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Adam Gwon: »All the World’s a Stage« (2026)

Ein kleiner Ort in einer ländlichen, konservativen Gemeinde in Pennsylvania 1996. Ricky Alleman, ein Mathematiklehrer an der lokalen Highschool, hat ein Faible fürs Theater. Sam, eine seiner Schülerinnen, ist ein Theater-Nerd und mit den restriktiven Gegebenheiten an der Schule nicht zufrieden. Jüngst wurden wieder Bücher aus der Bibliothek entfernt, wegen ihrer »spaltenden Wirkung auf die Community«. Vor allem gibt es keine Möglichkeiten, was ihre Theaterleidenschaft betrifft. Als Sam ihren Mathelehrer bei einer Theateraufführung in einer benachbarten Schule sieht, vermutet sie einen Verbündeten in ihm und bittet ihn, ihr beim Erarbeiten eines Monologs zu helfen. Sie möchte bei einem bundesweiten Bewerb antreten, um ein Stipendium für eine Schauspielausbildung zu bekommen. Rick schlägt ihr Shakespeares »Sonnet 116« (»Let me not to the marriage of true minds«) vor.
So weit eine Fassung des Plots von »All the World’s a Stage«, des neuen Musicals von Adam Gwon, wie sie an Theatern eingesetzt werden kann, die aus ihrer Sicht taktisch klug möglichst viel Publikum ansprechen wollen. Ein paar kleine Details werden ja manchmal gern aus Marketinggründen verschwiegen. Rick, der Lehrer, ist schwul. Sam, die Schülerin, hält nichts von der Idee, Shakespeare zu rezitieren. Sie möchte den »Ozone«-Monolog aus Tony Kushners »Angels in America« bringen. Rick, für den Kushner ein zweiter Shakespeare ist, kann da nicht lange dagegenhalten. Beide haben nicht mit dem Ausmaß an Gegenreaktionen unter anderem des Elternverbands der Schule und der lokalen Kirche gerechnet, als Sam bei einer Schulaufführung tatsächlich Kushner vorträgt. Der Kushner-Monolog wird sogar in der lokalen Zeitung abgedruckt. Es wird bekannt, dass Michael, ein Buchladeninhaber, Sams Freund ist. Aufgrund von Repressalien muss dieser seinen Laden schließen. Von Rick wird die Kündigung erwartet, Sam wird von der lokalen Megachurch ein Job angeboten.
Groomer panic beziehungsweise ein schwuler Lehrer als Protagonist, das war der Ausgangspunkt für Gwon. An der Aktualität hat sich seit 1996 nichts geändert. Tony Kushners »Ozone«-Monolog spielt nicht zum ersten Mal eine Rolle in einem Stück. So gibt es in dem mit insgesamt 34 Preisen ausgezeichneten Film »Still Alice« (2014) eine zentrale Performance: Lydia (Kristen Stewart) liest ihrer Mutter Alice, gespielt von Julianne Moore, eine kryptische Textpassage (den »Ozone«-Monolog) vor und stellt ihr dann eine Frage:
Lydia Howland: [reading to her mother, but mostly from memory] »Night flight to San Francisco chase the moon across America. God, it’s been years since I was on a plane. When we hit 35,000 feet, we’ll have reached the tropopause, the great elt of calm air. As close to the ozone as I’ll get, I - I dreamed we were there. The plane leapt the tropopause, the safe air, and attained the outer rim, the ozone, which was ragged and torn, patches of it threadbare as old cheesecloth, and that was… frightening.«
Lydia Howland: »But I saw something only I could see because of my astonishing ability to see such things. Souls were rising, from the earth far below, souls of the dead, of people who’s perished from famine, from war, from the plague… And they floated up, like skydivers in reverse, limbs all akimbo, wheeling, spinning. And the souls of these departed joined hands, clasped ankles and formed a web, a great net of souls. And the souls were three-atom oxygen molecules of the stuff of ozone and the outer rim absorbed them, and was repaired. Because nothing is lost forever. In this world, there a kind of painful progress. A longing for what we’ve left behind, and dreaming ahead. At least I think that’s so.«
Lydia Howland: [moving over alongside her mother] Hey. Did you like that. What I jest read, did you like it?
Dr. Alice Howland: [barely grunting]
Lydia Howland: And what… What was it about?
Dr. Alice Howland: Love. Yeah, love.
Lydia Howland: Yeah, it was about love.
Adam Gwon hat mit »All the World’s a Stage« ein Kammermusical für vier Schauspieler:innen geschrieben, das früher vielleicht eine Chance auf eine Wien-Premiere gehabt hätte. Das Vienna Theatre Project hat Gwons Show »Ordinary Days« 2012 als Österreichische Erstaufführung gebracht. Man erinnert sich. 2012, das war die Zeit, als sich einerseits ein Schatten über die Wiener Musicallandschaft gelegt hat, der bis heute wirkt, andererseits hat sich aber mit Musicalprojekten wie jenen des Vienna Theatre Project, aber auch jenen von Vienna’s English Theatre, des Theaters in der Josefstadt und natürlich mit den Produktionen des Landestheaters Linz die Musicaldepression im Rahmen gehalten.
Die Cast-CD zu »All the World’s a Stage« ist dieser Tage digital erschienen. Gratis zu hören und sehr empfehlenswert.

Link
Cast CD auf diversen Streamingplattformen

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