Martin Bruny am Sonntag, den
22. Mai 2011 um 10:27 · gespeichert in Musical, Broadway
Auf bisher 700 Vorstellungen brachte es die Broadway-Show “Memphis”. Eine Verfilmung, die auch in den Kinos starten soll, wurde produziert, vier Tony Awards wurden gewonnen und eine US-Tour steht in den Startlöchern. Und dennoch: Die Investoren warten nach wie vor darauf, dass die Show Gewinne macht.
Dieselbe Situation haben wir bei “The Addams Family” (500 Vorstellungen) und “The Million Dollar Quartet” (450 Vorstellungen) - und auch bei “Rock of Ages” (800 Vorstellungen).
Auf dem Sprechtheater-Sektor ist es nicht anders: “The 39 Steps” lief von 2008 bis 2010 am Broadway und hat nie Gewinne gemacht.
Die Wahrheit: Nur 20 bis 30 Prozent aller Broadway-Shows fahren tatsächlich Gewinne ein, und das sind keine Neuigkeiten, das war in den letzten 60 Jahren nie anders. Die Shows, die es schaffen, ihre Produktionskosten einzuspielen, erreichen dieses Ziel oft nur mit Müh und Not.
Richtige Hits, Blockbuster-Shows, gibt es pro Saison maximal zwei bis drei. Jüngstes Beispiel: “The Book of Mormon”.
Was hat sich in den letzten Jahren dennoch verändert? Man spielt Shows länger, versucht eine Trademark aufzubauen. Flops schließen seltener schon nach ein paar Tagen. Wenn es der Businessplan erlaubt, versucht man, auf Umwegen dennoch Geld aus einer Show zu holen. Zum Beispiel im Fall “The Addams Family” - einer Produktion, die bis jetzt zwei Drittel ihrer Kosten eingespielt hat. Produzent Stuart Oken:
Clearly, there are certain shows that do well enough to establish themselves and find an audience but do not to do well enough to clean up and pay back investors as quickly as used to be the case.
It depends on your business plan. In our case, we’re also trying to establish ourselves in the lexicon for years to come.
Oken setzt auf Publicity-Stunts und erwartet hohe Einnahmen, wenn Brooke Shields im Sommer 2011 in der Show mitspielt. Touristen bringen Geld, Touristen wollen Namen sehen.
Und: Man braucht Geduld. Charlotte Church (Broadway League):
I think ‘Memphis’ really is the classic example of that. They had to do a lot of special promotions to find their audience. Clearly they had problems in previews. They had to have the opportunity to overcome the tepid reviews. And now they’ve done that. They knew that if they could just get people to come and see it, they would tell their friends. And they were right.
Fazit: Dieser Tage kann es am Broadway ratsamer sein weiterzuspielen, als vorzeitig zu schließen.
Martin Bruny am Samstag, den
21. Mai 2011 um 13:05 · gespeichert in Musical, Deutschland
Wenn man Matthias Bollwerk als Darsteller für ein Musical engagiert, bekommt man, wenn man will, ein Promotionpackage gleich mitgeliefert. Der Musicaldarsteller hat seit seinem Wiener Engagement bei “Frühlings Erwachen” 2009 seinen “Notizblog” am Laufen, in dem er in mittlerweile bereits 226 Folgen nicht nur sein berufliches Leben, aber viele Aspekte des beruflichen “Alltags” eines Musicaldarstellers im Theater, bei Proben, Premieren und Pannen, aber auch außerhalb des Theaters etwa bei Promotionauftritten covert.
Derzeit ist Bollwerk bei der Musicalproduktion “Die Päpstin” in Fulda engagiert, und auch hier bietet er in einigen Folgen seines “Notizblogs” Blicke hinter die Kulissen.
Martin Bruny am Samstag, den
21. Mai 2011 um 00:59 · gespeichert in Absurditäten
Von Stunde Null an fühlte sich Alfons Haider, der personifizierte Publicity-Stunt in der ORF-Serie “Dancing Stars”, verfolgt. Verfolgt von einigen Promis wie Niki Lauda und Dagmar Koller, verfolgt von Medien und verfolgt von Bloggern. Und warum fühlte er sich verfolgt? Er meinte, man würde nicht goutieren, dass zwei Männer miteinander tanzen.
Das war aber nicht der wirkliche Grund, warum manche Medien so vehement auf das Vorgehen Haiders reagierten. In Wahrheit ging es nicht darum, dass zwei Männer miteinander tanzten, auch nicht darum, dass sie das im TV machten, es ging schlicht und einfach darum, dass damit ein Tanzwettbewerb ad absurdum geführt wurde.
Haiders Standardreflex, diese Kritik auf das Thema Sexualität hin zu interpretieren, spricht Bände und disqualifiziert ihn.
Mein Gott, Herr Haider, dass Männer miteinander tanzen, ist nun wahrlich nichts Neues, Sie sind nun bei Gott nicht der erste Mann, der mit einem Mann die Beinchen am Tanzparkett schwingt.
Könnten Sie bitte endlich zur Kenntnis nehmen, dass Sie bei “Dancing Stars” ausschließlich als Publicity-Stunt am Werke waren? Sie haben es doch schon lange vor Beginn der Show zugegeben.
Wenn diese Show auch nur Entertainment ist, die Jury musste sich regelrecht verarscht vorkommen, dass etwas zu bewerten war, das im Rahmen dieser Show nicht bewertet werden konnte. Zwei Männer tanzen nunmal anders als ein Mann mit einer Frau tanzt und, wie sie selbst ja so trefflich immer bemerkt haben, es gelten andere Regeln. Daher war es letztendlich ein Akt äußerster Unfairness, hier überhaupt anzutreten.
Sie können also gerne weiter das Opferlamm mimen, es wird Ihnen niemand abnehmen. Gehen Sie also in Würde, wie Sie meinten, aber gehen Sie.
Martin Bruny am Freitag, den
20. Mai 2011 um 12:42 · gespeichert in Musical, Ausbildung, Ungarn
Derzeit im Gange: Sylvester Levays Internationaler Musikwettbewerb, an dem 300 Interessenten aus acht Ländern teilgenommen haben. Die Vorrunden sind abgeschlossen, vom 29. bis 30. Juni findet mit den verbleibenden 50 Teilnehmern das Semifinale und am 1. Juli 2011 das Finale des Wettbewerbs statt. In einer Gala werden die Preisträger am 4. Juli im Budapester Operettentheater präsentiert.
Martin Bruny am Freitag, den
20. Mai 2011 um 12:23 · gespeichert in Musical, Wien
Die Vereinigten Bühnen Wien präsentierten heute eine IHS-Studie, die beweisen soll, dass sich die Subventionen an die VBW auch rechnen. Per Presseaussendung wird gemeldet:
Pro Jahr investiert die Stadt Wien 37,3 Millionen Euro an Subventionen für die Vereinigten Bühnen Wien. “Mit dem Einsatz dieser Mittel ermöglichen wir nicht nur Musiktheater auf höchstem Niveau, sondern schaffen damit Arbeitsplätze und unterstützen das Wachstum der Wiener Wirtschaft. Jeder Subventionseuro kommt 2,3 Mal an die Stadt zurück. Insgesamt sind das 87,4 Mio. Euro an Wertschöpfung allein für Wien. Dazu kommen 1.529 Arbeitsplätze, die durch die Tätigkeit der VBW gesichert werden”, so Vizebürgermeisterin Brauner bei der Präsentation der IHS-Studie. [ots]
Das wiederum lässt sich die ÖVP nicht so einfach verkaufen, schon im Vorfeld vermutete VP-Kultursprecherin Isabella Leeb, die IHS-Studio würde als wissenschaftliche Unterfütterung für eine geplante Erhöhung der Subventionen an die VBW dienen.
Und glaubt man den Gerüchten im Rathaus, dann soll diese Studie als Argumentationshilfe dienen, um den Musical-Bühnen der Stadt mehr Geld zukommen zu lassen; möglicherweise in Form einer Abgangsdeckung, denn die Bilanz der Vereinigten Bühnen soll heuer nicht besonders rosig ausfallen. “Ein wirtschaftlich komatöser Patient wird mittels Subvention künstlich am Leben erhalten”, meint VP-Kultursprecherin Isabella Leeb. [derstandard.at]
Dem ist - natürlich - nicht so, hat doch die SPÖ in Wien die Grünen im Koalitionsboot, und die würden ohnedies am liebsten Musical im Weltall, gesponsert by NASA, aber keinesfalls aus den Mitteln des Wiener Budgets, sehen. Nur so einfach wirds wohl nicht werden, wenn man in der Küche mitkochen will. Das heißts auch manchmal mitmachen beim Zwiebelschälen.
Martin Bruny am Donnerstag, den
19. Mai 2011 um 15:55 · gespeichert in Musical, Awards
Was haben
- “The Light in the Piazza”
- “Grey Gardens”
- “Wicked”
- “Caroline, or Change”
- “Next to Normal”
- “The Drowsey Chaperone”
- “Amour”
- “The Color Purple”
- “A Class Act”
- “The Wild Party”
gemein? Nun, sie waren zwar nominiert, haben aber den Tony Award in der Kategorie “Bestes Musical” nicht gewonnen.
gemein? Sie wurden als die jeweils besten Musicals ihres “Jahrgangs” mit dem Tony Award als “Best Musical” gekürt, sie sind die besten Musicals des 21. Jahrhunderts, bis dato, so es nach jener Jury geht, die die Tonys vergibt.
Dieses Jahr sind nominiert: “The Book of Mormon”, “Catch Me If You Can”, “The Scottsboro Boys” und “Sister Act”.
In der New York Times machte Kritiker Ben Brantley dieser Tage auf sich aufmerksam, als er die Show “The Book of Mormon” als das beste Musical des Jahrhunderts, also des 21. Jahrhunderts, bezeichnete (”the show that snared 14 Tony nominations this month and happens to be the best new musical (so far, anyway) of the 21st century”).
Kann man nur hoffen, dass die Tony-Jury sich da an seiner Meinung orientiert, denn fast könnte man anhand der Listen den Eindruck gewinnen, dass “Sister Act” am ehesten “Best Musical”-kompatibel ist.
Martin Bruny am Dienstag, den
17. Mai 2011 um 21:55 · gespeichert in Musical
Die Stimmung ist gar nicht gut im Stadttheater Baden. Ein drohender Schatten schwebt über dem 25-köpfigen Orchester.
Die Musikerinnen und Musiker waren bisher im Vergleich zu anderen Klangkörpern zwar deutlich unterbezahlt, aber sie hatten wenigstens Ganzjahresverträge. Findet sich kein Ausweg, werden sie ab 2012 nur Zehnmonatsverträge bekommen – und müssen zwei Monate stempeln gehen.
Schuld trägt die Stadt, die bisher mit knapp 400.000 Euro das Orchester mitfinanziert und dafür 140 Kurkonzerte eingekauft hat – eine hundertfünfzigjährige Tradition, die in Europa einzigartig ist. Jetzt will man für 70 Konzerte nur noch knapp 200.000 Euro zahlen.
Die fehlende Summe kann und will das Stadttheater nicht auffangen, obwohl es – seit im Eigentum des Landes stehend – um jährlich 800.000 Euro mehr Subvention bekommt.
Das Geld ist aber längst verteilt, auf Verwaltung und Technik vor allem. Mit ein Grund, warum sich das Orchester als Stiefkind des Hauses fühlt. [noen.at]
Martin Bruny am Mittwoch, den
11. Mai 2011 um 23:44 · gespeichert in Musical, Broadway
Der Kartenverkauf schwächelt, der Tony zeigte die lange Nase, und die Produzenten ziehen die Konsequenzen: Am kommenden Sonntag endet das Broadway-Abenteuer von Frank Wildhorns “Wonderland” - nach 33 regulären Vorstellungen fällt der Vorhang zum letzten Mal.