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Kathrin Zechner: Warum in Wien Musicals subventioniert werden

Im Rahmen ihrer Pressekonferenz vom 25. Oktober 2006 nahm die Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien auch Stellung zu diversen Querschüssen aus der Wiener Staatsoper, von wo sporadisch aus vollen Rohren wie weiland im fliegenden Holender auf alles geschossen wird, was mit Musical in Wien zu tun hat. Ein paar Zitate aus der Pressekonferenz Zechners zur Frage, warum Musicals in Wien subventioniert werden:

Ich schätze den Staatsoperndirektor Holender sehr, weil er nicht nur ein interessantes volles Staatsopernhaus dieser Stadt beschert, sondern weil er weiß, wie er sich immer wieder zum Gesprächsmittelpunkt macht.
Auf der einen Seite ist der kommerzielle Musicalmarkt Deutschlands oder noch viel mehr des West Ends oder des Broadways mit dem kleinen Markt Wien und Umgebung sprich Österreich nicht vergleichbar. Wir sprechen von einem Einzugsgebiet in London von rund 10 Millionen, am Broadway von rund 15 Millionen Besucherpotential, der Ruhrpott Hamburg/Berlin bewegt sich zwischen 3 und 5 Millionen Besucherpotential. Sie wissen, wie groß Wien ist und wie groß das Einzugsgebiet hier ist, da bewegen wir uns zwischen 1,7 und 2,2 Millionen Menschen. Das ist das eine, der Markt. Das andere: Sehr klar erkennbar in Deutschland ist, dass ein ausschließlich kommerziell positionierter Produzent kein Risiko eingeht, sondern Produktionen einkauft, sprich reproduziert, die erwiesenermaßen Erfolge sind. Für mich, und dazu bekenne ich mich klar, gehört es für ein Musiktheater, Musicalhaus der Stadt Wien, einer Musikstadt Wien auch dazu, eigene Projekte zu realisieren, ins Risiko zu gehen

Ein Wahrzeichen und eines der wichtigsten Seelenelemente der Vereinigten Bühnen Wien ist, dass wir eigene Stoffe kreieren, weil diese eigenen Stoffe nicht nur das Profil unserer Theater schärfen und uns Artikel bis zur “Variety” verschaffen, sondern uns den Ruf einbringen, DIE deutschsprachigen europäischen Produzenten zu sein, die eigene erfolgreiche Stoffe auf die Bühne bringen und damit Auslandsverwertungen ermöglichen - nach einer erfolgreichen Spielzeit im Inland. Wir arbeiten weiter daran, diese künstlerische, aber natürlich auch wirtschaftliche interessante Verwertbarkeit fortzuführen im Sinn von Gastspielen, wie es jetzt bei “Elisabeth” passiert, Konzertreihen, wie wir es bei “Mozart!” und “Tanz der Vampire” gemacht haben, das heisst wir schaffen eine künstlerische und wirtschaftliche Verwertbarkeitskette, die für ein Theater hochinteressant ist. Natürlich werden wir auch internationale Produktionen hereinholen und hereinholen wollen. Mir ist es sehr wichtig, mich von den deutschen Theatern oder Musicaltheatern zu unterscheiden, die ausschließlich reproduzieren. Wir produzieren und kreieren eigene Stoffe, aber es ist natürlich nicht nur mein Interesse, mein Plan und mein Tun, in Verhandlungen interessante internationale Produktionen nach Wien zu holen. Das ist eine Frage der Verhandlung, des richtigen Zeitpunkts und welche Produktion zu den richtigen wirtschaftlichen Bedingungen nach Wien passt.

Kein Mensch hätte vor einem Jahr gesagt, Zechner macht “Die Weberischen”, weil das eine klare Sache ist. Das war ein Risiko, aber mit professionellen Leuten, einer professionellen Vorgehensweise sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich und der nötigen Portion Intuition und Glück ist es uns gelungen, eine hervorragende Produkion auf die Beine zu stellen, und genauso war es mit “Rebecca”. “Rebecca” ist entwickelt worden über 7 Jahre. Sehr viele Produzenten, auch in Deutschland, fanden das Projekt interessant, aber zu riskant. Wir haben das Glück, dass wir das Risiko auf uns genommen haben, und ich sag nicht nur Glück, sondern es war meine Ãœberzeugung, an diesen Stoff zu glauben und an die beteiligten Personen bis hin zu einer hervorragenden Cast. Der Erfolg gibt uns recht. Das ist der große Unterschied, und ich wünsche dem Staatsoperndirektor und mir so erfolgreiche Zahlen wie wir sie beide in den letzten Jahren hatten, auch weiterhin.

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