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Mindy Aloff: Dance Anecdotes – Stories from the Worlds of Ballet, Broadway, the Ballroom and Modern Dance

“The two hardest things I ever did in my life … childbirth and “Singin’ in the Rain”. (Debbie Reynolds)”. Die typische Karriere eines Tänzers ist von brutalen Schmerzen geprägt und vor allem eines: kurz. Auch Superstars wie Pavlova, Nischinski, Duncan, Graham, Nurejew, Baryshnikov, … erleiden beziehungsweise erlitten körperliche Qualen, die sich ein Nichttänzer kaum vorstellen kann. Die Kindheit eines Tänzers, sie wird gänzlich dem Tanz aufgeopfert, die Bezahlung, außer man gehört zur Elite, nunja, … es lassen sich viele Gründe anführen, die dafür sprechen, ja kein Tänzer zu werden. Berührende, interessante, spannende, informative, und einige wenige lustige Geschichten aus dem Leben großer Tanzstars, die sich trotz allem für ein solches Leben entschieden haben, bietet Mindy Aloff in ihrem Buch “Dance Anedotes“.
Aloff unterrichtet in New York am Barnard College sowie am Eugene Lang College „Dance Criticism & Essay Writing“, ihre Kritiken erscheinen in der „New York Times“, dem „New Yorker“ sowie in vielen weiteren Zeitungen in den USA, Europa und Asien.
Was die Autorin nicht im Sinne hatte: ein Schenkelklopfer-Buch. Das würde die Motivation vieler Künstler völlig missinterpretieren, meint sie, denn an irgendeinem Punkt ihres Lebens ist es doch eine Art spiritueller Antrieb, sei es nun eher in Richtung Religion oder Kommerz, der Menschen dazu inspiriert, ihr Leben dem Tanz zu widmen. Fred Astaire, Cyd Charisse, Gene Kelly, Bob Fosse, Gwen Verdon Paul Taylor und Mark Morris … sie alle und noch viel mehr sind in Aloffs Werk vertreten, für das sie fünfzehn Jahre recherchiert hat. Zeitlich reichen die Anekdoten zurück bis ins frühe 19. Jahrhundert, als Marie Taglioni, die erste Meisterin des Spitzentanzes, Ballettfans begeisterte, und Aloff geht noch weiter zurück, bis ins antike Griechenland, bringt auch Geschichten aus Japan und China.
Ein paar witzige Anekdoten bietet Mindy Aloff mit Wonne, etwa jene von Tommy Tune, dem berühmten Broadway-Choreographen und neunfachen Tony Award-Gewinner. Er erinnert sich an einen Besuch von Martha Graham, einer der bedeutendsten Tänzerinnen und Choreographinnen des 20. Jahrhundert und entscheidenden Neuerin des Modern Dance, an seinem College in Texas, USA: „She was so dramatic, we were all in awe – we’d never seen a woman that looked like that! She said in her lecture, “All the great dance stems from the lonely place.” This little girl in the back of the room in a real Texas voice said, “Miss Graham, you said that all the great dancing stems from the lonely place. Where is the lonely place?” Martha Graham raised herself up and said, “Between your thighs. Next question.” We were never the same again.”
Mit ihren Stories schafft es die Autorin, die Denkmäler der Tanzkunst ein wenig “menschlicher” zu machen: „Cyd Charisse, on how her husband could tell at the end of the day whether she had been working with Gene Kelly or Fred Astaire: „If I was black und blue, it was Gene. And if it was Fred, I didn’t have a scratch.”
Eines ist sicher, wenn man mal beginnt, in Aloffs Buch reinzulesen, legt man es so schnell sicher nicht mehr aus der Hand. Und was kann man letzten Endes Schöneres über ein Buch sagen?

Mindy Aloff: Stories from the Worlds of Ballet, Broadway, the Ballroom, and Modern Dance. Oxford University Press, New York 2006, 272 S.; ISBN: 0-19-505411-3. $ 27,00 (Hardcover). www.oup.com

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