Archiv - 2006
Martin Bruny am Mittwoch, den
25. Oktober 2006 um 17:24 · gespeichert in Musical, Wien
Am 25. Oktober 2006 präsentierte Kathrin Zechner, die Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien, eine erste Vorschau auf die Produktionen ihres Hauses für das Jahr 2007, aber auch eine Erfolgsbilanz vergangener Shows.
Als Überraschungserfolg sind zweifelsohne “Die Weberischen” zu werten. Mit einer Uraufführung Ende August 2006 und einer Laufzeit bis Ende September 2006 war normalerweise keine hohe Auslastung bei dieser Produktion zu erwarten, ist das doch jene Zeit, in der viele Menschen vom Urlaub zurückkommen und Musicals bzw. Musiktheater in einer Rangliste persönlicher Prioritäten eher am Ende steht. Aus Erfahrung weiß man, dass auch Blockbuster-Shows wie “Romeo & Julia” oder “Elisabeth” in dieser Zeit oft einen kleinen Hänger haben. So startete man von Seiten der VBW auch mit relativ nüchternen Erwartungen, es wurde nur ein Teil des Saals überhaupt für den Vorverkauf freigegeben. Umso erstaunlicher ist, dass “Die Weberischen” eine Gesamtauslastung von 94,1 Prozent erzielen konnten. Schon wenige Tage nach der Uraufführung wurde die gesamte Kapazität an Tickets im Vorverkauf angeboten. “Die Weberischen” waren praktisch täglich ausverkauft.
Die Erfolgsfaktoren? Zweifelsohne mobilisierten die VBW für diese Show die Medien dieses Landes wie noch nie zuvor. Die Vorberichterstattung war geradezu pompös. Wichtige Zeitschriften wurden entweder als Partner gewonnen oder aber es wurden Werbeflächen en masse eingekauft. Ein anderer Faktor ist die gelungene Crossover-Besetzungstaktik von Theater- und Musicalstars bis hin zu den Tiger Lillies, die sich jeglicher Kategorisierung entziehen.
Was liegt näher, als diesen Erfolg zu prolongieren? Gespräche über weitere Aufführungen sind im Gange, und mittlerweile ist das eingetreten, was man sich zuvor vielleicht nur erträumen konnte. Auch mit den “Weberischen” könnten die VBW ein hochwertiges, erfolgversprechendes Exportprodukt an der Hand haben.
Was liegt näher, Teil 2: “Die Habsburgischen” natürlich. Als satirischer Blick auf die österreichische Geschichte konzipiert (Buch: Michaela Ronzoni), wird diese Show im Herbst 2007 im MuseumsQuartier ihre Uraufführung erleben.
Neben den “Habsburgischen” wird es in der “Ronacher Mobile”-Serie bereits im Dezember eine neue Produktion geben: “Musical Christmas”, mittlerweile bereits Tradition im Hause VBW, startet am 9. Dezember 2006. Für die Regie wurde Werner Sobotka gewonnen, der mit Carin Filipcic, Caroline Vasicek, Jesper Tydà©n und Andrà© Bauer eine Show entwickelt hat, die von Alexander Goebel moderiert wird.
Ab 3. Februar 2007 steigt im Raimund Theater für eine Woche ein “Tanz der Vampire”-Revival in konzertanter Form. Tickets sind ab sofort erhältlich. Auch “Jesus Christ Superstar” wird es wieder zu Ostern 2007 im Raimund Theater geben.
“Rebecca” ist nun auch ganz offiziell als Publikumshit zu werten. Die Auslastung beträgt derzeit 97,26 Prozent, für die Vorstellungen bis Ende Dezember 2006 wurden bis heute bereits 85 Prozent aller Tickets verkauft. Die Cast-CD erscheint Mitte November. Als Nachfolgeproduktion von “Rebecca” im Raimund Theater wurde “Rudolf” fixiert.
Auch zu “Elisabeth” gibt es News. Von 28. März bis 30. April 2007 wird in Osaka am Umeda Arts Theater (1799 Sitzplätze) 40 Mal die Originalinszenierung von Harry Kupfer gegeben. Danach reist die Produktion weiter nach Tokio ins Koma Stadum Theater (2055 Sitzplätze), wo von 7. bis 20. Mai 2007 16 semikonzertante Shows gespielt werden. Insgesamt reisen bei diesem Großprojekt 90 Angestellte der VBW nach Japan: 38 Ensemble-, 28 Orchestermitglieder und 12 technische Supervisoren. Mit dabei auch Maya Hakvoort, Matà© Kamarà¡s und Lukas Perman. Das Ziel ist, möglichst viele Mitglieder der Original-Cast für diese Produktion zu verpflichten.
Martin Bruny am Montag, den
23. Oktober 2006 um 17:38 · gespeichert in Pop

Starmania ist derzeit wieder populär. Zwar scheinbar nicht ganz so ausgesprochen populär wie bei der ersten Staffel, nicht mal so sehr wie bei der zweiten Staffel, aber sagen wir mal Starmania ist wieder mal ausgebrochen. Die Klatschmedien des Landes versuchen krampfhaft - und vergeblich - ein paar kleine Skandälchen der neuen Kandidaten auszuforschen, so war auf ATV zu sehen, dass eine der (mittlerweile Ex-)Kandidatinnen im Feuerwehrkalender 2007 recht spärlich bekleidet posiert hat. Jo mei. Klatschpostillen berichten über die katastrophalen Auswirkungen, die ein Karriereknick auf Menschen haben kann, so landete einer der Kandidaten der ersten Staffel erst jüngst in der Psychiatrie. “Was wurde aus …” ist sowieso immer und überall eines der beliebtesten Spielchen.
Was wurde aus … Michael Tschuggnall, dem Gewinner der ersten Staffel von Starmania? Wir erinnern uns, er hat mit dem selbst komponierten Lied “Tears of happiness” gepunktet, als Siegesprämie wurde von “Starproduzent” Peter Wolf in Los Angeles diesem Song die Seele geraubt, und auch der erste Longplayer von Michael Tschuggnall konnte nicht wirklich in den Charts punkten (das Erscheinen eines zweiten wurde dann gar nicht mehr wahrgenommen).
Warum das so ist? Aus den Songs des Sängers ist das gar nicht mal erschließbar, denn die haben zu einem Großteil internationales Format. Ob es etwas mit den berühmt-berüchtigten Starmania-Verträgen zu tun hat, die die Künstler für Jahre an den ORF binden und ihnen nicht viel Entscheidungsfreiheit lassen? Das müsste Michael Tschuggnall selbst einmal darlegen, beispielsweise in einem Interview, in dem er nicht die Kandidaten der aktuellen Staffel beurteilt, sondern einmal ein bisschen mehr über die Hintergünde seiner verhinderten Karriere plaudert.
Wie auch immer, vor einigen Tagen gab Michael Tschuggnall im Bösendorfersaal ein Konzert in intimem Rahmen, vor an die 70 Zuschauern. Natürlich ist kein Geld für Promotion da, Plakate kann man sich nicht leisten, in den jüngsten Berichten über Tschuggnall anlässlich des Starts der neuen Starmania-Staffel wurde mit keinem Wort eben dieses Konzert erwähnt. So war der kleine, aber feine Bösendorfersaal zwar gut, aber nicht sehr gut gefüllt. Tschuggnall bezeichnete dieses Konzert als quasi Schlusspunkt und Anfang. Als Schlusspunkt hinter seiner “Karriere”, die vor drei Jahren mit dem Starmania-Sieg begonnen hat, und als Anfang … Ja, wovon? Gerüchteweise konnte man lesen und hören, dass der Sänger wieder zu studieren begonnen hat, also quasi den Job des Performers an den Nagel hängt. Ein Dementi gabs beim Konzert nicht, eher im Gegenteil. Da hört dann der geübte Starmania-Fan die Stimme von Markus Spiegel im Hinterkopf, der dröhnend-süffisant zu bedenken gibt, dass es nur jene schaffen werden, die auch den unbedingten Willen haben, auf der Bühne zu stehen. Aber was hilft das alles, wenn man Miete zahlen muss und eine erkennbare Perpektive im Leben auch eigentlich zu schätzen weiß?
Tschuggnalls Problem sind auf keinen Fall seine Songs. Lieder wie “Book of love” müssten es bei der aktuellen Melodiearmut in den Charts mit Leichtigkeit in die Hitparaden schaffen. Tschuggnall, als einer der Piano-Men des Pop-Business, wandelt mit seinen oft melancholischen Songs ein wenig auf den Spuren eines Joshua Kadison. Joshua Kadison hat sich nach ein paar Welthits (beispielsweise “Jessie”) von der Bühne zurückgezogen und lebt seit Jahren in Malibu am Strand. Er singt natürlich nach wie vor, seine Songs stellt er großteils gratis ins Netz. Ein Comeback-Versuch ging erst vor wenigen Wochen in Deutschland in Form einer Mini-Tournee über die Bühne, aber obs was wird?
Tschuggnall ist keine Rampensau, und das ist noch untertrieben - und das ist Teil seines Problems. Er wirkt beim Performen sehr introvertiert, verschmilzt ganz mit seinen Songs und seinem Klavier. Das muss an sich kein Nachteil sein, wenn sich diese Art des Interpretierens auf ein paar Songs beschränkt. Ein ganzes Konzert so durchzuziehen, kann allerdings wenig mobilisierend wirken.

Vielleicht hätte Tschugnall aber auch mehr Chancen, wenn er der Melancholie seiner Songs Texte zur Verfügung stellen würde, die ungefähr die gleiche Richtung einschlagen und in deutscher Sprache verfasst sind: etwas, was ans Herz geht. Das könnte klappen, muss aber nicht. Musterbeispiel dafür: Manual Ortegas neue CD “Angekommen”. Ortega, von einer megamäßigen Promotionwelle in alle Medien dieses Landes gespült, konnte es trotz einer im Wiener Dialekt gehaltenen CD nicht schaffen, in den Charts nachhaltig zu punkten. Was ihn noch mit Tschuggnall verbindet? Das fehlende Konzept einer Bühnenshow. Nur auf der Bühne zu stehen und sympathisch rüberzukommen, ist zu wenig - sowohl bei Tschuggnall, der wie ein Häschen die ganze Zeit still am Piano sitzt, als auch bei Ortega, der wie eine Wirbelwind die ganze Zeit über die Bühne fegt, aber keinerlei Bühnenpräsenz in jenen Phasen des Konzerts erkennen lässt, in denen Moderation angesagt ist. Nicht umsonst nehmen viele Performer Schauspielunterricht, um gerade in diesen viel entscheidenden Phasen authentisch über die Bühne zu kommen.
Michael Tschugnall freilich ist noch jung, und egal, was sein Umfeld ihm einredet, er sollte seinen Traum durchziehen und weiter Musik machen, weiter Konzerte geben, weiter CDs einspielen. Irgendwann ist auch Starmania nur mehr Geschichte.
Martin Bruny am Mittwoch, den
18. Oktober 2006 um 17:41 · gespeichert in Musical, Wien
Noch bis Freitag laufen im Wiener Kabarett Simpl Voraufführungen für eine Uraufführung, die erst im April 2007 ebenda über die Bühne gehen wird: “Krawutzi Kaputzi - Strengstes Jugendverbot”, ein “Musical mit Puppen”. Nein, das wird keine Kritik einer der Voraufführungen, das ist quasi ein Tipp unter Freunden: Stürmt die verbleibenden Voraufführungen. Es lohnt sich, allerdings werden Tickets bereits Mangelware sein. Auf der Bühne zu sehen: Susanne Altschul, Claudia Rohnefeld, Sigrid Spörk, Roman Frankl, Otto Jaus, Ronald Seboth und Roman Straka. Die Premiere findet am 13. April 2007 statt.
Martin Bruny am Dienstag, den
10. Oktober 2006 um 17:44 · gespeichert in Event-Tipps
Am 13. November 2006 geht im Wiener Metropol die zweite "Musical Mamis" -Show über die Bühne - ein Abend voller Sketche, Lieder und Tanzeinlagen. Letztes Jahr traten fünfzehn Darstellerinnen (alle Mamis) auf, um dem Projekt "Baby doll" finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen - einer Einrichtung, die schwangere Teenager auf dem Weg zur Elternschaft begleitet.
Auch 2006 konnten jede Menge prominente "Musical Mamis" für die Benfiz-Show gewonnen werden: Ruth Brauer, Suzanne Carey, Lisa Gray, Susanne Ten Harmsen, Martha Jane Howe, Anne Kozeluh, Petra Kreuzer, Sona Macdonald, Andrea Malek, Sabine Mayer, Andrea Mellis, Luzia Nistler, Eva-Maria Scholz, Kathy Tanner, Caroline Vasicek und Conny Zenz. Durch den Abend führt Dennis Kozeluh, die musikalische Leitung hat Christian Frank übernommen.
Ticktets für die Show gibt es auf der Website des Wiener Metropol zum Preis von 32,- bzw. 25,- Euro.
Martin Bruny am Dienstag, den
10. Oktober 2006 um 17:42 · gespeichert in Event-Tipps
Am 6. und 7. November 2006 gibt Musicalstar Andrea Malek im Wiener “Ost Klub” mit ihrer Band zwei Konzerte zugunsten von WWF und UNICEF.
Andrea Malek wurde bereits als Teenager zum Shootingstar der ungarischen Musicalszene. Nach Hauptrollen in “Evita”, “Chess”, “The Sound of Music”, “Dorian Gray” und “Les Misà©rables” überzeugte sie als Schauspielerin in diversen Sprechtheater- und Filmrollen. In Österreich und Deutschland war Andrea Malek unter anderem in “Wake Up”, “Elisabeth” und “Camelot” zu sehen.
Nummern aus den Bereichen Pop und Musical, versehen mit einem groovigen Jazzsound - das bietet die Künstlerin mit ihrer Band: Retrodisco, New York Style, Black Funky sowie Songs von Incognito, Sting und bekannten, ungarischen Filmkomponisten (Laszlo Dà©s, Istvan Lerch) - ein Sound, der einen typischen Club-Gig ausgefallen, intensiv und spektakulär macht. Die Melodien sind bekannt, die Arrangements jedoch voller angenehmer, musikalischer Überraschungen.
Die Band:
Richà¡rd Rà©và©sz - Keyboards
Kristià¡n Dajka - Gitarre
Jà¡nos Hà¡mori - Trompete, Flügelhorn
Pà©ter Kazà¡s - Drums
Gà¡bor Kollman - Alt- und Sopran-Saxophon, Klarinette
Gà¡bor Vermes - Bass
Termine/Tickets:
6. und 7. November 2006, 20.00 Uhr, Ost Klub
Tickets: ALBERT KESSLER/ALEL creative productions; Hietzinger Kai 141/540; 1130 WIEN; office@alel.at; Tel.: 0676 540 11 78; www.alel.at
Martin Bruny am Montag, den
9. Oktober 2006 um 17:46 · gespeichert in Musical, Wien
Es ist noch nicht so lange her, da hat Ex-Musicalstar Viktor Gernot dem Musicalgenre abgeschworen. Und nein, er hat bis heute keinen Rückzieher gemacht. Am 19.11.2006 jedoch nähert er sich dem Business, mit dem er nichts mehr zu tun haben will, doch wieder ein wenig.
Gemeinsam mit Maya Hakvoort wird er im Wiener Konzerthaus Songs aus dem “Great American Songbook” interpretieren. Das Motto des Abends lautet “VIKTOR GERNOT featuring MAYA HAKVOORT und die RICHARD OESTERREICHER BIG BAND”. Der Titel der Show: “BIG BAND DREAMS”. Der Veranstalter beschreibt das Event folgendermaßen: “The Great American Songbook, das Repertoire der großen Jazzvokalisten und ausgesuchte Broadway Melodien versprechen einen unvergesslichen Konzertabend unter dem Motto: Musical meets Jazz!”
Könnte ein ganz netter Abend werden, weniger nett ist die Gestaltung der Eintrittspreise. Die billigsten Tickets kosten 30 Euro, die teuersten 42. Nicht, dass die teuersten zu teuer wären, aber 30 Euro für die letzte Reihe. Kann nich ganz euer Ernst sein, Kinder.
Martin Bruny am Samstag, den
7. Oktober 2006 um 17:47 · gespeichert in West End, Musical
Am 8. Oktober 1985 feierte “Les Misà©rables” im Londoner Barbican Theatre seine Uraufführung. 21 Jahre später ist das Musical von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg nach wie vor am West End zu sehen.
21 Jahre, kein runder Geburtstag, aber besser man feiert, was geht, also sendet die englische Radiostation Radio 2 am Sonntag, dem 8. Oktober 2006, von 19.00 Uhr bis 20.30 Uhr eine Konzertversion der Show - mit der aktuellen Besetzung der West-End-Produktion:
John Owen-Jones - Jean Valjean
Hans Peter Janssens - Javert
Sophia Ragavlelas - Fantine
Sabrina Aloueche - Eponine
Chris Vincent - Thenardier
Tracie Bennett - Mdm Thenardier
Jon Lee - Marius
Gina Beck - Cosette
Simon Bailey - Enjolras
Ross McCormack - Gavroche
Das Konzert wird aus dem Mermaid in London übertragen, es spielt das BBC Concert Orchestra unter der Leitung von Stephen Brooker. Erzähler: Anthony Andrews.
Wer Lust hat: Die Show ist auch online live zu hören.
Martin Bruny am Mittwoch, den
4. Oktober 2006 um 17:47 · gespeichert in Musical, Wien
Abend für Abend läuft derzeit im Wiener Raimund Theater das Multimedia-Musical “Rebecca” ab. Die Firma Renox lieferte die Hard- und Software für die Projektion von bühnenfüllenden Bildern:
- 4 Beamer Sanyo XF46 mit 12.000 Lumen
- 4 Schallschutzgehäuse 100 x 100 x 35 cm
- 5 Hochleistungs-Computer
- “Edgeblending-Software”, um die 4 überlappenden Bilder
zu einem einzigen Bild zusammenzufügen
- 1.500 Meter Kabel
Die Herausforderungen: Die Montage der 45 Kilogramm schweren Beamer rund 3,5 bzw. 7 Meter über den Sitzreihen im Parkett, sowie die Kühlung der Geräte, die rund 1.700 Watt aufnehmen. Die Schallschutzgehäuse sollen das Publikum vor lautem Gebläse bewahren.
Sven Ortel, der für die künstlerische Inszenierung der Videoprojektionen verantwortlich zeichnet, filmte an den Originalschauplätzen die Motive (Meereswelle, Feuer, Schloss etc.). Das Material wurde auf den Masterrechner überspielt, der das Bild auf 4 Hilfsrechner aufteilt. Die 4 projizierten Bilder ergeben auf der Bühne ein Gesamtbild. [Pressemeldung]
Martin Bruny am Freitag, den
29. September 2006 um 17:48 · gespeichert in Musical, Wien, Fotos

Am Donnerstag, dem 28. September 2006, feierte “Rebecca”, das neue Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Daphne du Maurier, im Wiener Raimund Theater seine Uraufführung. Die Story, eine Mischung aus Krimi und Love Story, spielt in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts in einem fashionablen Hotel an der Cà´te d’Azur und auf dem englischen Landsitz Manderley.
“Ich”, ein junges, unbedarftes Mädchen, das als Gesellschafterin der reichen Amerikanerin Mrs. van Hopper nach Monte Carlo kommt, verliebt sich in Maxim de Winter, einen verwitweten englischen Adelsspross. Schon nach kurzer Zeit heiraten die beiden und ziehen nach Manderley, de Winters prachtvollem Herrensitz, irgendwo an der Küste, weitab von jeglichem Ort. Der Personalstab auf Manderley wird von der gestrengen Haushälterin Mrs. Danvers dirigiert. Der neuen Mrs. de Winter verhält sie sich kühl und abweisend gegenüber. “Ich” ist kaum in der Lage, die neue Herrin auf Manderley abzugeben. Sie hat Angst. Angst, eine neue Rolle zu übernehmen, Angst, weil sie eine wertvolle Porzellanfigur zerbrochen und die Scherben heimlich im Schreibtisch versteckt hat, Angst, dass sie gegen den offenbar immer noch großen Einfluss von Rebecca keine Chance hat. Und schnell muss sie auch begreifen, dass Mrs. Danvers alles tun wird, um sie aus dem Haus zu vertreiben. Als ein Maskenball in Manderley stattfinden soll, rät ihr Mrs. Danvers, sich ein Kleid schneidern zu lassen, das dem auf einem Gemälde im Haus gleicht. Als de Winter seine Frau in diesem Kleid sieht, reagiert er aggressiv, denn es ist ausgerechnet jenes Kleid, das Rebecca auf ihrem letzten Maskenball getragen hat.
Alles scheint sich zu ändern, als das Boot, mit dem Rebecca ums Leben gekommen ist, eines Tages gefunden wird. In der verschlossenen Kajüte findet man eine Leiche: Rebecca. Erst jetzt beichtet Maxim seiner Frau, was damals wirklich geschehen ist …

Gebaut ist “Rebecca” nach allen Regeln der Kunst, sehr feinspinnig und sehr feinsinnig. Sylvester Levay hat das Spiel mit Leitmotiven in “Rebecca” auf hohem Level in Szene gesetzt. Rebecca ist zu dem Zeitpunkt, an dem die Handlung einsetzt, bereits tot. Sie dennoch auf die Bühne zu bringen, das ist die Kunst von Regisseurin Francesca Zambello, Komponist Sylvester Levay, Texter Michael Kunze, Set- und Effekt-Design (Peter J. Davison, Andrew Voller, Sven Ortel, Hendrik Maassen).
Wie erwacht “Rebecca” zum Leben? Nun, die ersten Szenen des Stücks führen uns nach Monte Carlo. Wir erleben Maxim de Winter mit seiner jungen Frau in einer Berglandschaft, auf Hochzeitsreise in Frankreich und Italien, bevor die Handlung nach Manderley verlegt wird. Das Herrenhaus Manderley sehen wir als Projektion von außen, auf die Bühne selbst gestellt wird die Halle von Manderley, die Bibliothek, das Morgenzimmer von Mrs. de Winter, eine Suite im Ostflügel … und Rebeccas Zimmer, ihr Reich. Rebecca zum Leben zu erwecken, das erfolgt in Stufen. Bereits das erste Solo von Mrs. Danvers, der Haushälterin, gibt das Motto vor. Mit “Sie ergibt sich nicht” ist Levay/Kunze eines der glänzenden Leitthemen des Stückes gelungen. Die Haushälterin beschwört die Kraft der toten Rebecca:
Orchideen sind ganz besondere Blumen,
manchmal sehen sie aus, als wären sie tot.
Aber irgendwann, ganz unerwartet,
blühen sie wieder weiß und dunkelrot.
Sie starb, sagt man und glaubt daran,
doch ich weiß es besser.
Sie ergibt sich nicht,
man besiegt sie nicht,
sie ist stark, der Macht des Todes unterliegt sie nicht.
Nein, man sieht sie nicht,
doch ich spür, sie ist hier und lebt noch,
sie hört uns, sie sieht uns.
Sie ergibt sich nicht.
Orchideeen waren ihre Lieblingsblumen,
rätselhaft wie sie und fremdartig schön,
und auch die verblühten und verdorrten ließ sie immer
hier am Fenster stehn,
sie starb, sagt man und liege im Grab,
doch ich weiß es besser.
Sie ergibt sich nicht,
man besiegt sie nicht,
sie ist stark, der Macht des Todes unterliegt sie nicht.
Nein, man sieht sie nicht,
doch ich spür, sie ist hier und lebt noch,
sie hört uns, sie sieht uns.
Sie klagt und spricht mit mir.
Kein Mann dieser Welt war ihr je genug,
sie war stolz und frei,
sie war selbstbewusst und klug.
Kein Mann konnte für sie je wichtig sein,
diese Art von Liebe gab ihr nichts.
Sie ergibt sich nicht,
man besiegt sie nicht,
sie ist stark, der Macht des Todes unterliegt sie nicht.
Nein, man sieht sie nicht,
doch ich spür, sie ist hier und lebt noch,
sie hört uns, sie sieht uns.
Sie ergibt sich nicht.
man besiegt sie nicht,
Sie ergibt sich nicht.
Sie ergibt sich nicht.
Dieses Thema der “untoten Rebecca” wird als Underscore in vielfältiger Weise im Laufe des Stücks eingesetzt, um allein schon durch die Musik im Zuschauer jene Gefühle auszulösen, die dabei helfen, das auf der Bühne Dargestellte rein gefühlsmäßig zu interpretieren. Neben der Musik arbeitet das Leading Team von “Rebecca” mit satter Farbsymbolik.
In der 9. Szene des ersten Aktes, “Rebeccas Zimmer”, ist es soweit: Rebecca wird zum Leben erweckt. Mrs. Danvers erzählt “Ich” von Rebecca. Sie öffnet die Tür zum Balkon, man hört das Rauschen der Brandung, Wind strömt ins Zimmer - das Bühnenbild, eine Szenerie aus meterhohen Vorhängen in Weiß, beginnt zu leben. Strahlend blaues Licht, das ab dieser Szene zum Farbsymbol für Rebecca wird, flutet die Bühne. Wenn sich dann das Zimmer von Rebecca dreht (2. Akt, 2. Szene “Rebecca Reprise”), “Ich” und Mrs Danvers den Balkon betreten, sich die Innenansicht von Rebeccas Zimmer in eine Außenansicht des Herrenhauses von Manderley wandelt und die Fassade buchstäblich lebendig wird, durch Projektionen und den Chor, der verborgen in den Ranken auftaucht, die auf den Mauern des Hauses wuchern, dann ist es eigentlich “Rebecca”, die mittels Licht und Technik lebt. Das ist ohne Zweifel die hohe Kunst des Set Designs, der Regie und der Orchestrierung, die da auf der Bühne abläuft.
Opulent, das ist das passende Wort für die Bühnenbauten von “Rebecca”, sei es nun die prachtvolle luxuriöse Lobby des Hotels in Monte Carlo, die atmosphärische Bibliothek des Herrenhauses von Manderley oder die gespenstische Szenerie des Bootshauses. Da spielen die Vereinigten Bühnen Wien in der absoluten Oberliga mit. Peter J. Davison, der für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, ist gemeinsam mit Sven Ortel (Video Design), Andrew Voller (Licht Design) und Hendrik Maassen (Sound Design) ein großer Wurf gelungen.
Neben dem Lebendigwerden des Hauses und damit von Rebecca stellt das Abfackeln des Herrenhauses von Manderley am Ende der Show aus der Sicht der Bühnentechnik einen letzten großen Höhepunkt dar. Auch hier wird, diesmal in noch stärkerem Ausmaß, das ausgeklügelte, spektakuläre Set Design wieder zum alles dominierenden Hauptdarsteller. Flammen, als Projektionen, in Form von Licht und als tatsächliches Feuer auf der Bühne, Soundeffekte und, obwohl in dieser Szene nur Beiwerk, Uwe Kröger - spektakulärer kann man man die Höllenfahrt von Mrs. Danvers und Manderley nicht umsetzen, und wie bei einem regelrechten Showstopper bricht das Publikum in frenetischen Applaus aus, wenn Manderley in Schutt und Asche versinkt.

Sylvester Levays ausgeklügeltes Spiel mit Leitmotiven zeigt sich idealtypisch in jener Szene, in der die neue Mrs. de Winter sich emanzipiert, die 6. Szene des 2. Akts. Im Morgenzimmer treffen Mrs. Danvers und die neue Mrs. de Winter aufeinander. Die neue Mrs. de Winter hat das Regiment auf Manderley übernommen. Alles, was an Rebecca erinnert, wird entfernt. Mrs. Danvers kann nicht glauben, was sie sieht und bietet der neuen Herrin anfangs trotzig Paroli - bis auch das letzte Symbol, das an Rebecca erinnert, krachend im Umzugskarton landet, der Armor, eine der Lieblingsfiguren der ehemaligen Herrin von Manderley. Ab diesem Zeitpunkt ist Mrs. Danvers in der Defensive. Ab diesem Zeitpunkt wird aus dem Duett “Mrs. de Winter bin ich” ein Quodlibet. “Ich” singt ihre Emanzipationshymne “Mrs. de Winter bin ich”, Mrs. Danvers singt dazu eine Reprise von “Sie ergibt sich nicht”, das Leitmotiv von Rebeccas Status auf Manderley. Diese Szene ist musikalisch gesehen eines der Glanzstücke des Kreativteams der Show, allen voran Sylvester Levay. Durch die Musik schafft er es, im Zuschauer sowohl Freude für die gewonnnene Selbstsicherheit der neuen Mrs. de Winter auszulösen, als auch Mitleid mit Mrs. Danvers, die in jenem Augenblick, als der Armor zerbricht, zum ersten Mal ihre Fassung verliert und ihr Selbstverständnis als die wahre vertretende Herrscherin auf Manderley zerbrochen sieht. Das ist Theaterkunst auf höchstem Niveau, ein Zusammenspiel von Darsteller, Musik, Text und Regie, in Szene gesetzt auf einer Bühne wie aus dem Phantasialand des Set Designs, wo alles erlaubt ist.
Sein Gespür für Leitmotivkunst beweist Levay auch in den Szenen mit Ben. Ben, hervorragend gespielt von Norberto Bertassi, ist ein geistig zurückgebliebener Mann, den Mrs. de Winter in der Bucht von Manderley in der Nähe des Bootshauses trifft. Er weiß über das wahre Schicksal von Mrs. de Winter Bescheid. Sein ihm eigenes Leitmotiv ist so lange Symbol der Bedrohung des Glücks von Maxim und “Ich”, bis sich die Handlung dreht und dem Glück von Maxim und seiner Frau nichts mehr im Wage steht, in diesem Augenblick spiegelt sich die Wende in der Handlung auch in der Musik und das zuvor so bedrohende Leitmotiv wird zur erlösenden orchestralen Hymne.
Ein wenig problematisch ist die “Inszenierung” so mancher Songs der Show. Zu sehr konzentriert sich Francesca Zambello auf die Inszenierung der Handlung, zu wenig auf die effektvolle Gestaltung von Showstoppern. Gerade “Rebecca” ist ein Reigen von erstaunlich vielen potentiellen Musicalklassikern, die vielleicht in den nächsten Jahren im Rahmen von Musicalkonzerten gerne gesungen werden. Fast jeder Song, abgesehen von einigen Ensemblenummern, hat das Zeug zum Showstopper, letztlich wurde hier aber auf allzu viele Einzeleffekte zugunsten einer zügigen Handungsführung verzichtet. Manch Melodie geht so einfach unter.
Wer seine Chance auf eine gut inszenierte Solonummer bekommt, nützt sie meistens. Carsten Lepper zum Beispiel: Als schmieriger, zynischer Jack Favell legt er mit “Eine Hand wäscht die andre Hand” eine broadwayreife Performance hin. Da stimmt jede Geste, da passt das Licht, das ist eine gut getimte, gut ausgeleuchtete Einzelszene, genau choreografiert. Lepper gehört in “seinem Moment” die Bühne.
Anders verhält es sich bei einer der musikalisch schönsten Nummern des Musicals, gesungen von Andrà© Bauer in der Rolle des Frank Crawley. “Ehrlichkeit und Vertrauen” verplätschert in knapp zwei Minuten auf der Bühne. Das ist nicht die Schuld Bauers, und auch nicht die Schuld des Komponisten, absolut kein Problem wäre es gewesen, hier mehr draus zu machen. Gut aufbereitet, adäquat in Szene gesetzt wäre das eine der stärksten Solonummern der ganzen Show. Doch der Song hat Zukunft, und vielleicht wird in einer der nächsten Inszenierungen mehr Augenmerk darauf gelegt.
Carin Filipcic darf als Mrs. van Hopper gleich zwei Showstopperchen ihr eigen nennen: “Du wirst niemals eine Lady” und “I’m An American Woman”. Freilich sind es eher Genrenummern, flotte teils chicagoesque Lieder, harmlos, vermutlich dazu gedacht, die Stimmung etwas aufzulockern. Was freilich durch das Talent Filipcics gelingt, aus meiner Sicht aber zum Teil übertrieben wird. Nehmen wir als Beispiel die Szene “Golfclub” mit dem Song “Wir sind britisch”. Das Lied fällt völlig aus dem Rahmen, hat absolut keine zwingende Aussage, trägt zum Handlungsfortgang nichts bei und führt den Begriff “DramaMusical”, den Michael Kunze geprägt hat, ad absurdum. Freilich liegt diese Wir-machen-jetzt-mal-auf-Spaß-Szene zwischen der aufwendigen 9. Szene “Rebeccas Zimmer” und der ebenfalls aufwendigen 11. Szene “Bootshaus”, und so dürfte es sich beim “Golfclub” um einen Pausenfüller handeln, der nötig ist, um den Bühnentechnikern genügend Zeit zu geben, die nächste Szene vorzubereiten. Das ist dann leider eine sehr schwache Idee gewesen. Die Spannung sinkt in den Keller. Leider muss man auch sagen, dass die reinen Dialogszenen nicht Kunzes Stärke sind. Sie kommen etwas holprig und aufgesetzt daher.
Kerstin Ibald mit ihrem Solo “Was ist nur los mit ihm?” und dem Duett “Die Stärke einer Frau” (gemeinsam mit Wietske van Tongeren) gibt die etwas gluckenhafte, sehr gefühlsbetonte und einfühlsame Beatrice souverän.

Wietske van Tongeren ist eine entzückende Mrs. de Winter. Sicher wäre es möglich, schauspielerisch noch ein wenig mehr aus der Rolle herauszuholen, aber Strahlkraft hat sie, und mit der zauberhaften Art, wie die Holländerin manche Wörter betont (immer schon ein Teil des Erfolgsrezepts der holländischen Musicalstars im deutschen Sprachraum), ihrer rehhaften Grazie und mit Wiens Leading Man des Herzens, Uwe Kröger, gemeinsam bietet sie eine überzeugende Rollengestaltung.
Uwe Kröger schließlich interpretiert Maxim de Winter äußerst bühnenwirksam. Genau das hat er in den letzten Jahren perfektioniert, unter anderem durch die Entwicklung von Soloprogrammen. Er kennt die Wirkung kleiner Gesten und ist, wie meistens, wenn er die Möglichkeit hat, ausreichend lange eine Figur einzustudieren, in Bestform. “Hilf mir durch die Nacht”, “Jenseits der Nacht” im Duett mit Wietske van Tongeren, seine Solonummern “Gott, warum?”, “Keiner hat sie durchschaut” - Kröger überzeugt und wird aufgrund seiner Popularität dafür sorgen, dass es wieder schwer wird, gute Plätze im Raimund Theater zu bekommen.
Der Star des Abends ist Susan Rigvava-Dumas. Nicht nur, dass sie die gefühlsgewaltigsten Songs hat, schafft sie es mit einem recht überschaubaren Repertoire an schauspielerischen Ausdrucksmitteln ein Maximum an Wirkung zu erzielen. “Sie ergibt sich nicht”, “Rebecca”, “Sie war gewohnt, geliebt zu werden”, “Nur ein Schritt”, “Mrs. de Winter bin ich” (Duett mit Wietske van Tongeren) - Dumas interpretiert ihre Nummern mit enormer Stimmgewalt und hat das Glück, dass alle ihre Songs aufs Bühnenwirksamste umgesetzt werden. Manchmal hat man das Gefühl, dass Dumas, würde man ihr freie Bahn lassen, Manderley auch allein mit der Wucht ihrer Stimme ins Nirwana donnern könnte. Sie hat Charisma und prägt durch die sie umgebende geheimnisvolle Aura Szenen selbst dann, wenn sie nur im Hintergrund zu sehen ist. Rigvava-Dumas ist eine geradezu idealtypische Mrs. Danvers und Wiens neue Leading Lady.
Mischt man sich in der Pause der Show und nach der Vorstellung unters Publikum, hört man immer wieder Sätze wie “Vieles hat mich an Elisabeth erinnert”. Ist das tatsächlich so? Sicher hat jeder Komponist seinen Stil, im besten Fall wird er zur Trademark, ist erkennbar, prägt einen neuen Stil, wird unverwechselbar. Inwiefern Sylvester Levay jenen Status hat, kann man schwer beurteilen, ob allerdings Songs aus “Rebecca” tatsächlich an “Elisabeth” erinnern, bezweifle ich sehr. Hier blitzt dann doch der Wunsch so mancher Fans auf, “Elisabeth 2″ serviert zu bekommen. Da wird in jede Geste, in jede Gefühlsregung hineininterpretiert, was das Zeug hält.
Nein, mich erinnert “Rebecca” nicht an “Elisabeth”. Aber selbst wenn man sich an “Elisabeth” erinnert fühlt, halte ich es für eine etwas merkwürdige Einstellung, das gegen den Komponisten zu verwenden. In der Popmusik kann einem Komponisten nichts Besseres passieren. Wenn man Songs aus der Feder eines Komponisten auf Anhieb erkennt und schätzt, hat er es geschafft. Ein Henry Mancini, Elton John, Stevie Wonder, etc. - sie alle sind zur Trademark geworden. Wenn man dennoch Vergleiche anstellen will, so halte ich “Rebecca” für die bessere Show.
Hier in Wien wird man uns in den nächsten Tagen vermutlich erklären, wie kitschig und mittelmäßig “Rebecca” ist. So ist das nunmal in Wien. Man kann es nur immer wieder wiederholen: Die Musicalkritik hat in diesem Land keine Tradition. In der Premiere sitzen einerseits Opernfetischisten und andererseits Grunge- und Rockfans - beides Gruppen, die selbstverständlich nichts mit dem Musicalgenre anzufangen wissen. Weder muss sich das Musicalgenre mit jenem der Oper messen, noch mit einem anderen. Musicals funktionieren nach eigenen Gesetzen und Regeln. Entweder man nimmt das Musicalgenre ernst und bewertet Musicals nach legitimen Kriterien oder man lässt es lieber ganz. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Musicals ist am ehesten noch am Broadway gegeben, wo zwar das Urteil noch schärfer und prägnanter sein kann, aber wenigstens inhaltlich begründet und meistens fundiert ist. Insofern meine ich, dass “Rebecca” einen ähnlichen Erfolgszug antreten wird wie “Elisabeth” und “Mozart!” und im Ausland dann jene Beurteilung erfährt, die dem Stück tatsächlich angemessen erscheint.
Martin Bruny am Dienstag, den
26. September 2006 um 18:30 · gespeichert in Theater, Pop, Fotos

Ein Doppelkonzert, das stand am Programm des Theaters am Spittelberg vor rund einer Woche, am 15. September 2006. Den ersten Teil des Abends gestalteten Anne-Marie Höller und Mario Berger mit ihrem Programm “Die 20 schönsten Lieder der Welt”, den zweiten Teil Tini Kainrath & Geri Schuller mit “A Tribute To Burt Bacharach”.
“Die 20 schönsten Lieder”, das hört sich an wie die gesammelten Schmachtfetzen der letzten 40 Jahre, tatsächlich jedoch war die Songauswahl eine ganz andere. Songs aus Frankreich, Spanien, Portugal, eine wahre Vielfalt an Musikstilen und Sprachen, das wurde in der ersten Stunde dieses kurzweiligen Abends geboten. Mario Berger gilt als einer der besten Gitarristen (zumindest) Österreichs. Es gibt kaum eine heimische Popgröße, die er nicht schon live oder im Studio begleitet hat. Er war mit Georg Danzer, Rainhard Fendrich, Mo, Joe Zawinul und vielen anderen auf Tour, komponierte für Sandra Pires, Marianne Mendt, Manuel Ortega, … Ihm zuzuhören ist immer wieder ein Vergnügen, im Duo mit Anne-Marie Höller gestaltete er ein relaxtes Konzert zwischen Soul und Jazz über Chansons und lateinamerikanische Musik bis hin zu klassischen Gitarrenstücken.

Zu hören unter anderem “Find my love” von Fairground Attraction, die Eigenkomposition “Take it easy”, eine Arie aus Mozarts “Zauberflöte”, gespielt von Mario Berger auf der Gitarre. Ein virtuoses Wohlfühlkonzert erster Güte, das die beiden hoffentlich bald wieder in Wien spielen werden.

Bei Tini Kainrath und Geri Schuller stand alles im Zeichen von Burt Bacharach, einem der erfolgreichsten Pop-Komponisten der USA, bekannt durch Welthits wie “Raindrops Keep Falling On My Head”. Kainrath und Schullers Performance muss man trennen in das, was man Moderation nennen könnte - und in die tatsächliche Performance.

Wenn man einen Abend über Burt Bacharach gestaltet, so könnte man normalerweise ja davon ausgehen, dass es sich um eine Art Hommage handelt. Das war an diesem Abend definitiv nicht der Fall. Die Interpretationen der größten Hits von Bacharach waren zwar vom Feinsten, die Moderationen allerdings nur zum Lachen, Weinen oder Ärgern, je nachdem, wie man drauf war.
Burt Bacharach, einen der größten Songschreiber aller Zeiten, als Schlagerkomponisten abzutun, ist schon etwas dreist, dann noch zu behaupten, keiner seiner Songs wäre in dem, was die Amerikaner als “The Great American Songbook” nennen, also die “Hall of Fame” der Songs der letzten, sagen wir 100 Jahre, ist schlichtweg falsch. Da kann man den beiden Künstlern nur das Buch “America’s Songs” von Philip Furia & Michael Lasser empfehlen, ein Standardwerk zum Thema “The Great American Songbook”, und selbstverständlich ist darin auch Burt Bacharach aufgenommen worden. Das Ärgerliche an diesem zweiten Teil des Konzerts war die Art und Weise, wie mit dem Publikum umgegangen wurde. Da wird von den Veranstaltern ein Konzert mit Liedern von Burt Bacharch angekündigt, und die erste Frage der Interpreten lautet: “Wer kennt denn Burt Bacharach überhaupt?” Dass auf eine solch doofe Frage niemand antwortet, ist klar. Weswegen war ich gleich nochmal auf diesem Konzert? Kenne ich eher Oscar-Preisträger Bacharach oder einen Geri Schuller? Nun, die Nichtreaktion des Publikums war natürlich eingeplant, denn das Motto des Abends schien zu lauten: “Burt Bacharach ist ein altbackener Schlagerkomponist, der in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein paar Hits hatte, dann Pferde züchtete und gut ist.”
Normalerweise sollte man da eigentlich aufstehen und gehen, aber das war noch nicht alles. Nicht nur Burt Bacharach ist laut Kainrath & Schuller ein Spießer, auch beispielsweise Hal David war ein richtiger, also wirklich wirklich richtiger spießiger Geselle, der nur schlechte und frauenfeindliche Texte verbrochen hat. Jaja, gemeint ist Hal David, verantwortlich für die Texte von Welthits wie “Raindrops Keep Falling on my Head”, “This Guy?s in Love With You”, “I’ll Never Fall in Love Again”. Für “Raindrops” wurde David mit einem Oscar ausgezeichnet, Lieder wie “Don?t Make Me Over”, “Close to You” and Walk on By” wurden in die “Grammy Hall of Fame” aufgenommen. “What The World Needs Now” wurde noch 2004 von der “Songwriters Hall of Fame” als “The Towering Song” bezeichnet, mit folgender Begründung: “distinguished by its unforgettable melody and prayerful plain-spoken words that sound utterly contemporary today when conflict is so wide-spread around the world, even though it was written in 1965″.
Wenn man einen Abend über Bacharach gestaltet, so müsste man meiner Ansicht nach auch ein bißchen sicher sein, was seine Biographie betrifft, und nicht ständig Falsches in den Raum stellen. So wird zwar Carole Bayer Sager als “seine Frau” bezeichnet, ohne aber darauf Bezug zu nehmen, dass er zuerst einmal mit dem Kinostar Angie Dickinson verheiratet war. Was wäre das doch für eine treffende Überleitung zu Filmkompositionen Bacharachs gewesen, hat ihn doch Dickinson dazu gebracht, für Filme zu komponieren. Lustig auch die Bemerkung der beiden Künstler, Bacharach hätte sich nach seinem Hit “Arthur’s Theme” vom Komponieren abgewandt und der Pferdezucht zugewandt und das wars mit seiner Karriere. Woher haben die beiden diesen Schmonzes nur? Gerade in den 80ern nach “Arthur’s Theme” konnte Bacharach einige seiner größten Hits erzielen. Und Carole Bayer Sager, die Schuller & Kainrath den ganzen Abend mit so viel Begeisterung als die viel bessere Texterin lobten, nun mit ihr arbeitete er erst ab “Arthur’s Theme” zusammen, die beiden heirateten 1982.
Bacharach, so viel sei gesagt, ist nach wie vor kreativ tätig, Ende 2005 ist seine viel beachtete Solo-CD “At This Time” erschienen, auf der er mit aktuellen Trendsettern wie Rufus Wainwright zusammengearbeitet hat.
Fazit: Musikalisch war das Doppelkonzert vom Spittelberg ein Fest, was die Anmoderationen des zweiten Teilkonzerts betrifft, so sollte man das lieber vergessen und hoffen, dass dieses Event ein einmaliges bleibt. In den Raum gestellt wurde von Kainrath & Schuller die Idee, ein “Great Austrian Songbook” als Konzert zu veranstalten. Viel Spaß dabei, das dürfte ein kurzer Gig werden.

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