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Der Herr Bruny meidet die VBW. Jo derf denn der des?

In einem deutschen Forum war heute zu lesen:

Ich finde es für ein “fachmagazin” indiskutabel, einer produktion wie “Mary Poppins” keinen Aufmerksamkeitswert beizumessen, in Form eines eigenen Artikels. Ich finde es für einen “journalisten” indiskutabel, in einem Nebensatz die Bemrkung zu lesen “Besuch der alten Dame war das schlechteste VBW Musical ever ever ever” (sinngemäß zitiert), ohne irgendwo auch im Archiv irgendeinen beleg dafür zu finden, dass herr Bruny sich überhaupt jemals diese oder andere Shows der VBW unlängst angeschaut hat. Jedenfalls hat er es nicht erwähnt und adurch ensteht der verdacht: er mneidet diese Produktionen und urteilt per ferndiagnose aus persönlichen Enttäuschungen und Kränkungen motiviert. Das ist dann aber 0 Journalismus. Sorry.

Sinngemäß schließe ich aus diesem Posting, der Schreiber meint, als Journalist, der sich mit Musicals in Wien beschäftigt, sei man geradezu verpflichtet, über Produktionen der VBW zu schreiben. Dass er ein Blog mit einem Fachmagazin verwechselt, na, das lassen wir nochmal durchgehen. Aber für den Rest gilt: Einspruch! Widerspruch!

Aber zunächst meine ganz persönliche Einschätzung der VBW. Ich finde es großartig, dass sich die Stadt Wien ein Musicalunternehmen dieser Größenordnung leistet und es meiner Meinung nach mehr als angemessen mit finanziellen Mitteln ausstattet. Ich komme beim Orchester der VBW geradezu ins Schwärmen … In Zeiten Peter Wecks konnte man brandaktuelle Shows in Wien sehen, es wurde begonnen, eigene Shows zu entwickeln, und das, so habe ich es zumindest immer verstanden, war auch der Auftrag an die Nachfolger Wecks. Rudi Klausnitzer und Kathrin Zechner sind diesen Weg durchaus gegangen. Scheitern gehört dazu, aber der Anspruch, Neues zu schaffen, war da.

Heute sehe ich das weniger verwirklicht. Und auch das ist meine Meinung. Shows wie »Legally Blonde«, »Mary Poppins«, »Mamma Mia!« sind alles andere als aktuell, und was die Ausführung betrifft, überwiegend Replika-Shows. Es wird eine vorgegebene Inszenierung mehr oder weniger 1:1 umgesetzt. Damit kann ich nichts mehr anfangen, da waren wir schon einen Schritt weiter. Nicht bei den Massen an Subventionen. Gleichzeitig sehe ich, wie immer mehr kleine Theater in Wien ums Überleben kämpfen, bis hin zu kleinen Multikulti-Theatern. Beinhart wird ihnen der Subventionshahn abgedreht. Die Grünen, die sich angeblich so für Theater mit Migrationshintergrund einsetzen … schweigen.

Bin ich also als Journalist verpflichtet, mich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, wie toll oder nicht so toll »Mamma Mia!« in Wien gespielt wird, oder gar »Mary Poppins«? Ich denke nicht. Was nicht heißt, dass ich mich nicht doch mit den Shows für mich ganz privat auseinandersetzen würde. Es gilt aber dennoch, ihre Relevanz halbwegs in ein Bedeutungsraster einzuordnen, und da, wieder mal meine Meinung, hat mittlerweile sogar das Stadttheater Baden die VBW überflügelt, vom Linzer Landestheater oder dem Tiroler Landestheater gar nicht zu reden.

Die Frage ist: Wie geht es weiter? 2015 wird in Wien gewählt. Das sind good News. Ein wichtiger Termin sicher auch für die Kulturpolitik in Wien. Und wenn sich bewahrheiten sollte, was als Gerücht durch die Wiener Musicallandschaft schwirrt, dass 2015 bei den VBW Revivals angesagt sind, dann würde ich doch vorschlagen, dass die Kulturpolitik Koalitionsthema wird. Mit allen Konsequenzen.

PS:
»Cats«: Uraufführung: 1981; Wien-Premiere: 1983 (+ 2 Jahre)
»The Phantom of the Opera«: West End: 1986; Wien-Premiere: 1988 (+ 2 Jahre)
»Les Misérables«: West End: 1985; Wien-Premiere: 1988 (+ 3 Jahre)
»Der Kuss der Spinnenfrau«: West End: 1992; Wien-Premiere: 1993 (+ 1 Jahr)

»Mamma Mia!«: West End: 1999; Wien-Premiere: 2014 (+ 15 Jahre)
»Mary Poppins«: West End: 2004; Wien-Premiere: 2014 (+ 10 Jahre)

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