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HYBRIS oder Wenn man die Realität ausblendet

Gegessen, Michael Kunze ist ein „Storyarchitekt“, der seine Art, Musicals aufzubauen, zum Prinzip erhoben hat und einige Treffer landen konnte, neben Niederlagen wie „Marie Antoinette“ beispielsweise und anderen Teilmisserfolgen.

Derzeit läuft in Deutschland und der Schweiz die Promotionmaschine für „Rebecca“, und dabei kommt Michael Kunze auch sein großes Talent zugute, über das, was er macht, in klaren, einfachen Worten Auskunft geben zu können.

Was Michael Kunze jedoch, und das scheinbar zunehmend, pflegt, ist eine gewisse Kultur der Hybris. Richtig ist, dass der Text eines Liedes – logischerweise – ein wichtiger Bestandteil ist, unrichtig ist, dass man davon ausgehen kann, dass der Texter es immer ist, der durch den Text den Zuhörer „berührt“. Diesen Eindruck könnte man nämlich gewinnen, wenn man sich den folgenden Beitrag über „Rebecca“ ansieht. Den Namen des Komponisten des Musicals „Rebecca“ wird man hier vermissen.

Kulturplatz vom 26.10.2011

Michael Kunze: „Ich habe nicht viele Talente, aber ich hab ein Talent, ich kann in der Tat, Menschen berühren.“

Wunderbar, dann sollte man doch „Rebecca“ und „Elisabeth“ als Sprechstücke aufführen, den Menschen würde vielleicht auffallen, wie teilweise unendlich banale Textstellen alleine durch die Musik von Sylvester Levay Substanz erhalten, dass es, nur allzu oft, die Musik ist, die berührt. Freilich, wenn man es zulässt, dass zunehmend Schlagerfuzzis die Musicalszene entern und Musicalproduktionen in Schlagermusiksendungen beworben werden, dann muss man sich nicht wundern, wenn das Dümmlichste des Dümmlichen völlig reicht.

8 Kommentare »

  Bettina wrote @ November 2nd, 2011 at 12:28

Hm. Herr Bruny, Sie lassen sich doch hoffentlich nicht von dem reißerischen bzw ganz furchtbar begeisterten Sprechtext dieses Videobeitrags blenden? Für den kann Herr Kunze nämlich relativ wenig.
Nach allem, was ich so von Kunze mitbekomme, macht er auf mich nun wirklich nicht den Eindruck, eingebildet zu sein. Erfolg *hat* er ja, da muß er sein Licht umgekehrt nicht unter den Scheffel stellen. Notfalls kann man sich ja auch überlegen, wie viele weitere (”langweiligere”?) Statements Kunze in diesem Interview sonst so gemacht hat, und welche Antworten evtl durch die Fragestellung nahegelegt wurden, und wie Kunzes Statements anschließend im Kontext des Sprechtextes klingen könnten - falls man’s denn unbedingt so verstehen möchte…

Ansonsten schließ ich mich S.Z. an :). Es ist IMO ein Beitrag über *Kunze* (okay: im *Zuge* von Rebecca, natürlich). Und *er* mag Levay ja erwähnt haben, es taucht halt im *Beitrag* nicht auf ;-).
Und daß MA in Bremen ein kompletter Reinfall gewesen wäre, war das nicht die Aussage der bösen Presse, die ignorierte, daß MA von vornherein nur ein paar Monate laufen *sollte* und dabei auch nicht mehr Verlust gemacht hat als jede Opernproduktion? Ist das nicht die Denkweise, *gegen* die wir “Musicalleute” normalerweise sein müßten?

(War Kunze nicht auch der Typ, der “Hier in Wien” geschrieben hat?)
(Sorry, das mußte jetzt sein ;-) )

  Alexander wrote @ Oktober 31st, 2011 at 16:33

Der Artikel spricht mir einfach aus der Seele!;-)

  Andreas wrote @ Oktober 30th, 2011 at 13:46

Tut leid, aber der Kunze ist keine ONE MAN Show. Ich möchte sein Talent nicht schmälern. Aber ohne Musik und ohne das “Drumherum” gibt es auch keinen Erfolg. Alles an einer Person festzumachen finde ich schon etwas befremdlich …

  Martin Bruny wrote @ Oktober 29th, 2011 at 22:45

Zunächst einmal verspüre ich keinerlei “Druck”, überhaupt etwas schreiben zu müssen, ich hab keine Deadline, ich hab keinen Auftraggeber, ich bin von niemandem anhängig und ich schreibe, was und wann es mir ein Anliegen ist. Abgesehen davon ist das kein Argument gegen das, was ich geschrieben habe, sondern zielt auf eine andere Ebene und ich wüsste nicht, dass wir uns so gut kennen, dass Sie das beurteilen können.

  S.Z. wrote @ Oktober 29th, 2011 at 20:28

Na ja der Artikel wirkt schon sehr kritisch und ich finde es unnötig das man das so anmerkt, zumal er meiner Meinung nach selbstbewusst wirkt und wie schon erwähnt vielleicht gäbe es viel Musiksequenzen nicht wenn er nicht mit seinen Szenenideen Levay inspiriert hätte. Denn im Musiktheater ist es fast ausschließlich so dass erst mal ein Libretto, zumindest in großen Teilen, existiert bevor die Komponisten beginnen die Musik zu schreiben.
Klar eine Suite von Elisabeth wäre interessant aber dennoch würde ich nicht das ganze Stück mit den Texten von Kunze missen wollen und da denke ich bin ich nicht der einzige!
Weiters finde ich auch dass so ein Artikel wirkt als würde von Ihnen versucht Platz zu füllen um nicht zu lange nichts zu schreiben, also echauffieren sie sich über eine Lappalie und anstelle dass sie das SF kritisieren dass es nur Herrn Kunze interviewt hat stellen sie ihn als egozentrisch hin was meiner Meinung nach zu oberflächlich betrachtet ist. Er hat lediglich Fragen zu seinem Teil der Arbeit klar und deutlich beantwortet ohne abzuschweifen,
Zu Marie Antoinette wollte ich auch anmerken dass Teilmisserfolg auch etwas komisch formuliert ist zu mal es in Japan bei seiner Uraufführung ein riesen Erfolg war und dort auch weitere Aufführungen geplant sind und da es in Bremen nur finanziell scheiterte, was sicher auch an der zu kurz kalkulierten Spielzeit lag. Das Publikum war hellauf begeistert und es ist in Deutschland eine weitere Aufführung geplant so wie eine Produktion in Ungarn, oder werten Sie nur finanzielle Erfolge als solche und rein künstlerische nicht?

  Martin Bruny wrote @ Oktober 29th, 2011 at 12:01

Niemand “dreht Michael Kunze einen Strick”, es ist auch nicht das erste Mal, dass er die Bedeutung seiner Arbeit wesentlich stärker in den Vordergrund rückt als den Wert der Musik. Wir sprechen immer noch von einem Genre, das Musical heißt. Eine Suite von “Elisabeth”, warum nicht, könnte man durchaus machen.

  S.Z. wrote @ Oktober 29th, 2011 at 11:30

Ich finde das verzerrt die Tatsachendas SF hat einen Bericht über Michael Kunze gemacht und er hat über seinen Beitrag geredet weil es dass war was die Redaktion von ihm Wissen wollte, was kann er dafür dass das SF mal nur über ihn berichten will?
Außerdem schon mal daran gedacht dass Levay gerade keine Zeit hatte und man wollte aber trotzdem einen Promo-Beitrag über Rebecca machen, also haben sie sich halt in diesem Beitrag auf Michael Kunze konzentriert ist doch auch okay denn ohne ein Libretto gebe es maximal eine Suite aber kein Musical.
Ich finde es unnötig Michael Kunze jetzt daraus einen Strick drehen zu wollen zu mal er mit seier Arbeit wirklich vielen Menschen Freude bereitet hat, da hat er es meiner Meinung nach auch verdient ein bisschen stolz sein zu können! Außerdem gehen die Autoren im Musiktheaterwesen oft ein wenig unter, oder wer weiß wer so aller Libretti für Webber, Wildhorn und Co geschrieben hat?

  JS wrote @ Oktober 28th, 2011 at 23:58

Brecht hat Weill auch immer ignoriert. Er hat sogar vertraglich mehr verdient als Weill. Ob das bei Kunze/Levay auch so ist? Jedenfalls wäre es nett gewesen wenn Herr Kunze zumindest 1 x Levay erwähnt hätte.

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