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Archiv - 2012

“Wer für die Salzburger Festspiele teure Karten kauft, darf sich dumm vorkommen”

»Wer für die Salzburger Festspiele teure Karten kauft, darf sich dumm vorkommen.« So formulierte das »Wirtschaftsblatt« sein Fazit eines Rechnungshofberichts, der die Salzburger Festspiele einigermaßen zerpflückt.

Freikarten pro Saison im Wert von bis zu zwei Millionen Euro wurden verschenkt, sehr oft Tickets der besten Kategorien. Doppelte Buchhaltungen, unvollständig erklärte Subventionen, »sehr ungenaue” bis gar nicht erstellte Voranschläge sowie Vergehen gegen das Bundesvergabegesetz bei Aufträgen im Gesamtwert von 1,62 Millionen € (Website, Consulting, Druckwerke) … Ein Debakel.

Links
- Wirtschaftsblatt: Festspiele für den Rechnungshof
- Wiener Zeitung: Rechnungshof erhebt massive Vorwürfe gegen die Salzburger Festspiele
- derStandard.at: Rechnungshof zerpflückt Salzburger Festspiele
- Wiener Zeitung/Christoph Irrgeher/Kommentar: Bitte ohne Wutschaum

Cast CDs – neue Wege der Finanzierung? Fallbeispiel “Rebecca”/Stuttgart

Cast CDs von Broadway- und West-End-Shows waren früher mal ein Geschäft, in den 1940ern, den 1950ern. In den relevanten US-Charts, die Millionenabsätze signalisierten, fand man sie in den Top 10, sei es nun »Show Boat«, »South Pacific«, »My Fair Lady«, »West Side Story« oder »Camelot«. Jeder kannte die Songs, sie waren Allgemeingut. In den letzten Jahrzehnten und Jahren sind Cast CDs alles andere als eine sichere Sache. In den USA rechnen Produzenten mit Kosten von 150.000 bis 300.000 Dollar für eine Cast CD. Nicht einmal Hitshows wie »The Book of Mormon« gelten als sichere Verkaufserfolge auch auf dem CD-Markt. Verzweifelte Versuche, wie die Amazon-Aktion, »The Book of Mormon« über einen Zeitraum von vier Tagen um 1,99 Dollar an die Konsumenten zu verscherbeln, zeigen die Unsicherheit der Labels.

Freilich ist die Sache ein wenig anders, wenn man für einen relativ kleinen, geregelten, überschaubaren Markt wie beispielsweise Österreich/Deutschland produziert, exakt kalkuliert, unter genau festgelegten Bedingungen als Label im Auftrag eines Theaterunternehmens, oder in Eigenregie mit einer fixierten Abnahmemenge, wie auch immer die Bedingungen aussehen mögen. Man minimiert die Risiken, es wird schon etwas übrig bleiben, wenn man mit einem Unternehmen Geschäfte macht, das Millionenförderungen bekommt und schöne runde Visitkarten immer gerne hat.

In den letzten Wochen ist die Gründung einer Facebookgruppe von verschiedenen Musicalforen und Musicalplattformen gemeldet worden, die es sich zum Ziel gesetzt hat, eine Cast CD der Stuttgarter Version des Levay/Kunze-Musicals »Rebecca” zu erwirken. Gemeldet wurde dies mehr oder weniger im Stile einer »Pressemeldung« (siehe –> hier oder –> hier), die dann Passagen enthielt wie (Beispiel »Musicalzentrale«):

Im Vergleich zu den Vereinigten Bühnen Wien produziere Stage Entertainment deutlich weniger Premierencast-CDs, so die Kritik der Fans. “Dabei machen die SE-Theater regelmäßig Soundboard-Aufnahmen, die nur nachbearbeitet werden müssten”, so Krokowski.

So schön das Engagement von Fans ist, und so verständlich auch ihr Wunsch, eine Cast CD von möglichst jeder Show zu bekommen, so wenig nachvollziehbar sind Vorstellungen wie die oben formulierte: »nur nachbearbeitet«? Vielleicht kurz mal einen Filter drüberschmeißen und dann das Ding auf den Markt werfen? Man würde wohl dem Komponisten, dem Texter, den Musikern, den Darstellern einen Bärendienst erweisen, wenn das so ablaufen würde. Und dürfen die Musiker denn eventuell dann auch etwas vom möglichen Erfolg der CD haben, die Darsteller, der Dirigent? Wer mischt die CD, wer entscheidet, welche Nuancen stärker herausgearbeitet werden … Wieviele Vorstellungen werden mitgeschnitten? Kurz: Der Wunsch ist verständlich, die Vorstellung, wie viel es an Arbeit kostet, ist naiv. Und um noch einmal auf Subventionen zu sprechen … oder lassen wir das lieber.

Ein anderes Argument der Facebookgruppe lautet, die Cast CD von 2006 aus Wien sei »veraltet«. Veraltet inwiefern? Wurde vor knapp fünf Jahren noch mit antikem Soundequipment gearbeitet? Spielt etwa nicht das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien? Argumente gegen eine bestehende CD zu finden, wird nicht reichen, wenn es doch darum gehen sollte, Argumente zu finden, die für eine neue neue CD sprechen.

Das beste Argument, im Sinne der potentiellen Produzenten einer Cast CD der Stuttgarter Version von “Rebecca”, scheint folgendes zu sein: Die Fans mögen doch vor der Produktion schon ihr ganz persönliches Exemplar nicht nur bestellen, sondern auch gleich bezahlen. Diese Vorgangsweise folgt einem internationalen Trend. Investitionsplattformen tauchen in letzter Zeit täglich aus dem Sumpf der Start-ups auf. Produzenten suchen Kapital für Theaterproduktionen, CD-Produktionen, Filmproduktionen. Alles sehr fein, aber doch eher auf den Independent-Sektor fokussiert. Ein hochprofessionelles Unternehmen wie Stage Entertainment sollte doch um die Chancen wissen, ob sich eine Cast CD aus Stuttgart rechnet, oder eben nicht. Immerhin, so auch ein Argument der Facebookgruppe, habe man einen »internationalen Star« im Ensemble, schließlich spielte doch Lucy Scherer in der Telenovela »Hand aufs Herz«. Nein, ich fürchte, auch das wird nichts bringen. Fans einer Telenovela wird man wohl nicht erreichen, und für viele andere wird die Mitwirkung an einer solchen wohl eher ein Argument gegen einen Kauf sein.

Die Finanzierung durch Investoren kann ein Weg sein, aber der müsste dann in etwa so ablaufen, wie er in dem sehr interessanten Artikel »New Approaches to Cast Album Recordings« (siehe –> hier) skizziert wird. Und das scheint in unserem Fall utopisch.

Bei all den Überlegungen sollte man auch eines nicht vergessen. Eine Veröffentlichung einer Cast CD der Stuttgarter Version wird wohl davon abhängen, ob den Vereinigten Bühnen Wien als Rechteinhaber etwas daran liegt. Und warum sollte ihnen etwas daran liegen?

Wie auch immer es ausgehen mag, wer möchte, kann der Facebookgruppe beitreten –> hier. Unterstützung wird in jeder Form willkommen sein.

Update, 21. Januar 2012
Ein bisschen Realitätssinn würde dieser Gruppe allerdings nicht schaden, wenn man beispielsweise Folgendes liest:

User 1: ich weiß dass es nicht vergleichbar ist, aber eine Freundin von mir nimmt derzeit ihr erstes Album auf und meinte, dass man schon mit 200Euro pro Song zu rechnen hat… aber ich vermute bzw. hoffe, dass das nicht immer so teuer ist und dass es für Stage durch zb. eigene Mitarbeiter im Studio(?) billiger ist.
User 2: Das bestimmt!
User 3: also 200€ pro song ist realistisch….und ich glaub jetz nicht das Stage da weniger geld reinstecken muss…deshalb bin ja ich der meinung einfach eine Show aufnehmen - also gesamtaufnhame- und diese nur als download verüffentlichen….könnt mir vorstellen dass das günstiger wäre? oder lieg ich da jetz komplett falsch?

Pay the OLC of Les Mis!: 25 Jahre “Les Mis” auf CD – und keine Tantiemen mehr für die Sänger

1985 veröffentlichte First Night Records die Original London Cast CD des Musicals »Les Misà©rables«. Nun haben die Sänger, die auf dieser Cast CD zu hören sind, von ihrer Plattenfirma erfahren, dass es keine Zahlungen mehr geben wird. Nach 25 Jahren ist, wie vertraglich vereinbart, der Vertrag abgelaufen.

Michael Ball, Frances Ruffelle, Peter Polycarpou – sie alle werden keinen Cent mehr bezahlt bekommen. Rein rechtlich ist die Sache gegessen. Bleibt die moralische Frage. Es gibt natürlich nun Streitigkeiten zwischen der Plattenfirma, der Gewerkschaft und den Künstlern, und wer weiß, ob es nicht doch zu Nachverhandlungen kommen wird. Die Uhr tickt, und auch die Cast CD des »Phantoms der Oper« hat demnächst 25 Jahre am Buckel.

Online gibt es bereits die Petition »Pay the OLC of Les Mis!” – ob sie etwas bringen wird?

Nähere Infos zur »Les Mis«-Revolte gibt es –> hier.

Links
- Playbill: Original London Cast of Les Miserables Told That Royalties on Original Cast Album to Cease
- Independent: Cast of ‘Les Mis’ in revolt over royalties
- news.co.nz: Original Les Miserables cast members fight for royalties
- broadwayworld.com: LES MISERABLES Original London Cast In Recording Royalties Row

ENSEMBLE08: Hamlet

2. Februar 2012
19:30bis22:30

hamlet.jpg Der Wiener Theaterverein ENSEMBLE08 zeigt ab 2. Februar 2012 im Wiener Off Theater William Shakespeares »Hamlet« in einer kurzweiligen Inszenierung voller Intrigen, Mord, Exil und kollektivem Amoklauf.

Inhalt

Was sich im dänischen Königshaus in Shakespeares Drama abspielt, könnte genauso in einem Großunternehmen 2012 ablaufen. Unsere Möglichkeiten haben sich verändert, wir sind moderner und schneller geworden. In der Gegenwart bestimmen nicht mehr Könige das Geschehen, sondern Geschäftsleute. Erfolgreiche Unternehmer, Hedgefond-Manager, Vorstandsvorsitzende und Börsenhaie haben das Sagen. Trotz Wirtschaftskrise und allgemeiner Unzufriedenheit bleiben diese Strukturen weiterhin bestehen.
Trotz einer Verschiebung der Macht weg von den adeligen, »durch Gott« zum Herrschen bestimmten Familien hin zu jenen, die das Geld verwalten, haben sich die menschlichen Tragödien und Schicksale seit Shakespeare nur zu einem geringen Teil verändert.
Das System in dem sich Hamlet bewegt basiert auf Ungerechtigkeit. Doch erst eine Tragödie führt ihm vor Augen, dass sich etwas ändern muss.
Viele Menschen schaffen es heutzutage nicht ihre moralischen Ansprüche zu verfolgen und mit dem vorgegebenen System zu brechen. Hamlet war und ist eine Symbolfigur für das Dilemma der Menschheit. Entweder man fügt sich einem ungerechten System und verleugnet seine eigenen Werte oder man kämpft für Gerechtigkeit und muss letztendlich daran scheitern.

Besetzung
Claudius: Artur Ortens
Geist: Peter Uray
Gertrude: Silvia Steindl
Hamlet: Markus Schöttl
Horatio: Philipp Stix
Laertes: Benjamin Plautz
Ophelia: Martina Ebm
Polonius: Kajetan Dick
Rosenkranz/Güldenstern: Christina Scherrer

Leading Team
Regie: Benjamin Plautz
Dramaturgie: Helmut Käfer
Lichtdesign: Andrea Korosec
Bühne: Joachim Schenk | Benjamin Plautz
Regieassistenz: Bernadette Scherrer
Marketing & PR: Andreas Anker
Produktionsleitung: Joachim Schenk

Termine
Premiere 2. Februar 2012
04., 05., 10., 11., 17., 18. Februar 2012
29., 30., 31. März 2012
Beginn jeweils um 19.30 Uhr

Spielstätte
Das OFF Theater
Kirchengasse 41, 1070 Wien
www.off‐theater.at
Tel.: 01 523 17 29

Tickets
- OE-Ticket
- Per Mail: karten@ensemble08.at
- Tel.: +43 (0) 1 / 990 81 51
- Vorverkaufsstelle: Klavierhaus Blüthner, 1010 Wien, Bräunerstraße 5 (Tel.: 01 5120110)
€ 20/ € 10 ermäßigt

Letzte Chance: “Wenn ich Intendant wär …”

Heute, am 15. Januar 2012, endet die Ausschreibungsfrist für den Posten eines »Intendanten/in für den Bereich Musical« bei den Vereinigten Bühnen Wien.
Wer sich noch bewerben möchte (Achtung, nicht mit dem Büroleiter-Posten verwechseln, andere Baustelle!), kann den genauen Ausschreibungstext –> hier lesen. Und dann gilt es, schnell zu reagieren, die Uhr tickt!

Nils Frahm: Soirà©e de Poche

à“lafur Arnalds & Nils Frahm spielen am 26. März 2012 live im Wiener Stadtsaal (LINK).

Link
Nils Frahm: LES SOIREES DE POCHE

Wo ist die Identität des Stadttheaters Walfischgasse?

Das weiß, ganz offensichtlich, Anita Ammersfeld, die »Prinzipalin« des Hauses, bis heute nicht, denn auf eben diese Frage des »Standard« antwortete sie:

Ich würde die Identität meines Hauses mit Qualität und Vielfalt definieren.

Es unterscheidet somit das Stadttheater Walfischgasse nichts von einem Gemüsestandl am Nasch- oder Karmelitermarkt.

Link
derStandard.at: “Die Leute wollen sich in erster Linie unterhalten”

Broadway: “Leap of Faith” statt “On a Clear Day You Can See Forever”

Normalerweise gönnt man ja einem Broadway-Flop zumindest die Ankündigung, dass der Flop ein Flop war. Alles muss ja schließlich seine Ordnung haben. Nicht so bei der Show »On a Clear Day You Can See Forever«, mit der Harry Connick Jr. am Great White Way für Furore sorgen wollte. Hier verkündeten die Produzenten jenes Musicals, das »On a Clear Day You Can See Forever« nachfolgen wird, dass sie nachfolgen werden, und damit, dass sich die Show von Connick Jr. demnächst vom Broadway verabschieden wird. Am 29. Januar 2012 ist Schluss, bis dahin wird es die Show auf 29 Previews und 57 reguläre Vorstellungen gebracht haben

»Leap of Faith« heißt der Nachfolger im St. James Theater, und für den 3. April 2012 ist bereits die Premiere angesetzt. Freilich kann auch »Leap of Faith« mit einem Star aufwarten: Raul Esparza wird die Hauptrolle in dieser Show spielen, für die der umtriebige Alan Menken die Songs komponiert und Steven Sater getextet hat. Das Buch stammt von Warren Leight und Janus Cercone. Christopher Ashley (»Memphis«) übernimmt die Regie, Sergio Trujillo (»Jersey Boys«) die Choreographie.

Wie in diesen Zeiten üblich, handelt es sich auch bei »Leap of Faith« um die Musicalfassung eines Kinofilms. 1992 kam »Leap of Faith« (»Der Scheinheilige«) in die Kinos, in der Hauptrolle war Steve Martin als verlogener Wunderheiler zu sehen.

Links
The New York Times: As ‘Clear Day’ Clears Out, ‘Leap of Faith’ Will Leap Onto Broadway
Playbill: Broadway’s On a Clear Day, a Reincarnation of a Past Cult-Hit, Will Die Jan. 29

Tim Rice: “I don’t see why [the Olympics] should be anything other than a plus”

Im Gegensatz zu Andrew Lloyd Webber sieht Tim Rice den Olympischen Spielen 2012 in London mit einer gewissen Freude entgegen. Sprach Lloyd Webber von einem »Blutbad«, das dazu führen wird, dass viele Theater während der Spiele ihre Häuser zusperren müssen, (siehe –> hier), meint Tim Rice:

I don’t see why [the Olympics] should be anything other than a plus. There will be a lot more tourists floating around and I simply don’t see why they would only want to see the Olympics.
They will want to do other things in London and the theatre is one of the things the city is famous for.
Bloodbath seems a slightly strong word to use. I don’t think shows will do worse during the Olympics - I think they’ll actually do better.

Link
- London Evening Standard: Rice rejects Lloyd-Webber’s gloom

Festspiele Röttingen: Premiere für “Romeo & Julia” mit Marvin Dietmann

5. Juli 2012
20:30bis23:00

Fixiert ist die Uraufführung von Christian Brandauers Musical »Romeo & Julia« im Rahmen der Festspiele Röttingen für den 5. Juli 2012. Insgesamt 15 Mal wird die Show zu sehen sein.
Der Sohn von Burgschauspieler Klaus Maria Brandauer wird ein »zeitgemäßes Rock-Pop-Musical” auf die Bühne bringen. Buch und Musik stammen von ihm, frei nach Shakespeare. Renate Kastelik übernimmt die Regie, Heike Lechler die Choreografie. Das Bühnenbild wurde von Helmut Mühlbacher gestaltet.

07fbd4542f.jpgIn den Hauptrollen sind Marvin Dietmann als Romeo und Barbara Endl als Julia zu sehen. Weiters Georg Leskovich als Tybalt, Christian Brandauer als Erzähler/Clown, Martin Muliar als Herr Montague, Frederike Faust als Frau Capulet, Thomas Weissengruber als Benvolio, Rita Nikodim als Amme, Raimund Stangl als Herr Capulet, Bruno Thost als Pater Lorenzo und Tobias Eiselt als Mercutio.

Weitere Infos auf der –> Website der Festspiele.

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