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“Der Keks des Dracula”: Marketing oder Abwarten - das ist die Frage

Marketing ist alles, vor allem beispielsweise in einem so umkämpften Markt wie jenem der Tonträger. Stellen Sie sich vor, sie haben eine Hitshow am Laufen, nennen wir sie “Der Keks des Dracula” - irgendeinen Namen muss sie ja haben. Jeden Abend steht sie am Spielplan eines rustikalen Etablissements und sie beschließen, eine Cast-CD machen zu lassen oder sie lassen zu, dass jemand eine macht, ist ja völlig egal. Sie haben jedenfalls ein Interesse daran, an dieser CD, vielleicht sogar Doppel-CD, zu verdienen.

Was machen Sie? Ein Weg wäre es, nichts zu machen, und bumsti ist die CD einfach irgendwann mal da. Ein paar Fanatiker werden schon jeden zweiten Tag anrufen und fragen, wann sie erscheint - und dies dann brühwarm in zwei Trilliarden Foren mit vier Quantilliarden Smileys verziert posten. Nicht, dass Sie davon viel haben, weil a) diese Foren nicht sooo populär sind, wie viele meinen, und b) in den Foren ohnedies meist dieselben Leute aktiv sind. Das liegt vielleicht an den manchmal teilweise paramilitärischen Strukturen, die einige dieser Foren durchziehen, manchmal, bei einigen Darstellerforen, kann man nicht umhin, fast so etwas wie faschistoide Züge festzustellen, wenn die “Forenfeinde” an virtuelle Pranger gestellt werden, wenn Hausmütterchen die Pseudojuristen des Forums mimen und laienhaft zusammengestümmelte juristische Phrasen in ihre Postings knallen, ohne Sinn und Verstand, wenn zensiert und mundtot gemacht wird, was gegen die “Linie” läuft. Da könnte man fast Angst bekommen. Andererseits - meistens lacht man einfach nur und denkt sich seinen Teil.

Sinnvoller wäre es natürlich, wenn Sie in Ihrem Interesse handeln würden, um das vorhandene Basisinteresse an dieser Castaufnahme zu verstärken. Angenommen, Sie haben so etwas wie einen Musicalclub am Laufen. Ja, vielleicht wäre es dann nicht unklug, öfter als ein Mal darauf hinzuweisen, dass eine CD erscheinen wird, Sie könnten vielleicht sogar einige Einzelheiten der Produktion featuren. Wir wissen doch, dass es da allerlei Interessantes geben würde. Sie könnten auf YouTube Interviews mit, keine Ahnung, beispielsweise den Produzenten, den Sängern, egal was, posten. Fast alles wäre von Interesse, es muss nur mal online gestellt werden. Sie könnten vielleicht exklusiv vorab einen Track der CD streamen, das würde Ihnen für Ihre Website Hits bringen.

Eines ist übrigens sicher: Eine oder zwei Wochen vor, vielleicht auch erst drei Stunden nach der Veröffentlichung der CD wird sie im Netz sein. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Da können Sie dann die Verbrecher verfluchen, die sich an “Ihrem” Eigentum vergangen haben, sicher auch mit einiger Berechtigung, aber verhindern werden Sie es nicht können. Da gilt es im Vorhinein dafür zu sorgen, dennoch genug abzusetzen. Sie können jetzt einfach nichts tun und darauf vertrauen, dass Musicalliebhaber sich garantiert die physischen CDs kaufen werden.

Sie können es aber auch beispielsweise wie Olafur Arnalds machen, dessen neue CD “… and they have escaped the weight of darkness” in zwei Wochen erscheinen wird - und die seit gestern bereits illegal im Netz zu finden ist (wie er auf Twitter mit einigem Sarkasmus, nicht mal böse, festgestellt hat). Er hat vorgesorgt und die CD mit Bonustracks nun vorzeitig über iTunes freigeschaltet, und er liefert auch die physische CD mit diversen Bonustracks und einer DVD aus, er produziert zusätzlich eine Vinyl-Edition, kurz: Er MACHT etwas. Etwas MACHEN und nicht einfach abwarten, das wäre schon mal ein Ansatz. In Zeiten von Mailinglisten und Websites ist es nicht so wahnsinnig schwer, Infos und Goodies unter die Leute zu bringen. Man muss natürlich motivierte Mitarbeiter haben. Denn wenn alles schiefläuft, kann man sich mit ein paar Grantscherben auch ein blühendes Geschäft verderben.

Ein Beispiel? Nun, sprechen wir wieder von unserer Hitshow “Der Keks des Dracula”. Der Vorverkauf läuft wunderbar. Etwaige Unregelmäßigkeiten beim telefonischen Vorverkauf, über die auf irgendwelchen obskuren Blogs im Kommentarfeld gepostet wurde, werden von Mitarbeitern des Hauses im internen Musicalforum prompt als bloße “Gerüchte” hingestellt. Aber es gibt dann eben auch Erfahrungen, die man tatächlich erlebt hat. Wenn man beispielsweise zwei Sitzplätze für je 29 Euro im wunderbaren Etablissement für Mai telefonisch bestellen möchte und als Antwort bekommt, dass es solche Plätze dann doch erst frühestens Ende Juni, keinesfalls aber schon im Mai gibt, was soll man da schon machen? Man sieht halt vorsichtshalber selbst im Netz nach - und wird bereits am 3. Mai fündig. Zwei Tickets nebeneinander, je 29 Euro, wären buchbar. Aber was solls, als Geschenk gibt es ja auch diverse andere Theaterprouktionen am Wunschzettel, alles kein Problem.

6 Kommentare »

  Dave wrote @ April 26th, 2010 at 12:24

Ich war kürzlich an der Tageskassa und wollte eine Karte für den Abend haben, man hat mich aber um 10€ in die eigentl geschlossene (!!!) Nachmittagsvorstellung eingeschleust, auf einen tollen Platz. Was den VVK angeht, kann ich persönlich nie beschweren.

  Carmen wrote @ April 25th, 2010 at 15:38

Selbst mir ist es letztens erst passiert, dass ich mir um vier Uhr nachmittags spontan eine TdV-Karte besorgen wollte. Ging also zum TadW-Shop und dann hieß es, nein, es gibt nur noch zwei gaaaaaaaanz schlechte - aber immer noch sauteure - Karten. Okay denk ich mir, dann nicht. Aus Neugier schaue ich daheim selbst in den PC und was sehe ich? 10 gute Karten in PK1 waren mindestens noch buchbar…herzlichen Dank an die nette Dame aus dem TadW-Shop!

  Jack wrote @ April 24th, 2010 at 21:56

meine Rede…

  Jonny wrote @ April 24th, 2010 at 21:32

ein “youtube-channel” für die kundenfreundlichkeit des “raimund-theaters” wär innovativ

  Jonny wrote @ April 24th, 2010 at 21:23

gewisse “VBW-Kassen-Mitarbeiter” sollten eventuell vor allem an der Tageskassa des “Raimund Theaters” eine Neueinschulung in “must-have-qualifications” bekommen (Mir selbst und aus Erzählungen von Bekannten schon des öfteren passiert)

wenn man ticktes kaufen will oder “customer-service” (nun gut zweiterses kauft man nicht, soetwas erwartet man, oder sollte..), so sind nach wie vor die mitarbeiter des “theater an der wien-shop” und die tageskassa des “ronacher” sehr hilfsbereit, bemüht und freundlich.
zumindest erzählen sie keine märchen aus gefrusteter langeweile, weil man eben grad nicht “drauf” ist. eigentlich geschaäftsschädigend. egal, ein arbeitstag bei stage-entertainment und der fall wär erledigt: auf wiedersehn und auf nimma-wiedersehn

  Anonymous wrote @ April 24th, 2010 at 21:21

Sie meinen wie dieser YouTube Channel des Ronacher von den Vampiren, der mittlerweile “schon” auf private steht und nicht mehr abrufbar ist?

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