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Starbucks in Shanghai, am Mond, in Japan, unterm Meer - überall


Photo: anarchistblackcross.org

Es ist nicht so lange her, da war Starbucks in Europa eigentlich kein Begriff. Sagen wir mal, drei Jahre. Als 2000 in Österreich/Deutschland/Schweiz ein Buch zur Erfolgsstory Starbucks erschien, gab es keine Käufer dafür. Heute wird es gekauft, zum Beispiel von Daniel Fiene. 2003 kommt man an Starbucks nicht mehr vorbei. Starbucks ist überall, und das in zunehmendem Maß. Starbucks finanziert Musical-Schulen, es durchsetzt Städte, prägt den Begriff Kaffeekultur dort, wo es eine solche noch nicht gab. Dave Brubeck gab letzten Juli im Starbucks der Park Avenue in Manhattan an zwei Abenden Konzerte. Starbucks in Shanghai, in Japan, auf dem Mond, unter dem Meer, am Mount Everest … was nicht ist, kann ja noch werden. Starbucks in Artikeln mit schicken Ãœberschriften wie “Uncle Sam’s city plan - In the second part of a series on place and placelessness, LISA ROCHON explores the effects of U.S.-style urbanization”.
Starbucks in Filmen: Austin Powers - The Spy who shagged me; You’ve Got Mail; Miss Congeniality; Best in Show; I Am Sam; Liar Liar; Zoolander
Starbucks im TV: Ally McBeal; The X-Files; Will & Grace; Buffy the Vampire Slayer; Curb Your Enthusiasm
Starbucks in den Charts: Starbucks, Hi-Fi Stereo; Down by the River, Meredith Brooks; I Hate Wal-Mart, Dave Lippman
Starbucks steht für Kaffee in halben Litern zu Preisen, für die man in einem richtigen Kaffeehaus vielleicht nicht dieselbe Menge an Wasser, aber doch das Doppelte an Geschmack bekommt, es steht für künstlich geschaffene “Atmosphäre”, für “to go”, für unaussprechliche Bezeichnungen von Getränken, die man nur mehr mit viel Phantasie als “Kaffee” bezeichnen kann. Starbucks, das Disneyworld der Naschgeneration, die Logokarnation der hippen mcdonaldschen amerikanischen “Genuß”kultur: … STOP. Man verzeihe mir den Sermon. Als Wiener und Kaffeetrinker hat man zu Starbucks wohl eine ganz eigene Beziehung, die in einem Essay wunderbar nachzulesen ist. Ein Zitat zum Abschluss: Es wäre gewiss übertrieben zu sagen, ein Jahrhundert nach der Blüte Wiens erlebt es die Besiegelung seiner kulturellen Marginalisierung in der Eröffnung eines Starbucks-Cafés ausgerechnet in der Kärtnerstraße. Und doch drängt sich ein so großer Satz auf. Denn hier, in der Kärtnerstraße findet eine Kulturrevolution statt, die dem Österreicher ein bisschen Wien nimmt und dafür ein bisschen Seattle, genauer: Amerika gibt. Es geht um den Austausch von Lebenstilen. Die Zukunft scheint absurd, aber greifbar: Junge energische Menschen eilen, auf dem Weg zum nächsten Meeting, durch die Wiener Straßen, in der einen Hand das Handy, in der anderen Decaf Nonfat Latte im Pappbecher, auf dem natürlich steht: Vorsicht, Inhalt könnte heiß sein. Wohin ist es nur mit der Welt gekommen!, möchte man da von seinem Fensterplatz ausrufen, und dem Kellner, der aussieht, als habe er schon Peter Altenberg und Alfred Polgar bedient, müd ein Zeichen geben für einen zweiten Kurzen, als läge die Rettung, oder wenigstens der Trost, im Kaffee.
[Quellen: 1 2 3 4]

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