Home RSS Go RED Go BLACK

Archiv - Theater

Neue Gerüchte um “Marie Antoinette” in Bremen

Am 2. November 2006 fand die Uraufführung von “Marie Antoinette”, einem Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze, in Tokio statt. Wenige Wochen danach tauchten erste Gerüchte über eine deutsche Produktion in Bremen auf, die nun durch einen Bericht in der “taz” einen etwas skurrilen Touch bekommen. Es ist Bremens kommender Theaterintendant Hans-Joachim Frey, der an “Marie Antoinette” großes Interesse zeigt. Wie er allerdings konkrete Pläne formuliert, kann man zumindest als etwas merkwürdig bezeichnen. So steht in der “taz” zu lesen:

Wenn die Städtereise-Veranstalter im Herbst 2007 das Bremer Musical in ihr Programm aufnehmen, könnte der Vorverkauf zum Weihnachtsgeschäft beginnen. Freys Ziel: Im Sommer 2008 sollen mindestens 2.000 Karten verkauft sein. sonst wird die Sache abgeblasen - die Vorlauf-Kosten bis dahin liegen zwischen 500.000 und einer Million Euro. Aber diesen Fall hält Frey für rein hypothetisch. Im Gegenteil: “Ich rechne mit einem hohen Überschuss” - für die Theaterkasse. “Ich brauche keine Ausfallbürgschaft”, hat Frey erklärt. “Wer nichts wagt, gewinnt nichts”, sagt Frey. Die HVG, die das Musical Theater betreibt, übernimmt kein Risiko. Man werde einen normalen Mietvertrag abschließen, sagt Geschäftsführer Claus Kleyboldt, der sich auch in Tokio das Stück angesehen hat.
Wenn der Versuch im Sommer 2008 floppt, würden die angefallenen Kosten also aus dem Theaterhaushalt kommen müssen - den die Beschäftigten gerade durch Lohnverzicht (”Notlagentarifvertrag”) sanieren. “Das kann nicht sein”, sagt Carmen Emigholz. Die Auslastung der Spielstätte am Richtweg sei “nicht primäre Aufgabe des Theaters”, das Risiko müsse “außerhalb des Theaters” liegen.

Bleibt abzuwarten, ob sich die Autoren dieser Show auf ein solch merkwürdig formuliertes Vorhaben einlassen. [Story]

Stadttheater Klagenfurt 2008: “Jesus Christ Superstar” - und einiges mehr

Am 7. Februar 2008 feiert Andrew Lloyd Webbers Rockoper “Jesus Christ Superstar” in einer Inszenierung von Josef E. Köpplinger am Stadttheater Klagenfurt Premiere. Bereits am 3. Februar findet eine Einführungsmatinee, moderiert von Sylvia Brandl, zu dieser Produktion im Stadttheater Klagenfurt statt.

Leading-Team
Musikalische Leitung: Jeff Frohner
Regie: Josef E. Köpplinger
Choreographie: Ricarda Regina Ludigkeit
Bühne: Rainer Sinell
Kostüme: Gera Graf
Choreinstudierung: Alexander Kowalsky
Dramaturgie: Sylvia Brandl

Cast
Juliana De Aquino, Lorna Dawson, Charlie Fischer, Claudia, Kraxner, Asha Lindsey, Tina Podstawa, Nora Schleicher, Susanne Seimel, Dijana Torriani, Marianne Varga; Frank Berg, Marvin Dietmann, Dominik Hofbauer, Otto Jaus, Willi, Jeschofnik, Denis Kozeluh, Peter Lesiak, Dave Mandell, Alexander Moitzi, Previn Moore, Hannes Muik, Mark Nordike, Boris Pfeifer, Daniel Prohaska, John Ramsten, Christian Schleinzer, Stefan Schmitz, Krassimir Tassev, Erwin Windegger; Chor des Stadttheaters Klagenfurt, JCS-Orchester

————————————————————————

Am 6. März 2008 steigt die Premiere von Franz Lehars Operette “Die Lustige Witwe” (Einführungsmatinee 2. März 2008, Moderation Christoph Wagner-Trenkwitz).

Kreativ-Team
Musikalische Leitung: Peter Marschik
Regie: Josef E. Köpplinger
Choreographie: Karl Schreiner
Bühne: Heidrun Schmelzer
Kostüme: Marie-Louise Walek
Choreinstudierung: Alexander Kowalsky
Dramaturgie: Heiko Cullmann

Cast
Marion Dimali, Dagmar Hellberg, Mà¡rta Kosztolanyi, Michaela Mock, Patricia Nessy; Frank Berg, Juan Carlos Falcà³n, Boris Grappe, Willi Jeschofnik, Joachim Gabriel Maaß, Previn Moore, Bruno Riedl, Andreas Wanasek, Thomas Weinhappel; Chor und Extrachor des Stadttheaters Klagenfurt; Kärntner Sinfonieorchester

————————————————————————

Unter der Musikalischen Leitung von Charles Prince ist am Silvestertag 2007 ein Konzert mit dem Titel “Verdi, Lehà¡r, Bernstein & Co.” angesetzt. Die Sopranistin und Schauspielerin Sigrid Hauser fungiert als Moderatorin und Interpretin neben Gergana Geleva, Juan Carlos Falcà³n und Alex Vicens. Im Sommer 2008 (12. und 14. August) wird die Veranstaltung wiederholt. Es spielt das Kärntner Sinfonieorchester. Das Programm führt von der Alten in die Neue Welt, von den Operettenbühnen Wiens direkt an den New Yorker Broadway mit Songs aus u. a. Bernsteins “On The Town”, “Candide” oder “West Side Story”.

Die Gewinner der Drama Desk Awards 2007

Die Awards-Welle ist nun voll über die amerikanische Theaterwelt hereingebrochen. Die diesjährigen Gewinner der Drama Desk Awards [Story]:

Musical
Outstanding Musical: Spring Awakening
Outstanding Revival of a Musical: Company
Outstanding Actor in a Musical: Raul Esparza, Company
Outstanding Actress in a Musical(Tie): Audra McDonald, 110 in the Shade/Donna Murphy, LoveMusik
Outstanding Featured Actor in a Musical: Gavin Lee, Mary Poppins
Outstanding Featured Actress in a Musical: Debra Monk, Curtains
Outstanding Director of a Musical: Michael Mayer, Spring Awakening
Outstanding Choreography: Andy Blankenbuehler, In the Heights
Outstanding Music: Duncan Sheik, Spring Awakening
Outstanding Lyrics: Steven Sater, Spring Awakening
Outstanding Book of a Musical: Rupert Holmes and Peter Stone, Curtains
Outstanding Orchestrations (Tie): Mary-Mitchell Campbell, Company/Jonathan Tunick, LoveMusik
Outstanding Set Design of a Musical: Bob Crowley, Mary Poppins

Sprechtheater
Outstanding Play: Tom Stoppard, The Coast of Utopia
Outstanding Revival of a Play: Journey’s End
Outstanding Actor in a Play: Frank Langella, Frost/Nixon
Outstanding Actress in a Play: Eve Best, A Moon for the Misbegotten
Outstanding Featured Actor in a Play: Boyd Gaines, Journey’s End
Outstanding Featured Actress in a Play: Martha Plimpton, The Coast of Utopia
Outstanding Director of a Play: Jack O’Brien, The Coast of Utopia
Outstanding Music for a Play: Mark Bennett, The Coast of Utopia
Outstanding Set Design of a Play: Bob Crowley and Scott Pask, The Coast of Utopia
Outstanding Costume Design: Catherine Zuber, The Coast of Utopia
Outstanding Lighting Design: Kenneth Posner, Brian MacDevitt, Natasha Katz, The Coast of Utopia
Outstanding Sound Design: Gregory Clarke, Journey’s End
Outstanding Solo Performance: Vanessa Redgrave, The Year of Magical Thinking
Unique Theatrical Experience: Edward Scissorhands

Niederlande: Johnny Kraaykamp Musical Awards Gala - live im Internet

Am 21. Mai geht in den Niederlanden die Johnny Kraaykamp Musical Awards Gala über die Bühne. Seit dem Jahr 2000 werden unter anderem die besten Musicaldarsteller bei dieser von Joop van den Ende und John Kraaykamp Sr. ins Leben gerufenen Preisverleihung mit einer Trophäe, einem Geldbetrag von 2500 Euro und natürlich jeder Menge Prestige ausgezeichnet. Wer auch vom Ausland aus dabei sein möchte, kann sich auf Radio2.nl von 20 Uhr bis 23 Uhr einklinken. Der Sender überträgt die Show live.

Die Nominierungen in der Sparte bestes “großes” Musical

- Cats (Joop van den Ende Theaterproducties)
- Grease (V&V Entertainment)
- Rembrandt De Musical (Stardust Theatre)
- The Wiz (Joop van den Ende Theaterproducties)

Die Nominierungen in der Sparte bestes “kleines” Musical
- DOE MAAR! (V&V Entertainment)
- Jungle boek: Mowgli en het regenwoud (Theaterfamilie BV)
- Nijntje op vakantie (Stichting SIP)
- Oebele! (Stok & Co)

Die Nominierungen in der Sparte beste Darstellerin in einem “großen” Musical
- Chantal Janzen (Tarzan)
- Nurlaila Karim (The Wiz)
- Ellen Pieters (Wat Zien Ik?!)
- Cà©line Purcell (My Fair Lady)
- Wieneke Remmers (Rembrandt)

Die Nominierungen in der Sparte bester Darsteller in einem “großen” Musical
- Thom Hoffman (My Fair Lady)
- Jasper Kerkhof (Chess)
- Danny de Munk (The Wiz)
- Henk Poort (Rembrandt)

Die Nominierungen in der Sparte beste Darstellerin in einem “kleinen” Musical
- Kim-Lian van der Meij (Doe Maar)
- Eva Poppink (Nijntje Op Vakantie)
- Birgit Schuurman (The Last 5 Years)
- Vanessa Timmermans (Honk!)

Die Nominierungen in der Sparte bester Darsteller in einem “kleinen” Musical
- Danià«l Boissevain (Doe Maar)
- Ivo Chundro (Honk!)
- Willem-Jan Stouthart (Kikker in de wolken)
- Nico de Vries (Jungle Boek)

Die komplette Liste der Nominierungen gibt es hier.

Die Wiener Kammerspiele als Operettenhochburg mit Musicalstars

Als “Kammermusical” möchte Viktor Gernot gerne die Produktion der Ralph Benatzky-Operette “Im Weißen Rössl” rezipiert wissen, die im Februar 2008 in den Wiener Kammerspielen ihre Premiere feiern wird. Operette bleibt Operette, würd ich mal sagen. Gegen eine gute Operette ist ja an und für sich nichts zu sagen. In der Wiener Volksoper läuft zur Zeit Kurt Weills Operette “Der Kuhhandel”, und das sollte man sich nicht entgehen lassen. Eine Operette in den Kammerspielen ist mal was Neues. Leading-Team und Cast setzen sich zu einem Großteil aus Musical-Profis zusammen. Viel kann da nicht schiefgehen.

Leading-Team
Regie: Werner Sobotka
Bühnenbild: Hans Kudlich
Kostüme: Elisabeth Gressel
Musikalische Leitung: Christian Frank
Choreografie: Ramesh Nair

Cast
Josepha Vogelhuber, Wirtin zum »Weißen Rössl«: Eva Maria Marold
Leopold Brandmeyer, Zahlkellner: Viktor Gernot
Wilhelm Giesecke, Trikotagenfabrikant: Toni Slama
Ottilie, seine Tochter: Caroline Vasicek
Dr. Otto Siedler, Rechtsanwalt: Boris Eder
Sigismund Sülzheimer: Martin Niedermair
Professor Dr. Hinzelmann: Christian Futterknecht
Klärchen, seine Tochter: Ruth Brauer-Kvam
Der Kaiser Franz Joseph II.: Kurt Sobotka
Der Piccolo: Joe Ellersdorfer
Kathi Weghalter, Briefträgerin und Präsidentin des Jungfrauenvereins: Martina Moharitsch

Drama League Awards 2007 - die Gewinner

Am 11. Mai wurden die Gewinner der Drama League Awards 2007 bekannt gegeben. Die Liste der Preisträger liest sich wie folgt:

Distinguished Production of a Play
The Coast of Utopia

Distinguished Production of a Musical
Spring Awakening

Distinguished Production of a Revival—Play
Journey’s End

Distinguished Production of a Revival—Musical

Company

Distinguished Performance Award
Liev Schreiber, Talk Radio

Distinguished Achievement in Musical Theatre Award
John Kander & Fred Ebb

Julia Hansen Award for Excellence in Directing
Michael Mayer (Spring Awakening)

Unique Contribution to the Theatre Award
Broadway Cares/Equity Fights AIDS

Wien: Massive Ticketpreiserhöhungen bei “We Will Rock You” im Raimund Theater

Es gab mal eine Zeit, da war es für Musical-Hardcorefans noch leistbar, fast jeden Tag ins Theater zu gehen - wird es vielleicht bald mal heißen. Zumindest, was das Raimund Theater betrifft. So manch Musicalfan leistete sich hunderte Vorstellungen seiner Lieblingsshow. Einer der Gründe: Stehplätze gab es in den Theatern der Vereinigten Bühnen Wien um wohlfeile 2,5 Euro.
2008 zieht die Queen-Show “We Will Rock You” ins Raimund Theater ein - und ein anderer Wind. Es gibt bei den Tickets Preissteigerungen um bis zu 500 Prozent. So kostet ein Stehplatz nun nicht mehr 2,5, sondern 15 Euro.
Sollen wir es gleich das Barbra-Streisand-Syndrom nennen, das hier bei den Kalkulationen mitgespielt haben könnte? Barbra treibt es natürlich etwas weiter, sie nimmt gleich 125 Euro für Plätze, auf denen man maximal die Live-Übertragung ihrer Show auf Vidiwalls erkennen kann.
Mir persönlich ist es ja gleich, Stehplatz ist nicht mein Ding. Man sieht im 2. Rang schlecht, die Luft ist schlecht. 2,5 Euro, ja, da kann man notfalls damit leben. 15 Euro ist gleichzusetzen mit einem Sperren der Stehplätze, denn sie sind das Geld nicht mehr wert. Das gleiche gilt für Sitze mit eingeschränkter Sicht. Hier steigt der Preis um 100 Prozent von 10 Euro auf 20 Euro. 10 Euro sind Sitze mit eingeschränkter Sicht wert, immer mit dem Risiko verbunden, dass man, wenn man Pech hat, auch tatsächlich fast gar nichts sieht. 20 Euro sind diese Plätze nicht wert. Insgesamt ist die massive Preiserhöhungspolitik deutlich im Billigpreissegment angesiedelt und widerspricht allem, was in den vergangenen Jahrzehnten in Wien von der Politik im Kulturbereich verwirklicht wurde. Aber vielleicht hat es ja auch ein Gutes, und die jungen Leute gehen wieder verstärkt in die Burg, in die Volksoper oder ins Volkstheater - zu Preisen, die sich nicht an Verhältnissen orientieren, die es in Wien nicht gibt.

Die Preise im Überblick (in Euro, Mo-Do):
Kategorie Preis alt/neu
Gelb 72 / 78
Blau 67 / 72
Rot 59 / 60
Orange 45 / 46
Grün 23 / 30
Rosa 10 / 20
Stehplätze 2,50 / 15

Die Preise im Überblick (in Euro, Fr +Sa Abendvorstellungen):
Kategorie Preis alt/neu
Gelb 95 / 98
Blau 88 / 90
Rot 69 / 78
Orange 53 / 62
Grün 25 / 52
Rosa 10 / 20
Stehplätze 2,50 / 15

Mit “We Will Rock You” zieht auch ein anderer Spielplan ins Raimund Theater ein. Es gibt keinen Schließtag, und am Samstag und Sonntag sind durchgehend zwei Vorstellungen pro Tag angesetzt. Die Nachmittagsvorstellungen sind preislich etwas günstiger als die Abendvorstellungen am Wochenende (90/84/72/56/42/20/15).

Update, 21. Mai 2007: Mittlerweise wurden die meisten Montage aus dem Ticketsystem von Wien-Ticket eliminiert. Auch von den Doppelvorstellungen am Sonntag findet man ab Februar keine mehr. Da man weitere Änderungen wohl nicht ausschließen kann, ist es besser, den aktuellen Stand entweder telefonisch bei Wien-Ticket zu erfragen oder im Netz nachzusehen.
Update, 28. Mai 2007: Nun wurden auch die Ticketpreise etwas gesenkt. Stehplätze kosten nun 10 Euro, statt 15 Euro. Die ursprüngliche 10-Euro-Kategorie, die auf 20 Euro gehoben wurde, kostet nun 15 Euro.

Jason Robert Browns Sound-Blog: “Songs for a New World in utero”

Jason Robert Browns Website hat sich in den vergangenen Monaten zu einer lebendigen Austauschplattform zwischen dem Komponisten und all jenen entwickelt, die sich für seine Musik interessieren. Bei manchen Anfragen platzt ihm schon mal der Kragen, woraufhin er sich dann gleich ein paar Mal dafür entschuldigt und verspricht, ein besserer und geduldigerer Mensch zu werden. Meistens dreht es sich dabei um die Frage, ob die Reihenfolge der einzelnen Lieder bei seinem Musical “Songs for a New World” eine zufällige sei oder von ihm tatsächlich beabsichtigt.
Wie auch immer, von seinem Musical “Songs for a New World” hat er auf seiner Website in der Rubrik “Weblog” einige Demos online, die er 1992-1994 mit Billy Porter und Kristine Zbornik aufgenommen hat: “King of the World” und “”Surabaya-Santa”.

Kabarett Simpl: Krawutzi Kaputzi - Strengstes Jugendverbot - Das Sozialdrama

Otto Jaus und Roman Straka; Foto: Martin Bruny

Zippeti Zappeti Zeppeti-Zupp,
einmal Schwipp und einmal Schwupp,
Piffzipaffzi Trallalla,
und der Kasperl, der ist da!
Seid ihr auch alle da?

[Arminio Rothstein: Kasperls Spruch — Download]

Im Kabarett Simpl derzeit zu sehen: “Krawutzi Kaputzi”, mit den Untertiteln: “Das Sozialdrama” und “Strengstes Jugendverbot”. Geht man vom Theater aus, in dem sich das Ganze abspielt, so könnte man eine der am Hause üblichen Kabarettproduktionen erwarten. Das Simpl (1912 als “Bierkabaret Simplicissimus” gegründet und damit das älteste noch immer bespielte deutschsprachige Kabarett) ist für zwerchfellstrapazierende kabarettistische Revuen berühmt. Wer diese Erwartungshaltung hat, wird nicht enttäuscht. “Krawutzi Kaputzi” ist, unter anderem, auch ein Stück herrliches Kabarett, nur eben einen Dreh anders.

“Krawutzi Kaputzi” ist aber auch eine Hommage an all jene Künstler, die die Puppenspielfiguren, die Stars der Show, geschaffen
haben. Dem Programmheft kann man Angaben dazu nicht entnehmen. Da heißt es zu, sagen wir mal “Zwerg Bumsti”, einer der Nebenfiguren der Show: “52, Kaufmann, Biertrinker, Verzahrer”. Wollte man exakt sein, müsste man sagen: Falsch. Bumsti ist schon 60, denn Teja Aicher, ein Wiener Künstler, hat den kleinen pausbäckigen “Zwerg Bumsti” als Comicfigur im Jahre 1947 erfunden.
Kasperl, die Gans Mimi, der Zauberer Tintifax, Helmi - all diese Figuren wiederum haben Arminio und Christine Rothstein zum Leben
erweckt. Arminio Rothstein (1927-1994), besser bekannt als Clown Habakuk, war ein österreichischer akademischer Maler, Puppenmacher und Puppenspieler, Drehbuchautor und Buchautor, Musiker, Zauberer und AHS-Professor. Von 1968-1994 arbeitete er beim Kinderfernsehen des ORF und entwickelte Sendungen, in denen Puppen mit ihm selbst als Clown Habakuk und anderen Menschen interagierten.
Die “Familie Petz” wiederum, die einen anderen Teil der “Cast” von “Krawutzi Kaputzi” beistellt, als da sind Pezi, Großvater, Pezis Freund Fips (eine Maus), die Katze Minki und die Ziege Meckerle, ist Star der ORF-Sendereihe “Betthupferl”. 198 Folgen davon produzierte das Wiener Urania Puppentheater für den ORF. Der Titel der Simpl-Show, “Krawutzi-Kaputzi” (Download), ist Pezis Standard-Ruf, wenn er wieder mal Unfug angestellt hat und aufgeflogen ist. So würde sich auch noch die eine oder andere Puppenspielserie anführen lassen, aus der die Macher der Simpl-Show ihr Personal rekrutierten - Sendungen, die zum Teil seit 1957 vom ORF ausgestrahlt werden.

Roman Straka; Foto: Martin Bruny

Natürlich hat das Simpl nicht den kleinen Pezi auf die Bühne gestellt und mit ihm ein Puppentheater für Kinder inszeniert. Pezi ist
in “Krawutzi Kaputzi” vielmehr 29 Jahre alt, hat sein Boku-Studium noch immer nicht abgeschlossen, und steht kurz vor seinem -
1000. One-Night-Stand (das macht 1,46 One-Night-Stands die Woche, bei einem Start im 16. Lebensjahr, wie ihm Fipsi, sein Freund, akribisch ausrechnet). Sein Großvati hat zwei Schlaganfälle hinter sich, und da er erst mit 60 begonnen hat für seine Pensionsversicherung einzuzahlen, steht er noch immer in seinem Geschäft. Fips, die graue Maus, ist beruflich erfolgreich im Bankgewerbe tätig und schwul, aber niemand in seiner Umgebung weiß von dem einen noch von dem anderen. Erste Kontakte in die Szene knüpft er auf der Single-Plattform gayromeo.at als “TraumMaus31W” und lernt dort ausgerechnet “Helmi”, 45, arbeitslos, depressiv, spielsüchtig und hoch verschuldet, kennen, der ebenfalls unter einem “vielsagenden” Pseudonym auf Männerjagd ist. Bevor Pezi den 1000er einlochen kann, taucht Minki auf, die fescheste Katz von Meidling, Pezis Jugendliebe. In Herrn Özgüls Internetcafà© treffen Pezi und Minki aufeinander - und verlieben sich. Stammgäste bei Özgül sind auch die Gans Mimi, eine erfolgreiche Chansonette im Klimakterium, die Eheprobleme mit dem Drachen Dagobert hat. Der schaut sich nämlich im Internet ständig Pornos an und bringt außer “Bussi Bussi” kaum ein vernünftiges Wort raus. Statt auf “duden.de” an seinem Wortschatz zu arbeiten, surft er auf “tuttln.at” und ist da ganz in seinem Element. Als auch noch die beiden Penner Kasperl und Tintifax auftauchen und Großvatis Trafik überfallen wollen, ist das Chaos perfekt.

Susanne Altschul; Foto: Martin Bruny

In bester “Avenue Q”- oder auch “Villa Sonnenschein”-Manier werden die Puppen von Darstellern geführt. Die Puppenspieler leihen den Puppen ihre Stimme, sie tanzen, sie agieren, so als wären sie eins. Mitunter wird dieses Konzept gebrochen, wenn beispielsweise eine Puppe von ihrem Puppenspieler Hilfe bei Tätigkeiten verlangt, die die Puppe als solche nicht verrichten kann (Blumen aus dem Blumenpapier auswickeln zum Beispiel). Man könnte meinen, dass dieses Konzept etwas verwirrend ist, weil man sich weder auf die Puppen noch auf die Darsteller voll konzentrieren kann. Das Problem löst sich aber nach einigen Minuten von selbst, weil man dann sicher für sich eine Entscheidung getroffen hat. Und wer will, kann sich ja eine zweite Runde im Simpl geben.

Als Puppenspieler am Werk: Vollprofis auf dem Gebiet des Musicals: Susanne Altschul (”Elisabeth”, “Freudiana”, “Les Misà©rables”),
Claudia Rohnefeld (”The Wild Party”, “Strangers in the Night” und “Camelot”), Sigrid Spörk (”Sommernachtsträume”, “Die Geggis”),
Roman Frankl (”Kiss me, Kate”, “Hello Dolly”), Otto Jaus (”Jekyll & Hyde”, “Les Misà©rables” und “Das Lächeln einer Sommernacht”),
Ronald Seeboth (u. a. Lehrer am Performing Arts Center) und Roman Straka (”Elisabeth”, “Jesus Christ Superstar”, “Assassins”).

Claudia Rohnefeld; Foto: Martin Bruny

Gesungen und gesprochen wird fast durchgehend im Wiener (Meidlinger) Dialekt. Dialekt ist immer eine schwierige Sache. Man muss sich drauf einlassen, ganz oder gar nicht. Mal ein paar Worte im Dialekt einzustreuen wirkt manchmal sehr sehr gekünstelt. Dialekt ist auch eine sehr intime Sache. Wer im Dialekt spricht, offenbart oft mehr von sich als er eigentlich will. Dialekt ist eine sehr gefühlsintensive Sprachebene, verglichen mit der glatten Hochsprache. Dialekt muss man ohne Zurückhaltung rauslassen. Da gehört schon mal ein gepflegtes “Oarsch” dazu. Wobei die Grenze zwischen einem vulgären “Oarsch” und einem, über den man noch lachen kann, auch keine ganz so einfach zu bewältigende Sache ist. Denn glaubhaft sollte es dann doch sein.

Am meisten werden diejenigen die Show genießen, die in Krapfen reinbeißen, ohne vorher nachzudenken, ob ihnen gleich die Marmelade aufs Hemderl spritzt, diejenigen, die mit Wonne grünen Slime mit den Fingern geknetet haben, Leute, die nicht eben zusammenzucken, wenns um Oarschlöcher geht und die nicht den Saal verlassen, wenn Puppen ficken. Oder aber Leute, die das schon immer gerne mal gemacht hätten (also nicht das mit den Puppen), aber sich nicht trauen. Es hat keinen Sinn, groß drumherum zu reden, in “Krawutzi Kaputzi” werden die Dinge beim Namen genannt und auch explizit gezeigt, denn letztendlich sind es ja Puppen, dies miteinander treiben.

Johannes Glück, Sigrid Spörk, Erwin Bader; Foto: Martin Bruny

“Krawutzi Kaputzi” ist ein charmantes, präzise getimtes Spiel mit Worten auf einer bestimmten Zielebene. Hier wird nicht burgtheaterreife Unterhaltung angestrebt, eher schon ist es eine musikalische Wuchtel-Parade, Blödeln auf hohem Witzniveau. Die Songs leben vom Wortwitz, der in den meisten Fällen einen, wenn möglich, hysterischen Lacher im Publikum als absolutes Ziel hat. Es hätte nicht viel Sinn, Textbeispiele zu bringen, denn wirksam sind Wuchteln meistens nur live.

Johannes Glück hat den Puppen und ihren Darstellern eine Reihe von lieben Melodien auf den Leib geschrieben, in denen es um Drogen, Minderheiten, Ausländerfeindlichkeit, Suizid, Depressionen, den ORF und andere aktuelle Themen geht, neben den ewig aktuellen Themen: Liebe, Eifersucht und Tod. Dass auf der Bühne des Simpls, die die Ausmaße eines kleinen Wohnzimmers hat, kein Orchester und auch keine Band den Sound liefern kann, schlicht weil kein Platz ist, die Musik also vom Band kommt, ist in dem Fall egal. Viele der Songs haben einen Touch Melancholie, etwas Berührendes, andere einen gehörigen Kick an frechem Witz. Es sind durchwegs Ohrwürmer, die innerhalb der Show perfekt funktionieren. Eine Cast-CD der Produktion ist für den Herbst 2007 geplant.

Ja, “Krawutzi Kaputzi” wäre ohne die “Wickie, Slime & Piper”-Welle einen Kick innovativer gewesen, auch ohne Puppenspiel-Musicals wie “Avenue Q” oder “Villa Sonnenschein”, aber es ist legitim, vorhandene Trends zu erkennen, zu verarbeiten und in eine eigene Form zu gießen, und so präsentiert sich “Krawutzi Kaputzi” als stimmiges und mitreißendes “Avenue Meidling” mit einem eigenständigen USP, nämlich als Dialektmusical. Bei so vielen wirklich hervorragenden Zutaten wie Musik, Text, Inszenierung (Werner Sobotka), Bühnenbild, Licht, Puppen sind dennoch die Puppenspieler der wahre Volltreffer und ideal besetzt. Das Ensemble ist eine Mischung aus erfahrenen Darstellern wie Susanne Altschul, Roman Frankl oder Ronald Seeboth bis hin zu Musicalstudenten wie Otto Jaus, der bei “Krawutzi Kaputzi” seine erste tragende Rolle in einer relevanten Musicalproduktion mit Bravour, spielerischer Freude und dem für diesen Part notwendigen Charme spielt. Roman Straka, in vielen Rollen bei den Vereinigten Bühnen Wien eher mit mittleren und kleineren Parts oder als Zweitbesetzung bedacht, kann in “Krawutzi Kaputzi” viel viel mehr zeigen als in jeder anderen Rolle bisher. Ob als “Zwerg Bumsti”, “Fips” oder “Kasperl”, er überzeugt in jeder Rolle. Claudia Rohnefeld scheint spezialisiert auf Männerrollen. Erst kürzlich gab sie in der Badener Produktion von “Les Misà©rables” den Gavroche, in “Krawutzi Kaputzi” ist sie als depressiver, spielsüchtiger Herr Helmi zu sehen und in einer zweiten Rolle als männergeile Ziegentussi. Beide Rollen gestaltet sie mit Wonne und Spielfreude. Ronald Seeboth gibt einen lässigen, potrauchenden Großvati und in einer zweiten Rolle den dusseligen Dagobert souverän. Sigrid Spörk als Katze Minki ist, schlicht und einfach, entzückend, genauso wie Susanne Altschul als Möchtegern-Diva Mimi, die Gans. Roman Frankl als typischer Meidlinger Türke Özgül spielt souverän die Klischee-Orgel und hat die Lacher immer auf seiner Seite.

Kreativteam
Buch, Liedtexte und Musik: Johannes Glück
Regie: Werner Sobotka
Musikalische Leitung: Erwin Bader
Regieassistenz: Andrea Kern
Regiehospitanz: Julia Screm
Korrepetition: Harald Hauser
Puppenbau: Bodo Schulte/Erika Reimer
Puppentraining: Bodo Schulte
Kostüm: Gaby Raytora
Kostümassistenz: Erika Brausewetter
Maske: Aurora Hummer
Bühnenbild und Puppenentwurf: Markus Windberger/Petra Fibich

Bühnenbildassistenz: Bettina Fibich
Lichtdesign: Pepe Starman
Tondesign: Raphael Spannocchi
Requisite: Julia Schmidleitner
Lichttechnik: Alexander Felch
Tontechnik: Philipp Habenicht
Bühnentechnik: Robert Glass/Robert Saringer
Produktion: Albert Schmidleitner

Cast
Susanne Altschul: Mimi, Frau Maus
Claudia Rohnefeld: Helmi, Ziege
Sigrid Spörk: Minki
Roman Frankl: Özgül
Otto Jaus: Pezi, Tintifax
Ronald Seboth: Großvati, Dagobert
Roman Straka: Fips, Zwerg Bumsti, Kasperl

Vorstellungen und Tickets
Kassa täglich 14-20 Uhr, geöffnet (1010 Wien, Wollzeile 36), Tel. 01/ 512 47 42
Telefonische Bestellung Montag-Freitag 9-12 Uhr, Tel. 01/ 512 39 03
täglich 14-20 Uhr, Tel. 01/ 512 47 42
Schriftliche Bestellungen: Kabarett Simpl, Wollzeile 36, 1010 Wien
“Krawutzi Kaputzi” steht vom 14. Mai bis 30. Juni sowie vom 27. August bis 23. September 2007 am Spielplan des Kaberett Simpl

Drama League Awards 2007 - die Nominierungen

Am 11. Mai 2007 werden die begehrten Drama League Awards im New Yorker Marriott Marquis Hotel verliehen. Es ist dies die traditionsreichste Preisverleihung der USA für besondere Leistungen auf dem Gebiet des Theaters. Die Drama League wurde 1916 gegründet, seit 1933 werden Awards unter anderem für das beste Musical, das beste Theaterstück, das beste Musical-Revival und das beste Revival im Bereich des Sprechtheaters vergeben. Die Nominierungen für die 73. Drama League Awards:

Distinguished Production of a Musical
- Curtains
- In the Heights
- Kiki & Herb: Alive on Broadway
- Legally Blonde
- Martin Short: Fame Becomes Me
- Mary Poppins
- Spring Awakening

Distinguished Production of a Play
- Blackbird
- Coram Boy
- Frost/Nixon
- No Child
- Radio Golf
- The Coast of Utopia
- The Scene
- The Year of Magical Thinking

Distinguished Revival of a Musical
- 110 in the Shade
- A Chorus Line
- Company
- Les Misà©rables
- The Fantasticks

Distinguished Revival of a Play

- Inherit the Wind
- Journey’s End
- Mother Courage and Her Children
- Seven Guitars
- Talk Radio
- The Hairy Ape
- The Merchant of Venice
- Translations

Einige Produktionen der Theatersaison 06/07 wurden bei dieser Shortlist nicht berücksichtigt. Es gibt jedoch einen weiteren Preis, den so genannten “Distinguished Performance Award”, für den 2007 nicht weniger als 78 Darsteller (Broadway und Off-Broadway) nominiert wurden. Für diesen Preis können auch jene Darsteller nominiert werden, deren Produktionen in den vier oben genannten Kategorien nicht punkten konnten. Einer von ihnen erhält am 11. Mai die Auszeichnung. Die Nominierten für diese Kategorie:

- F. Murray Abraham, The Jew of Malta and The Merchant of Venice
- Heidi Armbruster, Tea and Sympathy
- Christine Baranski, Regrets Only
- Gary Beach, Les Misà©rables
- Daniel Beaty, Emergence-See!
- Eve Best, A Moon for the Misbegotten
- Stephanie J. Block, The Pirate Queen
- Justin Bond, Kiki & Herb: Alive on Broadway
- Christian Borle, Legally Blonde
- Ashley Brown, Mary Poppins
- Laura Bell Bundy, Legally Blonde
- Kate Burton, The Water’s Edge
- Michael Cerveris, King Lear and LoveMusik
- Kristin Chenoweth, The Apple Tree
- Anthony Chisholm, Radio Golf
- Jill Clayburgh, The Clean House and The Busy World Is Hushed
- Jennifer Cody, Henry and Mudge
- Billy Crudup, The Coast of Utopia
- Michael Cumpsty, Richard II
- Charlotte D’Amboise, A Chorus Line
- Hugh Dancy, Journey’s End
- Jeff Daniels, Blackbird
- Brian Dennehy, Inherit the Wind
- Gregory Derelian, The Hairy Ape
- Ensemble, Columbinus (collective award)
- Ensemble, Coram Boy (collective award)
- Raàºl Esparza, Company
- Gerald Finnigan, The Hairy Ape
- John Fugelsang, All the Wrong Reasons
- Boyd Gaines, Journey’s End
- John Gallagher Jr., Spring Awakening
- Alexander Gemignani, Les Misà©rables
- Piper Goodeve, Anne of Green Gables
- Logan Marshall-Green, King Lear and Pig Farm
- David Greenspan, Some Men
- George Grizzard, Regrets Only
- Jonathan Groff, Spring Awakening
- Ed Harris, Wrecks
- Ethan Hawke, The Coast of Utopia
- Phillip Seymour Hoffman, Jack Goes Boating
- Jayne Houdyshell, The Pain and the Itch

« zurueck · vor »