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In Wirklichkeit ist der finanziell größte Brocken bei den Vereinigten Bühnen Wien das Theater an der Wien

Wien live: Stichwort Vereinigte Bühnen Wien. Die Auslastungen waren in letzter Zeit nicht die besten – braucht man das Musical in dieser Form überhaupt noch?
Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny: In Wirklichkeit ist der finanziell größte Brocken bei den Vereinigten Bühnen Wien das Theater an der Wien – das vergisst man ja immer. Und das Theater an der Wien hat sich innerhalb von nur wenigen Jahren als eine der besten Opernbühnen im deutschsprachigen Raum etabliert. Wir haben hier ein neues Konzept ausprobiert: Anstatt noch ein drittes Repertoiretheater zu etablieren, haben wir das Theater an der Wien als sogenanntes Stagione-Theater konzipiert, das heißt: Jeden Monat eine Premiere. Dadurch ist auch das Medienecho bei den Produktionen größer und konzentrierter – nicht nur in Wien, sondern auch international. Und »Tanz der Vampire« im Ronacher ist hervorragend ausgelastet.[Wien live Stadtgespräche, wienlive.at]

Noch viel schöner ist die folgende Passage aus dem Interview von “Wien live” mit Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny:

Ein persönliches Beispiel: Ich habe einmal die Busfahrt einer Volksschulklasse aus der Brigittenau ins Dschungel Kindertheater im MuseumsQuartier quasi als Reiseleiter begleitet. Recht schnell hat sich herausgestellt, dass die meisten Kinder nicht wussten, was genau ein Theater ist. Es war eine Herausforderung, innerhalb von 10 Minuten, die so eine Busfahrt vom 20. Bezirk zum Museumsquartier dauert, zu erklären, was eigentlich Theater ist. Aber genau darum geht es: Den Menschen überhaupt einmal die Wahlmöglichkeit zu eröffnen, Kulturangebote zu nutzen. Wir haben zum Beispiel das Projekt Kulturlotsinnen. Das sind zwei engagierte Frauen, die in Betriebe gehen und dort einen Überblick über die Wiener Kulturangebote geben und die Menschen quasi an der Hand nehmen und zur Kultur führen, oder dabei helfen, wie man ein Kulturprogramm richtig liest. Ob ich die Staatsoper besuche oder nicht, ist keine reine Geldfrage.

Genau deswegen, weil Theater einmal finanziell “elitär” war, hat unter anderem das Wiener Burgtheater unter Claus Peymann leistbare Preise z. B. für Studenten eingeführt. Und ins Burgtheater zu gehen, das kann sich auch heute noch jeder leisten. Auch die Eintrittspreise in die Wiener Volksoper sind leistbar. Warum eigentlich lässt die Stadt Wien zu, dass ausgerechnet dasjenige Genre, von dem man meinen sollte, es wäre am ehesten für breite Publikumsschichten geeignet, das Musical, die Eintrittspreise in Höhen schraubt und die Preiskategorien in Strukturen packt, die man kategorisch ablehnen sollte, weil sie ans Unanständige grenzen.

Wieso ist es möglich, dass das Wiener Burgtheater mit Preiskategorien wie 1,50 Euro, 3 Euro, 4 Euro, 7 Euro, 10 Euro, 17 Euro, 25 Euro, 32 Euro, 40 Euro und 48 Euro agiert und die VBW mit 10 Euro, 39 Euro, 65 Euro, 89 Euro, 99 Euro und 109 Euro? Dschungel Wien, natürlich zeigt man den Kindern Theater da, und nicht in einem 109 Euro-Tempel. Wobei mittlerweile, das muss man auch sagen, im Dschungel sicher die interessanteren Stücke gespielt werden, für Kinder allemal.

Musical in Wien sollte man derzeit am besten off-VBW genießen, dem Geldbeutel tut es gut, und man kommt auch da in den Genuss von tollen Shows.

7 Kommentare »

  Michael Kaden wrote @ Februar 19th, 2010 at 00:03

Die Bundestheater (Staatsoper, Volksoper, Burgtheater) erreichen aktuell einen Eigendeckungsgrad von 37%, wobei das Burgtheater einen EDG von 18% hat.

Jetzt zu den VBW-Häusern: Das Theater an der Wien hat einen EDG von 20%, die Musicalhäuser haben einen EDG von aufpolierten (und vom Kontrollamt der Stadt Wien als fiktiv bezeichneten) 60%.

Das macht deutlich, dass das Theater an der Wien zu 80% steuerfinanziert ist und im Vergleich zu den Musicalhäusern nur einen kleinen Anteil (20%) selbst hereinbekommt (vorwiegend aus dem Kartenverkauf).

Es spricht absolut nichts dagegen, die Kartenpreise für MUSICALS (auf das Niveau von 2000, 2001, 2002) zu reduzieren. Der Eigendeckungsgrad der Musicalhäuser würde sich sogar bei einer deutlich spürbaren Preissenkung nur unwesentlich reduzieren und es ist davon auszugehen dass wieder mehr BesucherInnen in die Häuser strömen.

  M. wrote @ Februar 18th, 2010 at 17:52

@ Stixi: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil! Ich hatte deutlich sichtbar den Zusatz “aus meiner subjektiven Sicht” vorangestellt und im übrigen in der Klammer auch eine Begründung für MEINE Meinung angegeben.

  stixi292 wrote @ Februar 18th, 2010 at 17:33

@m wieso gänzlich überflüssiges Vampire Revival? Dafür das es überflüssig ist möchten es aber viele Leute sehen. Auch wenn das einigen nicht in den Kram passt oder? Ausserdem sind ab März beide Theater wieder gut gefüllt wieso ist dann das Stammpublikum weg? Dann wären die Theater doch leer. Ausserdem hat man ja gesehen was mit nicht für das breite Publikum geeigneten Stücken passiert ist. Sie sind gefloppt.

  der G. wrote @ Februar 18th, 2010 at 13:29

@ Dave: du sagst es, vorsicht bei der platzwahl ist geboten, doch gibt es viele unwissende die immer und immer wieder in ebeneine situation kommen und dann überteuerte karten kaufen und am tag der vorstellung aus allen wolken fallen wenn man plötzlich die halbe bühne nicht mehr sieht!!

in hamburg z.B. gibt es eine wunderschöne alternative zur überteuerten stage entertainment! das schmitds tivoli mit seiner “HEIßEN ECKE” das Hamburg Musical ist mehr als nur einen Besuch wert!

@M ja ich habe ebenfalls immer gerne den VBW Vollpreiskarten abgenommen und wurde nur selten enttäuscht, doch bin ich hier im jetzt nicht mehr dazu bereit für eine brühwarme kost solche phantasie preise zu berappen!

  Dave wrote @ Februar 17th, 2010 at 00:14

wobei “theater der jugend” war gestern um 15 euro für TdV, das ist doch oki. aber die preise im tadw sind echt gepfeffert, auf plätzen (an der seite), wo man zT gar nix sieht. naja. vorsicht bei der platzauswahl.

  M. wrote @ Februar 16th, 2010 at 19:29

Das (der letzte Satz) allerdings ist wahr - ich gehörte seit vielen Jahren zum gut zahlenden festen Stammpublikum und fühlte mich bei den VBW bestens aufgehoben. Die Zeiten sind vorbei, was ich jedoch weniger dem hier so vielgeschmähten Jürgens-Stück anlaste (weil’s vorher auch schon mal “Müll” zu sehen gab, so ist das eben im Theater, mal gefällt’s und mal nicht…) als eher schon dem (aus meiner subjektiven Sicht) gänzlich überflüssigen Vampir-Revival (weil es das in gefühlt jedem deutschsprachigen Vorgarten schon zu sehen gab) und vor allem den eben hier schon angesprochenen horrend teuren Eintrittspreisen. Stimmte früher für mich das Preis-Leistungs-Verhältnis, so dass ich sehr gern bereit war, immer Vollpreiskarten im voraus zu buchen, so sind die Preise zuzüglich der absoluten Phantasie-Gebühren nunmehr derart exorbitant hoch, dass ich den VBW ebenso wie hierzulande der SE den Rücken gekehrt habe. Schade eigentlich….

  Anna wrote @ Februar 16th, 2010 at 09:49

Burgtheater und VBW vergleichen hinkt meiner Meinung nach. Das Burgtheater ist ein Sprechtheater und hat kein Orchester zu bezahlen. Der Vergleich mit der Volksoper ist da eher angebracht.

KommentarIst etwas gefährlich, die Eintrittspreise von der Existenz eines Orchesters abhängig zu machen, finde ich. Ich denke, man kann Burgtheater, Volkstheater, Volksoper, VBW durchaus vergleichen. Alle werden subventioniert, alle Ticketpreise sind im Grunde genommen reine Fantasiepreise, die die Kosten nur zu einem Bruchteil decken. Umso interessanter wäre es, herauszufinden, warum sich die VBW ihr eigenes Stammpublikum vergrault haben. Denn das ist weg.

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