Martin Bruny am Samstag, den
21. März 2026 um 11:07 · gespeichert in Literatur
Barbara Zeman und Clemens Setz sind für ihren Podcast »Erster Österreichischer Sachbuchpreis« diesmal bei Elias Hirschl zu Gast und schaun sich an, was sich so in seinem Buchregal findet.
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Zum Beispiel: »Bored Gay Werewolf«, ein Buch, das an Chuck Palahniuks »Fight Club« erinnert und nicht zuletzt eine Satire auf die »Bro«-Kultur ist. Eine recht witzige Kurzfassung des Inhalts:
»Brian, an aimless slacker in his twenties, has been struggling to manage his transition to adulthood almost as much as his monthly transitions to a werewolf. Really, he’s not great at the whole werewolf thing, and his recent murderous snaccidents have got his best friends Nik and Darby suspicious, and caught the attention of Tyler, a hot were-entrepreneur with a start-up idea for the mythological wellness market. Tyler wants Brian to be part of his vision, but as the two get closer – and Brian drifts further from his friends – it becomes clear that Tyler’s plans are much more nefarious than a little lupine enlightenment.«
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Am interessantesten sind immer wieder die kleinen Abschweifungen der Autor:innen in ihrem Podcast. Diesmal wird zum Beispiel ein YouTube-Channel erwähnt, in dem die schlimmsten nuklearen Unfälle aufbereitet werden.
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Erwähnt wird auch das »Evangelienbuch« von Ottfried von Weißenburg aus dem Jahr 870, in dem sich das Wort »horngibruader« (Bruderschaft vom Horn) findet. Eigentlich bezeichnet es Leprakranke, die ihr Erscheinen mit einem Glöckchen, einer Klapper oder eben mit einem Horn (Instrument) ankündigen mussten. Interessant ist das unter anderem auch deshalb, weil im berühmten Grimm‑Wörterbuch („Deutsches Wörterbuch“), herausgegeben von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, für diesen Begriff eine völlig falsche Bedeutung vermerkt ist: »eine art mönche«.
Martin Bruny am Mittwoch, den
18. März 2026 um 07:44 · gespeichert in Theater
Die groß angekündigte »neue Ära« des Stadtheaters Walfischgasse scheint auch schon wieder vorbei zu sein. André Hellers Show »Remassuri« ist an diesem Standort abgespielt und absolviert jetzt einige Gastspiele, unter anderem im Wiener Prater im sogenannten Spiegelpalast (eigentlich ein Zelt, in dem Toni Mörwalds Fressshows über den Teller gehen). Das Stadttheater Walfischgasse ist wieder a Leich, aber das passt ins Themenuniversum Hellers ganz gut. Wenn sich dann der Baumeister (dessen Namen man nicht nennen muss), der der Staatsoper einen wahren Palast gebaut hat (NEST) als Sponsor dereinst mal verabschieden sollte, könnte die Staatsoper mit ihrem Programm für Kinder vielleicht wieder ins ehemalige Nest, das Stadttheater Walfischgasse, zurückkehren (das sie 2015 bis 2020 gemietet hatte). Was dann aus dem NEST wird?
Martin Bruny am Dienstag, den
17. März 2026 um 11:03 · gespeichert in Musical
Schütze Public Results ist eine führende Wiener PR-Agentur für Wirtschafts-, Krisen- und Öffentlichkeitsarbeit mit über 30 Mitarbeitern und mehr als 70 Großkunden. Auf dem Kultursektor stechen im Moment zwei Kunden hervor: die VBW und ATG Entertainment.
Seit 2023 betreut Schütze Public Results den PR-Etat der Vereinigten Bühnen Wien (VBW). Was ATG betrifft, schreibt das Unternehmen auf Instagram: »Wir freuen uns sehr, das ›Theater im Prater‹ kommunikativ begleiten zu dürfen – von der Organisation des Pressefrühstücks bis zur laufenden Medienarbeit rund um den Bau des neuen Musicalhauses.«
Der Geschäftsführer der Agentur ist Gregor Schütze, stellvertretender Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats und Sprecher der ÖVP-Freundeskreises.
Martin Bruny am Mittwoch, den
11. März 2026 um 07:46 · gespeichert in Bücher
In 1979, when I performed at Carnegie Hall the first time, I sang »Some People« from »Gypsy«. At the end of the track, I accidentally paraphrased a line from the middle of the song instead of the final line, »But not Rose.« I was a little bit mixed up that night. Unfortunately, Sondheim was offended. He held up the release of my »Live at Carnegie Hall« album for almost a year, and by that time the thunder over the live recording had diminished. I wasn’t able to start selling the recording at my shows until a long time after it should have been released. The irony is that, after the album was eventually released on CD, we discovered that another recording of my performance from another night existed, where I sang the line correctly. Remember, I had paid for this recording out of my own pocket. I had no record label at the time. It was a onetime event, and it should have been a routine courtesy. One artist to another. Not a big deal. But Sondheim said no.
I’d go on to perform and record a few of his songs in the coming years. Those he liked. Still, I never forgot what he put me through. When he heard my take of »Losing My Mind« with the Pet Shop Boys, he didn’t particularly like it. He always wanted songs he wrote performed exactly as he wrote them. However, there’s some legal mishmash that says after a song has been recorded, anyone has the right to record and release it if you maintain the melody and lyrics. It’s compulsory. So Mr. Sondheim couldn’t put me through hell this time. Years later, I’m still cashing royalty checks for »Losing My Mind.« And so is his estate.
Martin Bruny am Samstag, den
7. März 2026 um 19:19 · gespeichert in Musical
»Die Schöne und das Biest« stellt für die VBW eine Zeitenwende dar. Lange Zeit gab es Übelmeinende, die prophezeiten: Einmal, ja einmal werden die Preise der VBW noch über jenen von Stage Entertainment liegen.
Was für eine absurde Vorstellung. Dort Stage Entertainment, ein kommerzielles Unternehmen, das auf Marktmechanismen setzt, hier das Monopoly-Gegenstück. Die Wiener Ticketpreise, überspitzt formuliert, Chips mit einem Fantasiewert, beliebig festsetzbar, in dem Wissen, dass die erzielten Einnahmen in der Realität nie reichen würden, um kostendeckend zu produzieren. Steuerzahler finanzieren das Unternehmen, und das ist ja auch gut so. Kultur soll gefördert werden.
Dennoch ändert sich das mit Herbst 2026, denn mit »Die Schöne und das Biest« verlangen die VBW, wir nehmen als Vergleichsbeispiel Mittwoch, den 30.9., mehr für ein Ticket als Stage Entertainment.
30.9. »Der König der Löwen«, Hamburg: Premium, 1. Reihe: 185,99 Euro
30.9. »Die Schöne und das Biest«, Wien: VIP GOLD, 1. Reihe: 189 Euro
Der Vergleich ist natürlich etwas unfair, denn die VBW spielen das Spielchen mit flexiblen Kartenpreisen, wie es ihnen gefällt. In einem anderen Monat kosten Tickets wieder weniger. Aber: Die Preise an diesem Tag sind Fakt. Ich will damit eine Entwicklung zeigen. Nicht dass dann jemand überrascht ist, wenn die VBW 2027 vielleicht nicht nur an einem einzigen Tag die Stage-Preise toppen.
Noch interessanter wäre es vielleicht, die VBW Folgendes zu fragen. Gehen wir in die nächste Spielzeit zu »Die Schöne und das Biest« und schauen wird uns die Ticketpreise der teuersten Kategorie nur für die Dienstage an.
29.9.: 189 Euro
6.10.: 179 Euro
13.10.: 189 Euro
20.10.: 179 Euro
27.10. 189 Euro
3.11.: 159 Euro
10.11.: 159 Euro
17.11.: 169 Euro
24.11.: 169 Euro
1.12.: 159 Euro
15.12. 149 Euro
22.12.: 179 Euro
Dynamic Pricing made in Oberlerchenfeld?
Martin Bruny am Samstag, den
7. März 2026 um 18:31 · gespeichert in Theater
Theaterpodcast Schauspiel Hannover mit Nils Rovira-Muñoz. Er erzählt zum Beispiel von seinem Engagement am Wiener Volkstheater (2015–2017), direkt nach seinem Schauspielstudium.
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»Ich hatte ein richtiges Horror-Erstengagement in Wien, am Volkstheater. Das war für mich die Realitätskeule von ›Das ist Theater‹. Will ich das? Kann ich das? Was passiert hier? Das war ne Lektion, für die ich dankbar bin. […] Für mich war es ein Wahnsinn, in diese Riesentheaterstadt Wien zu ziehen mit so ner großen Tradition auch an dem Haus. Die Leute lieben das Theater dort. Es gibt viel Aufmerksamkeit dafür, und das checkt man sofort. Gleichzeitig war es auch eines der größeren Häuser in meinem Jahrgang. Quasi diese Bürde zu tragen: Man ist einer von den wenigen, die die Möglichkeit bekommen, in dieser Größenordnung zu arbeiten. Das hat mich überfordert, muss ich sagen. Dann hab ich ganz groß gespielt am Anfang, neben Starkollleg:innen, und ich war aber nicht so gut, würd ich sagen. Dann kriegst du Kritiken, die dein Spiel beurteilen, und da muss man kucken, wie geh ich da selber mit um. Welche Verantwortung liegt dann vielleicht auch bei der Leitung? Da sind so viele Sachen zusammengekommen, dass das Engagement dann nach zwei Jahren beeendet war und das eine große Erleichterung auch für mich war auf ne Art. Trotzdem wertvolle Jahre, muss ich sagen.«
Link zum Podcast –> hier
Martin Bruny am Mittwoch, den
4. März 2026 um 18:33 · gespeichert in Theater
Für kleine Bühnen in Wien gibt es derzeit keine Planungssicherheit. Sie bekommen für 2027 keine Zusage von Förderungen, weil mehrjährige Förderungen abgeschafft wurden. Die Bedeutung von mehrjährigen Förderungen ist der Stadt Wien bekannt. Auf wien.gv.at heißt es:
»Mehrjährige Förderungen geben Sicherheit, ermöglichen längerfristige Planungen, erhöhen den Handlungsspielraum von Kulturschaffenden und reduzieren den Verwaltungsaufwand. Zur Verbesserung von Resilienz ist es sinnvoll, längerfristiges Fördern, wie es der Theaterbereich modellhaft bereits vorführt, auf andere Genres zu übertragen bzw. spartenspezifisch anzupassen, um die Vorteile sinnvoller Planungsphasen zu nutzen. Regelmäßige Valorisierungen werden nach Maßgabe des städtischen Budgets angestrebt.«
Aus dem Büro der Wiener Stadträtin für Kultur und Wissenschaft heißt es dagegen derzeit:
Martin Bruny am Samstag, den
28. Februar 2026 um 11:45 · gespeichert in Musical
Vor sieben Jahren arbeitete Singer-Songwriter Aimee Mann an Liedern für eine Musicalversion des Films „Girl, Interrupted“ („Durchgeknallt“; 1999 mit Winona Ryder und Angelina Jolie als schräge Psychopathinnen in den Hauptrollen). Das Psychodrama basiert auf der Autobiografie von Susanna Kaysen, die Ende der 1960er-Jahre als 18-Jährige für eineinhalb Jahre in einer psychiatrischen Klinik weggesperrt wurde, die alle einschlägigen (Horror-)Vorstellungen von solch einer Institution zu jener Zeit erfüllte.
Aus der Show wurde nichts, aber die Songs veröffentlichte Aimee Mann unter dem Titel »Queens of the Summer Hotel«, wobei die psychiatrische Anstalt Aimee Manns „Summer Hotel“ ist, und die „Queens“ die Patientinnen, denen sie 15 melodisch eingängige Songs widmet.
2026 wird die Bühnenfassung nun doch verwirklicht. »Girl, Interrupted« ist vom 13. Mai bis 21. Juni im Public Theatre zu sehen. Als Choreografin dabei: Sonya Tayeh (2021 Tony Award für »Moulin Rouge«). Das Buch hat Martyna Mayok geschrieben (sie schrieb auch für das neue Musical von Florence Welch, »Gatsby: An American Myth«, das Buch). Regie: Jo Bonney.
Zum immerwährenden Thema der Zeit, Missbrauch, schrieb Aimee Mann für die Show den Song »Home by now«.
Martin Bruny am Sonntag, den
22. Februar 2026 um 07:48 · gespeichert in Musical
Zahlen zu den VBW sind ja nur eher über Umwege zu bekommen. Etwa über das Protokoll des Gemeinderats der Bundeshauptstadt Wien, 22. Wahlperiode, 9. Sitzung vom 18. Dezember 2025.
Förderung der VBW durch die Stadt Wien
2025: 57,5 Millionen EUR
2026: 52,5 Millionen EUR
Eigendeckunggrad
2015: 61 Prozent
2019: 55 Prozent
Recht unterhaltsam ist eine Wortmeldung von Thomas Reindl (SPÖ). Er sagt: »Ein großer Unterschied ist aber, ob man so wie in Wien 40 Personen im Orchestergraben sitzen hat, die live spielen und für die wir Arbeitsplätze schaffen, oder ob die Musik aus der Dose kommt. Das ist ein ganz großer Unterschied.«
Bei welcher Produktion war er?
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Judith Edelmann (ÖVP) skizziert ein wenig die Zukunft:
»Keiner von uns – weder ich noch ein Mitglied meiner Fraktion – hat sich darüber aufgeregt, dass 5 Millionen EUR eingespart werden, möchte ich sagen. Es geht um den Eigendeckungsgrad von den Vereinigten Bühnen. Ich bin der Meinung, man muss auch nächstes Jahr 5 Millionen einsparen und übernächstes Jahr 5 Millionen einsparen, und ich bin sehr froh, dass damit begonnen wurde.«
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Johann Arsenovic (GRÜNE): zum Thema »Disney«:
»Ich habe mir vor allem diese Stage Entertainment Group sehr genau angeschaut. Das sind Häuser in Deutschland, die zu 100 Prozent eigenfinanziert sind - ja, das stimmt: zu 100 Prozent -, die Disney-Musicals spielen.«
Dieser Tage gabs ja die Gender-Reveal-Party der VBW rund um die Besetzung von Disneys »Die Schöne und das Biest«. Mehr als »It’s a Baby« fiel auch der Presse dazu nicht ein.
Quelle wien.gv.at
Martin Bruny am Freitag, den
13. Februar 2026 um 07:52 · gespeichert in Bücher
Dass sich Rina Tanaka in ihrem Buch »Wiener Musicals and Their Developments. Glocalisation History of Musicals between Vienna and Japan« dem von ihr so genannten »Wiener Musical« gewidmet und mit der Behauptung, dass es so etwas tatsächlich gibt, eine These aufgestelllt hat, über die man zumindest mal nachdenken kann, ist großartig. Aber schon beim Durchblättern sieht man, wie geschickt die VBW waren, Fakten so zu chiffrieren, dass man ihnen nicht ganz so leicht auf die Schliche kommt. Zumindest von Japan aus nicht. So glaubt Tanaka tatsächlich die Märchenzahl von 80 Prozent Auslastung bei der K… (jetzt hätte ich fast Katastrophenproduktion geschrieben, aber das würde ich natürlich nie machen) »Schikander«. Seite 108 wiederum (siehe unten) streift ein ganz wichtiges Thema (wenn auch nur in den Fußnoten). Unter der Intendanz von Kathrin Zechner herrschte eine ansteckende Freude am Theatermachen. Davon merkt man schon lange nichts mehr. Alles außerhalb des »Regulären« wurde aufgegeben bzw. an billiger produzierende Dienstleister abgegeben (»Musical Christmas«, »Jesus Christ Superstar«, »Musical Meets Opera« etc). Zum Verhältnis Japan und Österreich später mal mehr, da gibt es eine steile These, die Tanaka nicht erwähnt, die aber bis weit in die Geschichte zurückreicht.