Archiv - April, 2007
Martin Bruny am Dienstag, den
17. April 2007 um 13:57 · gespeichert in Musical, Pop
I wanted to include a song by (Stephen Sondheim) on my 1981 album Torch and I was introduced to him by some friends of mine and spoke to him on the phone and he said he’d love to play his new musical Merrily for me and would I like to come to his apartment in Turtle Bay in New York ? So I said yes, and I went over and it was just Stephen there. He let me in and we sat at the piano and he played the whole score for me, which is interesting because it starts at the end and it goes to the beginning.
While he was doing it I had one of my famous anxiety attacks and in order to make it not so obvious, I did something that I’d never done before, which was to pinch my earlobe really, really hard, and I pinched it so hard so that the pain would be converted from my brain to my ear. And while he was playing this beautiful song «Not a Day Goes Byâ€, blood started to fall on my white shirt, on my crisp, white shirt. After he finished playing the song he couldn’t help but notice it and he said «Are you okay?†and I said «yes, I’m absolutely fine†and I was trying to cover the blood on my white shirt with my hand. He was incredibly kind, and I said «you know, I’ve got an appointment so I’ve got to goâ€.
But I ended up recording the song on that album and he came to the recording session, and there was an eighty piece orchestra which was conducted by Marty Paich. He (Stephen) was there and I recorded it on my knees because I didn’t want to see him in the recording studio. When I came out, he was in tears, and it was so rewarding for me. It’s one of the songs that I’m most proud of in my own repertoire. [Story]
Martin Bruny am Dienstag, den
17. April 2007 um 11:11 · gespeichert in Musical, Wien, Theater, Fotos

Am 16. April 2007 präsentierten Kathrin Zechner, Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien, und ihr Leading Team (Michaela Ronzoni/Buch & Lyrics, Christian Kolonovits/Musik, Arrangements & add. Lyrics; Stefan Huber/Regie, Harald Thor/Bühnenbild, Pia Virolainen/Licht-Design und Martin Mayer/Sound-Design) im Rahmen einer Pressekonferenz im Museumsquartier erste Details zur RonacherMobile-Produktion “Die Habsburgischen”.
700 Jahre Mythos, Politik, Wahnsinn, Intrigen und ganz normaler Familienalltag, mit Ironie und Witz servierte historische Momente, Anekdoten, eine zeitübergreifende musikalische Familiensatire, das ist es, was “Die Habsburgischen”, ein Stück, das, so Regisseur Stefan Huber, ein eigenes Genre innerhalb des Musiktheaters darstellt, im Kern sein werden - eigenwilliges, schräges, humorvolles Musiktheater. Mit Selbstironie auf die eigene Geschichte zu blicken, darum geht es, wobei man kein Geschichtskenner sein muss, um Vergnügen an der Story zu finden, gleichwohl gibt es für Habsburger-Spezialisten sehr wohl Ansatzpunkte, mit denen sie sich auf einem anderen Level auseinandersetzen können.
Michaela Ronzoni, die Autorin des Stücks, war schon als Kind von den Habsburgern begeistert und hat sich schon sehr früh ausführlich mit ihnen beschäftigt. Kurz vor der Matura, so Ronzoni, habe sie ein halbes Jahr den Stammbaum der Habsburger »nahezu zwanghaft« an der Wand über ihrem Bett gehabt, eine kleine Spezialistin auf dem Gebiet der Habsburger-Genealogie sei sie gewesen. Auch mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, sei sie in der Lage gewesen, aus dem Effeff knifflige Habsburger-Fragen zu beantworten: “1705 hat Joseph I. regiert, aber Moment, da war Leopold I. auch noch …” Nach der Matura sei dieses Wissen zwar etwas verblasst, während des Geschichtsstudiums war dann aber reichlich Gelegenheit, es in wissenschaftlich-historischer Hinsicht wieder zu vertiefen.
Im Rahmen ihrer Arbeit an den “Habsburgischen” hatte Ronzoni nun Gelegenheit, die “andere Seite” der Habsburger zu betrachten. Mit Vergnügen habe sie in den letzten Monaten in der Geschichte der Habsburger gestöbert, auf eine Weise, die es nicht erfordert, dass man sich an jede historische Wahrheit halten muss, es sei einfach ein buntes Stöbern in der Biographie und im Privatleben gewesen, so Ronzoni, weg von der Historie mit Betonung des Humorfaktors, das sei das Ziel gewesen.
Herausgekommen ist eine Geschichte, die grundsätzlich in der Kapuzinergruft spielt und vollkommen zeitübergreifend die Figuren der Habsburger, die von Ronzoni ausgewählt wurden, aufeinandertreffen lässt, vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, wobei nur Tote anwesend sind, die miteinander überhaupt nicht über wichtige Dinge reden. Geschichte im klassischen Sinn ist völlig bedeutungslos. Wichtig ist, was die Habsburger denken, was sie fühlen, wie sie miteinander als Familie umgehen, sozusagen der ganz normale Familienwahnsinn eines Clans, der eine nicht ganz unbedeutende Rolle in der Geschichte gespielt hat. Es geht um kleine Momente, um witzige Momente, um eine völlig neue Sicht der Habsburger, allerdings nicht im wissenschaftlichen Sinne.

Christian Kolonovits komponiert, arrangiert und bearbeitet die musikalische Seite der Produktion und fungiert als Musikalischer Leiter. Für ihn sind “Die Habsburgischen” eine Familiengeschichte, in der es um Lust geht, um das Vermitteln dieser Lust mit den Mitteln der Musik. Auf der musikalischen Seite der Produktion arbeitet der Komponist auf mehreren Ebenen. Zum Teil bedient er relativ respektlos mit viel Humor die Geschichte und mit bekanntem Collageartigem den Handlungsstrang, um zu erzählen und slapstickartig zu kontrapunktieren und zu karikieren. Kolonovits: »Satire ist dabei das Schlüsselwort. Es geht um die Lust, auf irgendwo Gehörtes sich einzulassen und den Zuschauern die Möglichkeit zu geben, sich wissend zurückzulehnen, um das für die Unterhaltung so wichtige “Das hab ich schon mal irgendwo gehört” zu bedienen. Blasmusik, Marsch und böhmische Polka stehen im Mittelpunkt der Stilmittel, monarchische Musik steht im Zentrum, in bearbeiteter Version. Ganz wichtig ist das Couplet. Mit Couplets kann man komplizierteste Dinge abhandeln und auf den Punkt bringen. Mit Hilfe des Couplets werden die Habsburger auf eine Ebene runtergebrochen, auf der sie eine ganz einfache, gemeine, kleine, liebenswerte, bösartige, perverse Familie sind. Einfache Menschen, über die man mit den Mitteln der musikalischen Satire lustvoll lachen und weinen kann.« Als Musterbeispiel der musikalischen Bearbeitungsweise, die bei den »Habsburgischen« zum Einsatz kommt, präsentierte Kolonovits “die” Habsburger-Nummer schlechthin: “Gott erhalte”, die alte offizielle Hymne des Kaisertums Österreich von 1826 bis 1918, komponiert von Joseph Haydn. Im “New Orleans Begräbnisstil” wurde diese Nummer vorige Woche mit dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien als Appetizer eingespielt.
Knapp mehr als die Hälfte des musikalischen Materials der “Habsburgischen” wird Kolonovits neu komponieren. Die andere Hälfte besteht aus Bearbeitung (Collagen, Slapstickartiges) beziehungsweise Adaption. Ziel ist es, aus Altem und Neuen eine Einheit zu formen. Dieses Ziel scheint Kolonovits dann erreicht, wenn man nicht mehr merkt, was neu komponiert und was “nur” bearbeitet wurde. Das sei, so der Komponist, der eigentliche Schmäh der großen Musicals der Amerikaner: »Wenn man da eine große Bigband-Nummer gehört hat, wusste man nie, ob das Stück nun von Duke Ellington oder »Count« Basie komponiert oder etwa neu geschrieben wurde. In Amerika ist man auf diese Art des Denkens stolz, weil man mit Klischees (im positiven Sinne) unheimlich viel vermitteln kann.« Genau so würde er die wunderbaren Klischees aus der Historie für die Habsburgischen gebrauchen und mit dem verbrämen, was er gerade »lustvoll im Kopf habe«. Seine neuen Kompositionen würde er dann wiederum mit der Historie kombinieren.
Der Schweizer Stefan Huber (Regie) hat seine Karriere vor fast 20 Jahren in Wien als Musicaldarsteller gestartet. Als junger, hoffnungsvoller Schauspieler hat er damals im Wiener Museumsquartier mit Proben zur Wiener Produktion von “Les Misà©rables” begonnen - bei den Vereinigten Bühnen Wien. Geplant hatte er damals, ein Jahr in Wien zu bleiben. Aus dem einen Jahr wurden sechs, und in dieser Zeit wechselte er die Fronten und wurde vom Schauspieler/Musicaldarsteller zum Regisseur. Danach ging er nach Deutschland. Für “Die Habsburgischen” nun haben ihn die Vereinigten Bühnen Wien nach all den Jahren wiederum ins Museumsquartier geholt.
Bei den “Habsburgischen”, so Huber, wird mit der Monarchie richtig anarchisch umgesprungen. Die Show ist ein Ritt durch die Zeiten, ein Riesenspaß für 8 Darsteller, die sich in über 40 Rollen auf der Bühne tummeln werden. Maria Theresia und eine zweite Figur werden durchgehend mit einer Darstellerin/Darsteller besetzt, die restlichen Schauspieler haben je 5 bis 7 Rollen zu verkörpern. Aus 3 Damen und 5 Herren wird sich die Cast zusammensetzen. Auch Sisi wird bei den “Habsburgerischen” auftauchen, allerdings der Schatten ihrer selbst bleiben. Das Ganze soll in einem Tempo und mit Witz abgehen, den man in einer Geschichtsstunde selten erlebt. Huber hat sein Team, mit dem er in den letzten Jahren im Musiktheaterbereich gearbeitet hat, mit nach Wien gebracht, unter anderem Harald Thor (Bühnenbild), der sich von Architektur des Museumsquartiers, die Neues mit Altem kombiniert, begeistert zeigte. Er möchte diesen Stilmix, der thematisch gut zu den “Habsburgischen” passt, auch bei der Entwicklung des Bühnenbilds mit einfließen lassen. Sein Ziel ist die Verbindung von alter Architektur mit neuem Material und neuer Architektur.
Noch keine Details sind bezüglich der Cast bekannt gegeben worden. Derzeit werden mit diversen Darstellern Gespräche geführt.

DIE HABSBURGISCHEN
Eine musikalische Familiensatire ab 20. Oktober im Museumsquartier
Premiere: 20. Oktober 2007 im Museumsquartier/Halle E.
Vorstellungen bis zum 16. Dezember 2007, jeden Tag außer Mittwoch
Leading Team
Buch, Lyrics: Michaela Ronzoni
Musik, Arrangements, add. Lyrics: Christian Kolonovits
Regie: Stefan Huber
Bühnenbild: Harald Thor
Kostüme: Susanne Hubrich
Licht-Design: Pia Virolainen
Sound-Design: Martin Mayer
Es spielt ein 20-köpfiges Orchester der VEREINIGTEN BÜHNEN WIEN unter der Leitung von Christian Kolonovits. Die Cast-CD wird am Tag der Premiere erhältlich sein.
Martin Bruny am Dienstag, den
17. April 2007 um 00:41 · gespeichert in Musical
Neben Marjan Shaki wird auch Lukas Perman im Januar und Februar 2008 in einer japanischen Produktion von Maury Yestons “Phantom” in Japan zu sehen sein. In der Rolle des “Philip” steht er im Januar 2008 in Osaka (Main Hall des Umeda Arts Theaters) und Nagoya (Aichi Kosei Nenkin Kaikan Theater), im Februar in Tokyo (Aoyama Theater) auf der Bühne. [Tagebuch von Lukas Perman]
Martin Bruny am Montag, den
16. April 2007 um 14:45 · gespeichert in Musical, Wien
“We Will Rock You” und Wien, das ist so eine Sache. Offiziell ist noch keine Spielstätte bekannt, kein Premierentermin, aber die ersten Darsteller unterschreiben gerade die Verträge. So steht mittlerweile fest, dass Jessica Kessler in Wien “Scaramouche” spielen wird. Nachzulesen auf ihrer Homepage.
Martin Bruny am Montag, den
16. April 2007 um 13:36 · gespeichert in Flicks

filmcasting.at sucht 5000 Statisten jeden Alters für das Projekt “Film ab!” von Nicole Six und Paul Petritsch. Die Dreharbeiten finden am 24. Mai 2007 von 13:00 bis 16:00 im Hof der Filmakademie Wien statt. Die Idee dahinter ist, dass sich in einem Zeitraum von ca. 2 Stunden etwa 7.000 Personen auf dem Campus aufhalten. Mitmachen kann praktisch jeder. Als Honorar sind 15 Euro vorgesehen. Anmeldung und Infos hier.
Martin Bruny am Sonntag, den
15. April 2007 um 23:13 · gespeichert in Flicks, Event-Tipps
Am 16. April 2007 startet im Wiener Metro-Kino die erste größere Werkschau, die dem Regisseur und Schauspieler Peter Kern gewidmet ist. Er arbeitete mit allen wichtigen Regisseuren des Neuen Deutschen Films zusammen. Als Regisseur widersetzte er sich dem gängigen Kunst- und Kommerzkino, seine Arbeiten aber wurden oft als Trash abgewertet, er blieb ein Außenseiter.
Im Rahmen dieser Werkschau wird auch “Die toten Körper der Lebenden” gezeigt, ein Film, der seine Uraufführung am 21. März 2007 bei der “Diagonale” in Graz erlebte und nach Motiven von Jean Genets einzigem Film “Un Chant d’Amour” gedreht wurde - eine Gratwanderung zwischen Schönheit, Grausamkeit, Verletzung, Provokation und Übertreibung.
“Die toten Körper der Lebenden”
A 2007
REGIE, BUCH: Peter Kern
KAMERA: Norman Kathi
SCHNITT: Jens Diestel
MUSIK: Miroslav Mirosavljev
DARSTELLER: Andreas Bieber, Oliver Rosskopf, Traute Furthner, Heinrich Herki
PRODUKTION: Viewfinders, Wien/Alma Film, Kulturpolizei Filmproduktion,
UA: 21.3.2007, Graz (Diagonale)
LÄNGE: 70 Minuten
FORMAT: Beta-SP
Martin Bruny am Sonntag, den
15. April 2007 um 15:09 · gespeichert in Theater, 2007

Die Frage ist: Würde das Volkstheater am Broadway liegen und hätte “Cabaret” da seine Uraufführung erlebt, wäre dann jemals eine Cast-CD erschienen? Man kann Musicals in verschiedensten Inszenierungen auf die Bühne stellen, aber man sollte doch nie darauf vergessen, sie doch mehr als ein kleines bisschen Musical bleiben zu lassen.
“Cabaret” im Volkstheater ist gefühlsmäßig viel mehr in Richtung Franz Antels “Bockerer” getuned als in Richtung von Kander/Ebbs Kultshow. Wobei nichts dagegen spricht, filmreife Szenen auf die Bühne zu zaubern: Wenn am Ende des ersten Akts die Nazifahnen “im ganzen Theater” (subjektiver Eindruck) wehen (auch subjektiv, weil sie ja einfach nur runterhängen, aber da greift die Inszenierung), dann ist das einer der guten Momente in der Show. Gut im Sinne von wirkungsvoll. Eine Reihe von wirkungsvollen Momenten war auch scheinbar das Hauptanliegen des Regisseurs. Da ist am Anfang die “Szene am Flugfeld”, die sich bei jedem Zuschauer nur im Kopf abspielt, weil auf der Bühne eigentlich ja nicht mehr als dunkles Schwarz zu sehen ist, in den Erinnerungsfetzen im Kopf aber alles an Flughafenszenen abläuft, was man je live und im TV/Kino erlebt hat, endend bei “Casablanca”. Wenn der Vorhang dann aufgeht und man den alten schmuddeligen Kit-Kat-Klub sieht, dann ist auch das großes Kino. Eine Szene geht fließend in die andere über, die Theatermaschine schnurrt und funktioniert. Man kann also der Inszenierung in diesen Punkten keine großen Vorwürfe machen - der Rahmen, in dem sich eine perfekte Musicalshow abspielen könnte, ist durchaus gegeben, aber … wenn dann die Darsteller ins Spiel kommen, beginnen die Probleme.
Die “Bill”, einer der Stars der Produktion, war schon in der zweiten Vorstellung abwesend, ihr Understudy Katharina Straßer hat zwar die Looks, aber stimmlich ist sie alles andere als beeindruckend. Star wird man nicht, indem man eine Rolle spielt, die Starqualitäten fordert, die Ausstrahlung eines Stars bringt man mit oder nicht (zum jeweiligen Punkt der eigenen Karriere in einem gegebenen Stück). Straßer ist weit entfernt davon, in “Cabaret” diese Starqualitäten servieren zu können. Sie meistert die Schauspielszenen überzeugend, aber “Sally Bowles” ist sie keine. Stimmtechnik, Interpretation, Auftreten, Mimik, Gestik - all das ist bei Straßers “musicalischen” Darbietungen mehr als ausbaubar. Noch in der Pause rätselten einige Besucher des Volkstheaters: “Wann kommt denn die Bill? Das muss aber eine kleine Rolle sein!” Sie hatten nicht bemerkt, dass Bills Understudy längst an der Arbeit war. Und, meine Güte, wenn man das Stück nicht kennt, man kann es ihnen fast nicht verdenken. Ich kann Michael Schottenbergs Argument, mit dem er seine Besetzungsstrategie begründet, nachvollziehen, wenn er meint, dass es sicher viele Zuschauer interessiert, wie sich ihre Lieblinge, die sie aus den Sprechstücken kennen, in einem Musical machen, aber “Sally Bowles” so zu besetzen, ist, natürlich nur rein musicalisch gesehen, fahrlässig. Straßers Erfahrung mit dem Genre Musical, nachzulesen auf der Website ihrer Agentur, beschränkt sich auf “mehrere Musicals als Kind in Innsbruck”. Mehr ist dazu dann auch nicht zu sagen. oder doch, eines noch. Es liegt nicht so sehr an der Stimme als an der Art und Weise, wie Straßer “Sally Bowles” anlegt. Man könnte sich durch diese Rolle vermutlich auch mit einer noch schlechteren Stimme kämpfen und doch als Star über die Rampe kommen. Betrachtet man das Ganze von dieser Angelegenheit, würde das Problem wiederum im Bereich des Schauspiels liegen. Das wahre Problem ist einfach, dass man für die Rolle der “Sally Bowles” eine Entertainerin sein muss oder zumindest so ausgebildet, dass man eine spielen kann. Maria Bill hat das drauf, so wie auch, kein charmanter Vergleich, aber wurscht, Johannes Heesters, der sich auch noch mit 185 Jahren ein kleines Zigarettchen anzünden würde als Graf “Danilo Danilowitsch” in “Die lustige Witwe”. “Sally Bowles” in der Broadway-Uraufführung 1966 von “Cabaret” wurde von Jill Haworth nicht als “First Class Entertainerin” gezeichnet wie jene “Sally Bowles”, die Liza Minnelli in der Verfilmung von 1972 gegeben hat, aber immerhin als Entertainerin, wenn auch als zweit- oder drittklassige. Katharina Straßer ist mehr die Unschuld vom Land als der verruchte Kit-Kat-Vamp.
Marcello de Nardo, der den Confà©rencier (und Grenzbeamten) gibt, kann man nun Musicalerfahrung nicht absprechen, auch wenn es einige Jährchen her ist. Ganz sicher ist auch seine Interpretation eine mögliche, aber es hat etwas von einer gewissen Derbheit, die eher an einen schmierigen Zuhälter erinnert als an jenes androgyne Wesen, das man von manchen Darstellern dieser Rolle kennt. Gewiss, das ist Absicht, und wenn man die insgesamt unsexieste Version von “Cabaret” wählen würde, die Schottenbergsche Inszenierung würde haushoch gewinnen.
Das große Problem bei der Volkstheater-Version von “Cabaret” ist die Lieblosigkeit, mit der manche Lieder von Kander/Ebb über die Bühne kommen. Wie viel man aus den Songs rausholen kann, ist jederzeit nachzuhören, beispielsweise auf dem Original Soundtrack der Verfilmung mit Liza Minnelli oder jeder x-beliebigen Cast-CD. Da liegen interpretatorisch Welten dazwischen. Und das muss nicht sein. Wir haben in diesem Land genügend ausgebildete Musicaldarsteller, die singen und schauspielen können, und trotzdem in Würschtlbuden oder sonstwo jobben, um über die Runden zu kommen.
Raphael von Bargen als Clifford Bradshow, spielt brav und blass. Heike Kretschmer holt fast das Maximum aus ihrer Rolle “Fräulein Kost”. Die Kit-Kat-Girls sind ganz nett anzusehen, aber nicht in einer Liga mit dem, was man sich normalerweise tänzerisch und gesanglich erwartet. Susa Meyer hat den Damen eine Choreographie maßgeschneidert, die sie in keinem Augenblick überfordert - man darf auch hier nicht vergessen, dass man es großteils mit Schauspielern und nicht mit ausgebildeten Musicaldarstellern zu tun hat.
Kommen wir zu den wahren Stars von “Cabaret”: zwei Wiener Volksschauspieler, Hilde Sochor und Heinz Petters. Sochor als Pensionswirtin Fräulein Schneider und Heinz Petters als jüdischer Obst- und Gemüsehändler Schultz brillieren in jeder ihrer Szenen. Dass die beiden Publikumslieblinge für diese Produktion engagiert wurden, kommt nicht von ungefähr. Es scheint durchaus Strategie zu sein, mit Hilfe einiger Stars das Theater zu füllen. Das ist beliebt, das funktioniert weltweit für eine gewisse Anzahl von Vorstellungen immer, so auch im Fall von “Cabaret”. Heinz Petters und Hilde Sochor haben Verehrer, Fans, wie immer man das bezeichnen mag - sie werden vom Publikum geliebt, und da geht man sich schon mal das neue Stück ansehen, in dem sie spielen. “”Cabaret”? Da gabs doch mal einen alten Film vom Willi Forst, oder? Ach is das nett, dass sie den jetzt im Volkstheater als Stück bringen.” So in etwa kann man sich das vorstellen. Und seien wir ehrlich, nicht mal die Erwartungshaltung eines 95-jährigen Sochor-Fans wird durch dieses “Cabaret” enttäuscht, denn die Songs stören kaum. Sie sind Beiwerk, wie in den alten Kinofilmen, wenn Hans Moser mal die Ballade von der Reblaus anstimmt. “Cabaret” im Volkstheater wäre konsequenterweise als urwienerisches Stück zu verwirklichen gewesen, denn die Art und Weise, wie die Thematik Nationalsozialismus gefühlsmäßig transportiert wird, eben vor allem durch die beiden (in dieser Inszenierung) Hauptdarsteller Hilde Sochor und Heinz Petters, hat etwas von der Wehmut, die man eben auch in den besten Momenten von Filmen wie “Der Bockerer” kennt. Die beiden Volksschauspieler können allein mit einer kleinen Geste mehr ausdrücken, als so manch anderer mit einem ganzen Lied. Der dritte Star, neben Hilde Sochor und Heinz Petters, dieser Produktion wäre beziehungsweise ist, wenn sie denn spielt, Maria Bill. Das Drama dieser Besetzungsstrategie: ein dreibeiniger Sessel “funktioniert” nur, wenn alle drei Beine vorhanden sind.
Soundmäßig ist die Volkstheater-Inszenierung eine Zumutung. Werden die Gesangspassagen mit Mikros verstärkt, so ist das bei den Sprechpassagen (natürlich) nicht der Fall. Das Ergebnis ist ein Mischmasch, in dem viele Textstellen schwer verständlich sind, wenn man nicht gerade in den ersten sieben Reihen sitzt - nur die “alten Meister” Sochor und Petters versteht man (natürlich) auch im hintersten Eck des Theaters.
Das Bühnenbild (Hans Kudlich) ist ein Traum, gut durchdacht, zum Teil sehr üppig und bis in die Einzelheiten mit Liebe gestaltet. Es ist auch der Wille zu spüren, zumindest zu versuchen, das ganze Theater in einen riesigen Kit-Kat-Klub zu verwandeln, was natürlich scheitern muss bei einem Repertoirebetrieb.
Das Beste, was man normalerweise über Kostüme (Erika Navas) sagen kann, ist ja, dass sie nicht weiter auffallen, weil sie einfach so stimmig sind. Das trifft in diesem Fall zu. Sie sind stimmig, passen in die Zeit, in der die Handlung spielt. Qualitätsarbeit.
Das Kit-Klub-Orchester unter der Leitung von Herbert Pichler bleibt dezent im Hintergrund und liefert guten Sound zu oft mittelmäßigem Gesang. Eine kleine Tragödie.
Fazit: Drei Stars am Wiener Volkstheater, eine gelungene Inszenierung mit vielerlei Grellem, ein perfektes Set in einem Musical, das mehr Schauspiel als Musical ist. Dennoch sehenswert. Mit Karten wird es allerdings schwer, denn das Stück hat sich zum Renner gemausert. Musicals füllen die Theater in Wien, man muss nur wissen, wie.
Cabaret
Musical nach “Ich bin eine Kamera” von John van Druten und Erzählungen von Christopher Isherwood
Buch: Joe Masteroff
Musik: John Kander
Texte: Fred Ebb
Deutsche Übersetzung: Robert Gilbert
Fassung von Chris Walker 1997
Kreativteam
Regie: Michael Schottenberg
Bühne: Hans Kudlich
Kostüme: Erika Navas
Musikal. Einrichtung/Leitung: Herbert Pichler
Choreographie: Susa Meyer
Dramaturgie: Hans Mrak
Regieassistenz: Kristina Burchhart
Bühnenbildassistenz: Kerstin Bennier
Kostümassistenz: Tina Hildenbrandt
Ton: Bernhard Sodek
Korrepetition: Herbert Pichler/Bernhard van Ham
Inspizienz: Franz Puzej, Sigmar Kusdas
Souffleuse: Romy Martinis
Cast
Maria Bill/Understudy Katharina Straßer (Sally Bowles)
Jennifer Frank (Lulu)
Katarina Hartmann (Dolly)
Amelie Hois/Oscar Schöller (Ein Kind)
Annette Isabella Holzmann (Topsy)
Heike Kretschmer (Fräulein Kost)
Rita Sereinig (Swing/Dance Captain)
Hilde Sochor (Fräulein Schneider)
Doris Weiner (Helga)
Raphael von Bargen (Clifford Bradshaw)
Peter Becker (Ernst Ludwig)
Andy Hallwaxx (Horny)
Christoph F. Krutzler (Rausschmeißer/Gorilla)
Marcello de Nardo (Confà©rencier)
Heinz Petters (Herr Schultz)
Kit-Kat-Orchester
Herbert Pichler/Bernhard van Dam (Piano), Klaus Göhr/Rudolph Fischerlehner (Schlagzeug), Johannes Strasser/Heinrich Werkl (Kontrabass), Gerald Preinfalk/Romed Hopfgartner (Blasinstrumente), Alexander Shevchenko/Alen Dcambix (Akkordeon)
Gäste im Kit-Kat-Klub/Matrosen
Leopold Böhm, Gerhard Fuchs, Erich Gratzl, Marco Herse, Wolfgang Kandler, Jürgen Kapaun, Mathias Messner, Stefan Pohl, Tobias Strohmaier, Robert Weixler
Tickets: www.volkstheater.at
Martin Bruny am Samstag, den
14. April 2007 um 10:54 · gespeichert in Musical, Theater, Event-Tipps
Marjan Shaki wird im Dezember 2007 mit den Proben für Maury Yestons “Phantom” beginnen. Als Mutter des Phantoms wird sie im Januar 2008 Premiere haben - in Japan. Die Show wird in japanischer Sprache mit einem japanischen Ensemble gespielt und durch Osaka, Nagoya und Tokio touren. [Story]
Martin Bruny am Samstag, den
14. April 2007 um 01:43 · gespeichert in Theater
1997 schrieb der Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler Patrick Marber das Theaterstück “closer”, das seit seiner Uraufführung am Royal National Theatre für heftige Diskussionen sorgt. So war in einer Rezension der “taz” anlässlich der deutschen Produktion von “Hautnah” anno 2000 im Oldenburgischen Staatstheater unter dem Titel “Wie das Lotterleben so spielt - sie fickten und sie schlugen sich” Folgendes zu lesen:
Männer lassen die Hosen runter, Frauen brechen durch eine riesige Leinwandvagina auf die Bühne. So hinterrücks defloriert prangen die gespreizten Schamlippen dem Oldenburger Publikum direkt ins Gesicht. Die Premiere von Patrick Marbers “Hautnah” löste unter der Regie von Urs Odermatt den Titel des Stückes ein und trennte dadurch nach der Pause im Oldenburgischen Staatstheater zartbesaitetere TheatergängerInnen von den aufgeschlosseneren. Die bildeten dann aber eine klare Mehrheit und quittierten die Inszenierung mit viel Beifall.
2004 kam eine Verfilmung des Stoffes in die Kinos, die ganz offensichtlich weit weniger unzüchtig angelegt war, dafür aber mit hübschen Darstellerinnen und Darstellern (Julia Roberts, Jude Law, Natalie Portman und Clive Owen) sowie einem süffigen Soundtrack aufzuwarten hatte.
2007 feiert “closer” seine Wien-Premiere am Ensembletheater, einer kleinen, ambitionierten Wiener Bühne, die praktisch immer sehenswerte Produktionen bietet. Als Gastspiel des vienna theatre project geht die Premiere von “closer” (in englischer Sprache) am 7. Mai 2007 über die Bühne. Im Pressetext zur Produktion wird der Stil des Stücks von Marber wie folgt skizziert:
“Marber schreibt in “sound bites” … seine Sprache würde Uwe Kröger erröten lassen. Eines sollten Sie wissen: das ist kein viktorianisches Salondrama, das ist das Spiel zweier Paare – jede/r von ihnen ist in jemand anderen verliebt und fühlt sich gleichzeitig auch zum anderen des anderen hingezogen.
Nun, was “closer” auch nur im Ansatz mit Uwe Kröger zu tun hat, werden wir vermutlich nie erfahren, aber das macht nichts. Worum es in “closer” geht, kann man auch ohne Musicalbezug formulieren (denn mit Musical und Musicaldarstellern hat dieses Stück sowas von nichts zu tun):
Es beginnt in der Notaufnahme eines Krankenhauses, wohin Dan Alice brachte, nachdem er beobachtet hatte, wie sie auf der Blackfriars Bridge niedergefahren worden war. Dan schreibt Nachrufe, und sieht sich als zukünftiger Schriftsteller, der gerade auf der Suche nach einem passenden Thema ist. Alice ist eine junge, hübsche Stripperin, hinter deren verwundbarem Auftreten ein eherner emotionaler Absolutismus verborgen liegt. Dan zieht bei Alice ein, schreibt ein Buch über sie – und verfällt dann ganz der Photographin Anna, die für ihn Photos für die Werbekampagne seines Buches schießen soll.
Als er sich daraufhin im Internet als eine sexbesessene Phantasie-Anna ausgibt, steuert er sie unbeabsichtigt in eine Beziehung mit Larry, einem etwas ungehobelten, aber herzlichen Arzt – der rein zufällig Alice in der ersten Szene behandelt hatte.
So beginnt eine mitreißende und oft wilde Quadrille von Liebe und Betrug. Was Marbers Stück so besonders macht, ist seine schonungslose Darstellung der Brutalität von Beziehungen. Sexueller Neid und Eifersucht zeigen hier offen ihr hässliches Gesicht. Hilflos verfängt sich Larry in Grausamkeit und Selbsterniedrigung, als er zurückgewiesen wird. Dan und Anna werden als feige Lügner entlarvt. Nur Alice bleibt bis zum Ende ehrlich, wofür sie bezahlen muss. Marber deutet an manchen Stellen an, dass die fehlende Treue seiner Charaktere Ausdruck eines in der Gesellschaft unausweichlichen Kompromisses sei. Das wirkt doch sehr pessimistisch, aber »closer« ist nur selten so düster. Das Stück ist gespickt mit trockenem Humor und wahnwitzigen Verwicklungen.
»Closer«
von Patrick Marber
Ensemble Theater, Petersplatz 1, 1010 Wien
7. bis 19. Mai 2007 - Vorstellungsbeginn: 19.45 h.
Premiere: 7. Mai 2007, Spielfreie Tage: 13. und 14. Mai
Kreativteam
Prdn. Mgr: Alina Cibea
Lighting Design: Wolfram Zoettl
Photography: Ine Gundersveen
Asst. to the Director: Nina Kusche
Front of House Mgr: Sharron Aubrey
Lighting Technician: Ensemble Theater
Stage Manager: Pamela Schermann
PR, Sponsorship: Joanna Seidl, Sarah Hayes, Mariyana Radeva, Natalie Cantini
Teacher Material: Juliet Najjar
Teacher Liaison: Natalie Cantini
Cast
Michael Smulik (Dan)
Howard Nightingall (Larry)
Katharina Sporrer (Alice)
Heike Brunner (Anna)
Tickets ticket@viennatheatreproject.at
Martin Bruny am Donnerstag, den
12. April 2007 um 23:24 · gespeichert in Musical, Wien, Event-Tipps
Am Mittwoch, dem 2. Mai 2007 steht in der Wiener Volksoper “Kurt Weill - Von Berlin an den Broadway”, eine Soirà©e mit Christoph Wagner-Trenkwitz, auf dem Programm.
Kurz vor der Volksopern-Premiere der Weill-Operette “Der Kuhhandel” (die am 5. Mai 2007 über die Bühne geht) demonstriert diese Veranstaltung die enorme Schaffensvielfalt, die Kurt Weill in seinem nur fünfzigjährigen Leben erreichte: So hinterließ er Spuren in der deutschen Oper des 20. Jahrhunderts, setzte in seiner Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht (”Die Dreigroschenoper”, “Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny”) neue Maßstäbe und wurde nach seiner Emigration in die USA auch ein bedeutender Exponent des Musicals.
Es wird ein Abend mit exzellenter Musik, interpretiert von Gästen und Ensemble-Mitgliedern der Wiener Volksoper. Der Pianist und Arrangeur Bà©la Fischer wird, assistiert von einem jazzigen Kammerensemble, vielen Weill-Songs, beispielsweise aus dem Psychoanalyse-Musical “Lady in the Dark” oder dem Werk “Lost in the Stars” modernen Schwung verleihen.
Kurt Weill - Von Berlin an den Broadway
Musikalische Leitung und Arrangements: Bà©la Fischer
Gestaltung und Präsentation: Christoph Wagner-Trenkwitz
Mit Adrineh Simonian, Isabel Weicken, Karl-Michael Ebner, Gernot Kranner, Morten Frank Larsen, Stefan Cerny, Alexander Kuchinka, Julius Darvas (Bass), Axel Rot (Schlagzeug), Helmut Hödl (Klarinette)
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