Archiv - 2008
Martin Bruny am Sonntag, den
4. Mai 2008 um 10:10 · gespeichert in Wien
Auf einen Artikel der österreichischen Tageszeitung “Der Standard” haben die Vereinigten Bühnen Wien reagiert. Unter dem Titel “Kontrollamt: Herbe Kritik an den Vereinigten Bühnen Wien” schrieb STANDARD-Redakteur Thomas Trenkler am 2. Mai 2008 unter anderem:
Erhellendes erfährt man auch über Klausnitzers Nachfolgerin Kathrin Zechner: Sie hatte einen freien Dienstvertrag, wurde aber eineinhalb Jahre wie eine Angestellte entlohnt. Es ergaben sich für Zechner daher die Vorteile beider Dienstverhältnisse: günstige Besteuerung, soziale Absicherung, Weisungsfreiheit – und zudem Weihnachts- wie Urlaubsgeld.
Laut Kontrollamt läuft Zechners Vertrag bis Ende 2008. In der Tat aber wurde er, wie der Standard recherchierte, bereits 2005 um zwei Jahre bis 2010 verlängert. Wolf wie Ringler kritisieren, dass diese Entscheidung nicht offiziell bekanntgegeben wurde. Wolf stößt sich zudem an der “beachtlichen” Subvention von 222 Euro pro Opernticket im Theater an der Wien, Ringler spricht von “Großmannssucht” der SP: Die Ausgaben für die VBW (40 Millionen Euro) stünden in keinem Verhältnis zum Ergebnis.
Per ots-Presseaussendung (auch zu finden, aber nicht so leicht, in einem STANDARD-Subchannel) kontern die VBW am 3. Mai 2008:
Zum Vertrag von Intendantin Mag. Kathrin Zechner: Dieser war de facto immer der einer Leitenden Angestellten. Sie hatte Freiheit in der künstlerischen Konzepterstellung für die Spielstätten der VBW. Intendantin Zechner hat sämtliche steuerlichen Abgaben geleistet. 2005 wurde ihr Vertrag bis 2010 verlängert.
Die VEREINIGTEN BÜHNEN WIEN (VBW) mit Raimund Theater, Ronacher Theater und Theater an der Wien zählen zu den erfolgreichsten Bühnen in Österreich und genießen einen ausgezeichneten internationalen Ruf. Wie die aktuelle Theaterstatistik des deutschen Bühnenvereins aufzeigt, belaufen sich die Subventionen pro Besucher bei den drei Häusern insgesamt auf rund 70 EUR. Damit zählen die VBW nicht nur in künstlerischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu den erfolgreichsten Mehrsparten-Theaterbetrieben im deutschen Sprachraum.
Wien bekommt ab 30. Juni wieder eine zweite Musicalbühne Derzeitige Produktionen mit einer Auslastung zwischen 94 und 97 Prozent.
Das Ronacher Theater wird am 30. Juni mit dem Broadwayhit von Mel Brooks THE PRODUCERS wieder eröffnet und im Raimund Theater wird Rebecca, das DramaMusical von Michael Kunze & Sylvester Levay, aufgrund ungebrochenen Publikumsinteresses am 6. September wieder aufgenommen. Bisher sahen die Show 405.147 Besucher, was einer Auslastung von 97,48 % entspricht.
Noch bis 13. Juli zeigen die VBW das Original-QUEEN-Musical WE WILL ROCK YOU. Das Rockmusical zählt in Wien bisher 150.000 Besucher und hat eine Auslastung von 94,9 %.
Die PRESSE kommentiert das Ganze folgendermaßen:
Die Vereinigten Bühnen Wien haben am Samstag bestätigt, dass der Vertrag von Musical-Intendantin Kathrin Zechner bereits 2005 um zwei Jahre bis 2010 verlängert worden ist. Dies ist laut “Standard” nicht öffentlich bekanntgemacht worden. Zur erneuten Kritik durch das Kontrollamt hieß es, dass alle Bilanzen “den uneingeschränkten Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers” haben.
Weitere Links:
- PR-inside.com
Martin Bruny am Samstag, den
3. Mai 2008 um 22:20 · gespeichert in Event-Tipps
| 3. Juli 2008 |
| 19:30 | bis | 21:30 |
Theater am Spittelberg: Sandra Pires - Destino
3. Juli 2008, 19:30 Uhr
Tickets: 22 Euro
Infos zum Kartenvorverkauf –> hier
Wie man portugiesisches Flair ins Theater am Spittelberg zaubern kann, demonstriert die charismatische Sängerin Sandra Pires mit ihrem Programm »Destino«. Im Mittelpunkt des Programms stehen Lieder mit Melodie, Seele und Rhythmus. Neue, selbst komponierte Songs der Künstlerin mit portugiesischen Texten, gefühlvoll arrangiert sowie harmonisch virtuos umgesetzt von hervorragenden Solisten auf Saiteninstrumenten. Gemeinsam mit ihren Musikern unternimmt Pires einen Ausflug in die Weltmusik. Mit ihrer herausragenden Stimme, die Gefühle auf eine mitreißende Art vermittelt, präsentiert sie ein Programm fernab von kurzlebigen Trends und dennoch am Puls der Zeit.
Sandra Pires – voc; Alegre Corràªa – acoustic git, cajon, ukulele; Mario Berger – acoustic git; Ivan Ruiz Macchado – bass
Martin Bruny am Samstag, den
3. Mai 2008 um 22:17 · gespeichert in Event-Tipps
| 6. Juni 2008 |
| 19:30 | bis | 21:30 |
Theater am Spittelberg: Sabina Hank - Inside
Sabina Hank – piano, voc
Alex Meik – bass, voc
Freitag, 6. Juni 2008
Begin: 19:30 Uhr
Tickets: 16 Euro
Infos zum Kartenvorverkauf –> hier
Martin Bruny am Samstag, den
3. Mai 2008 um 17:51 · gespeichert in Netz, Broadway
Ein Konzert mit Shoshana Bean (”Wicked”), Gavin Creel (”Thoroughly Modern Millie”), Julia Murney (”The Wild Party”) und Kevin Chamberlin (”Seussical”), oder Shoshana Bean als Hauptdarstellerin in einer speziellen Version des “High School Musical” - das sind Momente, wie man sie wohl nicht oft erleben kann. Vom 15. bis 22. März 2008 bekam man solche Auftritte und noch viel mehr auf einer Kreuzfahrt geboten, veranstaltet von “R Family Vacations”, einer Firma, die Gregg Kaminsky, Rosie und Kelli O’Donnell gegründet haben.
Die komplette Liste der Stars der Kreuzfahrt: Rosie O’Donnell, Cyndi Lauper, Sam Harris, Seth Rudetsky, Kevin Chamberlin, Shoshana Bean, Marya Grandy, Anne Steele, Brian Nash, Jessica Kirson, Ant, Ross the Intern, Julie Goldman, Gavin Creel, Julia Murney, Tracy Lynn, Matt Zarley, Kate Pazakis, Andrew Keenan-Bolger, James Wesley, Jimmy Smagula, Jesse Vargas und Colin Sheehan.
Musicaldarsteller Andrew Keenan-Bolger (”Seussical”), der auf YouTube einen eigenen Channel betreibt, hat einige Showclips zusammengestellt:
Martin Bruny am Freitag, den
2. Mai 2008 um 18:13 · gespeichert in Filmmusical
Der dritte Teil von Disneys “High School Musical”, “High School Musical 3: Senior Year”, startet am 24. Oktober 2008 in den amerikanischen Kinos. Teaser-Trailer und Filmplakat sind fertig.
Darsteller: Zac Efron (Troy Bolton), Vanessa Hudgens (Gabriella Montez), Ashley Tisdale (Sharpay Evans), Lucas Grabeel (Ryan Evans), Corbin Bleu (Chad Danforth), Monique Coleman (Taylor McKessie), Olesya Rulin (Kelsi Nielson), Ryne Sanborn (Jason Cross), Chris Warren Jr. (Zeke Baylor), Kaycee Stroh (Martha Cox), Alyson Reed (Ms. Darbus), Bart Johnson (Jack Bolton) und Leslie Wing (Lucille Bolton). Ersmals mit dabei: Matt Prokopp, bekannt aus “Hannah Montana”, “The Office” und “An Angel Named Billy”, sowie Justin Martin und Jemma McKenzie-Brown.
Martin Bruny am Freitag, den
2. Mai 2008 um 11:55 · gespeichert in Musical
Hollands Musicalstars Simone Kleinsma und Pia Douwes touren 2008/09 mit Andrew Lloyd Webbers “Sunset Boulevard” durch Holland. Die Premiere findet am 20. September 2008 im Theater het Park, Hoorn, statt, weitere Stationen: Koninklijk Theater Carrà©, Amsterdam (3. bis 19. Oktober 2008), Nijmegen, Eindhoven, Maastricht, Den Haag, Apeldoorn, Groningen, Enschade, Leeuwarden, Breda, Den Brosch, Heerlen, Rotterdam, Utrecht, und vom 1. bis 19. Juli 2009 wieder Amsterdam.
Cast
Norma Desmond - Simone Kleinsma/Pia Douwes
Joe Gillis - Antonie Kamerling
Betty Schaefer - Maike Boerdam
Max von Mayerling - Peter De Smet
Leading Team
Musik: Andrew Lloyd Webber
Buch/Texte: Don Black/Christopher Hampton
basierend auf einem Film von Billy Wilder
Arrangements: David Cullen, Andrew Lloyd Webber
Regie: Paul Eenens
Choreographie: Daan Wijnands, Stanley Burleson
Sest-Design: Misjel Vermeiren, Carla Janssen Höfelt
Kostüm-Design: Yan Tax
Licht-Design: Uri Rapaport
Sound-Design: Jeroen at Brinke
Produzenten: Margreet Wieringa, Willem Metz, Joop van den Ende, Erwin van Lambaart
Einen kleinen Vorgeschmack auf Simone Kleinsma findet man auf YouTube: “As if we never said goodbye” (Ahoy, 2004).
Martin Bruny am Donnerstag, den
1. Mai 2008 um 10:25 · gespeichert in Wien
Autor, Texter sowie Komponist Jack Murphy, langjähriger kreativer Partner von Komponist Frank Wildhorn bei Projekten wie “Rudolf”, “Zelda”, “The Civil War” oder “Swing!”, bietet auf seiner Website exklusive Podcasts und Demo-Songs zu aktuellen, vergangenen und zukünftigen Projekten.
Im Falle von “Rudolf”, einem Musical von Frank Wildhorn (Musik), Jack Murphy (Buch, Texte), Nan Knighton (Texte) und Phoebe Hwang (Buch), dessen deutschsprachige Erstaufführung Ende Februar 2009 im Wiener Raimund Theater stattfinden wird, gibt es unter anderem ein Live-Video des Songs “On The Steps Of Tomorrow” in ungarischer Sprache, aufgenommen während einer Vorstellung im Budapester Operettentheater, gesungen vin Attila Dolhai. Weiters gibt es Demos & Songclips von “I Was Born To Love You”, gesungen von Kate Shindle, “An Ordinary Man”, interpretiert von Rob Evan und “Can I Say Goodbye”, gesungen von Brandi Burkhardt.
Martin Bruny am Donnerstag, den
1. Mai 2008 um 00:29 · gespeichert in West End
Am 28. August 2008 feiert “Can’t smile without you”, ein neues Musical mit den größten Hits von US-Superstar Barry Manilow, im Churchill Theatre von Bromley, Kent, England, seine Uraufführung. Ab 15. September 2008 geht die Produktion auf England-Tour, danach will man am West End spielen.
“Can’t smile without you” handelt von einer Boyband, die im Rahmen eines Trips nach New York auf die angesagteste, aktuellste Reality-Show aufmerksam wird. Diese einmalige Chance will man sich nicht entgehen lassen. Gesucht wird der kommende Pop-Superstar. Leadsänger Tony erhält von den TV-Produzenten die Chance, an der Castingshow teilzunehmen, doch ehe er seinen Traum verwirklichen kann, geschieht ein Unglück. Er verliert sein Gedächtnis, schöpft nur mehr aus seiner Musik Hoffnung und aus der Liebe zu einem Mädchen, das er einst als Mandy kannte.
Ungefähr so oder noch geschwollener die Inhaltsangabe des Musicals, und auch hier beweist sich wieder, dass Produzenten, egal in welchem Land, es nur selten schaffen, bei Uraufführungen den Inhalt, die Handlung klar zu kommunizieren. Aber als Anhaltspunkt mag das reichen, leben wird die Show ohnedies von Manilows Songs wie “Could it be magic”, “It’s a miracle”, “I write the songs”, “Mandy”, “I made it through the rain”, “Trying to get the feeling” und vielen anderen, nämlich mehr als 30.
Leading Team
Buch: Tim Prager
Idee: Bill Kenwright
Musik: Barry Manilow
Regie: Keith Strachan, Bill Kenwright
Design: Andy Walmsley
Licht-Design: Ben Cracknel
Choreographie: Carole Todd
Musikalische Leitung: John Maher
Produzent: Garry Kief
Martin Bruny am Mittwoch, den
30. April 2008 um 16:19 · gespeichert in Castingshows
Seit dem Aufkommen der Musical-Reality-Shows, wie man die durch die Bank im deutschsprachigen Raum fehlgeschlagenen Versuche, Musical-Castingshows im TV zu veranstalten, bezeichnet, stellt sich eine Frage: Wie sehr unterscheiden sich TV-Castingshows von realen Auditions? Immer wieder wird davon gesprochen, wie arm die Kandidaten im Fernsehen sind, was sie sich nicht alles anhören müssen, man erzählt von Stand-by-Psychiatern, die zur mentalen Erstversorgung mit gesprächstherapeutischen Defibrillatoren bereitstehen. Die Showjuroren werden gegeißelt, wenn sie ihrerseits mal wieder einen der Kandidaten medial durchgewurschtet haben. Aber mal ehrlich? Ist diese geschützte Pseudocasting-Werkstätte tatsächlich vergleichbar mit der Realität, mit dem, was ausgebildete Darsteller Audition für Audition erleben? Werfen wir doch mal ein paar Seitenblicke auf den Audition-Alltag aus dem Blickwinkel einiger Darsteller.
Stellen Sie sich vor, Sie sind ausgebildeter Musicaldarsteller, haben an einer renommierten Musicalschule ihren Abschluss gemacht, können auf Hauptrollen-Engagements in großen Musicals verweisen und finden sich plötzlich bei einer Audition mit folgendem Statement konfrontiert: “Bitte bewerben Sie sich nie wieder bei uns.” Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in dieser Branche und ein Großmogul des Business setzt Sie auf seine berühmt-berüchtigte schwarze Liste. Es bleiben Ihnen natürlich diverse Möglichkeiten: Kleinproduktionen und das Auswandern beispielsweise. Eines ist klar: Castingshows im Fernsehen sind Pipifax verglichen mit dem, was Musicaldarsteller in ihrem Beruf tagtäglich erleben.
Wir alle kennen die klassische Audition-Situation. Eine schöne Bühne, ein Klavier, ein Korrepetitor, Licht und das Leading Team im Theatersaal. Man hat ein Lied vorbereitet, eventuell mehrere. Am Ende der Audition ein knappes “Danke. Wir melden uns bei Ihnen.” - eine klassische Situation bei einer realen Audition, in etwa Standard (mit ein paar schmückenden Beiwörtern) bei Fernsehcastingshows, es sei denn Scherzkandidaten singen vor, aber die sind an dieser Stelle nicht mehr erwähnenswert.
Die Realität kann aber auch folgendermaßen aussehen: ein relativ kleiner, stickiger Raum, keine Bühne, ein Leading Team von 25 Leuten, von denen die meisten nichts unmittelbar mit der Auswahl zu tun haben. Grelles, unvorteilhaftes Licht. Sie beginnen mit ihrem Song - und 5 der 25 Zuhörenden stehen auf, verlassen den Raum, demonstrieren damit, dass sie nicht wirklich Interesse an Ihrer Audition haben.
Oder folgende Situation: Sie singen für eine Hauptrolle vor, haben einen beeindruckenden Lebenslauf, können auf erfolgreiche Shows mit den Produzenten, für die Sie gerade vorsingen, verweisen, hören aber vom Regisseur: “Na schaun wir mal, ob Sie auch wirklich etwas können oder nur ein schönes Gesicht haben.” Wozu dann überhaupt ein Lebenslauf, wenn ihn ohnedies niemand ernst nimmt. Eine der Erfahrungen, die man als Darsteller macht: Man hat nicht unbedingt Vorteile, wenn man mehr gemacht hat. Man reiht sich stets mit den Anfängern ein. Wo ist die Steigerungsmöglichkeit? In einem normalen Beruf sieht man bei der Bewerbung auch auf das bisher Erreichte und stellt dann fest: qualifiziert oder nicht qualifiziert. Sich einen “Namen” machen, das wäre eine Möglichkeit. Aber im Musicalbusiness ist das nicht leicht. Die Anzahl der Leute, die sich einen “Namen” gemacht haben, wird, nicht ohne Grund, oft auf eine einzige Person eingeschränkt. Da haben es die Kandidaten bei Castingshows besser: Mit ihnen fiebert ein Gutteil der Nation mit, sie haben die Chance, von Null zum “Star” zu werden - für eine gewisse Zeit.
Wenn Sie es schon als Bewerber für eine Hauptrolle nicht ganz einfach haben, kann es Sie noch schlimmer erwischen, nämlich dann, wenn Sie als Tänzer für eine Ensemblerolle vorsingen. Sie haben 16 Takte, um ihr Gesangstalent zu demonstrieren. Das ist doch genau der richtige Zeitpunkt für eine Pinkelpause, meinen da einige Leute aus dem Leading Team. Also ehrlich, Tänzer muss man sich doch nun nicht anhören.
Auch was die Songauswahl betrifft, sollte man sich nichts vormachen. Wundern Sie sich nicht, wenn man zu lachen beginnt, wenn Sie einen Song vom »falschen«, gerade nicht genehmen Komponisten anstimmen, seien Sie froh, wenn nicht gleich alle den Raum verlassen.
Es gibt Auditions, da ist man sicher, wirklich voll im Rennen zu sein. Zur Vorbereitung bekommt man einen ganzen Packen an Material, man studiert die Songs ein, meint sich laut offizieller Ausschreibung als der richtge Typ für die Rolle, doch plötzlich, vor Beginn des Auswahlprozesses, gibt es neue Noten, und zwar für 20 Leute exakt nur 10 Kopien. Selbstverständlich unterstützt man sich gegenseitig, wundert sich aber doch ein wenig über die mangelnde Professionalität. So hockt man sich mit den Konkurrenten zusammen und bemerkt … dass plötzlich völlig andere stimmliche Voraussetzungen gefragt sind. Da steht doch tatsächlich ein hohes D in den Noten. Im bisher zur Verfügung gestellten Material und laut Ausschreibung war die höchste Stelle ein hohes A. Blöde Sache, denkt man sich: “Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich gar nicht erst hergekommen.” Andere haben freilich größeres Pech. Sie sind von weit her auf ihre Kosten eigens angeflogen. Doch nicht genug damit: Beim Callback befindet man sich in “bester” Gesellschaft, im wahrsten Sinne des Wortes. So gut wie alle Darsteller, die in den letzten beiden Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum Hauptrollen gespielt haben, egal welcher Art, sind anwesend - und singen für dieselbe Rolle vor: von Stimme, Aussehen, Statur und Alter VÖLLIG unterschiedlich - klein, groß, dick, dünn, blond, schwarz. Bei 6 aus 45 sind die Chancen auf den Jackpot fast größer. Als Darsteller fühlt man sich so, als würde man in einem Zirkus vorgeführt werden, andererseits drängt sich die Frage auf, ob da das Leading Team denn überhaupt die Hausaufgaben gemacht hat, die notwendig gewesen wären, um eine passende Auswahl durchführen zu können, ohne Leuten abzusagen, die ohnedies nie ins Konzept gepasst hätten. Als Darsteller gibt man sich immerhin auch viel Mühe, sich entsprechend den Rollenbeschreibungen vorzubereiten. Nicht immer freilich klingt das, worauf man sich einzustellen hat, logisch: Da gibt es immer öfter so wunderbare Angaben wie: “Spielalter: 20″. Was heißt das? Oder “Spielalter: 21″. Was soll man sich darunter vorstellen. Man spielt nicht 19, 20, nicht 22, nein 21?
Es kann nicht ärger kommen? Aber sicher doch. Stellen Sie sich vor, Sie haben tatsächlich Glück und bei einer vier Tage dauernden Audition sind Sie jeden Tag einer der Favoriten. Von Mitgliedern des Leading Teams bekommen Sie nach Ihrem Vorsingen bei gemeinsamen Zigarettenpausen im Beisein auch ihrer Mitkonkurrentinnen das beste Feedback. Großartig sind Sie, wirklich toll. Ihre Kollegin neben ihnen verfällt gerade, bricht in Tränen aus. Auch sie hat doch gerade vorgesungen. — Richtig, eigentlich stehen alle da, weil sie den Job wollen, ihre Miete zahlen müssen. Zeugt es da von einer besonders professionellen Einstellung, wenn sich Mitglieder des Leading Teams mit Darstellern verbrüdern? Ist es nicht vielmehr so, dass Leading Team und Kandidaten sich nicht mischen sollten, dass ein knappes “Danke, Sie hören von uns” zwar hart, aber fair ist. Wer schützt junge Darsteller vor falschen Komplimenteverteilern? Wer schützt sie dann am Ende, wenn aus einem anfänglichen “Alle in diesem Raum wollen, dass du die Rolle bekommst” doch nur ein “Wir sind uns alle einig geworden, dass du es nicht bist” wird - mit einer Begründung, die so ausfallen könnte: “Die Stimme passt doch nicht.” 4 Tage lang Topfavorit, dann passt die Stimme doch nicht? Im Land der unmöglichen Möglichkeiten sind Darsteller vor solchen Zuständen geschützter, da wäre eine solche Vorgehensweise unter Umständen sogar klagbar. Mündliche Zusagen werden dort nicht leichtfertig gemacht. Es geht nicht etwa darum, “künstlerische Entscheidungen” anzuzweifeln, es geht um eine gewisse Fairness. Wenn man ganz offensichtlich jemand gefunden hat, der in den Raum gekommen ist und - wow - wieso bestellt man dann alle anderen noch zu weiteren Vorsingen, schürt Hoffnungen, bietet dann Absagen, die menschlich gesehen untragbar sind wie “Die Stimme passt nicht”, wo doch das Leading Team eben noch der Meinung war, es sei so toll gewesen. Wieso kein Feedback, das man verstehen kann, das dabei hilft, es beim nächsten Mal besser zu machen, oder wenn es schon nicht dazu gedacht ist, zu helfen, dann doch Feedback, das nicht die künstlerische Qualität des Vorsingenden grundsätzlich in Frage stellt.
Andererseits, diejenigen, die eine Absage bekommen, können ja noch froh sein, denn die Fälle mehren sich, da Künstler nicht mal das bekommen. Sie gehen zu einer Audition und hören nie wieder etwas von der Produktion. Leute mit Galgenhumor laufen dann schon mal rum und erzählen, wie toll das doch sei, man müsse wohl nach wie vor im Rennen sein, denn Absage, nein, eine Absage habe man ja nie erhalten.
Manchmal wird Darstellern ganz klar der Eindruck vermittelt, dass Auditions zu Fließbandgeschichten werden. Bei Callbacks ist keine Zeit mehr, mit dem Material zu arbeiten, weil beim Final Call über 130 Leute den Job wollen. Man bekommt zwar jede Menge Material, das man auch einstudieren muss, aber kann dann davon praktisch nichts präsentieren. Auditions nehmen manchmal so etwas wie “Superstar”-Charakter an. Wir suchen die, die wir mögen, aber nicht die, die in die Rollen passen. Womit wir wieder am Beginn wären. Was ist der Unterschied zwischen Castingshows und der Realität.
Martin Bruny am Freitag, den
25. April 2008 um 14:20 · gespeichert in Broadway
Video clip from the Press Launch (Billy Elliot), 22 April 2008: Stephen Daldry & Elton John introducing David Alvarez, Kiril Kulish and Trent Kowalik to the press and the world. —> Link zum Video, Link zur New York Times, Link zu PEREZ HILTON.
« zurueck ·
vor »