Garden“: „On a male-dominated Broadway, „The Secret Garden“ was written by women (book and lyrics by Marsha Norman, music by Lucy Simon) and it was directed by a woman, Susan B. Schulman. The resulting musical was not only artistically different but different in sensibility from traditionally “tough” shows.” Das haben die Frauen gerade nicht gebraucht, andererseits ist das eines der wenigen Statements, die in Lexika überhaupt auf Leistungen weiblicher Wesen eingehen. Daher ist dieser Versuch, eine Geschichte der Frau im Musiktheater zu schreiben, auch gar nicht hoch genug einzustufen, in Teilbereichen fast eine Pionierleistung. Die Quellenlage war äußerst mühsam, und es lohnt sich, das Resultat der Forschungsarbeit zu lesen.

Bud Coleman, Judith A. Sebesta (Herausgeber): Women in American Musical Theatre. Essays on Composers, Lyricists, Librettists, Arrangers, Choreographers, Designers, Directors, Producers and Performance Artists. McFarland & Company, Jefferson 2008, 282 S.; (Softcover) ISBN 9780786-433827. $ 45,00. www.mcfarlandpub.com

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