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Werk X: Ich glaube

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Das WERK X startet mit der Uraufführung von »Ich glaube«, einer Produktion des aktionstheater ensemble, in die neue Spielzeit. Die Truppe rund um den Theatermacher Martin Gruber thematisiert in ihrem neuesten Stück Religion als Faktor für Selbstlegitimierung, Abgrenzung, Ausgrenzung und Gewalt. Die Wien-Premiere findet am Mittwoch, 11. Oktober 2017, im WERK X in Meidling statt.

Vor der Kulisse einer durch Attentate verletzten Welt treffen sich die ProtagonistInnen des aktionstheater ensemble und werfen sich mehr oder weniger funktionierende Lebensphilosophien einer saturiert-säkularen Welt an den Kopf. Jeder weiß es besser. In einem schwindelerregenden Parforceritt werden religiöse wie quasi-religiöse Lebensentwürfe durchdekliniert. Die Erkenntnis, dass der Glaube an absolute Wahrheiten noch nie wirklich funktioniert hat, ist den AkteurInnen aber nur ein schwacher Trost. Was letztlich verbindet, ist die Suche nach einem verbindenden Element: die Liebe.

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ICH GLAUBE
von Martin Gruber und aktionstheater ensemble

Uraufführung in Koproduktion mit Bregenzer Frühling und Kooperation mit Werk X
Dauer: 75 Minuten

täglich bis Sa. 14. Oktober jeweils 19:30 Uhr im Werk X (Oswaldgasse 35a, 1120 Wien)

Konzeption, Regie: Martin Gruber
Text: Martin Gruber und aktionstheater ensemble
Dramaturgie: Martin Ojster
Regieassistenz: Robin Sarah Ströhle
Musik/Arrangements, Sound-Design: Kristian Musser
Musiker: Kirill Goncharov (Geige), Jean Philipp Viol (Bratsche)
DarstellerInnen: Susanne Brandt, Alev Irmak, Martin Hemmer, Claudia Kottal, Benjamin Vanyek

Dank an: Simone Huchler, Martin Platzgummer (PROXI), Aaron Sutterlütte (Aaronfilm),
Felix Dietlinger
Fotos: Stefan Hauer

ICH GLAUBE - TRAILER from aktionstheater ensemble on Vimeo.

Theater Drachengasse: Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!

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Am Montag, dem 9. Oktober 2017, geht im Theater Drachengasse die Premiere des Stücks »Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!« über die Bühne. Nach »Die großen Kinder unserer Zeit« ist es die zweite Arbeit von Korbinian Schmidt und Franz-Xaver Mayr im Theater Drachengasse. Franz-Xaver Mayr ist aktuell für den NESTROY-Preis 2017 nominiert, für seine Inszenierung von »diese mauer fasst sich selbst zusammen und der stern hat gesprochen, der stern hat auch was gesagt« im Wiener Schauspielhaus.

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»Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!« ist ein theatrales Panoptikum zur Erforschung der Generation Y in Bezug auf Haben, Wollen, Sein und Müssen. Zwischen Prekariat und Selbstoptimierung, Leistungsdruck und Ich-Inszenierung regiert die Angst, als Witzfiguren in die Geschichte einzugehen.

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Lieber Bonnie,
Es ist ja so. Wir haben lange gewartet und waren geduldig. Wir sind joggen gegangen. Wir haben uns gesund ernährt. Wir haben unsere Körper auf Vordermann gebracht. Wir haben eine Ausbildung gemacht, haben studiert und sind gereist. Wir haben lange Gespräche geführt, haben Interesse an vielen Dingen entwickelt, haben Sprachen gelernt und gelernt, wie wir uns anziehen müssen, damit wir nach etwas aussehen. Wir haben in uns und unsere Leben viel Zeit und Geld investiert, damit wir damit etwas anfangen können. Und jetzt ist all das in Gefahr, weil es etwa Probleme gibt? Woher wir das wissen? Aus dem Internet! Dort sagen das nahezu alle. Es stünde schlecht um uns und man müsse etwas unternehmen. Das sagen auch nahezu alle. Das ist nicht fair. Darauf hat man uns nicht vorbereitet. Und außerdem fehlen uns dazu die Informationen und die finanziellen Mittel. Was machen wir denn jetzt. Wie du weißt, bin ich Schriftstellerin und arbeite im Einzelhandel und da bleibt mir wenig Zeit mich noch um anderes zu kümmern. Und so geht es fast allen. Gut. Nicht jeder arbeitet im Einzelhandel, aber nahezu jeder ist Schriftsteller*in geworden und da braucht man viel Zeit für sich. Bonnie, ich weiß. Uns geht es ja gut. Wir haben Arbeit, die Landschaft ist toll, das Klima auch, wir tragen tolle Kleider, alles i.O. Noch! Weißt du, ich habe einfach Angst, dass wir es nicht hinbekommen. Dass alles vergebens war. Dass wir nicht den Ruhm ernten, den wir verdienen, sondern stattdessen einfach immer so weiter machen, weiter unsere Kleider kaufen und gesunde Dinge essen und dann einfach verschwinden und als die größten Witzfiguren in die Geschichte eingehen werden. Davor habe ich eine verdammte, begründete Angst!
In Liebe, den Tränen nahe, deine Bonnie!

PS: Ich habe jedes einzelne Gespräch mit Dir genossen. Auch wenn uns kein einziges weitergebracht hat.

Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!
Uraufführung
Eine Koproduktion mit Theater Drachengasse

Inszenierung: Franz-Xaver Mayr, Korbinian Schmidt
Dramaturgie: Moritz von Schurer
Video: Nela Pichl
Maske: Inge Schra
Regieassistenz: Sarah Maringer
Bühnenbildassistenz: Johanna Mitulla
Produktionsfotos: Marcella Ruiz Cruz

Es spielen: Nehle Breer, Karola Niederhuber, Nils Rovira-Muñoz, Amerlingchor

Uraufführung: Montag, 9. Oktober, 20 Uhr
Weitere Vorstellungen: 10.–14.10., 17.–21.10., 20 Uhr

Karten:
Theater Drachengasse, Bar&Co
Fleischmarkt 22, 1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 513 14 44
e-mail: karten@drachengasse.at
web: www.drachengasse.at/karten.asp
Abendkassa: 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn
Vollpreis: 19 Euro / Studierende: 10 Euro / weitere Ermäßigungen

brut/Volkskundemuesum: Chesterfield

Während der Generalsanierung des Künstlerhauses zieht brut Wien für eine Saison um und umher und initiiert Projekte an unterschiedlichen Orten in Wien: In der ersten Saisonhälfte bespielt brut Theaterräume in Neubau und in der Leopoldstadt, Leerstände in Favoriten, ein Museum in der Josefstadt, einen Club am Donaukanal, eine Bushaltestelle in der Brigittenau und ein Schwimmbad in Hernals.

In den Räumen des Volkskundemuseums zeigt die Wiener Künstlerin Alix Eynaudi Anfang Dezember gemeinsam mit vier weiteren Performer*innen ihre neueste Arbeit: Chesterfield, ein choreografisches Projekt in Form einer performativen Ausstellung, deren Absicht es ist, poetische Beziehungen zwischen Tanzen, Lesen, dem Objekt Buch und dem Material Leder herzustellen.

Die Tänzer*innen lassen sich für Chesterfield von Pflanzenbüchern aus der viktorianischen Zeit und der Sammlung des Volkskundemuseums inspirieren, darunter u. a. von brandbemalten Lederobjekten, gestanzten Masken oder feinen Schnitzereien auf Tierhäuten. Aus diesen unterschiedlichen Inspirationsquellen collagieren sie das Stück Chesterfield, in dem ihre Körper wie tanzende Wörter und Zeichen erscheinen.

Die Choreografin und Tänzerin Alix Eynaudi lebt und arbeitet in Wien. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Balletttänzerin an der Opéra national de Paris und studierte zeitgenössischen Tanz bei PARTS Brüssel. Sieben Jahre tanzte sie in Anne Teresa De Keersmaekers Compagnie ROSAS. Seit 2005 tourt sie erfolgreich international mit ihren eigenen Stücken. www.alixeynaudi.com

Chesterfield
Ein Projekt von Alix Eynaudi In Zusammenarbeit mit Mark Lorimer, Quim Pujol, Cécile Tonizzo, An Breugelmans, Bruno Pocheron Dank an Alessio Scandale, Jean-Luc Plouvier, Olivier Renouf, Elton Petri, Jacopo Lanteri, Clémentine Caudron, Beatrix Potter, Emily Dickinson, Margaret Gatty, Margaret Hamilton Produktion Sarah Blumenfeld für boîte de production – Verein für zeitgenössischen Tanz und zeitgenössische Installationen Administration Smart – Das Büro für Künstler*innen und Kreative
Eine Koproduktion von Alix Eynaudi und brut Wien, danceWEB through Life Long Burning und BUDA Kunstencentrum. In Kooperation mit Tanzquartier Wien, La Place de la Danse – CDCN Toulouse/Occitanie (working studio), Volkskundemuseum Wien. Mit freundlicher Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien, des Bundeskanzleramts Kunst und Kultur und des Kulturprogramms der Europäischen Union.

Narziss, du Opfer!

Das Theater Drachengasse lädt junge Theatermacher ein, Konzepte für Kurzprojekte zum Thema »Narziss, du Opfer!« einzureichen.

Was du erstrebst, ist nirgends;
was du liebst, wirst du verlieren, sobald du dich abwendest.
Was du siehst ist nur Schatten, nur Spiegelbild.

Egoismus ist gut, Narzissten und Psychopathen sind erfolgreich, du bist deines Glückes Schmied – lautet das Mantra des Marktes. Wir konkurrieren, wir werten. Damit wir besser sein können, müssen andere schlechter sein. Wir sind Gewinner*innen oder Verlierer*innen, die Guten oder die Schlechten. So sollen wir funktionieren. So eindeutig soll es sein. Aber was, wenn wir nur in der Unsicherheit der Begegnung, im Prozess der Beziehung erfahren können, wer wir sind? Was, wenn eine Gruppe mehr weiß, als der Einzelne? Was, wenn eine solidarische Praxis möglich ist?

Die Gewinner des Wettbewerbs werden über Juryentscheid bzw. Publikumsabstimmung ermittelt. Der Jurypreis beträgt 5000 Euro und wird vom Kuratorium für Theater, Tanz und Performance für die weitere Ausarbeitung des Projektes bereitgestellt. Die Drachengasse stellt Bar&Co samt Infrastruktur für die Aufführung in der darauffolgenden Saison zur Verfügung: Proberaum für 3 Wochen, eine Spielserie von 16 Tagen. Bühne: 3,5 x 5 m, technische Grundausstattung vorhanden; PR, Werbung, Marketing; dramaturgische Betreuung
Der Publikumspreis beträgt 1000 €.

Projektbeschreibung:
Einreichfrist: 2. November 2017
Spielzeit: 28. Mai bis 16. Juni 2018, Di bis Sa, Beginn: 20 Uhr
Dauer: 20 Minuten. Keine Monologe.
Abgesehen vom allgemeinen Thema »Narziss, du Opfer!« keine inhaltlichen Vorgaben.
Teilnehmer: Theaterkünstler in Ausbildung oder am Beginn ihrer Berufslaufbahn. Fokus auf Text, Schauspiel und Regie (minimale bühnentechnische Anforderungen)

Unterlagen: Name und Kontakt der Gruppe, Projektbeschreibung (maximal 1 Seite), Info über Mitwirkende (Name, Alter, Kurzbiografien inkl. Ausbildung)
Projektvorschläge sind zu richten an: newcomer@drachengasse.at
oder per Post an: Theater Drachengasse, 1010 Wien, Fleischmarkt 22, Kennwort: Newcomer

I Am From Austria – Im Freien Fall

Wer Wuchtln will, geht ins Simpl, wer Musical für Vollidioten bevorzugt, kann auch im Raimund Theater vorbeischaun. »Im freien Fall« heißt das neue Programm des Kabarett Simpl, und das hat durchaus auch etwas Philosophisches. Denn der freie Fall, das ist ja an sich was Tolles. Bis man halt aufprallt. Wenn Christian Struppeck Pech hat, ist das mit dem Aufprallen bald so weit. Was er für IAFA an Dialogen geschrieben hat, geht nicht mal in einer Soap. Vor allem dann, wenn dieser schlechte Dialog derart schlecht serviert wird. Ich habe im Publikum heute durchaus bekannte ehemalige Theaterdirektoren gesehen, die sich beim x-ten Aufguss des Schmidinger-Running-Gags nur mehr an die Stirn gegriffen haben. Die nur den Kopf geschüttelt haben, als Torten in einer Szene zu singen begonnen haben. IAFA ist Theater für Infantile. Man glaubt nicht, was da an Kitsch von der Bühne rinnt. Hier kommt es in fast keiner Szene zu einem »Break-into-Song«-Moment, weil Gergen es timingmäßig einfach nicht schafft. Er lässt, wenn ihm nicht eine Tanzszene zuhilfe kommt, seine Darsteller auf der Bühne versauern, bis dann endlich ein Lied beginnt. Gern würde ich sagen, es liegt nicht an den Darstellern, aber so ist es eben nicht, oder eben doch, denn Andreas Steppan ist der Einzige der Truppe, der so etwas wie Glaubhaftigkeit auf die Bühne bringt und mit seinem ersten Lied den besten Showmoment dieser Produktion hat. Was die Show halbwegs in Schwung hält, sind die Tanznummern, aber nicht wegen der Tanznummern mit den altbackenen Choreos, sondern weil es einfach klasse Tänzer sind, die sie servieren. Paul Csitkovics, Thomas Höfner, Peter Knauder, das sind einfach Typen, die dir jeden Schas so tanzen, dass du nur mehr Wow sagst. Das wären also zwei Gründe, sich die Fendrich-Show anzusehen, aber es fällt schon sehr schwer, viel mehr Positives zu finden.
(Besuchte Vorstellung: 16. September 2017; Raum Für Kommentare –> hier; Lounge der VBW-Mitarbeiter –> hier)

Und das schrieben die anderen:

»Nun könnte man das alles trotzdem charmant finden, würde die Banalität nicht so schmerzen. Klischee türmt sich hier über Klischee, bis man ein Gipfelkreuz draufstellen könnte.« (»Wiener Zeitung«)
»… zwischen den Evergreens hanteln sich sie Darsteller mit Texten von Nummer zu Nummer, die kaum mehr als Alltagsblabla sind. Drei Stunden lang.« (»Kronen Zeitung«)
»Der Beginn ist fürchterlich, es wird gekreischt und gehüpft, man möchte rufen: ›Armer Fendrich, du kannst nichts dafür‹« (»Die Presse«)
»Mangelnde Personenführung ist seit jeher ein Schwachpunkt in der Regiearbeit von Andreas Gergen. Auch mit Respekt vor Kim Duddys Leistungen in vielen Jahren: Das Bewegungsrepertoire des hüftflexiblen Ensembles kommt einem von anderen Musicals schon so bekannt vor, dass sich die Frage stellt: Wo bleibt der neue choreografische Input?« (»Kurier«)
»Mitunter fliegt sie auch im Hubschrauber Richtung Hüttenzauber und erleidet neben einem Gipfelkreuz einen Anfall von Heimatliebe.« (»Der Standard«)
»Michael Reed hat Fendrichs Nummern für die Verwendung auf der Musicalbühne fit gemacht - dass das keine Schlankheitskur sein wird, war klar. Es darf ein bisserl mehr sein, auch wenn es manchmal wehtut.« (nachrichten.at)

Bronski & Grünberg 2017/2018

Kaja Dymnicki, Julia Edtmeier, Salka Weber und Alexander Pschill starten mit ihrem Theater Bronski & Grünberg in die zweite Saison. Die folgenden Premieren stehen am Programm:
»Richard III.« (Regie: Helena Scheuba)
»Rigoletto« (Regie: Alexander Pschill, Julia Edtmeier, Kaja Dymnicki)
»Kevin allein zu Haus« (Regie: Dominic Oley)
»Titanic« (Regie: Dominic Oley)
»Wiener Blut« (Regie: Ruth Brauer-Kvam)
»Kleist – Familie Schroffenstein« (Regie: Fabian Alder)
»Pretty Woman« (Regie: Calle Fuhr)
»Onkel Wanja« (Regie: Lorraine de Sagazanne)

Saisonstart: 22. September 2017 – Premiere »Richard III.«

Die nächsten Premieren:
8. Oktober 2017: »Der Spieler« (Wiederaufnahme)
24. November 2017: »Rigoletto«

Universität Mozarteum Salzburg & Kunst Meran: Frida Parmeggiani

Frida Parmeggiani – vielen galt sie in ihrer aktiven Schaffenszeit von 1978 bis 2008 als weltbeste Kostümbildnerin – wurde durch ihre Arbeiten für Robert Wilson, Samuel Beckett, und Rainer Werner Fassbinder zur Legende. Ihre prägenden Arbeiten für Wilson im Musicalbereich (alle im Thalia Theater Hamburg): „The Black Rider“ mit Tom Waits (1990), „Alice“ mit Tom Waits (1992), „Time Rocker“ mit Lou Reed (1996) und „POEtry“ mit Lou Reed (2000). Ihr Credo: „No color, no time“. Ihre Lieblingsfarbe Schwarz ist die Dominante im vorliegenden Buch, das als Katalog zu einer Ausstellung fungierte, die zum 70. Geburtstag der Künstlerin in Salzburg und Meran 2016/2017 zu sehen war. Schwarz war auch das Leitmotiv dieser Ausstellung, in der sie neun neue Entwürfe, bestehend aus 13 Einzelfiguren, „inszenierte“, erstmals ohne Dramaturgie, Sänger, Schauspieler. Der Katalog wurde 2017 als eines der 15 schönsten Bücher Österreichs ausgezeichnet. Die Jury lobte u. a. die „feine Abstimmung der Papierformate und -qualitäten, der Schriftstärken und Satzspiegel“. Elfriede Jelinek (sie bezeichnet die Kostüme Parmeggianis als „Stoff-Geschöpfe“), Robert Wilson und Bernd Sucher (neben anderen) steuerten zu diesem Band Texte bei, in denen sie über die Arbeit von und ihre Beziehung zu Parmeggiani erzählen. Zu Sucher meinte Parmeggiani einmal: „Sie haben meine Kostüme wahrgenommen. Die meisten Kritiker haben keine Ahnung, wie wichtig die Kostüme sind. Der Job des Kostümbildners wird total unterschätzt.“ Dieses Buch wird in seiner Schönheit, die nicht durch Opulenz beeindruckt, sondern durch seine faszinierende fesselnde kühle Ästhetik, der Bedeutung dieser Künstlerin gerecht. Ein Leseerlebnis.

Universität Mozarteum Salzburg & Kunst Meran: Frida Parmeggiani. Kostümabstraktionen. SCHLEBRÜGGE.EDITOR, Wien 2016. 112 S.; (Broschur) ISBN 978-3-902833-94-5. EUR 34,–. schlebruegge.com

Franz Patay: »Andere machen es ja auch so«

Transkription eines Beitrags von ORF 3, 26.6.2017, »Kultur Heute«

Wie weit darf Freunderlwirtschaft eigentlich gehen? Mit dieser Frage sehen sich derzeit die Vereinigten Bühnen Wien konfrontiert. Im Herbst wird der neue Intendant der Musicalstätten Raimund Theater und Ronacher bekannt gegeben. Die schlechte Auslastung des Musicals »Schikaneder« hat Intendant Christian Struppeck unlängst einen Dämpfer verpasst. Nur 62,5 Prozent der Sitzplätze waren heuer belegt. Und jetzt kommt auch noch der Vorwurf der Freunderlwirtschaft dazu. Auffällig oft inszeniert nämlich der deutsche Regisseur Andreas Gergen. Das Pikante daran: Gergen ist der Lebensgefährte von Struppeck. Der neue VBW-Geschäftsführer Franz Patay zieht Konsequenzen.

Unverhältnismäßig oft setzt Musicalintendant Christian Struppeck bei Neuproduktionen auf Regisseur Andreas Gergen. Insgesamt vier Mal standen Inszenierungen und Regiearbeiten seines Lebensgefährten am Spielplan. Wer nachfragt, erfährt auch, dass Gergen für das Projekt »Messiah Rocks« im vorigen April ebenfalls vorgesehen war. Nur habe er damals keine Zeit gehabt. Beim Musical »I Am From Austria« diesen Herbst wird Gergen nun seine fünfte Regiearbeit übernehmen, das aber auf Wunsch von Rainhard Fendrich.
Den Vorwurf der Freunderlwirtschaft kann der neue VBW-Geschäftsführer Franz Patay nicht verstehen. Andere machen es ja auch so.
Franz Patay: »Wenn wir mal bisschen weiter schauen, ich sage mal in das Volkstheater, da war auch der Herr Schottenberg mit der Frau Maria Bill, die jahrelang dort gearbeitet haben. Noch ein Stückchen weiter im Theater in der Josefstadt ist der Herr Föttinger mit einer seiner Protagonistinnen verheiratet und inszeniert und spielt mit ihr.«
Umstritten ist auch Struppecks Auslegung seines Auftrags, neben seiner Funktion als Intendant zusätzlich auch Stücke zu schreiben. So hat er drei der vier neu produzierten Musicals, bei denen die Vereinigten Bühnen beteiligt waren, selbst verfasst oder zumindest als Koautor fungiert. Tantiemen dafür sind ihm nach seiner Intendantenzeit sicher. Stücke zu schreiben, sei Struppecks ausdrücklicher Auftrag, betont Franz Patay. Dass er aber so gut wie jedes neue Stück selbst schreiben muss, besagt der Auftrag nicht. Oder?
Franz Patay: »Richtig. Da geb ich Ihnen recht. Ist so.«
Eine offene Frage ist auch, warum 2016 das gut ausgelastete VBW-Musical »Mozart!« nicht bis Saisonende gespielt wurde. Stattdessen wurde von April bis Ende Juni die Tourneeproduktion »Ich war noch niemals in New York« vom Konkurrenzunternehmen Stage Entertainment eingesetzt. Koautor des Stücks: Christian Struppeck. Ob er dafür Tantiemen bekommen hat, lässt sich nicht herausfinden. Fragen wie diese hätten wir Struppeck gerne persönlich gestellt, für ein Interview sei aber keine Zeit, so eine Sprecherin der VBW.
Die bisherige Bilanz der Ära Struppeck ist durchwachsen. Nach einem Anfangsdämpfer mit »Natürlich Blond« gelang ihm mit »Mary Poppins« im letzten Jahr ein Publikumshit. Die Musicals »Evita« und »Mamma Mia!« wurden aufgrund des großen Erfolgs sogar verlängert. Unter den Hits der letzten Jahre sind die Stücke von Struppeck und die Regiearbeiten von Gergen aber nicht dabei. Bei der letzten großen Eigenproduktion, »Schikaneder«, hat Christian Struppeck das Buch geschrieben. Die Auslastung ging von 65,5 Prozent im letzten Kalenderjahr heuer noch einmal um drei Prozentpunkte zurück, auf 62,5 Prozent. Ein Flop, sagen die einen, Patay verteidigt.
Franz Patay: »Wir hatten zum Schluss 180.000 Besucher in diesem Stück. Das ist sehr, sehr viel für ein einzelnes Stück.«
Im letzten April wurde Struppeck als Musicalintendant bis 2020 verlängert, allerdings nicht von Franz Patay. Er wurde erst im Oktober zum VBW-Chef bestellt. Sein Vorgänger: der jetzige Kulturminister Thomas Drozda. Er verweist auf Patay.
Sollen auch in Zukunft Bücher von Struppeck und Regiearbeiten von Gergen übernommen werden? Patay spricht Klartext:
Franz Patay: »Wir können nicht immer, auch wenn’s erfolgreich ist, das gleiche Team haben. Und daher wird es mit dem Anspruch, den wir haben, zu Veränderungen kommen müssen.«
Solange Struppeck Intendant ist, so Franz Patay, wird Andreas Gergen ab sofort keine Regiearbeiten mehr übernehmen. Auch eine Beschlussfassung des Aufsichtsrates der VBW soll Konstellationen wie diese in Zukunft unterbinden.
Ob Struppeck auch weiterhin als Intendant und Autor fungieren darf, ließ Patay offen. Intern jedenfalls laufen bereits die Vorbereitungen für das Musical »Casanova«. Koautor: Christian Struppeck.

Vienna’s English Theatre: »Dogfight« statt »Bare« 2018

War das ursprünglich angekündigte »Bare« schon eine großartige Stückauswahl, so ist die Entscheidung des English Theatre, die Wien-Premiere von »Dogfight« zu bringen, um nichts schlechter. Zu sehen ist das Stück der »Dear Evan Hansen«-Masterminds Benj Pasek & Justin Paul (Buch: Peter Duchan) in einer Produktion des Youth Ensembles vom 5. bis 20. März 2018.
Details zu dieser Produktion gibt es –> hier.

brut, Schauspielhaus 2017/2018: »Dirty Dancing Faust« und die »Seestadt-Saga«

Die Programmpräsentation von Schauspielhaus und brut für die Saison 2017/2018 folgt im Herbst. Erste Ankündigungen gibt es schon:

brut: »A Dirty Dancing Faust«
Ende Oktober startet das Projekt »A Dirty Dancing Faust« von Nesterval (in Kooperation mit brut). Das Kollektiv, in Wien für seine immersiven Theater- und Stadtabenteuer gefeiert, wird das Publikum in einem leerstehenden Gebäude (Simmering-Donaustadt-Floridsdorf) für zwei Monate in eine Fusion aus Goethes »Faust« und »Dirty Dancing« involvieren und sich gemeinsam auf Ermittlungen rund um den Tod eines jungen Hotelangestellten begeben.

Schauspielhaus Wien: Seestadt-Saga
Eine Gruppe von jungen, in Wien lebenden Autoren diverser Herkunft konzipiert nach Vorgabe einer Storyline eine Film- und Theaterserie, die Seestadt-Saga, die in Echtzeit über Social-Media-Kanäle gepostet wird und das interaktive Rezipieren ermöglicht. Die virtuelle Auseinandersetzung wird begleitet von Performances, Partys, Versammlungen und Wohnungsbesuchen vor Ort.

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