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Theater Akzent: Romeo und Julia

1. Dezember 2010
19:30bis21:30

Theater Akzent: Romeo und Julia
von William Shakespeare
in einer Bearbeitung von Felix Mitterer
Eine Produktion von Schule für das Leben

Die Bildungsinitiative „Schule für das Leben“ wurde 2008 von der Intendantin des Wiener Kindertheaters Sylvia Rotter gemeinsam mit Dr. Brigitte Sindelar (Sigmund-Freud-Privatuniversität) und Prof. Dr. Max H. Friedrich (Universitätsklinik für Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters) ins Leben gerufen.

Ausgehend von der Beobachtung im Rahmen der Produktionen des Wiener Kindertheaters, dass Theaterarbeit Kinder in ihrer sprachlichen, kreativen und sozialen Entwicklung maßgeblich unterstützt und ihre Persönlichkeit stärkt, sollte dies im Rahmen empirischer psychologischer Studien untersucht werden. Aus den Erkenntnissen der Forschungsarbeit sollten praktische Lösungen für eine Pädagogik entwickelt werden, die die Persönlichkeitsbildung junger Menschen berücksichtigen und dabei auf Sprachkompetenz, Kreativität, Selbstsicherheit, Teamfähigkeit und soziale
Interaktionsfähigkeit setzen. Damit soll auch ein konstruktiver Beitrag zur aktuellen Bildungsdiskussion und für die Entwicklung und Implementierung theaterpädagogischer Unterrichtsmethoden abseits des Frontalunterrichts geleistet werden.

Ende Jänner 2008 wurden in zwei Volksschulen Wiens insgesamt 126 Kinder einer Schulstufe zu Beginn des Semesters umfassend psychologisch getestet, bevor im Zeitraum von drei Monaten zwei mal wöchentlich mit den Kindern praktisch gearbeitet wurde. Der Fokus der theaterpädagogischen Übungen, entwickelt von Sylvia Rotter und ihrem Team, lag dabei auf sprachlichem und körperlichem Ausdruck, Tanz und Improvisation. Nach Beendigung der Projektarbeit im Juni 2008, wurden in einer zweiten Testreihe auch sprachliche Intelligenz und Motorik getestet. Die Ergebnisse dieser ersten Studie zeigen signifikante Verbesserungen der verbalen Merkfähigkeit, der Körperwahrnehmung sowie der Aufmerksamkeit.

Auf Einladung des Transferzentrums für Neurowissenschaft und Lernen ZNL (Universität Ulm) unter der Leitung von Prof. DDr. Manfred Spitzer hat sich im März 2010 eine Expertentagung in Ulm mit diesen Forschungsergebnissen befasst. Ebenso entstand auf Grundlage der Ergebnisse aus der ersten Phase der Bildungsinitiative das Praxisbuch „Vorhang auf fürs Leben!“. Dieses bietet einen Leitfaden für Eltern und Lehrer, um theaterpädagogische Übungen in den Alltag von Kindern und Jugendlichen zu integrieren. Im Vorwort erläutert der Neurowissenschaftler Prof. DDr. Manfred Spitzer eindrücklich die positiven Auswirkungen der Theaterarbeit auf Kernkompetenzen sowie die Entwicklung neuer Synapsen aufgrund von derartigen Lernerfahrungen.

Ende September 2010 wurde die zweite Phase der Initiative mit ca. 40 Lehrlingen der SPAR Akademie Wien im Alter von 16-20 Jahren gestartet. Dem Konzept des “Lebenslangen Lernen” folgend, richtet sich die Fortsetzung des Projekts demnach auch an Menschen, die die Pflichtschulausbildung bereits abgeschlossen haben. Die Förderung von Kreativität, Fantasie und Individualität durch Sylvia Rotters Methode leistet altersunabhängig einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Stressresistenz, Flexibilität, Teamgeist und Kommunikationsfähigkeit – Schlüsselfaktoren in der heutigen schnelllebigen Gesellschaft.

Die wissenschaftliche Leitung und vorrausgehende beziehungsweise abschließende Testreihen mit den Lehrlingen übernimmt in dieser zweiten Phase der Neurowissenschaftler Prof. DDr. Manfred Spitzer. Die Entwicklung von sprachlichen Kompetenzen wird bei den Produktionen des Wiener Kindertheaters stets groß geschrieben und daher auch immer Stücke der Weltliteratur erarbeitet. Auch die zweite Phase der Bildungsinitiative widmet sich einem populären Werk klassischer Literatur: In einer Textbearbeitung des österreichischen Dramatikers Felix Mitterer werden die Lehrlinge an Shakespeares „Romeo und Julia“ herantreten. Gerade die Popularität des Stoffes war ein Aspekt, der für „Romeo und Julia“ sprach, um den Jugendlichen einen möglichst spannenden Zugang zu einem klassischen Werk zu ermöglichen.

Mit den Themen, Konflikten und Lebenssituationen, die das Stück behandelt, können sich Jugendliche besonders identifizieren. Aus- und Leidtragende des tragischen Konflikts ist in erster Linie die junge Generation, deren Schicksale in eine Geschichte um verfeindete Familien, Streit, Mord, Freundschaft und Liebe bis in den Tod verflochten sind.

Mitterer schreibt für dieses Projekt eine gekürzte und für Jugendliche leichter zugängliche Fassung von Shakespeares „Romeo und Julia“. Sein Gesellschafts- und Liebesdrama soll die Lebensrealität und die Lebensumstände junger Menschen von heute reflektieren: Gesellschaftliche Intoleranz, Jugendgangs, feindliche Lager und eine Liebe, die in einem solchen Setting unmöglich ist, sind nicht nur literarische Motive, sondern haben allzu zahlreiche reale und aktuelle Entsprechungen. Sein Text soll dafür als Ausgangsmaterial dienen.

Wunsch Felix Mitterers ist es, dass die jugendlichen Darstellerinnen und Darsteller im Zuge der Stückerarbeitung seine Vorlage weiterbearbeiten und sich selber mit ihrer eigenen Welt einbringen, sodass das Stück möglicherweise eine ungeahnt neue Gestalt erhält.

In regelmäßigen Theaterworkshops werden sich die 40 Lehrlinge der SPAR Akademie unter der Leitung von Sylvia Rotter und Diane Travis „Romeo und Julia“ auf Grundlage der Textfassung von Felix Mitterer nähern. Diese zweite Phase sieht erneut Testreihen vor Probenstart und nach Abschluss des Projekts vor, sie wird jedoch um eine weitere Testung drei Monate nach Projektende ergänzt, um die Nachhaltigkeit des Erlernten zu überprüfen. Durchgeführt von Dr. Anne Stein, unter der Schirmherrschaft von Prof. DDr. Manfred Spitzer und dem Transferzentrum für Neurowissenschaft und Lernen ZNL (Universität Ulm), werden diesmal auch die Auswirkungen auf die Synapsenbildung während des Probenprozesses berücksichtigt.

Die eigene Geschichte der Darstellerinnen und Darsteller, ihr Verständnis der literarischen Vorlage und das selbst Empfundene nehmen einen wichtigen Part in der Erarbeitung und Entwicklung des Stücks ein. Eine offene Probensituation soll den kreativen Prozess der mitwirkenden Lehrlinge fördern, ihnen den nötigen Freiraum für eigene Ideen geben und diese entsprechend in das Ergebnis – also die zur Aufführung gelangende Inszenierung – einfließen lassen. Im Probenprozess werden Improvisationen einen wichtigen Stellenwert einnehmen, um die Jugendlichen frei experimentieren, Szenen entwickeln und Charaktere entfalten zu lassen. Spannend sind dabei die Potentiale gruppendynamischer Impulse einzuschätzen. Die verschiedenen Rollen werden an den beiden Aufführungsabenden in unterschiedlichen Besetzungen gespielt.

Premiere: 1. Dezember 2010
Theater AkzentPremiere: 1. Dezember 2010
2. Aufführung: 2. Dezember 2010
jeweils 19.30 Uhr
Spielort: Theater Akzent
Theresianumgasse 16-18
1040 Wien
Dramaturgie: Felix Mitterer
Regiekonzept: Diane Trevis
Produktion: Sylvia Rotter
Bühnenbild: Anna Mitterer
DarstellerInnen: ca. 40 Lehrlinge der SPAR Akademie Wien

Links
- Das Wiener Kindertheater
- Theater Akzent
- Schule für das Leben

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