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Musical! Die Show - Folge 3

Geld an sich ist keine Motivation. Geld ist abstrakt. Niemand erbringt Höchstleistungen, um Geld zu erhalten. Das merkt man der Sendung “Musical! Die Show” an. 50.000 Euro bekommt der Sieger. Super. Fragt man die Leute, was sie mit dem Geld machen würden, ist eine der Standardantworten: “Weiß nicht” oder “Mal sehen” oder “Vielleicht auf eine Musicalschule in Deutschland gehen”.

Genau so “klingt” dann auch die Show. Die dritte Folge war uninspiriert, sowohl, was die Performances der Kandidaten, als auch die musikalische Aufbereitung der Songs betrifft. Wildhorns “This is the moment” aus “Jekyll & Hyde” zimmerte man zu einem musikalischen Torso, bewusst ignorierend, dass der Song nichts anderes macht, als auf einen Höhepunkt hinzusteuern. Das wäre das Ziel gewesen, ein sehr konkretes.

Das Finale von “This is the moment” einfach zu kappen, ist andererseits bezeichnend für eine Sendung, in der man einen jungen Sänger, nennen wir ihn Vincent, als Traumtänzer in der Figur des Phantoms der Oper durch die Szenerie tapsen lässt. Das war mehr ein Raoul-Crossover als ein Phantom, da war nichts, aber auch gar nichts von dem da, was diese Rolle definiert, bis auf die Maske.

Hauptsache die Requisitenabteilung ist ausgelastet. Man hat sogar eigens die Songcontest-Abteilung angezapft und für Nazide den berühmt-berüchtigten Ventilator angeworfen. Kein Wunder, dass ihre “Totale Finsternis” dann wie Schlager für Angeschlagene geklungen hat.

Das waren die schlechten Aufritte, der Rest war dann wirklich ganz schlecht, wobei da nur einige der Teilnehmer tatsächlich etwas dafür konnten und es immer wieder interessant ist, wie unterschiedlich die Jury ihre Wertungen handhabt. Es gibt tatsächlich Teilnehmer, die rein vom Gesang her jeden Song in den Sand setzen dürfen und trotzdem von Sendung zu Sendung mehr Lob einsacken, mit dem Argument, dass das Schauspiel ja so toll war.

Andere bekommen Tanznummern, obwohl sie in der Realität nie für solche Rollen vorsingen würden, sie werden gelobt, weil sie sich das “getraut” haben. Leute, die tatsächlich Charisma haben, eine Ausnahmestimme und Potential, landen in dem, was man in den USA bei American Idol “bottom 2″ nennen würde.

Allerliebst die Erklärung von Alice für ihr Ausscheiden. Sie meinte, sinngemäß, das unbekannteste Lied bekommen zu haben - wir reden von “Mackie Messer” aus der Dreigroschenoper. Wow, das ist tatsächlich kreativ. Der wahre Grund liegt meiner Meinung ganz woanders. Die Verantwortlichen für die Arrangements wollten sich wieder mal in der Kunst des Grenzwertigen üben und verpassten der Nummer einen Swing-Rhythmus. Nun ist “Mackie Messer” nicht gerade die einfachste Nummer, und es wäre für Alice schon schwer genug gewesen, sie halbwegs gut über die Bühne zu bekommen. Dann aber das Ganze auch noch zusätzlich als Swing interpretieren zu müssen, ist einfach lächerlich. Wie lautet schnell noch das Motto der Show? Im Ãœbrigen ist auch die Auswahl des Stücks grenzwertig, denn die Dreigroschenoper ist nunmal ein Theaterstück mit Musik, wogegen ja nichts einzuwenden ist, aber gibt es nicht genug “reine” Musicals?

4 Kommentare »

  Katharina wrote @ Dezember 11th, 2007 at 19:01

Ich muss sagen Vincent hatte mich stimmlich überrascht, aber zur Szene paßte es nicht. Es fehlte mir schon das, was diesen Moment ausmacht. Man muss einfach alles verstehen, sonst ist man verloren. Abgesehen davon, daß wieder gekürzt wurde. Er ist kein Phantom und es entsprach auch dem nicht. Alice´s Mackie Messer war wirklich schwacht, aber der Song an sich, ist bekannt und auch schön.
Am schrägsten fand ich Macavity von Simone, sie gefiel mir sehr gut, nur es war sehr ungewohnt. Alexander war in meinen Augen ein besserer Seymour als jenen, den ich zuletzt im Gloriatheater gesehen habe, auch stimmlich. Ich hatte vor einigen Wochen, aber nicht Gernot Kranner.

Wie auch immer und wie schon geschrieben, diese Show geht auch vorbei.
Man hat leider verabsäumt etwas bleibendes und großartiges zu gestalten.

  caliban wrote @ Dezember 11th, 2007 at 16:27

Hmmm… Also, auch wenn Brecht sich im Grabe umdrehen würde:
Die “3 Groschenoper” geht schon als reines Musical durch.
Allein daher, dass die Definition von Musical extrem weit gefasst ist.

Gut, wie letzte Woche bereits angemerkt: Leider kann ich die Sendung nicht empfangen, aber an meinen Vorkommentator Kalimando: Also, wenn schon Musical [sic], dann Brecht auch bitte auf Deutsch! Hab mich ja schon hier in Deutschland über Mack the Knife auf Englisch bei DSDS aufgeregt!
Also, das ist ja das mindeste!

Auch schön die Aussage, das “unbekannteste” Lied bekommen zu haben. *seufz*

Es ist wohl eines der meisgesungenen Stücke aller Zeiten.

Und zum Thema Swing: Mackie Messer wurde für eine völlig langweilige Drehleier-Nummer geschrieben. Eine übrigens, die jeder singen kann (sogar Brecht selber, wunderbare Aufnahme). Die verschiedenen Swing- und Pop-Versionen haben einen ganz unterschiedlichen Grad an Komplexität.

Das unbekannteste.. Tz!

  anonymus666 wrote @ Dezember 9th, 2007 at 09:37

Am meisten hat mich irritiert, dass einige Songs nicht zum Thema des Abends (das Böse) gepasst haben. Was die Kürzungen, Veränderungen und Inszenierungen der Songs betrifft: Mir taten die Kandidaten leid. Schließlich haben sie kein Mitspracherecht und müssen das tun, was ihnen genrefremde (fast)Nichtswisser vorgeben. Ich halte ihnen mal zugute, dass sie komplett andere Seiten der Kandidaten zeigen wollten. Geht halt aber auch am Showtitel vorbei. Denn bei Musical wird immer typgecastet. Ein Vincent wird nun mal genausooft das Phantom spielen (vor allem mit seinen rund 20 Lenzen), wie ein Werner Jekyll (geschweigedenn Hyde). Weiters war die Kameraführung wie in jeder Show bisher unter jeder Sau…entschuldigung. aber kein Wunder, dass manche Nummern mit Choreo und Ballett nicht rüberkommen, wenn ich pausenlos auf die Oberlippe der Sängerin zoome. ähnliches gilt zb für Nazides Nummer. mit dem Kleid (und Ausschnitt) gegen Frau Fuhrmanns Föhn anzusingen, lässt nicht mehr viele Möglichkeiten um als unschuldiges Mädl rüberzukommen…whatever. Mittlerweile sollte jeder mitbekommen haben, wie viel diese Show mit Musical geschweigedenn Theater zu tun hat…ca soviel, wie die Verantwortlichen Ahnung davon haben.

  Kalimando wrote @ Dezember 9th, 2007 at 08:54

Meiner Meinung nach lag das Hauptproblem von Alice nicht im Swing-Arrangement (das klappt schon ganz gut, wenn man sich drauf einlässt: siehe Bobby Darin, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong), sondern, dass sie es mit dem schwerfälligen deutschen Brecht Text singen musste.
Der Einfall, dass das Phantom seine Maske abnehmen musste, aber dann sicherheitshalber doch sorgsam in der Jackentasche aufbewahrt hat (vielleicht kann mans ja noch brauchen) war wohl die schönste Fehlinterpretation einer Szene in dieser Sendung.

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