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Peter Weck grollt (noch immer), Zechner & Drozda analysieren die Krise

In der aktuellen NEWS-Ausgabe nimmt Peter Weck zur aktuellen Lage der Vereinigten Bühnen Wien Stellung, und er tut dies ein wenig harsch, wie mir scheint:

Ich bin fassungslos. Ich habe seinerzeit mit ,Cats’ einen Boom ausgelöst, den ich dann mit ,Phantom der Oper’, ,Les Miserables’ und ,Elisabeth’ fortsetzen konnte. Wir waren zu 100 Prozent voll,
Kongresse wurden verschoben, weil die Teilnehmer keine Karten bekommen haben. ,Elisabeth’ habe ich selbst produziert, aber als man mich 1992 nach zwei Jahre langen Intrigen aus dem Amt gemobbt hat, wurde mir noch vorgeworfen, ich hätte Tantiemen kassiert. Während ich allerdings daran keinen Groschen verdient habe, haben sich meine Nachfolger an meinem Erfolg mit Prämien kräftig bedient. Das geht ja laut Kontrollamt bis heute so. Schließlich war die ,Elisabeth’-Wiederaufnahme 2003 die Notbremse, als es bergab ging. Dafür wurde ich nicht einmal mehr zu Premieren eingeladen. (…) Es ist sehr viel dilettiert worden. Es genügt nicht, ein Theater zu managen, man braucht auch Liebe dazu und muss wissen, warum man etwas spielt. Musical ist nicht, wenn Musik dabei ist. Davon muss man etwas verstehen (…) Bei uns toben Geschmacklosigkeit und Einfallslosigkeit. Nach dem ,Elisabeth’-Erfolg hat man mit demselben Team ein ,Mozart’-Musical hochgezogen. Das Ergebnis hat man gesehen. Jetzt will man sich mit ,Rudolf’ auf den ,Elisabeth’-Erfolg setzen. Ich warte nur noch auf ,Franz Ferdinand’! Da müsste man riskierend einen neuen Weg finden.

Kathrin Zechner, in derselben NEWS-Ausgabe: “Bis zur Krise, 2005 bis 2007, wurden wir einhellig für das ,Musical-Wunder von Wien’ gefeiert.” Und zu den Auslastungsproblemen des Ronacher: Sie habe
Theater-an-der-Wien-Direktor Roland Geyer anno 2006 “ein hochwertig ausgestattetes, populäres Haus” übergeben. Sie selbst aber musste das Ronacher, “ein jahrelang zugesperrtes, nicht eingeführtes Haus, wiedereröffnen, um dort neben großen Hits auch kantige, anspruchsvolle Dinge zu produzieren.” Dergleichen dauere eben nicht unter drei Jahren. Jetzt müsste das bei der Kritik tadellose Image in die Bundesländer transportiert und schließlich für den internationalen Tourismus aufbereitet werden.

Thomas Drozda: “Die Wirtschaftskrise trifft uns mit ungeahnter Vehemenz. Unsere Besucher im Bereich Musical sind am ehesten von Kurzarbeit, Einkommens- und Arbeitsplatzverlust betroffen. Die Anrufe im Call Center haben um 30 Prozent abgenommen.” Karten der Kategorien eins und zwei verkauften sich zögernd, die billigen gingen gut. Im Ãœbrigen gäbe es heute zwischen Stadthalle und privaten Tourneeunternehmen zunehmende Konkurrenz: Statt 90 Prozent Marktanteil wie vor 20 Jahren halte man heute 60. [via OTS]

Kleine Anmerkung noch für Herrn Sichrovsky: Ich empfehle Ihnen, folgenden Satz unter jeden Ihrer Artikel zu setzen (statt unter jeden zweiten): “Und im Ãœbrigen bin ich der Meinung, dass Roland Geyer Intendant der Salzburger Festspiele werden MUSS!” Irgendwann wird dann ja auch jemand glauben, dass Herr Geyer dafür tatsächlich ernsthaft im Gespräch ist.

4 Kommentare »

  Martin Bruny wrote @ Mai 15th, 2009 at 16:12

na da ist keine toleranz notwendig, das ist tatsache, dass es keine show gibt, die allen gefällt, das ist gut so und soll so sein. ich will auch gar niemanden von etwas überzeugen. mir geht es rein darum: man kann und ich meine, auch ganz objektiv, nicht sagen, dass es in “rudolf” keine melodien gibt. und wenn doch, dann ist mir das eben unverständlich.

  M. wrote @ Mai 15th, 2009 at 13:22

Ein wenig Toleranz auf allen Seiten wäre, was die Kommentare hier angeht, wohl nicht unangebracht. Es gibt Menschen, denen “Rudolf” gefällt. Glück für sie, sie hatten einen schönen Abend und haben ein Stück in Wien, das sie evtl. nochmals besuchen können. Das ist ihnen gern zu gönnen.
Und es gibt Menschen, die können mit “Rudolf” nichts oder wenig anfangen. Pech für sie, dass sie einen mäßigen bis schlechten Abend hatten, aber deshalb sind sie weder Kunstbanausen noch sind sie unverständliche Menschen.

  Martin Bruny wrote @ Mai 15th, 2009 at 12:36

ich versteh nur bahnhof, ehrlich gesagt. ich versteh auch menschen nicht, die bei “rudolf” keine melodien hören. aber ich muss ja auch nicht alles verstehen

  Lilly wrote @ Mai 15th, 2009 at 08:42

zu Drozda: in den Jahren wo Cats/Phantom lief gab es ein vielfach höheres Angebot an Alternativshows, die alle während des Musicalbooms sehr gut leben konnten. Als Cats schon einige Zeit abgesetzt war wurde im Messepalast das Stück von einer Wandertruppe sehr erfolgreich aufgeführt (obwohl die Produktion und Schauspieler eher im 3.klassigen Bereich waren). Die Leute kannten die Lieder, die Preise waren annehmbar, also hat man gerne Karten gekauft. Die Stadthalle brachte viel öfter Musicalproduktionen als heute. In kleinen Veranstaltungräumen (z.B. Metropol, Urania oder viele nicht-wiener Örtlichkeiten) sind heute noch erfolgreich mit Musicalproduktionen, weil sie Musik präsentieren, die das Publikum anspricht; und das ganz ohne großen Firlefanz und sauteuren Karten.

Aber die alle haben eines gemeinsam - und das ist der Punkt den Peter Weck vollkommen richtig harsch kritisiert - Musical MUSS Melodien enthalten, die das Publikum ansprechen! Theater/Musik/Bücher sind FÃœR das Publikum, nicht für die Intendanten! Das Publikum als Konsument erteilt den “Managern” eine Abfuhr. Wir wollen nicht mehr für miese Lieder, überladene Bühnenbilder, mittelmäßige Schauspieler, unzumutbare Sessel einen unverschämten Preis bezahlen.

Peter Weck, bitte kommen sie zurück!

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