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Sitting ovations – der wahre Jubel, wenn Rosenblätter fallen

Ben Brantley, Journalist bei der New York Times, hat vor einigen Tagen unter dem Titel „Against Ovation Inflation“ (siehe –> hier) ein Plädoyer für die „sitting ovation“ geschrieben, mit dem wunderbaren Intro:

Something rare and wonderful happened at the opening night of the Encores! concert production of „Gentlemen Prefer Blondes“ at City Center last week. At the end of the show, when the performers took their bows, the audience remained seated.

Warum hat er das bloß getan? Er kann es begründen:

Because we really have reached the point where a standing ovation doesn’t mean a thing. Pretty much every show you attend on Broadway these days ends with people jumping to their feet and beating their flippers together like captive sea lions whose zookeeper has arrived with a bucket of fish. This is true even for doomed stinkers that find the casts taking their curtain calls with the pale, hopeless mien of patients who have just received a terminal diagnosis.
The s.o. (if I may so refer to a phenomenon that no longer warrants the respect of its full name) has become a reflexive social gesture, like shaking hands with the host at the end of a party.
Or, to put in cruder and more extreme terms, it’s like having sex with someone on the first date, whether you like the person or not, because you think it’s expected of you.

Nicht, dass in Wien jede Vorstellung mit einer Standing Ovation abgefeiert würde, wir haben ja die Kampfkreischer und Kampfpfeifer, die mit Gewalt jedem zeigen müssen, wie begeistert sie sein können. Aber es ist manchmal eine wahre Wohltat, eine Show zu erleben, die von keinem einzigen Zwischenapplaus gestört wird, einfach, weil das Publikum erkennt, dass es unpassend wäre, und bei der es am Ende begeisterten und lang anhaltenden Beifall gibt, aber eben kein reflexhaftes Aufspringen der ganzen Bude. So geschehen heute bei der Premiere der neuen Fassung von „Wenn Rosenblätter fallen“ im Wiener Off Theater. Übrigens wird das mal eine Vorstellungsserie sein, die jeder gern gesehen hätte, aber jetzt, da sie tatsächlich zu sehen ist, gibt es nach wie vor Tickets.

Update
- The New York Times: Readers Offer Theories on Sitting vs. Standing

1 Kommentar »

  Markus wrote @ Mai 21st, 2012 at 18:15

Kann mich nur komplett anschließen. Dieses inflationäre Aufstehen hat längstg keinerlei Bedeutung mehr. Aber nicht nur in (Musical-)Theatern, auch in TV-Shows ist mir das schon aufgefallen. Früher gab es das als eine besondere Geste wenn z. B. jemand wie der uralte Heinz Rühmann, eine lebende Leinwand-Legende (wie immer ich ihn auch sonst beurteilen mag…) sich selten mal dort blicken ließ. Heutzutage steht das Publikum für jeden drittklassigen C-Promi auf.

Und ich bin übrigens glücklich, in meiner Wien-Woche längst schon ein Rosenblatt-Ticket zu besitzen (na, wenigstens virtuell, abholen muss ich es noch).

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